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Full text of "Palaeontographica"

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JUL 2 5 1931 


PALAEONTOGRAPHICA 


BEITRAGE 


ZUR 


NATURGESCHICHTE DER VORZEIT 


Herausgegeben 


von 


in Tübingen in Gottingen 
Unter Mitwirkung von 


O. Jaekel, A. von Koenen, A. Rothpletz und G. Steinmann 


als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft 


SUPPLEMENT-BAND V 


A. Schrammen: Die Kieselspongien der oberen Kreide von Nordwestdeutschland 


Mit 45 Tafeln, 15 Texttafeln und 5 Textfiguren 


STUTTGART 1910—1912 
EK. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung 
Nägele & Dr. Sproesser 


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Die Kieselspongien 


der oberen Kreide von Nordwestdeutschland 


I. Teil 


Tetraxonia, Monaxonia und Silicea incert. sedis 


von 


A. Schrammen 


Herausgegeben mit Unterstützung 
der Kgl. preussischen Akademie 
: der Wissenschaften in Berlin : 


Mit-24 Tateln und 8 Texttafeln 


STUTTGART 1910 


E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung 
Nägele & Dr. Sproesser 


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2 PALAEONTOGRAPHICA 


PÉPFRAECE 


ZUR 


ATURGESCHICHTE DER VORZEIT 


Herausgegeben 


von 


E. KOKEN una J. F. POMPECK) 


in Tübingen in Göttingen. 


Unter Mitwirkung von 


O. Jaekel, A. von Koenen, A. Rothpletz und G. Steinmann 
als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 


Supplement V. 
Erste Lieferung. 


Inhalt: 


| Schrammen, A., Die Kieselspongien der oberen Kreide von rer ER L Teil. Lieferung 1. 
(S. 1—96 mit Taf. I-XIL) 


A Stuttgart. 


EB Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. 
1910. 


Ausgegeben im Juli 1910, 


x 


E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser in Stuttgart. 


Vor Kurzem erschien: 


Prof. Dr. Charles Depéret: 


Die Umbildung der Tierwelt. 


Eine Einführung in die Entwicklungsgeschichte auf paläontologischer Grundlage. 
Ins Deutsche übertragen von Rich. N. Wegner, Breslau. 


8°. 330 Seiten. — Preis brosch. Mk. 2.80, geb. Mk. 3.30. 


... Die Übertragung dieses Werkes in das Deutsche ist wit Freude zu begrüßen. Sie 
macht auch weitere Kreise mit den Anschauungen bekamnt, die ein als Forscher angesehener 
Paläontologe Frankreichs sich über Probleme gebildet hat, mit denen wir uns in Deutschland so 
intensiv beschäftigen. Die Kunst der Darstellung, die Art, wie das positive Material verwertet 
und so zurückhaltend verteilt ist, daß der Genuß am Lesen fast nie unterbrochen wird, erinnert 
zuweilen an die Form der Darwinschen Werke. Das Werk ist eine hervorragende Leistung, 
die wohl verdient, in Deutschland eingeführt zu werden. ... 

E. Koken, Tiibingen. (Neues Jahrbuch für Mineralogie ete. 1909 Bd. II. 2.) 


E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser in Stuttgart. 


Vor Kurzem erschien: 


Lehrbuch der Vergleichenden 
Anatomie der Wirbeltiere 


von 
Prof. Dr. W. Schimkewitsch, 
Direktor. des Zoologischen Instituts in St. Petersburg. 


Ins Deutsche übertragen und bearbeitet von 
Dr. H. N. Maier, München und B. W. Sukatschoft, Dorpat. 


Gr. 8°. 650 Seiten mit 635 zum großen Teil farbigen Textabbildungen 
in 971. Einzeldarstellungen. 


Preis brosch. Mk. 18.—, geb. Mk. 19.50. 


Dieses nach dem Urteil hervorragender Zoologen nach Inhalt und Ausführung hochbedeutsame 
Werk wird sich auch für jeden Paläontologen als unentbehrlich erweisen, | 


Einleitung. 


Der große Reichtum an fossilen Kieselspongien, der eine auffallende Eigentümlichkeit der oberen 
Kreideformation Nordwestdeutschlands und hauptsächlich der preußischen Provinz Hannover bildet, 
hat schon seit langen Jahren die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf sich gezogen. 

Nachdem Gorpruss in den Jahren 1826—33 in den ,,Petrefacta Germaniae‘ auch einige Spongien- 
Spezies von Goslar und Coesfeld beschrieben hatte, unternahm es F. A. RoEMER im Jahre 1840 in seinen 
„Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegebirges“ eine Übersicht aller damals aus der Kreide Nord- 
westdeutschlands bekannten Spongienarten zu geben, worin er auch fast 40 neue Arten aufstellte. Welches 
Interesse F. A. RoEMER dauernd den Schwämmen entgegenbrachte, die in der Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts wegen der durch die unzulänglichen Untersuchungsmethoden bedingten Schwierigkeit einer 
sicheren Bestimmung und systematischen Gliederung die Stiefkinder der Paläontologie waren, zeigt 
deutlich die Tatsache, daß er im Jahre 1864, fast ein Vierteljahrhundert nach der Veröffentlichung der 
,,Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegebirges“ im 13. Bande dieser Zeitschrift als Monographie 
„die Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges“ brachte. Es ist bemerkenswert, daß RoEMER 
schon damals manchen Arten ein kieseliges Skelett zuschrieb, das durch Behandlung der Fossilien mit 
verdünnter Salzsäure zu erhalten sei. 

Einige Jahre später (1872) erschien ScaLürers Abhandlung ‚Über die Spongitarienbänke der 
oberen Quadraten- und unteren Mucronaten-Schichten des Münsterlandes“, in der zahlreiche Arten der 
älteren Autoren angeführt, aber auch 2 neue Hexactinellidenspezies, Becksia Soeckelandi und Lepido- 
spongia rugosa beschrieben wurden, die SCHLÜTER zu Leitfossilien der Quadraten- bezw. unteren Mucro- 
natenkreide Westfalens erhob. 

Im Jahre 1877 gab QuEnsteor den 5. Band seiner Petrefaktenkunde Deutschlands heraus, der nur 
von Schwämmen handeln sollte und unter anderen sehr naturgetreue Abbildungen einer großen Zahl 
von Arten der oberen Kreide Nordwestdeutschlands enthält. 

In diese Zeit fallen auch die Veröffentlichungen von Karl A. v. Zırteıs klassischen ‚Studien über 
fossile Spongien“, die sich ja hauptsächlich auf Material aus der nordwestdeutschen Kreide stützen. Der 
große Paläontologe bewies, daß auch bei den fossilen Spongien die Kenntnis des Skelettaufbaues als 
Grundlage für die Ermittelung der natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse dienen muß, und brachte 
Ordnung in das Chaos der systematischen Begriffe. 

Größere Abhandlungen über fossile Spongien aus der oberen Kreide von Nordwestdeutschland 
sind nach v. Zirrets Spongienstudien nicht mehr herausgegeben worden. Man findet aber Artenverzeich- 
nisse und auch einige Beschreibungen neuer Arten in GRIEPENKERLS!) „Kreide von Königslutter“ und in 


1) O. GRIEPENKERL. Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogtum Braunschweig. Palä- 


ontologische Abhandl. von W. Dames und E. Kayser. Bd. IV, S. 15—24, 1889. 


Palaeontographica. Suppl. V, 1 


den Arbeiten von WoLLEMANN !) über die Kreide von Biewende, die Kreide von Lüneburg und die Kreide- 
bildungen in der Umgebung von Braunschweig. PoërTA?) hat die Spongienfauna des Cuvieri-Planers von 
Paderborn beschrieben, und auch der Verfasser*) konnte vor einigen Jahren in den Mitteilungen aus dem 
Roremer-Museum in Hildesheim einige kleinere Arbeiten veröffentlichen, die Beschreibungen neuer Arten 
und Beiträge zur Stammesgeschichte und Systematik enthalten. 

Die Autoren vor v. ZITTEL, von denen ja ein großer Teil der heute bekannten Arten herrührt, haben 
wohl die äußere Form mehr oder weniger eingehend beschrieben, aber kaum mehr als einen schüchternen 
Versuch gemacht, auch die Skelettstruktur zu berücksichtigen. Darum kann man nur dann die der modernen 
Systematik entsprechende Familie und Gattung der älteren Arten angeben, wenn man entweder durch 
eigene Untersuchungen die Skelettstruktur der Originalexemplare kennen gelernt hat, was ja aus mancherlei 
Gründen nicht immer möglich sein wird, oder Stücke mit gut erhaltenen Skelettelementen kennt, deren 
Artzugehörigkeit wegen der jede Verwechselung ausschließenden Körperform oder aus anderen Gründen 
unzweifelhaft feststeht. | 

Fast alle Spezies von Gozpruss und QUENSTEDT sind ja deshalb verhältnismäßig sicher zu identi- 
fizieren, weil diese beiden Autoren großen Wert auf naturgetreue Abbildungen gelegt haben. Das ist leider 
bei F. A. Rormer anders. Die Abbildungen sind hier oft recht mangelhaft, wesentliche Einzelheiten 
unterdrückt, unwesentliche in übertriebener Weise hervorgehoben. Glücklicherweise konnte v. ZITTEL 
einen Teil der Rormer’schen Originale untersuchen. Einen anderen Teil habe ich selber in den Samm- 
lungen des RoEMER-Museums aufgefunden. Einiges wird auch verständlicher, wenn man erst mit der ROEMER- 
schen Darstellungsweise vertraut ist, und die Vorkommnisse an den Fundpunkten, die RoEMER ausgebeutet 
hat, kennt. Trotzdem bleiben noch eine Anzahl alter Spezies übrig, deren generische Stellung wohl 
erst bekannt werden wird, wenn einmal ein glücklicher Zufall die Originale aus der Verborgenheit 
ziehen sollte. 

Hier lasse ich zunächst eine Revision der von RoEMER in den ,,Versteinerungen des Norddeutschen 
Kreidegebirges‘‘ und den ,,Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges“ gegebenen Tafelerklärungen 
folgen. Zuerst kommt die Rormer’sche Artbezeichnung; bei den Spezies, deren Zugehörigkeit zu einer 
Gattung in modernem Sinne m. E. feststeht, folgt dann in anderem Druck der jetzige Name und in 
Klammern die Familie. 


1) A. WoLLemann. Die Fauna des Senons von Biewende bei Wolfenbüttel. Jahrbuch der königl. preuß. geol. Landes- 
anstalt für 1900. S. 3—10. ' 
— Aufschlüsse und Versteinerungen im Turon der Kreise Braunschweig und Wolfenbüttel einschl. 
des Oderwaldes. 12. Jahresbericht des Vereins für Naturwissenschaft zu Braunschweig. 
S. 51—53. 1901. 
-- Die Fauna der Lüneburger Kreide. Abhandl. der königl. preuß. geol. Landesanstalt für 1902, 
S. 7—13. 
2) Ph. Poéra. Uber einige Spongien aus dem Cuvieri-Pläner von Paderborn. Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1890, S. 217—232. 


3) A. SCHRAMMEN. Beitrag’ zur Kenntnis der obersenonen Tetractinelliden. Mitt. a. d. Roemer-Museum Hildes- 
heim, No. 10, 1899. 
— Neue Kieselschwämme aus der oberen Kreide der Umgebung von Hannover und von Hildesheim. 
Mitt. a. d. Roemer-Museum Hildesheim, No. 14, 1901. 
— Neue Hexactinelliden aus der oberen Kreide. Mitt. a. d. RoemEr-Museum Hildesheim, No. 15, 1902. 
— Zur Systematik der Kieselspongien. Mitt. a. d. RoEmEr-Museum, No. 19, 1903. 


Revision der Tafelerklärungen von F. A. ROEMER’S ,,Versteinerungen des Norddeutschen Kreidegebirges‘“. 
Tafel 1. 


Fig. 3. Achilleum auriforme; Chonella auriformis Rorm. sp. (Rhizomor.). 

Fig. 4. Manon micrommatum; Verruculina mierommata Rorm. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 5. Manon turbinatum, Stichophyma turbinata Rorm. sp. (Rhizomor.). 

Fig. 6. Manon seriatoporum; Verruculina seriatopora Rorm. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 7. Manon tenue; Verruculina tenuis Rorm. sp. (Rhizomor.). 

Fig. 8. Manon monostoma; Camerospongia monostoma Roem. sp. (Hexact.). 
Fig. 9. Manon megastoma; Tremabolites megastoma Roem. sp. (Hexact.). 


Fig. 10. Cnemidium conicum; Pachytrachelus conicus Rorm. sp. (Sphaerocl.). 
Fig. 11. Pleurostoma radiatum; Pleurostoma radiata Rom. (Hexact.). 
Fig. 12. Pleurostoma lacunosum, Pleurope lacunosa Rorm. sp. (Hexact.). 


Tafel 2. 
Fig. 1. Siphonia cylindrica; Familie? Gattung? 
Fig. 2. a ocellata; es = 
Fig. 3. ie oligostoma; ir Pr 
Fig. 4. Scyphia acuta; 3 = 
Fig. 5. Scyphia socialis; Coelocorypha socialis Rom. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 6. 58 micropora; Familie? Gattung? 
Figs. 7. bs marginata; Seliscothon marginatum Roem. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 8 a byssoides; Familie? Gattung? 
Big. 29 Pe tuberosa; 3% pe 
Fig. 10 I GUGLCULOTUS ut 
= Fig. 11 = micrommata; Sporadoscinia micrommata Rorm. sp. (Hexact.). 
Ë Fig. 12 & porosa; Familie? Gattung? 
Fig. 13 ss heteropora; Ir 5 
Tafel 3. 
Fig. 1. Scyphia retiformis; Sporadoscinia Dechenii GoLpr. sp. (Hexact.). 
f Big... 2 »  angularis; Familie? Gattung? . 
Fig. /3 = stellata; Familie? Gattung? 
Fig. 4 a venosa, Sporadoscinia venosa Roem. sp. (Hexact.). 
Big:.5. = angustata, Leiostracosia angustata Rorm. sp. (Hexact..). 
Fig. 6 3 alveolites; Aphrocallistes alveolites Rom. sp. (Hexact..). 
Fig. 7 5 striato-punctata; Familie? Gattung? 
4 Fig. 8 er subseriata; Familie? Gattung? 
Pigs 9. - alternans, Ventriculites radiatus Manr. sp. (Hexact.). 
Fig. 10. 2 tubulosa; Siphonia tubulosa Rorm. sp. (Tetraclad.). 


ä Hig. 11. ge fragilis; Chaunophragmium fragile Rom. sp. (Hexact.). 


Tafel 4. 
Fig. 1. Scyphia tenuis; Familie? Gattung? 
Fig. 2. N cribrosa; Leiostracosia angustata Rorm. sp. (Hexact.). 
Fig. 3. Coeloptychium deciminum Rorm. (Coeloptychid.). 
Fig. 4. r sulciferum Roem. % 
Fig. D: rs agaricoides GOLDF. © 
Fig. ‘6: x alternans; Callistolis alternans Rorm. sp. (Hexact.). 
Fig: a; Ae plicatellum; Ventriculites radiatus Mant. sp. (Ventriculit.). 
Fig. 8. ER muricatum; T 5 5 


Revision der Tafelerklärungen von F. A. ROEMER’S ,,Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges“. 


(Die Hexactinelliden sind nicht berücksichtigt und sollen im zweiten Teile dieser Arbeit revidiert werden.) 


Tafel 1. 


Fig. 1—30. Kalkschwämme aus den Gattungen Peronella v. Zirt., Conocoelia v. Zxrr., Corynella v.Zxrr., 
Stellispongia d’ORB., etc. 


Rate 


Fig. 1—11. Kalkschwämme aus den Gattungen Elasmocoelia v. Zirt. Pharetrospongia SoLLAS etc. 
Fig. 12 und Fig. 13. Hexactinelliden. 


Tafel 3—Tatfel 9: 


Hexactinelliden-Spezies aus den Gattungen Coeloptychium, Camerospongia, Tremabolites, Polyblastidium, 
Cystispongia, Craticularia, Leptophragma, Pleurostoma, Guettardia, Lepidospongia, Napaea, Ventriculites, 
Rhizopoterion, Plocoscyphia etc. 


Tafel 40. 
Fig 1. Hippalimus lobatus; Familie? Gattung? 
Fig. 2. Hippalimus depressus; Callopegma depressa Roem. sp. (Tetraclad.). 
Fig. 3. Eudea tuberosa; Familie? Gattung? 
Fig. 4. Eudea crassa; Pachytrachelus conicus Rorm. sp. (Sphaerocl.). 
Fig. 5. Siphonia ornata; Familie? Gattung? 4, 
Fig. 6. Siphonia astroides; ,, i 
Fig. 7. Plocoscyphia morchella; Familie? Gattung? 
Fig. 8. Plocoscyphia? maeandrina; Familie? Gattung? 


Fig. 9. Plocoscyphia muricata; Trachysycon muricatum Roem. sp. (Tetraclad.). 
Fig. 10. Siphonocoelia digitalis; Familie? Gattung? 
Fiz, 44. ~ texta; Isoraphinia texta RoEm. sp. (Helomorinidae). 


Rat allt. 
Fig. 1. Eudea intumescens; Phymatella intumescens RoEM. sp. (Tetracl.). 
Bie. 2. a annulata; Seytalia radiciformis PHizz. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 3. Siphonocoelia nidulifera; Familie? Gattung? 
Fig. 4. 5 tuberculosa; Stachyspongia tuberculosa Roem. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 5. spica; Stachyspongia spica Rorm. sp. (Rizomor.). 
Fig. 6. he hirta; Familie? Gattung? 
Fig 7: x sulcifera; Aulaxinia sulcifera Rorm. sp. (Tetraclad.). 
Fig. 8 Polycoelia laevigata; Familie? Gattung? 
“Fig. 9. Diseudea tuberculosa; Familie? Gattung? 
Fig. 10. Polycoelia familiaris; Pachinion familiare Rorm. sp. (Corallistid.). 
Tafel 12. 
Tig. 1. Jerea turbinata; Scytalia terebrata PrırL. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 2. , mamillosa; Familie? Gattung? 
Fig. 3. » melo; Familie? Gattung? 
Fig. 4. ,,  sexplicata; Hallirhoa sexplicata Rorm. sp. (Tetraclad.). 
Fig: D »,  polystoma; Jereica polystoma Roem. sp. (Rhizomor.). 
Fig, :6. „  Spiculigera; Isoraphinia texta Rorm. sp. (Stiel) (Helomorinidae). 
Fig 7. Polyjerea pyriformis; Polyjerea pyriformis Rom. (Tetracladinidae). 
Fig. 8. Marginospongia acaulis; Familie? Gattung? 
Tafel 43. 
Fig. 1. Jerea scripta; Pachinion scriptum Roem. sp. (Corallistidae). 
Fig. 2. »  tesselata; Familie? Gattung? 
Fig. ‘3. »  tuberculosa; Jereica tuberculosa Rorm. sp. (Rhizomorinidae). 
Fig. 4. Polyjerea coronata; Familie? Gattung? 
Big 55. 5 verrucosa; Stichophyma verrucosa Roem. sp. (Rhizomor.). 
Hig, 6. on punctata; Familie? Gattung? (Thecosiphonia?). 
Tafel 14. 
Fig. 1. Polyjerea dichotoma; Doryderma (Brochodora) Roemeri HınpE (Megamor.). 


Fig. 2 Kalkschwamm. 

Fig. 3. Epeudea nodosa; Familie? Gattung? (Stichophyma?). 

Fig. 4 bis Fig. 10. Kalkschwämme. 

Fig. 11. Enaulofungia tesselata; Scolioraphis tesselata Rorm. sp. (Scolioraph.). 
Fig. 12. Kalkschwamm. 

Fig. 13 Leiospongia laevigata; Familie? Gattung? (Thecosiphonia?) 


Patet.15. 


Fig. 1. Limnorea nobilis; Thecosiphonia nobilis Rom. sp. (Tetraclad.). 
Fig. 2. Epitheles capitata; Seytalia terebrata Pic. sp. (Rhizomor.). 


ed 


5: 


Fig. 
Fig. 
g. 


Fig. 


5 


NOT RWS 


0) 


CORRE 


Lo 


Tremospongia grandis; Thecosiphonia nobilis Rorm. sp. (Tetracl.). 
Chenendopora tenuis; Verruculina tenuis Roem. sp. (Rhizomor.). 


Tafel 16. 
Chenendopora crassa; Verruculina crassa Roem. sp. (Rhizomor.). 
- aurita; Verruculina aurita Roem. sp. (Rhizomor.). 
$s explanata, Seliscothon planum PHILL. sp. (Rhizomor.). 


Verrucospongia macrommata; Verruculina macrommata RoEM. sp. (Rhizomor.). 


> damaecornis; Verruculina damaecornis Rom. sp. (Rhizomor.). 


+ Fig. 11. Kalkschwämme. 


Oculispongia Janus; Lopadophorus Janus Roem. sp. (Tetraclad.). 
a macropora; ? Plinthosella squamosa v. ZıtteL (Tetraclad.). 


arrete 


Stellispongia grandis; Cytoracea grandis Rom. sp. (Rhizomor.). 
= impressa; 45 impressa Roem. sp. (Rhizomor.). 
a hemisphaerica; Astrobolia hemisphaerica Roem. sp. (Rhizomor.). 
conglomerata; >  conglomerata Roem. sp. (Rhizomor.). 


verrucosa; Myrmeciophytum verrucosum Roem. sp. (Tetraclad.). 
FC Mantellu; Seliscothon Mantellii GoLpr. sp. (Rhizomor.). 
De tenuis; Chonella tenuis RoEM. sp. (Rhizomor.). 
+ rimosa, Rhagadinia rimosa Roem. sp. (Tetraclad.). 


Patel is: 


Cupulospongia gigantea; Pachycothon giganteum Roem. sp. (Helomor.). 
¢ contorta; Familie? Gattung? 
Kalkschwamm. 
Cupulospongia rudis; Familie? Gattung? 
a spiculigera; Pachycothon giganteum Roem. sp. (Helomor.). 
Kalkschwamm. 
Hexactinellide. \ 
Maeandrospongia tuberosa; Familie? Gattung? 
Kalkschwamm. 


Tafel 39. 


Thalamospongia subramosa; Familie? Gattung? 

Asterospongia laevis; Astrocladia laevis RoEM. sp. (Tetracl.). 
= subramosa; ,  subramosa Roem. sp. (Tetracl.). 
ms dichotoma; Familie? Gattung? 


AE ee 
Fig. 5. Asterospongia globosa; Astrobolia globosa RoEm. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 6. A tenella; = tenella Rom. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 7. Amorphospongia capreoli; Familie? Gattung? 
Bag; 8. 9 palmata; Bolidium palmatum Roem. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 9. Kalkschwamm. 


Auch Quenstept hat zahlreiche Arten aus der oberen Kreide von Nordwestdeutschland beschrieben 
und, wie ich bereits hervorgehoben habe, ganz mustergültig abgebildet. Die Skelettstruktur hat er aber 
entweder gar nicht oder doch nur soweit berücksichtigt, wie sie bei oberflächlicher Betrachtung mit der 
Lupe zu erkennen war, und sich darauf beschränkt, die Arten im Text und auf den Tafeln nach 
Formation, Fundpunkt und äußerer Ähnlichkeit, wie er schreibt ‚in wissenschaftlichem Zusammen- 
hange“, aneinanderzureihen. 


> 


Revision der Tafelerklärungen von F. A. QUENSTEDT’S Atlas zu den „Schwämmen“. 
(Vorläufig mit Ausschluß der Hexactinelliden.) 


Tater 131. 


Fig. 8. Chenendopora tenuis; Verruculina tenuis RoEm. sp. (Rhizomor.). 


Tafel 132. 
Fig. 1 bis Fig. 43. Kalkschwämme. 
Fig. 44—45. Manon peziza; Verruculina tenuis Rorm. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 46—48. Chenendopora tenuis; Verruculina tenuis Rorm. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 49—51. Spongia convoluta; Verruculina convoluta QuENSTEDT sp. (Rhizomor.). 
Fig. 52. Manon miliare; Verruculina micrommata Rom. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 53—54. Spongia marginata; Verruculina seriatopora Roem. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 55. Manon circumporosum; Verruculina crassa RoEM. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 56. Manon turbinatum; Stichophyma verrucosa Roem. sp. (Rhizomor.). 


Tatel 138. 
Fig. 1—2. Spongites impressus; Cytoracea impressa RoEm. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 3. Spongites conicus; Pachytrachelus conicus Roem. sp. (Sphaeroclad.). 
Fig. 4. Scyphia Mantellii; Seliscothon Mantellii GoLor. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 5. Scyphia marginata; Seliscothon marginatum Roem. sp. (Rhizomor.). 
Fig. 6. Spongites aciculatus; Seliscothon sp. (Rhizomor.). 
Fig. 7. Scyphia testa-florum; Seliscothon testa-florum QuENSTEDT sp. (Rhizomor.). 


Fig. 8—11. Limnorea nobilis; Thecosiphonia nobilis Rorm. sp. (Tetracl.). 
Fig. 12. Spongites ocellatus; Familie? Gattung? 

Fig. 13. Ps 7 

Fig. 14. ne 2 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


15. Spongites scriptus; Pachinion scriptum Roem. sp. (Corallistid.). 

16. Spongites cellulosus; Jereica polystoma Roem. sp. (Rhizomor.). 

17. Spongites filaris; Familie? Gattung? 

18—20. Scyphia tuberosa; Phymatella tuberosa QUENST. sp. (Tetracl.). 

21—22. Spongites cylindripes; Phalangium cylindripes QuENsT. sp. (Corallistid.). 
23—26. Scyphia intumescens; Phymatella intumescens RoEM. sp. (Tetraclad.). 


Tafel 134. 
1—2. Spongites plicatus; Phymatella plicata Quenst. sp. (Tetracl.). 
3. Spongites ficiformis; Familie? Gattung? 
4. i 
5: “ 5 
6. 2 globiformis; Familie? Gattung? 
7—8. Spongia ramosa; Stachyspongia ramosa QuUENST. sp. (Rhizomor.). 
9. 11. 13. 14. 15. Spumispongia punctata; Coelocorypha subglobosa v. Zirr. (Rhizomor.). 
10. 12. Spumispongia punctata; Jereica punctata GoLpr. sp. (Rhizomor.). 
16. Spumispongia auriscalpium; Familie? Gattung? 


17. ” exserta; Familie? Gattung? 
18. ie punctata nuciformis; Familie? Gattung? 
1. punctata doliaris; Familie? Gattung? 


20—21. Spumispongia alveare; Pachypoterion alveare QuENstT. sp. (Megamor.). 
22. Siphonia ficus; Siphonia Griepenkerlii Schrm. (Tetraclad.). 
23. Siphonia ci. cervicornis; Familie? Gattung? 
24. 25. Antrispongia. 
26. Hexactinelliden-Spezies. 
Tafel 135. 
1—7. Eulespongia texta; Isoraphinia texta Rorm. sp. (Helomor.). 
8. Eulespongia auriformis; Pachycothon giganteum Roem. sp. (Helomor.). 
9. Hexactinelliden-Stiel. 
10. 11. Polyjerea dichotoma; Doryderma (Brochodora) Roemeri HınpEe (Megamor.). 
12. Polyjerea verrucosa; Stichophyma verrucosa Roem. sp. (Rhizomor.). 
13. Polyjerea. Familie? Gattung? 
14. Hallirhoa costata; Hallirhoa costata Lamx. (Tetraclad.). 
15—19. Siphonia Websteri; Siphonia Websteri QuEnsT. (Tetraclad.). 
20—23. Siphonia ficus; Jerea Quenstedtii v. ZirreL (Tetracl.). 


Einige Arten, die auch in der oberen Kreide von Nordwestdeutschland vorkommen, sind von 


MANnTELL!) (1822), Paizrrs?) (1829), BENETT?) (1831) und T. Smrra{) (1848) zuerst aus den Kreideablage- 


1) G. A. ManTezr. The Fossils of the South Downs; or Illustrations of the Geology of Sussex. 1822. 
J. Pricrps. Illustrations of the Geology of Yorkshire. 1829. (2. Ausg. 1835.) 

8) E. Brenetr. Catalogue of the Organic Remains of the County of Wilts. 1831. 

4) J. T. Smirn. On the Ventriculitidae of the Chalk. Ann. a. Mag. Nat. Hist. Bd. XX, 1847. Ser. 2, Bd. I. 1848. . 


2 


rungen Englands beschrieben worden. Überhaupt führt die englische Kreide zahlreiche Spezies, die in gleich- 
alterigen Schichten auch bei uns auftreten, und ihre Spongienfauna ist dank der Tätigkeit G. J. Hınne’s,!) 
der die reichen Schätze des Britischen Museums bearbeitet hat, wohl die bestbekannte aller Länder gewesen. 

Die Kieselspongien der französischen Kreide harren noch der Bearbeitung. Abgesehen von den 
zahlreichen, aber fast nur auf Eigentümlichkeiten der äußeren Form aufgebauten Gattungs- und Spezies- 
diagnosen der älteren französischen Systematiker (FROMENTEL, d’ORBIGNY, Lamoroux und MIcHELIN) 
gibt es nur die eine umfangreichere Arbeit über Kreidespongien, in der CoURTILLER ?) die Spongien der 
Umgebung von Saumur beschrieben und abgebildet hat. Die Abbildungen lassen aber recht viel zu wünschen 
übrig, was zum Teil wohl auch auf die wenig gute Erhaltung der bei Saumur verkieselt vorkommenden 
Spongien zurückzuführen ist, und auf Skelettuntersuchungen ist CoURTILLER nicht eingegangen. 

Aus der Böhmischen Kreide sind schon durch Reuss ?) (1845) zahlreiche Arten bekannt geworden. 
Später (1883—85) hat dann Poéra*) mehrere Monographien über die Spongien der Böhmischen Kreide- 
formation veröffentlicht. In Böhmen liefern die Ablagerungen cenomanen Alters die meisten Arten, 
während in den Senonschichten, die in Nordwestdeutschland so reich an Spongien sind, nur ein ver- 
hältnismäßig kleiner Teil gefunden wird. Für die Kenntnis der Kreidespongien nicht unwichtig muß 
noch die Arbeit von LEONHARD°) über die Kreideformation in Oberschlesien genannt werden, in der die 
von Ferdinand RoEmER®) namentlich aus dem Turonpläner von Oppeln beschriebenen Arten revidiert, 
aber auch mehrere interessante neue Arten aufgestellt werden. Freiherr von UNGERN -STERNBERG “*) 
endlich hat vor einigen Jahren einige Hexactinellidenarten aus senonen Diluvialgeschieben von Ost- und 
Westpreußen beschrieben. Damit kann ich die kurze Übersicht der wichtigsten Literatur schließen. 


Auch die Bestimmung der fossilen Kieselspongien beruht auf der Kenntnis der Skelettstruktur 
und hängt darum in erster Linie vom Erhaltungszustande des Skeletts ab. Darum mögen zunächst 
einige Angaben über die in der nordwestdeutschen Kreide vorkommenden Erhaltungszustände und auch 
über die Vorbereitung der Skelette zu Untersuchungszwecken etc. folgen. Wenn hier vom Skelett die Rede 
ist, sind nicht etwa auch die Mikrosklere (Fleischnadeln) einbezogen, denn diese für die Abgrenzung großer 
Gruppen des Systems so wichtigen Bestandteile des Spongienskeletts werden fast immer durch den Ver- 
steinerungsprozeß zerstört. Das ist ein Umstand, der die Ermittelung der verwandtschaftlichen Bezie- 
hungen fossiler Arten zu lebenden Familien ganz verhindern oder doch sehr erschweren kann. 


1) G. J. Hınpe. Fossil Sponge-spicules from the Upper Chalk. München 1880. 
— Catalogue of the Fossil Sponges in the geological Department of the British Museum. London 1883. 
2) E. CourriLLer. Éponges fossiles des Sables du Terrain crétacé superieur des environs de Saumur. Annales de 
la Société Linnéenne de Maine et Loire. Bd. IV, 1861. 
3) A. E. Reuss. Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. 1845—46. 
4) Ph. Poéra. Beiträge zur Kenntnis der Spongien der böhmischen Kreideformation. 
I. Abteilung: Hexactinellidae. Prag 1883. 
Il. Abteilung: Lithistidae. Prag 1884. 
III. Abteilung: Tetractinellidae, Monactinellidae, Calcispongiae, Ceratospongiae, Nachtrag. Prag 1885. 
5) R. Leonnarp. Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. Dies. Zeitschr. Bd. XLIV. 
5) F. Roemer. Geologie von Oberschlesien. 1870. 
7) E. Freiherr von UnGERN-STERNBERG. Die Hexactinelliden der senonen Diluvialgeschiebe in Ost- und Westpreußen. 
Schriften der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg i. Pr. Bd. XLIII, 8. 133—150, Taf. IV—VI. 
Palaeontographica. Suppl. V. 2 


pea pt 


Das Stützskelett kann die ursprüngliche Zusammensetzung beibehalten haben und wie bei den 
lebenden Silicea aus amorpher Kieselerde bestehen. Es kann aber auch in kristallinische Kieselerde, in 
Kalkspat oder in Eisenoxydhydrat umgewandelt worden sein, wobei auch die Maschen mit Eisenhydroxyd 
oder infiltrierter Kieselerde erfüllt werden kénnen. An manchen Fundpunkten der nordwestdeutschen 
Kreide weisen fast alle Gerüste dieselbe Erhaltung auf. Sämtliche oder fast alle Erhaltungszustande 
künnen aber auch am Skelett eines einzigen Exemplares vorkommen. 

Bei weitem am besten sind die Skelette der Spongien aus der Quadraten-Kreide von Oberg erhalten, 
denn sie bestehen in der Regel noch gänzlich oder größtenteils aus amorpher Kieselerde. Zunächst einige 
Worte über den Fundpunkt, der durch den Artenreichtum und die gute Erhaltung der dort vorkommenden 
fossilen Spongien wohl alie Fundpunkte der Erde, die bis jetzt bekannt geworden sind, übertreffen dürfte. 
Er hat mir im Laufe der Jahre Hunderte von Arten geliefert, von denen viele zu Familien und Gattungen 
gehören, die man wohl aus den Berichten der Tiefseeexpeditionen, aber noch nicht aus mesozoischen 
Ablagerungen gekannt hat. Oberg ist ein Dörfchen, das etwa eine Wegstunde von der Bahnstation 
Peine der Eisenbahnlinie Hannover-Braunschweig entfernt liegt. Die Stellen, wo die Spongien gefunden 
werden, liegen auf der Oberger Feldmark an beiden Seiten der Landstraße von Oberg nach Ilsede und 
zwar etwa in der Mitte zwischen den beiden Ortschaften. Als ich zum erstenmal den ausgezeichneten 
Fundpunkt besuchte, oder vielmehr suchte, denn schon F. A. RoEMER hat ihn angeführt, fand ich statt 
der vermuteten Mergelgrube nur noch eine mit Gras bewachsene Bodensenkung. Auf den Äckern in der 
Nähe lagen aber Schwammfragmente, die nach Behandelung mit Salzsäure das Skelett in untadeliger 
Schönheit hergaben. Ich habe dann jahrelang im Herbste und im Frühjahre die Felder abgesucht und dabei 
viele gute Stücke gefunden. Die Hauptmasse meines Materials erhielt ich aber erst, als man unweit der 
alten Fundstelle eine Mergelgrube anlegte, aus der mehrere Jahre hindurch Mergel auf die Felder des Ritter- 
guts in Oberg gefahren wurde. 

Naturgemäß fallen auch in Oberg beim Sammeln die größeren Exemplare namentlich der Spongien 
mit lithistidem Skeletthabitus leicht ins Auge. Anders verhält es sich mit den kleineren Arten und mit den 
äußerst zarten Gerüsten der meisten Hexactinelliden. Es würde wenig lohnen, im Mergel nach Exemplaren 
oder Fragmenten von Chonelasma, Periphragella, Eurete oder Farrea zu suchen, während man ziemlich 
sicher auf Erfolg rechnen kann, wenn größere Mengen der Kalkbrocken, die in dem losen Mergel liegen, in 
mit Wasser etwa im Verhältnis 1:5 stark verdünnter Salzsäure aufgelöst werden. Nach vollständiger 
Lösung des Kalks wird der Ätzrückstand vorsichtig geschlemmt, bis nur die reinen Schwammskelette übrig 
bleiben. Freilich muß man, um einigermaßen gut erhaltene Exemplare zu bekommen, größere Mengen der 
spongienführenden Kalkbrocken verarbeiten. So habe ich, beiläufig bemerkt, im Laufe der Zeit über 
1000 Liter Salzsäure verbraucht, ehe ich mir wohl sagen durfte, daß der Fundpunkt erschöpfend aus- 
gebeutet sei Übrigens liefern die Stücke von Oberg keineswegs immer nur gute Skelettpräparate, 
wenn auch die rohen Exemplare fast stets untadelig scheinen. Größere Skelettpartieen sind häufig in 
Kalkspat umgewandelt, und ein schönes Stück kann leicht verloren gehen, wenn es im Vertrauen auf die 
gut erhaltene äußere Form ohne weiteres durchgeätzt wird. Darum empfehle ich, wertvolle Stücke zuerst 
nur oberflächlich anzuätzen. Um die Formen zu erhalten, deren Skelette aus unverbundenen Nadeln 
des regulären Typus bestehen (Geodiden, Tetilliden ete.), ätze man zahlreiche Kalkbrocken einige Minuten 
an und untersuche sie nach dem Trocknen mit der Lupe. Nach vollständiger Lösung des Kalks würden 


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die Nadelhaufen auseinanderfallen. Die sehr kleinen Arten und die Jugendformen werden gefunden, wenn 
nach dem Trocknen des geschlemmten Ätzrückstandes das Gemisch auf eine dunkle Unterlage gebracht 
und portionsweise mit der Lupe durchsucht wird. à 

Sämtliche Skelette sind natürlich nach dem Ätzprozeß außerordentlich zerbrechlich. Als bestes 
Verfestigungsmittel empfehle ich eine dünnflüssige Lösung von gummi arabicum, mit der die Skelette even- 
tuell mehrere Male getränkt werden. 

Das beste Einschlußmedium für die Oberger Spongienskelette ist Canadabalsam. Übrigens er- 
hält man auch, wenn man sich schwacher Vergrößerungen bedient, deutliche Bilder bei auffallendem 
Lichte. (Zweckmäßige Unterlage in diesem Falle schwarzes Wachs.) 

Einem annähernd ebenso günstigen Erhaltungszustand wie bei den besten Oberger Spongien be- 
gegnet man in selteneren Fällen auch bei Exemplaren aus dem Cuvieri-Pläner von Heere und aus der 
Quadraten- und Mucronatenkreide von Misburg. In der Regel haben aber die an diesen Fundpunkten 
vorkommenden Gerüste mehr oder weniger große Veränderungen erfahren. Das Skelett ist gänzlich oder 
zum größten Teil verkalkt, und man erhält durch Ätzen überhaupt keine Skelettteile oder findet nach vor- 
sichtigem Abschlemmen und Trocknen des Ätzrückstandes nur einige isolierte Kieselnadeln (bei den Silicea 
mit lithistidem Skeletthabitus) oder kleine Fragmente der Wandung (bei den Hexactinelliden). Häufig 
bestehen aber nur die inneren Teile des Skeletts teilweise aus Kalkspat, z. T. aus rostbraunen oder grau- 
blauen Eisenverbindungen, oder sie bilden einen strukturlosen Kieselklumpen, während die Oberfläche 
gut erhalten und durch Ätzen herauszupräparieren ist. Für die Skelette von Misburg ist Canadabalsam 
das beste Einschlußmedium, für die von Heere Glycerin oder Wasser. Ein Erhaltungsmodus, bei dem die 
Skelette wohl die ursprüngliche Zusammensetzung aus amorpher Kieselerde behalten haben, aber schwer 
oder gar nicht durch Ätzen freizulegen sind, kommt nicht selten bei den Stücken aus der Mucronaten-Kreide 
von Ahlten und der Quadraten-Kreide von Biewende vor. Das Muttergestein enthält hier sandige Bestand- 
teile und bei länger dauernder Anwendung von Salzsäurelösung werden wohl die zentralen Skelettpartieen 
gereinigt, in die nur feiner Kalkschlamm eingedrungen ist, die oberflächlich gelegenen Teile aber nicht. 
In solchen Fällen ist vor Beginn des Ätzens eine gründliche Reinigung der Oberfläche mit Schaber und 
Stichel angebracht. 

Die ungünstigste Erhaltung für Skelettuntersuchungen liegt vor, wenn das ganze Gerüst in rostbraunes 
Eisenhydroxyd umgewandelt worden ist, wie z. B. bei den Spongien aus dem Scaphiten-Pläner von Nettlingen. 
Die Maschen sind dann ebenfalls von den Eisenverbindungen ausgefüllt, und es gelingt auf keine Weise, 
auch nicht durch Anfertigung von Dünnschliffen, die Skelettstruktur zu ermitteln. Zuweilen werden aber 
die Spicula an der Oberfläche erkennbar, wenn man die Oberfläche der rostigen Spongien sorgfältig reinigt. 

Einige Schwierigkeiten stellen sich auch der Bestimmung der Spongien mit verkalkten Skeletten 
entgegen, die am Sudmerberg und bei Bülten-Adenstedt vorkommen. Wenn man die Fossilien aber an- 
schleift und die Schlifffläche anfeuchtet oder mit spirituöser Schellacklösung überzieht, ist bei einiger 
Übung nach den Schnitten der angeschliffenen Skelettelemente ziemlich sicher zu entscheiden, ob eine 
Tetracladine, Megamorine oder Rhizomorine ete. vorliegt. Übrigens sind auch in diesen scheinbar total 


_ verkalkten Skeletten fast immer Spicula vorhanden, die von dem Verkalkungsprozeß verschont geblieben 


sind. Darum sollte man, ehe man sich entschließt, anzuschleifen oder Dünnschliffe anzufertigen, stets 
versuchen, durch Auflösen eines größeren Teiles mit nachfolgendem Schlemmen des Ätzrückstandes iso- 


Fe. 


lierte Skelettelemente oder zusammenhängende Skelettpartieen zu bekommen, zumal es in vielen Fällen 
gar nicht möglich ist, ohne Kenntnis der kleinen Differenzierungen der Spieula, die nach der Beurteilung 
von Schliffen in der Regel gar nicht oder nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand an Zeit und Mühe 
zu erlangen ist, eine genaue Bestimmung auszuführen. Das beste Einschlußmedium für die Skelette vom 
Sudmerberg und von Adenstedt-Bülten ist Glycerin. 

Bei der Skelettuntersuchung der Spongien aus dem Senon von Glentorf ist manchmal die Anfertigung 
von Dünnschliffen unerläßlich, denn diese Spongien sind ganz verkieselt. Gewöhnlich heben sich aber 
stellenweise zahlreiche Skelettelemente durch weißliche Färbung deutlich von der bräunlichen, in dünnen 
Plättchen durchscheinenden bis durchsichtigen Kieselmasse ab und es genügt eventuell, kleine Splitterchen 
des Spongienkörpers gegen das Licht zu halten und mit einer guten Lupe zu untersuchen. 

Um kurz zusammenzufassen: Bei allen in Eisenoxydhydrat umgewandelten ‚‚verrosteten“ Spongien 
würde man von vornherein von einer Untersuchung der inneren Teile Abstand nehmen und nur die gut 
gereinigte Oberfläche prüfen. Von den verkieselten Schwammkörpern müßten Dünnschliffe gemacht 
werden, wenn nicht schon die Lupenuntersuchung kleiner durchsichtiger Splitter genügte. Alle anderen 
fossilen Silicea wären zuerst einige Minuten mit stark durch Wasser verdünnter Salzsäure zu behandeln 
und nach dem Trocknen mit der Lupe zu untersuchen. Dann ist meistens der Erhaltungszustand des 
Skeletts leicht zu beurteilen. Dieser wird aber nur in seltenen Fällen gestatten, durch weitere Anwendung 
von Salzsäurelösung das ganze Gerüst freizulegen. Doch werden sich in der Regel auch von Skeletten, 
die fast vollständig verkalkt sind, durch Auflösen größerer Stücke des Schwammkörpers mit nachfolgendem 
Schlemmen des Ätzrückstandes wenigstens einige gut erhaltene isolierte Kieselnadeln oder kleinere Skelett- 
teile im Zusammenhang gewinnen lassen. Sonst muß man sich auch hier mit Dünnschliffen oder mit 
Anschleifen zu behelfen suchen. 

Wenn orientierte Schnitte durch Korrosionspräparate gemacht werden sollen, empfiehlt es sich, 
das Objekt in reinen Canadabalsam einzubetten. Man bringt ein der Größe des Untersuchungsobjekts 
entsprechendes Stück reinen Balsams über der Flamme langsam zum Schmelzen, legt das Schwammstiick 
hinein und kann, wenn der Balsam erkaltet ist, nach bekannten Methoden leicht Schliffe in beliebigen 
Richtungen anfertigen. 

Um isolierte Desme von Tetracladinen, Megamorinen etc., die ziemlich leicht unversehrt zu erhalten 
sind, wenn eine Partie des korrodierten (aber nicht mit Gummi arabicum-Lösung getränkten) Skeletts 
in einem Reagenzgläschen einige Zeit leicht geschüttelt wird, bei durchfallendem Lichte bequem von allen 
Seiten untersuchen zu können, verschiebt man allmählich unter leichtem Drucke das Deckgläschen. Die 
Skelettelemente drehen sich dabei in der Einbettungsflüssigkeit langsam nach jeder gewünschten Richtung. 


In vollkommenster Abhängigkeit vom Erhaltungszustande der fossilen Spongien stehen naturgemäß 
unsere Kenntnisse von der Zusammensetzung der Faunen in den zahlreichen Zonen und verschiedenen 
Faciesgebilden der oberen Kreide; denn es liegt auf der Hand, daß eine Fauna unvollständig erforscht sein 
muß und schwer richtig zu beurteilen und mit anderen zu vergleichen ist, wenn nur die großen und dick- 
wandigen Arten bekannt sind, während es auch durch subtile Präparationsmethoden nicht gelingen will, 
die vielen Spezies mit zarten Gerüsten nachzuweisen. 


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Am wenigsten beeinträchtigt ein ungünstiger Einfluß der Erhaltungsart die Kenntnis der Spongien 
mit lithistidem Skeletthabitus. Es sind das meistens kompakte Typen, deren Körperform und Kanal- 
system auch noch erhalten bleiben, wenn die ursprünglichen Bestandteile des Skeletts vollständig zerstört 
und durch andere mineralische Stoffe ersetzt worden sind. Ich darf darum behaupten, daß die hierunter 
gegebenen Fossillisten ein ziemlich richtiges Bild von der vertikalen und horizontalen Verbreitung der 
Spezies aus den Familien der Tetracladinidae, Megamorinidae, Corallistidae, Helomorinidae, Rhizo- 
morinidae und Sphaerocladinidae geben. 

Anders steht es aber mit den übrigen Familien der Tetraxonia und Monaxonia. Die Tetraxonia mit 
unverbundenen Skelettnadeln des regulären Typus, also die Pachastrelliden, Geodiden, Tetilliden ete. 
dürften bereits in der oberen Kreide eine Verbreitung und Entwicklungshöhe erreicht haben, die man 
nach den verhältnismäßig sehr seltenen Funden vollständiger Exemplare kaum vermuten möchte. Davon 
zeugen die zahllosen regulären Spicula von den mannigfaltigsten Formen und Größen, die stets im Ätz- 
rückstande spongienführender Gesteine vorkommen. Es ist mir aber nur bei einem einzigen Horizonte des 
Senons gelungen, von diesen Schwämmen eine größere Anzahl Arten aufzufinden und zwar nur an einem 
Fundpunkte (Oberg). (Übrigens meine ich hier keine Arten, die auf einzelne Spicula begründet worden 
sind, sondern nur solche, bei denen außer der mehr oder weniger gut erhaltenen Körperform auch zahlreiche 
Nadeln von gleicher Form und Kombinationen von Nadelformen ähnlich wie bei den jetzt lebenden Arten 
nachzuweisen waren.) Daraus, daß diese oder verwandte Spezies aus den anderen Horizonten nicht an- 
geführt werden, ist keinesfalls der Schluß zu ziehen, daß sie nicht vorhanden gewesen wären. Vielmehr 
sind sie in dem einen Falle infolge ihrer guten Erhaltung und durch Anwendung zweckmäßiger Präpara- 
tionsmethoden gefunden worden, während sie gewöhnlich den zerstörenden Einwirkungen des Versteine- 
rungsprozesses nicht widerstanden haben. 

Am lückenhaftesten sind aber unsre Kenntnisse von der Verbreitung der Hexactinelliden. Die 
relativ dickwandigen Schwammkörper der Ventriculitidae, Coeloptychidae, Maeandrospongidae ete., die 
seit langer Zeit aus Schichten verschiedenster Facies bekannt sind, konnten auch unter ungünstigen Er- 
haltungsbedingungen überliefert werden. Anders ist es mit den zarten Gerüsten der Gattungen Farrea, 
Eurete, Periphragella, Chonelasma etc. Diese geben die denkbar ungünstigsten Erhaltungsobjekte ab und 
ich habe sie darum auch nur in der Quadraten-Kreide von Oberg gefunden, wo die Erhaltungs- 
bedingungen ganz ungewöhnlich günstige sind. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß Euretiden, 
Farreiden ete. auch in den älteren Etagen der oberen Kreide begraben liegen. 

Die Listen, die ich hier über die vertikale Verbreitung der Arten — zunächst der Tetraxonia und 
Monaxonia gebe, haben also fast alle nur einen relativen Wert. Auf Vollständigkeit kann aber das 
Artenverzeichnis der Spongien aus der Quadraten-Kreide Anspruch machen, weil es sich hauptsächlich 
auf einen Fundpunkt (Oberg) stützt, an dem die Erhaltungsbedingungen beispiellos günstige sind. 
Die übrigen Listen werden ein ziemlich richtiges Bild von der Verteilung der Silicea mit lithistidem 
Skeletthabitus geben. Daraus, daß aus den meisten Horizonten keine Monaxonia und Tetraxonia mit 
unverbundenen Nadeln aufgezählt werden, ist aber nicht der Schluß zu ziehen, daß diese Schwämme 
nicht vorhanden gewesen wären. Gerade beim Studium der fossilen Schwämme hat man stets mit 
der großen Lückenhaftigkeit der paläontologischen Überlieferung zu kämpfen. 

Ich gebe nun eine Tabelle der Alters“ und Faciesverhältnisse der wichtigsten Spongienfundpunkte. 


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Alters- und Faciesverhältnisse der wichtigsten Spongienfundpunkte. 


Mucronaten-Senon. 


Quadraten-Senon. 


Granulaten-Senon. 


Westfalicus-Senon 


oder Emscher. 


Cuvieri-Turon. 


Breviporus-Turon. 


(Scaphiten-Pläner.) 


Brongniarti-Turon. 


Labiatus-Turon. 


Rhotomagensis- 
Cenoman 


Varians-Cenoman. 


Lüneburg (Bläuliche Tonkreide mit Helicoceras polyplocum A. RoEm.sp.). 
Steinbruch der Zementfabrik Teutonia in Misburg (Kalkmergel mit 
Epiaster gibbus ScHLüTER, Pachydiscus pseudo-Stobaei MoBERG sp. 
Pachydiscus galicianus Favre sp., Scaphites spiniger SCHLÜTER etc.). 
Ahlten, Coesfeld (Mergelsandstein mit Belemnitella mucronata). 


Steinbruch der Zementfabrik Germania in Misburg (Kalkmergel mit 
Actinocamax quadratus Buatnv., Micraster gibbus Lam. (Desor), Offaster 
pilula Lam. (Desor), etc.). 
Oberg, Adenstedter Kalkofen, Biewende, Vordorf, Schwiechelt; Grün- 
sand zwischen Boimstorf und Glentorf mit Actinocamax quadratus; 

Ilsenburg-Mergel; Coesfeld (Mergelkalk mit Actinocamax quadratus). 


Ton der Umgegend von Braunschweig mit Actinocamax granulatus 


BLAINV. em. SCHLÜTER, Actinocamax Grossouvrei JANET, Inoceramus 
lobatus, Inoceramus lingua. 
Ton von Gleidingen mit Actinocamax granulatus, Actinocamax verus 
Adenstedt-Bülten (Sandmergel mit /noceramus cardissoides, Inoceramus 


Cripsi). 


Adenstedt-Bülten (Eisensteinkreide). 
Spongienmergel im Liegenden des Sudmerbergkonglomerats. 
Eisenbahneinschnitt am Petersberge bei Goslar (Mergel mit Ino- 


ceramus digitatus.) 
Heere, Salder, Paderborn (Plänerkalk mit /noceramus Cuvieri.) 


Halberstadt, 
Micraster breviporus , 


Nettlingen , Flöthe (Plänerkalk mit 
lokal mit Scaphiten.) 


Breviporus-Kalkstein, -Mergel und -Grünsand des Teutoburger Waldes. 


Heiningen, Gr. 
Helicoceras Reussianum , 


Ohne Spongien. Galeritenschichten lokal (Fleischerkamp bei Salzgitter) 


mit Cystispongia. 


Ohne Spongien. 


Kahnstein bei Langelsheim (nach F. A. RoEMER). 


Kahnstein bei Langelsheim (nach F. A. A; Homme ne 
Steinbruch der Norddeutschen Co aN in Misburg. 


= 
— 
— 


Tiefsee-Sedimente 


Litoral- und Flachsee-Sedimente 


Tiefsee-Sedimente 


= > 


Die ältesten kieselspongienführenden Ablagerungen unserer oberen Kreide sind die cenomanen 
Kalkmergel und Plänerkalke mit Schloenbachia varians Sow. sp. und Acanthoceras Mantelli Sow. sp. An 
den meisten Aufschliissen kommen die Spongien allerdings nur sehr selten vor. Z. B. habe ich im Varians- 
pliner von Misburg, der jahrelang durch die großen Steinbrüche der ,,Norddeutschen Zementfabrik“ 
und der Zementfabrik ,,Kronsberg“‘ gut aufgeschlossen war und eine reiche Cephalopoden- und Echiniden- 
fauna geliefert hat, bei intensiver Sammeltätigkeit nur einmal eine Spongie gefunden. F. A. RoEMER 
hat aber vom Kahnstein bei Langelsheim 11 Arten, meist Hexactinelliden, beschrieben. Jetzt ist dieser 
Fundpunkt erschöpft. 

Aus den nächstjüngeren Schichten mit Acanthoceras rhotomagense führt F. A. RoemER 2 Hexac- 
tinellidenarten an, beide ebenfalls vom Kahnsteine. Ich selber kenne auch aus dem Rhotomagensispläner 
keine Spongie, obgleich ich mehrere Aufschlüsse jahrelang besucht habe. 

Die letztgenannten Schichten werden überlagert vom Labiatuspläner. RoEMER will in diesem 
Horizont eine Spezies am Osterholz bei Salzgitter gefunden haben. Mir ist kein Fund gelungen und auch 
WOLLEMANN !) erwähnt keine Spongie in seiner zahlreiche Aufschlüsse berücksichtigenden Liste der Ver- 
steinerungen aus dem Labiatenpläner der Umgebung von Braunschweig. 

Auf die Schichten mit Inoceramus labiatus Scutotu. folgen die Pliner und Mergelkalke mit Jno- 
ceramus Brogniarti Sow. Sie sind ebenfalls fast frei von Spongien. Nur in der sogenannten Galeriten- 
Facies kommt lokal z. B. am Fleischercamp bei Salzgitter Cystispongia bursa Roem. sp. vor. Aus dem 
typischen Brogniarti-Pläner Nordwestdeutschlands führt auch Rozmer keine Spongien an. 

LEonHARD nennt allerdings aus der Brongniartizone des Oppelner Turons Ventriculites angustatus 
Roem. sp., Ventriculites radiatus MAanT. sp., Leptophragma fragilis Ror. sp., Amphithelion tenue RoEM sp. 
und Plocoscyphia tenuilobata Leonu. LEONHARD hat aber m.E. die obere Grenze der Brongniartizone in 
den Scaphitenpläner verlegt. Nach der Ansicht Lronnarps soll die Brongniartizone in den Oppelner 
Kalksteinbriichen gegen den Scaphitenpläner durch zwei tonreiche Zwischenlagen mit Terebratulina 
gracilis abgeschlossen sein. Da aber ein wesentlicher Unterschied im petrographischen und faunistischen 
Habitus der Turonschichten über und unter den Terebratulinabankchen nicht vorhanden ist, vielmehr 
fast alle Spongien, Echiniden, Zweischaler, Cephalopoden ete., die LEONHARD aus seiner Scaphitenzone 
anfübrt, auch in der sog. Brongniartizone von Oppeln gefunden werden, dürfte die Ansicht nicht von der 
Hand zu weisen sein, daß die Aquivalente des Nordwestdeutschen Brongniarti-Pläners in den Oppelner 
Steinbrüchen bis jetzt noch nicht aufgeschlossen worden sind. Ich sehe darum vom Turon der Um- 
gebung von Oppeln nur die fossilarmen und wie in Nordwestdeutschland gänzlich spongienfreien Mergel- 
kalke von Groschowitz, die in den höheren Lagen fast ausschließlich Inoceramus Brongniarti führen, als 
Äquivalente der nordwestdeutschen Brongniartipläner an. 

Mit dem Scaphitenpläner beginnt die Reihe der durch das häufige Vorkommen von Kieselspongien 
ausgezeichneten Schichten. Das Verzeichnis der tetraxonen und monaxonen Silicea aus dem Scaphiten- 
pläner basiert namentlich auf den Vorkommnissen aus dem Scaphitenpläner von Halberstadt, den Herr 
E. Torcer in Halberstadt jahrelang mit großem Eifer ausgebeutet hat, und dem Scaphitenpläner von 
Nettlingen, wo ich selber viele hundert Individuen gesammelt habe. Die Nettlinger Steinbrüche liegen 


1) A. WoLLEMANN, Aufschlüsse und Versteinerungen im Turon der Kreise Braunschweig und Wolfenbüttel ein- 
schließlich des Oderwaldes. 12. Jahresbericht des Vereins für Naturwissenschaft zu Braunschweig. 1901 8. 51. 


etwa 1 km südöstlich vom Dorfe dicht an der Chaussee Nettlingen-Nordassel und sind alle in denselben 
Schichten angesetzt. (In dem verlassenen Steinbruche mit Kalkofen, der einige hundert Meter südlich 
von diesen Steinbrüchen an dem Feldwege von Nettlingen nach Luttrum liegt und möglicherweise einen 
anderen Horizont aufschlieBt, habe ich nicht gesammelt.) 

Über das Alter der Schichten von Nettlingen ist es zu Meinungsverschiedenheiten!) gekommen. 
Darum gebe ich zunächst eine Liste der bei Nettlingen von mir gesammelten Cephalopoden, Zwei- 
schaler, Echiniden ete. nach den Bestimmungen des Herrn Dr. WoLLEMANN. 


Liste der Fossilien aus dem Scaphitenpläner von Nettlingen. (Mit Ausnahme der Spongien). 


Pachydiscus peramplus MANT. sp. Terebratula subrotunda Sow. (Typische Form und 
Helicoceras flexuosum SCHLÜTER. Riesenform.) 
Puzosia Mülleri Grossouvre. Stereocidaris Reussit GEINITZ sp. 
Pleurotomaria linearis MANT. Echinoconus subconicus d’ORB. 
Spondylus spinosus Sow. Ananchytes ovatus Lam. 
re latus Sow. Holaster planus Mar. 
Ostrea hippopodium Nirsson. Micraster breviporus AG. 
Inoceramus latus MANT. Micraster cor-testudinarium GOLDF. sp. 
ie inaequivalvis SCHLÜT. Infulaster excentricus Rose sp. 
Zi Brogniartt Sow. Parasmilia rudis Epw. u. HAIME. 


Rhynchonella Cuvieri d’ORB. 


Das Verzeichnis enthält mit Ausnahme von Puzosia Mülleri keine Art, die nicht schon länger aus 
dem Scaphitenpläner bekannt wäre. Mehrere Arten gehen in den Brogniartipläner, z. T. sogar in den 
Labiatuspläner hinunter und kommen darum bei der Altersbestimmung weniger in Frage. Es sind Pleuro- . 
tomarva linearis, Spondylus spinosus (Brongniarti-Pläner von Groschowitz), Spondylus latus, Inoceramus 
Brogniarti, Ostrea hippopodium, Rhynchonella Cuvieri, Terebratula subrotunda (die typische Form), 
Echinoconus subconicus, Ananchytes ovatus, Infulaster excentricus, Holaster planus, Micraster breviporus und 
Parasmilia rudis. 

Inoceramus latus, Inoceramus inaequivalpis, die Riesenform von Terebratula subrotunda und Stereo- 
cidaris Reussit sind aber Leitfossilien der Scaphitenpläner. Pachydiscus peramplus, der im Brongniartipläner 
sehr selten ist, aber im Scaphitenpläner das Maximum seiner Häufigkeit erreicht, ist bei Nettlingen nicht 
selten. Helicoceras flecuosum und Micraster cor-testudinarium kommen im Scaphiten- und im Cuvieriplaner, 
aber nicht im Brogniartipläner vor. Puzosia Mülleri war bisher nur aus dem Cuvieri-Pläner bekannt. 


1) A. WoLLEMANN, Das Alter des Turons von Nettlingen bei Hildesheim. Centralblatt für Mineralogie etc. 1902, 
S. 179—181. 


H. Menzet, Uber das Alter des Turons von Nettlingen bei Hildesheim. Centralblatt für Mineralogie etc. 1902. 
S. 305—309. 

A. WoLLEMANN, Noch einmal Nettlingen. Centralblatt für Mineralogie 1902, S. 398—402. 

A. WoLLEMANN, Puzosia Mülleri Grossouvre aus dem Scaphitenpläner von Nettlingen. Centralblatt für Minera- 
logie etc. 1905, S. 452—453. 


= 47 = 


Die Zusammensetzung der Fauna weist auf die höheren Schichten des Scaphitenpläner hin. 
Scaphiten fehlen allerdings bei Netthngen. Herr WoLLEMANN hat aber in einem Steinbruche in der 
Nähe von Salder Scaphites Geinitzii d'Or. in Gesellschaft fast aller auch bei Nettlingen vorkommenden 
Arten gefunden. 


Verzeichnis der im Scaphitenpläner vorkommenden Kieselspongien. 
(Mit Ausschluß der Hexactinelliden). 


Brochodora (Doryderma) Roemeri HınDE sp. Verruculina tenuis ROEMER Sp. 
Phalangium scytaliforme SCHRAMMEN. 3. damaecornis ROEMER sp. 
Phymatella spinosa SCHRAMMEN. A convoluta QUENSTEDT Sp. 
= intumescens ROEMER Sp. = crassa ROEMER Sp. 
Thecosiphonia ramosa SCHRAMMEN. 3 miliaris Reuss sp. 

1 Torgeri SCHRAMMEN. 3 sertatopora ROEMER Sp. 
Jerea Quenstedti v. ZITTEL. Stichophyma robusta SCHRAMMEN. 
Pholidocladia dichotoma HınDe. % verrucosa ROEMER Sp. 
Isoraphinia texta ROEMER sp. Stachyspongia ramosa QUENST. sp. 
Pachycothon giganteum Roem. sp. Scytalia terebrata PHILLIPS sp. 
Halichondria Lendenfeldi SCHRAMMEN. Chonella tenuis RoEm. sp. 

Rhizopsis horrida SCHRAMMEN. Seliscothon planum PHILLIPS sp. 


Opetionella poculum SCHRAMMEN. 


Von diesen Spezies sind auf den Scaphitenpläner beschränkt Phymatella spinosa, Thecosiphonia 
ramosa, Thecosiphonia Torgeri, Halichondria Lendenfeldi, Opetionella poculum, Stichophyma robusta und 
Stachyspongia ramosa. 


Bis in den Cuvieripläner gehen Phalangium scytaliforme, Phymatella intumescens, Isoraphinia 
texta, Verruculina crassa, Verruculina damaecornis, Stichophyma verrucosa. Bis in die Quadratenkreide: 
Jerea Quenstedti, Pholidocladia dichotoma, Rhizopsis horrida. Bis in die Mucronatenkreide: Brochodora 
Roemeri, Jerea Quenstedti, Verruculina tenuis, Verruculina convoluta, Verruculina seriatopora, Scytalia 
terebrata, Chonella tenuis und Seliscothon planum. 


Bemerkenswert ist das Vorkommen von Halichondria Lendenfeldi, der ersten und einzigen fossilen 
Halichondriaart. Sie lehnt sich in der äuBeren Form und in der Oberflächenstruktur eng an die in der 
Jetztzeit lebenden Arten an, steht aber sonst ganz isoliert, denn aus anderen Schichten der oberen 
Kreide und aus posteretaceischen Ablagerungen ist noch keine Halichondria bekannt geworden. 

Exemplare von Pachycothon giganteum sind im Scaphitenpläner häufig und erreichen lokal bedeu- 
tende Größe, z. B. bei Halberstadt. Aus dem Cuvieripläner kenne ich die Art nicht. In der Quadraten- 
und Mucronatenkreide ist sie wieder ziemlich häufig. Ähnlich verhält sich Jerea Quenstedti, die bei 
Halberstadt eine der häufigsten Arten ist, im Cuvieripläner von Hannover nicht gefunden wird, aber 


in der Quadratenkreide nicht ganz selten vorkommt. 
Palaeontographiea. Suppl. V. 3 


PT ee 


Aus dem Scaphitenpläner des Teutoburger Waldes führt ELBErT!) Zsoraphinia texta, cf. Phymatella 
intumescens RoEM. sp., Amphithelion circumporosum QUENST. sp. (= Verruculina crassa Roem. sp.) und 
Amphitelion tenue QUENST. sp. (= Verruculina tenuis RoEm. sp.) an, vier Arten, die auch bei Nett- 
lingen und Halberstadt vorkommen. 

LEONHARD ?) beschreibt aus dem Scaphitenpläner von Oppeln Verruculina tenuis RoEM. sp. und 
2 Phymatellaarten, von denen ich wenigstens die eine, Phymatella plicata QUENSTEDT sp., für synonym 
mit Phymatella intumescens RoEM. sp. halten möchte. 

Nach WoLLEMANN *) kommen im Scaphitenpläner der Umgebung von Braunschweig Verruculina 
tenuis RoEM. sp., Stichophyma sparsa Reuss sp. und Stachyspongia tuberculosa Ro. sp. vor. Mit Sticho- 
phyma sparsa ist wohl Stichophyma verrucosa ROEM. sp., mit Stachyspongia tuberculosa Stachyspongia 
ramosa QUENST. sp. gemeint. 

Der Scaphitenpläner wird überlagert vom Cuvieripläner, dessen Spongienfauna sich eng an die 
des Scaphitenpläners anschließt. Der Reichtum an Individuen wird größer. Die Artenzahl nimmt min- 
destens nicht ab. Daß ich trotzdem weniger Arten wie aus dem Scaphitenpläner anführe, liegt 
an den schlechteren Aufschlußverhältnissen. Als die ergiebigsten Fundpunkte erwiesen sich mehrere in 
den Gemarkungen der Dörfer Gr.- und Kl.-Heere und Sehlde am Hainberge bei Ringelheim gelegene 
Steinbrüche, in denen gelegentlich Material zum Wegebau gewonnen wird, und der Steinbruch der 
Zementfabrik bei Salder (an der Bahnstrecke Braunschweig-Derneburg). Ich kenne aus dem Cuvieripläner 
folgende Tetraxonia und Monaxonia: 


Procorallistes polymorphus SCHRAMMEN. 
Phalangium scytaliforme SCHRAMMEN. 
Phymatella intumescens ROEMER Sp. 
Thecosiphonia nobilis ROEMER sp. 


Verruculina convoluta QUENSTEDT sp. 
zi crassa ROEMER sp. 

Stichophyma verrucosa ROEMER sp. 

Stachyspongia spica ROEMER sp. 


Astrocladia laevis ROEMER sp. Scytalia terebrata PHILLIPS sp. 

Ophiraphidites annulatus SCHRAMMEN. »  cylindrata SCHRAMMEN. 
Cytoracea turbinata SCHRAMMEN. 
Leiochonia pinguis SCHRAMMEN. 


Seliscothon planum PHILLIPS sp. 


Isoraphinia texta ROEMER sp. 
Opetionella radians v. ZITTEL. 
Verruculina tenuis ROEMER sp. 


Hiervon sind auf den Cuvieripläner beschränkt Astrocladia laevis, Opetionella radians, Stachy- 
spongia spica und Leiochonia pinguis. Thecosiphonia nobilis und Isoraphinia texta erreichen den Höhepunkt 
und zugleich das Ende ihrer: Entwickelung. Auch Phalangium scytaliforme, Phymatella intumescens, 
Verruculina crassa und Stichophyma verrucosa überschreiten nicht die oberen Grenzen des Cuvieri-Planers. 
Ophiraphidites annulatus, die älteste Ophiraphiditesart, geht aber noch bis in die Quadratenkreide hinauf. 
Procorallistes polymorphus, Verruculina tenuis, Verruculina convoluta, Scytalia terebrata, Scytalia cylindrata, 
Cytoracea turbinata und Seliscothon planum steigen sogar bis in die Mucronatenkreide. 


1) Joh. Erpert, das untere Angoumien in den Osningbergketten des Teutoburger Waldes. Verhandlungen des 
naturhist. Vereins der preußischen Rheinlande etc. 58. Jahrgang. Bonn 1901. S. 97 u. f. 

2) Ad OLD. Dazu. 

SIEBEN O Mowe. 


DATA. <= 


Poéra!) hat die Spongienfauna des Cuvieripläners von Paderborn untersucht und außer einer 
Anzahl Hexactinellidenarten auch /soraphinia simplicissima Poéta (= Pachycothon giganteum Roem. sp.) 
Thecosiphonia grandis Rom. sp. (= Thecosiphonia nobilis Rorm. sp.), Pachypoterion cupulare Poéta, eine 
Phymatella sp., Chonella sp. und Verruculina sp. gefunden. Die generische Stellung von Pachypoterion 
cupulare Pocéra halte ich für unsicher. Denn die von Poëra abgebildeten und Pachypoterion zu- 
geschriebenen Skelettelemente sind durch den Versteinerungsprozeß etc. derart verunstaltet, daß es ge- 
wagt scheint, nach ihnen auf verwandtschaftliche Beziehungen zur Gattung Pachypoterion HınDE 
zu schließen. 

WoLLEMANN?) führt aus dem Cuvieripläner von Salder außer Verruculina crassa, Verruculina 
tenuis, Scytalia terebrata, Isoraphinia texta, Phymatella intumescens und Thecosiphonia nobilis noch Sticho- 
phyma sparsa Reuss sp., Seliscothon Roemeri PomEL sp. und Seliscothon capitatum PniLL. sp. an. WoLLe- 
MANN’s Stichophyma sparsa dürfte richtiger als Stichophyma verrucosa RoEM. sp. zu bezeichnen sein. 
Seliscothon Roemeri und Seliscothon capitatum, deren Belegstücke Herr WoLLEMANN mir gütigst über- 
lassen hat, halte ich für verschiedene Altersstufen einer neuen Leiochoniaart (L. pinguis SCHRAMMEN). 

Nach der Ablagerung des Cuvieripläners trat in Nordwestdeutschland eine Verflachung des 
Kreidemeeres und damit lokal eine Veränderung der Faciesverhältnisse ein. Unsere Kenntnisse von 
der Kontinuität der Faunen bekommen dadurch eine Lücke. Die Cuvieripläner, Scaphitenpläner etc. 
sind durch den Gesteinscharakter, die Zusammensetzung der allgemeinen Fauna und der Spongienfauna 
als Tiefseesedimente gekennzeichnet, während die Sandmergel, Sande, Konglomerate und Tone der 
Westfalicuskreide oder des Emschers und dann der Granulatenkreide, die auf den Cuvieripläner folgen, 
sich durch ihre organischen Einschlüsse als Absätze eines seichteren Meeres und als Küstensedimente 
erweisen. 

Die Spongienfaunen aus der Tiefseefacies der Westfalicus- und Granulatenkreide sind in Nord- 
westdeutschland ebenso unbekannt wie die Faunen der Küstenfacies der Cuvieri-, Scaphiten- etc. Planer. 

Die ältesten spongienführenden Ablagerungen der Westfalicuskreide sind Sandmergel mit Actino- 
camax westfalicus, Inoceramus digitatus etc., die seinerzeit durch einen Eisenbahneinschnitt am Peters- 
berge bei Goslar aufgeschlossen gewesen sind. Herr Lehrer W. REITEMEYER in Goslar hat den Aufschluß 
ausgebeutet und mir freundlicher Weise das gesammelte Material zur Bestimmung überlassen. Es ent- 
hielt dieselben Arten, die auch in den hangenden Schichten, den sog. Siphonienmergeln, des Sudmer- 
berges gefunden werden. Die Sudmerbergfauna ist aber artenreicher. Im Bahneinschnitt ist Coelo- 
corypha subglobosa v. Zirr. häufiger, in den Siphonienmergeln Jereica punctata GoLDF. sp. Weiter 
kommt in der Zusammensetzung der Spongienfauna die Altersverschiedenheit kaum zum Ausdruck. 

Die fossilreichen und altberühmten Siphonienmergel des Sudmerberges sind infolge von Auf- 
forstungen jetzt leider nicht mehr gut aufgeschlossen, wenn auch gelegentlich noch manches schöne 
Stück auswittert. Die Mergel gehören nach StoLLey *) z. T. noch zur Westfalicuskreide, z. T. schon zur 
untersten Granulatenkreide. 


1) Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. 1890, S. 217—232. 
23a 0 8,,52: 


.®) E. Srorzey, Über die Gliederung des norddeutschen und baltischen Senon. Archiv für Anthropologie und Geo- 
logie Schleswig-Holsteins, Bd. 2, S. 236 und 239. 


A) ue 


Liste der im Bahneinschnitt Petersberg und am Sudmerberg VRRERIDDERENE 
Arten. (Ohne die Hexactinelliden.) 


Arten aus den Emscher-Schichten mit Inoceramus digitatus (Petersberg). 


Trachysycon muricatum RoEMER Sp. Seliscothon marginatum ROEMER sp. 
Siphonia Griepenkerli SCHRAMMEN. Cytoracea grandis ROEMER Sp. - 

cf. Phymatella bulbosa v. ZITTEL. a costata ROEMER sp. 
Lopadophorus Janus ROEMER sp. à impressa ROEMER sp. 

Pachinion familiare RoEMER sp. Coelocorypha subglobosa v. ZiTTEL (häufig). 
Pachytrachelus conicus ROEMER sp. Jereica punctata GOoLDFUSS sp. (selten). 


Seliscothon Mantelli GoLpFuss sp. 


Arten aus den Siphonienmergeln (Sudmerberg). 


Pachypoterion Koeneni SCHRAMMEN. Coelocorypha subglobosa v. ZITTEL. 
Pachinion familiare RoEMER sp. Coelocorypha socialis RoEMER sp. 
Callopegma depressa ROEMER sp. = acuta ROEMER sp. 
Siphonia Griepenkerli SCHRAMMEN. Astrobolia hemisphaerica ROEMER sp. 
Trachysycon muricatum ROEMER sp. y tenella ROEMER Sp. 
Lopadophorus Janus ROEMER sp. be globosa ROEMER sp. 
Pachycothon giganteum RoEMER sp. Cytoracea impressa ROEMER Sp. 
Scolioraphis tesselata ROEMER sp. 2 grandis ROEMER Sp. 
Verruculina tenuis ROEMER sp. 3 costata SCHRAMMEN. 

- seriatopora ROEMER Sp. Bolidium palmatum RoEMER sp. 

+ micrommata ROEMER Sp. Chonella auriformis ROEMER Sp. 

Fe angulata SCHRAMMEN. ' Seliscothon marginatum ROEMER Sp. 
Stichophyma turbinata RoEMER sp. > Mantelli GoLpruss sp. 
Jereica punctata GOLDFUSS sp. Pachytrachelus conicus ROEMER sp. 


Hiervon sind die meisten Arten nur aus der Sudmerbergfacies des Emschers bezw. der Granulaten- 
kreide bekannt, nämlich Pachinion familiare, Callopegma depressa, Trachysycon muricatum, Lopado- 
phorus Janus, Scolioraphis tesselata, Verruculina micrommata, Verruculina angulata, Jereica punctata, 
Coelocorypha subglobosa, socialis und acuta, Astrobolia hemisphaerica, tenella und globosa, Cytoracea im- 
pressa, grandis und costata, Bolidium palmatum und Pachytrachelus conicus. 

Die Facies- und die Etagengrenzen überschreiten Pachypoterion Koeneni, Siphonia Griepenkerli 
und Stichophyma turbinata, die bis in die Quadratenkreide gehen, und Pachycothon giganteum, Verruculina 
tenuis, Verruculina seriatopora, Chonella auriformis und Seliscothon Mantelli, die sogar noch in der Mucro- 
natenkreide gefunden werden. 

Ein Vergleich der in der Strand- und Küstenfacies des Sudmerberges vorkommenden Arten mit 
den nächstverwandten Arten aus den Tiefseesedimenten der oberen Kreide zeigt den gesetzmäßigen 
Einfluß der Facies auf die Körperform bezw. die Abhängigkeit der Körperform von der Facies. So 
produzieren alle Gattungen, deren Tiefseearten langgestielt-zylindrisch sind, in der Sudmerbergfacies 


PAR ee 


apfel- und birnförmige, kugelige und sogar halbkugelige Gestalten mit kurzem Stiel oder lappig ver- 
breiterter Basis. Als Beispiele wähle ich Arten der zu drei verschiedenen Familien gehörenden Gattungen 
Siphonia, Jereica und Pachytrachelus. Siphonia tubulosa Rom. sp., eine Tetracladine aus den ganz 
unzweifelhaft Tiefseeablagerungen darstellenden Kalkmergeln der Mucronaten- und Quadratenkreide, ist 
langgestreckt-zylindrisch und langgestielt. Die am Sudmerberg vorkommende nächstverwandte Spezies 
Siphonia Griepenkerli SCHRAMMEN ist kugelig, birn- oder apfelförmig und hat einen ganz kurzen, dicken 
Stiel. Die Rhizomorine Jereica polystoma Rom. sp. aus der Quadraten- und Mucronatenkreide hat 
dieselbe Gestalt wie Siphonia tubulosa. Jereica punctata GoLDF. sp. vom Sudmerberge ist wieder kugelig-, 
apfel- oder birnförmig und kurz gestielt. Am ausgeprägtesten sind diese Formverschiedenheiten aber beiden 
Spezies der Gattung Pachytrachelus (Familie Sphaerocladinidae) entwickelt. Die beiden Arten aus der Kalk- 
mergelfacies bilden lange Zylinder. Die Sudmerbergart ist kugelig oder gewöhnlich sogar nur halbkugelig. 

Bei den Gattungen mit becher-, ohr- oder blattförmigen Arten wie Seliscothon, Verruculina, Lopado- 
phorus und Chonella sind die am Sudmerberge vorkommenden Spezies viel diekwandiger und massiger 
als die nächstverwandten Kalkmergelformen. 

Die am Sudmerberge bei Gattungen aus ganz verschiedenen Familien zu beobachtende konver- 
gente Ausbildung kugeliger, knolliger und dickwandiger Schwammkörper ist als Anpassung an geringe 
Meerestiefen zu erklären. Bei der Beurteilung der Faciesverhältnisse mesozoischer Sedimente ist darum 
allein aus dem Vorhandensein einer aus zahlreichen Spongienarten mit lithistidem Skeletthabitus und aus 
Hexactinelliden zusammengesetzten Fauna nicht immer ohne weiteres auf Tiefseebildungen zu schließen, 
wenn auch in den neuzeitlichen Ozeanen eine derartig zusammengesetzte Fauna an die Tiefsee gebunden 
zu sein scheint. 

In der Facies ungefähr gleichartig und mit den liegendsten Bänken auch wohl z. T. von dem- 
selben Alter wie die oberen Sudmerbergschichten, kommen nun die durch großen Individuenreichtum an 
fossilen Spongien ausgezeichneten Konglomerate und Mergel von Adenstedt-Bülten. Die Eisenstein- 
konglomerate der älteren Schichten mit Actinocamax westfalicus gehören zum Emscher. Die sandigen 
Kalkmergel über den Eisensteinkonglomeraten, die nach Srottey Ubergangsformen von Actinocamax 
westfalicus zu A. granulatus, Actinocamax granulatus, Inoceramus cardissoides, Inoceramus Cripsi ete. 
führen, werden als Grenzschichten der Westfalicus- und Granulatenkreide bezw. als untere Granulaten- 
kreide angesehen. 

Spongien kommen in allen Lagen häufig vor. Die Horizonte der hier aufgezählten Arten habe 
ich aber nicht genau ermitteln können, weil die Exemplare auf den Schutthalden gesammelt worden 
sind. Wahrscheinlich stammen die meisten Spezies aus den sandigen Kalkmergeln mit Actinocamax 
granulatus und Inoceramus cardissoides. Es sind folgende Arten: 


Pachypoterion Koeneni SCHRAMMEN. Jereica excavata SCHRAMMEN. 

Callopegma acaulis v. ZITTEL. 5 turbo SCHRAMMEN. 

Seliscothon Mantelli GoLpruss sp. Macrobrochus emscheris SCHRAMMEN. 
a pingue SCHRAMMEN. 


Die Schwämme der Bülten-Adenstedter Kreide zeichnen sich selten durch gute Erhaltung, aber 
häufig durch ungewöhnliche Größe aus. Dadurch wird der Anreiz zum Sammeln und zum Mitnehmen 


et gD he 


nicht erhöht. Mit den Sudmerbergschichten haben die Adenstedt-Bültener Kreideablagerungen nur 
Seliscothon Mantelli und Pachypoterion Koeneni gemeinsam, zwei langlebige Arten, die bis in die 
Quadratenkreide gehen. Die für die älteren Sudmerbergschichten so bezeichnende Coelocorypha sub- 
globosa fehlt in Adenstedt-Bülten. Auch Jereica punctata habe ich nicht gefunden. Jereica excavata 
dürfte zu dieser in den oberen Sudmerbergschichten häufigen Art im Verhältnis einer jüngeren Mutation 
stehen. Von besonderem Interesse ist Macrobrochus emscheris, eine Form, die in der Skelettstruktur 
und im Habitus paläozoischen Schwämmen nahesteht. Von den am Sudmerberge so häufigen Cytoracea- 
arten ist mir in Adenstedt-Bülten nichts bekannt geworden. 

Wenn man unter der Voraussetzung der Faciesgleichheit oder Ähnlichkeit und nur nach den 
Spongienarten die Altersverhältnisse der Sudmerbergschichten und der Schichten von Adenstedt-Bülten 
zu beurteilen hätte, wäre das Ergebnis, daß auch die ältesten bei Adenstedt-Bülten aufgeschlossenen 
Ablagerungen noch jünger sind als die sog. Siphonienmergel des Sudmerberges. 

Die nächstjüngeren Schichten der Granulatenkreide mit Spongien sind die namentlich in der Um- 
gebung von Braunschweig durch Ziegeleibetriebe aufgeschlossenen sandigen Tone mit /noceramus lobatus, 
Inoceramus lingua, Actinocamax Grossouvrei etc. Während aber die spongienführende Westfalicus- 
Kreide und die ältere Granulatenkreide als Litoralbildungen mit einer reichen Lithistidenfauna entwickelt 
sind, vertreten diese Tone der jüngeren Granulatenkreide eine Facies, die durch Hexactinelliden der 
Genera Becksia, Coeloptychium, Sporadoscinia, Leptophragma u. a. charakterisiert wird, die man aber 
wie die zahlreichen diekschaligen Zweischaler und Gasteropoden etc. anzeigen, die in den Tonen liegen, 
als Tiefseefacies noch nicht ansprechen kann. 

Dagegen beherbergen die Kalkmergel und Plänerkalke der auf die Granulatenkreide folgenden 
Quadratenkreide eine Tiefseefauna, die ähnlich wie die der neuzeitlichen Ozeane zusammengesetzt ist. 
Von den zahlreichen Aufschlüssen der Quadratenkreide habe ich ganz besonders lange und sorgfältig 
die ausgedehnten und fossilreichen Steinbrüche der Zementfabrik Germania in Misburg und die Mergel- 
grube des Rittergutes in Oberg ausgebeutet. Die folgende Liste stützt sich darum hauptsächlich auf 
die Vorkommnisse an diesen beiden Fundpunkten. 


Verzeichnis der in der Quadratenkreide vorkommenden Kieselspongien. 
(Ohne die Hexactinelliden.) 


Tetillopsis Döringi SCHRAMMEN. Homalodora plana SCHRAMMEN. 
longitridens SCHRAMMEN. = tuberosa SCHRAMMEN. 
Theneopsis Steinmanni v. ZITTEL sp. = ficus SCHRAMMEN. 
Stolleya microtulipa SCHRAMMEN. 55 pusilla SCHRAMMEN. 
. ornatissima SCHRAMMEN. Amphilectella piriformis SCHRAMMEN. 
2 florida SCHRAMMEN. Heterostinia obliqua BENETT sp. 
Brochodora (Doryderma) Roemeri HINDE sp. Pachypoterion Koeneni SCHRAMMEN. 
35 es ramusculus SCHRAMMEN. Pachinion scriptum ROEMER sp. 


Homalodora (Doryderma) ramosa MANTELL sp. 4 cylindricum SCHRAMMEN. 


Procorallistes polymorphus SCHRAMMEN. 
Propachastrella primaeva v. ZITTEL sp. 
Phymatella tuberosa QUENSTEDT Sp. 

sa bulbosa v. ZITTEL. 

+ heteropora v. ZITTEL. 

+ sphaeroides SCHRAMMEN. 
Aulaxinia sulcifera ROEMER sp. 

eu fallax SCHRAMMEN. 
Craterella tuberosa SCHRAMMEN. 
Myrmeciophytum verrucosum ROEMER Sp. 
Callopegma acaulis v. ZITTEL. 
Thecosiphonia postumus SCHRAMMEN. 
Polyjerea pyriformis GRIEPENKERL. 
Turonia variabilis MICHELIN. 

er constricta v. ZITTEL. 

S cerebriformis SCHRAMMEN. 
Jerea Quenstedti v. ZITTEL. 

Siphonia Griepenkerlii SCHRAMMEN. 

aA tubulosa ROEMER sp. 

2 coronata GRIEPENKERL. 

a micropora SCHRAMMEN. 
Hallirhoa sexplicata ROEMER sp. 
Discodermia gleba SCHRAMMEN. 

A antiqua SCHRAMMEN. 
Rhagadinia rimosa ROEMER sp. 
= Doederleini SCHRAMMEN. 
Placoscytus jereaeformis SCHRAMMEN. 
Eustrobilus callosus SCHRAMMEN. 
Colossolacis plicata SCHRAMMEN. 
Rhoptrum scytaliforme SCHRAMMEN. 
Pholidocladia dichotoma HinDE. 
Lopadophorus lacunosus SCHRAMMEN. 
_ Griepenkerli SCHRAMMEN. 
Procaliapsis clavata HINDE sp. 
> cretacea SCHRAMMEN. 
Cycloclema compressa HINDE sp. 
Phymaraphinia infundibuliformis ScHRAMMEN. 
Acrochordonia ramosa SCHRAMMEN. 
4, auricula SCHRAMMEN. 
Astrocladia subramosa ROEMER Sp. 


PA 


Pycnodesma globosa SCHRAMMEN. 
Plinthosella squamosa v. ZITTEL. 
Dactylotus micropelta SCHRAMMEN. 
Geodiopsis cretacea SCHRAMMEN. 
ee microthrinax SCHRAMMEN. 
Ophiraphidites annulatus SCHRAMMEN. 
a cretaceus v. ZITTEL. 
er tuberosus SCHRAMMEN. 
® cylindricus SCHRAMMEN. 
er infundibuliformis SCHRAMMEN. 
Cephaloraphidites milleporatus SCHRAMMEN. 
- cavernosus SCHRAMMEN. 
Alloioraphium spongiosum SCHRAMMEN. 
Polytretia seriatopora SCHRAMMEN. 
Megaloraphium auriforme SCHRAMMEN. 
Helobrachium consecatum SCHRAMMEN. 
Pachycothon giganteum ROEMER sp. 
Rhizopsis horrida SCHRAMMEN. 
Verruculina tenuis RoEMER Sp. 
53 convoluta QUENSTEDT sp. 
= seriatopora ROEMER Sp. 
: macrommata ROEMER sp. 
5 cupula SCHRAMMEN. 
Stichophyma turbinata ROEMER sp. 
m multiformis BRONN sp. 
Jereica oligostoma ROEMER sp. 

»  polystoma ROEMER sp. 
Scytalia terebrata PHILLIPS sp. 

4 cylindrata SCHRAMMEN. 

55 radiciformis PHILLIPS sp. 
Cytoracea turbinata SCHRAMMEN. 
Leiochonia cryptoporosa SCHRAMMEN. 
Chonella tenuis RoEMER sp. 

Chonella auriformis RoEMER sp. 
Coscinostoma fragilis SCHRAMMEN. 

a auricula SCHRAMMEN. 
Seliscothon planum PHILLIPS sp. 

ss Mantelli GoLDF. sp. 
Megarhiza dubia SCHRAMMEN. 
Pachytrachelus reticulatus SCHRAMMEN 


Die Liste enthält manche Arten, die ich auch schon aus älteren Etagen und z. T. auch aus 
anderen Faciesbildungen angeführt habe. Dazu gehören Brochodora Roemeri, Pachypoterion Koeneni, 
Procorallistes polymorphus, Callopegma acaulis, Jerea Quenstedti, Pholidocladia dichotoma, Ophiraphidites 
annulatus, Pachycothon giganteum, Rhizopsis horrida, Verruculina tenuis, V. convoluta, V. seriatopora, 
Stichophyma turbinata, Scytalia terebrata, Cytoracea turbinata, Chonella tenuis und auriformis, Seliscothon 
planum und Mantelli. 5 

Ein Teil hiervon und die meisten anderen Spezies gehen bis in die untere und mittlere Mucronaten- 
kreide hinauf. Von den noch übrigen Arten gehört die Mehrzahl zu Gattungen mit unverbundenen 
Skelettelementen des regulären Typus, nämlich Theneopsis Steinmanni, Tetillopsis Döringi, Tetillopsis 
longitridens, Stolleya florida, Geodiopsis microthrinax, die Cephaloraphidites-Arten, Alloioraphium spongiosum, 
Polytretia seriatopora, Helobrachium consecatum und Megaloraphium auriforme. Warum bei diesen Formen die 
Beschränkung auf einen einzigen Horizont wohl nur eine scheinbare ist, habe ich bereits auseinandergesetzt. 

Der Quadratenkreide eigentümlich sind aber Homalodora pusilla, Myrmeciophytum verrucosum, 
Thecosiphonia postumus, Polyjerea pyriformis, Siphonia coronata, S. micropora, Discodermia gleba, Rhoptrum 
scytaliforme, Lopadophorus lacunosus und L. Griepenkerli, die Acrochordonia-Arten, Megarhiza dubia und 
Pachytrachelus reticulatus. 

Die von F. A. RoEMER aus den Ilsenburgmergeln beschriebenen Arten sind fast alle auch in 
der Quadratenkreide von Misburg und Oberg häufig. 

Eine besondere Facies mit litoraler Färbung stellt die Quadratenkreide von Königslutter dar. 
Ihre Grünsande führen neben Arten, die auch in der Kalkmergel- und Plänerfacies vorkommen, häufig 
kugelige und kurzstielige Siphonia- und Jereicaspezies und auch eine Lopadophorusart, die dem Lopado- 
phorus Janus vom Sudmerberg nahesteht. 

Die Mucronatenkreide beschließt die Reihe der spongienführenden Abteilungen. Die Spongien- 
fauna wiederholt im wesentlichen die Fauna der Quadratenkreide. Es traf sich günstig, daß zu der Zeit, 
als ich mit Herbeischaffung von Material für diese Arbeit begann, von der Zementfabrik Teutonia in Mis- 
burg ein Steinbruch angelegt wurde, der ungemein fossilreiche Bänke der Mueronatenkreide aufschloß. 
Zur Charakterisierung der Altersverhältnisse gebe ich zunächst ein Verzeichnis der mit den Spongien zu- 
sammen vorkommenden Fossilien, die ich im Steinbruche der Zementfabrik Teutonia gesammelt habe, 
und die von Herrn Dr. WoLLEMANN bestimmt worden sind. 


Cephalopoden. : Gasteropoden. 
Nautilus loricatus SCHLÜTER. : Pleurotomaria regalis A. ROEMER Sp. 
Pachydiscus pseudo-Stobaei MoBErG sp. à granulifera MünsT. 


= galicianus FAVRE Sp. 


Ammonites (Desmoceras ?) patagiosus SCHLÜTER Lamellibranchiaten. 


Hamites Gottschei WOLLEMANN. Gryphaea vesicularis Lam. 

ci. Hamites armatus Sow. Ostrea hippopodium NıLsson. 
Baculites knorrianus DES. Exogyra lateralis NıLsson sp. 
Scaphites spiniger SCHLÜTER. Dimyodon Nilssoni v. Hac. 


Belemnitella mucronata SCHLOTH. sp. Chalmasia turonensis DUJARDIN. 


Lima canalifera GoLDF. 
Pholadomya decussata MANT. sp. 
Inoceramus Cripsi Mant. 
Spondylus latus Sow. sp. 
3 Dutempleanus d’ORB. 

Pecten Mantellianus d’ORB. 

> undulatus NıLsson. 

» serratus NILSSON. 
Gyropleura ciplyana De RyYcKHOLLT. 


Echinoideen. 


Cyphosoma Koenigi Mant. sp. 
Cidaris serrata DEsoRr. 

Salenia obnupta SCHLÜTER. 
Echinoconus Roemeri DEsor sp. 
Ananchytes ovata Lam. 

Epiaster gibbus ScHLÜTER. 
Micraster coranguinum KLEIN sp. 


25 


Brachiopoden. 


Rhynchonella Cuvieri d’Ors. 
35 plicatilis Sow. 
Crania parisiensis DEFR. 

»  ignabergensis RETZIUS. 
Terebratulina chrysalis SCHLOTH. sp. 
Terebratula carnea Sow. 

Kingena lima DEFR. sp. 


Anneliden. 


Serpula heptagona HAGENOW. 
. ampullacea Sow. 
en funiculus WOLLEMANN. 


Hydrozwoen. 


Porosphaera globularis PHILL. sp. 


Anthozoen. 


Parasmilia centralis Epw. u. HAIME. 
30—40 Foraminiferenarten. 


Helicoceras polyplocum, das Leitfossil der mittleren Mucronatenkreide, kommt bei Misburg noch 
nicht vor. Micraster coranguinum, der sonst nur aus Emscher und Quadratenkreide bekannt ist, tritt 
in den unteren Bänken nicht selten auf. Hiernach und auch nach den Lagerungsverhältnissen gehören 
die Ablagerungen zur unteren Abteilung der Mucronatenkreide. 


Verzeichnis der in der unteren Mucronatenkreide von Misburg vorkommenden 


Kieselspongien. (Ohne die Hexactinelliden.) 


Theneopsis Sieinmanni v. ZITTEL sp. 
Stolleya microtulipa SCHRAMMEN. 


Heterostinia depressa SCHRAMMEN. 
Pachypoterion auritum SCHRAMMEN. 
a ornatissima SCHRAMMEN. Pachinion scriptum ROEMER Sp. 
Brochodora (Doryderma) Roemeri HINDE sp. 93 

=f ,, ramusculus SCHRAMMEN. 
Homalodora ramosa MANTELL sp. 


cylindricum ScHRAMMEN. 
Procorallistes polymorphus SCHRAMMEN. 
Phalangium cylindratum SCHRAMMEN. 
Propachastrella primaeva v. ZITTEL sp. 

» tuberosa SCHRAMMEN. Phymatella tuberosa (JUENSTEDT Sp. 

5 ficus SCHRAMMEN. i 
Amphilectella piriformis SCHRAMMEN. > 
Heterostinia obliqua BENETT sp. ” 


») plana SCHRAMMEN. 


bulbosa v. ZITTEL. 
heteropora v. ZITTEL. 
sphaeroides SCHRAMMEN. 


“5 immanis SCHRAMMEN. Aulaxinia sulcifera RoEMER sp. 


Palaeontographica. Suppl. V. 


En 


Aulaxinia fallax SCHRAMMEN. 

a maliformis SCHRAMMEN. 

> melo SCHRAMMEN. 

Se ventricosa SCHRAMMEN. 
Craterella auricula SCHRAMMEN. 
Callopegma acaulis v. ZITTEL. 
Turonia variabilis MicHELIN. 

» . constricta V.: ZITTEL: 

»  mduta Vv: ZATTEL. 

»  cerebriformis SCHRAMMEN. 
Calymmatina rimosa v. ZITTEL. 
Jerea Quenstedti v. ZITTEL. 
Siphonia tubulosa ROEMER sp. 


26 


Ophiraphidites ramosus SCHRAMMEN. 
Pachycothon giganteum ROoEMER Sp. 
Verruculina tenuis ROEMER Sp. 
ss convoluta QUENSTEDT sp. 
5 seriatopora ROEMER sp. 
= macrommata ROEMER Sp. 
er cupula SCHRAMMEN. 
> astraea HINDE. 
Stichophyma multiformis BRoNN sp. 
Jereica oligostoma ROEMER Sp. 
nf polystoma ROEMER sp. 
2 tuberculosa ROEM. sp. 
Stachyspongia tuberculosa ROEMER sp. 


“2 maliformis SCHRAMMEN. Scytalia terebrata PHILL. sp. 
Hallirhoa fusiformis SCHRAMMEN. = cylindrata SCHRAMMEN. 
Discodermia antiqua SCHRAMMEN. | 5 radiciformis PHILLIPS sp. 
* colossea SCHRAMMEN. Cytoracea turbinata SCHRAMMEN. 
Rhagadinia rimosa ROEMER sp. N rimosa SCHRAMMEN. 
Placoscytus jereaeformis SCHRAMMEN. Pachysalax processifer SCHRAMMEN. 
Eustrobilus callosus SCHRAMMEN. Plinthodermatium exile SCHRAMMEN. 
Colossolacis plicata SCHRAMMEN Coelosphaeroma appendiculata SCHRAMMEN. 
Procaliapsis clavata HINDE sp. Leiochonia robusta SCHRAMMEN. 
Cycloclema compressa HINDE sp. Chonella tenuis RoEM. sp. 
Phymaraphinia infundibuliformis SCHRAMMEN Pe auriformis ROEM. sp. 
Astrocladia subramosa ROEMER sp. Coscinostoma fragilis SCHRAMMEN. 
Microdendron ramulosum SCHRAMMEN. ts auricula SCHRAMMEN. 
Chenendopora fungiformis LAMOROUX sp. Seliscothon planum PHILLIPS sp. 
Plinthosella squamosa v. ZITTEL. m Mantelli GoLDFUSS sp. 
Dactylotus micropelta SCHRAMMEN. Chalaropegma cerebriformis SCHRAMMEN. 
Ophiraphidites cylindricus SCHRAMMEN. Pachytrachelus exspectatus SCHRAMMEN. 
3 infundibuliformis SCHRAMMEN. Macrobrochus rimosus SCHRAMMEN. 


hs tuberosus SCHRAMMEN. 


Von diesen 87 Spezies kommen 63 schon in der Quadratenkreide und z. T. auch in noch älteren 
Abteilungen vor. Auf die Mucronatenkreide beschränkt sind Heterostinia immanis und depressa, Pachy- 
poterion auritum, Phalangium cylindratum, Aulaxinia maliformis, melo und ventricosa, Craterella auricula, 
Turonia induta, Hallirhoa fusiformis, Discodermia colossea, Microdendron ramulosum, Chenendopora 
fungiformis, Ophiraphidites ramosus, Verruculina astraea, Jereica tuberculosa, Stachyspongia tuberculosa, 
Cytoracea rimosa, Pachysalax processifer, Plinthodermatium exile, Coelosphaeroma appendiculata, Leiochonia 
robusta, Chalaropegma cerebriformis, Pachytrachelus exspectatus und Macrobrochus rimosus. 


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ee aie 


oer y on 


Jiinger als die tonigen Kalkmergel und Planer der Mucronatenkreide von Misburg sind die sandigen 
Mergelkalke vonAhlten. Die Spongien wurden dort in einem mehrere 100 m von Südausgange des Dorfes 
entfernt liegenden Steinbruche gefunden, der aber seit einigen Jahren zugeschiittet worden ist. Aus der 
Ahltener Mucronatenkreide ist vor Jahren durch K. v. SEEBAcH eine schöne Kollektion fossiler Spongien 
an das Göttinger Museum gelangt. Herr Geheimer Bergrat Professor Dr. v. KoENEN war so freundlich, 
mir eine Besichtigung zu gestatten, wobei ich folgende Arten feststellen konnte, die ich z. T. auch selber 
bei Ahlten gesammelt habe, und die sämtlich auch in der unteren Mucronatenkreide von Misburg vor- 
kommen. Ophiraphidites sp., Propachastrella primaeva v. ZiTT. sp., Siphonia tubulosa Roem. sp., Phymatella 
bulbosa v. Zirr., Aulaxinia sulcifera Roem. sp., Callopegma acaulis v. ZiTTEL, Rhagadinia rimosa Roem sp., 
Phymaraphinia infundibuliformis SCHRAMMEN, Plinthosella squamosa v. Zitt., Turonia constricta v. ZimT., 
Astrocladia subramosa Roem. sp., Pachycothon giganteum Rom. sp., Doryderma Roemeri Hinpe, Heteros- 
tinia obliqua BENETT sp., Amphilectella piriformis SCHRAMMEN, Verruculina seriatopora ROEMER Sp., 
Verruculina macrommata Rorm. sp., Leiochonia cryptoporosa, Scytalia terebrata PHiLL.sp., Scytalia radici- 
formis PHILL. sp., Stichophyma multiformis Bronn sp., Jereica polystoma Roem. sp., Chonella sp., Selis- 
cothon planum PHILL. sp. . 

Die jiingsten Kreideablagerungen mit Kieselspongien sind die Helicocerasschichten der mittleren 
Mucronatenkreide von Lüneburg. Sie führen hauptsächlich Hexactinelliden. Wottemann!) hat aber 
auch Jereica tuberculosa Rom. sp. und Callopegma acaulis v. ZiTT. nachgewiesen. 

Von einem Vergleich unserer Spongienfaunen mit den Faunen der benachbarten Kreidegebiete 
von England, Frankreich und Böhmen sehe ich vorläufig ab, weil ich die Hexactinelliden noch nicht mit 
berücksichtigen könnte. Auch die Beziehungen der cretaceischen Spongienfauna zur Fauna der Jura- 
formation und der Jetztzeit sollen später erörtert werden. 


Die Systematik der lithistiden Szlicea hat eine durchgreifende Veränderung erfahren, indem ich 
in Verfolgung meiner früher ?) veröffentlichten und mittlerweile auch als begründet anerkannten ?) An- 
sichten die geschlossene Gruppe der Lithistiden aufgehoben und die einzelnen Glieder jenen Abteilungen 
der Silicea zugeteilt habe, die ich für stammverwandt halten muß. 

Die Lithistidae wurden bekanntlich von O. Scamipr als eigene Ordnung aufgestellt, und alle anderen 
Forscher, u. a. v. ZITTEL, VOSMAER, SOLLAS, HinpE, RAUFF und vy. LENDENFELD, haben sie als Ordnung 
oder Unterordnung beibehalten. 

v. ZiTTEL betrachtete die Lithistidae als eine den Monactinellidae, Hexactinellidae, Tetractinellidae etc. 
gleichwertige Ordnung und zerlegte sie in die 4 Familien bezw. Unterordnungen Tetracladina, Rhizomorina, 
Anomocladina und Megamorina. 

Sorras unterschied innerhalb der Tetractinellidae zwei Ordnungen, die Choristidae und Lithistidae. 
Die Lithistidae zerfallen wieder in zwei Unterordnungen, die Hoplophora (Lithistiden mit besonderen 
Dermalnadeln), zu denen Sorras die Tetracladidae, Corallistidae und Pleromidae, aber auch die Sclerito- 
dermidae, Cladopeltidae und Neopeltidae, die zu den Rhizomorinidae gehören, rechnete, und Anoplia 


1) A. a. O. S. 7. 
2) Zur Systematik der Kieselspongien. Mitt. a. d. Rorm.-Mus. No. 19, 8. 9—15. 1903. 
3) R. v. LENDENFELD. Tetraxonia. Berlin 1903. S. 14. 


aE ue 


(Lithistiden ohne besondere Dermalnadeln), die nur die Azoricidae, also den Rest der Rhizomorinidae 
enthalten. 

Raurr akzeptierte die Sorras’sche Einteilung der Tetractinellidae in Choristidae und Lithistidae 
und teilte die Lithistidae wieder ähnlich wie v. Zirret in die Tetracladinidae, Eutaxicladinidae, Rhabdo- 
morinidae (== Megamorinidae) und Rhizomorinidae. Er ordnete aber die Anomocladinidae (bei RAUFF 
Didymmorinidae) den Megamorinidae unter und zerlegte die Rhizomorinidae in die Familien Corallistidae 
SoLLAs, Scleritodermidae SoLLas, Neopeltidae SoLLas, Cladopeltidae SoLLas und Azoricidae SOLLAS. 

v. LENDENFELD unterscheidet, wie SozLas bei den Lithistidae, die er als Ordnung der Tetraxonia 
der Ordnung Tetractinellida gegenüberstellt, die Unterordnungen Hoplophora und Anoplia. Die Hoplo- 
phora enthalten die Theonellidae (= Tetracladinidae), Coscinospongiidae (= Corallistidae), Pleromatidae 
(= Megamorinidae), Neopeltidae, Scleritodermidae und Siphoniidae (= Rhizomorinidae). Die Anoplia sind 
aus den Desmanthidae, Leiodermatidae (Rhizomorinidae) und V etulinidae (S phaerocladinidae) zusammengesetzt. 

Bevor ich nun den Versuch mache, die Systematik der Lithistiden zu zergliedern, méchte ich zu- 
sammenstellen, welche besonderen Eigenschaften alle Autoren den Lithistiden im Gegensatze zu den anderen 
Silicea mit tetraxonen Skelettélementen zuschreiben. 


v. Zımteis letzte Diagnose der Lithistidae (in den Grundzügen der Paläontologie) lautet: 


, Massive, dickwandige, meist mit kompliziertem Kanalsystem versehene Kieselschwämme. Skelett 
aus unregelmäßigen, an den Enden oder auch allenthalben mit knorrigen oder wurzelartigen Fortsätzen 
versehenen Vierstrahlern oder Einstrahlern (Desmomen) bestehend, welche durch Zygose innig mit- 
einander verflochten sind. Außerdem regelmäßig geformte, vierstrahlige, einaxige oder vielaxige Ober- 
flachen- und Fleischnadeln vorhanden.“ 

Sorras bezeichnet die Lithistidae als Tetractinellidae, deren Skelettelemente durch Zygose zu zu- 
sammenhängenden Gerüsten verbunden sind. 

„Die Spicula des dicht verwebten Stützskeletts sind Desmome mit tetraxonem oder monaxonem 
Crepidom. Die Desmome durch Zygose mehr oder weniger innig miteinander verbunden, aber niemals 
verlötet. Dazu isolierte Megasclere und Microsclere von tetraxonem und monaxonem Typus; Microsclere 
auch manchmal polyaxon. Körper meist dickwandig, mit dichtem Skelett, steinartig, massiv.‘‘ (RAUFF.) 

„Tetraxonia mit einem Skelett, an dessen Aufbau desmoide, gewöhnlich zu festen Gerüsten ver- 
bundene Megasclere teilnehmen.“ (v. LENDENFELD.) 

Wie man sieht, sind die Autoren darin einig, daß die wesentliche Eigentümlichkeit des Lithistiden- 
Skeletts nur in der Fähigkeit der tetraxonen oder monaxonen Skelettelemente liegt, Zygome zu bilden 
und vermittelst der Zygome starre Gerüste aufzubauen. Meines Erachtens ist aber die Fähigkeit der 
Zygosenbildung und die nur auf der Zygosenbildung beruhende Ähnlichkeit aller Lithistiden-Megasclere 
kein Zeichen naher Verwandtschaft, sondern das Resultat konvergenter Züchtung: Auf gleiche Weise 
wurde in phylogenetisch verschiedenen Entwicklungsreihen eine Festigung des 
Skeletts durch Unregelmäßigwerden und Zygosenbildung der Nadeln erreicht. 

Weil man das nicht erkannte, schrieb man den Lithistiden eine monophyletische Entstehung zu. 
So hebt v. ZırteL!) hervor, daß die Lithistiden von den Tetractinelliden streng abgeschlossen gewesen 


1) Handb., S. 199. 


Ware! 


wären. Er sieht in ihnen einen uralten Sproß des Spongienstammes, welcher selbständig seine eigene 
Entwicklung durchlief. DoEDERLEIN!) und O. Scumipr?) leiten von den Tetracladinen die Rhizomorinen 
und von diesen die Megamorinen und Anomocladinen ab. Am v. LENDENFELD’schen*) Stammbaume 
entspringen die Lithistina dem Geodiden-Ast. Sie geben zunächst einen Zweig ab, der die Anomocladidae 
und Azoricidae trägt, und teilen sich weiter dichotom. Der eine Gabelast trägt die Scleritodermidae, 
Cladopeltidae und Neopeltidae und der andere die Corallistidae, Pleromidae und Tetracladidae. Raurr *) 
glaubt, daß die Rhizomorinen mehrere Wurzeln haben und mehrere Reihen bilden. Ein Teil soll direkt, 
ein anderer indirekt durch das Zwischenmittel der Megamorinen von den Tetracladinen abzuleiten sein. 

Demnach hätte man sich die Stammformen der Lithistiden als Geodiden (v. LENDENFELD) oder als 
Tetracladinen (DoEDERLEIN, O. SCHMIDT, RAUFF) vorzustellen. Aus den Tetracladinen läßt DoEDERLEIN die 
Megamorinen über die Rhizomorinen entstehen, während RAurr umgekehrt die Rhizomorinen zum Teil 
von den Megamorinen ableitet. 

Der paläontologische Befund schien ja mit diesen Hypothesen nicht unvereinbar zu sein (die ältesten 
Lithistiden sind angeblich cambrische Tetracladinen). Eine unmittelbare Bestätigung hat er aber auch 
nicht gebracht, denn Übergangsformen zwischen Tetracladinen, Megamorinen oder Rhizomorinen hat 
man noch nie gefunden. 

Werfen wir einen Blick auf die embryologischen Tatsachen. Als Embryonalzustand der 
Skelettelemente beschreibt O. Scumipt von der Rhizomorine Scleritoderma kleine, deutlich einachsige, 
ziemlich breite und etwas unregelmäßig konturierte Stäbchen. Ebensolche Gebilde bildet auch SoLLas 
im Challenger-Report von Azorica-Arten, Siphonidium capitatum und Scleritoderma flabelliformis ab und 
ähnlich sind die Embryonal-Desmome der Megamorine Pleroma turbinata und der Corallistidae-Arten 
beschaffen. Dagegen sind die Desmomembryone der Tetracladinen nach DoEDERLEINS Untersuchungen 
ziemlich regelmäßige Vierstrahler. Man hat aber noch niemals an den verschiedenen Entwicklungsstufen 
des Skelettkörperembryos zum ausgebildeten Desmom Übergänge zwischen der einachsigen uud vier- 
achsigen Anlage beobachtet. Das spricht durchaus nicht für die Annahme einer Entstehung der lithistiden 
Silicea mit einachsigen Stützskelettelementen (Rhizomorinidae, Megamorinidae und Corallistidae) aus 
solchen mit vierachsigen Elementen (Tetracladinidae), erlaubt vielmehr die Folgerung, daß die aus tetra- 
crepiden Desmen aufgebauten Gerüste der Tetracladinidae einerseits, die aus monocrepiden Desmen 
zusammengesetzten Skelette der Megamorinidae, Rhizomorinidae und Corallistidae andererseits 
phyletisch verschiedene Reihen repräsentieren. 

Bis jetzt habe ich nur von den Skelettelementen des Stützskelettes gesprochen, ohne die Dermalia 
zu berücksichtigen. Von den Lithistiden mit einachsigen Skelettelementen besitzen aber die Mega- 
morinen und Corallistiden tetraxone Dermalia, wodurch sie sich wieder den Tetracladinidae nähern, 
während den Rhizomorinen jedwede Skelettnadeln vierachsiger Ausbildung fehlen. Wenn ich nun hin- 
zufüge, daß nur jene Familien, die durch tetraxone Megasclere, sei es im Stützskelett oder nur im 
Dermalskelett, als Tetraxonia gekennzeichnet sind, auch die bei den tetraxonen Silicea vorkommenden 


1) Japan. Lithistiden, S. 101. 

2) O. Scumrpt nennt die Rhizomorinen ‚liederlich‘‘ gewordene Tetracladinen. 
3) Abhandl. d. Senckenberg. naturf. Ges. Bd. XVI, S. 418. 

4) Palaeospongiol. I. Teil, S. 197. 


LITE 


Microsclere haben, während die Lithistiden ohne tetraxone Megasclere auch keine Microsclere besitzen, 
die Tetraxoniern eigentümlich sind, darf ich wohl folgern, daß nur die Tetracladinidae, Megamorinidae und 
Corallistidae zu den Tetraxonia gehören. 

Damit dürfte die Frage, ob die Lithistiden als geschlossene systematische Gruppe beizubehalten 
sind, ihre Beantwortung in verneinendem Sinne gefunden haben, und ich kann nunmehr dazu übergehen, 
für die Familien einen Platz im System zu suchen, der ihren natürlichen Verwandtschaftsverhältnissen 
entspricht. Hierbei sehe ich von den auf der Zygosenbildung beruhenden Formeigentümlichkeiten der 
Desme vollständig ab und berücksichtige nur ihre Achsenanlage, die Dermalia und die Microsclere. 

Bei den Tetracladinidae sind die Desmome und auch die Dermalia tetraxon; die Microsclere (der — 
lebenden Arten) sind Spiraster und Amphiaster. Eine solche Kombination findet sich aber auch im 
Skelett der Pachastrellidae. Darum stelle ich die Tetracladinidae in unmittelbare Nachbarschaft jener 
Schwämme, indem ich beide Familien zu einem Tribus Caltropina vereinige. Vermutlich haben beide 
Familien gemeinsame Stammformen oder die Tetracladinidae haben sich von den Pachastrellidae abgezweigt. 

Die Gattung Propachastrella aus der oberen Kreide steht vielleicht der Stammform der Tetra- 
cladinen auch zeitlich noch nahe. Bei Propachastrella bleibt der Embryonalzustand des Tetraclons, das 
Caltrop persistent, während die Dermalia (Dichotriaene) ganz wie die Dermalia vieler Tetracladinen 
beschaffen sind. 

Die Tetracladinen habe ich in eine Anzahl Unterfamilien zerlegt, deren Unterscheidungsmerkmale 
aus den Differenzierungen der Desme und Dermalia gewonnen wurden. 

Bei den Megamorinidae und Corallistidae sind die Desmome monaxon, die Dermalia tetraxon, die 
Microsclere Spiraster und Amphiaster. Schon früher habe ich die Vermutung geäußert, daß die beiden 
Familien miteinander näher verwandt sind als mit einer anderen Lithistidengruppe. Es sind zwei Reihen 
mit gleichachsigen Skelettelementen, bei denen aber die Zygosenbildung verschiedene Wege eingeschlagen 
hat. Man kann aus der Kombination der Megasclere des Stütz- und Dermalskeletts und der Microsclere 
auf eine Entstehung aus stellettidenartigen Schwämmen schließen. Die Megamorinidae und Corallistidae 
vereinige ich darum mit den Stellettidae zu einem Tribus Rhabdina. 

Die beiden Triben Caltropina (mit den Familien Pachastrellidae und Tetracladinidae) und Rhab- 
dina (mit den Familien Stellettidae, Megamorinidae und Corallistidae) bilden schließlich die neue 
Unterordnung Pleonasterophora der Tetraxonia (vgl. Übersicht der Tetraxonia-Familien etc. S. 31—35). 

Rhizomorinidae. Desmome und Dermalia (wenn vorhanden) monaxon. Die Microsclere 
(der lebenden Arten) sind Microrhabde oder Sigmaspire, oder Microsclere fehlen. 

Megarhizidae. Desmome monaxon. Tetraxone Megasclere fehlen. Microsclere unbekannt. 

Die Rhizomorinidae und Megarhizidae besitzen nur monaxone Megasclere und stehen darum den 
monaxonen Stlicea näher als den anderen Abteilungen. 

Die Achsenanlage der Sphaerocladinidae (Vetulinidae v. LENDENFELD) ist noch nicht genau bekannt. 
Ein vierachsiges Crepidom besitzen sie aber sicher nicht und wahrscheinlich auch kein einachsiges. LENDEN- 
FELD bezeichnet die Desme von Vetulina stalactites, der einzigen recenten Art, als acrepid. Ich behandle 
hier die Sphaerocladinidae als Familie incert. sedis. 

Die speziellere Systematik der lithistiden Silicea ergibt sich aus den nachfolgenden Tabellen. 


Ordnung Tetraxonia SCHULZE emend. 


1887. Report on the Scient. Results of the voyage of H. M. S. „Challenger“, Bd. 21, S. 499. 


Kieselschwämme, deren Skelett aus isolierten oder durch Zygose verbundenen, aber niemals durch 
Kieselmasse verlöteten tetraxonen und monaxonen Elementen besteht. 


1. Unterordnung Sigmatophora SOLLAS. 


1887. Encyclopaedia Britannica. Bd. XXII, S. 423. 


Wenn Microsclere vorhanden sind, so sind es Sigme. Neben diesen künnen auch Sphaere vorkommen. 


1. Familie Tetillidae SoLLas. 
1886. Sci. Proc. Roy. Dubl. Soc. Bd. V, S. 178. 


Sigmatophora, deren Skelett aus Amphioxen und schlanken, charakteristischen Protriaenen besteht. 
Meist auch mit Anatriaenen. Außerdem können auch Orthotriaene, Plagiotriaene und Style vorkommen. 
Aus der oberen Kreide: Tetillopsis Doeringi ScuramM., Tetillopsis longitridens SCHRAMM. 3 recente Gat- 
tungen (Tetilla O. Scum., Tethya Lm., Cinachyra Sox.) mit 34 sicheren Arten. 


2. Familie Samidae Sottas. 
1887. Encyclopaedia Britannica. Bd. XXII, S. 423. 


Sigmatophora mit amphitriaenen Megascleren. Keine fossile Art. 1 recente Gattung (Samus Gray) 
mit 1 Art. 


3. Familie Tethyopsillidae v. LENDENFELD. 
1887. Proc. zool. Soc. London, 1886, S. 583. 


Sigmatophora ohne Microsclere, mit einem Skelett, das ausschließlich aus großen Nadeln, Rhabden 
und langschäftigen Triaenen besteht. Ohne lophoclade Tetractine. Keine fossile Art. 2recente Gattungen 
(Proteleia RıpL. u. DENDY, Tethyopsilla Lor.) mit 9 sicheren Arten. 


BR wate 


2. Unterordnung Pleonasterophora nov. subord. 


Tetraxonia mit Spirastern, Euastern, Amphiastern, Microrhabden und Centrotylen, aber niemals 
mit Sterrastern oder Sigmen. 


1. Tribus Rhabdina nov. trib. 


Pleonasterophora, deren Stützskelett aus monaxonen und tetraxonen Megascleren des regulären 
Typus oder aus monocrepiden Desmomen und Triaenen als Dermalia besteht. 


4. Familie Stellettidae SoLas emend. v. LENDENFELD. 
1903. Das Tierreich. Tetraxonia, S. 33. 

Pleonasterophora mit Rhabden und einfachen, langschäftig triaenen Megascleren, stets ohne meso- 
triaene Megasclere. Schäfte der Triaene radial angeordnet und nach innen gerichtet. Ihre Zinken zumeist 
nahe der äußeren Oberfläche gelegen. Im Inneren des Schwammes kommen nur ausnahmsweise tetraxone 
Megasclere vor. Die Microsclere sind Euaster, Spiraster, Microrhabde, Centrotyle oder Amphiaster. 


Aus der oberen Kreide: Theneopsis Steinmanni v.Zitt., Stolleya ornatissima SCHRAMM., Stolleya microtulipa 
SCHRAMM., Stolleya florida SCHRAMM. 


7 recente Gattungen (Stelletta O. Scum., Ancorina O. Scum., Ecionomia Bwbk., Tribrachion WELTN., 
Disyringa Gray, Tethyopsis C. STEw., Papyrula OÖ. Scum., Sphinctrella O. Scum.) mit 96 sicheren Arten. 


5. Familie Megamorinidae v. ZırreL emend. 
1878. Studien über fossile Spongien II, S. 99. 


Lithistide Pleonasterophora, deren Stützskelett aus monocrepiden, durch Zygose verbundenen 
Megaclonen besteht. 


Die Dermalia sind Dichotriaene, die Microsclere der lebenden Arten Spiraster. 


Gattungen aus der oberen Kreide: Doryderma v. Zirt., Heterostinia v. Zirt., Pachypoterion HınDE, 
Amphilectella Scaramm., Placonella Hınpe, Holodictyon HınDE. 


1 jurassische Gattung (Megalithista v. ZiTTEL) mit 1 Art. 
1 recente Gattung (Pleroma Sorr.) mit 1 Art. 
6. Familie Corallistidae Sorras emend. 
1888. Corallistidae, W. J. Sorzas in: Rep. Voy. Challenger, Bd. XXV, S. 301. 
Lithistide Pleonasterophora, deren Stützskelett aus monocrepiden, durch Zygose verbundenen 


Dicranoclonen besteht. Die Dermalia sind Triaene (Dicho-, Phyllo-, oder Discotriaene), die Microsclere 
der lebenden Arten Spiraster und Amphiaster. 


Gattungen aus der oberen Kreide: Pachinion v. Zırr., Procorallistes ScHRAMM., Phalangium SCHRAMM. 


2 recente Gattungen (Coscinospongia Bwex., Macandrewia Gray) mit 8 sicheren Arten. 


os Le 


2. Tribus Caltropina. 


Pleonasterophora, deren Stiitzskelett aus Caltropen oder vom Caltrop abzuleitenden Desmomen 
besteht. Wenn Dermalia vorhanden sind, sind es Triaene (Dicho-, Phyllo- etc. Triaene). 


7. Familie Pachastrellidae Sottas emend. v. LENDENFELD. 

1903. Das Tierreich. Tetraxonia, 8. 71. 

Pleonasterophora mit Caltropen (Chelotropen) oder kurzschäftigen Triaenen, oder mit Mesotriaenen. 
Die tetractinen Megasclere sind in der Regel nicht auf die Oberflache beschrankt, sondern auch im Inneren 
zerstreut. Die Microsclere sind Spiraster, Amphiaster, Euaster und Microrhabde. 

Aus der oberen Kreide: Propachastrella primaeva ZiTT. sp. 

4 recente Gattungen (Pachastrella O. Scum. mit 3 Untergattungen, Pachastrissa Lor., Dercitus 
Gray, Caltropella SorLas) mit 32 Arten. 


8. Familie Tetracladinidae v. Zirre. 

1878. Studien über fossile Spongien II, S. 100. 

Lithistide Pleonasterophora, deren Stützskelett aus tetracrepiden, durch Zygose verbundenen 
Tetraclonen besteht. Als Dermalia Triaene (Dicho-, Phyllo-, Discotriaene), oder anaxile Kieselscheiben. 
Triaene Dermalnadeln können auch fehlen. Die Microsclere der lebenden Arten sind Spiraster, Amphiaster 
und Microrhabde. 

31 Gattungen aus der oberen Kreide. 

6 recente Gattungen (Theonella Gray, Discodermia Boc., Racodiscula Zımr., Jereopsis O. Scum., 
Kaliapsis Bwx., Sulcastrella O. Scum.) mit 23 sicheren Arten. 


Unterfamilie Phymatellinae nov. subfam. 

Tetracladinidae, deren Stützskelett aus regelmäßig ausgebildeten Tetraclonen mit glatten Clonen 
besteht. Als Dermalia Dichotriaene. Eine aus kleinen, unregelmäßig geformten und innig verfilzten 
Kieselkörperchen bestehende Deckschicht kann vorhanden sein oder fehlen. 

Gattungen: Phymatella Zırr., Aulaxinia Zırr., Craterella ScHramm., Myrmeciophytum SCHRAMM., 
Callopegma Zırr., Thecosiphonia Zımr., Polyjerea Zırr., Turonia Micu., Calymmatina Zırr., Jerea ZimT., 
Siphonia Park., Hallirhoa Lamx., Trachysycon Zirr. (Alle Gattungen aus der oberen Kreide.) 


Unterfamilie Acrochordoninae nov. subfam. 
Tetracladinidae, deren Stützskelett aus unregelmäßigen Tetraclonen mit warzigen Clonen besteht. 
Als Dermalnadeln Dichotriaene. 
Gattung Acrochordonia SCHRAMM. (Obere Kreide.) 


Unterfamilie Discoderminae nov. subfam. 


Tetracladinidae, deren Stützskelett aus großen Tetraclonen mit glatten oder warzigen Clonen 
besteht. Mit Phyllotriaenen und Discotriaenen als Dermalia. 
- Gattungen: Discodermia Boc., Rhagadinia Zırr., Placoscytus Scuramm., Eustrobilus SCHRAMM., 
Colossolacis ScHrAmM., Rhoptrum ScHramm. (Obere Kreide und Jetztzeit.) 
Palaeontographica. Suppl. V. 5 


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Unterfamilie Phymaraphininae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit Tetraclonen, deren Clone an der Basis eine ring- oder kragenförmige Anschwel- 
lung besitzen. Als Dermalnadeln Phyllo- oder Discotriaene. 


Gattungen: Phymaraphinia SCHRAMM., Cycloclema SCHRAMM., Pholidocladia Hinpe, Procaliapsis 
SCHRAMM., Lopadophorus SCHRAMM. (Obere Kreide und Jetztzeit.) 
Unterfamilie Astrocladinae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit sehr kleinen glattarmigen Tetraclonen. Wenn tetraxone Dermalia von regu- 
lärem Typus vorhanden sind, sind es Phyllotriaene. 


Gattungen: Astrocladia Zirt., Microdendron ScuramM. (Obere Kreide.) 


Unterfamilie Chenendoporinae nov. subfam. 
Tetracladinidae mit kleinen, warzigen Tetraclonen. Ohne tetraxone Dermalia von regulärem Typus. 
Gattung Chenendopora Lamx. (Obere Kreide.) 

Unterfamilie Plinthosellinae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit warzigen Tetraclonen, bei denen ein Clon stark verkürzt und zu einer halb- 


kugeligen oder zapfenförmigen Anschwellung umgebildet ist. Die Dermalia sind Phyllotriaene oder 
anaxile plattige Kieselscheiben. 


Gattungen: Plinthosella Zırr., Dactylotus ScHRAMM., Pycnodesma SCHRAMM. (Obere Kreide.) 


3. Unterordnung Nterrasterophora nov. subord. 


Tetraxonia mit Sterrastern, aber ohne Sigme oder Spiraster. Außer den Sterrastern kommen noch 
andere Euasterformen oder Microrhabde vor. 


9. Familie Geodidae SorLas. 
1888. Rep. Voy. Challenger, Bd. XXV, S. 209. 
Sterrasterophora, deren Skelett aus Amphioxen und Triaenen (und ihren Derivaten) besteht. 
Aus der oberen Kreide: Geodiopsis cretacea SCHRAMM., Geodiopsis microthrinax SCHRAMM. 


8 recente Gattungen (Erylus Gray, Caminella Lor., Pachymatisma Jounst., Caminus O. SCHM., 
Isops SorL., Sidonops SoLL., Geodia Lm., Geodinella Lpr.) mit 80 sicheren Arten. 


4. Unterordnung Megasclerophora v. LENDENFELD. 
1903. Das Tierreich. Tetraxonia, S. 118. 


Tetraxonia ohne Microsclere. Das Skelett besteht ausschließlich aus (kurzschäftig triaenen, chelo- 
tropen, triactinen oder diactinen) Megascleren. 


DER + 


10. Familie Plakinidae v. LENDENFELD. 

1903. Das Tierreich. Tetraxonia, S. 118. 

Megasclerophora mit einem Skelett, das aus kurzschäftigen Triaenen, Chelotropen oder Triactinen, 
sowie häufig auch beiderseits zugespitzten Diactinen besteht. Die Tetractine sind häufig lophoclad. 
Langschäftige Triaene fehlen stets. Keine fossile Art. 

5 recente Gattungen (Plakinastrella F. E. Scu., Plakina F. E. Scu., Plakortis F. E. Scu., Corticium 
O. Scum., Thrombus Sorr.) mit 8 sicheren Arten. 


11. Familie Oscarellidae v. LENDENFELD. 
1903. Das Tierreich. Tetraxonia, S. 123. 


Megasclerophora ohne Skelett. Keine fossile Art. 
1 recente Gattung (Oscarella Vosm.) mit 1 Art. 


Tetraxonia-Familien incert. subordinis. 


12. Familie Ophiraphididae ScHRAMMEN. 
1903. Zur Systematik der Kieselspongien, S. 17. 


Das Stützskelett besteht aus verfilzten, aber niemals durch Zygose verbundenen, langen, glatten 
und unregelmäßig gekrümmten monaxonen Rhabden (Ophirhabden), zwischen denen auch große Am- 
phioxe, Amphityle und Amphistrongyle vorkommen können. Die Dermalia sind Triaene mit ungegabelten 
Zinken, oder triaene Dermalnadeln fehlen. Microsclere unbekannt. 

Gattungen aus der oberen Kreide: Ophiraphidites Zirr. emend. ScHRAMM., Cephaloraphidites SCHRAMM. 
Alloioraphium ScHrAamm., Polytretia ScHRAMM., Megaloraphium ScuramM. Keine lebende Art. 


13. Familie Helobrachidae nov. fam. 


Die Megasclere sind verfilzte tetraxone Triactine mit vogelkrallenartig gekrümmten Strahlen. 
Microsclere unbekannt. 
Einzige Gattung: Helobrachium Scuramm. (obere Kreide). Keine lebende Art. 


14. Familie Helomorinidae nov. fam. 


Das Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen, fadenförmigen, mit zangenförmigen Aus- 
schnitten und kurzen Höckern versehenen, monaxonen Desmen (Heloclonen). Als Dermalia Triaene 
(Dichotriaene). Microsclere unbekannt. 

Gattungen aus der oberen Kreide: /soraphinia Zirt., Pachycothon Schramm. Keine lebende Art. 


Uebersicht der in der oberen Kreide von Nordwestdeutschland vorkommenden 


Silicea ohne vierachsige und dreiachsige Nadelformen. 


Silicea, deren Megasclere monaxone Rhabde sind. 


Familie Homoraphidae Ripzey und Denpy. 
1887. Report on the Scientific Results of the voyage of H. M. S. Challenger, Bd. XX, S. 10. 


1890. v. LENDENFELD, Das System der Spongien, S. 410. 

Das Skelett besteht aus amphioxen und amphistrongylen, selten stylen Nadeln, die durch Spongin 
verkittet werden, oder in Sponginfasern eingebettet sind. In der Grundsubstanz zerstreute Nadeln sind 
nicht selten vorhanden. Diese sind in der Regel den Nadeln in den Fasern ähnlich, ausnahmsweise Toxe. 


Subfamilie Renierinae RıpLey und DENDY. 
1887. Chall. Rep. Bd. XX, S. 1. — v. LENDENFELD, System der Spongien, 8. 411. 
Homoraphidae mit brüchigem oder hartem, stets unelastischem Skelett, welches nur sehr wenig 
Hornsubstanz enthält. 
Aus der oberen Kreide: Halichondria Lendenfeldii SCHRAMM. 


5 recente Gattungen (Halichondria FLemıng, Petrosia Vosm., Foliolina O. Scum , Reniera NARDo, 
Reniochalina Lor.) 


Familie Desmacidonidae RınLey und Denpy. 
1887. Chall. Rep. Bd. XX, S. 62. — v. LENDENFELD, System der Spongien, S. 403. 
Meist mit chelen Microscleren und häufig abstehenden Nadeln an den Skelettfasern Fehlen die 
Chele, so sind abstehende Nadeln vorhanden. 
Aus der oberen Kreide: Rhizopsis horrida SCHRAMM. 
30 lebende Gattungen. 


Familie Scolioraphidae SCHRAMMEN. 
1903. Zur Systematik der Kieselspongien. Mitteil. aus dem Roem.-Mus. No. 19, S. 21. 
Die Megasclere sind geschlängelte oder unregelmäßig gekrümmte, an den Enden stumpfe und ihrer 
ganzen Länge nach durch kragenförmige Anschwellungen knorrige Rhabde. 
Einzige Gattung: Scolioraphis Zirr. (obere Kreide). Keine lebende Art. 


Gattung incertae familiae: Opetionella v. ZITTEL. 
1878. Studien über fossile Spongien III, S. 4. 
Die Megasclere sind große Amphioxe. 
Aus der oberen Kreide: Opetionella radians Zirr., Opetionella poculum SCHRAMM. 


Silicea mit monocrepiden Desmen. 


Familie Rhizomorinidae v. ZırteL emend. 
1878. Studien über fossile Spongien II, 8. 33. 


Das Stiitzskelett besteht aus kleinen, gestreckten oder in mehrere Arme geteilten, mit zahlreichen 
wurzelartigen Ausläufern und Zäckchen besetzten monocrepiden Desmen (Rhizoclonen). Dermalia fehlen 
oder sind als kleine monaxone Rhabde, monocrepide Kieselscheibchen oder tangential ausgebreitete mono- 
erepide Desme vorhanden. Die Microsclere sind Sigmaspire und Microrhabde, oder Microsclere fehlen. 

Gattungen aus der oberen Kreide: Verruculina Zimr., Stichophyma Zirt., Jereica Zirr , Stachy- 
spongia Zitr., Scytalia Zırr., Coelocorypha Zirt., Astrobolia Zxrr., Cytoracea PomEL, Pachysalax SCHRAMM., 
Bolidium ZıtteL, Seliscothon ZırteL, Plinthodermatium ScuramM., Coelosphaeroma ScHRAMM., Leiochonia 
ScHRAMM., Chonella Zirt., Coscinostoma SCHRAMM. 

8 jurassische Gattungen (Cnemidiastrum Zırr., Corallidium Zırr., Platychonia Zıtr., Hyalotragos ZimT., 
Pyrgochonia Zitt., Discostroma Zıtr., Leiodorella Zırr., Epistomella Zirv.). 

6 recente Gattungen (Neopelta O. Scum., Siphonidium O. Scum., Aciculites O. Scum., Scleritoderma 
O. Scum., Leiodermatium O. Scum., Gastrophanella O. Scum.) mit 20 Arten. 


Familie Megarhizidae SCHRAMMEN. 

1903. Zur Systematik der Kieselspongien. Mitt. a. d. Rorm.-Mus. No. 19, S. 21. 

Das Stützskelett besteht aus locker miteinander verbundenen, großen, wurzelartig zerschlitzten, 
glatten oder mit.langen Zacken und Zasern besetzten (? monocrepiden) Desmen. Dermalia, wenn vorhanden, 
den Desmen des Stützskeletts ähnlich, aber kleiner und plattig ausgebreitet. Microsclere unbekannt. 

Gattungen aus der oberen Kreide: Megarhiza Scuramm., Chalaropegma SCHRAMM. 

1 jurassische Gattung (Lecanella Zırr.). Keine lebende Art. 


Lithistide Silicea ohne monocrepide oder tetracrepide Desme. 


Familie Sphaerocladinidae nov. fam. 


Lithistide Szlicea, deren Desme (Sphaeroclone) aus einer stacheligen Kugel bestehen, von der 
2—8 glatte, höckerige oder mit Dornen besetzte, an den Enden zu ausgezackten Scheibchen verbreiterte 
Arme ausgehen. Die lebende Gattung mit amphistrongylen Megascleren. Als Dermalia können anaxile 
gezackte Kieselplattchen vorkommen. Ohne Microsclere. 

Gattungen aus der oberen Kreide: Pachytrachelus Schramm., Macrobrochus SCHRAMM. 

Die silurische Gattung Astylospongia Rom. 

1 (?) jurassische Gattung (Mastosia Zırr.) mit 1 Art. 

. 1 recente Gattung (Vetulina O. Schm.).mit 1 Art. 


Mit Ausnahme der Samidae, Tethyopsillidae, Placinidae und Oscarellidae, welche die denkbar un- 
günstigsten Erhaltungsobjekte abgeben, habe ich alle Tetraxonia-Familien, die in den Meeren der Jetztzeit 


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verbreitet sind, auch aus der oberen Kreide von Nordwestdeutschland nachweisen kénnen. Die meisten 
Arten gehéren zu den Megamorinidae, Tetracladinidae und Corallistidae, deren Skelettelemente Zygome 
entwickeln. 

Aber auch aus Familien, deren Skelette aus unverbundenen Megascleren des regulären Typus 
aufgebaut sind, nämlich den Tetillidae, Stellettidae, Pachastrellidae und Geodiidae, von denen noch gar 
keine oder nur problematische, auf isolierte Spicula gegriindete Arten bekannt waren, werden zahlreiche 
Spezies beschrieben. Von einer vollen Gleichbewertung der fossilen mit den recenten Gattungen kann 
freilich bei den Tetraxonia-Familien mit regulären Skelettelementen schon deshalb nicht die Rede sein, 
weil von den meisten fossilen Gattungen Microsclere, äußere Form und Canalsystem unbekannt sind. 
Den geringeren Grad des systematischen Wertes habe ich, soweit nicht vorhandene Namen aufgenommen 
werden mußten, durch die Endung — opsis — Geodiopsis, Tetillopsis etc. — angedeutet. 

Die Zahl der Tetracladinen- und Megamorinen-Spezies wurde erheblich vergrößert. 

Von den früher nur aus der Jetztzeit bekannten Corallistidae sind mehrere genera mit zahlreichen 
Arten nunmehr auch aus der oberen Kreide nachgewiesen worden. 

Die Ophiraphididae erwiesen sich als eine Familie, zu der nicht wenige bisher unbekannt gebliebene 
genera und species gehören. 

Eine neue Tetraxonierfamilie sind die Helobrachidae, deren Skelett aus großen, verfilzten Triac- 
tinen mit klammerartig gekrümmten Strahlen besteht. (Der vierte Strahl ist auf ein halbkugeliges 
Köpfchen reduziert.) 

Die gleichfalls neue Familie der Helomorinidae enthält Arten, die zu den Megamorinidae gerechnet 
wurden, aber durch fadenartige, der ganzen Länge nach vom Axencanal durchzogene und nur mit 
zangenförmigen Ausschnitten und kurzen Höckern versehene Desme als Vertreter einer besonderen 
Gruppe gekennzeichnet sind. 

Da die Microsclere der Ophiraphididae, Helobrachidae und Helomorinidae nicht bekannt sind, 
werden die Familien im System der Tetraxonia als familiae incert. subord. angeführt. 

Viel ärmer an Familien und Arten wie die tetraxonen sind die monaxonen Silicea, die in der oberen 
Kreide vorkommen. Die Familien Renierinae und Desmacidonidae, die nur aus den neuzeitlichen Meeren 
bekannt waren, werden mit je einer Spezies nachgewiesen. 

Eine neue, auf die obere Kreide beschränkte Monaxonia-Familie bilden die Scolioraphidae, deren 
Megasclere gekrümmte und geschlängelte, beiderseits stumpfe und mit kragenförmigen Anschwellungen 
versehene Rhabde sind. 3 

An die Monaxonia hänge ich auch die Rhizomorinidae an, deren Artenzahl nicht unerheblich ver- 
mehrt werden konnte. 

Aus der früher aufgestellten Familie Megarhizidae habe ich als Typus einer neuen Gattung eine 
neue Art beschrieben. 

Schließlich haben wir in den Sphaerocladinidae eine Familie, zu der ein Teil der von v. ZITTEL 
zu den Anomocladinidae gerechneten Schwämme gehört. Die genera und Arten aus der oberen Kreide sind 
sämtlich neu und verknüpfen die silurischen Astylospongiden und die jurassische Gattung Mastosia mit 
der recenten Vetulina. 


_ Verzeichnis der beschriebenen Arten. 


Nach Familien geordnet. 


\\ 


Verzeichnis der beschriebenen Arten. 


Nach Familien geordnet. 


Breviporus oder 


Scaphiten-Planer 


Cuvieri-Planer 


Westphalicus- 


Kreide 


Granulaten-Kreide 


Mucronaten- 
Kreide 


Quadraten-Kreide 


Ordnung Tetraxonia SCHULZE. 


Unterordnung Sigmatophora So ..as. 


Familie Tetillidae SorLas. 


Tenllopsis: Doringt. SCHRAMMEN (>.< . OS RER 
Tetillopsis longitridens SCHRAMMEN . .......:......4.. SET. 


Unterordnung Pleonasterophora SCHRAMMEN. 


Familie Stellettidae SoLLas emend. v. LENDENFELD. 


Theneops35.Steinmanniv: IRITEL Sp: =. re hs oe eee ee 
Stolleya microtulipa SCHRAMMEN .... 2... eo: as PCR 
5 ornatissima SCHBAMMEN 15. ws oe eee 
ts florida. ScHRAMMEN 92.02 3 9S OL ee RER 


Familie Megamorinidae v. ZITTEL. 


Brochodora (Doryderma) Roemer: Hinpde. 052 22 ones nee 
55 5 ramusculus SCHRAMMEN ............. 
Homalodora (Doryderma) ramosa MANTELL Sp. ............... 
plana SCHRAMMEN „une nenn non 
buberosd. SCHRAMMEN. 2. u ne ae ne aes 
ficus SCHRAÄNMEN N ne 
5 55 pusilla 'SCHRAMMEN. 9/55. <5 a ee 
Amphilectella piriformis SCHRAMMEN .:....,. 0.0.0. 
Heterostinia obliqua BENNETY Sp... Du. ESP ee 

5 UAMANIS SCHRAMMEN— „u... Mau eee eee RE 

4 depressa' SCHRAMMEN a, ER Mer eye a ee 
Pachypoterion Koenenii SCHRAMMEN .....,...,.,.., 7.400102. 


N QUIL SCHRAMMEN re Se 


Verzeichnis der beschriebenen Arten. Har ey cee eee Wo a 
Nach Familien geordnet. S = 5 ET = | = | = 
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Familie Corallistidae SoL.as emend. ScHRAMMEN. | 
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A A ROIS nun men nie oo oo | 
5 CIC SO CHBAMMIE NY ls de nes. ‘Lay cay Re Ee eC EHEN VERREREEE 
Procorallistes polymorphus SCHRAMMEN ..................... |. en oe | 
Phalangium scytaliforme SCHRAMMEN ....................... eee He Pe Ral mall ERBE ee 
x COPAINS CHRAMMIEN 2 de... wc eee ERA PRE | | 
| | | 
Familie Pachastrellidae SoL.as emend. v. LENDENFELD. | 
Prapachasirelias primaesva w. ZVITEL Sp: «. ................".. IE a! ae ball PP Ka ES 
Familie Tetracladinidae v. Zirre.. 
Unterfamilie Phymatellinae SCHRAMMEN, | 
Pm MECTCLGCeSITOSO SCHRAMMEN . +... .......:........ = 
: PAR CERS MR OEMERASDA un. 2.5. don dus à PRE 
4 TODEROSHEOLENSTEDE. SDs. 2... enden sen | en ee le = he. 
à DID OS EN LR NU eh lucie ds au eva tien à Er ue Le 
4 EDEN IN FR N hata es Fe we ke we re ool Alana ne. le 
SPHREFOUdEeS SCHPANMEN nee ce cee re LEP A A lel PA a 
aMerOnIe) Suleviera NOBMER SP) 2... HA NL... ,...,. Fe Ve EN ER BB 
a4 CGMS (SOLO Si ( | SiS een ..:1.,.... sal cuba ce ee es A. 
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* ET EN ee ea Se hee Pre gh aay RTS 
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Braterelld Inberos® SORRAMMEN+ LU. 0... eus Pee ee COS roe 
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Myrmeciophytum verrucosum ROEMER sp. ................... ae) cee EN aoe HER 
D OP MA depressa INOEMER SD... 0... 2... | 
$5 CRT Nono PR Re a Oe Te ee eye DA eae RES 
hecasiphonia ramosa SCHRAMMEN :. .................4...... ae | | 
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Palaeontographica, Suppl. V. | 6 


Verzeichnis der beschriebenen Arten. 
Nach Familien geordnet. 


Breviporus- oder 
| Scaphiten-Planer 


Cuvieri-Planer 


Westphalicus- 
Kreide 


Granulaten- Kreide 


Quadraten-Kreide 


'Mucronaten-Kreide 


Polyjerea. pyrijormis (GRIEPUNKERL N. en oes ee 
Turonia: parigbilis Mine. 0e er a ee RE ee 
x CORSIPECEA AN LITTLE 2 cor soe anced NE 

_ induta. Ve LATE ccs Le ee eee 
cerebriformis SCHRAMMEN ++... me en ©: eee Eee ee 
Calymmatina rimose y." Later 2 SL nu ne CRE EEE Er 
Terea. Quenstedti Y.. ZIEL ten os ra eae eee eee ee 
Stphonia Griepenkerli SCHRAMMEN u... nu ote ss eo es 
tubulosa ROEMER SPs. = +s. en Se 

ar coronatdé GRIEPENKERL Sr eee 

5 mitropora SCHRAMMEN?: 400 0 une AN Se 

à maliformis SCHRAMMEN 2.2.2 nee shee eee 
Hallirhos sevplicata, RormEn-sp. - 2. eG PRE 
5 fusiformis SCHRAMMEN- 72. ARE Ce CU eee eee 
Trachysycon muricatim “ROEMEROSP, TELE TENUE TRE 


Unterfamilie Discoderminae SCHRAMMEN. 


Discodermia gleba ScoRAMMEN <..\. nm se oo oe ee ee eee 
Pe antique SCHRAUMEN (tek. fon alec ce oe ee ee 
colossed "SCHRAUMEN. se fe ote ie oe 

Rhagadinia rimosd ROgMER eps, 2) ox. ik woe oboe ee CRE 
N: Doederlem: SCHRAMMEN PE RE ER eee 
Placoscytus jereaejormis SCHRAMMEN. ET CE CP EE 
Eustrobilus callosus SCHRÄMMEN PR PRE CON ERP RS 
Colossolacis plicata SCHRAMMEN OR RES 
Rhopirum. scytalijorme SCHRAMMEN (5.7. nur 2 NE ee eae 


Unterfamilie Phymaraphininae SCHRAMMEN. 


Pholidocladia dichotoma Dınna see C2: cee cee ee 
Lopadophorus Janus ROEMER, sp... Re ee ee 
fi Griepenkerll SCHBAMMEN A. LEA CRE 
5 lacunosus. SCHRAMMEN - +4 ee Peace ote ee 


| 
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|| Breviporus- oder | 


Verzeichnis der beschriebenen Arten. 


Kreide 


Nach Familien geordnet. 


Cuvieri-Planer 
Westphalicus- 


|| Granulaten-Kreide 


| Scaphiten-Planer 


| Quadraten-Kreide 
Mucronaten-Kreide | 


| 
| 


AA DSL CIO Ia INDE Sp. 0... ... Latin. 1. Rte da ERBEN 
bs REEL OCR AMEN ne Bis apc lacs le ee eno de | 
Bern scomenressa TUNDEH Sp... ue... en LE 


Phymaraphinia infundibuliformis SCHRAMMEN ................ CAE toatl PE 


Unterfamilie Acrochordoninae SCHRAMMEN. 


FACTOCHOTAONUG Tamosa SCHRAMMEN u 2 66.0205 048 5 cence en 
‘ BERGE SCHRÄMNEN. - Le anus ee à ee oc | | 


emer en os le 


Unterfamilie Astrocladinae SCHRAMMEN. 


PEC AR APC TS AROEMMBE SD. Go en. ee ew ae ee PR PRE 
5 DT OS UE LORIN EST Me ne den ee den eo case. ro 


Microdendron ramulosum SCHRAMMEN ...................... IE 


Unterfamilie Chenendoporinae 


Chenendopora fungiformis LAMOROUX ....................... 


Unterfamilie Plinthosellinae SCHRAMMEN. 


PAPnOdesTna 2lobosa SCHRAMMEN 2.0 12 une ua see dé eee ee 
POSE sanamosa VY. LATTEL NN. 1... .......,...... 


DAC MON ONCE 


Dactylotus micropelia SCHRAMMEN: ..:.................:.... 


Unterordnung Sterrasterophora SCHRAMMEN. 


Familie Geodiidae SoLLas. 


Beodtopsıs eretacea SCHWAMMEN een een 
a MIECKOLNTIROESSCHRÄMMEN 60055 62 kn un... dene 


Verzeichnis der beschriebenen Arten. 


Kreide 


Nach Familien geordnet. 


Brevi porus- oder | 

Scaphiten-Pläner 
Cuvieri-Pläner 
Westphalicus- 

Quadraten-Kreide 


Granulaten-Kreide 
Mucronaten-Kreide 


Tetraxonia-Familien incertae subordinis. | 
Familie Ophiraphididae SCHRAMMEN. 


Ophiraphidites annulatus SCHRAMMEN „u. 0.0. +02 oss == Weer Le D EEE 
crétaceus N: LERTEL 3. 3,4 US PR RE 


99 


cylindricus SCHRAMMEN =. 4.2... ssa. oe = eee RE | mee PE a 
infundibuliformis SCHRAMMEN "El Wee Heal ER 
ee tuberosys SCHRANMEN |. «io 2 ote Le eee 


39 


22 
Cephaloraphidites milleporatus SCHRAMMEN .................. l'a tas 
cavernosus SCHRAMMEN .................... | PRR Weer yee 


TAMOSUS SCHRAMMEN 2 «os «oh aoe eee Res te mn pee 


2 

. . . | 
Alloioraphium spongiosum SCHRAMMEN ..................... REA ae al EE) 
Polytretia seriatopora SCHRAMMEN. ; 410" CORPS pee ee Aue | 
Megaloraphium auriforme SCHRAMMEN . : 2: 5... 06.0425 en0es Pe Se RENE PE ET 


Familie Helobrachidae SCHRAMMEN. | 
Helobrachium consecatum SCHRAMMEN ...................... TRES er Le RES 


Familie Helomorinidae SCHRAMMEN. | 
Isoraphinia texta ROEMER Sp... LA con cms ue ONE eee JE LE © 
Pachycothon giganteum (Roemen Sp... 2.2.2 TRE RUE Re Se en 


Silicea ohne dreiachsige und vierachsige Nadelformen. | 


Unterfamilie Renierinae RIDLEY u. DENDY. 
Halichondria Lendenfeldt ScaRAMmMENnL A SCA Re ee Las 


Familie Desmacidonidae RıpLry u. DENDY. | 
Rhizopsis horrida: ScHBAMNER ee ER oh es oe OR ER ee RE PRE eke PE 


Familie Scolioraphidae SCHRAMMEN. 
Scoltoraphis. tesselata. ROEMER Sp... so epee Een Ve 


Gattung Incert. familiae. 


Opetionella poculum SCHRAMMEN N... sau cee ee ae ne 


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Familie Rhizomorinidae v. ZiTTEez. | | 
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Familie Sphaerocladinidae SCHRAMMEN. 

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Besonderer Teil. 


Schliissel zu den haufiger vorkommenden Literatur-Abkiirzungen im besonderen Teile. 
(In alphabetischer Reihenfolge.) 
Court. Ep. foss. = CourTILLER A. Éponges fossiles des Sables du terrain crétacé supérieur des environs 


de Saumur (Etage Senonien d’Orbigny). Annales de la Société Linnéenne de Maine et 
Loire. 1861. vol. IV. 


GoLpr. Petr. Germ. — Gozpruss und Münster. Petrefacta Germaniae. Bd. I. 1826-1833. 

GRIEPENK. Königsl. = GRIEPENKERL O. Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter 
im Herzogtum Braunschweig. Paläontologische Abhandlungen von Dames und Kayser. 
Bd. 4. 1889. 

Hinpe Catal. = Hınve G. J. Catalogue of the Fossil Sponges in the geological Department of the 
British Museum. 1883. 

Leonu. Oberschl. = Lronuarp R. Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. Palaeontograpnica 


Bd. XLIV. . 4897. 

Mant. Geol. of Suss. = ManteLL, G. A. The Fossils ot the South Downs; or Illustrations of the Geology 
of Sussex. 1822. 

Micu. Ic. = Micuetin Hard. Iconographie zoophytologique. 1840—1847. 


Pum. Yorksh. = Puniczips J., Illustrations of the Geology of Yorkshire. 1829. 
Poéra Beitr. I = Pocra Ph. Beiträge zur Kenntnis der Spongien der Böhmischen Kreideformation. 


1. Abteilung: Hexactinellida. Abhandlungen der Königl. Böhm. Gesellsch. der Wissen- 
schaften. 1883. 

„ Beitr. II = Po¢ra Ph. Beiträge etc. 2. Abteilung: Lithistidae. Abhandlungen der Königl. 
Böhm. Gesellsch. der Wissenschaften. 1884. 

Beitr. III = Poéra Ph. Beiträge etc. 3. Abteilung: Tetractinellidae, Monactinellidae, Calci- 
spongiae, Ceratospongiae, Nachtrag. Abhandlungen der Königl. Böhm. Gesellsch. der 
Wissenschaften. 1885. 

Paderb. = Poëra Ph. Uber einige Spongien aus dem Cuvieri-Pläner von Paderborn. Zeitschr. 
d. Deutsch. geol. Gesellschaft. 1890. 

Quenst. Petr. V. = Quenstept F. A. Petrefaktenkunde Deutschlands. Bd. V. Leipzig. 1877. 

Reuss Böhm. Kr. = Reuss A. E. Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. Stuttgart1845 

Roem. Kr. = Roemer F. A. Die Versteinerungen der Norddeutschen Kreideformation. Hannover. 1841. 


3. 


LE] 


Sores 


Roem. Sp. = Roemer F. A. Die Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges. Palaeontographica 
Bd. XIII. 1864. 
ScuLiir. Sp. d. Münst. = ScuriirerC.A. Uber die Spongitarienbanke der oberen Quadraten- und unteren 
Mucronatenschichten des Münsterlandes. 1872. 
SCHRAMM. Tetract. = SCHRAMMEN A. Beitrag zur Kenntnis der obersonen Tetractinelliden. Mitteilungen 
aus dem Roremer-Museum, No. 10, Hildesheim. 1899. 
Kieselschw. — SCHRAMMEN A., Neue Kieselschwämme aus der oberen Kreide von Hannover. 
Mitteilungen aus dem RoEMER-Museum, No. 14, Hildesheim. 1901. 
Hexactin. = SCHRAMMEN A. Neue Hexactinelliden aus der oberen Kreide. Mitteilungen aus 
dem Rormer-Museum, No. 15, Hildesheim. 1902. 
System. — SCHRAMMEN A. Zur Systematik der Kieselspongien. Mitteilungen aus dem RoEMER- 
Museum, No. 19, Hildesheim. 1903. 
WoLLEm. Biew. = WOoLLEMANN A. Die Fauna des Senons von Biewende bei Wolfenbüttel. Jahrbuch 
der königl. preuss. geologischen Landesanstalt. Berlin 1900. 
Lüneb. = Wottemann A. Die Fauna der Lüneburger Kreide. Abhandlungen der königl. 
preuss. geologischen Landesanstalt. Berlin 1902. 
Zırr. Coelopt. = Zırrer K. A. v. Über Coeloptychium. Abhandl. der k. bayer. Akademie der Wissen- 
schaften. IT CL, XIE Bd. 1876. 
» Stud. I = Zrrrez K.A.v. Studien über fossile Spongien. Erste Abt.: Hexactinellidae. Abhandl. 
der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. II. CL, XIII. Bd. 1877. 
, Stud. II = Zirrer K. A. v. Studien über fossile Spongien. Zweite Abt.: Lithistidae. Abhandl. 
der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. II. Cl., XIII. Bd. 1878. 
Stud. III = Zirrer K. A. v. Studien über fossile Spongien. Dritte Abt.: Monactinellidae, Tetrac- 
tinellidae und Calcispongiae. Abhandl. der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. II. Cl. 


XII. B41878: 


> 


LE] 


LE] 


Klasse Silicea Gray. 


Ordnung Tetraxonia F. E. SCHULZE. 


Unterordnung Sigmatophora SOLLAS. 


Familie Tetillidae SOLLAS. 
(1886. Sci. Proc. Roy. Dubl. Soc. Bd. 5, S. 178.) 


Stets mit schlanken, charakteristischen Protriaenen als Megascleren. Daneben monaxone Stab- 
nadeln. Sigmaspire öfter fehlend. Im äußeren Habitus den monaxonen Tethyaden sehr ähnlich. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 

Die Microsclere sind noch nicht nachgewiesen worden. Die triaenen Megasclere haben aber eine 
so charakteristische Gestalt, daß ich kein Bedenken trage, die hierunter beschriebenen Arten zu den 
Tetilliden zu rechnen. 


Gattung Tetillopsis nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel 1, Fig. 6, 7.) 


Das Stützskelett besteht aus schlanken Protriaenen und Amphioxen. Körperform, Kanalsystem 
und Microsclere unbekannt. 
Obere Kreide. 


Tetillopsis Döringi n. sp. (Skelettabbildung Texttafel I, Fig. 6.) 


Das Stützskelett besteht aus geraden oder leicht gekrümmten Amphioxen und schlanken Protriaenen 
mit cylindrischem Schaft. Die Amphioxe sind bis 5 mm, die Protriaene nur 2—2,5 mm lang. Die Zinken 
der Protriaene sind etwa 0,2 mm lang; der Winkel, den die Zinken mit dem Schaft bilden, ist ein sehr 
stumpfer. Der Schaft ist vom Ende bis zu der Stelle, wo die Gabelung beginnt, gleichmäßig dick. (Darin 
liegt ein augenfälliger Unterschied zwischen den Protriaenen von Tetillopsis und den keulen- oder keil- 
förmigen, übrigens auch viel größeren und plumperen Protriaenen von Geodiopsis cretacea SCHRM. und 
Geodiopsis microthrinax Scurm.) Die Megasclere erfüllen in dichten Haufen ein etwa kinderfaustgroßes 
Gesteinsstück. Kanalsystem und Gestalt des Schwammkörpers waren nicht festzustellen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 


Verbreitung und Vorkommen: Oberg (sehr selten). 
Palaeontographica. Suppl. V. 7 


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Anzahl der. unterswehten Stiueker 7 
Das Original hegt in meiner Sammlung. 


Tetillopsis longitridens nov. sp. (Skelettabbildung Texttafel I, Fig. 7.) 


Die Megasclere sind gerade, 10—25 mm lange, in der Mitte 0,1—0,3 mm dicke Amphioxe, und gerade, 
10—15 mm lange, ca. 0,1 mm dicke, unten zugespitzte Protriaene mit sehr langem Schaft und kurzen 
ungegabelten Zinken, die mit dem Schaft einen sehr stumpfen Winkel bilden. Länge der Zinken etwa 1/4, 
der Schaftlänge. 

Die Amphioxe und Protriaene erfüllten einen etwa kinderfaustgroBen Kalkmergelbrocken. Andere 
Nadelformen kamen auch nach der völligen Auflösung des Einbettungsmaterials durch verdünnte Salz- 
säure nicht zum Vorschein. Die Schlankheit der Protriaene und die im Verhältnis zur Lange des Schaftes 
geringe Entwicklung der Zinken geben gute Kennzeichen ab. Beirecenten Tetilliden-Arten, z. B. bei Cinachyra 
barbata SoLLas, Craniella simillima BoWERBANK und Tetilla leptoderma SoLLas, sind Protriaene wie Tetillopsis 
longitridens besitzt, nicht selten. Fossile Spongienarten mit ähnlichen Megascleren kenne ich aber nicht. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.) 

Das Original ist Unicum und liegt in meiner Sammlung. 


Unterordnung Pleonasterophora SCHRAMMEN. 


Tribus Rhabdina ScHRAMMEN. 


Familie Stellettidae SOLLAS emend. v. LENDENFELD. 
(1903. Tetraxonia, S. 33.) 


Astrophora mit Rhabden und einfachen, langschäftig triaenen Megascleren, stets ohne mesotriaene 
Megasclere. Schäfte der Triaene radial angeordnet und nach innen gerichtet, ihre Cladome zumeist nahe 
der äußeren Oberfläche gelegen. Die Microsclere sind Euaster, Spiraster oder Amphiaster, aber niemals 
Sterraster. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 

Die hierunter beschriebenen Arten stelle ich zu den Stellettiden, weil sie in der Zusammensetzung 
des Stützskeletts mit manchen lebenden Stellettiden fast übereinstimmen. 

Die Microsclere der Stellettiden sind aber aus der oberen Kreide noch nicht nachgewiesen worden. 
Die zuerst von v. Zırrer (Coel. Taf. V, Fig. 18-26) abgebildeten sphaeroidalen, aus der Mitte des Körpers 
radial strahligen und auf der Oberfläche mit feinen Warzen bedeckten Microsclere, welchen Poéra 
(Beitr. III, S. 6) den Namen Stelletta Zitteli gegeben hat, rühren wahrscheinlich von Geodiden her, denn 
nur bei Stelletta euastrum O. Scum. kommen ganz ähnliche Formen vor. Stelletta euastrum O. Scum. ist aber 
nach SorLras eine Erylus-Art und die Gattung Erylus gehört zu den Geodiden. (Fast dieselben Microsclere 
besitzt auch die Geodide Cydonium eosaster (Chall. Tetract. S. 225, Taf. XX, Fig. 22). 


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Gattung Stolleya SCHRAMMEN. 1899. 
(Tetract. S. 7.) 
(Skelettabbildung Texttafel I, Fig. 1, 2, 3.) 


Das Stützskelett besteht aus Dichotriaenen und Amphioxen. Microsclere, Canalsystem und 
Körperform unbekannt. 

Obere Kreide. 

Aus der dürftigen Diagnose geht leicht hervor, daß der systematische Wert dieser Gattung nur gering 
sein kann. In Ermangelung ausreichender Unterscheidungsmerkmale habe ich unter Stolleya mehrere Arten 
zusammengefaßt, die ähnliche Megasclere haben, aber recht wohl generisch verschieden sein können. 


Stolleya ornatissima ScHRAMMEN. (Texttafel I, Fig. 1.) 

1899. Stolleya ornatissima SCHRAMMEN, Tetract. S. 7, Taf. I, Fig. 4; Taf. III, Fig. 5. 

1901. ‚Stolleya ornatissima ScHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 19. 

Der etwa handgroße, mehrere cm dicke Schwammkörper scheint plattig oder krustenartig gewesen 
zu sein. An der Oberfläche aller Exemplare bemerkt man mit unbewaffnetem Auge unregelmäßig durch- 
einanderliegende oder auch wie Haare eines dichten kurzhaarigen Pelzes aufgerichtete Nadeln, die sich 
unter der Lupe als gerade, seltener leicht gekrümmte schlanke Amphioxe und keilförmige Pro- bezw. 
Orthodichotriaene erweisen. Daneben kommen auch noch einfache Protriaene vor. Die Amphioxe werden 
bis 10 mm, die Triaene durchschnittlich etwa 5 mm lang. Die Länge der Zinken der Triaene ist ungefähr 
gleich dem Querdurchmesser des Schaftes unterhalb der Gabelungsstelle der Zinken. 

Stolleya ornatissima unterscheidet sich von Stolleya microtulipa durch längere, schlankere und meist 
gerade Amphioxe und durch größere und anders geformte Dichotriaene. Während der Schaft der Triaene 
von Stolleya microtulipa cylindrisch ist, verjüngt er sich bei St. ornotissima allmählich von der Gabelungs- 

"stelle bis zum Ende. Ferner gehen bei St. ornatissima die Gabelzinken winkelig vom Schaft ab, während 
bei St. microtulipa die Zinken unterhalb der Gabelungsstelle eine recht charakteristische tulpenförmige 
Anschwellung bilden. 

Auffallende Ähnlichkeit mit den triaenen Megascleren der St. ornatissima haben die Megasclere der 
recenten Stellettide Anthastra piriformis SoLLas (Chall. Tetract. S. 146, Taf. XV, Fig. 3—9). Diese Spezies 
besitzt aber außerdem noch Anatriaene, die freilich so klein sind, daß sie bei fossilen Arten kaum nachzu- 
weisen wären, wenn sie auch vorhanden gewesen sein sollten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten), Oberg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 12. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Stolleya microtulipa ScuramMen. (Texttafel I, Fig. 2.) 


1899. Stolleya microtulipa SCHRAMMEN, Tetract., S. 7, Taf. III, Fig. 3. 
1901. sStolleya microtulipa ScHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 19. 


Bei dieser Spezies sind einzelne Teile des Canalsystems zuweilen etwas besser wie sonst bei fossilen 
Tetraxonia mit unverbundenem Stützskelett zuerkennen. Man bemerkt nämlich an besonders gut erhaltenen 


Texttafel I. 
Skelettelemente der Familien Stellettidae SoLnas emend. v. LENDENFELD, Pachastrellidae SoLLAs, Tetillidae SorLLas und 
Geodidae VosMAER. 


(Alle Figuren sind bei auffallendem Licht und 16 facher Vergrößerung gezeichnet.) 


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A. Schrammen del. 


Erklärung zu Texttafel I. 


Familie Stellettidae. 
Fig. 1. Stolleya ornatissima SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. 
a) Dichotriaen. b) Dichotriaen von oben gesehen. ce) Vorderteile von Dichotriaenen. d) Vorder- 
teil eines Protriaens. e) Halbes Amphiox. 
Fig. 2. Stolleya microtulipa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. 
a) Dichotriaen. b) Dichotriaen von oben gesehen. c) Vorderteile von Dichotriaenen. d) Amphiox. 
Fig. 3. Stolleya florida ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Dichotriaen. b) Vorderteil 
eines Protriaens. c) Vorderteile von Dichotriaenen. 


Familie Pachastrellidae. 
Fig. 4. Propachastrella primaeva v. ZITTEL sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Caltrope. 
b) Ein Caltrop mit kugeligen Armen. c) Dermales Dichotriaen von unten gesehen. 


Familie Stellettidae. 
Fig. 5. Theneopsis Steinmanni v. ZITTEL sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. 
a) Orthotriaene. b) Anatriaene. c) Amphiox (eine Hälfte). 


Familie Tetillidae. 
Fig. 6. Tetillopsis Doeringi ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Protriaene. 


Fig. 7. Tetillopsis longitridens SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Protriaen. b) Amphiox. 


Familie Geodidae. 
Fig. 8. Geodiopsis microthrinax ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Protriaen. 
b) Amphiox. 
Fig. 9. Geodiopsis cretacea SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. 
a) Protriaen. b) Amphiox. c) Anatriaene etc. 


Regionen der Oberfläche der stellenweise nur aus dicht nebeneinander liegenden Skelettelementen be- 
stehenden, plattigen oder knolligen Gesteinsstücke, daß die Megasclere sich zu kreisförmigen Erhebungen 
von 1—2 cm Querdurchmesser, die am Scheitel kraterartig vertieft sind, gruppieren. (Die Gesteins- 
stücke müssen aber zuvor leicht angeätzt werden.) Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Krater als 
Paragaster anzusehen sind. Analoge Bildungen finden sich auch bei recenten Tetraxonia. (Z. B. besitzen 
Cinachyra barbata SoLLas (Chall. Tetract. S. 23, Taf. III, Fig. 1) und Thenea fenestrata O. Scumipt (Spong. 
Meebus. Mexico S. 71, Taf. X, Fig. 2) Paragasteröffnungen, die von einem Strahlenkranze von Amphioxen 
und Triaenen umstellt sind.) Das Skelett besteht aus bis 5 mm langen, in der Mitte etwa 0,2 mm 
dicken Amphioxen und kleineren, nämlich nur bis 3 mm langen, in der Mitte des Schaftes 0,1 mm dicken 
Ortho- und Prodichotriaenen mit etwa 0,2 mm langen Zinken. Die Amphioxe sind infolge einer in der 
Mitte liegenden sehr stumpfwinkligen Knickung leicht gekrümmt. Die Schäfte der Triaene sind zu etwa 
3/, der Länge cylindrisch. Erst im letzten Viertel beginnt die Zuspitzung. Dicht unterhalb der Gabelungs- 


ER TE 


stelle bilden sie charakteristische tulpen- oder glockenfürmige Anschwellungen, die gute Unterscheidungs- 
merkmale abgeben. 

Ahnlich geformte Triaene wie St. microtulipa besitzt die recente Stellettide Anthastra communis 
SoLLAs (Chall. Tetract. S. 140, Taf. XIII, Fig. 18 u. 19). 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten); Oberg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stückes. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Stolleya florida n. sp. (Texttafel I, Fig. 3.) 


Das Originalstück ist ein etwa faustgroßer formloser Kalkbrocken, an dessen Oberfläche überall 
mehr oder weniger dichte Bündel von Prodichotriaenen, Protriaenen und Amphioxen liegen. In der 
Mehrzahl sind die Prodichotriaene. Aber auch Protriaene und Amphioxe kommen ziemlich häufig vor. 
Die geraden oder leicht gekrümmten Dichotriaene und Triaene sind über 7 mm lang und an der dicksten 
Stelle des Schaftes, dicht unterhalb der Gabelung etwa 0,3 mm dick. Von da ab verjüngt sich der Schaft 
allmählich und ununterbrochen bis zur Spitze. Die Zinken sind schwach S-förmig gekrümmt und bilden 
mit dem Schaft einen sehr stumpfen Winkel. Die geraden oder leicht gekrümmten Amphioxe erreichen 
die stattliche Länge von 10 mm. Ihre Dicke beträgt in der Mitte 0,2—0,3 mm. 

Von St. microtulipa unterscheidet sich die Art schon durch den sehr erheblichen Unterschied in 
der Größe der Triaene. Ferner ist der Winkel, den die Zinken mit dem Schaft bilden, bei den Triaenen 
von St. florida stumpfer. Auch sind die Amphioxe von St. microtulipa kleiner und fast immer in der Mitte 
stumpfwinklig geknickt. Die Dichotriaene von St. ornatissima sind ebenfalls kleiner und schlanker. Ihre 
Zinken sind auch nicht S-förmig gekrümmt, sondern winklig geknickt. Die Amphioxe der beiden Arten 
sind aber nicht zu unterscheiden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (sehr selten). 

Anzahl.der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Theneopsis nov. nom. — Syn. Tethyopsis ZITTEL. 
(Skelettabbildung Texttafel I, Fig. 5.) 


Schwammkörper knollig oder lappig. Das Stützskelett besteht aus Amphioxen, Orthotriaenen 
und Anatriaenen. Canalsystem und Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

Den Zırrer’schen Gattungsnamen Tethyopsis konnte ich nicht beibehalten, weil er schon seit 1870 
an eine lebende Stellettide, nämlich an Tethyopsis columnifer Stewart (Quart. Journ. Mier. Sc. 1870, 
S. 281) vergeben ist. 


rt = 


Theneopsis Steinmanni Zirrer sp. (Taf. XII, Fig. 1. — Texttafel I, Fig. 5.) 


1878. Tethyopsis Steinmanni Zitrer, Stud. III, S. 9, Taf. XI, Fig. 3. 

1880. Tethyopsis Steinmanni Zitrer, Handb., 8. 145. 

1895. Tethyopsis Steinmanni Zirter, Grundz., 8. 44. 

1899. Tethyopsis Steinmanni SCHRAMMEN, Tetract. S. 19. 

1901. Tethyopsis Steinmanni SCHRAMMEN, Neue Kieselschw. S. 19. 

Die Art gehört zu den wenigen fossilen Tetraxonia mit Skelettnadeln des regulären Typus, von 
denen auch wohl ganze Schwammkörper gefunden werden. Sie bildet bis handgroße Knollen, die aus 
dünnen, in unregelmäßiger Weise miteinander verwachsenen Krusten und Lappen bestehen und von 
unregelmäßig angeordneten, erbsen- bis nußgroßen Hohlräumen durchsetzt sind. Das Stützskelett besteht 
aus großen, geraden oder schwach gekrümmten Amphioxen, kleineren Orthotriaenen, deren drei un- 
gegabelte Zinken mit ihren Spitzen etwas rückwärts gebogen sind, und dünnen aber sehr langen Ana- 
triaenen. Die Amphioxe werden bis 5 mm lang. Der Schaft der Orthotriaene ist cylindrisch und bis 
1,5 mm lang. Die Länge der Zinken beträgt ungefähr ein Viertel der Schaftlänge. Die dünnen Anatriaene 
sind z. T. noch länger wie die Amphioxe. Dabei ist ihr Querdurchmesser von Zinken- zu Zinkenspitze 
gemessen nur ungefähr ebensogroß wie der Querdurchmesser des Schaftes der Orthotriaene. Die 
Amphioxe, Orthotriaene und Anatriaene liegen bei günstiger Erhaltung parallel nebeneinander und zwar 
so, daß die Schäfte senkrecht zum Lumen der Canale bezw. zur Oberfläche stehen. 

Anders geformte Megasclere habe ich nicht beobachtet. Dagegen hat v. ZITTEL an seinem Original- 
Exemplar (dem einzigen, das ihm vorlag) vereinzelte kleine Caltrope gefunden. Ich habe darum mein aus etwa 
15, z. T. sehr gut erhaltenen Stücken bestehendes Material auf Caltrope besonders gründlich untersucht, 
aber keine gefunden. Wahrscheinlich sind die von ZırrteL beobachteten Vierstrahler angeschwemmt worden. 

Theneopsis Steinmanni nähert sich durch einige Eigentümlichkeiten des Stützskeletts manchen 
lebenden Arten der Gattung Sphinctrella Scumipt. Z. B. besitzt Sphinctrella cribrifera SoLLas (Chall. 
Tetract. S. 87, Taf. X, Fig. 16—20) fast dieselben Triaene und Amphioxe. Es scheint aber keine lebende 
Art bekannt zu sein, in deren Skelett neben solchen Orthotriaenen und Amphioxen, wie Theneopsis 
Steinmanni besitzt, auch kleine Anatriaene vorkommen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Häufigkeit: Misburg (selten), Oberg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 15. 

Das Original zu der Abbildung befindet sich in meiner Sammlung. 


Familie Megamorinidae v. ZITTEL. 
(1878. Studien über fossile Spongien II, S. 99.) 


Das Stützskelett besteht aus monocrepiden, durch Zygose verbundenen Megaclonen. Die Dermalia 
sind Triaene (Dichotriaene). Als Microsclere Spiraster und Microxe. 

(?) Palaeozoicum, Jura, Kreide und lebend. Die Microsclere sind nur von den lebenden Arten 
bekannt. 


Texttafel II. 


Skelettelemente der Familie Megamorinidae v. ZITTEL. 


-16 facher Vergrößerung.) 


(In! 


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A. Schrammen del. 


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Erklärung zu Texttafel II. 


Familie Megamorinidae. 


Fig. 1. Brochodora Roemeri HınpEe aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Megaclone. b) Der- 
malia (Dichotriaene). c) Amphioxe. 


Fig. 2. Heterostinia immanis SCHRAMMEN aus der Mucronatenkreide von Misburg. Megaclone. 


Fig. 3. Heterostinia obliqua BENETT sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Megaclone. b) Un- 
regelmäßig geformte Megaclone. c) Dermalia (Dichotriaene). 


Fig. 4. Heterostinia obliqua BENETT sp. aus der Mucronatenkreide von Misburg. a) Megaclone. b) Der- 
malia (Dichotriaene). 

Fig. 5. Pachypoterion auritum SCHRAMMEN aus der Mucronatenkreide von Misburg. Dermalia (Dicho- 
triaene). 


Fig. 6. Amphilectella piriformis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Megaclone. b) Der- 
malia (Dichotriaene). 


Im geschlemmten Atzriickstand des Oberger Spongienmergels habe ich nicht ganz selten aus Mega- 
clonen bestehende, gestielte oder oben und unten zugespitzte Kliimpchen und Zylinder gefunden, von 
denen die am besten erhaltenen in doppelter photographischer Vergrößerung Tafel XVI Fig. 5—8 abgebildet 
worden sind. Ich möchte sie nicht für ausgewachsene Individuen einer neuen, sehr kleinen Spezies, sondern 
für frühe Entwicklungsstadien bekannter Arten (Amphilectella piriformis, Homalodora ficus u. a.) halten. 
Ihr Stützskelett besitzt keine bemerkenswerten Eigentümlichkeiten und das Kanalsystem ist noch un- 
entwickelt. 


Gattung Doryderma v. ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel II, Fig. 1.) 


Ästig, plattig, keulenförmig, birnförmig oder kugelig, gestielt oder sitzend. Scheitel mit zahl- 
reichen großen Postiken von Aporhysen, die der Längsaxe des Schwammkörpers bezw. der Äste parallel 
laufen. Oberfläche dicht mit zerstreut liegenden Ostien, oder grobporös mit netzartig aneinander gereihten 
Skelettmaschen, durch die einfache Radialkanäle in das Innere des Schwammkörpers eindringen. Das 
Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen Megaclonen. Die Dermalia sind Dichotriaene. Außer- 
dem kommen Amphioxe vor. 

Obere Kreide. 

Doryderma cylindrica v. Zirre. 

1878. Doryderma cylindrica v. ZırteL, Stud. II, S. 68. 

1900. Doryderma cylindrica WoLLEMANN, Fauna von Biewende, 8. 7. 

Nach v. ZiTTEL „einfach, zylindrisch, gegen oben verengt, unten mit kurzem Stiel. Mehrere zer- 


streute Vertikalröhren im Inneren, Mucronatenkreide von Ahlten und Biewende“. 
Palaeontographica. Suppl. V. 8 


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WoLLEMANN kennt die Art von Biewende nicht. Auch mir ist weder von Biewende noch von einem 
anderen Fundpunkt eine Doryderma-Art bekannt geworden, auf die Zrrrets Diagnose passen könnte. — 


Subgenus Brochodora nov. subgen. 


Skelett grobporös; Oberfläche mit netzartig aneinanderliegenden, großen Skelettmaschen, die als 
Ostien dienen. 


Brochodora Roemeri Hınve. (Tafel XVIII, Fig. 5. — Texttafel II, Fig. 1.) 

1808. A ramose Alcyonite Parkinson, Org. Rem. Bd. II, S. 92, Taf. VII, Fig. 7, 12. 

1864. Polyjerea dichotoma RoEMER, Sp., S. 36, Taf. XIV, Fig. 1. 

1878. Polyjerea dichotoma (JUENSTEDT, Petr. V, S. 423, Taf. CXXXV, Fig. 10, 11. 

1878. Doryderma dichotoma Zirrer, Stud. II, S. 67, Taf. VII, Fig. 1. 

1883. Doryderma Roemeri HınDde, Catal., S. 49, Taf. VIII, Fig. 3. 

1900. Doryderma ramosa WOLLEMANN, Senon von Biewende, S. 5. 

Der Schwammkörper ist ästig und besteht aus unregelmäßig und mehrfach vergabelten, zylind- 
rischen Zweigen, die an den Enden abgerundet oder abgestutzt sind. Gewöhnlich findet man nur Bruch- 
stücke. Ich habe aber auch zweimal ganze Exemplare beobachtet, an denen ich über hundert Zweig- 
enden zählen konnte. Der Rucksack, in dem ich diese Prachtstücke heimbrachte, trug sich nicht leicht. 

Die Äste sind 2,5—4 em dick und 5—50 em lang. Sämtliche Äste und Zweige sind der Länge nach 
von bündelartig zusammenliegenden Vertikalröhren durchzogen, die im Scheitel der Zweigenden mit 
zahlreichen, bis 2 mm weiten rundlichen Öffnungen münden. An der Oberfläche der Äste fallen die eckigen, 
und im Gegensatz zu Homalodora ramosa MAnT. sp. recht weiten Skelettmaschen auf, welche die Mün- 
dungen gerader Radialkanälchen darstellen und die Außenseite wie mit einem feinen Netz überziehen. 
An ungeätzten Exemplaren sind andere Ostien in der Regel nicht sichtbar. An mit Salzsäure behandelten 
Stücken sieht man aber außer den durch die weiten Maschen des Skeletts gebildeten Kanalmündungen noch 
zahlreiche, bis 1 mm weite, rundliche Ostien, die in ziemlich weiten Abständen über die Oberfläche zerstreut 
sind. Die Skelettmaschen sind häufig durch dicke Bündel langschäftiger Prodichotriaene verstopft, die 
von Korrosionspräparaten bei unsanfter Behandlung allerdings leicht abfallen. 

Die Unterscheidungsmerkmale von Brochodora Roemeri und Brochodora ramusculus werden bei 
der Beschreibung der zweiten Art angegeben. Von Homalodora (Doryderma) ramosa MANT. sp. unter- 
scheidet sich Brochodora Roemeri durch plumpere Formen, größere Dimensionen, und namentlich durch 
die maschige oder netzartige Oberfläche. 

Die Spezies zeichnet sich durch große vertikale Verbreitung aus. Sie tritt in der oberen Kreide 
von Hannover schon im Scaphitenpläner auf, und floriert noch in der Mucronatenkreide. — 

Roemer hatte die Art unter dem Namen Polyjerea dichotoma hinreichend gekennzeichnet und auch 
verhältnismäßig gut abgebildet. Der Name ist aber schon vorher von Benerr für eine Doryderma 
aus dem Upper Greensand gebraucht worden. Darum hat Hinpe die Art umbenannt. 

Alter und Facies: |Scaphitenpläner, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.), Halberstadt (z. h.), Misburg, 
Oberg, Biewende, Adenstedt, Ahlten (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 25. 


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Brochodora ramusculus nov. sp. (Tafel XVIII, Fig. 6.) 


Körperform, Kanalsystem und Skelett wie bei Brochodora Roemeri, von der sich Brochodora ramus- 
culus aber durch gracileren Bau und viel geringere Dimensionen unterscheidet. Die Stämmchen sind nur 
1—1,5 cm dick und 2,5—10 cm lang. 

Schwieriger ist die Unterscheidung von Brochodora ramusculus und Homalodora ramosa MANT. sp., 
weil diese beiden Arten in der Gestalt und den Maßverhältnissen häufig übereinstimmen. Während aber 
an der Oberfläche von Brochodora ramusculus außer den netzartig aneinander gereihten großen Skelett- 
maschen keine weiteren Ostien entwickelt sind, ist die Oberfläche von Homalodora ramosa, die auch dichter 
und glatter ist, mit zahlreichen, mehrere mm auseinander liegenden rundlichen Ostien bedeckt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. s.), Adenstedt (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Subgenus Homalodora nov. subgen. 


Skelett dicht; Oberfläche engmaschig und glatt, mit unregelmäßig verteilten rundlichen Ostien. 


Homalodora ramosa Mant. sp. (Tafel XVIII, Fig. 7.) 


1822. Spongia ramosa MANTELL, Fossils of the South Downs, S. 162, Taf. XV, Fig. 11. 

1878. Doryderma ramosa Zitrez, Stud. II, S. 68. 

1883. Doryderma ramosa HınDe, Catal., S. 48, Taf. VIII, Fig. 2. 

Schwammkörper zylindrisch-ästig, mit abgestutzten oder abgerundeten Zweigenden, an deren 
Scheitel zahlreiche 1,5—2 mm weite Postiken von Vertikalkanälen liegen. Das Skelett ist sehr dicht 
und feinmaschig, die Oberfläche glatt und mit unregelmäßig verteilten, ca. 0,5—1 mm weiten, mehrere 
mm auseinander liegenden Ostien bedeckt. Die Astchen sind 1—2,5 em dick und 5—25 em lang. Als 
Dermalia Orthodichotriaene. 

Die Unterscheidungsmerkmale gegenüber Brochodora Roemeri und Brochodora ramusculus findet 
man bei der Beschreibung dieser Arten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 


Homalodora plana n. sp. (Tafel XVII, Fig. 3, 4.) 


Plattig, mit dreieckigem oder ovalem Umriß, selten stockartig, gewöhnlich einfach, gestielt. Scheitel 
abgestutzt, mit zahlreichen, dicht nebeneinander liegenden, 1—1,5 mm weiten Postiken von Kanälen, 


die den Schwammkörper der Länge nach durchziehen. Außenseite mit unregelmäßig über die Oberfläche 


zerstreuten, ca. 0,5 mm weiten, 2—3 mm voneinander entfernten Ostien von kurzen, geraden Kanälchen, 
die in schräger Richtung von oben nach unten in das sehr engmaschige Skelett eindringen. Die Dermalia 


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habe ich nicht auffinden können. MittelgroBe Individuen sind ca. 8 cm lang, 4 cm breit, 1,5 em dick. 
Das größte Exemplar meiner Sammlung ist 12 cm hoch, am Scheitel fast ebenso breit und 2 cm dick. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. h.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: ca, 20. 
Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Homalodora tuberosa nov. sp. 


Gestielte oder sitzende, schnell an Dicke zunehmende, kurze Keulen, deren Vorderteil mehrere 
rundliche oder abgestutzte Köpfchen, oder ähnlich wie die Tetracladinengattung Hallirhoa lappige Fort- 
sätze oder seitlich vorspringende Rippen trägt. Auf dem Scheitel der Köpfchen und Rippen, hier aber 
nur an den zentralen Teilen, zahlreiche engstehende ca. 2 mm weite Mündungen von Vertikalkanälen. 
Außenseite mit unregelmäßig über die Oberfläche zerstreuten, ca. 0,5 mm bis 1 mm weiten, 2—3 mm 
von einander entfernt liegenden Ostien. Das Skelett ist dichtmaschig. Die Dermalia sind große Pro- 
dichotriaene. Der Schwammkörper wird 6—10 cm hoch, und je nach der Zahl der Köpfchen und Rippen 
am vorderen Ende 8—15 em dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 10. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Homalodora ficus nov. sp. (Tafel XVII, Fig. 2.) 


Feigen- oder birnförmig, gestielt. Scheitel abgerundet oder abgestutzt, mit einer leichten zentralen 
Einsenkung, in der dicht nebeneinander zahlreiche 1,5—2 mm weite Postiken von Vertikalkanälen liegen. 
Außenseite mit unregelmäßig über die Oberfläche zerstreuten, 0,5—1 mm weiten, mehrere mm auseinander- 
liegenden Ostien. Das Skelett ist sehr dichtmaschig. Die Dermalia habe ich nicht auffinden können. 

Homalodora ficus ist eine kleine Art. Fingerlange Stücke gehören schon zu den größten, die über- 
haupt vorkommen, und können leicht mit jungen Individuen von Amphilectella piriformis verwechselt 
werden. (Unterscheidungsmerkmale bei A. piriformis.) 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 9. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Homalodora pusilla nov. sp. (Tafel XVII, Fig. 5.) 


Kugelig, sitzend. Scheitel abgerundet, mit ca. 5 mm tiefer, zentraler Grube, in der zahlreiche dicht 
aneinandergedrängte Postiken von Vertikalkanälen liegen. 

An der Größe der Postiken kann man Homalodora pusilla leicht von Jugendformen der Homalodora 
ficus unterscheiden. Sie sind nicht größer als die Ostien an der Außenseite, und höchstens halb so groß wie die 
Postikenim Scheitel von Homalodora ficus. Skelett und Oberfläche der Außenseite wie bei den anderen Spezies. 


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Homalodora pusilla ist nicht nur die kleinste Homalodora-Art, sondern auch unter allen Spongien- 
arten eine der kleinsten, denn sie wird nur 2 cm hoch und dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Amphilectella SCHRAMMEN. 1901. 
(Skelettabbildung Texttafel II, Fig. 6.) 


Birnförmig, kugelig oder eiförmig, mit tiefem und engem Paragaster, gestielt. Oberfläche grob- 
porös, mit zerstreut liegenden Ostien. Das Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen Mega- 
clonen. Die Dermalia sind Prodichotriaene. 

Obere Kreide. 


Amphilectella piriformis Scurammen. (Tafel XVIII, Fig. 8. — Texttafel II, Fig. 6.) 
1901. Amphilectella piriformis ScCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 13, Taf. III, Fig. 3. 


Birn- oder eiförmig, sehr diekwandig, mit tiefem und engem Paragaster, gestielt oder sitzend. 
Mittelgroße Exemplare sind 10 cm lang (ohne Stiel) und 6 cm diek. Das größte Individuum, welches 
ich in der Mucronatenkreide von Misburg gefunden habe, ist ohne Stiel 20 cm lang und ca. 10 cm dick. 
Das Paragaster ist bei mittelgroßen Exemplaren ca. 1 cm, bei großen 2 cm weit. Außenseite mit unregel- 
mäßig über die Oberfläche zerstreuten, 1 mm weiten und ca. 2—4 mm voneinander entfernten Ostien 
von geraden Kanälen, die in schräger Richtung von oben nach unten in den Schwammkörper eindringen, 
und von kräftigen, im Paragaster mündenden Kanälen gekreuzt werden. Das Skelett ist ziemlich weit- 
maschig, aber nicht so weitmaschig wie bei den Brochodora-Arten. In den Maschen und auch in den 
Ostien gut erhaltener Exemplare stecken dieke Bündel langschäftiger Prodichotriaene. 

Kleinere Exemplare können mit Homalodora ficus verwechselt werden. Diese Art hat aber in der 
Scheitelmitte keine einfache Paragastermündung, sondern zahlreiche bis 2 mm weite Postiken und auch 
ein engmaschigeres Skelett. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (z. h.). 

Bmzahloder untersuchten Stücke: ca. 30. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Heterostinia v. ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel II, Fig. 2, 3, 4.) 


Trichter-, becher- und ohrförmig oder plattig, dünn- oder dickwandig, gestielt. Beide Seiten 
mit zerstreuten Ostien bezw. Postiken von Radialkanälen. Das Stützskelett besteht aus durch 


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Zygose verbundenen Megaclonen mit glatten oder granulierten Epirhabden. Die Dermalia sind Ortho- 
dichotriaene. 

Obere Kreide. 

Nach v. Zirren (Stud. Il, S. 69) bestände das Heterostinia-Gerüst aus zweierlei Elementen, nämlich 
aus kleinen, vielästigen und überall filigranartig gezackten Kieselkörperchen, welche die Hauptmasse 
des Skeletts bilden sollen, und aus großen Megaclonen. Mir kam aber der Gedanke, daß die vielästig- 
zackigen Kieselkérperchén, deren Existenz so wenig zu unseren Kenntnissen vom Bau des Megamo- 
rinen-Skeletts stimmen will, Bildungen sein könnten, die zum Heterostinia-Skelett gar nicht in Beziehungen 
stehen. Herr Professor Sarasın in Genf hatte die Güte, mir die schönen Heterostinien des Genfer Museums, 
auf die sich v. Zirrez bezieht, zur Untersuchung zu überlassen, und ich konnte mich bald überzeugen, 
daß es sich bei den in Frage kommenden Bildungen nur um Besonderheiten der Erhaltung handelt. Die 
Maschen des eigentlichen Skeletts, das wie bei allen Heterostinia-Arten nur aus Megaclonen besteht, sind 
nämlich mit einer Kieselmasse ausgefüllt, deren Oberfläche eine sehr feine Körnelung besitzt und bei der 
Untersuchung mit auffallendem Licht wohl dichte Massen filigranartig gezackter Kieselkörperchen vor- 
täuschen kann. 

Bei manchen Arten kommen außer den Megaclonen als Seltenheiten allerdings auch noch andere 
Kieselkörperchen vor, die aber so groß wie die Megaclone und nur im Habitus zierlicher sind. Text- 
tafel II, Fig. 3b sind einige abgebildet. Möglicherweise sind es embryonale Megaclone. 


Heterostinia obliqua Benerr sp. (Tafel XVII, Fig. 1.— Tafel XVI, Fig. 2,3. — Texttafel II, Fig. 3, 4.) 


1831. Polypothecia obliqua BENETT, Catal. Org. Rem. Wilts., Taf. VIII, Fig. 1. 

1883. Heterostinia obliqua HınDe, Catal., S. 53, Taf. X, Fig. 2. 

1901. Asteroderma expansa SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 14, Taf. III, Fig. 4. — Taf. V, Fig. 4. 

1901. Asteroderma conica SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 14, Taf. I, Fig. 9. 

Halbtrichter-, schüssel- und ohrförmig oder plattig mit halbkreisförmigem Umriß, dünnwandig, 
mit abgerundetem Rand, gestielt oder sitzend. Die Wandung ist 6—10 mm dick, das größte mir vorliegende 
Exemplar, ein plattiges Individuum mit halbkreisförmigem Umriß 12 cm hoch, 15 em breit. Außen- und 
Innenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 0,3—0,5 mm weiten, 1—3 mm voneinander entfernten Ostien 
bezw. Postiken. An der Innenseite liegen die Kanalmündungen etwas näher zusammen wie an der Außen- 
seite; sie sind hier auch durchschnittlich etwas kleiner. Das Stützskelett ist engmaschig. Als Dermalia 
kommen ziemlich große Orthodichotriaene vor. 

Die Spezies unterscheidet sich von Heterostinia immanis durch kleinere Dimensionen und verhältnis- 
mäßig viel dünnere Wandungen. 

Verwechselungen mit anderen Spongienarten sind schwer möglich, weil Heterostinia obliqua in der 
oberen Kreide der einzige schüsselförmige oder ohrförmige Schwammkörper mit dünnerWandung 
ist, dessen Skelett aus Megaclonen besteht. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.), Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 9. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


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Heterostinia immanis nov. sp. (Tafel XVI, Fig. 1. — Texttafel IT, Fig. 2.) 


Schüssel-, becher- oder trichterförmig, dickwandig, mit abgerundetem, auch wohl mehrfach ein- 
gebuchtetem Rand, sitzend oder mit wurzelartig verästelter Basis. Das größte Exemplar, das ich kenne, 
ein ziemlich regelmäßiger Trichter, dessen eine Hälfte aber nur erhalten ist, ist ca. 20 cm hoch (ohne Stiel), 
am oberen Rande fast 30 em weit und 3 cm dick. Außenseite mit unregelmäßig über die Oberfläche zer- 
streuten, ca. 1 mm weiten, mehrere mm auseinanderliegenden Ostien. Die Postiken sind etwas kleiner 
und liegen auch dichter zusammen. Das Stützskelett ist dichtmaschig. Als Dermalia Orthodichotriaene, 
die aber bei den von mir gesammelten Exemplaren nur an der Innenseite entwickelt oder erhalten sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten). 

pian der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Heterostinia depressa nov. sp. (Tafel XV, Fig. 5.) 


Niedrig-trichterförmig, mit scharf abgestutztem Rand, sehr dickwandig; Basis mit mehreren kurzen, 
dicken Wurzeln. Paragaster mäßig tief. Oberfläche und Kanalsystem wie bei Heterostinia immanis, von 
der sich Heterostinia depressa aber durch die Abweichungen in der äußeren Form unterscheidet. Das 
Original ist 6 cm hoch, die flache Scheitelfläche 10 cm lang, 7 em breit. Die Wandung ist 4 cm dick, das 
Paragaster ca. 2 em weit und ca. 1,5 em tief. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Pachypoterion HINDE. 1883. 
(Skelettabbildung Texttafel II, Fig. 5.) 


Napf- oder becherförmig und dickwandig, oder apfelförmig, mit weitem und tiefem Paragaster, 
gestielt oder sitzend. Außenseite mit netzartig aneinander gereihten Skelettmaschen, durch die einfache 
gerade Kanäle in das Innere der Wandung eindringen. Paragaster mit Mündungen von Vertikalkanälen. 
Das Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen Megaclonen. Die Dermalia sind Dichotriaene. 

Obere Kreide. 

Die Arten, welche HınpE zur Aufstellung dieser Gattung Veranlassung gaben, stammen alle aus 
Kreideablagerungen cenomanen Alters. Von den hier beschriebenen zwei senonen Spezies ist aber 
P. Koeneni unzweifelhaft eine Pachypoterionart. Von P. auritum könnte es zweifelhaft sein. 


Pachypoterion Koeneni nov. sp. (Tafel XV, Fig. 6.) 


Kugelig oder apfelförmig, mit abgerundetem oder abgestutztem Scheitel und grubenartigem oder 
trichterförmigem, mäßig tiefem Paragaster, sehr diekwandig. Sitzend oder mit dickem, kurzem, scheiben- 


artig verbreitertem oder ein wenig verzweigtem Stiel. Unähnlich den anderen Megamorinenspezies von 
ähnlicher Körperform, (Amphilectella piriformis, Homalodora ficus), die sich nach unten allmählich ver- 
jüngen, ist der Stiel mehr oder weniger deutlich vom Schwammkörper abgesetzt. Das im Göttinger 
Museum liegende Originalexemplar vom Sudmerberg ist ca. 10 cm hoch und an der dicksten Stelle, die in 
der Körpermitte liegt, ca. 7 cm dick. Die Wandung ist 2,5 em dick, das Paragaster etwa ebenso tief. 
Stiel 4 cm dick, aber nur 3 cm lang. Bei zwei etwas kleineren Stücken aus der Quadratenkreide von Mis- 
burg ist der Stiel ungefähr ebenso dick, aber noch etwas kürzer. Leider ist bei keinem Exemplar die 
Oberfläche so gut erhalten, daß ich genauere Angaben über die Anordnung und Größe der Ostien machen 
könnte. Dagegen waren bei allen Stücken gut erhaltene Skelettelemente stellenweise in größeren Mengen 
nachzuweisen. . Die Dermalia habe ich aber auch nicht auffinden können. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel, Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (s.), Bülten-Adenstedt (s.), Misburg (s.). 

Original in der Göttinger Sammlung. 


Pachypoterion auritum nov. sp. — (Tafel XVI, Fig. 4. — Texttafel II, Fig. 5.) 


Das ausgezeichnet erhaltene einzige Exemplar dieser neuen Art, ein etwa faustgroßes Stück, hat 
die Gestalt eines diekwandigen Trichters, von dessen Rande lappige und ohrförmige Fortsätze entspringen. 
Es stimmt also in der äußeren Form mit Heterostinia immanis Scurm. überein. Während aber bei Hetero- 
stinia immanis das Stützskelett an der Außenseite dicht und glatt ist und nur von zahlreichen, mehrere 
mm voneinander entfernten, rundlichen Ostien durchbrochen wird, erfolgt bei Pachypoterion auritum 
die Wasserzufuhr durch die 0,5—1 mm weiten Skelettmaschen, die die Oberfläche der Außenseite netz- 
artig überziehen. Die Oberflächenstruktur von Pachypoterion auritum ist also ähnlich wie bei Brocho- 
dora Roemeri. In den Skelettmaschen habe ich als Dermalia einige ziemlich große Orthotriaene gefunden. 
Die Innenseite gleicht im allgemeinen der Außenseite, nur sind an der Innenseite die Skelettmaschen 
etwas enger. Das Paragaster ist flach-muldenförmig und etwa 1,5 cm tief. Die ohrförmigen marginalen 
Fortsätze sind 1—3 cm breit und hoch. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: t. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Corallistidae SoLLAS emend. SCHRAMMEN. 
(1903. Zur Systematik der Kieselspongien. Mitt. a. d. Roru.-Mus. No. 19, S. 17.) 


Das Stützskelett besteht hauptsächlich aus monocrepiden, durch 
Zygose verbundenen Dicranoclonen und außerdem aus Megarhizo- 
cloniden. Als Oberflachennadeln Triaene (Dicho-, Disco- oder Phyllo- 
triaene), als Microsclere Amphiaster und Spiraster. Kreide und lebend. 


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Die Dieranoclone t), wie ich die Skelettelemente nennen will, welche die Hauptmasse des Stütz- 
skeletts der Corallistidae ausmachen, sind monocrepide Desme, die in typischer Ausbildung aus einem 
am Ende knopfartig verdickten oder kegelférmig zugespitzten und mit besonders kraftigen Warzen 
besetzten Basalteil bestehen, von dem nach der entgegengesetzten Seite zwei oder drei, seltener ein oder 
vier knotige Clone entspringen, die an den Enden in krallenartige Zygome ausgehen. Der Winkel, den die 
Clone miteinander bilden, kann spitz oder stumpf sein. In dem einen Falle hat das Dicranoclon mehr 
die Form einer Gabel oder Klammer. Im anderen sieht es wie ein Bogen aus. 

Die Verbindung der Dicranoclone erfolgt, indem sich die krallenartigen Enden der Clone um die 
Halse der dicken Warzen legen, mit denen der Basalteil dicht besetzt ist. Sie ist eine vergleichsweise 
sehr innige, und es gelingt nicht leicht, isolierte ?) Dicranoclone unbeschadigt zu erhalten. 

Das Dicranoclon entwickelt sich auf monaxoner Basis. Ich habe aber die Axenanlage nur selten, 
und auch nur bei einer Art (Phalangium scytaliforme), aber hier ganz deutlich beobachtet. Der Verlauf 
des Axenkanals fällt mit der Längsaxe des Basalteils zusammen, geht also mehr oder weniger stumpf- 
winklig zur Längsaxe der Clone. (Wenn aber vom Basalteil nur ein Arm abgeht, der dann in der Ver- 
längerung des Basalteils liegt, fallen Axenanlage und Längsaxe des Clons zusammen.) 

Im Stützskelett aller fossilen Gattungen kommen außer Dicranoclonen, die aber immer die Haupt- 
masse des Skeletts bilden, noch monocrepide Desme vor, die wegen ihrer Ahnlichkeit mit Megarhizoclonen 
Megarhizoclonide heißen mögen. 

Die Dermalia der fossilen Gattungen sind Dichotriaene. Bei manchen recenten Genera kommen aber 
auch Discotriaene und Phyllotriaene vor. Dicho-, Disco- und Phyllotriaene haben auch die Tetracladinen 
als Dermalia, und da ein naher phyletischer Zusammenhang zwischen Tetracladinen und Corallistiden 
wegen der verschiedenen Axenanlage der Desme nicht wahrscheinlich ist, haben wir hier wieder eine 
der an den Gerüsten der Kieselspongien häufig zu beobachtenden Konvergenzerscheinungen, die der Er- 
mittelung der natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse manche Hindernisse in den Weg legen. 

Aus den neuzeitlichen Meeren kennt man fünf Gattungen (Corallistes Scumipt, Macandrewia 
Gray, Callipelta SoLLas, Daedalopelta SoLLas, Heterophymia PomEL). Die am längsten bekannte fossile 
Gattung, Pachinion ZittEL, wurde von v. ZITTEL und Hınnde zu den Rhizomorinen gerechnet. — 

Der vor einigen Jahren von mir aufgestellten Gattung Procorallistes kann ich jetzt noch zwei Arten 
einer neuen Gattung (Phalangium) hinzufügen. 


Gattung Pachinion v. ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel III, Fig. 1.) 
Schwammkörper kreisel-, birnen- oder feigenförmig, seltener zylindrisch; stockartig oder einfach, 


mit engem und tiefem Paragaster, gestielt oder sitzend. Ostien fehlen. Die Wasserzirkulation erfolgt 
durch unregelmäßig geformte Lücken der aus groben anastomosierenden Fasern gebildeten Wandung. 


1) TO ölxoavov die Gabel. 

*) Sehr wünschenswert wäre eine Nachprüfung des recenten Materials, um an isolierten Desmen die für 
die lebenden Genera bezeichnenden Formeigentümlichkeiten der Dicranoclone festzustellen. 

Palaeontographica. Suppl. V. I 


Texttafel III. 
Skelettelemente der Familie Corallistidae SoLLas emend. ScHRAMMEN. 


(In 30 facher Vergrößerung.) 


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Erklärung zu Texttafel III. 


Familie Corallistidae. 


Fig. 1. Pachinion scriptum RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Dicranoclone. b) Mega- 
rhizoclonide. c) Kieselkörperchen aus der Deckschicht. d) Dermalia (Dichotriaene). e) Stab- 
nadeln aus der Deckschicht. 


Fig. 2. Phalangium scytaliforme SCHRAMMEN aus der Mucronatenkreide von Misburg. a) Dicranoclone. 
b) Megarhizoclonide. c) Dermalia (Dichotriaene). 


Fig. 3. Procorallistes polymorphus SCHRAMMEN aus der Mucronatenkreide von Misburg. a) Dicranoclone. 
b) Megarhizoclonide. c) Dermalia (Dichotriaene). 


Fig. 4 Pachinion cylindricum ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Dicranoclone. 
b) Megarhizoclonid. ce) Dichotriaene aus der Deckschicht. 


Die Fasern bestehen hauptsächlich aus durch Zygose verbundenen Dieranoclonen mit zwei, seltener 
mit einem oder mit drei Clonen und knopfartigem Basalteil, und außerdem aus plumpen Megarhizocloniden. 
Eine Deckschicht, die aus winzigen, filigranartig gezackten Kieselplättchen besteht, kann vorhanden 
sein oder fehlen. Die Dermalia sind Orthodichotriaene. Außerdem können an der Oberfläche Microxe 
vorkommen. 

Obere Kreide. 


Pachinion scriptum Roem. sp. (Tafel XVIII, Fig. 4. — Tafel XIX, Fig. 1. — Texttafel III, Fig. 1.) 


1864. Jerea scripta RoEMER, Sp., S. 34, Taf. XIII, Fig. 1. 

1878. Pachinion scriptum Zitrer, Stud. II, S. 66, Taf. V, Fig. 2. 

1883. Pachinion scriptum Hınpe, Catal., S. 46, Taf. VII, Fig. 1. 

Kreisel-, birnen-, feigen- oder keulenförmig, seltener walzenförmig, mit abgerundetem oder abge- 
stutztem Scheitel und engem, mäßig tiefem Paragaster, gestielt. Am häufigsten sind kreiselförmige 
Einzelindividuen. Doch kommen auch Stöcke von sieben und mehr, von einer gemeinsamen Basis aus- 
gehenden Personen vor, deren Köpfe aber immer mehr oder weniger deutlich getrennt bleiben, während 
sie z. B. bei Pachinion familiare Roem. sp. gewissermaßen ineinanderfließen. Manchmal verwachsen auch 
die oberen Hälften, während die Stiele getrennt bleiben, oder es zweigen sich von der Mitte oder vom 
Scheitel eines größeren Exemplars kleinere ab, und da auch das Aussehen sich ändert, je nachdem die Deck- 
schicht den ganzen Schwamm oder nur einen Teil überzieht, oder ganz fehlt, kann die Bestimmung 
Schwierigkeiten machen. Mittelgroße kreiselförmige Exemplare sind 5—7 cm hoch, 4—6 em dick. Das 
größte mir bekannte ist über 20 cm hoch und über 10 cm dick. Das Paragaster ist 3—8 mm weit. Bei 
günstiger Erhaltung ist wenigstens die Basis, zuweilen aber auch der ganze Schwammkörper mit einer 
glatten oder leicht gerunzelten Deckschicht überzogen, an der man schon mit einer schwach vergrößernden 
Lupe die sternartigen Köpfchen der dermalen Dichotriaene erkennen kann. Wo die Deckschicht fehlt, 


erscheinen die groben anastomosierenden Skelettfasern, zwischen denen in Ermangelung besonderer 
Kanäle die Wasserzirkulation erfolgt, und zwar sind sie besonders deutlich, wenn das Gerüst in rote oder 
bläuliche Eisenverbindungen umgewandelt worden ist. | 

Pachinion scriptum könnte mit Discodermia antiqua SCHRM. verwechselt werden. (Discodermia 
hat aber im Stützskelett Tetraclone und als Dermalia Phyllotriaene.) 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Cuvieriplaner, Kalkmergel der Quadraten- und Mucro- 
natenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.), Heere (s. s.), Misburg (h.), Oberg 
(h.), Adenstedt (h.), Biewende (h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: Über 100. 


Pachinion familiare Roem. sp. 


1864. Polycoelia familiaris ROEMER, Sp., S. 31, Taf. XI, Fig. 10. 

1878. Coelocorypha familiaris Zirrez, Stud. II, S. 64. 

Traubige Stöcke, die aus mehr oder weniger zahlreichen, mit der Basis und den Seiten verschmolzenen 
kugeligen Individuen bestehen. Die Verschmelzung ist zuweilen so innig, daß die Zahl der Einzelindividuen 
nur durch Zählung der übrigens nur wenige mm weiten Paragasteröffnungen festzustellen ist. Wie bei 
den anderen Arten überzieht bei guter Erhaltung eine dichte und glatte Kieselhaut die Basis und andere 
Teile des Schwammkérpers. Ein aus sieben innig verschmolzenen Personen bestehender Stock aus meiner 
Sammlung ist 5 cm hoch, 10 cm lang und 4—6 cm breit. Der Querdurchmesser der Individuen beträgt 
am Scheitel ca. 3 cm. 

ZiTTEL rechnete die Spezies zu Coelocorypha. Eine Nachprüfung des Skeletts ergab aber die cha- 
rakteristischen Dicranoclone von Pachinion. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 


Pachinion cylindricum Schrammen. (Tafel XVIII, Fig. 3. — Texttafel III, Fig. 4.) 
1901. Neohindia cylindrica SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 11, Taf. II, Fig. 5. — Taf. V, Fig. 2. 


Unter dem Namen Neohindia cylindrica hatte ich eine Spongie beschrieben, deren Skelettelemente 
ich für große Ennomoclone hielt. Nachdem ich jetzt besseres Material gesammelt und untersucht habe, 
ist es mir klar geworden, daß die vermeintlichen Ennomoclone Dicranoclone mit drei Clonen darstellen 
und daß Neohindia cylindrica eine Pachinion-Art ist. Sie kommt in der Quadratenkreide mit Pachinion 
scriptum zusammen vor, und unterscheidet sich von dieser Spezies durch eine andere Körperform, indem 
sie gerade oder leicht gekrümmte, langgestielte Walzen und Zylinder bildet, die im Verhältnis zur Dicke 
ziemlich lang sind. Das größte Exemplar meiner Sammlung ist ohne Stiel über 15 cm lang und überall 
4—4,5 em dick. Kanalsystem wie bei Pachinion scriptum. Die Skelettelemente scheinen durchgängig 
etwas größer zu sein wie bei den anderen Arten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 


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Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.). 
Anzahl der untersuchten Sticke: 8. 
Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Procorallistes SCHRAMMEN. 1901. 
(Skelettabbildung Texttafel III, Fig. 3.) 


Unregelmäßig trichterförmig, ohrförmig oder lappig, gestielt oder sitzend. Ober- und Unterseite 
mit zerstreut liegenden porenartigen Ostien bezw. Postiken von kurzen geraden Kanälchen. Das Stütz- 
skelett ist sehr dicht, und besteht hauptsächlich aus Dieranoclonen mit verlängertem und kegelförmig 
zugespitztem Basalteil und zwei bis drei Clonen, und außerdem aus ziemlich plumpen Megarhizocloniden. 
Die Dermalia sind Orthodichotriaene. Microsclere unbekannt. Obere Kreide. 


Procorallistes polymorphus Scurammen. (Tafel XX, Fig. 1, 2. — Texttafel III, Fig. 3.) 


1901. Procorallistes polymorphus SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 15, Taf. I, Fig. 10. — Taf. V, Fig. 8. 

1901. Procorallistes tuberosus SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 15, Taf. I, Fig. 11. 

Unregelmäßig trichterférmig, ohrförmig, plattig oder lappig, mit abgerundetem Rand, gestielt 
oder sitzend. Oberflächen beider Seiten mit zerstreut liegenden, nadelstichartigen Ostien bezw. Postiken, 
die aber nur bei angeätzten Exemplaren sichtbar sind. Ungeätzte Stücke haben eine gleichmäßig rauhe 
Oberfläche, an der man keine Kanalöffnungen erkennen kann. Mittelgroße Exemplare sind etwa kinder- 
handgroß. Das größte, das ich gesehen habe, bedeckte aber über !/, qm Fläche. Die Wandung ist 6—10 mm 
dick. Gewöhnlich sind die geologisch älteren Vorkommnisse etwas dickwandiger als die aus der Quadraten- 
und Mucronatenkreide. Doch kommen auch im Turon Exemplare vor, die in der Dicke der Wandung 
mit solchen aus der Mucronatenkreide übereinstimmen. Die Abbildung Taf. XX Fig. 1 zeigt mehrere 
Individuen verschiedenen Alters, die an einem Phalangium sitzen. Oberflächenstruktur und Skelett 
stimmen bei Procorallistes und Phalangium fast überein; darum glaubte ich zuerst, daß die abgebildete 
Kolonie mit ihrem Träger als ein einziger Schwammkörper anzusehen sei. 

Die Spongie, welche ich unter dem Namen Procorallistes tuberosus beschrieben habe (s. Syn.), 
halte ich jetzt für ein junges Individuum von Procorallistes polymorphus. 

Alter und Facies: Cuvieripläner, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Heere (z. s.), Misburg (z. s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 10. 

Das Original liegt im Rormer-Museum. 


Gattung Phalangium nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel III, Fig. 2.) 


Walzen- oder zylinderförmig, mit tiefem und engem Paragaster, gestielt oder sitzend. Oberfläche 
mit zerstreut liegenden porenartigen Ostien von geraden Radialkanälchen. Das sehr dichte Stützskelett 


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besteht hauptsächlich aus Dicranoclonen mit 2—4 Clonen und verlängertem und kegelförmig zugespitztem 
Basalteil, und auBerdem aus wenig verästelten Rhizocloniden. Die Dermalia sind Orthodichotriaene. 
Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Phalangium cylindratum nov. sp. (Tafel XVIII, Fig. 2.) 


Allgemeine Form, Oberfläche und Kanalsystem wie bei Phalangium scytaliforme, wovon sich die 
Spezies aber durch gracileren Bau gut unterscheidet. Mittelgroße Exemplare sind ca. 10 em lang, 2—2,5 em 
dick. Der Querdurchmesser verhält sich also zum Längsdurchmesser wie */;—1/,:1. (Bei Phalangium 
scytaliforme ungefähr wie 1/,: 1.) 

Alter und Facies: Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen; Heere (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Phalangium scytaliforme nov. sp. (Tafel XVIII, Fig. 1. — Texttafel III, Fig. 2.) 


Walzenförmig oder zylindrisch, mit abgerundetem Scheitel und tiefem und engem Paragaster, 
kurz gestielt oder sitzend. Oberfläche mit zerstreut liegenden, nadelstichartigen Ostien, von denen gerade 
Kanälchen in die Wandung eindringen. Das Originalexemplar ist 14 cm lang und ca. 4 cm dick. Das 
Paragaster ca. 1 cm weit. 

Die Spezies kann leicht mit der ganz ähnlich gestalteten Rhizomorine Scytalia radiciformis PHILL. sp. 
verwechselt werden. Wenn das Skelett nicht gut erhalten ist, kann man sie aber noch an der durch die 
Körnelung der Dieranoclone rauheren Oberfläche erkennen. Die andere Phalangium-Art ist auf das Turon 
beschränkt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stueke: 10 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Tribus Caltropina SCHRAMMEN. 


Familie Pachastrellidae SoLLas emend. 
(1886. Sci. Proc. Roy. Dubl. Soc. Bd. V, S. 177.) 


Caltropina mit regulären Spiculen. Dermalspicula sind Dichotriaene oder fehlen. Als Microsclere 
Spiraster, Sphaeraster oder Microrhabde. 


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Ohne Erweiterung der Diagnose von SoLLas, in der es von den Pachastrellidae heißt: ,,Streptastrosa 
mit Caltropen aber ohne Triaene“‘, müßten die fossilen Pachastrelliden in einer neuen Familie untergebracht 
werden, weil bei ihnen nur das Stützskelett aus Caltropen, die äußerste Skelettlage aber aus Dichotriaenen 
besteht. Sorzas bildet übrigens (Chall. Tetract. Taf. XI, Fig. 4, 15, 16, 17) auch von Pachastrella 
abyssi O. Scum. Triaene ab, die er freilich als anormale Caltrope bezeichnet. Ich halte sie für Rudimente 
des bei den fossilen Formen ausgezeichnet entwickelten Oberflächenbelages von Dichotriaenen. 


Gattung Propachastrella n. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel I, Fig. 4.) 


Lappige Pachastrelliden, deren Oberflächenskelett aus Dichotriaenen besteht. Microsclere un- 
bekannt. 

Obere Kreide. 

Die Gattung unterscheidet sich von den nächst verwandten lebenden Gattungen Dercitus Gray, 
Pachastrella O.Scum. und Caltropella SoLLas durch den Besitz einer Oberflächenschicht von Dichotriaenen. 


Propachastrella primaeva Zırrer sp. (Tafel XIII, Fig. 1. — Texttafel I, Fig. 4.) 


1878. Pachastrella primaeva Zarrez, Stud., III, S. 9, Taf. XII, Fig. 4. 

1880. Pachastrella primaeva Zitrer, Handb., S. 145. 

1883. Pachastrella primaeva HınDe, Catal., S. 26. 

1883. Pachastrella convoluta Hınve, Catal., S. 26, Taf. II, Fig. 1, 1a. 

1885. Pachastrella Carterı Hinpe b. Poéra, Beitr. III, S. 8, Taf. I, Fig. 17. 

1895. Pachastrella primaeva Zırteı, Grundz., S. 44. 

1899. Dercitus primaeous SCHRAMMEN, Tetract., S. 8, Taf. II, Fig. 1—3. 

1901. Pachastrella primaeva ScHRAMMEN, Neue Kieselschw., 8. 19. 

Lappige, ohr- oder blattförmige Klumpen. Die älteren Vorkommnisse (aus Turon- und Quadraten- 
kreide) sind unscheinbare, walnuß- bis höchstens kinderhandgroße knollige oder ganz formlose Aggregate 
von Vierstrahlern, die man übersieht, wenn sie nicht infolge von Umwandlung in Eisenhydroxyd ete. 
anders wie das Gestein gefärbt sind. In der unteren Mucronatenkreide erreicht die Art aber eine be- 
deutende Größe. So habe ich im Gestein steckende Exemplare beobachtet, die über 1/, qm Fläche be- 
deckten. Sie bilden Lappen, die in unregelmäßiger Weise gefaltet und zusammengebogen sind. Man findet 
aber derartige Stücke nie ausgewittert, denn die Spongie zerfällt mit der Verwitterung des Gesteins in 
kleine Brocken. Das Kanalsystem ist wenig entwickelt. Die Vierstrahler haben gerade oder leicht ge- 
krümmte Arme, die gegen die Enden allmählich an Stärke abnehmen und gewöhnlich in eine Spitze aus- 
laufen, manchmal aber auch vergabelt sind. Zuweilen sind die Strahlen auch ganz kurz und an den Enden 
abgerundet. Man findet nebeneinander Vierstrahler von den verschiedensten Größen. Die Strahlen der 
_ größten sind bis 1,2 mm, die Strahlen der kleinsten aber nur 0,05 mm lang. Die Megasclere der Exemplare 
aus der Mucronatenkreide sind plumper und größer als die der geologisch älteren Formen. An gut er- 
haltenen Stücken besteht die Oberfläche aus Dichotriaenen, deren Zinken in einer Ebene liegen. Die 
Dichotriaene sind etwas kleiner als die größten Vierstrahler. (Der Längsdurchmesser beträgt etwa 0,8 mm.) 


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Microsclere habe ich nicht gefunden, wie denn überhaupt Microsclere, die von Pachastrelliden herrühren 
müßten, aus der Kreide noch nicht bekannt geworden sind. 

Die von ZırteL abgebildeten (Coeloptych. Taf. V, Fig. 27—31) und später Pachastrelliden oder 
Geodiden zugeschriebenen Sphaeraster rühren wohl nur von Geodiden her. 

Propachastrella primaeva ist die einzige Pachastrellide aus dem Mesozoicum, von der ganze Exem- 
plare bekannt sind. Pachastrella Carteri Hınpe und Pachastrella Hindei Poéra sind nach isoliert auf- 
gefundenen Drei- und Vierstrahlern aufgestellt werden. 

Alter und Facies: Plänerkalk der Turon-Schichten mit Scaph. Geinitzii, Kalkmergel 
der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (sehr selten), Misburg (selten), Oberg 
(selten), Ahlten (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 15. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Familie Tetracladinidae v. ZITTEL. 
(1878. Studien über fossile Spongien II, S. 100.) 


Das Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen Tetraclonen. Die Dermalia sind Triaene 
(Dicho-, Phyllo-, Disco- etc. Triaene), selten anaxile Kieselscheiben. Als Microsclere Spiraster und Microxe. 
Kreide und Jetztzeit. 


Unterfamilie Phymatellinae nov. subfam. 


Tetracladinidae, deren Stützskelett aus regelmäßig ausgebi.deten Tetraclonen mit glatten Clonen 
besteht. Als Dermalia Dichotriaene. Eine aus kleinen, unregelmäßig geformten und innig verfilzten 
Kieselkörperchen bestehende Deckschicht kann vorhanden sein oder fehlen. 


Gattung Phymatella v. ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 8.) 


Zylindrisch, kugelig, birn- und flaschenförmig oder knollig, mit tiefem Paragaster, sitzend oder 
gestielt. In der Nähe der Basis gewöhnlich mit wulstigen oder knolligen Vorstülpungen, die durch tiefe 
oder flache Rinnen und Gruben voneinander getrennt sind. Oberfläche mit zahlreichen kleinen, unregel- 
mäßig zerstreuten Ostien von verschiedener Größe, von denen einfache Radialkanäle in die Wand ein- 
dringen. Ähnliche horizontale Kanäle beginnen in der Nähe der Oberfläche, und münden mit großen, 
zerstreut liegenden Postiken auf der Paragasterwandung. Das Stützskelett besteht aus ziemlich großen 
Tetraclonen mit glatten Clonen und wenig verästelten Zygomen. Die Dermalia sind Dichotriaene. Eine 
Deckschicht aus kleinen, unregelmäßig geformten Kieselkörperchen kann außerdem noch vorhanden sein, 
fehlt aber gewöhnlich. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


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Phymatella intumescens Roem. sp. 


1864. Eudea intumescens ROEMER, Sp., 8. 26, Taf. XI, Fig. 1. 

1878. Scyphia intumescens QUENSTEDT, Petr. V, 8. 392, Taf. CXXXIII, Fig. 23—26. 

1878. Spongites plicatus QUENSTEDT, Petr. V, S. 395, Taf. CXXXV, Fig. 1—2. 

1878. Phymatella intumescens Zirrez, Stud. II, S. 74. 

1883. Phymatella intumescens Hinpe, Catal., S. 58. 

1884. Phymatella plicata Poéra, Beitr. II, S. 32. 

1897. Phymatella plicata Leonuarp, Kreide in Oberschlesien, $. 38. 

Walzenförmig oder schlank-kegelförmig, mit abgestutztem Scheitel und tiefem Paragaster, 
gestielt. Basis mit knolligen oder halbkugeligen Wülsten, zwischen denen tiefe Gruben und rundliche Lücken 
liegen, oder auch nur mit breiten und flachgewölbten, allmählich in einander übergehenden Anschwellungen. 
Um das zylindrische Vorderteil laufen an manchen Exemplaren undeutliche Spiralfurchen (als deren 
Rudimente wohl die Spiralkanäle im Inneren der Wandung der geologisch jüngeren Arten anzusehen 
sind). Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1 mm weiten Ostien. Die Wandung ist 0,5—1 cm 
dick. Mittelgroße Exemplare sind ca. 10 cm lang (ohne Stiel) und am zylindrischen Vorderteil 3—5 cm, 
in der Gegend der Basalwülste 5—10 em dick. 

Phymatella plicata QuENST. sp. aus dem Scaphitenpläner von Oppeln ist synonym mit Phymatella 
intumescens ROEMER sp., wie ich an der Hand mehrerer gut erhaltener Stücke, die ich in Oppeln gesammelt 
habe, feststellen konnte. 

Phymatella intumescens steht zu Phymatella tuberosa QuENST. sp. und Phymatella bulbosa Zirr. im 
Verhältnis einer älteren Mutation. Phymatella tuberosa behält die gestreckte, zylindrische Gestalt der 
Stammform, aber unter teilweiser Rückbildung der Basalwülste, während bei Phymatella bulbosa Zirv., 
vielleicht unter der Einwirkung veränderter Faciesverhältnisse, die Basis unter Verlust des Stiels ver- 
breitert, das lange zylindrische Vorderteil aber auf eine ganz kurze Röhre zurückgebildet worden ist. 

Alter und Facies: Scaphiten- und Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen: Heere (z. h.), Salder (z. h.), Nettlingen (s.), Halber- 
stadt (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 20. 


Phymatella spinosa nov. sp. (Tafel XII, Fig. 3.) 


Das einzige Exemplar, welches ich kenne, ist ein ungestielter, 11 cm langer, in der Mitte 7 cm dicker, 
nach den Enden sich allmählich verjüngender Schwammkörper, dessen nur mehrere mm dicke Wandung 
von der Basis bis zum Scheitel und allseitig in 1,5—5 em lange, 1—2 cm dicke, innen hohle, finger- oder 
zitzenförmige Fortsätze gefaltet ist. Die Hohlräume in den Fortsätzen kommunizieren und stellen 
Ausstülpungen des Paragasters dar. Die Stacheln und Zitzen entsprechen den Basalwülsten der anderen 
Arten. Die Paragasteröffnung liegt im Scheitel und ist 0,7 cm weit. Oberfläche der Außenseite mit unregel- 
mäßig zerstreuten, ca. 0,5 mm weiten Ostien, die am Originalstück aber nur stellenweise gut erhalten sind. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Halberstadt (selten). 

Anzahl der!untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 

Palaeontographica, Suppl. V. 10 


Texttafel IV. 
Skelettelemente der Familie Tetracladinidae v. Zitrev. 
(In 30facher Vergrößerung.) 


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Erklärung zu Texttafel IV. 


Familie Tetracladinidae. 


Fig. 1. Calymmatina rimosa v. ZırTeL aus der Mucronatenkreide von Misburg. a) Isolierte Tetraclone. 
b) Isolierte Kieselkörperchen aus der Deckschicht. c) Dichotriaene aus der Deckschicht. 
d) Junges Tetraclon. 

Fig. 2. Jerea Quenstedti v. ZirtEL aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Dichotriaene 
aus der Deckschicht. c) Isolierte unregelmäßige Kieselkörperchen aus der Deckschicht. 

Fig. 3. Myrmeciophytum verrucosum RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Isolierte Tetra- 
clone. 

Fig. A. Thecosiphonia postumus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Un- 
regelmäßige Kieselkörperchen aus der Deckschicht, c) Amphioxe aus der Deckschicht. 

Fig. 5. Thecosiphonia nobilis RoEMER sp. aus dem Cuvieripläner von Oppeln. Ein Tetraclon. 

Fig. 6. Turonia constricta v. ZiTTEL aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Dermales 
Dichotriaen. c) Kieselkérperchen aus der Deckschicht. 

Fig. 7. Turonia cerebriformis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Der- 
malia (Dichotriaene). c) Kieselkörperchen aus der Deckschicht. 

Fig. 8. Phymatella bulbosa v. ZitteL aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Ein Tetraclon. b) Ein 
junges Tetraclon. c) Dichotriaen aus der Deckschicht. d) Unregelmäßiges Kieselkörperchen 
aus der Deckschicht. 

Fig. 9. Callopegma acaulis v. ZiTTEL aus der Quadratenkreide von Oberg. Tetraclon und Dichotriaen. 

Fig. 10. Siphonia micropora SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Tetraclone. 


Fig. 11. Siphonia tubulosa RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Kiesei- 
körperchen aus der Deckschicht. c) Dermalia (Dichotriaene). 


Fig. 12. Eustrobilus callosus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Der- 
malia (Phyllotriaene). 


Phymatella bulbosa v. Zırrer. (Tafel I, Fig. 9. — Tafel III, Fig. 2. — Texttafel IV, Fig. 8.) 


1878. Phymatella bulbosa ZıtteL, Stud. II, S. 74, Taf. II, Fig. 1. 
1900. Phymatella bulbosa WoLLEMANN, Fauna von Biewende, S. 6. 
1901. Pseudoplocoscyphia maeandrina SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 5, Taf. II, Fig. 1. 
Knollig oder flaschenförmig, mit gewundenen oder zapfenförmig vorspringenden Basalwülsten, 
zwischen denen tiefe Gruben oder rundliche Lücken liegen, sitzend. Die Wülste und Zapfen sind hohl. 
- Die Hohlräume kommunizieren und stellen Ausstülpungen des Paragasters dar. Paragastermündung 
im Scheitel eines kurzen, röhrenförmigen Fortsatzes, der am Rande oder in der Mitte der oberen Hälfte 
entspringt. Außenseite und Paragasterwandung mit unregelmäßig zerstreuten, ziemlich dichtstehenden, 


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0,3—1 mm weiten Ostien bezw. Postiken. Einigemale habe ich in der Mucronatenkreide auch Exemplare 
gefunden, die ganz mit einer dichten Kieselhaut überzogen waren. Gewöhnlich ist aber die Deckschicht 
auf einige zapfenförmige Wülste an der Basis beschränkt, wenn sie nicht gänzlich fehlt. Die Wandung 
ist 0,5—1 em diek. Mittelgroße Exemplare sind etwa faustgroß. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (selten), Biewende (z. h.), Ahlten, 
Oberg (z. h.), Misburg (zh); 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 30. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Phymatella tuberosa QUENSTEDT sp. 


1878. Scyphia tuberosa QuENstEDT, Petr. V, S. 388, Taf. CXXXIII, Fig. 18—20. 

1878. Phymatella tuberosa Zitrer, Stud. II, 8. 74. 

Walzenförmig oder schlank-kegelförmig, mit abgestutztem Scheitel und tiefem Paragaster, gestielt. 
Typische Stücke haben im unteren Drittel eine tiefe Quereinschnürung, unterhalb welcher ein rundlicher 
Wulst liegt. Doch kommen auch Exemplare vor, bei denen kaum eine Andeutung von Wulstbildung zu 
beobachten ist. An die Stelle der Quereinschnürung tritt dann eine rundliche Vertiefung. Andererseits be- 
sitze ich ein Stück aus der Quadratenkreide von Misburg, das in der intensiven Ausbildung der Basalwülste 
zu Phymatella intumescens RoEM. sp. überleitet. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1,5 mm 
weiten Ostien. Paragasterwandung mit etwas grüBeren Postiken. Eine Eigentiimlichkeit des Kanal- 
systems besteht in mehreren, 3—4 mm weiten Kanälen, die in Spiralwindungen die Wandung durch- 
ziehen und auf der Paragasteroberfläche münden. Mittelgroße Exemplare von Phymatella tuberosa sind 
ca. 12 cm lang (ohne Stiel) und in der Gegend des Basalwulstes ca. 5 cm, am Scheitel 2—3 cm dick. 
Die Wandung ist 0,5—1 cm dick. 

Zu Phymatella tuberosa gehören wahrscheinlich auch Scyphia attenuata, lobata und mamillata 
CouRTILLER (Eponges fossiles ete. Taf. V, Fig. 2—5, Taf. VI, Fig.1), die übrigens zum Teil auf dem Kopie 
stehend abgebildet worden sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. s.), Ilsenburg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 45. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Phymatella sphaeroides nov. sp. (Tafel I, Fig. 6—8.) 


Kugelig oder eiförmig, mit engem und tiefem Paragaster, sitzend oder mit einem warzenförmigen 
Stielchen. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1,5 mm weiten Ostien, die 1—2 mm voneinander 
entfernt liegen. Das Paragaster bildet im vorderen Teile des Schwammkörpers eine enge Röhre, auf deren 
Wandung mehrere unregelmäßig verteilte große und zahlreiche kleine Postiken münden. Im Basalteil 
unregelmäßige, anastomosierende Hohlräume, die Ausstülpungen des Paragasters darstellen, aber nicht 
wie bei den anderen Arten an der Außenseite durch wulstartige Vorstülpungen angedeutet sind. Mittel- 


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große Exemplare sind ca. 5 em hoch und ebenso dick. Das größte Stück meiner Sammlung ist 8 em. 
hoch, 4 em dick. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. h.), Misburg (z. s.). 
Anrahl den unhkersuchten.S4iie¢ke: ca. 15. 
Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Phymatella heteropora v. Zirrez (non Roemer). (Tafel III, Fig. 1.) 

1878. Phymatella heteropora Zirret, Stud. II, S. 74, Taf. VIII, Fig. 2. 

1883. Phymatella heteropora Hınve, Catal., S. 59. 

v. ZiTTEL bildet a. a. O. Tetraclone einer Phymatella-Art ab, die mit Scyphia heteropora RoEMER 
(Kr. S.7, Taf. II, Fig.13; Sp. S.26) synonym sein soll. Es ist aber fraglich, ob Scyphia heteropora RoEMER 
überhaupt eine Phymatella ist. ZırreL hat Roemers Original nicht untersucht, wie das Fehlen des Stern- 
chens beweist, welches Zırrer den Arten beifügt, deren Orginalstücke ihm vorlagen, und nach RoEMERS 
kurzer Beschreibung und undeutlicher Abbildung ist keine sichere Bestimmung möglich. Überdies 
stammt ZıttELs Phymatella heteropora aus der Mucronatenkreide von Ahlten, während Scyphia heteropora 
Roem. im Emscher des Sudmerbergs gefunden wurde. Der nicht unbeträchtliche Altersunterschied 
würde bei der Langlebigkeit mancher Spongienarten nicht viel bedeuten, wenn nicht auch noch 
die Verschiedenheit der geologischen Facies hinzukäme. — v.Zrrrez hat keine Diagnose seiner Phymatella 
gegeben, aber vermutlich die einzige Phymatella-Art aus dem Obersenon gemeint, auf die RoEMERS 
Diagnose von Scyphia heteropora allenfalls paßt. Das ist die hier als Phymatella heteropora ZITTEL 
beschriebene Spezies. (Die Speziesbezeichnung ist insofern etwas unglücklich gewählt, als gerade bei Phy. 
heteropora die Ostien weniger in der Größe verschieden sind, wie bei den anderen Phymatella-Arten.) 

Phymatella heteropora ist walzenförmig mit abgestutztem Scheitel, oder oben und unten leicht 
zugespitzt. Basalwülste fehlen. Außenseite mit dichtstehenden, 0,5—1 mm weiten Ostien. Paragaster 
tief, 1—2 cm weit, mit undeutlich ovalen Postiken, die etwas größer sind, wie die Ostien. Die Wandung 
ist 0,5—2 cm dick und von mehreren 3—4 mm weiten, spiralig verlaufenden Kanälen durchzogen, 
die auf der Paragasteroberfläche mit großen runden Öffnungen münden. Mittelgroße Exemplare sind 
8—10 cm lang (ohne Stiel), 4—7 em dick. 

Die Spezies unterscheidet sich von wulstfreien Exemplaren der Phymatella tuberosa Qu. sp. u. a. 
durch dichtere Skelettstruktur und kleinere und dichter zusammenliegende Ostien. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Ahlten, Oberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: ca. 10. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Aulaxinia v. ZITTEL. 1878. 


Langlich-birnformig, apfelförmig, spindelförmig oder zylindrisch, mit tiefem oder seichtem Para- 
gaster, gestielt. Außenseite mit zahlreichen kräftigen Furchen, die in ziemlich regelmäßiger Weise vom 


IC APRES 


Scheitel bis zum Anfange des Stiels herablaufen. In den Furchen und auf den leistenförmigen, erhabenen 
Zwischenräumen zwischen den Furchen kleine runde Ostien, von welchen gerade Kanälchen in den 
Schwammkörper eindringen. Paragasterwandung mit großen runden Postiken von Kanälen, die den 
Schwammkörper der Länge nach durchziehen. Das Stützskelett besteht aus ziemlich großen Tetraclonen 
mit glatten Clonen und wenig verästelten Zygomen. Die Dermalia sind Dichotriaene. Microsclere un- 
bekannt. 

Obere Kreide. 


Aulaxinia sulcifera (typica) Rom. sp. (Tafel I, Fig. 1—3.) 


1864. Siphonocoelia sulcifera Roemer, Sp., S. 30, Taf. XI, Fig. 7. 

1878. Aulaxinia sulcifera ZitteL, Stud. II, S. 74, Taf. VIII, Fig. 4. 

1883. Aulaxinia sulcifera Hınde, Catal., S. 60. 

1888—89. Aulaxinia sulcifera GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 18. 

Spindel- oder walzenförmig, gestielt. Außenseite mit zahlreichen, in regelmäßigen Abständen vom 
Scheitel bis zum Stielende verlaufenden, leicht gekrümmten Längsfurchen, zwischen denen kantige Skelett- 
leisten liegen. Die Furchen sind 1—2 mm breit und nicht ganz so tief. Die Leisten zwischen den Furchen 
sind je nach dem Alter des Individuums 1,5—5 mm breit. Auf den Leisten liegt je eine in der Längs- 
richtung des Schwammkörpers verlaufende Reihe runder Ostien, deren Weite nach der Größe der Spongie 
zwischen 0,3—1 mm wechselt. Kleinere und zahlreichere Ostien liegen in den Furchen. Paragaster 
trichterförmig, mäßig tief eingesenkt, mit großen, runden oder ovalen Postiken. Bei ganz jungen Indi- 
viduen liegen die Postiken in einer seichten Scheitelvertiefung oder auf dem abgestutzten Scheitel. Mittel- 
große Exemplare sind ca. 10 cm lang und an der dicksten Stelle 3—4,5 em dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide; Grünsand der 
Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg, Oberg, Glentorf, Biewende, Adenstedt. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 30. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Aulaxinia sulcifera maliformis nov. subsp. 


Apfelförmig oder kugelig, gestielt. Das Originalexemplar ist ca. 5 em hoch (ohne Stiel) und ebenso 
dick. Der Stiel ist scharf abgesetzt und an der dicksten Stelle2em dick. Sonst wie Aulaxinia sulcifera typica. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Aulaxinia fallax nov. sp. (Tafel I, Fig. 4.) 


Walzenförmig oder schlank-spindelförmig, gestielt. Scheitel abgestutzt, mit einer runden, 1—1,5 em 
weiten Paragasteröffnung. Das Paragaster ist röhrenförmig und ziemlich tief eingesenkt. Auf der Wan- 
dung zahlreiche, 1—2 mm weite rundliche Postiken. Außenseite mit kräftigen, unregelmäßig angeordneten 


Sar ee ae 


Längsfurchen und über die Oberflache zerstreuten Ostien von verschiedener Größe. (Bei Aulazinia sulei- 
fera liegen die Längsfurchen in regelmäßigen Abständen und die Ostien auf den Skelettleisten zwischen 
den Furchen sind reihenweise angeordnet. Auch scheint die Skelettstruktur von Aulaxinia sulcifera, 
wenigstens bei den Jugendformen, dichter zu sein. In der Größe stimmen beide Arten überein.) 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Aulaxinia melo nov. sp. 
? Jerea melo Roemer, Sp., S. 33, Taf. XII, Fig. 3. 


Eiförmig, mit abgestutztem Scheitel und trichterförmigem Paragaster. Außenseite mit undeut- 
lichen, abgerundeten Längsrippen, zwischen denen zahlreiche, unregelmäßig zerstreute, etwa 1 mm weite 
und ungefähr ebenso weit von einander entfernte Ostien liegen. Die Rücken der Rippen sind frei von 
Ostien. Das einzige Exemplar, das ich gefunden habe, ist 9 cm lang und in der Mitte 6 cm dick. 

Möglicherweise ist Aulaxinia melo dieselbe Spezies, von der Rormer unter dem Namen Jerea melo 
ein Exemplar aus der Quadratenkreide von Ilsenburg abgebildet hat. Das ist aber ohne Untersuchung 
des Rormer’schen Originalstückes nicht festzustellen, und dieses scheint verschollen zu sein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1: 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Aulaxinia ventricosa nov. sp. (Tafel I, Fig. 5.) 


Dick-spindelförmig oder keulenförmig, gestielt. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten Ostien 
von verschiedener Weite (0,2—1,00 mm). Längsfurchen fehlen oder sind auf die Scheitelregion und den 
Stiel beschränkt. Scheitel abgestutzt, mit einer 0,5—1,5 mm weiten runden Paragasteröffnung. Das 
Paragaster ist spitz-kegelförmig. Auf der Wandung große ovale Postiken. Aulaxinia ventricosa ist die 
größte Spezies. Mein kleinstes Exemplar ist 10 cm lang und in der Mitte 7 em dick. Das größte ist fast 
20 em lang und im vorderen Drittel fast 10 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Craterella SCHRAMMEN. 1901. 


Dickwandig, trichter- oder napfförmig, kurzgestielt oder sitzend, mit warzenartigen Würzelchen. 
Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten runden Ostien, von denen gerade Kanälchen in das Innere der 


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Wandung eindringen. Paragaster mit mehreren groBen und zahlreichen kleineren Postiken. Das Stütz- 
skelett besteht aus ziemlich großen Tetraclonen mit glatten Clonen und wenig verzweigten Zygomen. 
Die Dermalia sind Dichotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Craterella auricula nov- sp. (Tafel XI, Fig. 6, 7.) 


Trichterförmig oder ohrförmig, mit zugespitzter Basis, ziemlich diekwandig, sitzend oder mit 
kurzen Würzelchen. Außenseite mit zahlreichen, unregelmäßig zerstreuten, 1—3 mm voneinander ent- 
fernten, ca. 1 mm weiten runden Ostien und mehreren unregelmäßig geformten, 3—5 mm weiten Wand- 
lücken. Innenseite bezw. Paragaster mit kleinen Postiken und außerdem mit mehreren, bis 5 mm weiten, 
rundlichen Öffnungen von groben Kanälen, die im Inneren des Schwammkörpers Anastomosen bilden. 
Längsdurchmesser 5—7 cm, Querdurchmesser 4—10 cm. | 

Es wäre möglich, daß Craterella auricula und ZitrEts Callopegma Schloenbachi, eine von mir nicht 
aufgefundene Spezies, die ZıtTEL nur ganz kurz charakterisiert, aber nicht abgebildet hat, ident sind. 
Craterella auricula ist nämlich die einzige Art aus dem Senon von Nordwestdeutschland, auf die ZITTELS 
Beschreibung von Callopegma Schloenbachi passen könnte und die zugleich mit der typischen Callopegma- 
Spezies, nämlich mit Callopegma acaulis ZitTeL in der Struktur und Zusammensetzung des Stützskeletts 
übereinstimmt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Craterella tuberosa ScHRAMMEN. (Tafel III, Fig. 3.) 
1901. Craterella tuberosa SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 5, Taf. II, Fig. 2. 


Napf- oder kesselförmig, Basis abgerundet, sitzend oder mit mehreren kurzen Würzelchen. Außen- 
seite wulstig und höckerig, mit unregelmäßig zerstreuten, ca. 1 mm weiten, runden Ostien. Paragaster 
muldenförmig, mit Postiken wie die Ostien an der Außenseite. Längsdurchmesser der Spongie 4—8 cm, 
Querdurchmesser 4—6 cm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Das Original liegt im RoEMER-Museum in Hildesheim. 


Gattung Myrmeciophytum nov. gen. 
(Etym.: tO wvowjzı0o» die Warze, td pvrov das Stämmchen.) 


(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 3.) 


Walzenförmig oder zylindrisch (ästig?), mit unregelmäßig über die Oberfläche zerstreuten stern- 
förmigen Postikengruppen, die auf warzigen Erhöhungen liegen. Das Stützskelett besteht aus großen 


Tetraclonen mit glatten Armen und wenig verzweigten Zygomen. Dermalia und Microsclere unbekannt. 
Obere Kreide. 


Myrmeciophytum verrucosum Roem. sp. (Tafel IV, Fig. 1. — Texttafel IV, Fig. 3.) 
1864. Stellispongia verrucosa Roemer, Sp., 8. 50, Taf. XVII, Fig. 5. 


Ein vollständiges Exemplar dieser Spezies kenne ich nicht. Auch Roemer bildet nur ein Fragment 
ab. Gewöhnlich findet man mehrere cm lange, 2—2,5 cm dicke, zylindrische Bruchstücke, die ebensogut 
von einem stabförmigen wie von einem ästigen Schwammkörper herrühren können. An den Bruch- 
flächen sind keine Andeutungen größerer Kanäle vorhanden, vielmehr bildet das Skelett im Inneren 
des Schwammes eine scheinbar dichte Masse. Oberfläche mit 0,5—1,5 em auseinander liegenden, ca. 2 mm 
hohen und nicht viel breiteren Warzen, auf deren Scheitel je eine Gruppe kleiner Postiken liegt, 
von der kurze Furchen sternförmig ausstrahlen. Zwischen den Warzen liegen unregelmäßig zerstreute 
0,5—2 mm. voneinander entfernte, 0,5 mm weite Ostien. M. verrucosum könnte allenfalls mit Fragmenten 
von Astrocladia subramosa RoEM. sp. verwechselt werden. Die Unterscheidung der beiden Arten wird aber 
auf Grund der sehr erheblichen Skelettverschiedenheiten gewöhnlich leicht möglich sein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.), Biewende. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Callopegma v. ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 9.) 


Halbkugelig, scheibenförmig oder umgekehrt kegelförmig, sitzend oder mit warzenförmigen Stielehen. 
Unterseite dicht und ohne besondere Ostien. Oberseite flach oder mit seichter oder tiefer Scheitelvertie- 
fung und mit sehr großen Postiken von Kanälen, die in der Mitte des Schwammkörpers senkrecht, sonst 
aber bogenförmig und parallel zur Oberfläche der Unterseite verlaufen. Das Stützskelett besteht aus 
großen Tetraclonen mit glatten Clonen und ziemlich stark verzweigten Zygomen. Die Zygome bilden durch 
ihre Vereinigung dicke Polster, die an der Unterseite des Schwammkörpers eine feine Körnelung ver- 
ursachen. Als Dermalia Dichotriaene. Microsclere unbekannt. Obere Kreide. 


Callopegma acaulis v. Zırter. (Tafel IV, Fig. 3, 4. — Texttafel IV, Fig. 9.) 


1878. Callopegma acaulis ZiTTeL, Stud. II, S. 75, Taf. II, Fig. 6; Taf. VIII, Fig. 5. 

1883. Callopegma obconica Hınve, Catal., S. 61, Taf. XI, Fig. 3. 
Halbkugelig oder kreiselförmig, mit abgestutztem Scheitel. Scheitelrand abgerundet, mit geschlän- 
gelten Furchen. Scheitelmitte leicht vertieft oder mit einem tief eingesenkten Paragaster, auf dessen 
~ Wandung eine Anzahl 3—5 mm weiter Postiken liegen. Das Skelettgewebe zwischen den Postiken ist 
zuweilen durch eine eigenartige Streckung der Tetraclone schopfartig zu 1—1,5 cm langen, der Längsaxe 


des Schwammes parallelen Faserzügen verlängert. Unterseite ohne Ostien, mit einer höchst charakte- 
Palaeontographica, Suppl. V. 4 


ak) ae 


ristischen, feinen Granulierung, die durch die große Zahl der dicht aneinander gedrängten, ungewöhnlich 
dicken Verbindungsknoten der Zygome entsteht. (Schon RoEmMER erwähnt die Knötchen bei Callopegma 
depressa RoEm. sp. als kleine, gedrängte, an den Seiten stachelige Kügelchen.) Wurzelartige Bildungen 
fehlen entweder gänzlich, oder sie sind nur durch mehrere kleine Warzen an der Basis des Schwammkörpers 
angedeutet. In der Quadratenkreide wird die Spezies selten mehr als 2—3 em hoch und 5—6 em dick. 
In der Mucronatenkreide von Misburg kommen Exemplare vor, die über 10 cm hoch und dick sind. 

Hinpes Callopegma obconica soll sich von Callopegma acaulis durch geringere Größe, Paragaster- 
losigkeit, „and its even surface“ unterscheiden. Ich halte das Original zu Hınpes Abbildung von Callo- 
pegma obconica für ein junges, oder aus den älteren Bänken der Quadratenkreide stammendes Callo- 
pegma acaulis. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel; Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten- 
kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ilsede (s. s.), Oberg (z. h.), Misburg (h.), Adenstedt 
(z. s.), Ahlten (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 100. 


Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Callopegma depressa Roem. sp. 
1864. Hippalimus depressus Roemer, Sp., S. 25, Taf. X, Fig. 2. 


Das einzige mir bekannte Exemplar ist F. A. Rormers Originalstiick, welches ich zufällig in der 
Sammlung des RoEMER-Museums auffand. Ohne diesen Zufall wäre wohl schwer festzustellen gewesen, 
zu welcher Gattung Hippalimus depressus gehört, denn die Abbildung in den ,,Spongitarien des Kreide- 
gebirges‘“ ist gänzlich verunglückt. Eine nochmalige Abbildung ist trotzdem entbehrlich, weil sich das 
Originalexemplar, wenn man von einigen durch den Erhaltungszustand bedingten Besonderheiten ab- 
sieht, nur wenig von Callopegma acaulis unterscheidet. 

Querschnitt oval. Größter Querdurchmesser 5 cm, kleinster 3 cm. Dabei ist das Stück in der 
Mitte, an der dicksten Stelle, nur 1,2 cm hoch. Das kann eine Eigentümlichkeit der Art, aber auch eine 
Folge von Verdrückung sein. Die Unterseite ist ganz flach und zeigt stellenweise Spuren der für die 
Callopegma Arten bezeichnenden Körnelung. Ungefähr in der Mitte der Unterseite entspringt ein warzen- 
förmiges Stielchen, das nur mehrere mm dick und lang ist. (An der Rormer’schen Abbildung ist das Stiel- 
chen viel zu groß gezeichnet.) Die Oberseite ist leicht gewölbt. Auf der Scheitelhöhe undeutliche Postiken, 
von denen kräftige Furchen ausstrahlen. (An der Abbildung ist der Scheitel ganz willkürlich als kurze 
Röhre dargestellt.) | 

Der wesentlichste Unterschied von Callopegma acaulis liegt in der ungewöhnlich flachen, plattigen 
oder scheibenartigen Körperform. Ob außerdem noch, wie es scheint, Verschiedenheiten der zentralen 
Teile der Oberseite vorhanden sind, kann ich bei der wenig guten Erhaltung der in Frage kommenden 
Partieen nicht sagen. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (s.). 


— 83 — 


Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 
Das Original liegt im RoEmEr-Museum. 


Callopegma Schloenbachi v. Zırrer. 


1878. Callopegma Schloenbachi v. Zitte1, Stud. II, S. 75, Taf. IX, Fig. 1 (Tetraclone). 

1883. Callopegma Schloenbachi Hınve, Catal., S. 61. 

„Schüssel- oder trichterförmig; Zentralhöhle sehr weit und tief, Schwamm mit breiter Basis fest- 
gewachsen. Mucronatenkreide. Ahlten‘“ (ZITTEL). 

Ich habe diese Spezies, die v. ZITTEL nur kurz beschrieben aber nicht abgebildet hat, weder in 
der schönen Sammlung, die das Göttinger Museum aus der Mucronatenkreide von Ahlten besitzt, noch an 
dem längere Zeit von mir ausgebeuteten und jetzt leider verschütteten Fundpunkte auffinden können. 


Gattung Thecosiphonia v. ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 4, 5.) 


Walzen-, kreisel-, keulenförmig, zylindrisch und zylindrisch-ästig oder stockartig, mit mehr oder 
weniger zahlreichen, seitlich verwachsenen oder von einer gemeinsamen Basis ausgehenden Einzel- 
individuen, gestielt oder sitzend. Scheitel abgerundet, abgestutzt oder leicht vertieft, mit runden Postiken 
von Vertikalkanälen. Außenseite mit über die Oberfläche zerstreuten, schräg von außen nach innen 
und unten gerichteten Ostien von Radialkanälchen. Das Stützskelett besteht aus großen Tetraclonen 
mit glatten Clonen und wenig verzweigten Zygomen. Ein großer Teil der Oberfläche oder nur die Basis 
ist mit einer glatten oder runzeligen Deckschicht überzogen, die aus kleinen, unregelmäßig geformten, 
innig verfilzten Kieselkörperchen besteht. In der Deckschicht große Amphioxe. Tetraxone Dermalia von 
regulärem Typus fehlen. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Thecosiphonia Torgeri nov. sp. 


Stockartig, indem vom Scheitel oder von einer Seite einer keulenförmigen, knolligen oder zylind- 
rischen Basis mehr oder weniger zahlreiche keulenförmige oder auch wohl walzenförmige Individuen 
entspringen; seltener einfach birn- oder keulenförmig, oder aus mehreren mit der Basis verwachsenen 
Individuen zusammengesetzt. Außenseite an den deckschichtfreien Stellen mit unregelmäßig zerstreuten, 
0,5 mm weiten Ostien. Scheitel der einzelnen Individuen abgestutzt oder abgerundet, zuweilen auch leicht 
vertieft, mit zahlreichen, ca. 1 mm weiten Postiken von Vertikalkanälen. Die runzelige Deckschicht 
kann den ganzen Stock überziehen, läßt aber gewöhnlich die Scheitelregion der Keulchen und Zylinder 
_ fre. Die Einzelindividuen sind 3—15 em lang und 1—6 cm dick. Die Stöcke können sehr groß werden. 

Thecosiphonia Torgeri unterscheidet sich von Thecosiphonia nobilis durch schlankere Einzelindivi- 
duen und kleinere Ostien und Postiken. 

Im Scaphitenpläner von Halberstadt, in dem Thecosiphonia Torgeri zu den häufigen Vorkomm- 


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nissen gehört, kommt eine Jerea vor, mit der keulenförmige und birnförmige Einzelindividuen von Theco- 
siphonia Torgeri unter Umständen verwechselt werden können. Die Jerea-Art besitzt ein tiefes Paragaster, 
auf dessen Wandung große Postiken münden, während bei der Thecosiphonia der Scheitel höchstens leicht 
vertieft und mit verhältnismäßig kleineren und auch dichter zusammenliegenden Postiken besetzt ist. 
Nach der Beschaffenheit der Außenseite sind die beiden Arten, namentlich wenn die Deckschicht stark 
entwickelt ist, nur schwer zu unterscheiden. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Halberstadt (h.), Nettlingen (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ea 20. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Thecosiphonia ramosa nov. sp. 


Ästig mit zylindrischen Zweigen oder stabförmig. Oberfläche an den deckschichtfreien Stellen 
mit unregelmäßig zerstreuten, ca. 0,5 mm weiten Ostien. Scheitel der Zweige abgestutzt, mit zahlreichen, 
bis 2mm weiten Postiken von Kanälen, welche die Zweige der Länge nach durchziehen. Wie bei den andern 
Arten überzieht die Deckschicht einen mehr oder weniger großen Teil der Oberfläche, läßt aber die Scheitel- 
region frei. Die Zweige sind 2,5—3 em dick und bis 15 em lang. 

Thecosiphonia ramosa unterscheidet sich von den Stöcken der gleichaltrigen Thecosiphonia Torgeri 
hauptsächlich durch die zylindrische Gestalt der Zweige. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Halberstadt (ziemlich selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 8. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Thecosiphonia nobilis Roem. sp. (Texttafel IV, Fig. 5.) 


1864. Limnorea nobilis ROEMER, Sp., S. 37, Taf. XV, Fig. 1. 

1864. Tremospongia grandis ROEMER, Sp., S. 40, Taf. XV, Fig. 3. 

1870. Limnorea nobilis Ferd. Rozmer, Oberschlesien, Taf. XX XVII, Fig. 16. 

1878. Limnorea nobilis QuENSTEDT, Petr. V, Taf. CX XXIII, Fig. 8—11. 

1878. Thecosiphonia nobilis Zrrrer, Stud. II, 8. 84, Taf. X, Fig. 3. 

1883. Thecosiphonia nobilis Hinpe, Catal., S. 75. 

1890. Thecosiphonia grandis Poéra, Spongien von Paderborn, 8. 217, Taf. VIII, Fig. 2. 

1897. Thecosiphonia nobilis LEONHARD, Kreideformation in Oberschlesien, S. 38. 

1903. Thecosiphonia nobilis SCHRAMMEN, Centralb]. f. Mineral. etc. 1903, S. 19—23. 

Birnförmig, kugelig, kreisel- und keulenförmig oder dick walzenförmig; einfach, oder durch seit- 
liche Verwachsung zusammengesetzt, kurzgestielt oder sitzend. Außenseite an deckschichtfreien Stellen 
mit unregelmäßig zerstreuten, ca. 1 mm weiten Ostien. Scheitel abgerundet, mit mehr oder weniger zahl- 
reichen, ziemlich dicht nebeneinander liegenden, bis 2 mm weiten Postiken, die gewöhnlich in einer seichten 
Vertiefung liegen. An zusammengesetzten Exemplaren sind im Scheitel in der Regel so viel Gruben 
mit Postikengruppen entwickelt, wie Einzelindividuen vorhanden sind. Die runzelige, zuweilen auch 
knotige Deckschicht kann den ganzen Schwammkörper überziehen, ist aber gewöhnlich auf die basalen 
Teile beschränkt. Die Art wird bis 20 em und darüber lang und am vorderen Ende bis 15 em dick. 


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Nach RoEMER und QUENSTEDT (der wohl nur RormErs Angabe wiederholt), soll Thecosiphonia 
nobilis bei Suderode auch in der Quadratenkreide vorkommen. Senone Schichten mit Spongien sind aber 
bei Suderode nicht entwickelt. Dagegen steht dort Cuvieripläner an, und aus diesem dürften die Exem- 
plare stammen, die RoEMER im Sinne hatte. 

Alter und Facies: Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen: Salder (z. h.), Oppeln (h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca.-30. 


Thecosiphonia postumus nov. sp. (Texttafel IV, Fig. 4.) 


Zylindrisch oder walzenförmig, mit abgestutztem Scheitel, gestielt. Außenseite ganz mit Deckschicht 
überzogen. Scheitel abgestutzt, mit mehrerenrunden bis 3 mm weiten Postiken von Vertikalkanälen. Theco- 
siphonia postumus ist die kleinste Art. Mein größtes Exemplar ist nur 6 cm lang und kaum 3 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (selten). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 8. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Polyjerea FROMENTEL emend. ZITTEL. 1878. 


Zylindrisch-ästig, oder durch basale oder seitliche Verwachsung der Einzelindividuen stockförmig, 
seltener einfach. Scheitel abgerundet, mit Postiken von Vertikalkanälen. Der größte Teil oder die ganze 
Oberfläche des Schwammkörpers ist mit Deckschicht überzogen, unter der kleine Ostien von wenig ent- 
wickelten Radialkanälen liegen. Das Stützskelett besteht aus großen Tetraclonen mit glatten Clonen und 
wenig verzweigten Zygomen; die Deckschicht aus kleinen, unregelmäßig geformten innig verflochtenen 
Kieselkörperchen. Tetraxone Dermalia von regulärem Typus scheinen zu fehlen. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

„Polyjerea“, schreibt ZırteL, „steht der Gattung Thecosiphonia überaus nahe. Bei letzterer be- 
schränkt sich die Kieselhaut auf den unteren Teil des Schwammkörpers, die Einzelindividuen zeichnen 
sich durch beträchtlichere Größe aus, die viel zahlreicheren Vertikalkanäle münden in eine Scheitel- 
vertiefung und die Radialkanäle sind besser entwickelt.“ 

Wenn wirklich keine weiteren Unterschiede vorhanden wären, könnte man sich versucht fühlen, 
Polyjerea und Thecosiphonia zu vereinigen. Ich vermute aber, daß noch Besonderheiten der Skelett- 
struktur dazukommen. 

Unsere einzige Polyjerea-Art kommt zwar massenhaft bei Glentorf vor, aber leider nur in einem 
Erhaltungszustand, der feinere Skelettuntersuchungen nicht gestattet. 


Polyjerea pyriformis GRIEPENKERL (non RoEMER). 
1888—89. Polyjerea pyriformis GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 21, Taf. IV, Fig. 1—5. 


Die Spezies bildet bis faustdicke, sitzende Stöcke, die aus 2—10 seitlich verwachsenen oder von 
einer gemeinsamen Basis ausgehenden, 2—5 cm langen und mehrere cm dicken, zylindrischen oder tonnen- 


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formigen Individuen zusammengesetzt sind. Der Scheitel der Individuen ist abgestutzt, abgerundet oder 
leicht vertieft und trägt 10—60 rundliche, 1—1,5 mm weite Postiken von Vertikalkanälen. AuBenseite 
mit unregelmäBig zerstreuten, kleinen Ostien und stellenweise mit kräftigen, in der Richtung der Längsaxe 
der Individuen verlaufenden Furchen. 

Nach GRIEPENKERL ist Polyjerea pyriformis bei weitem die häufigste von allen Spongienarten, die 
in der Quadratenkreide von Glentorf gefunden werden. In der Kalkfacies der Quadratenkreide kommt 
sie aber nicht vor. 

GRIEPENKERL bezeichnet F. A. RoEMER als den Begründer der Art und meint daß die Spongie aus der 
Quadratenkreide von Ilsenburg, die RoemEr in den Spongitarien des Kreidegebirges auf Taf. XII unter 
Fig. 7 abbildet und auf Seite 23 beschreibt, eine unbedeutende Entwicklungsstufe der bei Glentorf massen- 
weise und in den verschiedensten Formen auftretenden Polyjerea-Art sei. 

Alter und Facies: Grünsand der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Glentorf (s. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 


Gattung Turonia MICHELIN 1846, emend. ZITTEL 1878, 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 6, 7.) 


Knollig, halbkugelig, umgekehrt kegelförmig mit abgestumpfter Spitze, kurzzylindrisch, kreisel- 
förmig, keulenförmig oder plattig. Basis runzelig oder konzentrisch-runzelig, mit warzenförmigen Höckern 
besetzt und mit Deckschicht überzogen. (Die Deckschicht kann aber auch den ganzen Schwammkörper 
überziehen.) Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten Ostien, von denen gerade Kanälchen in die Wandung 
eindringen. Das Innere des Schwammkörpers wird von einem System weiter, anastomosierender Kanäle 
durchzogen, die stellenweise die Wandung durchbrechen können. Das Stützskelett besteht aus ziemlich 
großen Tetraclonen mit glatten Clonen und wenig verzweigten Zygomen; die Deckschicht aus kleinen, 


unregelmäßig geformten, innig verfilzten Kieselkérperchen. Als Dermalia Dichotriaene. Microsclere 
unbekannt. Obere Kreide. 


Turonia variabilis MıcneLin. (Tafel XI, Fig. 1—3. — Tafel III, Fig. 8, 9.) 


1847. Turonia variabılıs Micu., Iconogr. zoophyt., S. 125, Taf. XXXV, Fig. 1—8. 
1850—56. Turonia variabılis Bronn., Lethaea, 3. Aufl., Taf. XXVIII, Fig. 8. 
1859. Turonia variabılis FROMENTEL, Introduct., Taf. IV, Fig. 1. 

1861. Turonia variabılıs et sulcata Court., Eponges fOSS:,, S. 25, “Lat Xa shies A. 
1878. Turonia variabilis Zirrer, Stud. II, 8. 86. 

1883. Turonia variabilis Hinpe, Catal., S. 76. 


Knollig, halbkugelig, umgekehrt kegelförmig, keulenförmig, plattig oder zylindrisch, mit ver- 
breiterter oder mit zapfenförmiger Basis. Trotz der unregelmäßigen und mannigfaltigen Körperform 
ist die Art an einer sehr bezeichnenden Verschiedenheit des Ober- und Unterteils (bezw. des Vorder- und 
Hinterteils) unschwer zu erkennen. Die konzentrisch gerunzelte und gewöhnlich mit zahlreichen höcker- 
oder warzenartigen Würzelchen besetzte Basis ist nämlich stets mit Deckschicht, die auch die Runzeln 


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und Höcker bedeckt, überzogen und hat darum eine glatte Oberfläche, während die Oberseite (bezw. 
der Vorderteil), frei von Deckschicht bleibt und entsprechend der sehr grobmaschigen Skelettstruktur 
an ungeätzten Exemplaren eine auffallend rauhe Oberfläche besitzt. Auf dem Scheitel erheben sich 
zitzenförmige Wülste oder fingerförmige und lappige, zuweilen durch tiefe Gruben getrennte Fortsätze, 
die an ihrer Basis ebenfalls mit Deckschicht überzogen sein können. Vom Scheitel dieser Fortsätze laufen 
kräftige Furchen herab. Die deckschichtfreien Teile sind mit dichtstehenden, mehrere mm weiten Ostien 
bedeckt, von denen gerade Kanälchen in die Wandung eindringen. Im Inneren des Schwammkörpers 
weite anastomosierende Kanäle, die stellenweise die Wandung durchbrechen und Verzweigungen des 
Paragasters darstellen. 

Turonia variabilis erscheint als große Seltenheit zuerst in den älteren Bänken der Quadraten- 
kreide mit kaum fingerlangen, oben und unten zapfenförmigen Individuen. In der Mucronatenkreide 
erreicht die Spezies in bezug auf Formenreichtum, Häufigkeit und Größe den Höhepunkt ‘ihrer Ent- 
wicklung. Die größten Exemplare werden hier über 15 em hoch und fast 30 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. h.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 50. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Turonia constricta v. Zırrer. (Tafel III, Fig. 5—7. — Texttafel IV, Fig. 6.) 
1878. Turonia constricta ZiTTEL, Stud. II, S. 86, Taf. IX, Fig. 2. 


Stumpf-kegelförmig, unregelmäßig birnförmig, knollig oder kurzzylindrisch. Im Inneren mit un- 
regelmäßigen Hohlräumen, die durch anastomosierende Verzweigungen des Paragasters entstehen. Basıs 
runzelig, mit mehreren warzen- oder zitzenförmigen, wurzelartigen Anhängseln. Gewöhnlich ist nur die 
Basis mit Deckschicht überzogen. Diese verhüllt aber auch wohl einen großen Teil der Außenseite, und 
kann selbst bis zum Scheitel hinaufreichen. Die deckschichtfreien Teile sind mit zahlreichen, unregel- 
mäßig zerstreuten, 0,2 mm bis 3 mm weiten Ostien bedeckt, von denen gerade Kanälchen in die Wandung 
eindringen. Dazu kommen noch vereinzelte große Wandlücken, die auf Durchbrüche des Paragasters 
zurückzuführen sind, und außerdem mehr oder weniger zahlreiche Kanalfurchen, die namentlich am Scheitel 
und an der Basis gut entwickelt sind. Turonia constricta wird 5—12 em hoch und 3—8 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 30. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Turonia induta v. Zirrer. (Tafel XV, Fig. 3. — Tafel XI, Fig. 4, 5.) 
1878. Turonia induta ZiıTTeL, Stud. II, S. 86. Taf. IX, Fig. 2. 


Halbkugelig, kreiselförmig, niedrig trichterförmig oder kurzzylindrisch; mit abgerundetem oder 
abgestutztem Scheitel, in dessen Mitte einige unregelmäßig geformte Öffnungen des mehrfach verzweigten 
Paragasters liegen. Außenseite (Unterseite) ganz mit Deckschicht überzogen, die gewöhnlich einige 


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konzentrische Wülste bildet. Basis mit kurzen, warzenförmigen Stielchen. Turonia induta ist die kleinste 
Spezies. In der Regel sind die Stücke nur nuß- bis kastaniengroß. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Ahlten. 
Anzahl der wnterswchten Stücke: ea. 45; 
Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Turonia cerebriformis nov. sp. (Tafel III, Fig. 10, 11. — Texttafel IV, Fig. 7.) 


Feigenförmig, knollig, kurzzylindrisch oder fingerförmig, kurzgestielt oder sitzend. Im Inneren 
des Schwammes weite, anastomosierende Kanäle, die Verzweigungen des Paragasters darstellen. Ober- _ 
fläche mit zahlreichen, unregelmäßig geformten, mehrere mm großen Wandlücken (Durchbrüchen des 
Paragasters). Auf den Wülsten zwischen den Lücken unregelmäßig zerstreute, 0,5—2 mm weite Ostien. 
Die Deckschicht überzieht zuweilen den ganzen Schwammkörper, ist aber gewöhnlich auf die Basis be- 
schränkt. 

Die Spezies steht Turonia constricta näher ‘als den anderen Arten. Sie unterscheidet sich von 
Turonia constricta hauptsächlich durch die vielfach durchbrochene Wandung. Ausgewachsene Individuen 
sind 2—5 cm lang, 2—3,5 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Öberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 9. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Calymmatina ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 1.) 


Durch basale oder seitliche Verwachsung stockförmig, oder einfach, mit tiefem Paragaster, gestielt 
oder sitzend. Die Einzelindividuen sind kreiselförmig, kurzzylindrisch oder knollig. Oberfläche mit kurzen 
Längs- und Querfurchen, in denen Ostien von einfachen Radialkanälen liegen. Das Stützskelett besteht 
aus ziemlich großen Tetraclonen mit glatten Clonen und wenig verzweigten Zygomen. Die Oberfläche 
ist mit einer glatten Deckschicht aus kleinen, innig verfilzten, unregelmäßig geformten Kieselkörperchen 
überzogen. Die Dermalia sind Dichotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Calymmatina rimosa Zırre. (Texttafel IV, Fig. 1.) 


1878. Calymmatina rimosa ZiTTeEL, Stud. II, S. 85, Taf. II, Fig. 2. — Taf. IX, Fig. 8. 

1883. Calymmatina rimosa Hinpe, Catal. S. 76. 

Zu dieser Art rechne ich mehrere gut erhaltene Kieselschwämme aus der Mucronatenkreide von 
Misburg, die zu den seltensten Vorkommnissen dieses Fundpunktes gehören. Aber mit einigem Bedenken. 
Denn sie passen zwar in der Zusammensetzung und Struktur des Skeletts und der Deckschicht gut zur 


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Gattung Calymmatina, und stimmen auch in der äußeren Form und in der Größe mit v. Zirrets Abbildung, 
die leider durch keine Beschreibung ergänzt wird, überein; sie besitzen aber keine einfache Zentralhöhle, 
sondern werden von einem Bündel röhrenförmiger Vertikalkanäle durchzogen, deren Mündungen bei dem 
einen Exemplar in einer seichten Scheitelvertiefung liegen, bei den übrigen aber unter der Deckschicht 
verborgen sind. Als Jereen möchte ich die Stücke nicht ansprechen, weil die Anordnung der Vertikal- 
kanäle zu unregelmäßig ist, (ganz abgesehen von der Körperform), und auch als Thecosiphonien nicht, 
weil in der Deckschicht Dichotriaene liegen. Meine Exemplare sind etwa fingerlang und von zylindrisch- 
knolliger Gestalt. Wo die glatte oder runzelige Deckschicht abgerieben oder nicht erhalten ist, zeigt die 
Oberfläche unregelmäßig verlaufende kurze Längs- und Querfurchen, in denen kleine Ostien liegen. Die 
Tetraclone und Dermalia sind gut erhalten. Ich möchte noch erwähnen, daß ich stockartige Schwamm- 
körper, die bei Calymmatina häufiger wie Einzelindividuen vorkommen sollen, nicht gefunden habe. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (sehr selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Jerea LAMOUROUX 1821, emend. ZITTEL 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 2.) 


Birnförmig, kugelig, umgekehrt flaschenförmig oder zylindrisch, mit seichtem oder tiefem Para- 
gaster, kurz- oder langgestielt. Oberfläche mit zahlreichen, unregelmäßig zerstreuten, kleinen Ostien, 
von denen gerade Kanälchen in den Schwammkörper eindringen. Auf der Paragasterwandung große 
runde Postiken von Kanälen, die in der Mitte des Schwammkörpers senkrecht, sonst aber bogenförmig 
und fast parallel zum äußeren Umfang verlaufen. Das Stützskelett ist verhältnismäßig weitmaschig 
und besteht aus großen Tetraclonen mit glatten Clonen und mehr oder weniger verzweigten Zygomen. 
Die Oberfläche ist stellenweise mit einer glatten Deckschicht überzogen, die aus kleinen, unregelmäßig 
geformten, innig verflochtenen Kieselkörperchen besteht. Die Dermalia sind große Dichotriaene. Micro- 
sclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Jerea Quenstedti Zırrer. (Tafel II, Fig. 1—4. — Texttafel IV, Fig. 2.) 


1833. Siphonia ficus GoLpruss, Petr. Germ. I, S. 221, Taf. LXV, Fig. 14. 

1864. Siphonia ficus RoEMER, Sp., S. 27. 

1878. ‚Siphonia ficus QUENSTEDT, Petr. V, S. 431, Taf. CXXXV, Fig. 20—23. 

1878. Jerea Quenstedti Zirrez, Stud. II, S. 81, Taf. II, Fig. 2. 

1883. ‚Siphonia ficus Hinpe, Catal., S. 65, Taf. XIII, Fig. 3. 

1883. Jerea Quenstedti Hınde, Catal., S. 71. 

1884. Siphonia ficus Poéra, Beitr. II, S. 34. 

1901. Pachycalymma subglobosa SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 9, Taf. I, Fig. 1; Taf. IV, Fig. 4. 


Feigen-, birn-, keulen- oder walzenförmig, mit tiefem Paragaster, langgestielt oder mit wurzelartig 
verzweigter Basis; gewöhnlich einfach, seltener aus mehreren seitlich verwachsenen Individuen zusammen- 
Palaeontographica. Suppl. V. 12 


gesetzt. Scheitel abgerundet, abgestutzt oder leicht zugespitzt. In der Mitte des Scheitels eine 1—2 cm 
weite Paragasteröffnung, von der kräftige Furchen ausstrahlen. Außenseite mit unregelmäßig über die 
Oberfläche zerstreuten, ca. 1 mm weiten, 1—3 mm voneinander entfernt liegenden Ostien, und häufig auch 
mit kurzen, kreuz und quer verlaufenden Furchen. Die runzelige Deckschicht ist gewöhnlich nur an der 
Basis oder gar nicht erhalten, kann aber auch einen mehr oder weniger großen Teil der ganzen Oberfläche 
überziehen. Das Paragaster reicht bis in die Nähe der Basis. Oberfläche des Paragasters mit runden 
oder ovalen, mehrere mm weiten Postiken. 

Jerea Quenstedtii ist am häufigsten im Scaphitenpläner. Hier sind mittelgroße Exemplare 15—20 cm 
lang und 4—10 cm dick. Die Stücke aus der Quadratenkreide sind durchschnittlich etwas kleiner. In 
der Mucronatenkreide werden die Individuen wieder größer aber auch seltener. 

Die Spezies kann leicht mit Siphonia tubulosa RoEM. sp. verwechselt werden. Nur nach der 
bloßen Körperform und dem Kanalsystem kann man weniger typische ungeätzte Exemplare der beiden 
Arten kaum unterscheiden. Darum ist in zweifelhaften Fällen die Untersuchung der Skelettstruktur 
niemals zu umgehen. Siphonia tubulosa kommt übrigens im Scaphitenpläner noch nicht vor und über- 
trifft im Senon auch ausgewachsene Individuen von Jerea Quenstedti beträchtlich an Größe. 

Die Spongien, die ich früher unter dem Namen Pachycalymma subglobosa beschrieben habe, halte 
ich jetzt, nachdem mir besseres Material zur Verfügung steht, für junge Individuen von Jerea Quenstedti 
mit ungewöhnlich gut erhaltener Deckschicht. 

Unter den Synonymen von Jerea Quenstedti habe ich auch Siphonia ficus GoLpr. aufgezählt, ob- 
gleich v. ZirTEL diese Spezies als Siphonia-Art anführt (aber ohne das Sternchen, das er beifügt, wenn ihm 
Originalstücke vorlagen). Siphonia ficus GoLDF. dürfte nämlich synonym mit Siphonia ficus QUENST. sein, 
denn die Originalstücke zu diesen beiden Arten stammen höchstwahrscheinlich aus demselben Horizont, 
und zwar aus dem Turon von Quedlinburg, und auch die Diagnosen stimmen überein. Siphonia ficus 
QuENSTEDT ist aber zweifellos synonym mit Jerea Quenstedti ZirtEL. Zirrez hat die beiden S. ficus für 
generisch verschieden gehalten, und für QuENSTEDTS Siphonia ficus einen neuen Namen gewählt. Da in 
der Tat eine Verschiedenheit nicht besteht, hätte eigentlich der GoLpruss’sche Name Priorität. Trotz- 
dem akzeptiere ich Zırreis Bezeichnung, weil die Angabe der Herkunft (Quadersandstein der Gegend von 
Quedlinburg) bei GoLpruss immerhin unbestimmt gehalten, und die Abbildung zu schematisch ist, um 
jeden Zweifel an der Identität der Arten auszuschließen. 

Nach Roemer (Kr. S. 4) soll Siphonia ficus GoLpr. auch am Sudmerberg vorkommen. RoEMERS 
Diagnose beweist aber, daß er eine andere Art gemeint hat. 

Die Spongienart, die GRIEPENKERL (Kreide von Königslutter S. 19) unter dem Namen Siphonia 
ficus GoLDF. aus der Quadratenkreide von Glentorf beschrieben hat, kann schon deshalb nicht zu Siphonia 
ficus GoLpr. (Jerea Quenstedti) gerechnet werden, weil das Paragaster nicht tief eingesenkt, sondern nur 
ebenso tief, oder nur wenig tiefer als weit ist. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Halberstadt (h.), Nettlingen (s.), Quedlinburg, Mis- 
burg (s. s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der-untersuchten Stucke: ca. 30. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


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Jerea gracilis nov. sp. (Tafel II, Fig. 5.) 


Die beiden mir vorliegenden Exemplare sind etwa fingerlang und ca. 2 cm dick. Äußere Form 
und Kanalsystem wie bei Jerea Quenstedti. Die Skelettstruktur ist aber dichter und die Ostien an der 
Außenseite sind kleiner. (Sie sind 0,3—0,5 mm groß und liegen 2—3 mm weit auseinander.) 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in der Sammlung des Verfassers. 


Gattung Siphonia PARKINSON 1822, emend. ZITTEL 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 10, 11.) 


Feigen-, birn- oder apfelförmig, mit abgerundetem, zugespitztem oder abgestutztem Scheitel und 
tiefem oder seichtem Paragaster, kurz- oder langgestielt. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, ver- 
schieden großen, runden Ostien, von denen gerade Kanälchen in die Wandung eindringen. Paragaster 
mit großen, zuweilen in Längs- und Querreihen geordneten Postiken von Kanälen, die in der Mitte des 
Schwammkörpers und bei jungen Individuen senkrecht gestellt sind, sonst aber bogenförmig und fast 
parallel zum äußeren Umfang verlaufen. Das Stützskelett ist sehr dicht und besteht aus kleinen Tetra- 
elonen mit glatten Clonen und mehr oder weniger verzweigten Zygomen. Die Dermalia sind kleine Dicho- 
triaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

Nach v. Zire soll die feinere Struktur des Skeletts bei Siphonia und Jerea völlig übereinstimmen. 
Der einzige Unterschied zwischen beiden Gattungen läge in dem Vorhandensein einer vertieften Zentral- 
höhle bei Siphonia. Das ist aber ein Irrtum. Gerade an den Skelettverschiedenheiten kann man selbst 
die Jugendformen, die bei den Siphonia-Arten mit sehr tiefem Paragaster paragasterlose Körper bilden, 
sicher unterscheiden, während der Tiefenunterschied des Paragasters bei den verschiedenen Arten ein 
und derselben Gattung erheblich schwankt. Siphonia-Arten stimmen mit Jerea-Arten, die unter gleicher 
geologischer Facies vorkommen, in der Tiefe des Paragasters mehr überein, wie innerhalb der Gattungs- 
grenzen die Arten, die aus verschiedenen Facies stammen. 

Das Skelett von Jerea ist weitmaschig und locker. An geätzten Exemplaren sieht man das 
schon mit unbewaffnetem Auge. Bei den Siphonia-Arten ist die Oberfläche aber so dicht, daß das 
Skelettgewebe geätzter Stücke zwischen den Ostien eine scheinbar homogene Masse bildet. Bei schwacher 
Lupenvergrößerung heben sich an Jereen die Tetraclone und die Polster, die durch die Vereinigung der 
Zygome entstehen, deutlich ab. Die Tetraclone der Siphonien verschmelzen an der Oberfläche zu einem 
sehr dichten Geflecht, an dem die Vereinigungsstellen der Zygome nicht besonders hervortreten. An 
ungeätzten Exemplaren von guter Erhaltung kündigt sich die Verschiedenheit der Skelettstruktur bei 
den Siphonia-Arten durch eine glatte, bei den Jereen durch eine rauhe Oberfläche an. 

Diese Angaben über die Skelettverschiedenheiten der beiden Gattungen gelten auch für das Ver- 
hältnis der Gattung Siphonia zu den Gattungen Phymatella, Aulaxinia, Callopegma, Turonia, Theco- 


siphonia etc. Trotzdem stelle ich Siphonia mit diesen Gattungen zu derselben Unterfamilie, weil die 
Skelettverschiedenheiten fast nur durch die geringere Größe der Tetraclone von Siphonia bedingt und die 
Dermalia bei allen Gattungen Dichotriaene sind. 


Siphonia incrassata GoLDFUuss. 
1833. Siphonia incrassata GoLpruss, Petr. Germ. T. I, S. 17, Taf. XXX, Fig. 5. 


1864. Jerea incrassata ROEMER, Sp., S. 32. 

1878. Siphonia incrassata ZiTTeL, Stud. II, S. 79. 

1883. Siphonia incrassata HınDe, Catal., S. 65. 

Die Artbeschreibung von Gorpruss lautet: „Die Siphonia weicht von allen übrigen durch ihre 
Ausdehnung in der Breite ab. Sie hat einen ganz kurzen Stiel und eine niedergedrückt kugelige Gestalt. 
Die obere Fläche ist verwittert und man erkennt daher die wurmstichigen Poren und Furchen nur an der 
unteren Seite und am Stiele. Verhärteter Mergel von Coesfeld.“ 

Zu dieser unbestimmten Diagnose kommt eine undefinierbare Abbildung. Darum kann man 
nicht feststellen, was für eine Spongienart GoLDFuss gemeint hat. Formen, auf die schließlich die Eigen- 
schaften, die GoLpruss angibt, zu beziehen wären, gibt es in allen Familien der lithistiden Silicea. 

SCHLÜTER, der ja die Spongienbänke der Umgebung von Coesfeld, aus denen Siphonia incrassota 
stammt, gründlich durchforscht hat, erwähnt die Spezies nicht. 

RoEMER wiederholt nur die GoLpruss’sche Diagnose in abgekürzter Form. 

ZitteL beschränkt sich darauf in der Liste der Siphonia-Arten auch Siphonia incrassata anzu- 
führen. 

Auch Hınpe nennt nur die Spezies, ohne sich über den Gattungs- und Artcharakter auszulassen. 

Der einzige Autor, der die GoLpruss’schen Angaben durch eine ausführliche Beschreibung und durch 
einige gute Abbildungen zu ergänzen bemüht war, ist GRIEPENKERL. Nur ist es gänzlich unsicher, ob die 
Spongie, die GRIEPENKERL für Siphonia incrassata GoLpruss hält, auch wirklich die GoLpruss’sche Art ist. 
Darum habe ich auch für GRIEPENKERLS Siphonia incrassata einen neuen Namen (S. Griepenkerli) 
gewählt. 

Siphonia Griepenkerli nov. sp. 

1840. Siphonia ficus RoEMER, Kr., S. 4 z. T. 

1878. Siphonia ficus QUENSTEDT, Petr. V,S. 412, Taf. CXX XIV, Fig. 22 (nicht S. 431, Taf. CXXXV, Fig. 20-23). 

1878. Siphonia ficus ZıtteL, Stud. II, S. 79, Taf. IX, Fig. 6 (Tetraclone). 

1883. Siphonia ficus Hinpe, Catal., S. 65 z. T. 

1888—89. Siphonia ficus GRIEPENKERL, Kr. v. Königslutter, S. 19. , 

1888—89. Siphonia incrassata GRIEPENKERL, Kr. v. Kônigslutter, S. 19, Taf. II, Fig. 5. 

Birn-, kreisel- oder keulenförmig, kugelig oder eiförmig, auch wohl zylindrisch, kurz gestielt; mit 
abgerundetem, abgestutztem oder leicht vertieftem Scheitel, in dessen Mitte eine 1—2 cm weite, rundliche 
Paragasteröffnung liegt. Das Paragaster ist napf- oder trichterférmig und ebenso tief wie weit. In 
seltenen Fällen erscheint es auch wohl gleichsam herausgestülpt, so daß an der Stelle der Vertiefung ein 
mit Postiken besetzter Höcker zu liegen kommt. Paragasterwandung mit dicht zusammenliegenden, un- 
regelmäßig oder in Längs-, seltener in Querreihen stehenden, 1—2 mm weiten Postiken. Vom Rande des 
Paragasters strahlen gewöhnlich mehr oder weniger deutlich entwickelte Furchen über den Scheitel bis 


Er HOD. Ve 


zur Außenseite aus. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1 mm weiten Ostien, die namentlich 
am Stiel mit anastomosierenden Furchen vergesellschaftert sind. Siphonia Griepenkerli wird 3—12 cm 
hoch und 5—7 em dick. 
Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. Grünsand der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (z. h.), Glentorf (h.). 


Siphonia tubulosa Roem. sp. (Tafel II, Fig. 6—8. — Texttafel IV, Fig. 11.) 


1840. Scyphia tubulosa RoEMER, Kr., S. 8, Taf. III, Fig. 10. 

1888—89. Siphonia ovalis GRIEPENKERL, Kr. v. Königslutter, S. 20, Taf. III, Fig. 3a, b. 

Zylindrisch, birn-, feigen- oder keulenférmig, mit tiefem, 1—3 cm weitem Paragaster, dickwandig, 
gestielt. Scheitel abgerundet, abgestutzt oder leicht zugespitzt, oft mit kräftigen Furchen, die vom Para- 
gasterrande ausstrahlen. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, verschieden großen (0,2—1,5 mm 
weiten) Ostien. Paragasterwandung mit gleich großen (1—2 mm weiten) runden oder ovalen Postiken, 
die um ihren Durchmesser oder auch noch weiter von einander entfernt liegen. Bei ganz jungen Individuen 
ist das Paragaster nicht eingesenkt, sondern die großen Postiken der Aporhysen münden auf dem ab- 
gestutzten Scheitel. Im nächsten Stadium bildet sich auf dem Scheitel eine seichte Mulde. Bei aus- 
gewachsenen Individuen, die bis 50 cm lang und über 25 cm dick werden können, reicht das Paragaster 
bis in die Nähe der Basis. Siphonia tubulosa kann leicht mit Jerea Quenstedti verwechselt werden. Wenn 
man von den erheblichen, aber an ungeätzten Exemplaren gar nicht erkennbaren Verschiedenheiten der 
Skelettstruktur absieht (ich habe sie bei der Gattungsbeschreibung angegeben), bleiben zwischen gewissen 
weniger typischen Exemplaren kaum noch Unterscheidungsmerkmale übrig. Die Abbildung bei RoEMER 
ist recht schematisiert und zeigt außerdem das Originalexemplar auf dem Kopfe stehend. Übrigens habe 
ich RoEMERS Original untersuchen können. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. Grünsand der 
Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. h.), Oberg (z. h.), Adenstedt, Glentorf (z. h.) 

Anzahl der untersuchten Stücke:.ca. 40. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Siphonia maliformis nov. sp. 


Apfelförmig oder halbkugelig, mit zugespitztem Scheitel, sehr dickwandig, mit tiefem und engem, 
röhrenförmigem Paragaster, gestielt. Der untere Teil der Spongie verjüngt sich nicht allmählich zum 
Stiel, wie bei Siphonia tubulosa Roem. sp., die in denselben Schichten wie Siphonia maliformis vorkommt, 
sondern der Schwammkörper ist an der Basis am dicksten und der Stiel durch eine unvermittelte starke 
Verengerung scharf abgesetzt. Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten, 1—2 mm weiten Ostien; zuweilen 
auch mit kräftigen Furchen, die namentlich am Scheitel und an der Basis gut entwickelt sind. Auf der 
Paragasterwandung runde oder ovale, ca. 3 mm weite Postiken, die ungefähr um ihren Durchmesser 
voneinander entfernt liegen. Mittelgroße Exemplare sind ohne Stiel ca. 10 cm hoch und an der Basis 
ca. 15 cm dick, während der Stiel schon 2 cm unter der Basis nur noch ca. 2 cm dick ist. 


san, VO re 


Die Spezies unterscheidet sich von ähnlich gestalteten Siphonia-Arten, z. B. von Siphonia Griepen- 
kerli, die übrigens in der Kalkfacies nicht vorkommt, schon durch ihr tiefes Paragaster. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 6. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Siphonia coronata GRIEPENKERL. 
1889. Siphonia coronata GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 19, Taf. I, Fig. 1—3. 


Kreiselförmig, kurzgestielt, mit einer mulden- oder trichterförmigen Scheitelvertiefung, an deren 
Grunde eine runde, scharfgerandete, 0,5—1 cm weite Paragasteröffnung liegt. Der 1—1,5 cm dicke 
Rand der Scheitelaushöhlung ist durch 4—8 rundliche Höcker, die sich zuweilen auch noch als dicke Rippen 
über die Außenseite der oberen Hälfte des Schwammes fortsetzen, wellig oder kronenartig gestaltet. Das 
Paragaster ist ebenso tief wie weit. Auf seiner Wandung undeutlich reihenförmig angeordnete, ca. 1 mm 
weite Postiken. Zuweilen ist das Paragaster nicht eingesenkt, sondern in eigentümlicher Weise vorgestülpt, 
so daß in der Mitte der Scheitelvertiefung ein mit Postiken versehener Höcker erscheint. Vom Rande 
des Paragasters nach dem Rande der Scheitelaushöhlung strahlen zahlreiche vergabelte und anastomo- 
sierende Furchen. Außenseite mit kreuz und quer verlaufenden kurzen Furchen und mit kleinen Ostien. 
Mittelgroße Exemplare sind 6—8 cm hoch und am vorderen Ende 5—8 cm dick. 

Alter und Facies: Grünsand der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Glentorf (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3 (GRIEPENKERLS Originale aus der Sammlung 
der techn. Hochschule in Braunschweig.) 


Siphonia micropora nov. sp. (Taf. II, Fig. 9, 10. — Texttafel IV, Fig. 10.) 


Regelmäßig oder unregelmäßig keulenförmig, gestielt oder sitzend. Scheitel abgerundet, mit 
zahlreichen 0,5—1 mm weiten, dicht zusammenliegenden Postiken, die bei jungen Individuen in einer 
seichten Vertiefung, bei älteren auf der Wandung eines trichterförmigen oder zylindrischen, 1,5—2 cm 
weiten und tiefen Paragasters liegen. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten feinen Ostien und stellen- 
weise mit kurzen geschlängelten Furchen. Ausgewachsene Individuen sind etwa fingerlang und mehrere 
em dick. Die Spezies unterscheidet sich von Jugendformen der Siphonia tubulosa, die bei Oberg mit ihr 
zusammen vorkommt, u. a. durch kleinere und weiter auseinander liegende Ostien an der Außenseite 
und namentlich durch viel zahlreichere und kleinere Postiken im Paragaster. Ich zähle an einem 4 cm 
langen und vorn ca. 2cm dicken Exemplar von Siphonia micropora ca.50 Postiken, bei einem gleichgroBen 
Exemplar von Siphonia tubulosa aber nur 10, die 5—6mal so groß wie die Postiken von S. micropora sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


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Subgenus Hallirhoa Lamx. 


Siphonien mit lappigen oder kantigen Langsrippen. 
Obere Kreide. 


Hallirhoa sexplicata Roem. sp. 

1864. Jerea sexplicata RoEMER, Sp., S. 33, Taf. XII, Fig. 4. 

1888—89. Siphonia sexplicata GRIEPENKERL, Kreide v. Königslutter, S. 20, Taf. III, Fig. 1—2. 

Birnförmig oder zylindrisch, mit mehreren in der Richtung der Längsaxe des Schwammkörpers 
verlaufenden, vom Scheitel bis zur Basis reichenden, abgerundeten oder kantigen Rippen, sitzend. Scheitel 
bei jungen Individuen abgestutzt, mit zahlreichen Ostien von Vertikalkanälen; bei älteren zu einem 
röhren- oder trichterförmigen Paragaster vertieft, dessen Wandung mit dichtstehenden, ca. 1 mm weiten 
Postiken besetzt ist. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1 mm weiten Ostien und bis 1 mm 
breiten Furchen, die namentlich am Scheitel und auf den Faltenrücken gut entwickelt sind. Mittelgroße 
Stücke sind ca. 10 cm lang und ca. 3,5 em dick. 

Alter und Facies: Grünsand der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ilsenburg, Glentorf. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2 (GRIEPENKERLS Originale aus der Sammlung 
der techn. Hochschule in Braunschweig.) 


Hallirhoa fusiformis nov. sp. 


Spindelförmig, mit mehreren vom Scheitel zum Stiel verlaufenden kantigen Rippen, langgestielt. 
Scheitel zugespitzt, mit mehreren, 2—4 mm weiten Postiken von Kanälen, die den Schwammkörper der 
Länge nach oder parallel zur Oberfläche durchziehen. Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1,5 mm 
weiten Ostien und außerdem zuweilen mit mehreren, 2—5 mm breiten, kräftigen Furchen oder Rinnen, 
die in der Richtung der Längsaxe des Schwammkörpers verlaufen und sich bei fortschreitendem Wachstum 
der Spongie zu den Vertikalkanälen umbilden, deren große Postiken am Scheitel liegen. Mittelgroße Exem- 
plare sind 15—20 cm lang und in der Mitte 7—10 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Trachysycon ZITTEL. 1878. 


Feigen- oder länglich eiförmig, mit tiefem Paragaster, auf dessen Wandung große Postiken von 
Radialkanälen liegen, gestielt. Außenseite mit konischen Warzen, von deren Gipfeln feine Furchen strahlen- 
förmig herablaufen. Der untere Teil des Schwammkörpers ist zuweilen mit Deckschicht überzogen. Das 

_Stützskelett besteht aus kleinen Tetraclonen mit glatten Clonen und wenig verzweigten Zygomen. Der- 
malia und Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Sl; == 


Trachysycon muricatum Roem. sp. 


1864. Plocoscyphia muricata Roemer, Sp., S. 28, Taf. X, Fig. 9. 

1878. Trachysycon muricatum Zirrex, Stud. IT, S. 76. 

Eiformig, feigenformig oder kugelig, mit ziemlich tiefem, 1—1,5cm weitem, röhrenförmigem Para- 
gaster, auf dessen Wandung größere Postiken liegen, sitzend oder kurz gestielt. Außenseite mit zahl- 
reichen, etwa um ihren Querdurchmesser von einander entfernt liegenden, bis 5 mm hohen und an der 
Basis 5—10 mm dieken Stacheln und konischen Warzen, von deren Gipfeln feine Furchen ausstrahlen. 
Größere Ostien sind nicht siehtbar. Zuweilen ist die Basis von einer runzeligen Kieselhaut überzogen, 
deren Struktur ich nicht feststellen konnte. Die Spezies kann etwa faustdick werden. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (z. 8.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 2. 


Unterfamilie Acrochordoninae nov. subfam. 


Tetracladinidae, deren Stützskelett aus unregelmäßigen Tetraclonen mit warzigen Clonen besteht. 
Als Dermalia Dichotriaene. 


Gattung Acrochordonia SCHRAMMEN. 1901. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 10.) 


Astig, mit abgerundeten, zugespitzten oder keulenförmig verdiekten Zweigen, knollig mit rund- 
lichen Höckern, oder ohrförmig mit lappigen oder fingerförmigen Fortsätzen. Oberfläche mit zerstreuten, 
kleinen Ostien und mehreren, in seichten Vertiefungen liegenden Postikengruppen, zu denen kräftige 
Kanäle hinführen können. Das Stützskelett ist sehr dicht und besteht aus großen Tetraclonen, deren Clone 
und Zygome stark mit Warzen besetzt sind. Die Dermalia sind Dichotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

Diese Gattung unterscheidet sich durch ihre überall stark mit Warzen besetzten Tetraclone recht 
deutlich von allen anderen Tetracladinen-Gattungen, deren Dermalia Dichotriaene sind. — (Sonst haben 
die Genera mit warzigen Tetraclonen in der Regel als Dermalia Phyllo-, Disco- etc. Triaene.) 


Acrochordonia ramosa ScuramMen. (Tafel IV, Fig. 5, 6. — Texttafel VI, Fig. 10.) 
1901. Acrochordonia ramosa ScHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 7, Taf. I, Fig. 8; Taf. V, Fig. 1. 


Astig, mit zugespitzten, abgerundeten oder keulenförmig verdickten Zweigen, oder knollig, mit 
fingerförmigen oder halbkugeligen Fortsätzen. Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten porenförmigen 
Ostien und außerdem mit einigen, in seichten, runden, ca. 1 em weiten Vertiefungen liegenden Postiken- 
gruppen, die aus zahlreichen, bis 1 mm weiten, dicht zusammenliegenden Postiken bestehen. Die Gruppen 
liegen gewöhnlich nicht an den Enden der Zweige, wie ich bei meiner ersten Beschreibung auf Grund 
des geringfügigen Materials, das ich damals besaß, annehmen mußte, sondern an der Innenseite. Mittelgroße 
Exemplare sind etwa kinderfaustgroß. Die Zweige sind 1,5—4 em dick. 


BEFRRAECGE 


NATURGESCHICHTE DER VORZEIT 


Herausgegeben 


yon 


E. KOKEN una J. F. POMPECKJ 


in Tübingen in Göttingen. 


ER Unter Mitwirkung von 


O. Jaekel, A. von Koenen, A. Rothpletz und G. Steinmann 
als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 


Supplement V. 
Zweite Lieferung. 


Inhalt: 


Schrammen, A., Die Kieselspongien der oberen Kreide von Nordwestdeutschland. I. Teil. Lieferung 2, 
(8. 97—175 mit Taf. XIII—XXIV.) 


" Stuttgart. 


4 E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. 
AN 1910. 
Ausgegeben im Oktober 1910. 


as RW, sche BEER Nägele & Dr. Sproesser in Stuttgart. 


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Prof. Dr. Charles Deperet: 


Die Umbildung der Tierwelt. 


Eine Einführung in die Entwicklungsgeschichte auf paläontologischer en 
Ins Deutsche übertragen von Rich. N. Wegner, Breslau. 
8° 330 Seiten. — Preis brosch. Mk. 2.80, geb. Mk. 3.30. 


. Die Übertragung dieses Werkes in das Deutsche ist mit Freude zu begrüßen. Sie 
macht auch weitere Kreise mit den Anschauungen bekannt, die ein als Forscher angesehener 
Paläontologe Frankreichs sich über Probleme gebildet hat, mit denen wir uns in Deutschland so 
intensiv beschäftigen. Die Kunst der Darstellung, die Art, wie das positive Material verwertet 
und so zurückhaltend verteilt ist, daß der Genuß am Lesen fast nie unterbrochen wird, erinnert 
zuweilen an die Form der Darwinschen Werke. Das Werk ist eine hervorragende Leistung, 
die wohl verdient, in Deutschland eingeführt zu werden.... 

E. Koken, Tübingen. (Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. 1909 Bd. II. 2.) 


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Anatomie der Wirbeltiere 


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Prof. Dr. W. Schimkewitsch, 


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Dr. H. N. Maier, München und B. W. Sukatschoff, Dorpat. 


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in 971 Einzeldarstellungen. 


Preis brosch. Mk. 18.—, geb. Mk. 19.50. 


Dieses nach dem Urteil hervorragender Zoologen nach Inhalt und Ausführung hochbedeutsame 
Werk wird sich auch für jeden Paläontologen als unentbehrlich erweisen. 


Ber Ce 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Acrochordonia auricula nov. sp. (Tafel IV, Fig. 7.) 


Ohrförmig, mit abgerundetem, durch lappige oder fingerförmige Fortsätze zackigem Rand, sitzend. 
Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten porenförmigen Ostien, und stellenweise mit kräftigen, sich 
kreuzenden Furchen. Innenseite mit mehreren Postikengruppen, die aus 0,5—0,8 mm weiten, bis 1 mm 
auseinander liegenden Postiken bestehen und in muldenförmigen Vertiefungen der marginalen Fortsätze 
liegen. Das Originalexemplar ist 10 cm hoch und 8 cm breit. Die Wandung ist 1,5—2 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Unterfamilie Discoderminae nov. subfam. 


Tetracladinidae deren Stützskelett aus großen Tetraclonen mit warzigen, seltener mit glatten Clonen 
besteht. Mit Phyllotriaenen und Discotriaenen als Dermalia. 


Gattung Discodermia BOCAGE. 1869. 
(Skelettabbildung Texttafel V, Fig. 4.) 


Knollig ohne Paragaster; zylindrisch, birn- oder eiförmig mit kurzem und engem, oder auch mit 
tiefem Paragaster; (die rezenten Arten sind nach DoEDERLEIN auch wurm-, strauch-, becher- oder röhren- 
förmig, halbkugelig und polsterförmig). Bei guter Erhaltung ist die Oberfläche mit einer glatten und 
dichten Deckschicht überzogen. An den deckschichtfreien Stellen Ostien und Postiken von verschiedener 
Größe und anastomosierende Furchen, in denen kleine Ostien liegen. Das Stützskelett besteht aus ziem- 
lich großen Tetraclonen mit glatten oder warzigen Clonen und mehr oder weniger verzweigten Zygomen. 
Die Dermalia sind Phyllo- oder Discotriaene. Als Microsclere, (die aber nur von den lebenden Arten be- 
kannt sind), Microxe und Microstrongyle. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


Discodermia antiqua Schraumen. (Tafel VIII, Fig. 1,2. — Tafel VII, Fig. 5—7. — Texttafel V, Fig. 4.) 
1901. Discodermia antiqua SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 5, Taf. I Fig. 2, 3, 4; Taf. IV, Fig. 3. 
É Knollig, mit rundlichen oder fingerförmigen Höckern, kolben- oder birnförmig, mit kurzem und 


engem Paragaster, sitzend oder kurzgestielt. Der Schwammkörper ist oft gänzlich oder zu einem großen 


Teil mit einer glatten und dieken Deckschicht überzogen, die aus sehr großen, lappigen Phyllotriaenen, 
Palaeontographica. Suppl. V. 13 


eu OR a Se 


und kleinen, unregelmäßig verästelten und plattig ausgebreiteten Kieselkörperchen besteht. An den 
deckschichtfreien Stellen ist die Oberfläche feinporös, oder, wenn die unmittelbar unter der Deck- 
schicht liegende Skelettlage fehlt, grobmaschig mit kurzen, kreuz und quer verlaufenden und anastomo- 
sierenden Furchen und unregelmäßig zerstreuten, 1,5—2 mm weiten Ostien. Das Paragaster ist 0,5 bis 
1,5 em weit und 1—4 cm tief. Bei kolben- oder birnförmigen Stücken liegt die Mündung in der Mitte des 
Scheitels. Bei den knolligen Formen ist ihre Lage unbestimmt. Das Paragaster kann aber auch fehlen. 
Die Paragasterwandung ist feinporös. Unter ihrer Oberfläche münden zahlreiche, 1,5—2 mm weite 
Kanäle, die strahlenförmig die ganze Wandung des Schwammkörpers durchziehen und dicht unter der 
Oberfläche der Außenseite beginnen. Große Stücke sind etwa faustdick. 

Ungeätzte und mit Deckschicht überzogene Exemplare können ziemlich leicht mit mittelgroßen 
Stücken von Pachinion scriptum RoEM. sp. verwechselt werden. Aber schon mit einer schwach ver- 
größernden Lupe sieht man in der Deckschicht von Discodermia ungewöhnlich große, stark zerschlitzte, 
lappige Phyllotriaene, während bei Pachinion Dichotriaene in Form zierlicher Sternchen zum Vor- 
schein kommen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg, Misburg (z. s.). 

Anzahl der wntersuchtien. SI wekerois, 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Discodermia colossea nov. sp. 


Unregelmäßig walzenförmig oder umgekehrt keulenförmig. Oberfläche an den deckschichtfreien 
Stellen mit kurzen, anastomosierenden Längs- und Querfurchen und unregelmäßig zerstreuten, 1—2 mm 
weiten Ostien. Die Deckschicht ist glatt oder runzelig und besteht aus großen, stark zerschlitzten Phyllo- 
triaenen. Das kleinere der beiden Exemplare, die ich gefunden habe, ist 20 cm lang und 5—10 em dick. 
Das größere ist fast 30 em lang, in der Nähe der Basis ca. 13 em, am vorderen Ende ca. 5 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.). 

Untersuchte Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Discodermia gleba nov. sp. (Tafel XV, Fig. 2.) 


Knollig, mit mehreren runden oder oyalen, 0,5—1,5 em weiten Paragasteröffnungen. An dem 
einzigen Exemplar, das ich besitze, ist die Oberfläche ganz mit einer dicken Deckschicht überzogen, die 
aus großen Phyllotriaenen besteht. Die inneren Teile des Schwammes sind in Eisenhydroxyd umgewandelt. 
Das Original ist kastaniengroß. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Texttafel V. 


Skelettelemente der Familie Tetracladinidae. 
(Sämtliche Figuren in 30 facher Vergrößerung.) 


7 
es (2 
iad 


A. Schrammen del, 


Erklärung zu Texttafel V. 


Familie Tetracladinidae. 
Colossolacis plicata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Isolierte Tetraclone. 
Rhoptrum scytaliforme ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Ein Tetraclon von 


oben, von unten und von der Seite gesehen. b) Tetraclone. 

Rhagadinia rimosa RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone mit warzigen 
Armen. b) Ein Tetraclon mit glatten Armen. c) Phyllotriaen aus der Deckschicht. 
Discodermia antiqua SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone mit glatten 
Armen. b) Ein Tetraclon mit warzigen Armen. c) Lappiges Phyllotriaen aus der Deckschicht. 


== A. 


. 


Gattung Rhagadinia ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel V, Fig. 3.) 


Ohrférmig, trichter- oder schüsselförmig, kurzgestielt oder sitzend. Oberseite mit anastomosieren- 
den Furchen, die entweder ganz unregelmäßig verlaufen und sich in verschiedenen Richtungen durch- 
kreuzen, oder von kleinen runden Postiken ausstrahlen, die auch in seichten Grübchen liegen können 
und undeutlich sternförmige Figuren bilden. Unterseite mit vergabelten und anastomosierenden Längs- 
furchen, in denen kleine, runde Ostien liegen. Das Stützskelett besteht aus ziemlich großen Tetraclonen 
mit glatten oder warzigen Armen und stark verästelten Zygomen. Die Dermalia sind lappige Phyllo- 
triaene, die in ein Netzwerk kleiner, unregelmäßig geformter und plattig ausgebreiteter Kieselkörperchen 
eingebettet sind. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

Die beiden von Hinpe beschriebenen Arten, Rhagadinia compressa) und Rhagadinia clavata?), 
die gleich der typischen Rhagadinia-Art, Rhagadinia rimosa als Dermalia Phyllotriaene haben, sind durch 
mit ringförmigen Wülsten an der Basis der Clone versehene Tetraclone von den Rhagadinia-Arten recht 
bestimmt unterschieden. Rhagadinia compressa Hınpe zähle ich zu meiner Gattung Cycloclema, Rhaga- 
dinia clavata zur Gattung Procaliapsis SCHRAMMEN. 


Rhagadinia rimosa Roem. sp. (Tafel VIII, Fig. 6, 7. — Tafel X, Fig. 5, 6. — Tafel VII, Fig. 4. — 
Texttafel V, Fig. 3.) 

1864. Cupulospongia rimosa Roemer, Spong., S. 51, Taf. XVII, Fig. 8. 

1878. Rhagadinia rimosa Zitrer, Stud. Il, S. 88, Taf. X, Fig. 4. 

1884. Rhagadinia rimosa Hrnpe, Catal., S. 82. 

1884. Rhagadinia rimosa Poéra, Beitr. II, S. 41, Taf. II, Fig. 14. 

Öhrförmig, seltener schüssel- oder becherförmig, mit abgerundetem, rissigem Rand, gestielt. Innen- 
seite, wenn die Deckschicht fehlt, mit zahlreichen, aus mehreren ca. 0,5 mm weiten Postiken bestehenden, 
unregelmäßig zerstreuten, etwa um ihren mehrere mm bis 0,5 em betragenden Durchmesser, oder etwas 
weiter voneinander entfernt liegenden Postikengruppen, von denen undeutlich sternförmig angeordnete 
kurze Furchen ausstrahlen, die mit den Furchen benachbarter Postikengruppen Anastomosen bilden. 
An rohen Stücken, auch wenn sie gut erhalten sind, kann man die Postikengruppen nicht erkennen und 
auch an Korrosionspräparaten sind sie nicht immer deutlich ausgeprägt, weil die Postiken ganz fehlen 
können. Dann bilden die Furchen allein ein scheinbar regelloses Gewirr. Außenseite mit strahlig vom Stiel 
nach dem Rand verlaufenden, vielfach vergabelten und verschmolzenen, durch 1—3 mm breite Skelett- 
brücken getrennten Furchen, in denen in Abständen von 2—5 mm kleine, bis 0,5 mm weite Ostien liegen. 
Während an der Oberseite oft die Postiken nicht entwickelt sind, können an der Unterseite die Furchen 
fehlen. Die Deckschicht, welche aus sehr großen lappigen Phyllotriaenen und kleinen, unregelmäßig ver- 
ästelten und plattig ausgebreiteten Kieselkörperchen besteht, ist in der Regel nicht erhalten, kann aber 
auch den ganzen Schwammkörper als glattes, dünnes Häutchen überziehen, wobei sie an der Innenseite 
des Schwammes, an den Stellen, wo unter der Deckschicht die mit Furchensystemen kombinierten Postiken- 


1) Catalogue S. 82, Taf. IXX, Fig. 3, 3a. 
*) 1. c. S. 84, Taf. IXX, Fig. 4a—c. 


mur 


— 401: — 


gruppen liegen, warzenförmige Erhebungen bildet. Mittelgroße Stücke sind etwa kinderhandgroß. Die 
Wandung ist 0,7—1,5 em dick. Die Exemplare aus der Mucronatenkreide sind im allgemeinen massiger 
wie die aus der Quadratenkreide. Sie haben auch gröbere Furchenkanäle auf beiden Seiten. 

Ich besitze ein kleines Exemplar aus der Mucronatenkreide von Misburg, an dessen Unterseite 
unregelmäßig zerstreut 10 napfförmige, ca. 0,5 cm weite, mehrere mm tiefe, z. T. mit Deckschicht tiber- 
zogene Grübchen liegen. Vielleicht sind die Grübchen, ähnlich den gallenförmigen Knollen an der Ober- 
fläche recenter Discodermiaarten auf die Einwirkung von Schmarotzern zurückzuführen. 

Nach Poéra soll Rhagadinia rimosa in Böhmen schon im Cenoman (Korytzaner Schichten von Kolin) 
vorkommen. Pocras Angaben stützen sich aber nur auf ein einziges Exemplar, dessen Skelett (nach der 
Abbildung beurteilt) zu schlecht erhalten ist, um eine einwandsfreie Bestimmung zu erlauben. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ahlten, Ilsenburg, Oberg (h.), Misburg (i.d. M. h.) 
Adenstedt. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 100. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Rhagadinia Doederleini nov. sp. (Tafel VII, Fig. 1—3.) 


Trichterformig oder ohrförmig, dickwandig, mit abgerundetem Rand, gestielt oder sitzend. Innen- 
seite mit unregelmäßig zerstreuten, zuweilen mit einer porösen Skelettschicht überzogenen, 1—1,5 cm von- 
einander entfernt liegenden, 3—5 mm weiten und tiefen, nach unten spitz zulaufenden Grübchen, in denen 
ca. 1 mm weite Postiken liegen. Vom Rande der Grübchen strahlen kräftige Furchen aus, die miteinander 
Anastomosen bilden. Außenseite mit grobporöser Oberfläche, unter der unregelmäßig zerstreute, ca. 1 mm 
weite Ostien liegen, von denen in schräger Richtung grobe Kanäle tief in die Wandung eindringen. Das 
größte meiner beiden Exemplare, ein regelmäßig trichterförmiges Stück, ist 3 cm hoch (ohne Stiel) und 
7,5 em breit. Die Wandung ist ca. 1,5 cm dick. 

Von Rhagadinia rimosa unterscheidet sich die Spezies durch ihre im Verhältnis zur Größe dickere 
Wandung, die grobporöse Unterseite und die trichterförmigen Postikengrübchen der Oberseite. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Amzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Placoscytus nov. nom. (Syn. Sollasella SCHRAMMEN. 1901.) 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 6.) 


5 Keulenförmig, umgekehrt flaschenförmig oder zylindrisch, einfach oder zusammengesetzt, gestielt. - 
Scheitel leicht vertieft, mit zahlreichen, runden Postiken von Kanälen, die den Schwammkörper der Länge 
nach durchziehen. Außenseite mit anastomosierenden Furchen, in denen kleine runde Ostien von ein- 
fachen Radialkanälen liegen, und unregelmäßig zerstreuten Ostien. Das Stützskelett besteht aus sehr 


— 102 — 


kleinen Tetraclonen mit glatten oder warzigen Clonen und ziemlich stark verzweigten Zygomen. Die 
Dermalia sind gezähnelte Discotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

In meiner ersten Beschreibung hatte ich diese Gattung Sollasella genannt, ohne zu wissen, daB 
der Name bereits an einen lebenden Schwamm (Sollasella v. LENDENFELD) vergeben war. 


Placoscytus jereaeformis ScHRAMMEN. (Tafel XV, Fig. 4. — Tafel VIII, Fig. 8. — Texttafel VI, Fig. 6.) 
1901. Sollasella jereaeformis SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., 8. 6, Taf. II, Fig. 4; Taf. IV, Fig. 6. 


Keulenförmig, zylindrisch oder flaschenförmig, mit abgestutztem oder leicht vertieftem Scheitel, 
auf dem zahlreiche, 0,5—1 mm weite Postiken liegen. Außenseite mit geschlängelten, 0,5—1 mm breiten 
Furchen, die im allgemeinen in der Längsrichtung des Schwammes verlaufen. In den Furchen und un- 
regelmäßig über die Oberfläche zerstreut liegen winzige Ostien. Die Dermalia sind Kieselplättchen mit 
scharfem oder sägenartig gezähneltem Rande. An der eigentümlichen, bei keiner anderen fossilen !) 
Spongienart vorkommenden Form dieser Kieselplättchen, die allerdings nur selten erhalten und auch 
recht schwer aufzufinden sind, ist die Spezies sicher zu erkennen. 

Placoscytus jereaeformis gehört zu den kleineren Spongienarten, denn selbst große Exemplare 
werden kaum fingerlang und -dick. 

Vielleicht gehört hierher auch ein Schwamm von eigentümlicher Gestalt (Taf. XV Fig. 4), den ich 
in der Quadratenkreide von Misburg gefunden habe. Es ist ein mit einem 2,5 em langen, 1 em dicken 
Stiel versehener kugeliger Knollen, von dessen Scheitel 4 zylindrische, 1 cm dicke, 1,5—1,8 cm lange, am 
Scheitel schwach verbreiterte Stämmchen entspringen. Die Scheitel der beiden am besten erhaltenen 
Stämmchen sind abgestutzt, und mit runden, 0,8—-1 mm weiten Postiken bedeckt. Leider ist die Ober- 
fläche der Außenseite nicht gut erhalten. Auch fehlen die Dermalia. Die Tetraclone stimmen aber mit 
den Tetraclonen von Placoscytus jereaeformis überein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (8. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Eustrobilus nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel IV, Fig. 12.) 


Kreiselförmig oder zylindrisch, diekwandig, mit abgestutztem Scheitel und engem und tiefem Para- 
gaster, kurz gestielt. Außenseite mit unregelmäßig über die Oberfläche zerstreuten, ziemlich großen Ostien 
von vergabelten Radialkanälen, die tief in die Wandung eindringen, und von einem zweiten System von 
Kanälen, die von kleinen Postiken der Paragasterwandung ausgehen, gekreuzt werden. Am Scheitel 
sind beide Kanalsysteme als grobe, vom Scheitel nach der Paragasterwandung bezw. umgekehrt verlau- 


1) Dagegen hat eine lebende Spezies, Corallistes callipelta SoLuas, ganz ähnliche Dermalia. 


— 103 — 


fende Furchen sichtbar. Das Stützskelett besteht aus ziemlich groBen warzigen Tetraclonen. Als Dermalia 
lappige Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 
Obere Kreide. 


Eustrobilus callosus nov. sp. (Tafel XXIII, Fig. 6. — Tafel XV, Fig. 1. — Tafel VIII, Fig. 3, 4. — 
Texttafel IV, Fig. 12.) 


_ Kreisel- oder walzenförmig, mit abgestutztem, seltener leicht zugespitztem Scheitel, kurz gestielt. 
Das Paragaster ist tief und ziemlich eng. An seiner Oberfläche liegen in undeutlichen Reihen zahlreiche, 
ca. 1 mm weite und um ihren Durchmesser voneinander entfernte Postiken. Außenseite mit unregel- 
mäßig zerstreuten, ca. 1 mm weiten, mehrere mm voneinander entfernt liegenden Ostien, von denen 
gerade Kanäle tief in das Innere der Wandung eindringen. Sie kreuzen sich dort mit gleichweiten Kanälen, 
die von den Postiken auf der Paragasterwandung ausgehen. Auf dem Scheitel erscheinen beide Systeme 
als kräftige, von der Mitte nach dem Rande ausstrahlende, anastomosierende Furchen. Die Deckschicht, 
die gewöhnlich nicht erhalten ist, besteht aus Phyllotriaenen. Die Spezies wird 5—12 cm hoch und 4—5 cm 
dick. Das Paragaster ist 1—1,5 cm weit. 

Ungeätzte Exemplare von Eustrobilus callosus haben in Körperform und Kanalsystem eine so große 
Ähnlichkeit mit kleineren Exemplaren der Rhizomorine Scytalia terebrata Puis. sp., daß in Zweifelsfällen 
nur die Untersuchung der Skelettbeschaffenheit vor Verwechslungen schützen kann. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (s. s.). 

Auzahl-der untersuchten, Stücke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Colossolacis nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel V, Fig. 1.) 


Undeutlich sternförmig gefaltet; die Falten gehen fast bis zur Mitte des Schwammkörpers, und 
bestehen aus unregelmäßig gebogenen und wiederholt gefalteten und übereinander geschobenen Lappen. 
Basis mit wurzelartigen Anhängseln. An der Oberfläche unregelmäßig verteilte Ostien und Postiken 
von verschiedener Größe. Das Stützskelett besteht aus großen Tetraclonen mit glatten Clonen und ziemlich 
stark verzweigten Zygomen. Die Dermalia sind lappige Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Colossolacis plicata nov. sp. — (Tafel IX, Fig. 1,2. — Tafel VIII, Fig. 5. — Texttafel V, Fig. 1.) 


Der an der Basis mit mehreren, 2—4 cm langen und ca. 1,5 cm dieken Wurzeln versehene, unge- 

_ wöhnlich große Schwammkörper (er kann eine Fläche von 0,4 qm bedecken), besteht aus zahlreichen, 
ca. 1,5 em dicken Lappen, die an dem einzigen vollständigen Exemplar, das ich aufgefunden habe, in einer 
gewissen gesetzmäßigen Weise angeordnet sind. Dadurch, daß sich die Wandung nämlich in ähnlicher 
Weise wie bei den Guettardien undeutlich sternförmig faltet, entstehen zunächst vier große Primärfalten. 


— 104 — 


Jede von diesen faltet sich, indem sich lappige Ausstülpungen bilden, wieder mehrfach weiter, wobei die 
Sekundärfalten in verschiedener Weise mit ihren inneren Oberflächen oder mit benachbarten Lappen 
verwachsen können. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 1—2 mm weiten, etwa um ihren Durch- 
messer von einander entfernt liegenden Ostien. Die Postiken an der Innenseite liegen weiter auseinander 
und differieren mehr in der Größe, indem ihre Weite zwischen 1-5 mm schwankt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Rhoptrum nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel V, Fig. 2.) 


Keulen-, birn-, walzenförmig oder zylindrisch, mit abgerundetem Scheitel und tiefem Paragaster, 
kurzgestielt oder sitzend. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten kleinen Ostien. Paragasteroberfläche 
mit großen ovalen Postiken, von denen kurze gerade Kanäle sehr schräg von unten nach oben in die 
Wandung eindringen. Das Stützskelett besteht aus ziemlich unregelmäßig geformten großen Tetraclonen 
mit warzigen Clonen und Zygomen. Die Dermalia sind zackige oder lappige Phyllotriaene. Microsclere 
unbekannt. Obere Kreide. 


Rhoptrum scytaliforme nov. sp. (Tafel V, Fig. 5—7. — Texttafel V, Fig. 2.) 


Walzen- keulen- oder birnförmig, mit abgerundetem Scheitel und tiefem Paragaster, kurz gestielt. 
Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, nadelstichartigen Ostien, die ca. 0,3 mm weit und 1—2 mm von- 
einander entfernt sind. Auf der Paragasterwandung liegen in größeren Zwischenräumen 1—2 mm weite, 
ovale Postiken, von denen schräge Kanäle von unten nach oben in die Wandung eindringen. Die Dermalia, 
von denen ich sichere Spuren erst nach langem Suchen auffand, sind Phyllotriaene mit lappigen oder 
zackigen Zinken. Mittelgroße Exemplare von Rh. scytaliforme werden ca. 4 cm lang (mit Stiel) und ca. 2 cm 
dick (am vorderen Ende). Weite des Paragasters 0,5—1 cm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Unterfamilie Phymaraphininae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit Tetraclonen, deren Arme eine ring- oder kragenförmige Anschwellung besitzen. 
Mit Phyllotriaenen oder Discotriaenen als Dermalia. 


Gattung Phymaraphinia SCHRAMMEN. 1901. 


Trichter-, ohr-, blatt- oder schüsselförmig, gestielt. Beide Seiten mit kleinen Ostien bezw.Postiken, 
die an der Unterseite häufig reihenförmig in feinen, vom Stiel nach dem Rand ausstrahlenden Furchen 


=) 7105, -— 


liegen. Das Stützskelett besteht aus großen Tetraclonen, deren Clone in der Nähe der Vereinigungsstelle 
eine ringförmige Anschwellung besitzen. Die Dermalia sind lappige Phyllotriaene. Microsclere un- 
bekannt. Obere Kreide. 


Phymaraphinia infundibuliformis Schrammen. (Tafel V, Fig. 1, 2.) 
1901. Phymaraphinia infundibuliformis SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 9, Taf. I, Fig. 6, Fig. 7. 


Trichter-, schüssel- oder ohrförmig, mit abgerundetem Rande, gestielt. Außenseite mit dicht 
zusammenliegenden rundlichen Ostien, die unregelmäßig angeordnet sind, oder in feinen Furchen liegen, 
welche in der Regel vom Stiel nach dem Rande verlaufen und namentlich an den basalen Teilen gut ent- 
wickelt sind, (wo sie dem Schwamme eine recht charakteristische Längsstreifung geben). Von der Deck- 
schicht sind gewöhnlich nur einige Fetzen an der Außen- oder Innenseite erhalten. Sie besteht aus zackigen 
Phyllotriaenen. In der Quadratenkreide sind ausgewachsene Exemplare mit 0,5 cm dicker Wandung 
ca. 8 cm hoch und am vorderen Ende 6—8 cm breit. In der Mucronatenkreide kommen Exemplare vor, 
deren Querdurchmesser 30 cm bei einer Wanddicke von 3 cm beträgt. Bei solchen großen Stücken sind 
die Ostien an der Außen- und Innenseite ungefähr 1 mm weit, während sie bei den Exemplaren aus den 
älteren Schichten nur 0,2—0,3 mm weit sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 12. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Cycloclema nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 5.) 


Trichter-, pilz- oder ohrförmig, gestielt. Innenseite mit großen, unregelmäßig zerstreuten Postiken 
von Kanälen, die auf der Oberfläche als Furchen beginnen und in sehr schräger Richtung, fast parallel 
zur Oberfläche, von unten nach oben in den Schwammkörper eindringen. Außenseite mit großen, un- 
deutlich alternierenden, weit auseinander liegenden runden oder ovalen Ostien. Auf den Skelettbrücken 
zwischen den größeren liegen hier und da kleinere Ostien. Das Stützskelett ist ziemlich weitmaschig, 
und besteht aus großen Tetraclonen, deren Clone an der Basis eine ringförmige Anschwellung besitzen. 
Die Dermalia sind Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Cycloclema compressa Hınpe sp. (Tafel V, Fig. 3, 4. — Texttafel VI, Fig. 5.) 
1883. Rhagadinia compressa Hinpe, Catal., S. 82, Taf. IXX, Fig. 3, 3a. 


Trichterförmig, pilz- oder ohrförmig, mit abgestutztem Rande, ziemlich dickwandig, gestielt. 
Außenseite mit undeutlich alternierenden, 1—1,5 mm weiten, runden oder spaltförmigen Ostien, die 
3—5 mm voneinander entfernt liegen. Zwischen diesen großen liegen unregelmäßig zerstreut zahlreiche 


kleine Kanalmündungen. Innenseite ähnlich wie Außenseite. Die Postiken sind aber etwas kleiner 
Palaeontographica. Suppl. V. 14 


— 107 — 


Erklärung zu Texttafel VI. 


Familie Tetracladinidae. 
Fig. 1. Procaliapsis clavata HinDE sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Dermalia 
(Phyllotriaene). 
. Procaliapsis cretacea SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Der- 
malia (Phyllotriaene). 


m 


Fig. 


Fig. 3. Pholidocladia dichotoma Hinpe aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Der- 
malia (Discotriaene). c) Unregelmäßige Kieselkörperchen aus der Deckschicht. 

Fig. 4. Lopadophorus lacunosus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Tetraclone. 

Fig. 5. Cycloclema compressa HınDE sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Ein 
Phyllotriaen aus der Deckschicht. 

Fig. 6. Placoscytus jereaeformis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Dermalia. 

Fig. 

Fig. 8. Dactylotus micropelta SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Junge 
Tetraclone. 


. Chenendopora fungiformis Lamouroux aus der Mucronatenkreide von Misburg. Tetraclone. 


ors 


Fig. 9. Astrocladia subramosa RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Tetraclone. 

Fig. 10. Acrochordonia ramosa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Tetraclone. b) Der- 
malia (Dichotriaene). 

Fig. 11. Plinthosella squamosa v. ZiTTEL aus der Quadratenkreide von Misburg. a) Tetraclone. b) Kiesel- 
scheibchen von der Oberfläche. 


und liegen auch dichter beisammen, und zwar gewöhnlich am Anfang kurzer Furchen (den Enden der 
Aporhysen). 

Die von Hınnde erwähnte Reduzierung eines Clons auf eine knotige Anschwellung habe ich ebenfalls 
beobachtet. Diese Erscheinung kommt übrigens bei allen Gattungen mit ringtragenden Tetraclonen 
vor. Die Dermalia habe ich nicht auffinden können. Nach Hınpe sind es Phyllotriaene. 

Mittelgroße Exemplare sind ca. 10 cm hoch und breit, mit 0,8—1,2 cm dicker Wandung. Die in 
den älteren Bänken der Quadratenkreide vorkommenden Stücke sind am dünnwandigsten und erinnern 
durch die Körperform in Verbindung mit den ovalen, undeutlich alternierenden Ostien der Außenseite 
so lebhaft an die von Quensrepr unterschiedene regenschirmförmige Varietät von Ventriculites radiatus 
Mant. sp., daß sogar Verwechslungen denkbar waren. 

Zu Rhagadinia kann die Spezies nicht gezogen werden, wie es HINDE getan hat, weil die Arme der 
Tetraclone in der Nähe des Zentrums ringförmige Wülste besitzen, was bei den Rhagadinia-Tetraclonen 
niemals vorkommt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 8. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


— AS == 


Gattung Pholidocladia HINDE. 1883. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 3.) 


Zylindrisch-ästig. An den Enden der Zweige kleine Postiken von Kanälen, welche die Aste der Länge 
nach durchziehen. Außenseite ohne sichtbare Ostien, zuweilen ganz mit Deckschicht überzogen. Das 
Stützskelett besteht aus kleinen, warzigen Tetraclonen, deren Clone an der Basis eine ringförmige Anschwel- 
lung besitzen. Die Dermalia sind zackige Discotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Pholidocladia dichotoma Hinpe. (Tafel IV, Fig. 2. — Texttafel VI, Fig. 3.) 
1883. Pholidocladia dichotoma HınvDe, Catal., S. 81, Taf. XX, Fig. 5, 5a, 5b. 


Zylindrisch-ästig, mit 5—8 mm dicken, und an den Enden abgerundeten oder zugespitzten, seltener 
fächerartig verbreiterten Zweigen. Die Oberfläche ist entweder mit Deckschicht überzogen und glatt, 
oder, wenn die Deckschicht fehlt, sehr feinporös. Größere Ostien fehlen. Die Zweige können der Länge 
nach von einigen nur Bruchteile eines mm weiten Kanälen durchzogen werden, deren Mündungen an den 
Zweigenden liegen. Mein größtes Exemplar ist 7 cm lang. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner; Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Procaliapsis SCHRAMMEN. 1901. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 1, 2.) 


Keulenförmig, zylindrisch, walzenförmig oder diekwandig-trichterförmig, gestielt oder sitzend. 
Scheitel abgerundet, abgestutzt oder vertieft, mit zahlreichen großen Postiken von Kanälen, die den 
Schwammkörper der Länge nach durchziehen. Die Außenseite ist stellenweise mit einer glatten Kieselhaut 
überzogen. An den deckschichtfreien Stellen zerstreute kleine Ostien, von denen gerade Kanäle schräg 
von unten nach oben in die Wandung eindringen. Das Stützskelett ist dicht und besteht aus kleinen 
Tetraclonen, deren Clone kugelig aufgebläht sind, oder an der Basis eine ringförmige Anschwellung besitzen. 
Die Dermalia sind zackige Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Procaliapsis clavata Hinpe sp. (Tafel VIII, Fig. 9—12. — Texttafel VI, Fig. 1.) 


1883. Rhagadinia clavata HınDe, Catal., S. 84, Taf. XIX, Fig. 4, 4a, 4b, Ac. 

1901. Procaliapsis cylindrica SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 8, Taf. I, Fig. 5; Taf. IV, Fig. 1. 

Keulenförmig, mit abgestutztem (bei jungen Individuen abgerundetem) Scheitel, gestielt. Aus- 
gewachsene Stücke sind etwa fingerlang und am vorderen Ende 1,5—2 cm dick. Die Skelettstruktur ist 
ungewöhnlich dicht. Ostien fehlen entweder gänzlich, oder sie sind auf die Oberfläche der vorderen Hälfte 
des Schwammes beschränkt. Sie sind sehr klein und liegen weit auseinander. Recht charakteristisch 


— 109 — 


ist eine feine Langsstreifung, die durch zahlreiche, von der Basis zum Scheitel ziehende, leicht gekriimmte 
Kanälchen verursacht wird. Deckschicht ist in der Regel gar nicht oder nur stellenweise als papierdünnes 
glattes Häutchen erhalten. Im Scheitel liegen zahlreiche bis 1 mm weite Postiken von Vertikalkanälen. 

Hinpe stellt diese Spezies zu Rhagadinia, worin ich ihm mit Rücksicht auf die in der Nähe des 
Zentrums mit kragenartigen Wülsten versehenen Tetraclone, die dergestalt bei den Rhagadinia-Arten 
niemals vorkommen, nicht folgen kann. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 12. 

Die Belegstücke zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Procaliapsis cretacea Schrammen. (Texttafel VI, Fig. 2.) 
1901. Procaliapsis cretacea SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., 8. 8. 


Trichter- oder napfförmig, dickwandig, gestielt. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, 2—3 mm 
voneinander entfernt liegenden, 0,5—1 mm weiten Ostien. Paragaster mit ebensogroßen Postiken, die aber 
in den mittleren Teilen des Paragasters nur um ihren Durchmesser von einander entfernt sind. Ein im 
RoEMER-Museum zu Hildesheim liegendes, zusammengedrückt-trichterförmiges Exemplar aus der Quad- 
ratenkreide von Misburg ist 13cm hoch, an den Breitseiten des Vorderteils 10cm, an den Schmalseiten 4 cm 
dick und hat eine 1,5—2 cm dicke Wandung. Das hier abgebildete Stück ist 3em hoch und vorn ebenso dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Lopadophorus nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 4.) 


Knollig, kreisel- oder kronenförmig, halbkugelig, trichter- oder napfförmig, sitzend. Scheitel 
abgestutzt, leicht vertieft oder mit einer tiefen Einsenkung; mit großen, ziemlich dicht aneinander liegen- 
den Postiken. Scheitelrand und Außenseite mit mehreren, oder auch mit zahlreichen, napfförmigen 
oder grubigen Eindrücken und mit kleinen, unregelmäßig zerstreuten Ostien. Das Stützskelett besteht 
aus kleinen Tetraclonen, deren Clone an der Basis eine ringförmige Anschwellung besitzen. Die Dermalia 
sind zackige Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Lopadophorus Janus Roem. sp. (Tafel X, Fig. 3.) 
TA 1864. Oculispongia Janus Roemer, Sp., S. 48, Taf. XVI, Fig. 12. 


Knollig oder kreiselférmig, mit scheibenartig verbreiterter oder abgestumpfter Basis. Scheitel 
flach oder leicht vertieft, mit zahlreichen, unregelmäßig zerstreuten, 0,5—1 mm weiten Postiken, die etwa 


— 110 — 


um ihren Durchmesser oder noch etwas weiter voneinander entfernt liegen. Außenseite mit mehreren, 
bei großen Individuen mit zahlreichen (15—25), scharfrandigen, rundlichen, seltener länglichen, 0,5—1 em 
weiten und ungefähr ebenso tiefen Gruben. Auf den Wülsten zwischen den Gruben schlängeln sich feine, 
vergabelte und anastomosierende Furchen, wie sie ähnlich auch von dem im Scheitel gelegenen Postiken- 
felde ausstrahlen. Am häufigsten sind kastaniengroße Individuen. Das abgebildete Prachtexemplar 
der Göttinger Universitätssammlung ist das größte mir bekannte Stück. 

Lopadophorus Janus ist leicht mit Astrobolia impressa RoEM. sp. zu verwechseln. Diese Spezies 
unterscheidet sich aber, wenn auch die Ähnlichkeit in der äußeren Form ganz überraschend groß ist, von 
der anderen Art durch Porenfelder, die in den grubigen Eindrücken liegen, und sie hat auch keine größeren 
Postiken im Scheitel. (Übrigens ist Astrobolia eine Rhizomorine.) 

Alter und Fazies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Das Original zur Abbildung liegt in der palaeontologischen Sammlung der Göttinger Universität. 


Lopadophorus Griepenkerli nov. nom. (Tafel X, Fig. 1, 2.) 
1888—89. Coelocorypha Janus GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 17. 


Kronenförmig oder unregelmäßig kreiselförmig, sitzend mit breiter, abgestumpfter Basis. Scheitel 
in der Mitte leicht vertieft, mit einem Felde dieht nebeneinander liegender, ca. 1 mm weiter Postiken. 
Um das Postikenfeld in der Scheitelmitte herum und auf dem Scheitelrand, auch wohl noch an der oberen 
Hälfte der Außenseite, liegen zahlreiche, 1—2 cm weite und tiefe, scharfrandige, runde Gruben. Außenseite 
mit unregelmäßig zerstreuten, 1—2 mm voneinander entfernt liegenden, 0,2—0,4 mm weiten Ostien. 
Ein mittelgroßes Exemplar ist ca. 5 cm hoch, und am Scheitelteil 5,5—6 em dick. 

GRIEPENKERL identifizierte die Spezies mit Lopadophorus (Oculispongia) Janus RoEM. sp. vom 
Sudmerberg, (welche Art er irrtümlich für eine Rhizomorine aus der Gattung Coelocorypha hielt). Lopa- 
dophorus Janus und Lopadophorus Griepenkerli unterscheiden sich aber recht deutlich durch die Körper- 
form und die Größe der im Scheitel und an der Außenseite gelegenen Postiken bezw. Ostien. 

Alter und Facies: Grünsand der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Glentorf (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Lopadophorus lacunosus nov. sp. (Tafel X, Fig. 4. — Texttafel VI, Fig. 4.) 


Napfförmig, mit abgestutztem Rande und 1—1,5 em dieker Wandung, sitzend. Außen- und Innen- 
seite mit unregelmäßig zerstreuten Ostien bezw. Postiken von verschiedener Größe. Auf dem Rande zahl- 
reiche geschlängelte Furchen und außerdem mehrere 5—8 mm weite, scharfrandige, rundliche Öffnungen 
von zylindrischen Hohlräumen, die fast bis zur Basis des Schwammes reichen und den napfförmigen 
Grübchen der anderen Arten entsprechen. Auf den Wandungen der zylindrischen Höhlungen münden 
Postiken, die in Anordnung und Größe ungefähr mit den Ostien im Paragaster übereinstimmen. Das 
einzige Exemplar meiner Sammlung ist ca. 4,5 em hoch und am vorderen Ende ungefähr ebenso dick. 


— 11 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 


Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Unterfamilie Astrocladinae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit sehr kleinen, glattarmigen Tetraclonen. Wenn tetraxone Dermalia von regu- 
lärem Typus vorhanden sind, sind es Phyllotriaene. 


Gattung Astrocladia ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 9.) 


Zylindrisch-ästig, sitzend. Oberfläche mit sehr feinen, ziemlich dicht zusammenliegenden Ostien, 
und außerdem mit zerstreuten sternförmigen Postikengruppen. Das Stützskelett besteht aus sehr kleinen 
Tetraclonen mit glatten Clonen und stark verzweigten dornigen Zygomen. Bei guter Erhaltung ist der 
Schwammkörper von einer dichten Deckschicht überzogen, die aus sehr kleinen, innig verfilzten, rhizoclon- 
ähnlichen Kieselkörperchen besteht. Tetraxone Dermalia von regulärem Typus scheinen zu fehlen. Micro- 
selere unbekannt. 

‚Obere Kreide. 


Astrocladia subramosa Roem. sp. (Tafel VI, Fig. 4, 5. — Texttafel VI, Fig. 9,) 


1864. Astrospongia subramosa ROEMER, Sp., S. 54, Taf. XIX, Fig. 3. 

1878. Asterocladia subramosa ZiTTEL, Stud. II, S. 84. 

1888—89. Astrocladia subramosa GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 21. 

Zylindrisch-ästig, mit leicht zugespitzten und abgerundeten Zweigenden, sitzend. Man findet 
gewöhnlich nur kleine Bruchstücke etwa von der Größe des von Roemer abgebildeten Fragments. 
Oberfläche an den deckschichtfreien Stellen, zu denen in der Regel der größere Teil gehört, mit unregel- 
mäßig zerstreuten, nadelstichartigen Ostien und außerdem mit sternförmig angeordneten Postikenhaufen 
bezw. Furchengruppen, die einen Durchmesser von 3—5 mm haben und 0,5—1,5 cm voneinander entfernt 
liegen. Die Zweige sind 1—2 cm dick und bis 25 em lang. 

Alter und Facies: Kalkmergel und Grünsand der Quadratenkreide. Kalkmergel der 
Mucronatenkreide. 


T Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg, Misburg, Oberg, Glentorf. 
Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 15. 


Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


— 112 — 


Astrocladia laevis Rom. sp. 


1864. Astrospongia laevis RoEMER, Sp., 8. 54, Taf. XIX, Fig. 2. 
1878. Astrocladia laevis ZITTEL, Stud. II, S. 84. 
21884. Asterocladia laevis Poéra, Beiträge II, S. 38, Taf. II, Fig. 10, Textfigur 23. 


Es ist mir nicht gelungen diese Art aufzufinden. Nach Roemer, der A. laevis aus dem Cuvieri- 
planer des Windmühlenberges bei Salzgitter anfiihrt, bildet der Schwamm stielrunde, mehrere cm lange 
Stämme, die mit erweiterter Basis auf andere Körper festgewachsen sind. Die ganze Oberfläche wird 
von zahlreichen Furchensternen bedeckt, und soll dichter und glatter (?) als bei Astrocladia subramosa sein. 

Poéra hält A. laevis und A. subramosa für Synonyme. 

Unter die Astrocladia-Arten zählt v. ZiTTEL auch Stellispongia verrucosa RoEMm. (Spongit. S. 50, 
Taf. XVII, Fig.5). Diese Spezies gehört aber zur Gattung Myrmeciophytum SCHRAMMEN, deren Gerüst sich 
von Astrocladia durch viel größere Tetraclone, und Dichotriaene als Dermalia unterscheidet. 

Ferner führt ZırteL als Astrocladia-Art eine Tremospongia clavata Rom. an, die Roemer Tafel XIII 
Fig. 3 der Spongitarien des Kreidegebirges abbilden soll. Es kann sich da nur um einen Irrtum handeln, 
denn Roemer hat eine Tremospongia clavata weder beschrieben noch abgebildet. ; 


Gattung Microdendron SCHRAMMEN. 1901. 


Buschig oder einfach. Die Einzelindividuen sind keulen- oder walzenförmig. Scheitel abgestutzt 
oder gerundet, mit mehreren sternförmigen Postikengruppen. Die Basis ist mit einer gegen den rauhen 
Scheitel deutlich abgesetzten, glatten oder gerunzelten Deckschicht überzogen, unter der porenartige 
Ostien liegen. Das Stützskelett besteht aus sehr kleinen Tetraclonen mit glatten Clonen und stark ver- 
zweigten dornigen Zygomen. In der Deckschicht rhizoclonähnliche Kieselkörperchen. Als Dérmalia 
stark zerschlitzte, zackige Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Microdendron ramulosum SCHRAMMEN. 
1901. Microdendron ramulosum SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 10, Taf. II, Fig. 3; Taf. IV, Fig. 7. 


Keulenförmig oder walzig, einfach oder durch basilare oder seitliche Knospung ästig. Scheitel der 
Einzelindividuen oder Zweigenden abgerundet, durch anastomosierende Furchen runzelig, mit mehreren 
sternförmigen Postiken- oder Furchengruppen. Die Außenseite ist mit einer glatten oder runzeligen Deck- 
schicht überzogen, unter der unregelmäßig zerstreute porenartige Ostien liegen. Die Deckschicht besteht 
aus plattigen, unregelmäßig verästelten, mit ‚Warzen und Dornen besetzten Kieselkörperchen und aus 
Phyllotriaenen mit ziemlich langem Schaft und stark zerschlitzten Zinken. Microdendron ramulosum 
ist eine der kleinsten Spongienarten. (Das größte mir bekannte Individuum ist nur 2 cm hoch und a 
vorderen Ende etwas mehr als 1 cm dick.) 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stticke: 4. 

Das Original liegt im RoEMER-Museum in Hildesheim. 


— 113 — 


Unterfamilie Chenendoporinae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit kleinen warzigen Tetraclonen; ohne tetraxone Dermalia von regulärem Typus. 


Gattung Chenendopora LAMOUROUX 1821, emend. ZITTEL 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 7.) 


Ohr-, trichter-, becher- oder napfférmig, gestielt. Oberfläche glatt. Innenseite mit undeutlichen, 
unregelmäßig zerstreuten, oft zu kleinen Gruppen vereinigten, kleinen Postiken, von denen einfache, 
gerade oder gebogene Kanäle in die Wandung eindringen, die unmittelbar unter der Oberfläche der Außen- 
seite endigen. Außenseite mit sehr kleinen Ostien und kurzen Längsfurchen, die aber gewöhnlich auf die 
in der Nähe des Randes gelegenen Teile beschränkt sind. Das Stützskelett ist namentlich an der Ober- 
fläche sehr dicht und besteht aus ungewöhnlich kleinen Tetraclonen mit warzigen oder glatten Clonen 
und ziemlich stark verästelten, warzigen Zygomen. Tetraxone Dermalia von regulärem Typus fehlen. 
Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

v. ZITTEL hielt Chenendopora für eine Rhizomorine. Die Skelettelemente haben allerdings mit 
Rhizoclonen eine gewisse Ähnlichkeit, denn sie sind sehr klein und gewöhnlich unregelmäßig verzweigt. 
Nicht selten kommen aber auch normal ausgebildete Tetraclone vor (vgl. Textt. VI, Fig. 7), an denen 
ich mehrfach das vierstrahlige Axenkreuz beobachtet habe. 

In den nordwestdeutschen und englischen Kreideablagerungen ist Chenendopora selten, während 
in der Touraine Chenendopora-Arten zu den häufigen Vorkommnissen gehören sollen. 


Chenendopora fungiformis Lamx. (Tafel XII, Fig. 2. — Tafel IV, Fig. 8,9. — Texttafel VI, Fig. 7.) 


1821. Chenendopora fungiformis Lamx., Expos. method. des genres de l’ordre des polypiers, S. 77, Taf. LX XV, Fig. 9,10. 

1847. Chenendopora fungiformis MicHeuın, Icon. Zoophyt., S. 130, Taf. XXXIV, Fig. 3. 

1861. Dimorpha prolifera Court., Eponges foss., S. 8, Taf. IX, Fig. 1. 

1861. Bicupula lata Courr., Eponges foss., S. 23, Taf. XXXVII, Fig. 1. 

1878. Chenendopora fungiformis Zarrez, Stud. II, 8. 55, Taf. III, Fig. 13, 14. 

1883. Chenendopora fungiformis Hinpe, Catal., S. 33. 

Trichterférmig, becher-, teller-, pilz-, ohr- oder blattförmig, gestielt. Auch stockartige Körper 
kommen vor, die dadurch entstehen, daß vom Rande eines größeren Exemplars ein oder mehrere kleinere 
Individuen entspringen, und zwar so, daß die Innenseite des Mutterschwammes zur Außenseite der Tochter- 
schwämme wird. Die Wandung ist ca. 1 cm dick, der Rand abgerundet. Außenseite konzentrisch runzelig, 
mit Deckschicht überzogen, die aus plattig ausgebreiteten Tetraclonen besteht. An ungeätzten Stücken 
ist die Oberfläche der Außenseite glatt und frei von Ostien. Nur bei angeätzten Exemplaren oder an 
abgeriebenen Stellen bemerkt man hauptsächlich im vorderen Drittel der Spongie unregelmäßig zerstreute, 
nadelstichartige Ostien und gedrängt liegende, kurze Längsfurchen, die moos- oder dendritenähnliche 
Figuren bilden. Innenseite an den mit Deckschicht überzogenen Stellen glatt und dicht, mit unregelmäßig 
zerstreuten, mehrere mm auseinander liegenden, bis 1 mm weiten rundlichen Postiken oder Postiken- 
gruppen. An ungeätzten Exemplaren sind die Postiken auch an deckschichtfreien Stellen nur schatten- 
haft angedeutet. Mittelgroße Stücke sind 5—10 em hoch und am vorderen Rande ebenso breit. 

Palaeontographica. Suppl. V. AS 


— 1144 — 


Die Spezies kann ziemlich leicht mit Chonella auriformis Roem. sp. und Leiochonia cryptoporosa SCHRM. 
verwechselt werden. Diese beiden Arten sind aber Rhizomorinen. Sonst unterscheidet sich die Leiochonia- 
Art noch durch den scharfkantigen Rand, die Chonella durch kleine, dicht nebeneinander liegende und 
gleichmäßig über die Oberfläche beider Seiten verteilte Ostien bezw. Postiken. 

Chenendopora fungiformis ist im nordwestdeutschen Senon auf die unteren Schichten der Mucro- 
natenkreide beschränkt, und gehört auch dort zu den selteneren Vorkommnissen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 15. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Unterfamilie Plinthosellinae nov. subfam. 


Tetracladinidae mit warzigen Tetraclonen, bei denen ein Clon stark verkürzt und zu einer halbkuge- 
ligen oder zapfenförmigen Anschwellung umgebildet ist. Die Dermalia sind Phyllotriaene oder anaxile 
plattige Kieselscheiben. 


Gattung Plinthosella ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 11.) 


Kugelig, halbkugelig oder knollig, sitzend oder frei. Scheitel mit leichter Vertiefung, in der mehrere 
große Postiken liegen. Das Stützskelett ist weitmaschig und besteht aus sehr großen, warzigen Tetraclonen, 
bei denen ein Clon auf eine halbkugelige, mit Warzen besetzte Anschwellung reduziert ist. Zuweilen 
ist die ganze Oberfläche mit einer Deckschicht überzogen, die aus dachziegelartig übereinander liegenden 
anaxilen Kieselplättchen von unregelmäßiger Gestalt zusammengesetzt ist. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Plinthosella squamosa v. Zırrer. (Tafel VI, Fig. 7—9. — Texttafel VI, Fig. 11.) 


1878. Plinthosella squamosa ZıtteL, Stud. II, S. 89, Taf. II, Fig. 10 u. Taf. X, Fig. 5. 

1880. Plinthosella squamosa Hinpe, Foss. Sponge-Spicules, S. 56, Taf. IV, Fig. 35 —46. 

1883. Plinthosella squamosa HınDe, Catal., S. 85, Taf. XX, Fig. 2. 

?1884. Plinthosella squamosa Poéra, Beitr. II, S. 42. 

Gewöhnlich halbkugelig, aber auch kugelig oder knollig. Basis ohne Anheftungsstelle oder mit 
einem oder mehreren, ganz kurzen, warzenartigen Würzelchen. Scheitel flach, von kräftigen Furchen durch- 
zogen, die vom Rande nach der Mitte verlaufen und dort in einer leichten Vertiefung münden, in der dicht 
nebeneinander mehrere 1,5—2 mm weite Postiken liegen. Ähnliche Kanalmündungen sind außerdem 
in 0,5—1 em weiten Abständen über die ganze Oberfläche der Spongie zerstreut. Die schuppige Deckschicht 
ist in der Regel gar nicht oder nur an den basalen Teilen erhalten. 

Nach den gewöhnlich vorkommenden, kaum mehr als haselnußgroßen Exemplaren beurteilt, würde 
Plinthosella squamosa zu den kleinsten Spongienarten gezählt werden müssen. Es giebt aber auch 


— 115 — 


Stücke von der Größe einer Kinderfaust, die ungeätzt übrigens recht gut mit Callopegma acaulis v. Z1TTEL 
und Phymatella sphaeroides SCHRAMMEN verwechselt werden können. Bei meinen größten Spezimen 
beträgt der Héhendurchmesser 3 cm, der Breitendurchmesser sogar 11 cm. 

Poéra hat in Spongienknollen der Weißenbergerschichten Bruchstücke von Tetraclonen beobachtet, 
die von Plinthosella squamosa herrühren sollen. Aus den aequivalenten Schichten der nordwestdeutschen 
Kreide ist mir die Art nicht bekannt geworden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ahlten, Linden, Oberg, Misburg, Adenstedt. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 50. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Dactylotus nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VI, Fig. 8.) 


Ästig, mit abgeplatteten Zweigen. Beide Seiten mit sehr feinen Ostien bezw. Postiken, die an der 
Oberfläche der einen Seite (Oberseite, Innenseite) in Furchen liegen, welche zu sternförmigen Haufen 
angeordnet sind. Das Stützskelett ist sehr dicht und besteht aus kleinen warzigen Tetraclonen, bei denen 
ein Clon auf eine halbkugelige, mit großen Warzen besetzte Anschwellung reduziert ist. Die Dermalia 
sind kleine, unregelmäßig geformte lappige Phyllotriaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


Dactylotus micropelta nov. sp. (Tafel VI, Fig. 1—3. — Texttafel VI, Fig. 8.) 


Ästig, mit abgeplatteten Zweigen. Außenseite mit unregelmäßig zerstreuten, winzigen Ostien. 
Innenseite mit mehreren, undeutlich sternförmigen Postikengruppen oder mit sternförmig von einem aus 
mehreren Postiken bestehenden Mittelpunkt ausstrahlenden Furchen, in denen winzige Postiken liegen. 
Die Deckschicht ist gewöhnlich bis auf vereinzelte Phyllotriaene, die übrigens infolge ihrer Kleinheit nicht 
leicht aufzufinden sind, zerstört. Die Zweige sind 2—5 em lang, etwa 5 mm dick und 10 mm breit. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg, Misburg (s.). 

Anzahl der wntersuchten Stücke: 9. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Pycnodesma nov. gen. 


Kugelig oder knollig, sitzend oder kurzgestielt. Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten sehr 
- kleinen Ostien. Ein Paragaster fehlt. Das Stützskelett ist dicht und besteht aus kleinen warzigen Tetra- 
clonen, bei denen ein Clon auf eine zapfenförmige Verdickung reduziert ist. Dermalia und Microsclere un- 
bekannt. 
Obere Kreide. 


— 116 — 


Pycnodesma globosa nov. sp. (Tafel VI, Fig. 6.) 


Kugelig oder knollig, ohne Paragaster, sitzend. Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten Kanal- 
mündungen, die nur wenig größer wie die Maschen des sehr dichten Skeletts sind, und mit einigen kurzen 
unregelmäßig verlaufenden Furchen. Längs- und Querdurchmesser ca. 1,5 cm. 

Die Spezies ist leicht mit Plinthosella squamosa zu verwechseln, mit der sie in der äußeren Form 
und in der Kleinheit vollkommen übereinstimmt. Ungeätzte Exemplare sind wohl überhaupt nicht zu 
unterscheiden. Bei Plinthosella sind die Tetraclone aber viel größer, ihre Verbindung ist lockerer und 
das ganze Gerüst dadurch weitmaschiger. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Unterordnung Sterrasterophora. 


Familie Geodidae VOSMAER. 
(1887. Klassen und Ordnungen etc., S. 315.) 


Sterrasterophora mit tetraxonen Megascleren. 


Sterraster sind aus der oberen Kreide schon längere Zeit bekannt gewesen. So bildete ZıTTEL in 
seiner Abhandlung „Über Coeloptychium“ eine größere Anzahl ab, die von den Sterrastern recenter Arten 
kaum zu unterscheiden sind. Die Geodide Cydonium eosaster SoLas (Chall. Tetract. S. 225, Taf. XXI, 
Fig. 23) besitzt z. B. Sphaeraster wie Zitret |. c. Taf. V, Fig. 27—30 gibt, und die I. c. Taf. IV, Fig. 52—59 
abgebildeten Sterraster einer fossilen Art treten in ganz ähnlicher Form auch bei dem recenten Cydonium 
hirsutum (Chall. Tetract. S. 218, Taf. XI, Fig. 35—36) auf. Es scheint aber nur sehr selten vorzukommen, 
daß fossile Sterraster, Sphaeraster etc. noch zusammen mit den zugehörigen Megascleren gefunden werden. 
Mir selber ist ein Fund, bei dem jeder Zweifel an der Zusammengehörigkeit der Megasclere und Microsclere 
ausgeschlossen gewesen wäre, jedenfalls nicht geglückt. Die Familienbestimmung der hier beschriebenen 
Geodiden konnte darum nur auf Grund der Formeigentümlichkeiten der Megasclere erfolgen. 


r 


Subfamilia Geodinae SorLas. 
(1887. Tetractinellida. Report on the Scientific results of the voyage of H. M.S. „Challenger“. Zoology, Bd. XXV,S. 218.) 


Geodidae mit kugeligen oder ovalen Sterrastern, mit Ana- und Protriaenen neben 
anders geformten Megascleren; mit stellaren Microscleren in der Pulpa. 


Bei den lebenden Gattungen der Unterfamilie Geodinae (Geodia Lam., Cydonium FLEMMING, Synops 
VosMAER und /sopsSoLLAs) sind die Gattungskennzeichen hauptsächlich auf Eigentümlichkeiten des Kanal- 


— 117 — 


systems basiert. Das Kanalsystem der fossilen Formen wird aber infolge der äußerst losen Verbindung 
der Skelettelemente beim Versteinerungsprozeß wohl stets zerstört. 

Darum konnte ich auch nicht den Versuch machen, die hier beschriebenen Geodinen einer 
lebenden Gattung unterzuordnen. Der Name Geodiopsis, den ich als Gattungsnamen gewählt habe, 
und der die nahe Verwandtschaft der durch die Megasclere als Geodinen gekennzeichneten Kreide- 
schwämme mit Geodia u. v. Formen andeuten soll, ist lediglich als Sammelname ohne systematischen 
Wert anzusehen. 

Hınpe!) und Pocra?) haben eine Anzahl Geodia-Arten aus der oberen Kreide von England und 
Böhmen beschrieben, deren generische Stellung unsicher ist. Bei Geodia? clavata Hinpr und Geodia? 
coronata Hınve hat das der Autor ja durch das Fragezeichen angedeutet. Die Megasclere dieser beiden 
Arten könnten immerhin von Geodiden herrühren. Dagegen stellen die mit ringförmigen Einschnürungen 
versehenen Protriaene von Geodia Wrighti HınDe einen in der Jetztzeit anscheinend nicht mehr vorhandenen 
Nadeltypus dar, und wir wissen vorläufig nicht einmal, aus welcher Unterordnung der Tetraxonia die 
in den obersenonen Spongienkalken nicht selten isoliert vorkommenden Spicula stammen könnten. 
Das Skelett von Geodia communis Poéra besteht nur aus Amphioxen und kann darum keinesfalls einer 
Geodie zugeschrieben werden. Geodia gracilis PoërA (,,Nadeln mit verlängertem, geradem und etwas 
dickem Schaft, der an seinem unteren Ende wenig zugespitzt ist und am Scheitel drei starke, meist dicho- 
tomisch sich wieder teilende Äste trägt,“‘) könnte eher eine Stellettide sein. Geodia exilis, die aus kleinen 
Protriaenen vom Charakter der Tetilliden-Triaene besteht, hat Poëra selber mit einem Fragezeichen 
versehen. Die Megasclere von Geodia gigantea PoëTA aus den untersten Priesener Schichten sind wahr- 
scheinlich zusammengeschwemmte Skelettelemente von Arten verschiedener Tetraxonia-F amilien. 


Genus Geodiopsis nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel I, Fig. 8, 9.) 


Die Megasclere sind große plumpe Protriaene, dünne, aber sehr langschäftige quirl- und speer- 
förmige Anatriaene und große Amphioxe. Körperform und Kanalsystem unbekannt. 
Obere Kreide. 


Geodiopsis cretacea ScHRAMMEN. (Texttafel I, Fig. 9.) 
1899. Geodia cretacea SCHRAMMEN, Tetract., S. 8, Taf. III, Fig. 1. 


1901. Geodia cretacea SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 19. 

Soweit es erhalten ist, besteht das Skelett aus sehr großen keulenförmigen Protriaenen, großen, 
manchmal leicht gekrümmten Amphioxen und sehr dünnen aber langen, quirl- oder speerförmigen Ana- 
triaenen. Die quirlförmigen Anatriaene kommen häufiger vor wie die speerförmigen. Zahlreiche eiförmige 
Kieselkugeln mit glatter Oberfläche sind vielleicht als die Microsclere der Spezies anzusehen. wenn sie 
nicht angeschwemmt worden sind. Man findet sie nämlich fast in jeder Ätzprobe des Oberger Spongien- 
mergels. Die großen Protriaene und die Amphioxe sind 5—10 mm lang. Ein 7 mm langes Protriaen 


1) Catal. S. 25. 
2) Beitr. III, S. 6—8. 


— 118 — 


ist in der Mitte 0,3 mm, an der Stelle wo die Gabelung beginnt 0,5 mm dick. Der Abstand der Zinken 
spitzen voneinander betragt ca. 0,7 mm. Der Winkel, den die Zinken des Protriaens mit dem Schaft 
bilden, ist infolge der stetig nach dem vorderen Ende des Protriaens zunehmenden Verdickung des Schaftes 
fast ein gestreckter. Die Anatriaene sind bis 10 mm und darüber lang, aber nur 0,03 mm dick. Der Ab- 
stand der Zinkenspitzen voneinander beträgt bei den quirlförmigen Anatriaenen 0,1 mm. Der Durch- 
messer der Kieselkugeln schwankt zwischen 0,1 und 0,2 mm. Alle diese Nadelformen liegen in strahligen 
Faserzügen oder ungeordneten Haufen in kinderfaustgroßen Kalkmergelbrocken. Ich betone aber, daß 
die Steinknollen nur die beschriebenen Megasclere und Microsclere führen, und nicht mit den bei Oberg 
nicht selten vorkommenden Knollen zu verwechseln sind, die aus zusammengeschwemmten heterogenen 
Spongiennadeln bestehen. 
Geodiopsis cretacea ist die erste Geodide aus der Norddeutschen Kreide, von der die wichtigsten, 
wenn nicht alle Megasclere bekannt sind. Von Geodia gigas PoërA wäre sie durch die erheblichere Größe 
ihrer Protriaene, den Besitz quirl- und speerförmiger Anatriaene und, wenn die beobachteten Kieselkugeln 
wirklich aus der Rindenschicht der Art stammen, durch die glatte Oberfläche der Sterraster zu unter- 
scheiden. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg, sehr selten. 
Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 
Belegstücke in meiner Sammlung. 


Geodiopsis microthrinax n. sp. (Texttafel I, Fig. 8.) 


Das Skelett besteht aus schlanken Protriaenen und geraden oder leicht gekrümmten Amphioxen. Die 
Protriaene sind 4—8 mm lang, in der Mitte 0,2 mm, am Halse 0,4 mm dick. Der Abstand der Zinken- 
spitzen von einander beträgt 0,7 mm, die Länge der Zinken 0,4 mm. Der Winkel, den sie mit dem Schaft 
bilden, ist = 65°. Die Amphioxe sind 5—10 mm lang. Microsclere habe ich nicht beobachtet. Von 
Geodiopsis cretacea unterscheidet sich die Art durch anders gestaltete und kleinere Protriaene (hierdurch 
auch von Geodia gigas Poéta) und die fehlenden Anatriaene. (Daß etwa Anatriaene durch den Ver- 
steinerungsprozeß zerstört worden sein könnten, halte ich bei der ausgezeichneten Erhaltung des einen der 
beiden Exemplare, die mir vorliegen, für unwahrscheinlich.) 

Während Geodiopsis cretacea in der Zusammensetzung des Stützskeletts eine ähnliche Nadel- … 
Kombination wie gewisse lebende Geodia-Arten aufweist, ergibt die Skelettvergleichung von Geodiopsis — 
microthrinax Beziehungen zur lebenden Gattung Jsops. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg und Oberg, sehr selten. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original befindet sich in meiner Sammlung. 


— 119 — 


Tetraxonia-Familien incert. subord. 


Familie Ophiraphididae SCHRAMMEN. 
(1903. Zur Systematik der Kieselsp., Mitt. a. d. Rorm.-Mus., No. 19, S. 17.) 


Das Stützskelett besteht aus verfilzten, langen, glatten und unregelmäßig gekrümmten monaxonen 
Rhabden (Ophirhabden), zwischen denen auch große Amphioxe, Amphityle und Amphistrongyle vor- 
kommen können. -Die Dermalia sind Triaene mit ungegabelten Zinken, oder tetraxone Dermalia fehlen. 
Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. (?) Jetztzeit. 

Während die Skelettelemente aller lithistiden Tetraxonia durch Zygose zu einem starren Gerüst 
vereinigt sind, welches auch unter der Einwirkung des Versteinerungsprozesses ein mehr oder weniger 
getreues Abbild der Körperform bleibt, und während andererseits die Skelettelemente der Teiraxonia 
mit Megascleren des regulären Typus überhaupt nicht zusammenhängen und nach der Zerstörung der 
Weichteile in ungeordneten Haufen im. Gestein liegen, bilden die Skelette der Ophiraphididae keine starren 
‘Gerüste, fallen aber trotzdem nach dem Absterben des Tierkörpers auch nicht ganz auseinander. 

Diese Eigentümlichkeit beruht auf einer mehr oder weniger intensiven Verfilzung der Ophirhabde. 

Die erste Spur der in der Kreidezeit auf der Höhe der Entwicklung stehenden Familie kam merk- 
würdigerweise aus den Tiefen des Ozeans. Und zwar hat CARTER!) aus einer Sammlung von Tiefsee- 
spongien Megasclere beschrieben, die mit den Ophirhabden der fossilen Gattungen übereinstimmen. Es 


scheint sich aber um ein ganz vereinzeltes Vorkommnis gehandelt zu haben. Wenigstens ist später meines 
Wissens über rezente Formen nichts weiter berichtet worden. 

Die Microsclere der Ophiraphididae sind noch nicht bekannt. Darum wäre eine nochmalige Unter- 
suchung des rezenten Materials wünschenswert. Einstweilen hänge ich die Ophiraphididae an die Tetra- 
zona als Familie incert. subord. an. 

Die Abgrenzung der Gattungen wird man bei den Ophiraphididae nach anderen Gesichtspunkten 
vornehmen, wie bei den Familien mit lithistidem Skeletthabitus. Ihre Gerüste sind allen Einwirkungen 
von außen gegenüber gewissermaßen plastischer, da die Skelettelemente ja nur mehr oder weniger lose 
ineinander hängen. Darum habe ich als Indikation zur generischen Trennung in erster Linie Ver- 
schiedenheiten in der Skelettzusammensetzung berücksichtigt. 


Gattung Ophiraphidites CARTER 1876, emend. SCHRAMMEN 1899. 
(Skelettabbildung Texttafel VII, Fig. 5, 6.) 


Schwammkörper trichter-, schüssel-, blatt- oder ohrförmig, keulenförmig oder zylindrisch, knollig 
oder ästig, langgestielt oder sitzend. Das Stützskelett besteht aus verfilzten Ophirhabden. In den Maschen 
gerade oder leicht gekrümmte Amphioxe. Als Dermalia Triaene mit ungegabelten Zinken. Microsclere 
unbekannt. 


Obere Kreide und (?) Jetztzeit. 


1) Ann. Mag. nat. hist. 1876, Bd. XVIII, S. 458. 


— 120 — 


Ophiraphidites sp. 

Die ältesten Spuren einer Ophiraphidites-Art fand ich im Scaphitenpläner von Oppeln. Sie bestehen 

aus 15mm breiten, bläulich gefärbten Adern, die ein handgroßes Plänerstück durchsetzen, und sich bei 
der Untersuchung mit der Lupe als in Eisenhydroxyd umgewandelte Ophirhabde, Amphioxe und Triaene 
erwiesen. Das Originalstück liegt in meiner Sammlung. 


Ophiraphidites anastomans Hinpe. 


1883. Ophiraphidites anastomans HınDe, Catal. S. 23; Tat. 1) mes ur 

1885. Ophiraphidites anastomans Poéra, Beitr. III, S. 6. 

O. anastomans nennt Hınpe kleine formlose Spongien-Fragmente aus dem Upper Chalk von Süd- 
england, die nur aus locker verbundenen kleinen Ophirhabden bestehen. 

Ähnliche Aggregate kommen auch in den Schichten der oberen Kreide von Nordwestdeutsch- 
land nicht selten vor, ohne daß es möglich ist, danach eine einigermaßen sichere generische Bestimmung 
zu treffen. 

PoërA beschreibt unter dem Hınpe’schen Namen Bruchstücke von langen, wellig gekrümmten, 
auf der Oberfläche etwas knorrigen Spieulen aus den Weißenbergerschichten von Renéov. Sie kénnten 
auch von der aus gleichaltrigen Schichten stammenden, hier als Ophiraphidites sp. bezeichneten Art her- 
rühren, die im Scaphitenpläner von Oppeln vorkommt. 


Ophiraphidites cretaceus ZiTTEL. 
1878. Ophiraphidites cretaceus ZITTEL, Stud. III, S. 98, Taf. XI, Fig. 2. 


Das von Zirret beschriebene und in natürlicher Größe abgebildete Exemplar aus der Quadraten- 
kreide von Linden ist ein Stielfragment, wie mir ähnliche in größerer Zahl vorliegen. Zu welcher Gattung 
oder Art der Stiel gehört, ist unsicher. Das 1. c. Fig. 2a abgebildete Dichotriaen muß angeschwemmt 
sein, denn Dichotriaene kommen im Skelett der Ophiraphididae nicht vor. 


Ophiraphidites annulatus nov. sp. (Tafel XIV, Fig. 9. — Texttafel VII, Fig. 6.) 


Zylindrisch oder walzenförmig, mit ringförmigen Quereinschnürungen, die aber nicht immer deut- 
lich ausgrepägt sind, gestielt. Oberfläche mit zerstreut liegenden, nadelstichartigen Ostien von Radial- | 
kanälchen. Scheitel abgestutzt oder abgerundet, mit zahlreichen rundlichen Postiken von Vertikalkanalen. 

Die größten Exemplare die ich kenne, sind wenig über 10 cm lang, und an der dicksten Stelle | 
ca. 4 em dick. ; 

Das Stützskelett ist sehr dicht, und besteht aus 3—6 mm langen, innig verfilzten Ophirhabden, 
zwischen denen stellenweise gerade Amphioxe von 3—4 mm Lange, und Triaene mit ungegabelten, leicht 
vorwärts gekrümmten Zinken vorkommen. Der Schaft der Triaene ist 0,5—0,8 mm lang. Die Zinken 
sind ebenso lang oder etwas kürzer. 

Exemplare, bei denen die ringförmigen Einschnürungen weniger deutlich entwickelt sind, haben 
in der äußeren Form Ähnlichkeit mit mittelgroßen Stücken von ©. cylindricus. Die beiden Arten sind 
aber nicht zu verwechseln, denn ©. cylindricus hat eine einfache Zentralhöhle. 


— 121 — 


Alter und Facies: Cuvieripläner. Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Heere (s. s.), Oberg (z. s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 8. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Ophiraphidites cylindricus Scurammen. (Tafel XIV, Fig. 8; Tafel XVII, Fig. 7.) 
1899. Ophiraphidites cylindricus SCHRAMMEN, Tetract., S. 5, Taf. I, Fig. 2, 3; Taf. III, Fig. 2. 


Das erste Exemplar, welches ich auffand und beschrieb, war zufällig zylindrisch. Häufiger ist 
aber der Körper keulen-, kreisel- oder keilförmig, an der Basis zu einem ziemlich langen Stiel verschmälert, 
und am vorderen Ende abgerundet oder abgestutzt. Die Wandung ist dick, das Paragaster eng und tief 
eingesenkt. Ein mittelgroßes Exemplar mißt vom Scheitel bis zum Stielende 20 cm, am vorderen Ende 
5 em, in der Mitte 3 cm. Der Querdurchmesser des Paragasters ist etwas geringer als die Dicke der Wan- 
dung. Im Paragaster und an der Außenseite liegen zahlreiche rundliche, etwa stecknadelkopfgroße Ostien 
bezw. Postiken. Den Stiel durchziehen bündelartig zusammenliegende Vertikalkanäle, die im Paragaster 
münden. Die monaxonen Megasclere sind locker verfilzte Ophirhabde; die tetraxonen sind Triaene mit 
in einer Ebene ausgebreiteten oder nach vorwärts gerichteten, ungegabelten Zinken. Die Zinken werden 
bis 0,5 mm lang. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und unteren Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 8. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Ophiraphidites infundibuliformis Schrammen. (Tafel XIV, Fig. 7. — Texttafel VII, Fig. 5.) 
1899. Ophiraphidites infundibuliformis ScuramMen, Tetract., S. 5, Taf. I, Fig. 1; Taf. II, Fig. 6. 


Der ziemlich dünnwandige, gewöhnlich etwa kinderhandgroße Schwammkörper ist trichter-, 
becher-, schüssel- oder ohrförmig. Manche Exemplare erreichen eine beträchtliche Größe. So hat ein 
mir vorliegendes, zusammengedrückt trichterförmiges Stück aus der Mucronatenkreide von Misburg, 
bei 1,0 cm Wanddicke einen Längsdurchmesser von 25 cm und einen Querdurchmesser von 15 em (an der 
breitesten Stelle gemessen), obgleich es nur ein Fragment ist, an dem der Stiel und größere Teile des Vorder- 
randes fehlen. Außen- und Innenseite mit dicht nebeneinander liegenden, porenartigen Ostien bezw. 
Postiken. Das Stützskelett ist sehr dicht und besteht hauptsächlich aus innig verfilzten, bis 5 mm und 
darüber langen, in der Mitte 0,1—0,2 mm dicken Ophirhabden. Am Stiel liegen sie zu dichten Faser- 
zügen aneinandergepackt. Sonst wird ihre Lage nur durch die Anordnung der Kanäle bestimmt, um die 
herum sie in den mannigfaltigsten Verschlingungen und Verknüpfungen gelagert sind. Nicht selten kommen 
zwischen den Ophirhabden bis 3 mm lange, dünne, gerade oder leicht gekrümmte Amphioxe vor. Die 

- Dermalia sind ziemlich plumpe Triaene mit ungegabelten, leicht nach vorwärts gerichteten Zinken. Der 
Schaft ist ungefähr so lang wie die Zinken (0,5 mm). | 

Ungeätzte Exemplare von O. infundibuliformis können mit Pachycothon simplicissimum Poëra sp. 

verwechselt werden. Man beachte, ob Zygome vorhanden sind { Pachycothon), oder nicht (Ophiraphidites). 
Palaeontographica. Suppl. V. 16 


— 123 — 


Erklärung zu Texttafel VII. 


Familie Helobrachiidae. 


Fig. 1. Helobrachium consecatum SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Triactine. 
b) Zentralteil eines Triactins, (von der Seite gesehen, mit dem kurzen Axenkanal des auf eine 
kugelige Anschwellung reduzierten vierten Strahls.) 


Familie Ophiraphididae. 


Fig. 2. Cephaloraphidites cavernosus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Ophirhabd. 
b) Triaene. c) Amphiox. 

Fig. 3. Cephaloraphidites milleporatus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Ophirhabde. 
b) Style. c) Triaene. .d) Amphiox. 

Fig. 4. Alloioraphium spongiosum ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Ophirhabde. 
b) Tylostyle. c) Amphityl. d) Amphistrongyl. e) Amphiox. 

Fig. 5. Ophiraphidites infundibuliformis ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Ophi- 
rhabde. b) Triaene. c) Amphiox. 

Fig. 6. Ophiraphidites annulatus ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Triaene. 

Fig. 7. Megaloraphium auriforme ScHRAMMEN. a) Ophirhabd. b) Triaene. c) Amphiox. 


Fig. 8. Polytretia seriatopora SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Triaene. 


Zwischen den Exemplaren aus der Quadraten- und der unteren Mucronatenkreide besteht insofern 
ein konstanter Unterschied, als die ersteren durchgängig kleiner sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und unteren Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.), Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 6. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Ophiraphidites ramosus nov. sp. (Tafel XXIV, Fig. 5.) 


Das Original besteht aus einem gabeligen, etwa 2,5 cm dicken Zweig von rundlichem Querschnitt. 
Stiel und Zweigenden sind nicht erhalten. An den Bruchflächen sichtbare, rundliche, skelettfreie Stellen 
sind wohl als Querschnitte von in der Längsrichtung der Äste verlaufenden Kanälen zu deuten. An der 
Oberfläche der Außenseite scheinen wie bei allen Ophiraphidites-Arten zahlreiche Ostien zu liegen, die 
- nur wenig größer als die Maschen des Skeletts sind. Das Skelett ist zum größten Teil in Eisenhydroxyd 
umgewandelt. Beim Anätzen kamen aber einige gut erhaltene Skelettelemente zum Vorschein, die sich 
von den Megascleren der anderen Ophiraphidites-Arten nicht wesentlich unterscheiden. 
Ophiraphidites ramosus gleicht in der äußeren Form Fragmenten von Doryderma-Arten. Da aber 


— 124 — 


bei einigermaßen günstiger Erhaltung die großen Ophirhabde schon mit unbewaffnetem Auge zu erkennen 
sind, können Verwechslungen leicht vermieden werden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der unteren Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Ophiraphidites tuberosus Scurammen. (Tafel XVII, Fig. 8.) 
1899. Ophiraphidites tuberosus SCHRAMMEN, Tetract., S. 5, Taf. II, Fig. 5. 


Der bis faustgroße Schwamm bildet unregelmäßig geformte, lappige Knollen und Klumpen, die 
entweder mit einer napfförmigen Verbreiterung der Basis an Fremdkörper festgeheftet sind, oder mehrere 
kurze Würzelchen besitzen. Oberfläche mit unregelmäßig zerstreuten, ca. 1 mm weiten Ostien. Das Stütz- 
skelett ist sehr dicht und besteht hauptsächlich aus 5—7 mm langen, 0,1—0,2 mm dicken Ophirhabden. 
In den Maschen dünne, gerade, 3—5 mm lange Amphioxe. Die Dermalia sind Triaene mit rückwärts 
gekrümmten, ungegabelten, ca. 0,5 mm langen Zinken. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Belegstücke in meiner Sammlung. 


Gattung Cephaloraphidites SCHRAMMEN. 1899. 
(Skelettabbildung Texttafel VII, Fig. 2,3.) 


Dickwandige Trichter mit flachem Paragaster. An der Außenseite und im Paragaster zahlreiche 
porenartige Ostien bezw. Postiken, von denen gerade Kanäle, die z. T. mit größeren im Schwamminnern 
befindlichen Hohlräumen kommunizieren, in den Schwammkörper eindringen. Die Megasclere sind haupt- 
sächlich verfilzte Ophirhabde und keulenförmige Style. In den Skelettmaschen zahlreiche gerade oder 
leicht gekrümmte Amphioxe und Triaene. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

Die Gattung unterscheidet sich von Ophiraphidites hauptsächlich durch ihre keulenförmigen Style, 
von Alloioraphium durch tetraxone Dermalia. 


Cephaloraphidites milleporatus SchrammEn. (Texttafel VII, Fig. 2.) 
1899. Cephaloraphidites milleporatus SCHRAMMEN, Tetract., S. 6, Taf. II, Fig. 4. 


Das einzige mir bekannte Stück besteht aus der einen Hälfte eines der Länge nach in der Mediane 
geteilten, trichterförmigen, nur 4 cm langen Schwammes. Längs- und Querdurchmesser (dieser an der 
breitesten Stelle gemessen) sind gleich. Das Paragaster ist flach. Seine tiefste Stelle liegt noch im oberen 
Drittel des Schwammkörpers. An der Außenseite und im Paragaster zahlreiche rundliche, etwa stecknadel- 
kopfgroße Ostien bezw. Postiken, von denen gerade Kanäle, die z. T. mit unregelmäßig im Innern der 


— 125 — 


Spongie verteilten Hohlräumen in Verbindung stehen, in den Schwammkörper eindringen. Das Stütz- 
skelett besteht hauptsächlich aus bis 5 mm und darüber langen, in der Mitte etwa 0,1 mm dicken Ophi- 
rhabden, die locker verfilzt sind und netzartig die Kanäle umlagern. In den Maschen zahlreiche gerade 
oder leicht gekrümmte, bis 3 mm lange, in der Mitte 0,05 mm dicke Amphioxe und Triaene, mit ca. 0,5 mm 
langen, ungegabelten, rückwärts gebogenen Zinken. 

Soweit ist das Skelett ungefähr wie bei den Ophiraphidites-Arten zusammengesetzt. Außerdem 
besitzt die Spezies aber noch zahlreiche, meist schwach gekrümmte, kolben- oder keulenförmige Style, 
die bis 2,5 mm lang werden. Ihr Querdurchmesser beträgt an der dicksten Stelle des dieken Endes etwa 
- 0,2 mm, in der Mitte 0,1 mm und am zugespitzten Ende noch weniger. Der Axenkanal mündet nur am 
zugespitzten Ende nach außen. Im Köpfchen endigt er blind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt im Hildesheimer Museum. 


Cephaloraphidites cavernosus ScHrammEn. (Texttafel VII, Fig. 2.) 
1899. Cephaloraphidites cavernosus SCHRAMMEN, Tetract., S. 6, Taf. III, Fig. 4. 


Diese Art hatte ich 1899 nach einem Fragment aus der Quadratenkreide von Oberg aufgestellt. 
Besseres Material ist seitdem nicht gefunden worden. Darum bin ich auch jetzt noch nicht in der Lage, 
die Gestalt anzugeben, die der Schwammkörper gehabt hat. 

In der Zusammensetzung des Skeletts stimmt C. cavernosus beinahe mit C. milleporatus überein. 
Nur werden die Ophirhabde bis 8 mm und darüber, die sehr häufigen Amphioxe bis 5 mm lang 
und auch die keulenförmigen Style, die übrigens seltener wie bei der anderen Art vorkommen, sind 
vielleicht etwas größer und plumper. Die Zinken der Triaene sind leicht nach vorn gekrümmt und fast 
noch einmal so lang wie bei C. milleporatus. Die Megasclere liegen in einem etwa 1 em dicken, 4 cm breiten, 
fingerlangen Gesteinsstück. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (8. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt im Hildesheimer Museum. 


Gattung Alloioraphium nov. nom. (Syn. Heteroraphidites SCHRAMMEN.) 
(Skelettabbildung Texttafel 7, Fig. 4.) 


Kugelig oder knollig. Die Megasclere sind undeutlich radial angeordnete, verfilzte Ophirhabde. 
Dazwischen kommen große Tylostyle, Amphityle, Amphistrongyle und Amphioxe vor. Tetraxone Nadel- 
formen fehlen. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 


— 126 — 


Den ersten Namen Heteroraphidites habe ich geändert, weil ein ähnlich lautender schon an eine 
andere Familie vergeben ist (Heteroraphidae RipLey u. DENDY). | 

In meiner früheren Mitteilung betrachtete ich die Gattung als Bindeglied zwischen den monaxonen 
und tetraxonen Kieselschwämmen und stellte sie zu den Monaxonia. Das möchte ich zurücknehmen. 
Das Skelett besteht zwar nur aus monaxonen Nadeln, stimmt aber nach Form, Größe und Art der 
Verbindung der Skelettelemente mit den Skeletten der tetraxonen Ophiraphididae so gut überein, daß es 
einer Verschleierung der natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse gleichkäme, wenn man Alloioraphium 
nicht mit den Ophiraphididae vereinigte. 


Alloioraphium spongiosum Scurammen. (Texttafel VII, Fig. 4.) 
1901. Heteroraphidites spongiosus SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., Taf. III, Fig. 5; Taf. IV, Fig. 9. 


Das kaum kinderfaustgroße Originalexemplar ist ein unregelmäßig halbkugeliges Fragment von 
einem Schwamme, der kugelig oder knollig, etwa wie eine Kartoffel geformt gewesen zu sein scheint. Die 
gewölbte Seite des Fragments entspricht der Außenseite des Schwammkörpers. Die Bruchfläche kann 
man als Schnittebene eines Medianschnitts ansehen. Da aber stielartige Bildungen fehlen und auch kein 
Paragaster sichtbar ist, bleibt es unklar, ob der Schwamm in vertikaler oder in horizontaler Richtung 
halbiert wird. An der Bruchfläche liegen zahlreiche Längs- und Querschnitte von durchschnittlich 2 mm 
weiten, aber auch engeren und weiteren Kanälen, die ähnlich wie bei Hippospongia equina unter Bildung 
von Anastomosen den Schwammkörper durchziehen. Über die Außenseite sind in unregelmäßiger Anord- 
nung zahlreiche Kanalöffnungen verteilt, deren Größe der Weite der Kanäle im Innern entspricht. Das 
Skelett besteht hauptsächlich aus 5—7 mm langen, in der Mitte 0,1—0,2 mm dicken Ophirhabden, die 
nicht selten nur an einem Ende spitz auslaufen, während sie am anderen abgerundet oder kugelig ver- 
dickt sind. (Gewöhnlich spitzen sich die Ophirhabde aber an beiden Enden peitschenschnurartig zu.) 
Zwischen den Ophirhabden kommen stellenweise 0,5—1,0 mm lange glatte Amphityle, Amphistrongyle 
und Tylostyle vor. In den Skelettmaschen 2—4 mm lange, gerade oder leicht gekrümmte Amphioxe. 
Tetraxone Megasclere fehlen. | 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. 3.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 


Gattung Polytretia nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VII, Fig. 8.) 
Ohrférmige Ophiraphididae mit großen Ostien an der Außenseite und mit Postikengruppen an der 


Innenseite. Das Skelett besteht aus verfilzten Ophirhabden. In den Maschen Amphioxe und Triaene. 
Kreide. 


Polytretia seriatopora nov. sp. (Tafel XIV, Fig. 4—6. — Texttafel VII, Fig. 8.) 


Ohrförmig, sitzend. Von den beiden Exemplaren meiner Sammlung ist das größere 6 cm hoch, 
5 cm breit und 1 cm dick; das kleinere, ein junges Individuum, 3 cm hoch und breit, 0,6 cm dick. Außen- 


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seite mit deutlich sichtbaren, ca. 2 mm weiten rundlichen Ostien, die ziemlich gleichmäßig über die Ober- 
fläche verteilt sind (ca. 10 auf 1 qem). Die an der Innenseite liegenden Postiken sind ebensogroß wie 
die Ostien. Je 5—10 liegen dicht nebeneinander und bilden Gruppen, zwischen denen postikenfreie Skelett- 
brücken liegen. Durch die großen Ostien an der Außenseite, namentlich aber durch die eigentümliche 
Gruppierung der Postiken unterscheidet sich Polytretia seriatopora recht deutlich von allen anderen 
Ophiraphididae. 

Das Skelett besteht aus bis 5 mm langen Ophirhabden, zwischen denen bis 4 mm lange gerade 
Amphioxe und ungegabelte Triaene vorkommen. Der Schaft der Triaene wird 0,3—0,5 mm lang. Länge 
der Zinken 0,2—0,3 mm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. 8.). 

zahl der’uüntersuchten Stücke: 2. 

Das Original befindet sich in meiner Sammlung. 


Gattung Megaloraphium nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VII, Fig. 7.) 


Ohrférmige Ophiraphididae ohne größere Ostien, deren Skelett aus sehr großen verfilzten Ophi- 
rhabden besteht. In den Skelettmaschen Amphioxe und Triaene. 
Obere Kreide. 


Megaloraphium auriforme nov. sp. (Tafel XIV, Fig. 1—3. — Texttafel VII, Fig. 7.) 


Ohrförmig. Mittelgroße Exemplare sind etwa fingerlang, 3—4 cm breit und 0,5—1,0 cm dick. Mein 
größtes Stück ist kinderfaustgroß und hat eine 2 cm dicke Wandung. Größere Ostien oder Postiken sind 
nicht vorhanden. Eine in die Augen fallende Eigentümlichkeit des Skeletts ist die ungewöhnliche Länge 
und Dicke der Ophirhabde, die bis 10 mm lang werden und viel dicker sind als die Ophirhabde aller 
anderen Ophiraphididen. Zwischen den mehr oder weniger stark verfilzten Ophirhabden liegen 3—4 mm 
lange, gerade Amphioxe und ungegabelte Triaene mit rückwärts gebogenen Zinken. Schaft und Zinken 
sind ungefähr gleichlang (0,8 mm). 

Um Verwechslungen mit Ophiraphidites infundibuliformis zu vermeiden, beachte man, daB jene 
Art kleinere und diinnere Ophirhabde und auf beiden Seiten zahlreiche stecknadelkopfgroBe Ostien hat. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


E Familie Helobrachiidae nov. fam. 


Die Megasclere sind verfilzte tetraxone Triactine mit 3 langen vogelkrallenartig gekrümmten 
Strahlen. Der vierte Strahl ist auf eine halbkugelige Anschwellung reduziert. Microsclere unbekannt. 
Kreide. 


— 128 — 


Die Helobrachiidae gehören unzweifelhaft zu den tetraxonen Silicea. Da aber die Microsclere un- 
bekannt sind, und die Formeigentiimlichkeiten der Megasclere keinerlei Hinweise auf nähere Beziehungen 
zu einer Gattung von bekannter Stellung enthalten, hange ich die Helobrachiidae als fam. incert. sed. 
den Tetraxonia an. 


Gattung Helobrachium nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VII, Fig. 1.) 


Krustenartige oder lappige Helobrachiidae mit wenig entwickeltem Kanalsystem. 
Obere Kreide. 


Helobrachium consecatum n. sp. (Texttafel VII, Fig. 1.) 


Wenn man Kalkbrocken von Oberg in größeren Mengen oberflächlich mit verdünnter Salzsäure 
anätzt, findet man zuweilen Fragmente, sehr selten auch ganze Exemplare einer Spongie, die in der Körper- 
form eine gewisse Ähnlichkeit mit kleineren Individuen von Propachastrella primaeva v. ZirTEL sp. besitzt. 
Sie besteht nämlich aus unregelmäßig lappigen oder ohrförmigen Krusten und Blättern, die 0,5—1 cm dick 
sind. Unter dem Mikroskop, aber auch schon unter einer schwach vergrößernden Lupe erweist sich das 
Skelett aus Megascleren zusammengesetzt, die man weder von fossilen noch von lebenden Spongienarten 
gekannt hat. Es sind große Triactine mit glatten, 0,5—1,0 mm langen Strahlen, die wie die Krallen eines 
Vogels gekrümmt sind. Wo die drei Strahlen sich vereinigen, liegt eine halbkugelige Anschwellung, die 
durch einen ganz kurzen Axenkanal als Rudiment eines vierten Strahls gekennzeichnet ist. Zygome sind 
nicht entwickelt. Der Zusammenhang der Skelettelemente beruht vielmehr auf Verfilzung, die infolge 
der starken Krümmung der Strahlen so innig ist, daß das ganze Gerüst auch an Stücken, die durch Ätzen 
gänzlich von dem Gestein befreit worden sind, seine Form beibehält. In den Skelettmaschen kommen an 
einzelnen Stellen zahlreiche 1,0—3,0 mm lange, gerade oder leicht gekrümmte, schlanke Amphioxe vor. 
Oberflächennadeln und Microsclere habe ich nicht beobachtet. Das Kanalsystem ist wenig entwickelt. 
An der Oberfläche der Spongie bemerkt man porenartige Ostien, bezw. Postiken, die an beiden Seiten gleich- 
mäßig verteilt sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg, selten. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Helomorinidae nov. fam. 
(Etym. 6 nAog die Klammer.) 


Das Stützskelett besteht aus monocrepiden, durch Zygose verbundenen Heloclonen. Als Dermalia 
Triaene (Dichotriaene). Microsclere unbekannt. 
Kreide. 


— 129 — 


Das Heloclon kann man definieren als verhältnismäßig großes, fadenförmiges, mit kurzen Höckern 
und zangenförmigen Ausschnitten versehenes Kieselkörperchen, das an den Enden meist klammerartig 
gebogen ist, und in seiner ganzen Länge von einem in der Regel gut sichtbaren Axenkanal durchzogen wird. 
Die Verbindung der Heloclone erfolgt durch Zygose, indem sich die klammerartigen oder hakenförmigen 
Teile um die Höcker benachbarter Desme legen. 

Das Heloclon unterscheidet sich vom Ophirhabd u. a. durch Zygome; vom Megaclon durch faden- 
förmige Gestalt, Mangel an längeren Ästen und einen Axenkanal, der nicht nur wie beim Megaelon einen 
kurzen Teil des Epirhabds, sondern das ganze Heloclon der Länge nach durchzieht. 

Die Familie Helomorinidae umfaßt die Gattungen Carterella v. Zımt., Isoraphinia v. ZımT. und 
Pachycothon SCHRAMMEN, die man bisher zur Familie Megamorinidae gerechnet hat. 

Nach der Axenanlage und Kombination der Skelettelemente (monocrepide Desme und tetraxone 
Dermalia) gehören die Helomorinidae zu den Tetraxonia. Die Microsclere sind aber nicht bekannt, und 
darum behandle ich die Familie hier als incert. subordinis. 


Gattung Isoraphinia ZITTEL. 1878. 


Zylindrisch, walzen- oder keulenförmig, mit abgestutztem Scheitel und tiefem Paragaster, gestielt. 
Ohne besondere Ostien und Postiken. Die Wasserzirkulation erfolgt durch die weiten und unregelmäßig 
geformten Skelettmaschen. Das Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen Heloclonen. Dermalia 
unbekannt (wahrscheinlich sind es Dichotriaene). 

Obere Kreide. 


Isoraphinia texta Roem. sp. 


1864. Siphonocoelia texta ROEMER, Sp., S. 29, Taf. X, Fig. 11. 

1864. Jerea spiculigera Roemer, Sp., S. 34, Taf. XII, Fig. 6. 

1878. Eulespongia texta QUENSTEDT, Petr. V, S. 417, Taf. CXXXV, Fig. 3—7. 

1878. Carterella spiculigera Zitrer, Stud. II, S. 69, Taf. VII, Fig. 2. 

1878. Isoraphinia texta Zirrer, Stud. II, S. 69, Taf. V, Fig. 8—Taf. VII, Fig. 3. 

1883. Jsoraphinia texta Htnpe, Catal., S. 55. 

1886. Isoraphinia texta ZAHALKkA, Wien. Acad. d. Wiss. Bd. XCII, S. 647, Taf. I, Fig. 1, 2. 

Walzenförmig und zylindrisch (Typus), oder keulenförmig (var. clavata), mit abgestutztem Scheitel 
und tiefem Paragaster, langgestielt. Mittelgroße Exemplare sind 15—20 cm lang (ohne Stiel) und 5—8 em 
dick. Die größten mir bekannten Stücke messen mit Stiel fast 1/, m in der Länge und fast 10 em in der 
Dicke. Paragasteröffnung 2,5—4 cm weit; Wandungen 1,5—2 cm dick. Die Oberfläche ungeätzter 
Exemplare bildet ein scheinbar dichtes filzartiges Gewebe. Durch Behandlung mit Salzsäure vom Gestein 
befreite Stellen zeigen, daß die Wasserzufuhr und Zirkulation unabhängig von besonderen Ostien und 

Kanälen unmittelbar durch die Maschen des Skeletts erfolgt. | 

Isoraphinia texta ist eine der häufigsten Spongienarten des Cuvieripläners und leicht kenntlich 
an den schon mit unbewaffnetem Auge sichtbaren, fadenförmigen Skelettelementen. Zu verwechseln 
wäre sie allenfalls mit zylindrischen Ophiraphidites-Arten. 

Palaeontographica. Suppl. V. 17 


— 40 — 


Rormers Jerea spiculigera aus dem Turon von Salzgitter ist wahrscheinlich ein Stielfragment von 
Isoraphinia texta. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner und Cuvieripläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (z. s.), Heere (h.), Salder (h.), 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 20: 


Gattung Pachycothon SCHRAMMEN. 1901. 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 3.) 


Ohr-, schüssel- oder trichterförmig, ziemlich dickwandig, gestielt oder sitzend. Beide Seiten ohne 
besondere Ostien bezw. Postiken, aber mit weiten, unregelmäBig geformten Skelettmaschen, durch welche 
die Wasserzirkulation erfolgt. Das Stützskelett besteht aus durch Zygose verbundenen Heloclonen. Die 
Dermalia sind Orthodichotriaene. Auch kommen Amphioxe vor. 

Obere Kreide. 


Pachycothon giganteum Roem. sp. (Tafel XVII, Fig. 6. — Texttafel VIII, Fig. 3.) 


1864. Cupulospongia gigantea ROEMER, Sp., S. 51, Taf. XVIII, Fig. 1. 

1878. Carterella spiculigera ZiTTEL, Stud. II, S. 69, Taf. VII, Fig. 2. 

1883. Carterella spieuligera Hinpe, Catal., S. 55. 

1890. Isoraphinia simplieissima Poéta, Spongien von Paderborn, S. 229, Taf. VI, Fig. 1. 

1901. Pachycothon giganteum SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 12, Taf. III, Fig. 2, Taf. V, Fig. 3. 

Ohr-, schüssel-, blatt-, trichter- oder halbtrichterförmig, ziemlich diekwandig, mit abgerundetem 
oder abgestutztem Rand, gestielt oder sitzend. Ober- und Unterseite ohne besondere Ostien bezw. Postiken. 
Die Wasserzu- und -abfuhr erfolgt durch die unregelmäßig geformten Skelettmaschen, die aber nur an 
geätzten Stücken sichtbar werden, während die Oberfläche ungeätzter Exemplare aus einem dichten 
Filz winziger Fädchen zu bestehen scheint. Die Wandung ist 1—1,5 cm dick; bei ungewöhnlich großen 
Exemplaren auch noch dicker. In der Regel sind die Individuen nicht über 15 em hoch und breit. Ein ohr- 
formiges Exemplar vom Sudmerberg, wo die Art sehr selten vorkommt, ist nur 3 cm hoch, 6 em breit, 1 em dick. 

Die vertikale Verbreitung der Spezies reicht vom Scaphitenpläner bis in die Mucronatenkreide. 

Kleinere Exemplare können mit Ophiraphidites infundibuliformis verwechselt werden, weil bei 
beiden Arten die fadenförmigen Skelettelemente, (sie sind bei Ophiraphidites glatt, bei Pachycothon mit 
kleinen Zygomen versehen) mit unbewaffnetem Auge wohl erkennbar, aber nicht unterscheidbar sind. 

Carterella spiculigera ZıTTEL aus der Mucronatenkreide von Ahlten ist wohl ein Stiel von Pachycothon 
giganteum, denn eine Carterella kommt in der Mucronatenkreide nicht vor. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Cuvieripläner (cf. Poéra), untersenone Sandmergel, 
Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Halberstadt, Nettlingen (z. h.), Paderborn, Sudmer- 
berg (s.), Misburg (z. s.), Oberg (z. h.). rare 

Anzahl der untersuchten Stücke: ea, 45. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


— 131 — 


Monaxone Silicea. 


Familie Homoraphidae RIDLEY u. DENDY. 
(1887. Report on the Scientific Results of the voyage of H. M. S. „Challenger“, Bd. XX, S. 1. — 1890. LENDENFELD, Das 
System der Spongien, S. 410.) 
Das Skelett besteht aus amphioxen und amphistrongylen, selten stylen Nadeln, die durch Spongin 
verkittet werden, oder in Sponginfasern eingebettet sind. In der Grundsubstanz zerstreute Nadeln 
sind nicht selten vorhanden. Diese sind in der Regel den Nadeln in den Fasern ahnlich, ausnahmsweise Toxe. 


Subfamilia Renierinae RınLey u. DENDY. 
(1887. Chall. Rep. Bd. XX, S. 1. — 1890. LENDENFELD, System d. Sp., S. 411.) 


Homoraphidae mit briichigem oder hartem, stets unelastischem Skelett, welches nur sehr wenig 
Hornsubstanz enthält. 


Gattung Halichondria FLEMING. 1828. 


Massige Renierinae mit einem Skelett, welches aus unregelmäBigen Bündeln schlanker Nadeln 
besteht. 


Halichondria Vosmaeri nov. sp. (Tafel XIII, Fig. 2. — Texttafel VIII, Fig. 10.) 


Im Scaphitenpläner von Nettlingen habe ich einige undeutlich traubige oder nierenförmige Schwamm- 
körper gefunden, bei denen die inneren Skelettteile total ‚‚verrostet‘“ sind, während äußere Form und 
Oberflächenskelett sich ausgezeichnet erhalten haben. Sie sind 5—10 cm lang und mehrere Zentimeter 
dick. Dem unbewaffneten Auge erscheint die Oberfläche fast strukturlos. Aber schon mit einer schwach 
vergrößernden Lupe sieht man, daß die äußerste Skelettlage von zahllosen, tangential zur Oberfläche 
liegenden, etwa 1,0 mm langen Amphioxen gebildet wird. In der Anordnung der Amphioxe besteht 
eine gewisse Gesetzmäßigkeit. Sie gruppieren sich nämlich zu zahlreichen Nadelbündeln, deren mit den 
Längsaxen der in den Bündeln parallel aneinander liegenden Amphioxe zusammenfallende Längsaxen 
sich in der Verlängerung unter mehr oder weniger spitzen Winkeln schneiden. Dadurch ist die Oberfläche 
des Schwammes, wo Nadelbündel übereinander liegen, mit zahllosen winzigen Parallelogrammen über- 
zogen. Mündungen von Kanälen sind nicht sichtbar. 

Unter den fossilen Spongien steht der Schwamm ganz isoliert. Man kennt aber aus den Meeren 
der Jetztzeit nah verwandte Formen, die Halichondrien. Die Angaben über das Dermal-Skelett der 
lebenden passen auch auf die Oberflächenschicht der einzigen fossilen Art und auch hinsichtlich der äußeren 
Form besteht eine sehr weitgehende Übereinstimmung. Z. B. besitzt Halichondria pelliculata RıpLev 
und Denpy (Chall. Monact. S. 5, Taf. I, Fig. 1) die gleiche nierenförmige Gestalt und auch ungefähr die- 
selbe Größe wie unsere Halichondria Vosmaeri. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (sehr selten). 

Anzahl der untersuchten Stüke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


— 132 — 


Familie Desmacidonidae RIDLEY u. DENDY. 
(1887. Chall. Rep. Bd. XX, S. 62. — 1890. LENnDENFELD, System d. Sp., S. 403.) 


Meist mit chelen Microscleren und häufig abstehenden Nadeln an den Skelettfasern. Fehlen 
die Chele, so sind abstehende Nadeln vorhanden. 


Esperites Carteri Zirret. 
1876. Esperites Carteri Zxrrez, Coelopt., Taf. IV, Fig. 27—29. 
1878. Esperites Cartert Zxrrez, Stud. III, S. 3. 
Unter diesem Namen bildet ZırreL aus der Quadratenkreide von Vordorf in Braunschweig S'gme 
(l. ce. Fig. 27 u. 28) und ein Isochel (l. e. Fig. 29) ab. Sigme treten in verschiedenen Familien auf, Chele 
aber nur bei den Desmacidoniden. 


Gattung Rhizopsis nov. gen. 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 11.) 


Wurzelartig zerschlitzte, zackige Lappen, die aus zu dichten Faserzügen vereinigten Amphioxen 
und Amphistrongylen bestehen. 
Obere Kreide. 


Rhizopsis horrida nov. sp. (Tafel XIII, Fig. 4. — Texttafel VIII, Fig. 11.) 


Im Scaphitenpläner von Nettlingen und in der Quadratenkreide von Oberg kommen zuweilen 
bizarr gestaltete Schwammkörper vor, die man vielleicht mit einigem Recht als Desmacidoniden an- 
sprechen kann. 

Sie sind etwa kinderfaustgroß und bestehen aus wurzelartig zerschlitzten, zackigen Lappen. Ostien 
fehlen. Das Skelett besteht aus geraden oder leicht gekrümmten, glatten Amphioxen und Amphistrongylen 
von verschiedener Größe. Die kleinsten sind kaum 0,1 mm, die größten etwa 4 mm lang. Neben manchen 
im Verhältnis zur Länge sehr schlanken Nadeln kommen auch kurze und dicke vor. Die Skelettelemente 
sind der Länge nach eng aneinander gedrängt und bilden dadurch starke Faserzüge. 

In der äußeren Form erinnert Rhizopsis horrida an Desmacidon grandis RıpLey und DENDY (Chall. 
Rep. Bd. 20, S. 111, Taf. XXII, Fig. 1). Das Skelett dieser Art ist ‚very well developed; composed of 
stout, branching, Axinella-like spiculo-fibre, made up of stout oxeote spicules‘, also ähnlich wie bei Rhiz- 
opsis gebaut. Desmacidon grandis hat aber viel kleinere (nicht über 0,5 mm lange) und plumpere Mega- 
sclere, die an der Oberfläche büschelförmig angeordnet sind. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner und Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (sehr selten), Oberg (sehr selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


— 133 — | 


Familie Scolioraphidae SCHRAMMEN. 
(1903. Zur Systematik der Kieselspongien. Mitt. a. d. Rorm.-Mus., No. 19, S. 21.) 


Silicea, deren verfilzte, aber niemals durch Zygose verbundenen Megasclere geschlängelte oder un- 
regelmäßig gekrümmte, an den Enden stumpfe, und in der ganzen Länge durch kragenförmige Anschwel- 
lungen knorrige monaxone Rhabde sind. Einfache Stabnadeln von verschiedener Form und Größe können 
außerdem vorkommen. Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. 

Die einzigen Vertreter dieser Familie sind die hier beschriebenen zwei Arten aus der oberen Kreide 
Nordwestdeutschlands. Sonst sind weder aus den mächtigen und gründlich durchforschten Kreide- 
bildungen von England und Böhmen, noch aus den durch die Tiefseeforschung immer mehr entschleierten 
Tiefen der neuzeitlichen Ozeane Formen mit ähnlichen Gerüsten bekannt geworden. 

Trotzdem ist es vielleicht nicht ausgeschlossen, daß auch jetzt noch Scolioraphidae leben. Bower- 
bank +) bildet nämlich ein aus dem Atlantischen Ozean stammendes ‚‚nodulated-eylindrico-vermiculated“ 
Spiculum ab, das sich, wie es scheint, nur durch schlankere Gestalt von den Megascleren der beiden 
fossilen Arten unterscheidet. 


Gattung Scolioraphis ZITTEL. 1878. 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 9.) 


Krustenartige oder aus anastomosierenden Blättern bestehende Scolioraphidae. 
Obere Kreide. 


Scolioraphis tesselata Rorm. sp. (Texttafel VIII, Fig. 9.) 


1864. Enaulofungia tesselata Rormer, Sp., S. 41, Taf. XIV, Fig. 11. 

1878. Scolioraphis cerebriformis ZitTeL, Stud. III, S. 5, Taf. XII, Fig. 1. 

Der Schwammkörper bildet kinderfaustgroße, halbkugelige Krusten. Durch tiefe anastomosierende 
Furchen ist die gewölbte Oberseite in zahlreiche Kämme und Höcker zerlegt. Die Unterseite ist etwas 
ausgehöhlt. Ostien sind nicht sichtbar. Das Skelett ist sehr dicht und besteht fast ausschließlich aus 
geschlängelten, an den Enden stumpfen und ihrer ganzen Länge nach durch kragenförmige Anschwellungen 
knorrigen, monaxonen Rhabden, die ähnlich wie die Ophirhabde verfilzt und nie durch Zygose verbunden 
sind. In geringer Menge kommen noch Style vor. Die Rhabde sind etwa 0,5 mm lang, die Style etwas kürzer. 

v. ZITTEL hat wohl übersehen, daß die Art schon von F. A. Roemer, der sie zu der für Kalk- 
schwämme kreierten, aber nach v. ZITTEL auf eine irrige Beobachtung basierten Gattung Enaulofungia 
FRoMENTEL stellte, benannt war. 

Alter und Facies: Sandmergel der Granulatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt im Hildesheimer Museum. 


1) Monogr. Spong. I, Taf. I, Fig. 14. 


— 14 — 


Scolioraphis anastomans ZITreL. 
1878. Scolioraphis anastomans Zirrer, Stud. III, 8. 5, Taf. XII, Fig. 1 (nicht Fig. 2). 


Die Originaldiagnose lautet: „Schw. knollig, löcherig, aus dünnen, verschlungenen und anastomo- 
sierenden Blättern bestehend. Skelett mit ziemlich langen, wurmförmig gekrümmten, knorrigen Nadeln, 
denen sich in größerer Menge einfache Stabnadeln von verschiedener Größe und Form beimischen.“ 

Ich selber habe kein Exemplar dieser Art auffinden können. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide und unteren Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Linden und Ahlten (sehr selten). 


Monaxone Silicea incert. fam. 


Gattung Opetionella v. ZITTEL. 1878. 


Schwammkörper unregelmäßig knollig, rindenartig oder trichterférmig. Die Megasclere sind 
große, dicht nebeneinander liegende Amphioxe. Kanalsystem und Microsclere unbekannt. Obere Kreide. 

Auffälligerweise werden fossile Kieselspongien, bei denen als Megasclere nur große Amphioxe nach- 
zuweisen sind, fast immer aus Ablagerungen beschrieben, in denen die Skelette durch Umwandelung 
in Eisenhydroxyd ete. große Veränderungen erlitten haben, die eine genaue Untersuchung sehr erschweren 
oder unmöglich machen. In den Kalkmergeln von Oberg und Misburg, wo die Skelette gewöhnlich so 
gut erhalten sind, daß es bei Anwendung geeigneter Präparationsmethoden möglich ist, auch die kleineren 
Megasclere zu erkennen, habe ich keine Formen angetroffen, die, wie z. B. die Opetionella-Arten nur aus 
großen Amphioxen bestehen. Es liegt aber nahe, eine ähnliche Skelettzusammensetzung, wie die gut 
erhaltenen Skelette besitzen, auch bei den in Eisenhydroxyd oder andere mineralische Massen umgewan- 
delten zu vermuten. Die Opetionellaarten, deren Skelette durchgängig stark verrostet gefunden werden, 
könnten also recht gut außer den großen Amphioxen noch kleine tetraxone Megasclere besessen haben, 
die jetzt infolge ungünstiger Erhaltung nicht mehr nachzuweisen sind. 

v. ZITTEL stellte Opetionella in die Nachbarschaft von Tethya lyncurium. 


Opetionella radians v. ZiTreL. 


1878. Opetionella radians ZıtTeL, Stud. III, S. 4, Taf. XI, Fig. 1. 
1880. Opetionella radians ZittEL, Handb., S. 144. 


Diese Art bezeichnet v. ZıtteL als Typus der Gattung. Sein Original ist ein etwas mehr als walnuß- 
großes, etwa 12 mm dickes, rindenartiges Fragment, das aus dicht aneinander gedrängten, senkrecht zur 
Oberfläche des Schwammes gestellten, 5—10 mm langen Amphioxen besteht. Kanalsystem unbekannt. 

Alter und Facies: Cuvieri-Pläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Windmühlenberg bei Salzgitter. 


Opetionella poculum n. sp. (Tafel XIII, Fig. 3.) 


Der zusammengedrückt trichterförmige Körper des einzigen mir vorliegenden Exemplars hat 
einen Längsdurchmesser von 4 cm, einen größten Querdurchmesser von 5,5 em und einen kleinsten von 


— 135 — 


2,5 em. Die Wandung ist 1,0 em dick, das Paragaster tief eingesenkt. AuBenseite runzelig. Ostien 
und Kanäle sind nicht erhalten. Das Skelett ist vollständig in rostfarbiges Eisenhydroxyd umgewandelt 
und besteht aus dicht aneinander gedrängten, mehrere mm langen Stabnadeln. Ob es Amphioxe oder 
Style sind, kann ich nicht sicher unterscheiden. 

Unter dem Namen Opetionella Klemmi erwähnt v. ZiTrEL aus den Impressa-Kalken von Geislingen 
in Württemberg einen ähnlich wie ©. poculum geformten Schwamm, der ebenfalls nur aus Stabnadeln 
besteht. Schon aus der erheblichen Altersverschiedenheit der Fundschichten ist wohl zu folgern, daß Ope- 
tionella Klemmi und Opetionella poculum verschiedene Arten, oder Arten verschiedener Gattungen darstellen. 

Alter und Facies: Scaphiten-Planer. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Rhizomorinidae v. ZITTEL. 
(1878, Studien über fossile Spongien II, S. 33.) 


Das Stiitzskelett besteht aus kleinen, gestreckten oder in mehrere Arme geteilten, mit zahlreichen 
wurzelartigen Ausläufern und Zäckchen besetzten monocrepiden Desmen (Rhizoclonen). Dermalia fehlen 
oder sind als kleine monaxone Rhabde, monocrepide Kieselscheibchen oder tangential ausgebreitete 
monocrepide Desme vorhanden. Die Microsclere sind Sigmaspire und Microrhabde oder fehlen. 

Jura; Kreide; Jetztzeit. 

Die lebenden Rhizomoriniden hat SoLLas (Chall. Rep. Bd. 25, S. CXIX, CLIV, CLVI, CLVII, 
CLVIII) in die Familien Scleritodermidae, Neopeltidae, Cladopeltidae und Azoricidae eingeteilt. Die 
Scleritodermidae (Rhizomorinidae mit kleinen dermalen Amphistrongylen und Sigmaspiren im Innern), 
Neopeltidae (Rhizomorinidae, deren Dermalia monocrepide Scheibchen sind) und Cladopeltidae (Rhizo- 
morinidae ohne Microsclere, deren Dermalnadeln stark verzweigte, tangential ausgebreitete Desme sind) 
enthalten nur je eine recente Gattung. Alle anderen lebenden Genera, darunter auch Gastrophanella Spr., 
Poritella Spr., Azorica CARTER und Amphibleptula Spr., die unzweifelhaft in nahen Beziehungen zu 
Gattungen aus der oberen Kreide stehen, rechnet SoLLas zu den Azoricidae (Rhizomorinidae ohne be- 
sondere Dermalnadeln und ohne Microsclere). Bei der Klassifikation der Kreide-Rhizomorinen konnie 
die speziellere Einteilung von SorLas nicht zu Grunde gelegt werden, weil sie zur Voraussetzung die Kenntnis 
der winzigen Dermalia und Microsclere hat, die durch den Versteinerungsprozeß zerstört werden. 

Zu den Rhizomorinidae haben v. ZırteL und Hınpe auch die genera Chenendopora Lamx. emend. 
v. ZırteL und Pachinion v. ZiTTEL gerechnet. Die typische Art der einen Gattung, Chenendopora fungi- 
formis Lamx. ist aber eine Tetracladine (vgl. Texttafel VI, Fig. 7) und Pachinion gehört zu den Corallistidae. 


Gattung Verruculina v. ZITTEL. 1878. — Syn. Amphithelion v. ZITTEL et auct. 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 5, 6.) 


Trichter-, schüssel-, napf-, ohr- oder blattförmige, seltener plattig-ästige Rhizomorinidae mit 
warzenförmig erhöhten Postiken auf der Innenseite (Oberseite), und porenartigen Ostien an der Außen- 


— 136 — 


seite (Unterseite), oder mit warzenförmig erhöhten Postiken bezw. Ostien auf beiden Seiten. Oberfläche 
mit Ausnahme der Kanalmündungen mit einer dichten Deckschicht überzogen, die aus einem innigen 
Geflechte kleiner, stark verästelter Rhizoclone besteht. Von freien Kieselgebilden kommen gerade oder 
gebogene Amphioxe vor. 

Obere Kreide. 

Nach Hınpes Vorgang rechne ich zu dieser Gattung die genera Verruculina v. Zırr. und Amphi- 
thelion v. Zimr., die sich nur dadurch unterscheiden, daß bei der einen Gattung nur die Postiken, bei der 
anderen auch die Ostien warzenförmig erhöht sind. 

Von den hier beschriebenen 11 Arten erreichen V. tenuis, V. convoluta und V. seriatopora die größte 
vertikale Verbreitung, denn sie gehen durch das ganze spongienführende Turon bis in das Senon mit 
Belemnitella mucronata hinauf. Auf den Scaphiten-Pläner beschränkt sind V. miliaris und V. damae 
cornis. V. crassa kommt im Scaphiten- und Cuvieri-Pläner vor, V. micrommata und Verruculina 
angulata nur in der Sudmerbergfacies. V. macrommata, V.astraea und V.cupula sind obersenone Formen. — 


Verruculina tenuis Roem. sp. 


1841. Manon tenue Roemer, Kr., 8. 3, Taf. I, Fig. 7. 

1845—46. Manon miliare Reuss, Böhm. Kr., S. 78, Taf. XIX, Fig. 13. 

1864. Chenendopora tenuis Roemer, Sp. 8. 43, Taf. XV, Fig. 4. 

1870. Chenendopora tenuis FERDINAND Roemer, Oberschlesien, S. 301, Taf. XXXI, Fig. 6, 7, 8 (non Fig. 1). 

1877. Chenendopora tenuis QuENSTEDT, Petr. V, S. 324, Taf. CXXXI, Fig. 8; Taf. CXXXII, Fig. 46—48. 

1878. Amphithelion tenue Zitre., Stud. II, S. 60. 

1883. Verruculina pustulosa HınDe, Catal. S. 39, Taf. III, Fig. 2, 2a. 

1884. Amphithelion tenue PoërA, Beitr. II, S. 23. 

1897. Amphithelion tenue Lronnarp, Obersch. Kr., S. 37. 

1900. cf. Amphithelion miliare WoLLEMANN, Kreide von Biewende, S. 5. 

1901. Amphithelion tenue SCHRAMMEN, Neue Kieselschw , 8. 21. 

Der dünnwandige, ungestielte Schwammkörper ist ohr-, blatt-, napf-, tuten-, oder tellerförmig. 
Jüngere, taler- bis handtellergroße Exemplare sind gewöhnlich flach, ältere neigen zur Faltenbildung, 
wobei dıe lappigen Falten in unregelmäßiger Weise miteinander verwachsen können. Die Wandung ist 
bei kleinen Exemplaren etwa 3 mm, bei mittelgroßen bis 5 mm dick. Ein ungewöhnlich großes Exemplar 
aus dem Scaphiten Pliner von Oppeln (das dickste, welches ich kenne) mißt sogar 7 mm im Querschnitt. 
Auf der Innenseite liegen in unregelmäßiger Anordnung kleine, bis 0,5 mm weite, warzenförmige Postiken. 
(Auf 1 gem 15—20.) Außenseite mit dichtstehenden, sehr feinen, bei günstiger Erhaltung etwas erhöhten 
Ostien. (Auf 1 qmm etwa 4.) Habitus und Dimensionen des Schwammes bleiben vom Turon bis zur 
Mucronatenkreide konstant. Nur vom Sudmerberg liegen mir 2 Fragmente vor, die wohl in der 
Größe und Anordnung der Ostien und Postiken mit typischen Exemplaren übereinstimmen, aber ver- 
hältnismäßig dicker sind. 

Rormers erste Abbildung der Spezies (Kr. Taf. I, Fig. 7) ist mißlungen, die spätere Abbildung 
(Sp. Taf. XV, Fig. 4) brauchbar. 

Obgleich Roemer, der Begründer der Art, beide Namen identifiziert hat, glaubt Hınpe, daß Manon 
tenue Roem. aus dem Scaphiten-Pläner von Oppeln und Chenendopora tenuis Roem. aus dem Scaphiten- 


— 137 — 


Planer von Heiningen, Salzgitter etc. verschiedene Arten seien und gibt darum den Formen aus dem 
Senon von England, die mit denen des nordwestdeutschen Turon übereinstimmen, einen anderen Namen 
(V. pustulosa). Die Oppelner Vorkommnisse, die RoEMERS erster Beschreibung zu Grunde lagen, sind 
aber, wie mir eine Anzalıl gut erhaltener Stücke, die ich selber in Oppeln gesammelt habe, bestätigen, von 
den nordwestdeutschen, die RoEMER später abgebildet und beschrieben hat, nicht spezilisch verschieden. 

Ferdinand RoEMER, der F. A. RoEMERs Original von Manontenuenachgeprüft hat, identifiziert wie sein 
Bruder M. tenue mit Chenendopora tenuis, die er als einen lappigen, ohr- oder trichterförmigen Schwamm, 
„welcher auf der Außenseite mit punktförmigen, dicht gedrängten, feinen Öffnungen mit wenig vorstehen- 
dem Mündungsrand, auf der Innenseite mit größeren und entfernter stehenden Öffnungen mit ringformig 
vorstehendem Rand besetzt ist“, beschreibt. Im übrigen bildet aber Ferdinand RoEMER!) unter dem 
Namen Chenendopora tenuis zwei verschiedene Arten ab. Fig. 6, 7 und 8 passen zur Diagnose und stimmen 
auch mit den norddeutschen und englischen Exemplaren von Verruculina tenuis Rom. sp. überein. Figur 1 
stellt dagegen eine andere Art, wahrscheinlich Verruculina convoluta QUENSTEDT sp. dar. 

HınDe, Poéra und LEONHARD halten auch Manon tenue Reuss (Böhm. Kr. S. 78, Taf. XX, Fig. 2) 
für synonym mit Verruculina tenuis Roem. sp. aber m. E. nicht mit Recht. Eher könnte das von Reuss 
l. c. Taf. XIX, Fig. 13 abgebildete Fragment von Verruculina tenuis herrühren. 

QUENSTEDT unterscheidet drei Varietäten: var. simplex, complex und petiolata. Bei der enormen 
Vielgestaltigkeit der Spezies wären unschwer noch einige hinzuzufügen. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner, Cuvieri-Planer, Sandmergel der Westfalicus-Kreide, 
Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (s.), Nettlingen (h.), Heere (z. s.), Sudmerberg 
(s.), Misburg (s.), Oberg (s.), Biewende (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: Über hundert. 


Verruculina damaecornis Roem. sp. 


1864. Verrucospongia damaecornis RoEMER, Sp. S. 45, Taf. XVI, Fig. 5. 
1878. Amphithelion damaecorne Zitrez, Stud. II, S. 60. 


Der dünnwandige Schwammkörper ist blatt- oder ohrförmig, mit langen, schmalen, fingerartigen 
Fortsätzen, zuweilen auch geweihartig verästelt. Selten wird der ohrförmige Teil mehr als talergroß; 
die Fortsätze erreichen bis 5 em Länge bei einer Breite von 5—10 mm. Dicke des Schwammkörpers bezw. 
derAste 5 mm. Außenseite mit feinen, zerstreut liegenden, bei günstiger Erhaltung warzenförmig erhöhten 
Ostien. Die an der Innenseite liegenden Postiken sind ebenfalls warzenförmig erhöht und etwas größer. 

In den Dimensionen der Ostien und Postiken stimmt die Art ungefähr mit Verruculina tenuis 
überein. Bei Verruculina damaecornis liegen die Ostien aber nicht unregelmäßig über die Oberfläche 
zerstreut, sondern sie stehen in Gruppen oder kurzen, 3—6 Ostien enthaltenden Reihen. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner, Cuvieri-Pläner (?). 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.), Windmihlenberg bei Salzgitter 
(n. ROEMER). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 4. 


1) Geologie von Oberschlesien Taf. XXXII. 
Palaeontographica. Suppl. V. 18 


— 138 — 


Verruculina convoluta QueEnst. sp. 


1870. Chenendopora tenuis Ferd. Roemer, Oberschl., Taf. XXXI, Fig. 1 (nicht Fig. 6, 7, 8). 
1877. Spongia convoluta QUENSTEDT, Petr. V, S. 368, Taf. CXXXII, Fig. 49, 50, 51. 

1878. Amphithelion convolutum Zirrer, Stud. II, S. 60. 

1883. Verruculina convoluta Hınve, Catal. S. 38, Taf. IV, Fig. 1, Fig. 1a—d. 


Der Schwammkörper ist ohr- oder blattförmig. Ältere, handteller- bis handgroße Exemplare 
werden etwa 6 mm dick. Bei einem ungewöhnlich großen Stück aus der Quadraten-Kreide von Misburg 
beträgt die Dieke der Wandung sogar 1 cm. Außen- und Innenseite mit kleinen, dichtstehenden, bei 
guter Erhaltung umwallten Ostien bezw. Postiken. (Auf 0,5 qem etwa 60). An der Innenseite stehen 
die Kanalmündungen wohl etwas weniger dicht, sind aber nicht größer wie an der Außenseite. Jeden- 
falls erscheinen dem unbewaffneten Auge die Oberflächen beider Seiten des Schwammkörpers gleich. 

Mit anderen Verruculinen ist V. convoluta kaum zu verwechseln. Eher ist schon eine Ver- 
wechselung abgeriebener Exemplare mit Chonella-Arten möglich. Diese haben aber niemals umwallte 
Kanalmündungen. : 

Alter und Facies: Scaphiten- und Cuvieri-Pläner, Kalkmergel der Quadraten- und 
Mucronaten-Kreide. | 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (z. s.), Oppeln (s. s.), Dürnten, Mis- 
burg (z. s.), Oberg (s.). 


Anzahl der untersuchten Stweke. 12. 


Verruculina crassa ROEMER sp. 


1864. Chenendopora crassa ROEMER, Sp. S. 43, Taf. XVI, Fig. 1. 

1877. Manon circumporosum QUENSTEDT, Petr. V, S. 372, Taf. CXXXII, Fig. 55. 

1878. Amphithelion cireumporosum ZutTeL, Stud. II, S. 60. 

1878. Amphithelion crassum Zitrez, Stud. II, S. 60. 

Der ziemlich dickwandige (1—1,5 em), walnuß- bis mannsfaustgroße Schwammkörper ist bei aus- 
gewachsenen Individuen gewöhnlich unregelmäßig trichterförmig, seltener ohrförmig. Jugendformen 
sind keulenförmig und ähneln manchen Stichophyma-Arten. Außen- und Innenseite mit gleich großen, 
umwallten Ostien bezw. Postiken, die etwa um ihren 0,5—0,8 mm betragenden Durchmesser von einander 
entfernt stehen. (Auf 0,5 gem zähle ich an beiden Seiten 12—14 Ostien bezw. Postiken.) 


Von Verruculina convoluta Qu. sp., bei der ebenfalls Außen- und Innenseite übereinstimmen, unter- 
scheidet sich Verruculina crassa durch eine dickere Wandung und erheblich größere Kanalmündungen. 
Verruculina macrommata Rorm. sp. hat auf der Innenseite größere und auch weniger dicht zusammen- 
stehende Kanalmündungen wie auf der Außenseite. 


Die Rormer’sche Abbildung ist recht schematisch, die Abbildung bei QUENSTEDT gut. 

Alter und Facies: Scaphiten- und Cuvieri-Planer. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (h.), Heere (z. s.), Gustedt. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. ö 


— 139 — 


Verruculina miliaris Reuss sp. 


1845—46. Manon miliare Reuss, Bohm. Kr., 8. 78, Taf. XIX, Fig. 11. 
1878. Amphithelion miliare Zirrer, Stud. II, S. 60. 

1883. Verruculina miliaris Hınpr, Catal. S. 39, Taf. III, Fig. 3, 3a. 
1884. Amphithelion miliare Poéra, Beitr. II, S. 24. 


Der ziemlich dünnwandige, nämlich nur 0,5 em dicke, ohr- oder unregelmäßig trichterförmige 
Schwammkörper wird etwa handtellergroß. Außenseite mit kleinen, ca. 0,3mm weiten, zerstreut liegenden, 
warzenförmig erhöhten Ostien. Innenseite mit etwas größeren (ca. 1 mm weiten) und noch vereinzelter 
liegenden, ebenfalls warzenförmigen Postiken. (Auf 1 gem an der Unterseite 40—60, an der Oberseite 
4—6 Kanalmündungen.) ; 

Von Verruculina tenuis Rorm. sp. unterscheidet sich die Art durch viel größere und weiter aus- 
einanderliegende Postiken und auch durch weniger dicht zusammenstehende Ostien, von Verruculina 
seriatopora Rorm. sp. durch eine dünnere Wandung und größere, warzenförmig erhöhte und weiter aus- 
einander liegende Ostien. 

Ich habe von dieser nach Reuss im Cenoman von Böhmen häufigen Art nur zwei, allerdings aus- 
gezeichnet erhaltene Exemplare im Scaphiten-Pläner von Nettlingen gefunden. In England soll sie 
nach HINDE auch im Senon vorkommen. 

Mit Hinpe betrachte ich das von Reuss IL. c. Taf. XIX, Fig. 11a u. b abgebildete Exemplar 
als Typus der Art. Die bei Reuss unter Fig. 13 abgebildete Spongie stellt HınpeE wohl mit Recht zu 
einer anderen Spezies, nämlich zu Verruculina pustulosa Hınpe = V. tenuis Rom. sp. (Man beachte, 
daß Reuss die innere (obere) Seite als die äußere (untere) bezeichnet.) 

Poéra meint irrtümlich, daß QuENSTEDT a.a.O. Taf. CXXXIII, Fig. 52 vom Sudmerberge ein 
Bruchstück von V. miliaris Reuss sp. abbilde. Manon miliare QUENSTEDT ist synonym mit Verruculina 
micrommata ROEMER sp., einer von Verruculina miliaris Reuss sp. ganz verschiedenen Art. 

Auch die Spongie, welche ZAaHaLKA (Beitr. zur Palaeontologie Osterreich-Ungarns V, Taf. X, 
Fig. 1—8) aus dem Senon von Raudnitz unter dem Namen V. miliaris Reuss beschreibt und abbildet, 
stimmt nicht mit dem Reuss’schen Typus überein. Sie hat viel größere und auch anders angeordnete 
Ostien und Postiken. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.). 

Anzanl der untersuchten Stucke: 2. . 


Verruculina micrommata Roem. sp. 


1841. Manon micrommata Rormer, Kr., 8. 3, Taf. I, Fig. 4. 

1864. Chenendopora micrommaia RoEMER, Sp. 8. 42. 

1877. Manon miliare QUENSTEDT, Petr. V, S. 370, Taf. CXXXII, Fig. 52. 

1878. Verruculina micrommata ZiTTeL, Stud. II, 8. 59. 

Der, nach den mir vorliegenden, bis handtellergroßen Fragmenten zu schließen, ohr- oder trichter- 
förmige Schwammkörper ist verhältnismäßig dickwandig (1—2 cm). Außenseite wulstig und runzelig, 
mit winzigen, dicht aneinander gedrängten Ostien. Innenseite mit ziemlich dichtstehenden, warzenförmig 


— AT 


erhöhten Postiken, die etwa 1,0 mm weit sind. (Auf 1 qem 50—60.) Ganze Exemplare kenne ich nicht. 
Auch Roemer und Quenstept bilden nur Fragmente ab. Der von Quexsrepr l.c. Taf. CXXXII, Fig. 52r 
abgebildete Querschnitt läßt die Wülste an der Unterseite, die den Schwamm vor den anderen Verruculina- 
Arten auszeichnen, gut erkennen. QUENSTEDT hat, im Gegensatz zu F. A. RoEMER, den Schwamm gut 
abgebildet. Die Abbildung Rormers wird aber durch eine prägnante Diagnose ergänzt. 


Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 
Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (s.). 


Anzahl der untersuenhrtenvsSstuoleer 2: 


Verruculina macrommata Roem. sp. (Texttafel VIII, Fig. 6.) 


1864. Verrucospongia macrommata Roemer, Sp. S. 45, Taf. XVI, Fig. 4. 

1878. Amphithelion macrommata ZıTTeL, Stud. II, 8. 60, Taf. III, Fig. 15. 

1883. Verruculina Reussii Hınpe, Catal. S. 40, Taf. V,. Fig. 1, 1a. 

1883. Verruculina macrommata Hinpe, Catal. S. 40. 

1883. Verruculina papillata Hınve, Catal. S. 41, Taf. V, Fig. 2, 2a. 

1901. Amphithelion macrommata SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 21. 

Der dickwandige Schwammkörper ist ohr- oder unregelmäßig trichterförmig. Außenseite mit 
großen, ca. 1 mm weiten, mehr oder weniger dichtstehenden, bei günstiger Erhaltung warzenförmig erhöhten 
Ostien. Die Postiken an der Innenseite sind ca. 2 mm weit, warzenförmig erhöht oder auch papillenartig 
verlängert und liegen weiter auseinander wie die Ostien. (Auf 1 gem stehen an der Außenseite 24—30, 
an der Innenseite 5—7 Kanalmündungen. Bei den Exemplaren aus der Quadraten-Kreide liegen die 
Ostien zerstreuter wie bei denen aus der Mucronaten-Kreide.) Die Wandung mittelgroßer Stücke ist 
etwa 1,5 cm dick. V. macrommata kann sehr groß werden. Ich habe ein regelmäßig trichterförmiges Stück 
gefunden, dessen Querdurchmesser beinahe einen halben Meter beträgt. 

Mit anderen Verruculinen aus der oberen Kreide Nordwestdeutschlands ist die Art gar nicht zu 
verwechseln. 

Verruculina Reussi M’Coy (bei Hınpe) und Verruculina papillata Hinde halte ich für Synonyme 
von Verruculina macrommata. Nach Hınpe sollen sich diese beiden Arten aus der oberen Kreide von 
England von V. macrommata durch papillenartige Postiken unterscheiden. Solche besitzt aber nicht 
selten auch Verruculina macrommata. 

Der M’Coy’sche Name würde Priorität haben, wenn M’Coy seine Art deutlich charakterisiert hätte, 
was aber nicht der Fall ist. HınpE meint zwar, es sei nicht schwierig aus M’Coys Beschreibung (eine 
Abbildung hat M’Coy nicht gegeben), die Art wiederzuerkennen und doch irrt er sich selber, indem er 
die von ihm unter dem Namen Verruculina Reussi M’Coy abgebildete Art mit V. circumporosa QUENST. sp. 
(= V. crassa Roem. sp.) identifiziert, die sich von Hinpes V. Reussi recht bestimmt durch auf beiden Seiten 
gleichgroße und gleichmäßig verteilte Ostien bezw. Postiken unterscheidet. 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten-Kreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. h.), Oberg (z. h.), Adenstedt, Ahlten. 
Anzahl der untersuchten Stücke: 24. 


— 144 — 


Verruculina seriatopora Roem. sp. (Tafel 21, Fig. 1. — Texttafel VIII, Fig. 5.) 


1841. Manon seriatoporum Roemer, Kr., 8. 3, Taf. I, Fig. 6. 

1841. Manon distans Roemer, Kr., 8. 3. 

1864. Chenendopora seriatopora Roemer, Sp. 8. 43. 

1864. Chenendopora aurita ROEMER, Sp. S. 43. 

1877. Spongia marginata (QUENSTEDT, Petr. V, S. 371, Taf. CXXXII, Fig. 53. 

1878. Verruculina seriatopora Zittern, Beitr. II, 8. 59, Taf. IV, Fig. 1. 

1878. Verruculina distans ZxTTez, Beitr. II, S. 59. 

1878. Verruculina aurita Zitte., Beitr. II, S. 59. 

1880. Verruculina auriformis Zırter, Handb. S. 153, Fig. 68. 

1883. Verruculina seriatopora Hınde, Catal. S. 36, Taf. III, Fig. 4. 

1883. Verruculina plicata Hınpe, Catal. S. 36, Taf. IV, Fig. 2. 

1888—89. Verruculina aurita GRIEPENKERL, Königslutter, S. 16. 

1895. Verruculina auriformis Z1T7TEL, Grundz., S. 51, Fig. 68. 

1900. Verruculina aurita WoLLEMANN, Kreide von Biewende, S. 4. 

1901. Verruculina aurita SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 21. 

Der ziemlich dickwandige, zuweilen '/; qm bedeckende, gewöhnlich aber nur faust- bis handgroße 
Schwammkörper ist ohrförmig, plattig, pilz-, trichter- oder napfförmig. Die Wandung ist bei kleinen 
und mittelgroßen Exemplaren etwa 1 cm, bei großen 1,5—2,0 cm dick. Außenseite mit winzigen, dicht- 
stehenden, porenartigen oder etwas vorstehenden Ostien (4 auf 1 qmm). Innenseite mit ziemlich großen, 


1 mm weiten, warzenförmig erhöhten Postiken. (Auf 1qem 10—15.) 


Verruculina seriatopora unterscheidet sich von Verruculina miliaris durch eine dickere Wandung 
und durch die an der Unterseite dicht aneinander gedrängten und gewöhnlich porenartigen, (bei V. miliaris 
zerstreut liegenden und immer warzenförmig erhöhten) Ostien. 


Die Individuen aus den älteren Bänken der Quadraten-Kreide zeichnen sich vor denen aus den 
jüngeren Bänken und aus der Mucronaten-Kreide durch dünnere Wandungen und kleinere Postiken aus. 
In der Mucronaten-Kreide kommen zuweilen Exemplare vor, die wohl in der Anordnung und Größe der 
Kanalmündungen mit dem Typus übereinstimmen aber ungewöhnlich dickwandig sind. Sie gehören 
nicht zu einer von V. seriatopora verschiedenen Art, sondern sind sehr alte Individuen; dafür spricht 
namentlich ihre immer sehr erhebliche Größe. 


Wenn Verruculina seriatopora mit Verruculina Phillipsi Reuss sp. in der Tat synonym ist, wie 
Pocra annimmt, so tritt sie inBöhmen schon im Cenoman auf. In Norddeutschland findet man sie erst im 
Turon und auch hier nur sehr selten. Ich habe V. Phillipst Reuss sp. unter den Synonymen der Verru- 
culina seriatopora nicht angeführt, weil die Böhmische Art nach Poéra keine wesentlichen Unterschiede 
von V. micrommata RoEMER sp. besitzen soll. Verruculina micrommata und V. seriatopora sind aber zwei 
ganz erheblich verschiedene Arten und nicht wie Pocra mit QuENsTEDT annimmt, Extreme derselben 
Entwicklungsreihe. 


RoEMER teilte die alte Gattung Chenendopora, welche vornehmlich Verruculina-Arten ent- 
hielt, in zwei Gruppen: becher- oder trichterförmige und in ohrförmige Chenendoporidae. Die Folge davon 
waren zahlreiche Arten, die, wie z. B. Ch. aurita RoEMER nur eine Bereicherung der Synonymie darstellen. 


Alter und Facies: Scaphiten-Pläner, untersenone Sandmergel, Grünsand der Quadraten- 
Kreide, Kalkmergel der Quadraten- und unteren Mucronaten-Kreide. 


Et é 


Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.), Sudmerberg (z. h.), Misburg (z. h.), — 
Oberg (z. h.), Adenstedt, Boimsdorf, Biewende. 
Anzahl der untersuchten Sticke: über 100. 


Das Original zur Abbildung hegt in meiner Sammlung. 


Verruculina cupula nov. nom. 


1864. Chenendopora marginata RoEMER, Sp., S. 42. 

1888—89. Verruculina marginata GRIEPENKERL, Königslutter, S. 16. 

1900. Verruculina marginata WOoLLEMANN, Kreide von Biewende, S. 4. 

1901. Verruculina marginata SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 21. 

Der sehr dickwandige, selten mehr als faustgroße Schwammkörper ist napffürmig, oder bei jüngeren 
Individuen auch wohl keulenförmig, mit flachem oder wenig vertieftem Paragaster. Außenseite mit 
mehr oder weniger dicht zusammenstehenden, porenartigen oder leicht warzenformig erhöhten Ostien. 
Die Postiken an der Innenseite liegen zerstreut und sind stark warzenförmig erhöht. Durchmesser der 
Ostien 0,5 mm und mehr, der Postiken bis 2 mm. (Auf 1 gem 6—10 Postiken.) 

V. cupula unterscheidet sich von V. seriatopora durch eine diekere Wandung, gedrungenere 
Gestalt und durch größere Kanalmündungen an beiden Seiten. 

Diese Spezies ist wahrscheinlich die Spongia oder Chenendopora marginata, die verschiedene Autoren 
Puituirs zuschreiben, stimmt aber mit der Verruculina-Art, die PnıLLırs als marginata beschrieben 
und abgebildet hat, nicht überein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und unteren Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 8. 


Verruculina astraea Hinpe. 
1883. Verruculina astraea Hınpe, Catal., S. 37, Taf. III, Fig. 5, 5a. 


Der dünnwandige, bis handgroße Schwammkörper ist plattig, teller-, trichter- oder ohrförmig. 
Innenseite mit ziemlich weit auseinander liegenden, unregelmäßig verteilten, warzenförmigen Postiken, 
zwischen denen zahlreiche anastomosierende Horizontalkanälchen, welche z. T. von den Postiken stern- 
förmig ausstrahlen, die Oberfläche durchfurchen. Außenseite mit winzigen, bei günstiger Erhaltung warzen- 
förmig erhöhten Ostien, die etwa um ihren Durchmesser, oder etwas mehr oder weniger weit von 
einander entfernt sind. Dicke der Wandung: ca. 5 mm. Durchmesser der Postiken ca. 1,0 mm, der 
Ostien ca. 0,3 mm. 

V. astraea unterscheidet sich von den anderen Arten recht deutlich durch die sternförmigen Ana- 
stomosen, die von den Postiken ausgehen. R 

Alter und Facies: Kalkmergel der unteren Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.). 

Anzahl der untersuchtien Stücke: 3 


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Verruculina angulata nov. sp. 


Regelmäßig oder unregelmäßig kreisel- oder tischförmig, mit abgestutztem Rand, der bei älteren 
Exemplaren kurze, ohrförmige oder lappige Fortsätze bilden kann, und ebener Oberseite; kurz gestielt 
oder sitzend. Außenseite mit dicht zusammenstehenden porenartigen Ostien. Die ca. 1 mm weiten 
Postiken sind gewöhnlich warzenförmig erhöht und in Abständen von 2—3 mm über die ganze Scheitel- 
fläche zerstreut. Ausgewachsene Individuen werden über 10 cm hoch und dick. Junge Exemplare 
erinnern an Jereica- und Stichophyma-Arten. Sie unterscheiden sich aber von den letzteren durch eine 
feinporöse Außenseite, von ersteren durch die kleineren und stets warzenförmig erhöhten Postiken. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 

Anzahl der. untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Stichophyma POMEL emend. v. ZITTEL. 1878. 


Walzen-, keulen- oder kreiselförmige Rhizomorinidae. Im abgestutzten Scheitel große, vorstehende 
Postiken von Vertikalaporhysen. Außenseite mit ziemlich großen, zerstreut liegenden oder gleichmäßig 
verbreiteten, warzenartig hervorragenden oder einfachen Kanalmündungen. Die Außenseite ist zuweilen 
mit einer, aus einem innigen Geflecht kleiner, stark verästelter Rhizoclone zusammengesetzten Deck- 
schicht überzogen, die aber die größeren Kanalmündungen freiläßt. 

Obere Kreide. 


Stichophyma verrucosa Roem. sp. 


?1845--46. Manon sparsum Reuss, Böhm. Kr., S. 78, Taf. XVIII, Fig. 12—20. 
21845. Manon turbinatum Reuss (nicht Rormer), Böhm. Kr., S. 78, Taf. XIX, Fig. 1—6. 

1864. Polyjerea verrucosa ROEMER, Sp., S. 35, Taf. XIII, Fig. 5. 

1878. Manon turbinatum QUENSTEDT (nicht Rormer), Petr. V, S. 372, Taf. CXXXII, Fig. 12. 

1878. Polyjerea verrucosa QUENSTEDT, Petr. V, S. 425, Taf. CXXXV, Fig. 12. 

1878. Stichophyma verrucosa ZITTEL, Stud. II, S. 61. 

?1884. Stichophyma turbinata Poéta, Beitr. II, S. 25. 
?1884. Stichophyma sparsa PoërA, Beitr. II, S. 26. 

Walzen- oder keulenförmig, mit abgerundetem oder abgestutztem Scheitel und scheibenartig ver- 
breiterter Basis. Außenseite mit großen, vereinzelt liegenden oder zu kleinen Gruppen vereinigten warzen- 
förmig erhöhten Kanalmündungen. Auch im Scheitel mehr oder weniger zahlreiche, umwallte oder ein- 
fache Postiken, die ebensogroß oder nur wenig größer wie die warzenförmigen Ostien an der Außenseite 
sind. Durchmesser der Ostien und Postiken 1,5—2 mm. (Auf. 1 qem stehen 8—12.) Stichophyma verru- 
cosa kann 20 cm lang und am vorderen Ende bei keulenförmigen Exemplaren bis 5 cm dick werden. 
So große Stücke gehören aber zu den Ausnahmen und kommen nur im Cuvieri-Pläner vor. Die Jugend- 
formen ähneln jungen Individuen von Stichophyma multiformis, unterscheiden sich aber von juvenilen 
Exemplaren dieser jüngeren Art durch etwas größere und vereinzelter stehende Ostien. 


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Ob Stichophyma turbinata Reuss sp. und Stichophyma verrucosa Roem. sp. in der Tat Synonyme sind, 
kann ich in Ermangelung Böhmischen Vergleichsmaterials nicht entscheiden. Zweifellos stehen aber Sticho- 
phyma turbinata Reuss und ihre von Reuss und Poéra Stichophyma sparsa genannte Jugendform RoEMERS 
Stichophyma verrucosa näher wie der Stichophyma turbinata dieses Autors. 

Alter und Facies: Scaphiten- und Cuvieri-Pläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (z. s.), GroB- und Klein-Heere (s.), 
Langelsheim (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke; 15. 


Stichophyma robusta nov. sp. (Taf. XXII, Fir. 1). 


Kanalsystem wie bei Stichophyma verrucosa, aber von dieser Art leicht zu unterscheiden an der 
eckig-kreiselformigen oder tischförmigen Gestalt. Über der lappigen Fußscheibe ist der Stiel nur 2 em 
dick. Von da ab verbreitert sich der Körper so schnell, daß der Querdurchmesser, der am vorderen Ende 
10 cm beträgt, schon wenig über der Mitte größer ist wie der ganze, 7 cm betragende Längsdurchmesser. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Stichophyma turbinata Rom. sp. 

1840—41. Manon turbinatum RoEMER, Kr., S. 3, Taf. I, Fig. 5. 

1864. Verrucospongia turbinata ROEMER, Sp., 8. 44. 

1878. Stichophyma turbinata Zirrer, Stud. II, S. 61, Taf. IV, Fig. 5. 

1883. Stichophyma turbinata Hınve, Catal., S. 41. 

?1888—1889. Stichophyma turbinata GRIEPENKERL, Kônigslutter, S. 16. 

Kreiselförmig, mit flachem, abgerundetem oder abgestutztem Scheitel. Außenseite mit zerstreut 
liegenden, warzenförmig erhöhten oder auch nur porenartigen, 0,5—1,0 mm weiten Ostien. (30—60 auf 
1 qem.) Auf dem Scheitel zahlreiche umwallte oder flache Postiken (auf 1 gem 6—12), deren Durchmesser 
1—2 mm beträgt. (Bei jungen Individuen sind sie aber gar nicht oder nur wenig größer wie die Ostien.) 
Ausgewachsene Exemplare werden nur etwa 6 cm lang und zuweilen am vorderen Ende fast ebenso dick. 
Die Art bleibt demnach weit hinter den Dimensionen der nächstverwandten Spezies Stichophyma multi- 
formis zurück, von der sie sich übrigens auch durch kreiselförmige Gestalt, viel kleinere Postiken 
und zerstreuter liegende und gewöhnlich warzenförmig erhöhte Ostien unterscheidet. Das einzige Exem- 
plar, welches ich in der Quadraten-Kreide gefunden habe, zeichnet sich vor den typischen Stücken vom 
Sudmerberg durch etwas kleinere Kanalmündungen aus, stimmt aber sonst mit dem Typus überein. 

GRIEPENKERL führt die Art aus dem Obersenon von Königslutter an; ob mit Recht, kann ich 
nicht sagen. 

Nach Poéra soll sie auch im Cenoman von Böhmen vorkommen. Es handelt sich da aber m. E. 
um eine Form, die Stichophyma verrucosa RoEMER sp. nahesteht. 


— 145 — 


Alter und Facies: Untersenone Sandmergel, obersenone Kalkmergel. 
Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (h.), Misburg (s. s.). 


Anzahl agen untersuchten Stücke: "9: 


Stichophyma multiformis Bronn sp. 


1837. Siphonia multiformis Bronn., Leth., Taf. X XVII, Fig. 20. 

1864. Jerea multiformis Roemer, Sp., 8. 33. 

1901. Jereica multiformis SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 21. 

1902. Jereica multiformis SCHRAMMEN, Neue Hexact., S. 3. 

1883. Stichophyma tumida Hinpe, Catal., S. 41, Taf. V, Fig. 3, 4. 

Walzen- oder keulenfürmig, mit abgestutztem oder abgerundetem Scheitel und ringférmigen Quer- 
wülsten und Einschnürungen, lang gestielt. Im Scheitel mehr oder weniger zahlreiche, um ihren Durch- 
messer von einander entfernte umwallte oder seichte Postiken. Außenseite mit runden Ostien, die bei 
jungen Individuen und an der Basis älterer vereinzelt oder in kleinen Gruppen stehen, sonst aber als poren- 
artige Löcherchen ziemlich dicht und gleichmäßig über die Oberfläche verteilt sind. Durchmesser der 
Postiken 2—5 mm, der Ostien ca. 1,0 mm. (Auf 1 gem 50—60 Ostien.) 

Den Namen multiformis führt die Art nicht mit Unrecht. Denn je nachdem die Bildung ring- 
förmiger Querwülste, durch die der Schwammkörper in übereinander liegende Abschnitte zerlegt wird, 
in der Nähe der Basis oder mehr in der oberen Hälfte erfolgt, wird die Gestalt des Schwammes mehr ab- 
gestutzt kegelförmig oder mehr keulen- und umgekehrt flaschenförmig. Am häufigsten sind walzenförmige 
Exemplare, bei denen sich die ringförmigen Anschwellungen in annähernd gleichen Abständen wiederholen. 
Mittelgroße Individuen sind etwa 15 cm lang und 5—10 cm dick. Das größte mir bekannte Stück erreicht 
die stattliche Länge von 55 cm, während das kleinste nur 3,5 em lang ist. 

Stichophyma multiformis unterscheidet sich von Stichophyma turbinata durch langgestreckt- 
walzenförmige (bei St. turbinata niedrig-kreiselförmige) Gestalt, durch größere Postiken und dichter ge- 
stellte Ostien. 

Die Spezies kann leicht mit Jereica polystoma Rorm. sp. verwechselt werden. Nach der äußeren 
Form sind die beiden Arten kaum zu unterscheiden. Die Jereica-Art hat aber an der Außenseite nur 
ganz winzige und sehr dicht zusammenstehende Ostien. 


Jugendstadien von Stichophyma multiformis erinnern durch ihre Gestalt und die Anordnung und 
Größe der Ostien und Postiken an ausgewachsene Individuen von Stichophyma verrucosa RoEM. sp. 
Man darf vermuten, daß die senone Ari eine Umbildung der turonen darstellt. In Nordwestdeutsch- 
land sind ja die Schichten, in denen die Ubergangsformen zu suchen wären, nicht in Spongienfacies 
entwickelt. Vielleicht ist aber Hınnes Stichophyma tumida aus dem Upper Chalk von Flamborough (eine 
genauere Angabe des Horizontes fehlt bei Hınpe), die sich, nach der Abbildung zu urteilen, von typischen 
Exemplaren der St. multiformis durch etwas weiter gestellte und warzenförmig erhöhte Ostien unter- 
scheidet, ein Glied der Entwicklungsreihe Stichophyma verrucosa — Stichophyma multiformis. 

v. ZırteL hat Siphonia multiformis Bronx (= Stichophyma multiformis Bronx sp.) irrtümlich an 
Jerea-Arten, die ja zu den Tetracladinen gehören, angeschlossen. 

Palaeontographica. Suppl. V. 19 


— 146 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten-Kreide. 


Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. h.), Oberg (z. h.), Adenstedt (z. h.), 
Biewende (z. h.). 


Anzahl der untersuchten Sticke: 40. 


Gattung Jereica v. ZITTEL. 1878. 


Walzenförmige, kugelige, kreisel-, birn-, keulen- oder umgekehrt kegelförmige Rhizomorinidae. 
Im abgestutzten, zugespitzten oder vertieften Scheitel große Postiken von vertikalen Aporhysen. Außen- 
seite gleichmäßig mit dichtstehenden, porenförmigen Ostien von haarfeinen radialen Epirhysen besetzt. 
Obere Kreide. 
Jereica punctata (Münster) GoLpr. sp. 


1826—33. Siphonia punctata (Münster) GoLpruss, Petr. Germ-, Taf. LXV, Fig. 13. 
1841. ‚Siphonia punctata RoEMER, Kr., S. 4. 
1864. Jerea punctata RoEMER, Sp., S. 32. 


1877. Spumispongia punctata foveata QUENSTEDT, Petr. V, S. 405, Taf. CXXXIV, Fig. 12. 

1878. Jereica punctata ZiTTeL, Stud. II, S. 63. 

1883. Jereica punctata Hinpe, Catal., S. 42. 

Kugelig oder birnförmig, mit abgerundetem, abgestutztem oder ganz leicht vertieftem Scheitel, 
kurz gestielt. Im Scheitel zahlreiche, dicht zusammenstehende, rundliche Postiken, deren Durchmesser 
etwa 2 mm beträgt. Oberfläche mit porenartigen Ostien. Ausgewachsene Exemplare sind etwa faustgroß. 

Jereica punctata kann leicht mit Coelocorypha subglobosa v. ZiTTEL verwechselt werden, namentlich, 
wenn die Scheitelregion nicht gut erhalten ist. (Die Außenseiten beider Arten sind gleich; Coelocorypha 
subglobosa hat aber eine einfache Centralhöhle.) QuEnsteot z. B. bildet unter dem Namen Spumispongia 
punctata Exemplare von Coelocorypha subglobosa (|. e. Taf. CXXXIV, Fig. 9, 10 u. 14) und von Jereica 
punctata (l. c. Fig. 12) ab. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (häufig). 

Anzahl der untersuchten Sticke: a. . 


Jereica excavata nov. sp. 


Kugelig oder birnförmig, mit mehr oder weniger stark vertieftem Scheitel, sitzend oder kurz gestielt. 
In der Scheitelgrube zahlreiche, etwa um ihren Durchmesser von einander entfernte, 2 mm weite runde 
Postiken. Außenseite mit dicht zusammenstehenden porenartigen Ostien. Diese Art, die sich von der 
älteren aber in ähnlicher Facies vorkommenden Jereica punctata hauptsächlich durch eine wohl ausgeprägte 
Scheitelvertiefung unterscheidet, erreicht auch größere Dimensionen. Das größte mir vorliegende Exem- 
plar ist 11 cm hoch und fast ebenso dick. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Adenstedt-Bülten (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 7. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


—— NAH =— 


Jereica turbo nov. sp. 


Regelmäßig kreiselförmig, mit abgestutztem Rand und flachem Scheitel, sitzend. Von der 2 cm 
dicken Basis ab nimmt der Körper schnell und gleichmäßig an Dicke zu und erreicht am Scheitel seinen 
größten, etwa 10 cm betragenden Querdurchmesser, der den Längsdurchmesser fast um das doppelte 
übertrifft. Oberfläche der Außenseite wie bei den anderen Arten. Die etwa 2 mm im Durchmesser halten- 
den Postiken sind auf eine kleine Stelle in der Mitte des Scheitels beschränkt. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Gr. Ilsede (s. selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Jereica polystoma Roem. sp. 

1864. Jerea polystoma RoEMER, Sp., S. 34, Taf. XII, Fig. 5. 

1877. Spongites cellulosus QUENSTEDT, Petr. V, S. 386, Taf. CXXXIII, Fig. 16. 

1878. Jereica polystoma ZitTeL, Stud. II, S. 63, Taf. IV, Fig. 11. 

1883. Jereica polystoma Hinpe, Catal., S. 42. 

1888—89. Jereica punctata GRIEPENKERL, Königslutter, S. 17. 

1901. Jereica polystoma SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 21. 

Cylindrisch, walzen- oder keulenförmig; glatt oder mit schwachen, ringförmigen Wülsten; lang- 
gestielt. Oberfläche gleichmäßig mit dicht zusammenstehenden, porenartigen, sehr selten auch pustelartig 
erhöhten Ostien besetzt. Im abgerundeten oder abgestutzten und zuweilen leicht vertieften Scheitel 
zahlreiche große, rundliche Postiken von 2—5 mm Durchmesser. Mittelgroße Exemplare werden schon 
über 20 cm lang und Stücke von 40—50 em Länge gehören nicht zu den seltenen Vorkommnissen. 
Bei typischen Exemplaren beträgt der Querdurchmesser etwa !/, —1/, des Längsdurchmessers, selten mehr. 

Jereica polystoma kann leicht mit Stichophyma multiformis Bronx sp., die mit ihr in der Gestalt, 
den Dimensionen und Postiken fast übereinstimmt, verwechselt werden. Ein sicheres Unterscheidungs- 
merkmal giebt aber die Größe der Ostien ab, welche bei der Jereica-Art sehr klein und porenartig, bei 
Stichophyma multiformis ziemlich groß und häufig auch warzenförmig erhöht sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (häufig), Oberg (häufig), Ahlten, Biewende, 
Boimsdorf. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 100. 


Jereica tuberculosa Rorn. sp. 


1864. Jereica tuberculosa Roemer, Sp., S. 35, Taf. XIII, Fig. 3. 
1878. Jereica tuberculata v. ZITTEL, Stud. II, S. 63. 
1902. Jereica polystoma var. tuberculosa WoLLEMANN, Lüneburger Kreide, S. 8, 


Allgemeine Körperform, Dimensionen und Kanalsystem wie bei Jereica polystoma Roem. sp., aber 
vor dieser Art durch zahlreiche, etwa nußgroße, halbkugelige oder fingerförmige Auswüchse ausgezeichnet. | 

Ob man die eigentümlichen Knoten als Arteigentümlichkeit ansehen darf, könnte fraglich sein. 
Ganz ähnliche Knollen, die aber durch schmarotzende Cirrhipedien (Acasta) hervorgerufen werden, hat 
nämlich DoEDERLEIN (Stud. an jap. Lithistiden S. 71) an recenten Discodermien beobachtet. 


— 148 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der unteren und mittleren Mucronaten-Kreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Ahlten (s.). 
Anzahl der untersuchten Sticke: 15. 


Jereica oligostoma nov. sp. 


Kegelförmig, umgekehrt birnenférmig oder tannenzapfenförmig; glatt oder mit ringförmigen Quer- 
wülsten, die zuweilen lappige Fortsätze bilden, und gewöhnlich in der Nähe der Basis oder doch wenigstens 
an der unteren Hälfte der Spongie liegen. Oberfläche mit dicht zusammenstehenden porenartigen Ostien. 
Auf dem zugespitzten Scheitel einige rundliche Postiken von 1,5—3 mm Durchmesser. Der Stiel geht 
nicht wie bei J. polystoma allmählich in einen nach vorn immer dicker werdenden Schwammkörper über, 
sondern er ist scharf abgesetzt, indem der Schwammkörper dicht über dem Stielansatz unvermittelt so 
stark an Dicke zunimmt, daß der größte Querdurchmesser schon im unteren Drittel erreicht wird. Das 
kleinste der mir vorliegenden Exemplare ist, ohne Stiel gemessen, 5 cm lang, an der dicksten Stelle 4,5 cm, 
und am Scheitel 1,0 em dick. Das größte ist 10 cm lang und an der dicksten Stelle 9cm, am Scheitel aber 
nur 2 cm dick. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.), Adenstedt (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke; 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Stachyspongia v. ZITTEL. 1878. 


Cylindrische oder walzenförmige Rhizomorinidae mit tiefem, röhrenförmigem Paragaster. An 
der Außenseite ziemlich große, kegelförmige, zitzenartige oder warzige Höcker. Kanalsystem wie bei 
Scytalia. 

Obere Kreide. 


Stachyspongia ramosa QUENSTEDT sp. 
1877. Spongia ramosa QUENSTEDT, Petr. V, S. 399, Taf. CXXXIV, Fig. 7 (?), Fig. 8. 


Cylindrisch, walzen- oder keulenförmig, gerade oder gekrümmt, mit abgestutztem oder abgerundetem 
Scheitel, gestielt. Paragaster sehr tief und eng. Sonst wie Stachyspongia spica, von der sich die Art 
hauptsächlich durch gracileren Bau unterscheidet. Das größte mir vorliegende Exemplar ist ohne Stiel 
30 cm lang, aber nur 3 cm dick. Exemplare von Stachyspongia spica, die nur halb so lang sind, sind 
gewöhnlich fast noch einmal so dick. Ich besitze aber auch Stücke von Stachyspongia ramosa, bei denen 
die Durchmesser sich fast wie bei Stachyspongia spica verhalten, die aber mittelgroßen spica-Exemplaren 
an Größe erheblich nachstehen. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 50. 


— 149 — 


Stachyspongia spica Roem. sp. 


1864. Siphonocoelia spica Rorm., Sp., S. 30, Taf. XI, Fig. 5. 

1878. Stachyspongia spica Zirret, Stud. II, S. 65, Taf. V, Fig. 5. 

1883. Stachyspongia spica Hinpe, Catal., 8. 45, Taf. VI, Fig. 2. 

Cylindrisch, gerade oder leicht gekriimmt, mit tiefem und gewühnlich engem Paragaster, gestielt. 
Außenseite mit ziemlich langen, zitzen- oder kegelförmigen Zacken, die der Spongie einen eigentümlich 
stacheligen Habitus geben aber gewöhnlich im Gestein stecken bleiben. Von den Zitzen laufen bis 1 mm 
breite Furchen herab, die zwischen den Zitzen anastomosieren und dadurch eine ziemlich stark ausgeprägte 
Runzelung der Oberfläche verursachen. Mein größtes Exemplar ist 21 cm lang (ohne Stiel), 5 cm dick, 
und hat bis 1 cm lange, und an der Basis 0,5—1 cm dicke Zitzen. 

Rogmers Abbildung ist nicht ganz korrekt. So stark nach vorn gerichtet sind die Spitzen der Zitzen 
niemals. Auch sind die Zitzen nicht so regelmäßig angeordnet. 

Alter und Facies: Cuvieri-Planer. 

Verbreitung und Vorkommen: Heere (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 


Stachyspongia tuberculosa Roem. sp. 


1864. ‚Siphonocoelia tuberculosa ROEMER, Sp., S. 29, Taf. XI, Fig. 4. 

1878. Stachyspongia tuberculosa ZiTTEL, Stud. II, S. 65. 

1889. Stachyspongia tuberculosa GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 18. 

10—15 cm lange, bis 4 em dicke Cylinder oder Walzen mit abgestutztem oder abgerundetem 
Scheitel und tiefem und ziemlich engem Paragaster, gestielt oder sitzend. Oberfläche mit zahlreichen 
rundlichen Höckern und Warzen, von denen feine Radialfurchen herablaufen, die zwischen den Höckern 
Verzweigungen bilden. Stachyspongia tuberculosa unterscheidet sich von den beiden älteren Arten da- 
durch, daß bei ihr die zitzenartigen Stacheln auf Höcker und Knötchen reduziert sind, und durch feinere 
Runzelung der Oberfläche. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. Mergel und Kalke der Quadraten- und 
Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (s.), Glentorf (h.), Misburg (s. s.) 

Anzahl der untersuchten Sticke: 1. 


Gattung Scytalia v. ZITTEL. 1878. 


Walzen-, kreisel-, keulen- oder cylinderférmige Rhizomorinidae mit einfacher, tiefer Gentralhöhle. 
Außenseite mit feinen Ostien. Paragaster mit etwas größeren Postiken. Zuweilen ist die Außenseite 
mit einer glatten und dünnen Kieselhaut überzogen. 


Obere Kreide. 


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Scytalia terebrata Puizz. sp. (Taf. XXI, Fig. 3). 


1835. Spongia terebrata Puiti., Geol. Yorksh., S. 90, Taf. I, Fig. 10. 
21845—46. Cnemidium pertusum Reuss, Bohm. Kr., S. 71, Taf. XVI, Fig. 8, 14. 

1864. Jerea turbinata RoEMER, Sp., S. 32, Taf. XII, Fig. 1. 

1878. Scytalia terebrata Zittern, Stud. II, S. 65. 

1878. Seytalia turbinata ZitteL, Stud. II, S. 65. 

?1878. Scytalia pertusa Zirre., Stud. II, S. 65. 

1883. Scytalia terebrata Hınve, Catal., S. 45. 

21884. Scytalia pertusa Poéra, Beitr. II, S. 28, Taf. Il, Fig. 2 und Textfiguren. 
21886. Scytalia pertusa ZANALKA, Wiener Akad. d. Wissensch., Bd. XCII, S. 649. 

1889. Scytalia turbinata GRIEPENKERL, Kônigslutter, S. 18, Taf. II, Fig. 4. 

Dick keulen-, kreisel- oder dick walzenförmig, glatt oder mit konzentrischen Wülsten, gestielt mit 
scheibenartiger Verbreiterung oder wurzelförmiger Zerschlitzung des Stielendes. Scheitel abgestutzt oder 
abgeschrägt. In seiner Mitte die runde Öffnung der tiefen Zentralhöhle. Die Außenseite ist zuweilen 
mit einer glatten Kieselhaut überzogen, die aber gewöhnlich fehlt. Dann ist die Oberfläche mit dicht 
aneinanderliegenden, nadelstichartigen Ostien bedeckt. Wo die Oberfläche noch weiter abgerieben ist, 
kommen zahlreiche, ca. 1 mm weite Kanalmündungen zum Vorschein, von denen grobe Kanäle schräg 
von unten nach oben in die Wandung eindringen. Verlauf und Verzweigungen dieser Kanäle 
kann man gut am Scheitel der Spongie, wo sie sich als Furchen darstellen, beobachten. Sie münden 
mit ziemlich großen, dicht aneinander liegenden Postiken auf der Paragasterwandung. Mein kleinstes 
Exemplar, es ist das geologisch älteste und stammt aus dem Scaphiten-Pläner von Nettlingen, ist 7 cm 
hoch und ca. 3,5 em dick. Paragaster 0,7 cm weit. Mein größtes, ein Prachtstück aus der Mucronaten- 
Kreide von Misburg, ist 25 cm lang und 10 cm dick, mit 2 cm weitem Paragaster. 

Poéra will im Skelett der Scytalia pertusa ,,hier und da deutlicher vierstrahlige Elemente“ gefunden 
haben, ,,so daß diese Art sozusagen einen Übergang von den Rhizomorinen zu den Tetracladinen bildet“. 
Die Ähnlichkeit der von Poéra beobachteten Rhizoclone mit Tetraclonen kann aber nur eine zufällige 
und rein äußerliche sein, und der Schluß auf nähere Beziehungen zwischen Scytalia pertusa und den Tetra- 
cladinen ist durchaus unbegründet. 

Ob Scytalia terebrata PHIL. sp. und Scytalia pertusa Reuss sp. Synonyme sind, möchte ich in Er- 
mangelung böhmischen Vergleichsmaterials nicht entscheiden. Es ist aber nicht unwahrscheinlich. Im 
umgelagerten Cuvieri-Pläner von Oppeln kommen nämlich neben Formen, die sich gar nicht von typischen 
terebrata-Stücken unterscheiden, auch Exemplare vor, die wie die von Pocra und ZAHALKA beschriebenen 
und abgebildeten Stücke von Scytalia pertusa am Basalteil ringförmige Wülste mit knotigen und lappigen 
Anhängseln und Auswüchsen besitzen. In diesen Bildungen, die vielleicht nur Wachstumseigentümlich- 
keiten darstellen, scheint aber der einzige Unterschied zwischen Scytalia terebrata und Scytalia pertusa 
zu bestehen. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner, Cuvieri-Pläner, ? Cenoman (Korytzaner Schichten), 
Kalkmergel der Mucronaten- und Quadraten-Kreide. ? Priesener Schichten. 


Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (s. s.), Salder, Heere (z. s.), Oppeln 
(h.), Misburg, Oberg, Adenstedt, Glentorf. 


Anzahl der untersuchten Sticke: ca. 50: 


— 11 — 


Scytalia terebrata Puis. sp., var. elongata Pocra. 
21884. Scytalia pertusa Reuss sp., var. elongata Poéra, Beitr. II, S. 29, Fig. 16. 


Zylindrisch, mit zahlreichen, dicht übereinanderliegenden, konzentrischen Runzeln und Wülsten, 
gestielt oder sitzend. Scheitel abgestutzt. In seiner Mitte die runde Öffnung des tiefen und engen Para- 
gasters. Oberfläche und Kanalsystem wie bei Scytalia terebrata, von der sich die Art namentlich durch 
verhältnismäßige Schlankheit und langgestreckte Zylinderform unterscheidet. Das Verhältnis des Längs- 
durchmessers zum Querdurchmesser ist bei Scytalia terebrata ungefähr wie 2:1, bei var. elongata aber 
wie 3 oder 4:1. 

Auch bei der Varietät habe ich an Exemplaren aus dem umgelagerten Cuvieri-Turon von Oppeln 
die knotigen und lappigen Wülste beobachtet, die Poëra und ZaHALKA als Eigentümlichkeiten der Scytalia 
pertusa Reuss sp. anführen. 

Alter und Facies: Cuvieri-Turon; Quadraten-Senon. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln, Misburg, Adenstedt. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Belegstücke in meiner Sammlung. 


Scytalia radiciformis Puizz. sp. (Tafel XXI, Fig. 2.) 


1829. Spongia radiciformis Puizz., Geol. Yorksh. II, S. 90, Taf. I, Fig. 9. 

1864. Eudea annulata Roemer, Sp., S. 26, Taf. XI, Fig. 2. 

1878. Scytalia radiciformis ZitteL, Stud. II, S. 65, Taf. V, Fig. 4. 

1883. Scytalia radiciformis Hınde, Catal., S. 44, Taf. VI, Fig. 4. 

1900. Scytalia annulata WOLLEMANN, Kreide von Biewende, $. 5. 

Schlank-zylindrisch oder walzenförmig; gewöhnlich mit mehreren schwachen, ringförmigen Ver- 
diekungen, die mit Einschnürungen abwechseln; gestielt oder an der Basis in mehrere Wurzeln geteilt, 
einfach oder zusammengesetzt. Scheitel abgerundet, abgeschrägt oder zugespitzt. In seiner Mitte die 
runde Öffnung der einfachen, tiefen Zentralhöhle. Außenseite fein porös, mit zerstreut liegenden, nadel- 
stichartigen Ostien. Die Postiken sind etwas größer und auch dichter aneinander gerückt. Mittelgroße 
Exemplare sind 8—14 cm lang, 3—4 cm dick. Das Paragaster ist 0,5—1 cm weit. 

Von den anderen Scytalia-Arten ist die zierliche Scytalia radieiformis leicht zu unterscheiden. 
Dagegen sind Verwechslungen mit Phalangium-Arten möglich. In Fällen, wo die Untersuchung des Ske- 
letts wegen schlechter Erhaltung für die Differentialdiagnose keinen Erfolg verspricht, kann man 
Scytalia auch wohl an der Neigung zur Bildung ringförmiger Verdiekungen erkennen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (h.), Oberg (z. h.), Adenstedt (h.). Biewende. 

Anzahl der untersuchten Stücke:. ca. 40. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Coelocorypha ZITTEL. 1878. 


Einfache oder zusammengesetzte, birnen- oder zylinderförmige Rhizomorinidae mit engem, 
mäßig tiefem oder seichtem Paragaster. Außenseite mit dichtstehenden, porenartigen Ostien von 


feinen, radial verlaufenden Epirhysen. Paragasterwandung mit etwas größeren Postiken von kurzen 
Aporhysen. 

Obere Kreide. 

v. Zirrev führt auch Polycoelia familiaris Roem. und Eudea crassa Rorm. als Coelocorypha-Arten 
an. Polycoelia familiaris ist aber eine Pachinion-Art (Fam. Corallistidae), und Eudea crassa ist synonym 
mit Pachytrachelus conicus Roem. sp. (Fam. Sphaerocladinidae). 

Von den Coelocorypha-Arten, die GRIEPENKERL erwähnt, ist Coelocorypha Janus Roem. sp. (bei 
GRIEPENKERL) eine Tetracladine, die hier (Seite 110) als Lopadophorus Griepenkerli beschrieben worden ist. 

Coelocorypha (Diseudea) tuberculosa Roem. sp. nennt GRIEPENKERL eine nur in einem Exemplar 
aufgefundene Spongie aus der Quadraten-Kreide von Glentorf, deren Gattungszugehörigkeit aber m. E. 
zweifelhaft ist. 


Coelocorypha subglobosa Zırter. 


1877. Spumispongia punctata QUENSTEDT, Petr. V, S. 405, Taf. CXXXIV, Fig. 9, 13, 14, 15. 

1878. Coelocorypha subglobosa ZiTTEL, Stud. II, S. 64, Taf. II, Fig. 4; Taf. VI, Fig. 9. 

Kugelig, birnen-, apfel- oder eichelförmig, mit abgerundetem oder leicht zugespitztem Scheitel, 
kurz gestielt. Im Scheitel die runde Mündung einer einfachen, engen und kurzen Zentralhöhle, von deren 
Rande über den Scheitel feine Furchen ausstrahlen. Oberfläche gleichmäßig mit dicht zusammenliegenden, 
porenförmigen Ostien bedeckt. An einem mittelgroßen, kugeligen Exemplar beträgt der Längsdurch- 
messer (ohne Stiel) 5 cm, der Querdurchmesser ca. 7 cm, die Länge des Stiels 1,5 cm, der Querdurchmesser 
des Paragasters 0,5 cm, die Tiefe des Paragasters 2,5 cm. 

Coelocorypha subglobosa ist von den anderen Coelocorypha-Arten leicht zu unterscheiden. Ver- 
wechslungen mit Jereica punctata GoLDF. sp. könnten aber vorkommen, denn die beiden Arten stimmen 
in der Körperform und in der Oberflächenstruktur überein (vgl. die Abbildungen beider Arten bei QuEn- 
STEDT). Die Coelocorypha hat eine einfache Centralhöhle, während im Scheitel von Jereica punctata mehr 
oder weniger zahlreiche große Postiken von Vertikalkanälen liegen. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (häufig). 

Anzahl der untersuchten Stücke:’ca. 20. 


Coelocorypha socialis Roem. sp. 


1841. Siphonia socialis Roemer, Kr., Taf. IT, Big. 5. 

1878. Coelocorypha socialis Zittev, Stud. II, S. 64, Taf. IV, Fig. 10. 

Zylindrisch oder walzenförmig, einfach oder zusammengesetzt, mit abgerundetem Scheitel, in dessen 
Mitte die runde Öffnung des engen und kurzen Paragasters liegt, sitzend. Oberfläche mit sehr feinen, 
dichtstehenden Ostien. Ein zylindrisches Fragment (nur die Basis fehlt), ist 2,5—3 cm dick. Der 
Querdurchmesser des Paragasters beträgt nur 0,3—0,4 em. Von zwei zusammengewachsenen Exemplaren 
ist das größere 5 cm, das kleinere ca. 4 cm lang. Sie sind ca. 2 cm dick und die Öffnungen im Scheitel 
wenig über 2 mm weit. 


— 153 — 


Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 
Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 
Anzabl der untersuchten Sticke: 3. 


Coelocorypha acuta Roem. sp. 


1841. Scyphia acuta Roemer, Kr., Taf. II, Fig. 4. 
1864. Siphonocoelia acuta Roemer, Sp., 8. 29. 
1878. Coelocorypha acuta Zittex, Stud. II, S. 64. 


Die kleinste Coelocoryphen-Art. Längsdurchmesser ca. 3 cm, Querdurchmesser 1 cm. Sie bildet 
kleine Zylinder mit verbreiterter Basis und abgerundetem Scheitel, von dessen Mitte kurze Furchen 
ausstrahlen. Oberfläche mit feinen Ostien. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (selten). 

Dzahl der untersuchten Stücke: 5. 


Coelocorypha nidulifera Roem. sp. 


1864. Siphonocoelia nidulifera RoEMER, Sp., S. 29, Taf. XI, Fig. 3. 

1878. Coelocorypha nidulifera ZitteL, Stud. II, S. 64. 

1888. Coelocorypha nidulifera GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, 8. 17. 

Nach RoEMER und GRIEPENKERL kugelig, birnförmig oder walzenförmig, mit engem Paragaster, 
von dessen Öffnung deutliche, anastomosierende Furchen ausstrahlen. An den Seiten mit großen, mehr 
oder weniger zahlreichen, scharfgerandeten, napfförmigen Gruben. ZITTEL vermutete, aber ohne das Skelett 
zu kennen, daß Siphonocoelia nidulifera Rom. eine Coelocorypha sei. Ich selber habe die Art niemals 
beobachtet, möchte aber aus RoEMERS und GRIEPENKERLS Beschreibungen schließen, daß entweder eine 
Astrobolie oder eine Lopadophorus-Art vorlag. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel; Grünsande der Quadraten-Kreide. 


Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg, Glentorf. 


Gattung Astrobolia v. ZITTEL 1878, emend. 


Halbkugelige oder knollige Rhizomorinidae mit sehr feinen Ostien und über die Oberfläche zer- 
_ Streuten, ziemlich großen, sternförmigen Postikengruppen. 
- Kreide. 

Die knolligen und kreiselférmigen Rhizomorinen mit grubigen oder flächenartigen Porenfeldern 
(Typus: Stellispongia impressa RoEMER), die v. ZITTEL zu Astrobolia gezogen hat, rechne ich zur Gattung 
Cytoracea PoMEL. 

Palaeontographica. Suppl. V. ; 20 


— 154 — 


Astrobolia conglomerata Roem. sp. 


1864. Stellispongia conglomerata Roemer, Sp., 8. 49, Taf. XVII, Fig. 4. 

1878. Astrobolia conglomerata Zitrev, Stud. II, 8. 51. 

Nach Roemer bildet die Art rundliche, halbkugelförmige oder oben etwas niedergedrückte Knöllchen. 
An der Oberfläche liegen mehrere Kanalmiindungen, von denen lange, bisweilen recht tiefe und dichotome 
Furchen ausstrahlen. 

Alter und Facies: Unterer Planer (?). 

Verbreitung und Vorkommen: Osterholz bei Salzgitter. 


Astrobolia hemisphaerica Roem. sp. 


1864. Stellispongia hemisphaerica Roemer, Sp., 8. 49, Taf. XVII, Fig. 3. 

1878. Astrobolia hemisphaerica Zittev, Stud. II, S. 51. 

Die Originaldiagnose lautet: ,,Das vorliegende Exemplar ist mehr als halbkugelförmig, unten konkav 
und konzentrisch gefurcht; die besser erhaltene Oberfläche ist ziemlich eben und zeigt zahlreiche Mün- 
dungen, welche etwa 3 Linien weit voneinander entfernt stehen und von kurzen, tiefen Furchen sternformig 
umgeben werden; ist die äußere Schicht des Schwammes zerstört, so liegen die Mündungen in flachen 
Vertiefungen und werden durch ein rauhes, unebenes Gewebe voneinander getrennt.“ 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 


Astrobolia tenella Roem. sp. 


1864. Asterospongia tenella RoEMER, Sp., S. 54, Taf. XIX, Fig. 6. 

1878. Astrobolia tenella ZittEL, Stud. II, S. 51. 

Nach Roemer ,,mehrere zollgroße, unregelmäßig gestaltete, abgerundete, niedergedriickte Knollen, 
auf deren oberen Fläche zahlreiche kleine Hocker mit etwa fünf ganz kurzen, ausstrahlenden Furchen 
sitzen, die zum Teil von einer größeren Pore ausgehen und deren höckerförmige Zwischenräume in die 
Augen fallen; die untere, unebene Fläche zeigt einen scharf abgeschnittenen Rand und stark konzentrische 
Furchen; sie ist glatt, ein Epithel aber nicht erhalten.“ 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 


- 


Astrobolia globosa Roem. sp. 


1864. Asterospongia globosa Roemer, Sp., S. 54, Taf. XIX, Fig. 5. 

1878. Astrobolia globosa ZitteEL, Stud. II, S. 51. 

Nach Roemer ,,kugelig, zolldick, mit erweiterter Basis aufgewachsen, überall von meist fünf- 
strahligen Sternen bedeckt und mit feinporösem Gewebe.“ 

Die Gattungszugehörigkeit ist zweifelhaft, denn das Skelett ist nicht bekannt. 


— 155 — 


Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 
Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 


Gattung Cytoracea POMEL 1872, emend. 


Knollige, kreisel- und keulenförmige Rhizomorinidae mit flachen oder in grubigen Vertiefungen 
liegenden Ostienfeldern, zwischen denen kräftige, anastomosierende Furchen liegen. Mit oder ohne 
Deckschicht. Paragaster vorhanden oder fehlend. 

Kreide. 


Cytoracea impressa Roem. sp. 


1864. Stellispongia impressa RoEMER, Sp., S. 49, Taf. XVII, Fig. 2. 

1877. Spongites impressus QUENSTEDT, Petr. V, S. 374, Taf. CXXXIII, Fig. 1, 2. 

1878. Astrobolia impressa ZiTTeL, Stud. II, S. 51. 

Kastaniengroße, ungestielte Knöllchen und Klümpchen mit 0,5—1 cm weiten, und ebenso tiefen, 
runden Höhlungen und größeren, wie mit dem Finger eingedrückten Gruben, in denen Felder von sehr 
feinen Ostien liegen. Die kantigen oder abgerundeten Wülste zwischen den Gruben werden von kräftigen 
Kanälen durchfurcht. Man vermeide Verwechslungen mit der sehr ähnlich gestalteten Tetracladine 
Lopadophorus impressus Scurm. und beachte, wenn das Skelett nicht erhalten ist, daß im Scheitel der 
Lopadophorus-Art mehr oder weniger zahlreiche, bis 1 mm weite Postiken liegen. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 


Cytoracea grandis Roem. sp. 


1864. ‚Stellispongia grandis Roemer, Sp., S. 49, Taf. XVII, Fig. 1. 

1878? Astrobolia grandis ZıtteL, Stud. II, S. 51. 

Bis faustdicke, ungestielte Kreisel oder umgekehrte Kegel. Scheitel flach, mit 1—3, bis 2 cm 
weiten Paragasteröffnungen, von denen kräftige Furchen nach dem Rande ausstrahlen. Außenseite 
runzelig, mit feinen Ostien. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 


Cytoracea costata nov. sp. 


Kreiselförmig, ca. 5 cm hoch und am Scheitel ebenso dick, mit flachem Scheitel, kurzgestielt. An 
der Außenseite verlaufen vom Scheitel zum Stiel fünf 1—2 em breite Rippen, zwischen denen grubige 
Porenfelder liegen. Die glatte Oberfläche der Rippen geht allmählich in die Scheitelpartie über, während 


— 156 — 


die grubigen Porenfelder gegen Scheitel und Rippen kantig abgesetzt sind. In der Scheitelmitte die ca. 
1 cm weite, runde Miindung der einfachen Zentralhéhle, von welcher zahlreiche kraftige Furchen bis zum 
Rand und über die Oberfläche der Rippen ausstrahlen. 

Cytoracea costata unterscheidet sich von allen anderen Arten durch die Hallirhoa ähnliche Körperform. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Cytoracea rimosa nov. sp. (Tafel XXII, Fig. 3.) 


Das ausgezeichnet erhaltene einzige Exemplar, das ich gefunden habe, hat die Form eines 12 cm 
langen, 5—7 em dicken, eiförmigen Knollens und ist mit der Basis auf ein Verruculina-Fragment fest- 
gewachsen. Im abgerundeten vorderen Ende mündet eine 0,7 cm weite und ziemlich tiefe Zentralhöhle. 
Außenseite mit sieben, 2—4 cm langen, ca. 2 cm breiten, 1—1,5 cm tiefen Gruben, in denen Ostien- 
felder liegen. Zwischen den Gruben liegen Wülste, die von 1—1,5 mm breiten Kanälen durchfurcht werden. 

Cytoracea rimosa, die wohl mit der älteren und in einer anderen geologischen Facies vorkommenden 
Cytoracea impressa näher verwandt ist als mit den anderen Arten, unterscheidet sich von C.impressa durch 
verhältnismäßig sehr große Dimensionen, eiförmige Gestalt, Entwicklung eines Paragasters und durch 
größere Ostien und gröbere Furchenkanäle. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (sehr selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Cytoracea turbinata nov. sp. (Tafel XXIII, Fig. 4, 5.) 


Kreiselförmig oder keulenförmig, mit abgerundetem oder abgestutztem und leicht gewölbtem Scheitel, 
kurz gestielt oder sitzend. Im Scheitel, aber gewöhnlich nicht in der Mitte sondern mehr oder weniger 
exzentrisch, liegt die runde Mündung einer engen und mäßig tiefen Zentralhöhle, von der kräftige und 
mehr oder weniger verzweigte Furchen ausstrahlen. Seitenflächen mit mehreren umfangreichen Ostien- 
feldern, zwischen denen starke Kanalfurchen wie am Scheitel liegen, die miteinander Anastomosen bilden. 
Bei günstiger Erhaltung ist die ganze Oberfläche des Schwammkörpers mit einer dünnen Kieselhaut über- 
zogen, unter der die Ostienfelder und Furchenkanäle verschwinden. An einem kreiselförmigen Exemplar 
umzieht ein 1,5—2 cm breites Ostienfeld bandartig fast das ganze obere Drittel des Schwammes (mit Aus- 
nahme des Scheitels). Von dem Ostienfeld zweigen sich nach der Paragasteröffnung und nach der Basis 
zahlreiche und breite Kanäle ab. Die Bestimmung dieses Stückes, des ersten, das ich auffand, hat mir, 
bis ich andere gefunden hatte, an denen die eigentümliche Zerlegung der Oberfläche in Ostienfelder und 
Furchensysteme deutlicher ausgeprägt war, einiges Kopfzerbrechen wegen der großen Ähnlichkeit mit 
kleineren Exemplaren von Scytalia terebrata verursacht. Die Art ist aber, wenn man erst einmal über ihren 
Charakter im klaren ist, auch in schlechten Exemplaren gut zu erkennen. Zuweilen sind die Ostienfelder 


— 157. — 


ganz leicht vertieft, aber niemals annähernd so stark wie bei Cytoracea rimosa oder Cytoracea impressa. 
Mein größtes Exemplar ist 10 cm lang und 7 em dick. Das Paragaster ist 0,7 cm weit. Ein Ostienfeld 
ist 2—3 cm breit und ca. 8 cm lang. An einem kleineren Exemplar nimmt das Ostienfeld etwa 8 qem 
Fläche ein. Bei diesem Stück sind die übrigen Teile der Oberfläche und des Scheitels nur mit zahlreichen, 
1—1,5 mm breiten Kanalfurchen überzogen. 

Alter und Facies: Cuvieri-Pläner, Kalkmergel der Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Heere (s. selten), Misburg (selten). 

Bnzahl der untersuchten Stücke: 8. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Pachysalax nov. gen. 


(Etym.: 6 odAaé der durchlöcherte Boden des Siebes.) 


Einfache oder zusammengesetzte, feigen- oder birnförmige Rhizomorinidae mit über die Oberfläche 
zerstreuten sehr feinen Ostien, und Postikengruppen auf dem Scheitel und den Terminalflächen warzen- 
artiger Fortsätze. 

Obere Kreide. 

Einzige Art: 


Pachysalax processifer nov. sp. (Tafel XXII, Fig. 2.) 


Das einzige mir bekannte Exemplar ist ein birnförmiger, 10 cm langer, an der dicksten Stelle 5 cm 
dicker Knollen. Auf dem abgerundeten Scheitel und an den Enden kurzer zitzenartiger Fortsätze liegen 
Komplexe von Postikengruppen, zu denen feine, geschlängelte Furchen hinführen. Jede Gruppe enthält 
10—25 Postiken, deren Durchmesser 0,5—1 mm beträgt. Sonst ist die Oberfläche des Schwammes schein- 
bar dicht. An angeätzten Stellen bemerkt man aber mit der Lupe sehr zahlreiche nadelstichartige Ostien 
von radialen Epirhysen. 

Ich kenne aus der Kreide keine andere Rhizomorine von ähnlicher Gestalt. Ein Analogon bietet 
vielleicht das recente Genus Siphonidium, bei dem die Postiken auf den Gipfeln schlanker röhrenförmiger 
Fortsätze des Schwammkörpers liegen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronaten-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg, sehr selten. 

Minami der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Bolidium ZITTEL. 1878. 


Ästige oder knollige Rhizomorinidae, ohne sichtbare Kanalmündungen. In der Nähe der Basis 
häufig mit einer aus verfilzten Rhizocionen bestehenden Deckschicht überzogen. 
Obere Kreide. 


— 158 — 


Bolidium palmatum Roem. sp. 


1864. Amorphospongia palmata Rormer, Sp., 8. 55, Taf. XIX, Fig. 8. 

1878. Bolidium palmatum Zitt., Stud. II, S. 51, Taf. IV, Fig. 8. 

1883. Bolidium palmatum Hinpe, Catal., S. 31. 

1884. ?Bolidium palmatum Poéra, Beitr. II, S. 10. 

Diese einzige Art, die in der oberen Kreide von Nordwestdeutschland, und zwar nur in der Sudmer- 
bergfacies vorkommt, bildet zylindrische, wenig verästelte, an den Enden abgerundete, bis 10 em lange, 
2—3 cm dicke Stämmchen, deren Oberflache, soweit sie nicht von der glatten Kieselhaut überzogen wird, 
nur mit ganz feinen Ostien versehen ist. 

Verwechslungen mit anderen Arten sind kaum möglich. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg. 


Anzahl der untersurerhstemeSiiirelse:E3: 


Gattung Plinthodermatium nov. gen. 
(Etym.: N adAtvdog der Ziegel.) 


Dünnwandige, ohr- oder blattförmige Rhizomorinidae ohne größere Ostien und Postiken. Außen- 
seite chagrinartig genarbt. Innenseite mit einer glatten Deckschicht, unter der feine, von der Basis nach 
dem Rande verlaufende Furchen mit Postiken liegen. 

Obere Kreide. 


Plinthodermatium exile n. sp. (Tafel XXIII, Fig. 1.) 


Ein vollständiges Exemplar habe ich nicht gefunden, nur zwei gut erhaltene Fragmente. Die 
Wandung ist im Verhältnis zur Größe des ganzen Schwammkörpers sehr dünn (0,4—0,6 cm). Das größere 
Stück, ein ohr- oder halbtrichterförmiges Fragment, an dem der obere Rand und der Rand der einen 
Seite fehlen, ist 12 cm hoch und über 15 cm breit. Die Unterseite besitzt eine eigentümliche Oberflächen- 
struktur, die man mit Chagrinleder vergleichen könnte. Wie bei diesem ist sie mit zahllosen, dicht an- 
einander liegenden, durch seichte Furchen getrennten, warzenartigen Plättchen überzogen. Die Plätt- 
chen sind etwa 1 qmm groß. (Ich zähle sieben auf 0,5 qem.) Mit Hilfe der Lupe sieht man auf den Plätt- 
chen und auch in den dazwischenliegenden Furchen sehr winzige, dicht aneinander gedrängte Ostien. 
Die Innenseite ist mit einer dichten und glatten Deckschicht überzogen, unter der in feinen, von der Basis 
nach dem Rand verlaufenden Furchen stellenweise kleine Postiken liegen, von denen kurze gerade Kanäle 
in die Wandung eindringen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 


Das Original liegt in meiner Sammlung. 


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Gattung Coelosphaeroma nov. gen. 


(Etym.: xotdocg hohl, to opatomua der kugelförmige Körper.) 


-Kugelige Rhizomorinidae, mit tiefem, in der Nahe der Basis stark erweitertem und mit Ausstül- 
pungen versehenem Paragaster, sitzend. Oberfläche mit vom Scheitel herablaufenden Aporhysal-Furchen 
und porenartigen Ostien. Etwas größere Postiken auf der Paragasteroberfläche. 

Obere Kreide. 


Coelosphaeroma appendiculata nov. sp. (Tafel XXIII, Fig. 2, 3.) 


Das Original, übrigens das einzige Stück der Art, das ich gefunden habe, ist ein ca. 6 cm hoher, 
10 cm dicker, oben und unten abgeplatteter kugeliger Knollen. Im Scheitel liegt eine 2 cm weite, rund- 
liche Paragasteröffnung. Das Paragaster ist im oberen Teil zylindrisch und erweitert sich in der unteren 
Hälfte unter Bildung höhlenartiger Ausstülpungen. An der Basis des Schwammes entspringen zahlreiche 
kurze Würzelchen. Die Außenseite ist mit von der Scheitelöffnung herablaufenden, geschlängelten und 
verzweigten Kanalfurchen und mit winzigen Ostien bedeckt. Die Ostien gehören zu dünnen Kanälen, 
die senkrecht zur Oberfläche in den Schwammkörper eindringen (Epirhysen). Die vom Scheitel herab- 
laufenden Furchen werden bei weiterem Wachstum des Schwammes zu Kanälen (Aporhysen), die der 
Peripherie parallel laufen, und mit ziemlich großen Postiken auf der Paragasterwandung münden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg. 

momen der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Leiochonia SCHRAMMEN. 1901. 


Diekwandige, schüssel-, teller-, trichter- oder ohrförmige Rhizomorinidae mit scharf abgesetztem 
Rand. Oberfläche mit einer glatten Kieselhaut, unter welcher die rundlichen Mündungen der Kanäle liegen. 
Obere Kreide. | 


Leiochonia pinguis nov. sp. 


Von Herrn Dr. WoLLEMANN in Braunschweig erhielt ich drei größtenteils in Eisenhydroxyd um- 
gewandelte Rhizomorinen aus dem Cuvieri-Pläner von Salder, die ich für Leiochonien halte. Es sind sehr 
dickwandige, gestielte Trichter, die ganz mit einer dünnen, glatten Deckschicht überzogen sind, und 
sich wie die anderen Arten durch den gegen Ober- und Unterseite scharf abgesetzten Rand, und auch durch 
konzentrische Wachstumsrunzeln auszeichnen. Während aber bei den übrigen Spezies Oberseite und 
Unterseite ungefähr gleich groß sind, ist bei Leiochonia pinguis die Oberseite auf ein flaches Paragaster 
reduziert. Das am besten erhaltene, größte Exemplar ist 13 em hoch und vorn 8 em dick. Die Wandung 
_ ist 3 em dick (am Rand gemessen), und das Paragaster nur wenig über 1 cm tief. 

Alter und Facies: Cuvieri-Pläner. 


— 160 — | & 


Verbreitung und Vorkommen: Salder. 
Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 


Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Leiochonia cryptoporosa ScHrAmMEN.: (Tafel XXI, Fig. 4, 5.) 


21861. Platispongia discus COURTILLER, Ep. foss., S. 23, Taf. XXXVIII, Fig. 1. 

1901. Leiochonia eryptoporosa SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 16, Taf. V, Fig. 6. 

Teller-, flachtrichter- oder ohrförmig, nicht sehr dickwandig, gestielt oder sitzend. Rand gerade, 
gegen beide Seiten fast rechtwinklig abgestutzt (ein gutes Erkennungszeichen), mit scharfen Kanten, die 
bei fortschreitendem Wachstum auf der Ober- und Unterseite Spuren als konzentrische Wülste hinter- 
lassen. Ober- und Unterseite sind gewöhnlich mit einer scheinbar glatten, in der Tat aber sehr feinporösen 
Deckschicht überzogen, unter der zahlreiche, rundliche oder spaltförmige, zuweilen bis 1 mm weite Ostien 
bezw. Postiken liegen. Der Rand wird von kräftigen Kanälen durchfurcht. Leiochonia cryptoporosa 
wird bis 10 em hoch, bis 20 cm breit und 1 em dick. 

Verwechslungen könnten vorkommen mit Chonella auriformis RoEm. sp., Seliscothon planum PHILL. sp. 
und Chenendopora fungiformis Lamx. (mit dieser Art aber nur, wenn das Skelett nicht nachweisbar ist). 
Chonella hat abgerundete Ränder und auf der Innenseite kleine runde Postiken, Seliscothon eine strahlige 
Unterseite, Chenendopora abgerundete Ränder und große Postiken auf der Innenseite. 


Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. Untersenone Sandmergel. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg, Oberg, Adenstedt, Biewende, Sudmerberg. 
Anzahl der untersuchten Stücke: 10. 


Belegstücke in meiner Sammlung. 


Leiochonia robusta nov. sp. 


Trichterférmig, sehr dickwandig, gestielt. Rand gerade und sehr breit, von kräftigen, geschlängelten 
Kanälen durchfurcht, gegen die Oberseite stumpfwinklig, gegen die Unterseite spitzwinklig abgesetzt. 
Wie bei Leiochonia cryptoporosa hinterlassen die Kanten des Randes entsprechend den Wachstumsperioden 
der Spongie konzentrische Wülste auf der Ober- und Unterseite. Deckschicht sowie Anordnung und Größe 
der Ostien und Postiken wie bei L. cryptoporosa, von der sich L. robusta hauptsächlich durch andere MaB- 
verhältnisse unterscheidet. Gleichgroße Exemplare von L. cryptoporosa sind nämlich nur ca. 1 em dick, 
während die Wandung von Leiochonia robusta ca. 4 em dick wird. Die Art wird bis 12 cm hoch und über 
20 cm breit. 


Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten). 
Anzahl der untersuehten Stücke 3. 


Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Ion — 


Gattung Chonella ZITTEL. 1878. 


Ohr-, blatt- oder unregelmäßig trichterförmige Rhizomorinidae mit abgerundetem Rand und kleinen, 
runden, porenartigen Kanalmiindungen auf beiden Seiten. Von freien Kieselgebilden kommen an der 
Oberfläche und in der Wandung Amphioxe vor. 

Obere Kreide. 

Nach Zirret sollen im Chonella-Skelett ,,ganz vereinzelt kleine Triaene mit rückwärts gebogenen 
Zinken auftreten. Es kann sich da nur um eingeschwemmte Spicula von tetraxonen Kieselspongien 
handeln. 


Chonella tenuis Roem. sp. (Tafel XXI, Fig. 6.) 


1864. Cupulospongia tenuis RoEMER, Sp., 8. 51, Taf. XVII, Fig. 7. 

1878. Chonella tenuis Zitrer, Stud. II, 8. 52. 

1883. Chonella tenuis Hınde, Catal., S. 31. 

Trichterférmig, ohr- oder blattförmig, mit abgerundetem Rand, dünnwandig, gestielt oder sitzend. 
Unterseite (AuBenseite) und Oberseite (Innenseite) glatt, mit zahllosen, winzigen, aber mit unbewaffnetem 
Auge eben noch sichtbaren runden Ostien bezw. Postiken (ca. 5 auf 1 qmm), die an der Oberseite vielleicht 
etwas größer sind und auch weiter voneinander entfernt liegen wie an der Unterseite. Die Wandung 
ist 4—6 mm dick. Ein unregelmäßig trichterförmiges Exemplar aus der Mucronatenkreide von Misburg 
ist 12 em hoch, 8 cm weit. Ein ohrförmiges aus dem Scaphiten-Pläner von Nettlingen ist 4,5 em hoch, 
3 cm breit. 

Chonella tenuis unterscheidet sich von Chonella auriformis durch dünnere Wandungen, feinere 
Postiken auf der Innen-, und deutlicher sichtbare Ostien auf der Außenseite. Die Unterscheidungs- 
merkmale von Chonella tenuis und Coscinostoma fragilis findet man bei der Beschreibung der letzt- 
genannten Art. 

- Alter und Facies: Scaphiten-Pläner, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Linden, Biewende, Misburg, Oberg, Nettlingen, 
Adenstedt. 

auzanlder untersuchten Sticke: 8. 


Chonella auriformis Roem. sp. (Tafel XIX, Fig. 3, 4.) 
1841. Achilleum auriforme Roemer, Kr., S. 2, Taf. I, Fig. 3. 


1864. Cupulospongia auriformis RoEMER, Sp., 8. 51. 

1878. Chonella auriformis ZitteL, Stud. II, 8. 52. 

1883. Chonella auriformis Hinpe, Catal., S. 31. 

RoEMmERSs älteste Diagnose, die in den „‚Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges‘ nur wieder- 
holt wird, lautet: ,,Halbtrichter- oder ohrförmig, mit gerundetem, etwas rissigem Rande und aus sehr 
feinen, schlanken Fasern gebildet. Erreicht oft die doppelte Größe der Abbildung. Untere (später: 
Quadraten-)Kreide bei Peine, unterer Kreidemergel (später: Quadratenkreide) bei Ilsenburg. 

Die beigegebene Abbildung kann alles mögliche vorstellen. v. Zirrez führt trotzdem Achilleum 


auriforme RorEM. ohne weiteren Zusatz, (auch ohne das Sternchen, mit dem er bezeichnet, daß ihm Original- 
Palaeontographica. Suppl. V, 21 


— 162 — 


stticke vorlagen), als Chonella-Art an, und HınpDe ist ihm gefolgt. Zieht man aber einmal Achilleum 
auriforme zu Chonella, so ist die hier beschriebene Art wohl die einzige, die nach Habitus und geologischem 
Auftreten den RoEmer’schen Artnamen mit einigem Recht führen kann. — 

Chonella auriformis ist ohrförmig, blattförmig oder lappig, mit abgerundetem Rand, sitzend. Außen- 
seite fein porös. Innenseite glatt, mit kleinen, runden, ziemlich dicht beisammenliegenden Postiken (auf 
1 qmm 1—2). Die Wandung ist ca. 1 cm dick. Das kleinste mir bekannte Exemplar ist 6 cm hoch, 5 em 
breit. Das größte aber, ein vielfach gebogenes und zusammengefaltetes Prachtstück aus der Mucronaten- 
kreide von Misburg bedeckt eine Fläche von ungefähr 240 qem. 

Alter und Facies: Scaphiten-Pläner, untersenone Sandmergel, Kalkmergel der Mucro- 
natenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen, Sudmerberg, Misburg. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 8 


Gattung Coscinostoma nov. gen. 


Dünnwandige, trichter-, schüssel-, blatt- oder ohrförmige Rhizomorinidae mit porenartigen Ostien 
auf der Außenseite, und zu sternförmigen Gruppen geordneten Postiken auf der Innenseite. 
Obere Kreide. 


Coscinostoma fragilis nov. sp. (Tafel XXI, Fig. 7.) 


Unregelmäßig trichter- oder ohrförmig, dünnwandig, mit abgerundetem Rand, gestielt oder sitzend. 
Unterseite (Außenseite) mit dicht aneinander gedrängten, winzigen runden Ostien. Oberseite (Innen- 
seite) mit über die Oberfläche zerstreuten sternförmigen Postikengruppen. Der Schwammkörper ist 
höchstens 0,6 cm dick, kann aber eine erhebliche Größe erreichen. Mein größtes Exemplar, ein unregel- 
mäßiger Trichter, ist 12 em hoch (ohne Stiel), und vorn fast 20 cm weit. Von den sternförmigen 
Postikengruppen an der Oberseite gehen etwa 5 auf 1 Cr Zu einer Gruppe gehören 3—4 Postiken, 
die gewöhnlich dicht zusammenstehen. 

Coscinostoma fragilis ist leicht mit Chonella tenuis zu verwechseln, zumal sich die Unterseiten 
beider Arten überhaupt nicht unterscheiden lassen. Chonella tenuis besitzt aber an der Innenseite keine 
sternförmigen Postikengruppen, sondern gleichmäßig über die Oberfläche verteilte Postiken. Dann kämen 
noch Verwechslungen mit Verruculina-Arten in Frage, die man vermeidet, wenn man feststellt, ob auf 
der Oberseite unregelmäßig zerstreute, warzenförmig erhöhte Postiken (Verruculina) oder gruppenweise 
beisammenliegende, nicht erhöhte Postiken (Coscinostoma) liegen. 

Von der anderen Art unterscheidet sich Coscinostoma fragilis durch diinnere Wandungen und 
feinere und näher zusammenliegende Ostien. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten), Oberg (selten), Adenstedt (selten). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Coscinostoma auricula nov. sp. (Tafel XXI, Fig. 8.) 


Ohrförmig oder trichterformig, mit abgerundetem Rand, gestielt oder sitzend. Unterseite (AuBen- 
seite) mit zerstreut liegenden, nadelstichartigen Ostien. Oberseite (Innenseite) mit zahlreichen, zuweilen 
etwas erhöhten Postikengruppen, von denen sehr feine Kanälchen ausstrahlen. Der Schwammkörper 
ist 0,8—1,2 em dick, also dicker wie bei Coscinostoma fragilis. Das größte Exemplar meiner Sammlung, 
ein regelmäßiger Trichter, ist 7 cm hoch (ohne Stiel) und 17 cm weit. Auf 1 qem gehen etwa drei Postiken- 
gruppen. Zu einer Gruppe gehören 5—7 oder noch mehr Postiken. Coscinostoma auricula könnte mit 
Chonella auriformis verwechselt werden. Man achte auf die Beschaffenheit der Oberseite. Hier sind 
bei Chonella die Postiken nicht zu Gruppen vereinigt, sondern gleichmäßig über die Oberfläche verbreitet. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Seliscothon ZITTEL. 1878. 


Teller-, schüssel-, trichter- oder becherförmige Rhizomorinidae, deren Wand aus dünnen, radialen, 
senkrechten Lamellen, welche durch von Skelettbalken überbrückte spaltförmige Zwischenräume von 
gleicher Breite geschieden sind, zusammengesetzt ist. Innenseite mit runden, oder auch wohl mit spalt- 
förmigen Postiken. An der Außenseite dienen die Zwischenräume zwischen den radialen Skelettlamellen 
als Ostien. Oberfläche mit einer aus stark verästelten Rhizoclonen bestehenden Deckschicht, in der 
zuweilen zahlreiche Amphioxe liegen. 

Obere Kreide. Jetztzeit (?). 


Seliscothon planum Phırr. sp. 


1835. Spongia plana Purzr., Geol. of Yorkshire, S. 177, Taf. I, Fig. 1. 
1835. Spongia capitata Puiu. ib., S. 177, Taf. I, Fig. 2. 

1864. Chenendopora explanata RoEMER, Sp., 8. 44, Taf. XVI, Fig. 3. 
1878. Seliscothon planum et capitatum ZitTEL, Stud. II, 8. 54. 

1878. Seliscothon explanatum Zitrer, Stud. II, S. 54, Taf. IV, Fig. 2. 
1883. Seliscothon planum Hinpe, Catal., S. 31, Taf. II, Fig. 2—4. 
1883. Seliscothon explanatum Hinpe, Catal., S. 32, Taf. II, Fig. 5. 


\ 


Trichter-, teller-, scheiben- oder pilzförmig, mit abgestutztem, seltener mit abgerundetem Rand, 
gestielt. Junge Exemplare sind keulenférmig oder zylindrisch. Die Stücke aus den älteren Schichten 
der oberen Kreide sind nur klein. So ist von etwa zwanzig Exemplaren aus dem Scaphitenplaner von 
Nettlingen das größte, ein ziemlich flacher Trichter ohne Stiel nur 3,5 cm hoch, 10 cm breit und 0,8 cm 
dick. Ungefähr dieselben Maße besitzt ein Stück aus dem Cuvieripläner von Heere. Dagegen kommen 

- in der Quadraten- und in der Mucronatenkreide von Misburg nicht selten Individuen vor, die einen Scheiben- 
durchmesser von über 20 cm erreichen. Oberseite zuweilen mit konzentrischen Wachstumsrunzeln, außer- 
dem mit sehr zahlreichen, selten warzenförmig erhöhten, in der Regel aber nur eingesenkten Postiken, 


— 164 — 


deren Durchmesser 0,5—0,8 mm beträgt. Bei den geologisch älteren Vorkommnissen gehen etwa 8—12, 
bei den jüngeren bis 20 Postiken auf 5 qmm. Die Postiken sind bei älteren Individuen über die ganze 
Oberfläche der Innenseite zerstreut, bei jungen Exemplaren aber auf die Mitte des Scheitels beschränkt. 
Unterseite ohne Ostien, aber mit vom Stiel nach dem Rand verlaufenden, wenig erhabenen, sehr feinen 
Streifen, die den radialen Lamellen entsprechen, aus denen die Wandung besteht. Zuweilen ist die Unter- 
seite aber ebenfalls mit Deckschicht überzogen, und die Lamellenstruktur, an der allein man in zweifel- 
haften Fällen die Seliscothon-Arten von manchen, in der Beschaffenheit der Oberseite sehr ähnlichen 
Verruculina-Arten unterscheiden kann, verwischt. 

Von Seliscothon Mantelli unterscheidet sich Seliscothon planum hauptsächlich durch größere 
Postiken an der Oberseite. In der äußeren Form und in der Beschaffenheit der Unterseite stimmen 
die beiden Spezies ziemlich überein. 

Man könnte versucht sein die zylindrischen und keulenartigen Formen, bei denen der Längs- 
durchmesser den Querdurchmesser zuweilen um ein Mehrfaches übertrifft, für spezifisch verschieden zu 
halten, wie es PnırLıps auch getan hat (Beisp.: Sp. capitata Puitu.). Mir liegen aber aus allen Stufen der 
oberen Kreide, in denen Seliscothon-Arten vorkommen, auch aus Ablagerungen verschiedener Facies, 
Serien vor, die beweisen, daß die keulenförmigen etc. Individuen Jugendstadien darstellen. 

Nach Hınpe soll sich Seliscothon explanatum Rom. sp. von Seliscothon planum Puitu. sp. durch 
kleinere und weniger dicht zusammenstehende Postiken und durch feinere Radialstreifung der Unterseite 
unterscheiden. Ich glaube aber nicht, daß zwei verschiedene Arten vorliegen, denn die Abbildungen 
Roremers und Hinpes stimmen unter sich und mit der Abbildung bei Puiciips ganz gut überein. Auch 
die ausführliche Beschreibung, die Hınpe von Seliscothon planum Putt. gibt, passt gut auf die RoEMER’sche 
Art. Hinpe bildet übrigens die Oberseite eines Exemplars mit abgeriebener Oberfläche ab, während 
RoEMER eine etwas schematisierte Abbildung der Oberseite eines Stückes gibt, an dem die Postiken un- 
gewöhnlich gut erhalten gewesen sein müssen. 

Roemer identifiziert allerdings auch selber nicht seine Chenendopora explanata mit Spongia plana 
PsırL. Er hält vielmehr Spongia capitata PHıLL. und Spongia plana PnırL. (aber auch Spongia (Scytalia) 
terebrata PHıLL.), für Synonyme von Cupulospongia marginata Rorm., einer Art, deren Diagnose aber 
lange nicht so gut, wie die von Chenendopora explanata auf die PnırLıpssche Art paßt. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Cuvieripläner, Kalkmergel der Quadraten- und Mucro- 
natenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (z. h.), Salder (s.), Heere (s.), Misburg, 
Oberg, Adenstedt, Biewende (h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: Über hundert. 


cf. Seliscothon planum Phırr. sp. 


In der Quadratenkreide von Misburg kommen als seltene Vorkommnisse Seliscothone vor, die in 
der Oberflächenstruktur der Unterseite, in der Körperform und in den Dimensionen gut mit typischen 
Exemplaren von Seliscothon planum übereinstimmen, aber größere und auch dichter gestellte Postiken 
haben. Während an typischen Exemplaren von Seliscothon planum, die in demselben Lager gefunden 
werden, auf 5 qmm Fläche bis zu 20 Ostien stehen, zähle ich, obgleich sie näher zusammenliegen, bei 


— 165 — 


ef. Seliscothon planum nur 6—8. Die wenigen Exemplare, die mir in die Hand fielen, sind leider nicht 
gerade gut erhalten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 2. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Seliscothon Mantelli Gozpr. sp. < 


1826—33. Scyphia Mantelli GoLpruss, Petr. Germ., T. I, S. 219, Taf. LXV, Fig. 5. 

1864. Cupulospongia Mantelli Roemer, Sp., 8. 50, Taf. XVII, Fig. 6. 

21872. Cupulospongia Mantelli Scurtiter, Spongitarienbanke des Münsterlandes, S. 31. 

1878. Scyphia Mantelli QUENSTEDT, Petr. V, S. 375, Taf. CXXXIII, Fig. 4. 

1878. Seliscothon Mantelli Zirrer, Stud. II, S. 54, Taf. IV, Fig. 3. 

1883. Seliscothon Mantelli Hınve, Catal., S. 33. 

21900. Seliscothon Roemeri WOLLEMANN, Kreide von Biewende, S. 4. 

Nächst Seliscothon planum PhiLL. sp. ist Seliscothon Mantelli Goupr. sp. die häufigste Art. Während 
Seliscothon planum gern teller- und scheibenförmige Schwammkörper bildet, deren Rand gewöhnlich 
(aber immer mit Ausnahmen) gegen beide Seiten gut abgesetzt ist, bevorzugt Seliscothon Mantelli mehr 
oder weniger regelmäßige Trichterformen mit abgerundetem oder nur gegen die Unterseite scharf ab- 
_gesetztem Rand. Auch ohr- und blattförmige Körper gehören nicht zu den Seltenheiten. Das sicherste 
Kennzeichen ist aber die feinporöse Oberflächenstruktur der Innenseite. Die Postiken sind hier so klein, 
daß etwa 30—40 auf 5,0 qmm gehen und nur eden noch mit unbewaffnetem Auge erkennbar sind. Häufig 
ist aber die Oberfläche der Innenseite zerstört. Dann gleicht die Oberseite der Unterseite, welche bei gün- 
stiger Erhaltung die charakteristische Radialstreifung der Seliscothon-Arten in vorzüglicher D eutlichkeit 
zeigt. In den Dimensionen stimmen Seliscothon Mantelli und Seliscothon planum so ziemlich überein. 
Auch besitzen die Jugendformen von Seliscothon Mantelli dieselbe Neigung wie junge planum-Individuen 
zur Bildung zylindrischer und keulenförmiger Gestalten. 

Alter und Facies: Sandmergel der Westphalicus-Kreide; Kalkmergel der Quadraten- 
und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: ? Ilsede (z. h.), Sudmerberg (z. h.), Misburg (h.), 
Adenstedt, Oberg (s.), Biewende, Boimsdorf ete. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 60. 


Seliscothon pingue nov. sp. 


Triehterförmig, dickwandig. Ein mittelgroßes Exemplar ist 8 em hoch (ohne Stiel), 14 cm weit, 
2 em dick. Unterseite wie bei allen Arten fein gestreift. Oberseite (Innenseite) mit netzartig zusammen- 
hängenden, 1 mm weiten Postiken. 

Alter und Facies: Sandmergel der Westphalicus-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ilsede bei Peine (ziemlich häufig). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


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Seliscothon marginatum Roemer sp. 


1841. Scyphia marginata Roemer, Kr., S. 6, Taf. II, Fig. 7. 

1877. Scyphia marginata QUENSTEDT, Petr. V, S. 376, Taf. CXXXIII, Fig. 5. 

1889. Seliscothon marginatum GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 16. 

21900. Seliscothon marginatum WOLLEMANN, Kreide von Biewende, $. 4. 

Pilz- oder trichterförmig, diekwandig, kurzgestielt. Oberseite mit nadelstichartigen Postiken 
(die viel kleiner wie bei der vorigen Art sind). Unterseite mit sehr feiner Radialstreifung. Eine Eigen- 
tümlichkeit, welche auch schon an jungen Individuen, die ja bei den anderen Arten ausgewachsenen 
Exemplaren ziemlich unähnlich sind, stets hervortritt, ist der deutlich und scharf gegen Ober- und 
Unterseite abgesetzte Rand. (Bei den mit Sel. marginatum am Sudmerberg zusammen vorkommenden 
Mantelli-Formen ist der Rand abgerundet.) 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. Grünsand der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (n. s.). Nach GRIEPENKERL auch bei 
Glentorf. Nach WoLLEMANN bei Biewende. 

Anzahl der untersuchten Stücke:8. 


Seliscothon testa-florum Quensrepr sp. 
1878. Scyphia testa-florum QUENSTEDT, Petr. V, S. 375, Taf. CXXXIII, Fig. 7. 


Unter diesem Namen bildet QuEnstEept die Außenseite eines blumentopfförmigen Fragments 
einer Seliscothon-Art vom Sudmerberg in */; nat. Größe ab. Weder aus der Abbildung, noch aus der kurzen 
und nicht ganz klaren Beschreibung kann man ersehen, ob das von QuEenstEDT abgebildete Exemplar 
wirklich als Typus einer besonderen Art anzusehen ist. 


Seliscothon planum Put. sp. aberratio pustulosa nov. aberr. 


Aus der Mucronatenkreide von Misburg besitze ich eine etwa handgroße, tellerförmige Rhizo- 
morine, die sich durch die ausgesprochene Radialstreifung der Unterseite als Seliscothon-Art ausweist 
und die in der allgemeinen Form und in den Proportionen mit Seliscothon planum Puiu. sp. überein- 
stimmt. Sie weist aber einige bemerkenswerte Abweichungen vom Typus auf. An der Oberseite liegen 
nämlich sechs 1—1,5 em breite, 0,3 cm hohe Buckel. Außerdem ist der größte Teil der Postiken deutlich 
warzenförmig erhöht, so zwar, daß die Höhe der Pusteln ungefähr gleich dem Querdurchmesser 
ist. Dieser ist nicht unbeträchtlich größer wie bei den Postiken typischer Exemplare von Seliscothon 
planum, denn er beträgt 1 mm und mehr. Die Oberseite der Spongie erhält durch die Buckel 
und die vergleichsweise großen, warzigen Ostien eine gewisse Ähnlichkeit mit der Oberseite mancher 
Verruculina-Arten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (sehr selten). 

Anzahl der. unterswehten Stüickie71, 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


— 167) 5 


Seliscothon giganteum v. ZITTEL. 


1878. Seliscothon giganteum Zitrer, Stud. II, 8. 54. 

1883. Seliscothon giganteum Hinpe, Catal., S. 33. 

1889. Seliscothon giganteum GRIEPENKERL, Kreide von Königslutter, S. 15. 

1900. cf. Seliscothon giganteum WOLLEMANN, Kreide von Biewende, S. 3. 

Als Seliscothon-Art führen ZiTTEL, HINDE, GRIEPENKERL und WoLLEMANN auch Cupulospongia 
gigantea Rom. (Spongit.S.51, Taf. XVIII, Fig. 1)an, die aber wohl mit Pachycothon simplicissimum Poëra sp. 
identisch ist. Roemer gibt irrtümlich (wie auch von Thecostphonia nobilis RoEM. sp.) als Lager seiner Cupulo- 
spongia gigantea die Quadratenkreide bei Suderode an. Bei Suderode liegt nur Cuvieri-Turon 
und im Turon gibt es keine Seliscothon-Art, auf die Roemers Beschreibung und Abbildung der Art passen 
könnten. Dagegen stimmen Artbeschreibung und Horizont gut zu Pachycothon simplieissimum Poëra sp. 


Familie Megarhizidae SCHRAMMEN. 
(1903. Zur Systematik der Kieselspongien. Mitt. Rorm.-Mus. No. 19, S. 21.) 


Lithistide Monaxonia, deren Stützskelett aus großen, wurzelartig zerschlitzten und mit langen 
Zacken und Zasern besetzten Kieselkörperchen (Megarhizoclonen) besteht. Dermalia, wenn vorhanden, 
den Desmomen des Stützskeletts ähnlich, aber kleiner und plattig ausgebreitet. Microsclere unbekannt. 

Jura (?). Obere Kreide. 

Die Skelettelemente der Megarhizidae haben im Habitus große Ähnlichkeit mit Rhizoclonen, von 
denen sie sich aber u. a. durch viel erheblichere Größe unterscheiden. So sind die Hauptäste der Desmome 
von Megarhiza dubia bis 0,1 mm dick, während die entsprechenden Teile eines Verruculina-Rhizoclons 
nicht mehr als 0,03 mm dick sind. Dagegen erreichen die Megarhizoclone nicht ganz die Größe der Mega- 
morinen Desmome. Auch haben die Megaclone in der Regel gut ausgebildete Zygome, während die 
Megarhizoclone mehr lose ineinander hängen. 

Wahrscheinlich gehen die Megarhizidae bis zum oberen Jura hinunter und zwar mit der Gattung 
Lecanella v. ZiTTEL. v. ZiTTEL rechnete Lecanella zuerst!) zu den Anomocladinen, später?) zu den Eutaxi- 
cladinen. Die in Stud. II, Taf. VI, Fig. 1 abgebildeten Skelettelemente von Lecanella pateraeformis Zimt. 
stimmen aber mit den Desmomen der Megarhiziden fast vollständig überein. Sie sind nur etwas kleiner 
und weniger mit Zacken besetzt. 


Gattung Megarhiza SCHRAMMEN. 1901. 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 7.) 


Zylindrische oder abgestutzt kegelförmige Megarhizidae, die aus schichtenweise übereinanderliegenden 
dünnen Blättern bestehen. Außenseite mit Deckschicht. Unter dieser porenartige Ostien von horizontal 
verlaufenden Kanälen.. Am Scheitel rundliche Postiken von Vertikalkanälen. Die Deckschicht besteht 


1) Stud. II, 8. 74. 
2) Grundzüge der Palaeont., S. 47. 


— 168 — 


aus ähnlich wie die Desmome gestalteten, aber viel kleineren und plattig ausgebreiteten Kieselkörperchen. 
Daneben können Amphioxe und Amphistrongyle vorkommen. Microsclere unbekannt. 
Obere Kreide. 


Megarhiza dubia Scurammen. Tafel XX, Fig. 3. — Texttafel VIII, Fig. 7.) 
1901. Megarhiza dubia SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 16, Taf. V, Fig. 5. 


An den wenigen Exemplaren, die ich aufgefunden habe, waren nur die Skelettelemente stets 
gut erhalten, äußere Form und Kanalsystem aber nicht immer deutlich zu erkennen. Wie es scheint, 
besteht der etwa kinderfaustgroße Schwammkörper aus schichtenweise übereinanderliegenden, etwa 
A mm dicken Blättern, die an der Oberfläche konzentrische Wülste bilden. Bei einem Korrosions- 
präparat aus der Quadratenkreide von Oberg ist die Außenseite z. T. mit einer dichten Deckschicht über- 
zogen. Das Kanalsystem besteht aus engen Epirhysen, die von der Außenseite in verschiedener Richtung 
zwischen den Lamellen in den Schwammkörper eindringen, und weiteren Aporhysen, die den Schwamm 
in der Längsrichtung durchziehen und am Scheitel mit Postiken von verschiedener Größe münden. Das 
Stützskelett ist ziemlich locker und aus verfilzten oder lose ineinander hängenden Megarhizoclonen zu- 
sammengesetzt. Die Hauptäste dieser Körperchen sind bis 0,1 mm dick und stellenweise mit langen 
Zacken versehen. Die Deckschicht setzt sich aus einem innigen Geflecht von Kieselkörperchen zusammen, 
die ähnlich wie die Desmome des Stützskeletts geformt, aber viel kleiner und meist plattig ausgebreitet 
sind. In den Maschen des Skeletts liegen zahlreiche, bis 1,5 mm lange Amphioxe und 2—3 mm lange 
Amphistrongyle. Die letzteren sind hauptsächlich auf die Deckschicht und die der Deckschicht nahe 
gelegenen Partieen beschränkt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (sehr selten) und Oberg (sehr selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Chalaropegma nov. gen. 
. (Etym.: zalaods lose, to wjyuwa das Gerüst.) 


(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 8.) 


Knollige Megarhizidae, die aus gehirnartig gewundenen, anastomosierenden Wülsten zusammen- 
gesetzt sind. Kanalsystem, Dermalia und Microsclere unbekannt. 

Obere Kreide. A | 

Von Megarhiza Scurm. unterscheidet sich Chalaropegma, auch abgesehen von der großen Verschieden- 
heit in der Gestalt, durch dornigere und zerschlitztere Megarhizoclone. 


Chalaropegma cerebriformis nov. sp. (Tafel XIX, Fig. 2. — Texttafel VIII, Fig. 8.) 


Der etwa faustgroße Körper des einzigen Exemplars, das ich aufgefunden habe, stellt einen an 
der einen Seite abgeflachten, an der gegenüberliegenden Seite in drei stumpfe, kegelförmige Höcker ge- 


— 169 — 


teilten Knollen dar. Die ganze Oberfläche ist mit 2—5 mm dicken, gekröseartig gewundenen Runzeln 
überzogen, zwischen denen mehrere mm tiefe, unregelmäßig rundliche oder längliche Löcher und Furchen 
liegen. Welches die Oberseite und welches die Unterseite ist, kann ich nicht entscheiden. Das Kanal- 
system ist leider nicht erkennbar. (Die ovalen oder rundlichen Lücken zwischen den anastomosierenden 
Wülsten an der Oberfläche möchte ich als Intercanalia ansehen.) Die Desmome sind locker verbundene 
Megarhizoclone mit bis 0,1 mm dieken, dornigen Ästen, deren Enden im Vergleich zu den Megarhizoclonen 
der anderen Gattung ziemlich stark zerschlitzt sind. Anders geformte Megasclere habe ich nicht be- 
obachtet. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (sehr selten). 

Amzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Sphaerocladinidae nov. fam. 


Lithistide Silicea, deren Desmome (Sphaeroclone) aus einer kugeligen Verdickung bestehen, von 
der 1—8 glatte oder mit Dornen besetzte, an den Enden zu ausgezackten Scheibchen verbreiterte Arme 
ausgehen. Megasclere: Amphistrongyle. Als Dermalia kénnen gezackte Kieselplättchen vorkommen. 
Microsclere unbekannt. 

Silur bis Jetztzeit. 

Auf die Sphaerocladinidae würde v. ZirrEts erste Diagnose der Anomocladina (Stud. II, S. 36) 
fast ohne Einschränkung passen. (,,Skelettelemente aus vier oder mehr glatten, in einem ver- 
dickten Zentrum zusammenstoßenden Armen bestehend, welche an ihrem 
Ende vergabelt sind. Außerdem Stabnadeln in großer Menge vorhanden.“) 

Zuletzt (Grundzüge der Palaeontologie S. 48) hat aber v. ZirrEL die Anomocladina ganz anders 
definiert. (,,Skelettelemente aus einem kurzen glatten Stiel mit kugelig ver- 
dickten Enden bestehend, von denen je drei, vier oder mehr einfache oder ästige Arme aus- 
gehen etc.) 

Danach wäre das von Ravrr ,,Didymmoclon“ genannte Kieselkörperchen das Desmom der Anomo- 
cladinidae. 

Ich muß gestehen, daß ich an die Existenz des Didymmoclons vorläufig nicht recht glauben kann, 
sondern daß ich das Didymmoclon für zwei durch einen Clon verbundene Sphaeroclone halte. (Vgl. 
Texttafel VIII, Fig. 1b.) 

Ich kann aber nicht den direkten Nachweis erbringen, daß v. ZitrELs zweite Familiendiagnose 
lediglich auf einer irrigen Beobachtung Raurrs beruht, weil mir einschlägiges jurassisches Material 
nicht zur Verfügung steht. Darum muß ich darauf verzichten für die Kreideschwämme, die ich für 
Anomocladinen im Sinne der ersten v. ZırrEL’schen Diagnose halte, die ältere Familienbezeichnung auf- 
‚zunehmen und habe einen neuen Namen gewählt. 

Palaeontographica. Suppl. V. 22 


a 


Zu den Sphaerocladinidae rechne ich auBer den hierunter beschriebenen Gattungen auch die palaeo- 
zoischen Astylospongiden und die rezente Vetulina. Fiir wahrscheinlich halte ich daB die Gattung 
Cylindrophyma das jurassische Glied der ganzen Reihe darstellt. 

Bei den Gattungen aus der Kreide ist die kugelige Verdickung der Sphaeroclone in der Regel sehr 
kraftig entwickelt und mit Zasern und schwalbenschwanzartigen Dornen besetzt. 

Die Zahl der Arme wechselt. Am häufigsten sind 4—6, die in der Regel nur auf einer Seite der 
kugeligen Verdickung liegen. Neben den typischen Sphaeroclonen kommen in geringer Zahl auch Des- 
mome mit mehr oder weniger zahlreichen Armen, aber ohne zentrale Verdickung vor. Wenn diese aus 
sechs, ungefähr wie die Axen eines regulären Oktaeders unter einem rechten Winkel zusammenstoßenden 
Armen zusammengesetzt sind, entstehen Gebilde, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem verzerrten 
Hexactin haben. 

Die Verbindung der Desmome erfolgt, indem sich die napfartig vertieften, verbreiterten Enden der 
Clone an die kugelförmige Verdickung der Nachbarsphaeroclone festheften. Dabei legen sich die Aus- 
schnitte der endständigen Scheibchen wie Klammern um die von den Verdickungen ausstrahlenden Kiesel- 
dornen. 

Von ausschlaggebender Bedeutung für die systematische Stellung ist die Axenanlage. Umsomehr 
bedauere ich, daß es mir trotz vieler Mühe nicht gelungen ist, sie endgültig zu ermitteln. Spuren davon 
habe ich aber an Skelettelementen von Pachytrachelus exspectatus beobachtet. (Vgl. Textt. VIII, Fig. 1f u.g.) 
Das Fig. 1 f abgebildete Sphaeroclon wendet einmal (links von dem Buchstaben f) dem Beschauer die 
zentripetale, das andere Mal (rechts von f) die zentrifugale Seite zu. In beiden Fällen sind zwei Enden 
des Axenkanals sichtbar. Leider besteht im Zentrum, wo man die Vereinigung der beiden Enden suchen 
muß, eine durch Ablagerung von schwärzlichen, mineralischen Massen entstandene Trübung, in der die 
zentralen Partieen versteckt liegen. Nur noch an einem zweiten Sphaeroclon habe ich Teile des Axen- 


kanals beobachtet (Fig. 1 g). (Wie man sich den Zusammenhang denken könnte, ist durch punktierte 
Linien angedeutet.) 


Im geschlemmten Ätzrückstand von Pachytrachelus exspectatus fanden sich nicht ganz selten 
sehr zarte, ungestielte Kieselplättchen mit zackigem Rand. Wahrscheinlich sind es die Dermalia 
der Spezies. | 

Die Desmome der Sphaerocladinidae zeichnen sich vor den Skelettelementen aller anderen lithistiden 


Silicea durch geringe Größe aus. Z. B. beträgt die Länge der Arme bei den Macrobrochusarten nur 0,05 mm, 
die Dicke ca. 0,02 mm. 


Gattung Pachytrachelus nov. gen. — Syn. Eudea, Cnemidium, Stellispongia F. A. ROEMER; 
Spongites QUENSTEDT, Polypora SCHRAMMEN. 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 1.) 
Schwammkörper halbkugelig, zylinder-, walzen- oder keulenförmig; sitzend oder lang gestielt; dick- 
wandig, mit tiefem und engem oder mit seichtem Paragaster. Außenseite mit porenartigen, seltener 


warzenförmigen Ostien, von denen gerade oder leicht gekrümmte Kanäle in horizontaler oder schräger 
Richtung in den Schwammkörper eindringen. Sie werden von einem zweiten System von Kanälen gekreuzt, 


Sy 


die in entgegengesetzter Richtung verlaufen und im Paragaster miinden. Das Stiitzskelett besteht aus 
Sphaeroclonen. Die Dermalia sind wahrscheinlich gezackte Kieselscheibchen. 
Obere Kreide. 


Pachytrachelus conicus Roem. sp. (Tafel XXIV, Fig. 1.) 


1841. Cnemidium conicum Roemer, Kr., 8. 4, Taf. I, Fig. 10. 

1864. Eudea tuberosa RoEMER, Sp., S. 25, Taf. X, Fig. 3. 

1864. Stellispongia? conica RoEMER, Sp., S. 49. 

1878. Spongites conicus QUENSTEDT, Petr. V, 8. 374, Taf. CXXXIII, Fig. 3. 

Nicht über kastaniengroß. Halbkugelig, kurz-zylindrisch oder abgestutzt-kegelförmig; sitzend. 
Halbkugelige Exemplare sind am häufigsten. Paragaster eng, mäßig tief eingesenkt. Sein Querdurch- 
messer beträgt etwa !/, vom Querdurchmesser des Schwammkôrpers. Von der Paragasteröffnung strahlen 
an manchen Exemplaren feine Furchen aus. Außenseite mit dichtstehenden porenartigen Ostien. (10—12 
auf 0,5 qem.) 

F. A. RoEMER hat die Art zweimal unter verschiedenen Namen beschrieben. Das mir vorliegende 
Original zu der älteren Beschreibung ist ein abgestutzt-kegelförmiges Fragment, das von RoEMER ver- 
hältnismäßig gut abgebildet worden ist. Die Abbildung zu Æudea crassa ist aber verunglückt. So groß 
und so weit voneinander entfernt sind die Ostien nicht und auch die vom Scheitel ausstrahlenden Furchen 
sind viel zu stark gezeichnet. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 


Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (ziemlich häufig); Bahneinschnitt 
Petersberg (häufig). 


Anzahl der untersuchten Stücke: 10. 


Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Pachytrachelus reticulatus ScHRAMMEN. 

1901. Polypora reticulata SCHRAMMEN, Neue Kieselschw., S. 16, Taf. II, Fig. 6; Taf. V, Fig. 7. 

Das einzige Exemplar dieser Art stellt eine im Verhältnis zur Länge ziemlich dünne, am vorderen 
Ende halsartig eingeschnürte, langgestielte Walze dar. Längsdurchmesser 13 cm, Querdurchmesser in 
der Mitte 1,5 em. Außenseite mit unregelmäßig angeordneten, runden oder ovalen Ostien, die z. T. in 
seichten Längsfurchen liegen. Der Durchmesser der Ostien beträgt fast 1 mm. Auf 0,5 qem Fläche 
liegen höchstens neun. Der Querdurchmesser des Paragasters beträgt etwa !/, vom mittleren Querdurch- 
messer des Schwammkörpers. Die Verzweigungen des Kanalsystems waren infolge der weit vorgeschrit- 
tenen Umwandlung des Schwammes in bröckliges rotes Eisenhydroxyd nicht festzustellen. 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (sehr selten). 
Anzahl ders untersuchten Siiieke: 1 


Das Original liegt im RoEmEr-Museum in Hildesheim. 


Texttafel VIII. 
Skelettelemente der Familien Sphaerocladinidae SCHRAMMEN, Helomorinidae ScHRAMMEN, Rhizomorinidae v. ZITTEL, Mega- 
rhizidae SCHRAMMEN, Scolioraphidae ScHRAMMEN, Homoraphidae RıpLey u. Denny, Desmacidonidae RıpLey u. DENDY. 


A. Schrammen del. 


— 173 — 


Erklärung zu Texttafel VIII. 


Familie Sphaerocladinidae. 
Fig. 1. Pachytrachelus exspectatus SCHRAMMEN aus der Mucronatenkreide von Misburg. 

a) Sphaeroclone mit 1—5 Clonen in 50facher Vergrößerung. 

b) Zwei Sphaeroclone im Zusammenhang (50mal vergr.). 

c) und d) Undeutlich sechsarmige Kieselkörperchen (50mal vergr.). 

e) Dermalia (60mal vergr.). f) EinSphaeroclon mit den Enden des Axenkanals von oben und von 
unten gesehen. (50mal vergr.) g) Zentralmasse eines anderen Sphaeroclons mit Teilen des 
Axenkanals in 100facher Vergrößerung. (Die punktierten Linien sind ergänzt.) 

Fig. 2. Macrobrochus emscheris SCHRAMMEN aus dem Untersenon von Adenstedt-Bülten bei Peine. 

Sphaeroclone in 50facher Vergrößerung. 


Familie Helomorinidae. 
Fig. 3. Pachycothon giganteum RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Heloclone. b) Ein 
Dichotriaen von der Oberfläche. c) Amphiox. Sämtliche Objekte in 16facher Vergrößerung. 

Familie Rhizomorinidae. 


Fig. 4. Seliscothon Mantelli GoLpruss sp. aus der Mucronatenkreide von Misburg. Rhizoclone. 

Fig. 5. Verruculina seriatopora RoEMER sp. aus der Mucronatenkreide von Misburg. Rhizoclone. 

Fig. 6. Verruculina macrommata RoEMER sp. aus der Mucronatenkreide von Ahlten. Rhizoclone. 
Sämtliche Rhizoclone in 20facher Vergrößerung. 


Familie Megarhizidae. 


Fig. 7. Megarhiza dubia SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Megarhizoclone in 16facher 
Vergrößerung. 

Fig. 8. Chalaropegma cerebriformis SCHRAMMEN aus der Mucronatenkreide von Misburg. Megarhizo- 
clone in 16facher Vergrößerung. (Zum Vergleich der Größenunterschiede ein Megaclon (8a) und 
ein Rhizoclon (Sb) in 16facher Vergrößerung. 


Familie Scolioraphidae. 
Fig. 9. Scolioraphis tesselata RoEMER sp. aus dem Untersenon von Goslar. Megasclere in 10facher 
Vergrößerung. 
Familie Homoraphidae. 
Fig. 10. Halichondria Lendenfeldi ScHRAMMEN aus dem Scaphitenpläner von Nettlingen. Amphioxe von 
der Oberfläche in 10facher Vergrößerung. 
Familie Desmacidonidae. 


Fig. 11. Rhizopsis horrida ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Megasclere in 10facher 
à Vergrößerung. 
Fig. 3a und Fig. 10 sind bei auffallendem, alle anderen Figuren bei durchfallendem Licht gezeichnet. 


— 174 — 


Pachytrachelus exspectatus nov. sp. (Tafel XXIV, Fig. 2. — Texttafel VIII, Fig. 1.) 


Walzenförmig oder zylindrisch, mit abgerundetem, abgestutztem oder zugespitztem Scheitel; 
Basis lang gestielt oder in mehr oder weniger zahlreiche kurze Wurzeln zerschlitzt. Mittelgroße Exemplare 
sind etwa 12 cm lang und 3—4 cm dick. Das größte das ich kenne, ist über 20 cm lang und an der 
dicksten Stelle 7 em dick. Außenseite mit dichtstehenden, gewöhnlich porenartigen, stellenweise auch 
warzenförmig erhöhten Ostien (etwa 10—20 auf 0,5 qem). Von den Ostien dringen gerade oder leicht 
gekrümmte Kanäle manchmal in horizontaler Richtung, gewöhnlich aber schräg von oben nach unten 
in den Schwammkörper ein. Sie werden von anderen Kanälen gekreuzt, deren Mündungen auf der Ober- 
fläche des Paragasters liegen. Das Paragaster ist tief eingesenkt und ziemlich eng. Sein Querdurchmesser 
beträgt etwa 1/, vom Querdurchmesser des Schwammkôrpers. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Macrobrochus nov. gen. 
(Etym.: 6 Bo6zog die Masche.) 
(Skelettabbildung Texttafel VIII, Fig. 2.) 


Schwammkörper halbkugelig, mit seichtem Paragaster, sitzend. Oberfläche mit mehreren vom 
Scheitel herablaufenden breiten Furchen und zahlreichen großen Ostien. Das Stützskelett besteht aus 
sehr kleinen Sphaeroclonen. Dermalia unbekannt. 

Obere Kreide. 


Macrobrochus emscheris nov. sp. (Tafel XXIV, Fig. 4. — Texttafel VIII, Fig. 2.) 


Das Original ist ein etwa kinderfaustgroßer, zusammengedrückt-halbkugeliger Knollen, der am 
Scheitel leicht zugespitzt ist. Vom Scheitel herab laufen mehrere 1—2 mm breite, und ebenso tiefe Furchen, 
die z. T. fast bis zur Basis reichen. Namentlich zwischen den Furchen, aber auch an anderen gut erhaltenen 
Stellen der Oberfläche liegen zahlreiche, auffallend weite, nämlich etwa linsengroße, rundliche Ostien. 
Leider erlaubt die Erhaltung des im Inneren verkalkten Originals nicht die feinen Verzweigungen des 
Kanalsystems festzustellen. Basis leicht ausgehöhlt; stielartige Bildungen fehlen. 

Alter und Facies: Sandmergel der Westphalicus-Kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ilsede (sehr selten). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Macrobrochus rimosus n. sp. (Tafel XXIV, Fig. 3.) 


Das einzige Exemplar, welches ich in vieljähriger Sammeltätigkeit gefunden habe, hat ungefähr 
die Gestalt eines 4,5 cm hohen, ebenso breiten, und 2 cm dicken, linsenförmigen Knollens. Leider ist 


— 175 — 


die eine Hälfte in rostbraunes Eisenhydroxyd umgewandelt. Auch fehlen die basalen Teile. Scheitel 
und Oberfläche der anderen Hälfte sind aber gut erhalten. Das Paragaster bildet eine etwa !/, des ganzen 
i ‚ängsdurchmessers betragende grubenartige Einsenkung im Scheitel, in der zahlreiche runde, etwa 1 mm 
weite Postiken liegen. Vom Scheitel herab laufen 1 mm breite Furchen (Aporhysen), die stellenweise 
_anastomosieren und die Oberfläche der gut erhaltenen Hälfte mit einem groben Geflecht überziehen. 
Zwischen den Furchen liegen rundliche Ostien, die etwa um ihren ca. 1 mm betragenden Durchmesser 
oder auch noch weiter von einander entfernt sind, und die Mündungen der Epirhysen darstellen. Das 
R kelett ist leider sehr schlecht erhalten. Ich konnte mich aber mit Sicherheit überzeugen, daß ein wesent- 
licher Unterschied zwischen den Sphaeroclonen der beiden Macrobrochus-Arten nicht besteht. 

Mit anderen Spongienarten aus der oberen Kreide ist die Spezies nicht zu verwechseln. Von der 
nachstverwandten, aber älteren, und auch in einer anderen geologischen Facies vorkommenden Art 
Macrobrochus emscheris unterscheidet sie sich durch eine Scheitelvertiefung, durch zahlreichere und 
schmälere Aporhysalfurchen und durch viel kleinere Ostien. 

Auf die auffallende Ähnlichkeit in Habitus und Kanalsystem mit palaeozoischen Schwämmen 
(Astylospongia), mit denen Macrobrochus rimosus ja auch im Bau des Skeletts fast übereinstimmt, sei 
noch hingewiesen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg, sehr selten. 

Anzahl der untersuchten Sticke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


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Herausgegeben 


von 


E. KOKEN und J. F. POMPECKJ 


AS e f 4 
Fe eee in Tübingen | in Göttingen. — 


vp hag Cu Unter Mitwirkung von 


+0: ‘Jackel, A. von Koenen, A. Rothpletz und G. Steinmann 
als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 


| | Supplement V. 
ye RAA NS CT Dritte Lieferung. 


Inhalt: 


Fos eae Pai PE 
RR sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser. 
\ PE Sig ERS 1912. 


x 4 Ausgegeben jo Joli 1912, 


E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Nagele & Dr. Sproesser in Stuttgart. 


Soeben erschien: 


(Grundzüge der Palaeobiologie der Wirbeltiere 


Von 
Prof. Dr. ©. Abel, Wien. 


Gr. 8°. 724 Seiten mit 470 Textfiguren. 
Preis geb. M. 18.—. 


Das Werk behandelt: I. Die Geschichte und Entwicklung der Palaeontologie. II. Die Über- 
reste der fossilen Wirbeltiere. III. Die Wirbeltiere im Kampfe mit der Außenwelt. IV. Die Palaeo- 
biologie und Phylogenie — und legt die strenge Gesetzmäßigkeit dar, nach der sich seit den 
ältesten Zeiten organischen Lebens die Anpassung auf der Erde vollzieht. 

Ein gewaltiges Wissens- und neues Arbeitsgebiet ist in diesem Buche erörtert und 
eröffnet; das Werk wird von keinem Palaeontologen unberücksichtigt gelassen werden können. 


E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser in Stuttgart, 


Die Anatomie und Physiologie der Fusulinen, 


Von 


ZEIlans v. Staff. 


(Zoologica, herausgegeben von Prof. Dr. C. Chun, Leipzig, Heft 58.) 
—— 4°, VIII. 93 Seiten. Mit 2 Tafeln und 62 Textfiguren. —— 


Preis Mk. 24.—. 


Diese Abhandlung bildet eine wichtige und unentbehrliche Ergänzung der in der „Palae- 
ontographica“ Bd. 55, 56 und 59 erschienenen beiden ersten Teile der Monographie der 
Fusulinen von Prof. Dr. E. Schellwien +. Wenn auch durchaus auf Schellwiens lang- 
jährige Untersuchungen sich stützend, so bringt die Arbeit doch viele neue Gesichtspunkte, die 
bei einem Studium der Schellwien’schen Monographie, von der noch weitere Teile in der „Palae- 
ontographica“ erscheinen werden, unbedingt berücksichtigt werden müssen. 


art. 


E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nagele & Dr. Sproesser in Stuttg 


Professor Dr. G. Schwalbe, Strassburg. 


1. Studien zur Vorgeschichte des Menschen. I. Zur Frage der Ab- 
stammung des Menschen. II. Das Schädelfragment von Briix und ver- 
wandte Schidelformen. III. Das Schädelfragment von Cannstatt. 

Gr. 8°. 228 Seiten mit 4 Tafeln und 62 Textfiguren. — Mk. 18.—. 


2. Uber Darwins Werk: Die Abstammung des Menschen. 
Gr. 8°. 32 Seiten. — Mk. 2.—. 


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Die Kieselspongien 


4 der oberen Kreide von Nordwestdeutschland 


IE Teil 


Triaxonia (Hexactinellida) 


A. Schrammen 


Herausgegeben mit Unterstützung 
der Kgl. preussischen Akademie 
: der Wissenschaften in Berlin : 


Mit 21 Tafeln, 7 Texttafeln und 5 Textfiguren 


STUTTGART ıgı2 
E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung 
| Nagele & Dr. Sproesser 


Vorwort. 


Die vorliegende Monographie soll in den ‚‚Palaeontographica‘ erschienene spongiologische Arbeiten 
fortsetzen, die mit H. Raurrs ‚‚Palaeospongiologie‘‘ begannen, durch R. Koxss ,,Kieselspongien des 
schwäbischen weißen Jura‘ erweitert wurden, und hoffentlich mit einer Bearbeitung der Tertiärschwämme 
zu einem gewissen Abschlusse kommen werden. 

Die obere Kreide von Nordwestdeutschland steuert unzweifelhaft die besterhaltenen und wohl 
auch die reichsten Spongienfunde bei. Das schöne Material hat nunmehr den Kontakt mit der Jetztzeit 
hergestellt und zu phylogenetischen Reflexionen geführt, welche die Entwicklung des Spongienstammes 
in wichtigen Punkten klarer stellen. 

Als Karl A. v. ZiTTEL mich mit der Abfassung einer Monographie der nordwestdeutschen Kreide- 
spongien für die „Palaeontographica‘“ betraute, verlangte er, daß die Bearbeitung eine erschöpfende 
sein solle. Große Fülle des Stoffes und Rücksichtnahme auf den Buchumfang zogen indessen den guten 
Absichten manche Schranken. Ich hoffe jedoch, wenigstens in zwei Punkten, nämlich in der gründlichen 
Durchforschung unserer Kreideablagerungen und in der Festlegung der so überaus mannigfaltigen 
Skelettstrukturen, die Bedingung des großen Paläontologen einigermaßen erfüllt zu haben. 

Nicht ohne Absicht wurden alle Formen mit unbekannter oder zweifelhafter Skelettbeschaffenheit 
außer Betracht gelassen. Die bedeutungslosen Namen würden nur die Literatur beschwert haben. 

Auf die wechselvollen Erhaltungszustände bin ich bei der Artbeschreibung nur eingegangen, wo 
es nicht zu vermeiden war. Einige allgemeine Angaben enthält die Einleitung zum ersten Teil. Wer 
sich noch näher mit diesem Stoffe beschäftigen will, sei auf H. Raurrs ‚‚Palaeospongiologie‘‘ verwiesen. 

Um Wiederholungen zu vermeiden, wurden die Angaben über das Skelett der Arten aus den 

‘lithistiden Gruppen nur in die Gattungsdiagnose gelegt. Das kann ich wohl um so eher ver- 
antworten, als die Mikrosklere, die ja bei den rezenten Spezies zur Artentrennung mit herangezogen werden 
können, bei den fossilen gewöhnlich nicht einmal isoliert, und nur in den allerseltensten Fällen in Gesell- 
schaft der Desme erhalten sind. Zwischen den Desmen sind aber bemerkenswerte Verschiedenheiten 
bei fossilen Lithistidenarten derselben Gattung kaum vorhanden oder nachweisbar. 

Die Texttafeln I—VIII bringen die am häufigsten vorkommenden Skelettelemente der betreffenden 
- Genera und Spezies zur Darstellung. Auf diese Typen wird man unschwer auch die sonst noch vorhandenen 
und individuell recht variablen Desmenformen beziehen können. | 
Die Angaben über Horizonte und Fundpunkte machen Anspruch auf unbedingte Zuverlässigkeit, 
denn ich habe, mit verschwindenden Ausnahmen, alle Belegstücke persönlich gesammelt. Hierbei war mir, 


ET ee 


wie ich sehr dankbar anerkenne, namentlich die von Herrn Fabrikdirektor LANGE in Misburg erteilte Er- 
laubnis zeitweise in den Steinbrüchen der Zementfabrik ,,Teutonia‘‘ sammeln zu dürfen, von großem 
Nutzen. Auch Herrn Geheimen Bergrat Professor Dr. A. v. KoENEN, der mir wertvolle Stücke aus der 
Sammlung des paläontologischen Museums der Universität Göttingen anvertraute, und den Herrn Rent- 
ner H. Branpes in Hoheneggelsen, Zahnarzt E. TorGEr in Halberstadt und Lehrer W. REITEMEYER in 
Goslar bin ich für Zuwendung von Material verpflichtet. 

In tiefer Dankbarkeit möchte ich noch des so früh verstorbenen und unersetzlichen früheren 
Direktors des Roemer-Museums in Hildesheim, Professor Dr. A. ANDREAES gedenken, dessen vorurteilsfreie 
Ermunterungen dem Autodidakten und Nichtzünftler das Vertrauen gaben, sich an ein Gebiet der Palä- 
ontologie zu wagen, das einer gewissen Sprödigkeit nicht ermangelt. 

Die ehrerbietigst entgegengenommene Munifizenz der Königlich preußischen Akademie der Wissen- 
schaften in Berlin hat es dem Verlage erleichtert, alle meine Wünsche hinsichtlich der Zahl und Aus- 
führung der Tafeln und Textfiguren zu erfüllen. 


Hildesheim, den 2. Februar 1912. 
Dr. A. Schrammen. 


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Einleitung. 


Die Hexactinelliden bilden nicht ganz die Hälfte aller aus der oberen Kreide von Nordwestdeutsch- 
land bekannten Silicea. Dies Verhältnis müßte sich freilich, nach den bei Oberg gemachten Beobachtungen 
erheblich zu ihren Gunsten verschieben, wenn es gelingen könnte, alle, oder wenigstens die meisten Hexac- 
tinelliden-Arten nachzuweisen, welche überhaupt den Grund der Kreide-Ozeane bevölkert haben. Das ist 
aber ganz ausgeschlossen, weil es für sämtliche Schichten Erhaltungszustände voraussetzen würde, die tat- 
sächlich nur lokal an einer bloß wenige Meter mächtigen Bank einer einzigen Zone (der Quadraten- 
kreide von Oberg) zu beobachten sind. Es gelingt also nur äußerst selten, das ganze Bild einer jener 
zahlreichen, über- und nebeneinander liegenden kretazischen Hexactinelliden-Faunen aus allen Compo- 
nenten wiederherzustellen. Gewöhnlich ist man auf die Vermittelung der wenigen Arten angewiesen, 
die wegen der Massigkeit der Schwammkörper oder aus andern Gründen auch noch nachweisbar und 
bestimmbar bleiben, wenn von dem Kieselgerüst nur noch geringfügige oder gar keine Spuren mehr 
vorhanden sind. 

Aus dem nordwestdeutschen Cenoman kann ich nur zwei, der Skelettstruktur nach bekannte 
Hexactinelliden-Arten anführen, die alle beide auf den Varianspläner beschränkt sind. Die eine Spezies, 
Ophrystoma micrommata Roem., vertritt eine Familie, die in turonen und senonen Schichten zu fehlen 
scheint und ist nur vom Kahnstein bei Langelsheim bekannt.!) Die Verbreitung von Plectascus labrosus 
T. Suite sp., der anderen Art, die ich am Kahnstein und bei Misburg beobachtet habe, reicht dagegen 
bis in das Gebiet der englischen Kreide. 

In unserem Labiatuspläner sind m. W. überhaupt noch keine Spongien gefunden worden. 

Auch der Brogniartipläner führt nur Cystispongia bursa Ror. sp. und zwar nur in den Galeriten- 
schichten. Analoge faunistische Verhältnisse bietet übrigens in der Jetztzeit das Rote Meer, wo die Pola- 
expedition an 15 verschiedenen Stationen nur zwei Hexactinelliden-Spezies in Tiefen von 341—820 m 
gefischt hat. Es ist ein merkwürdiges Spiel des Zufalls, daß die eine lebende Art, Aulocystis Grayi BWBKk. 
zu einer Gattung gehört, die man aus guten Gründen unter die nächsten Verwandten von Cystispongia 
zählen darf. 

Mit der Ablagerung der Scaphitenpläner begann die Einwanderung jener Fauna, welche auch die 
oberturonen und senonen Horizonte Nordwestdeutschlands erfüllt, und mit ihren Spitzen bis in die 
Jetztzeit reicht. 


!) GRIEPENKERL führt (Königslutter S. 23) Ophrystoma micrommata Rorm. sp. irrtümlich auch aus der 
Quadraten-Kreide von Glentorf an. 


Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 23 


— 178 — 


Der Scaphitenpläner enthält folgende Hexactinelliden: 


Leptophragma glutinata QUENSTEDT sp. Plocoscyphia Roemert LEONHARD. 
Ventriculites radiatus MANTELL. Plectascus clathratus ROEMER sp. 
Leiostracosia alcyonoides MANTELL sp. Oncotoechus cavernosus SCHRAMMEN. 

= angustata ROEMER sp. Camerospongia fungiformis FERD. ROEMER. 
Callodictyon fragile RoEMER sp. Tremabolites Leonhardt SCHRAMMEN. 
Becksia nidiformis LEONHARD sp. Cameroptychium patella LEONHARD. 


Auf den Scaphitenpläner beschränkt sind Leptophragma glutinata, Callodictyon fragile, Becksia 
nidiformis, Plocoscyphia Roemeri, Plectascus clathratus, Oncotoechus cavernosus, Camerospongia fungiformis, 
Tremabolites Leonhardi und Cameroptychium patella. 

Leptophragma glutinata, Callodictyon fragile, Becksia nidiformis, Tremabolites Leonhardi und 
Cameroptychium patella sind dem oberschlesischen Kreidebecken eigentümlich, während Plocoscyphia 
Roemeri und Oncotoechus cavernosus die nordwestdeutsche Kreideprovinz der Turonzeit mit a ober- 
schlesischen verbinden. 

An die Hexactinelliden-Fauna des Scaphitenpläners schlieBt sich die Fauna des Cuvieripläners 
mehr oder weniger eng an. Ventriculites radiatus MANTELL, Leiostracosia alcyonoides MANTELL sp. und 
Leiostracosia angustata RoEMER sp. kommen in beiden Schichtenkomplexen vor. An die Stelle von 
Cameroptychium patella LEONHARD tritt im Cuvieripläner Cameroptychium planum SCHRAMMEN; für Becksia 
nidiformis LEONHARD sp. erscheint Becksia crispata QUENSTEDT sp., für Plocoscyphia Roemeri LEONHARD 
Plocoscyphia Maaki SCHRAMMEN und für Oncotoechus cavernosus SCHRAMMEN Oncotoechus subrutus QUEN- 
STEDT sp. Die jüngeren Arten stehen zu den Spezies des Scaphitenpläners meist im Verhältnis späterer 
Mutationen. Dazu kommen dann noch Coscinopora micropora GoLDFUSS, Marshallia Frechi SCHRAMMEN, 
Botryosella labyrinthica SCHRAMMEN, Cinclidella solitaria SCHRAMMEN und Hexactinella angustata SCHRAMMEN. 

In der letztgenannten Form begegnet uns zum erstenmal eine Gattung, die auch noch in der Jetzt- 
zeit mit einer der fossilen nahverwandten Spezies (Hexactinella ventilabrum Carrer) fortlebt. 

Insgesamt enthält der Cuvieripläner folgende Arten: 


Hexactinella angustata SCHRAMMEN. Coscinopora macropora GOLDFUSS. 
Botryosella labyrinthica SCHRAMMEN. Becksia crispata QUENSTEDT sp. 
Ventriculites radiatus MANTELL. Plocoscyphia Maaki SCHRAMMEN. 
Leiostracosia alcyonoides MANTELL sp. Oncotoechus subrutus QUENSTEDT sp. 
= angustata ROEMER sp. Cameroptychium planum SCHRAMMEN. 
Marshallia Frechi SCHRAMMEN. Cinclidella solitaria SCHRAMMEN. 


Leider unterliegt es keinem Zweifel, daß die Hexactinelliden-Faunen der Scaphiten- und Cuvieri- 
pläner nur zum kleineren Teil bekannt sind. Auch in Zukunft werden wir die Lücken unserer Kenntnisse 
nicht in erheblicherem Maße ausfüllen können. Das ist bedingt durch die aus mechanischen und chemischen 
Agentien hervorgegangenen und zur Zerstörung aller zarteren Spongiengerüste führenden Umwandiunezes 
welche die turonen Sedimente betroffen haben. 

In noch höherem Grade gilt das ,,ignorabimus“ von den spongienfübrenden, sandigen und tonigen 
Schichten des Untersenons, die am Sudmerberg, bei Adenstedt-Bülten, und in der Umgebung von Braun- 


— 179 — 


schweig (Broitzem) entwickelt sind. Am Sudmerberg und bei Adenstedt-Bülten finden sich nur 
Guettardien und eine Craticularia, und zwar Craticularia Roemeri SCHRAMMEN, Guettardia bis-alata 
ScHRAMMEN (Sudmerberg) und Guettardia trilobata Roemer sp. (Adenstedt-Bülten). Dabei ist allerdings 
in Betracht zu ziehen, daB Litoralbildungen überhaupt nicht reich an Hexactinelliden sind. 

Die tonigen Sedimente liefern in der Regel nur Abdriicke und Steinkerne, nach denen eine zuver- 
lässige Artbestimmung nur in seltenen Fällen möglich ist. Ich kann darum aus der tonigen Granulaten- 
kreide von Braunschweig ebenfalls nur drei Arten anführen, nämlich Leptophragma micropora SCHRAMMEN, 
? Becksia Soekelandi ScHLÜTER und Myrmecioptychium Bodei SCHRAMMEN. Leptophragma micropora ist 
eine weit verbreitete Spezies, die bis in die Mucronatenkreide geht, und Becksia Soekelandi wurde bekannt- 
lich zuerst aus der Quadratenkreide beschrieben. Dagegen scheint Myrmecioptychium Bodei, das einer 
von SInzow aus dem Gouvernement Saratow unter dem Namen Coeloptychium subagaricoides beschriebenen 
Art sehr nahesteht, auf die Granulatenkreide beschränkt zu sein. 

Die Quadratenkreide enthalt dank der einzigartigen Erhaltung der Oberger Schwämme die best- 
gekannte und größte mesozoische Hexactinelliden-Fauna. 


Verzeichnis der Hexactinelliden-Arten aus der Quadraten-Kreide. 


Regadrella Petri Jacobi SCHRAMMEN. 
Farrea Clarcei SCHRAMMEN. 
» Halli SCHRAMMEN. 
Eurete Rauffi SCHRAMMEN. 
Periphragella plicata SCHRAMMEN. 
i Johannae SCHRAMMEN. 
” simplex SCHRAMMEN. 
Lefroyella favoidea SCHRAMMEN. 
Chonelasma Hindei ScHRAMMEN. 
“a punctata SCHRAMMEN. 
Aphrocallistes alveolites RoEMER sp. 


> cylindrodactylus SCHRAMMEN. 


Hexactinella angustata SCHRAMMEN. 

ts laevis SCHRAMMEN. 
Tretodictyum Loeschmanni SCHRAMMEN. 

2 Pfaffi SCHRAMMEN. 
Scleroplegma macrochorium ScHRAMMEN. 
Auloplax spongiosus SCHRAMMEN. 
Stereochlamis praecissa SCHRAMMEN. 

x caliculum SCHRAMMEN. 

35 pilosum SCHRAMMEN. 
Craticularia relicta SCHRAMMEN. 

59 virgatula SCHRAMMEN. 


Leptophragma Murchisont GoLDFUSS sp. 
33 pusilla SCHRAMMEN. 
5s micropora SCHRAMMEN. 
Pleurostoma radiata RoEMER. 
Gueitardia Stümpeli SCHRAMMEN. 

x striata SCHRAMMEN. 
Andreaea hexagonalis SCHRAMMEN. 
Callibrochis senonensis SCHRAMMEN. 
Wollemannia araneosa SCHRAMMEN. 
Habrosium convolutum ScHRAMMEN. 
Oxyrhizium eximinum SCHRAMMEN. 
Pleurothyris tortuosa SCHRAMMEN. 

if folium ScHRAMMEN. 
Pleurochorium F. E. Schulzet SCHRAMMEN. 
Ptychodesia papillata SCHRAMMEN. 
Polystigmatium striato-punctatum SCHRAMMEN. 
Stichmaptyx alatus SCHRAMMEN. 
Syringium textum SCHRAMMEN. 
Pleurotrema Ijimai SCHRAMMEN. 
Hapalopegma fragilis SCHRAMMEN. 

= maeandrina SCHRAMMEN. 
Balantionella elegans SCHRAMMEN. 
Polythyris cuneata SCHRAMMEN. 


Ventriculites radiatus MANTELL. 
a stellatus SCHRAMMEN. 
3 cylindratus SCHRAMMEN. 
> fistulosus SCHRAMMEN. 
Lepidospongia rugosa SCHLÜTER. 
fragılis SCHRAMMEN. 
5 inermis SCHRAMMEN. 
Rhizopoterion solidum SCHRAMMEN. 
Napaea striata SCHRAMMEN. 
5 micropora SCHRAMMEN. 
Pleuropyge plana SCHRAMMEN. 


Becksia Soekelandi Schnürer (Westfalen, ? Bie- 


wende). 
Becksia Augustae SCHRAMMEN. 

i Feuerwehri SCHRAMMEN. 

2 arborea SCHRAMMEN. 
Plocoscyphia centuncula SCHRAMMEN. 
Centrosia incrustans SCHRAMMEN. 
Callicylix farreides SCHRAMMEN. 
Cyclostigma acinosa SCHRAMMEN. 

Fe maeandrina SCHRAMMEN. 
Sarophora armata SCHRAMMEN. 


Polyblastidium racaemosum T. SMITH sp. Calyptrella Bertae SCHRAMMEN. 
Camerospongia pervia SCHRAMMEN. 
Cystispongia monostoma SCHRAMMEN. 
Tremabolites megastoma ROEMER sp. 
Toulminia Wollemanni ScHRAMMEN. 


Phalacrus flosculus SCHRAMMEN. 


Actinocyclus mirus SCHRAMMEN. 

7 alternans SCHRAMMEN. 
Microblastidium decurrens SCHRAMMEN. 
Sporadoscinia Decheni GOLDFUSS sp. 

= venosa ROEMER Sp. 


2 micrommata ROEMER sp. RS hemisphaericus SCHRAMMEN. 

Le stirps SCHRAMMEN. ue decurrens SCHRAMMEN. 

x Quenstedti SCHRAMMEN. Coeloptychium agaricoides GOLDFUSS. 
Leiostracosia punctata SCHRAMMEN. = lobatum GoLDFUSS. 

2 robusta SCHRAMMEN. Fe deciminum ROEMER. 

Brandesi SCHRAMMEN. er sulciferum RoEMER. 
Callodietyon infundibulum v. ZITTEL. | i, incisum ROEMER. 
Pleurope lacunosa ROEMER sp. fe rude v. SEEBACH. 


Marshallia tortuosa RoEMER sp. Bolitesia mirabilis SCHRAMMEN. 


Coscinopora infundibuliformıs GoLDFUSS. 


Die Liste enthält zum erstenmal auch zahlreiche Arten aus Gattungen, die noch in den Meeren 
der Jetztzeit florieren. Um zu zeigen, wo etwa heute die Fortsetzung der Spongienfauna unserer 
Oberkreide zu suchen sein könnte, habe ich sämtliche bekannten lebenden Arten der in Frage kommenden 
Genera Regadrella, Farrea, Eurete, Periphragella, Lefroyella, Chonelasma, Aphrocallistes, Hexactinella, 
Scleroplegma und Auloplax unter Angabe ihres Vorkommens in Form einer Tabelle zusammengestellt. 


+ 


_ Tabelle der geographischen Verbreitung aller bekannten lebenden 
Hexactinellidenarten aus Gattungen, die auch in der Quadratenkreide 


von Oberg vorkommen. 


Nach den drei Ozeanen geordnet. 


182 — 


Gattung 


Stiller Ozean 


Name 


Fundort 


Regadrella O. Scumiptr 


(1 fossile Art aus der Quadratenkreide.) 


Chonelasma F. E. ScHULZE 
(2 Arten aus der Quadratenkreide.) 


Periphragella W. MARSHALL 
(3 Arten aus der Quadratenkreide.) 
Lefroyella Wyv. THomson 
(1 Art aus der Quadratenkreide.) 
Farrea BowERBANK 
(2 Arten aus der Quadratenkreide.) 


Eurete SEMPER 
(1 Art aus der Quadratenkreide.) 


Aphrocallistes Gray 
(3 Arten aus der Quadratenkreide.) 


Hexactinella CARTER 
(3 Arten aus der Quadratenkreide.) 


Scleroplegma F. E. ScHuLzE 
(1 Art aus der Quadratenkreide.) 


Regadrella okinoseana 131MA 
Regadrella phoenix O. SCHMIDT 
Regadrella Komeyamai Isima 


Chonelasma lamella F. E. SCHULZE 
Chonelasma hamatum F. E. SCHULZE 


, Chonelasma Doederleini F. E. SCHULZE 


Chonelasma calyx F. E. SCHULZE 
Chonelasma tenerum F. E. ‚SCHULZE 


Periphragella Elisae MARSHALL 


Farrea occa (BWBK.) CARTER 

a Sollası F. E. SCHULZE 

a Vosmaeri F. E. SCHULZE 

»  clavigera F. E. SCHULZE 

„  aculeata F. E. SCHULZE 

„  convolyulus F. E. SCHULZE 

Eurete Semperi F. E. SCHULZE 
»  Schmidtt F. E. ScHULZE 
»  farreopsis CARTER 
,  Cartert F. E. ScHULZE 
» Marshall F, E. ScHuLzE 
,  Bowerbanki F. E. ScHULZE 
»  erectum F. E. SCHULZE 


Aphrocallistes Bocagei WRIGHT 
vastus F. E. SCHULZE 


= ramosus F. E. SCHULZE 
= whiteavesianus LAMBE 
Hexactinella ventilabrum CARTER 
~ lata F. E. SCHULZE 
tubulosa F. E. SCHULZE 


Japan 
Galapagos 
Japan 
Kermadec-Insel 
Japan 
Kalifornien. L 
Japan | 


Japan, Kalifornien 
Japan 
Banda-Insel 
Cap Flattery 
Kalifornien 
Molukken 
Philippinen 
Molukken 


Japan 
Galapagos 
Japan 


Japan, Aleuten bis 
Kalifornien 
Japan, Philippinen 
Vancouver-Insel 
Japan 
Molukken 
Japan 


— 183 — 


Atlantischer Ozean Indischer Ozean 
Name Fundort Name Fundort 
- Regadrella phoenix O. Scumipt Westindien 
Chonelasma Schulzei ToPSENT. Azoren 
Periphragella lusitanica ToPsENT Azoren 
Lefroyella decora Wyv. THomson Westindien 
Farrea occa CARTER Westindien, Farrea occa Carter | Bai von Bengalen 


Azoren, Portugal 


Aphrocallistes Bocagei WRIGHT N.-Atlantik, Portu- Aphrocallistes | Malacca, 


gal, Westindien beatrix GRAY | Andamanen 
ks ramosus F. E. SCHULZE Azoren 
Hexactinella Grimaldi Torsent Azoren 


Scleroplegma conica O. Scumipt Westindien 


— 184 — 


Die Ubersicht ergibt, daB diejenige Hexactinelliden-Fauna der Jetztzeit, welche in der Zusammen- 
setzung der Gattungen der Fauna der Quadratenkreide von Nordwestdeutschland am nächsten steht, 
im Stillen Ozean in der Nähe der japanischen Küste lebt. Ich kann noch hinzufügen, daß fünf Arten der 
Quadratenkreide, nämlich Chonelasma Hindei, Periphragella Johannae, Hexactinella laevis, Tretodictyum 
{Hexactinella) Loeschmanni und Tretodictyum Pfaffi in der allgemeinen Körperform, in der Organisation. 
des Kanalsystems und im Bau des Diktyonalgerüstes den von Japan bekannten lebenden Arten ihrer 
Gattung näherstehen, wie diese lebenden Arten allen anderen rezenten Spezies der drei Ozeane. . 

Die folgende Tabelle enthält Angaben der Meerestiefen, in der die rezenten Hexactinelliden aus 
einer Anzahl Gattungen leben, die auch in der Quadratenkreide von Oberg vertreten sind. 


Bathymetrische Verbreitung der lebenden Hexactinelliden aus Gattungen, die auch in der 
Quadratenkreide von Oberg vorkommen. 


Tiefe | Autoritat 
Gattung Art ae (Hxpaditioa) 
Regadrella 1. Regadrella phoenix O. Scumipr 400 
O. Scumipt 2 * ir I = 540 |! O. ScHMIDT 
3: n FP LE = 500 
A. re a ‘ 4 805 | F. E. SchuLze (,,Valdivia“) 
5? en + 4 € 3200 | Isıma (,,Albatross“) 
6. Regadrella Komeyamai \jimMa 787 | Isıma (,,Jnvestigator‘‘) 
7. Regadrella okinoseana \sIMa 400 | IsımA 
8. = = X. 800 5 
Chonelasma | 9. Chonelasma calyx F. E. ScHuLzE 180 | F. E. SchuLze 
F. E. ScHULZE 10 5 ‘i R 360 ; 
11, er er à 88 | F. E. Scuuuze (,,Albatross“) 
12. 2 5 + 435 2 % 
1% s = 1053 en Re 
14. 2 £ 2 1251 2 Are 
Periphragella | 15. Periphragella Elisae MARSHALL 180 | CARTER, DOEDERLEIN 
W. MARSHALL 16. N a 2 360 à : 
Lefroyella 17. Lefroyella decora Wyv. Tuomson 800 | F. E. Scuuzze (,,Challenger“) 
Wyv. THomson : | 
Farrea 18. Farrea occa CARTER 540 | CARTER 
BOWERBANK 19. = LE 5 1400 | DoEDERLEIN 
20. Farrea Sollasi F. E. SCHULZE 360 + 
21. Farrea Vosmaeri F. E. ScHuLze 360 3 
22. Farrea convolvulus F. E. SCHULZE 656 | F. E. ScHULZE (,,Albatross‘“) 


23. Farrea aculeata F. E. SCHULZE 1161 


LE] 


— 15 — 


Autorität 


: F. E. Scuuuze 


Schichten gleicher Facies sedimentiert haben. 
Unter den stratigraphisch wertvolleren Arten der Quadratenkreide sind namentlich Becksia-Arten 
Palaeontographica. Suppl.-Bd, V. 


Tiefe 
Gattung Art inm (Expedition) 
Eurete 24. Eurete Semperi F. E. SCHULZE 300 | F. E. Scauzze (,,Challenger‘‘) 
SEMPER 25. Eurete Schmidti F. E. ScHuLZzE 360 | F. E. ScHULZE 
26. Eurete farreopsis F. E. SCHULZE 360 | CARTER 
27. Eurete Carteri F. E. ScHULzE 220 | F. E. Schulze (,,Challenger“) 
De dos 5 KS 300 ug Ps 
29. Eurete Marshalli F. E. SCHULZE 260 % a 
30. Eurete Bowerbanki F. E. ScHuLZzE 360 = a 
31. Eurete erectum F. E. ScHULzE 717 | F. E. Scuuuze (,Albatross‘) 
Aphrocallistes | 32. Aphrocallistes Bocagei Wricur 180 | DoEDERLEIN, WRIGHT 
Gray EN 3 à ; 360 à 
34. xf AS a 514 à = 
BD: + = 907 x 2 
36. Aphrocallistes ramosus F. E. SCHULZE 360 | DOEDERLEIN 
37. Aphrocallistes beatrix GRAY 1694 | F. E. SchuLzeE (,,Valdivia“) 
38. 4 er 2 680 2" > 
39. . FR y 141 3 Pr 
40. er sa = 1024 5 ee 
41, 5 2 a 209 a iR 
42. R ke i; 212 x er 
43. Aphrocallistes vastus F. E. SCHULZE 97 | F. E. SCHULZE 
44. x à 3 180 2s 
45. b 5% x 360 > 
46. =F r ? 1602 5 
_ Hexactinella | 47. Hexactinella ventilabrum F. E. ScHuLzE 180 | CARTER 
CARTER 48. A x as 360 | DOEDERLEIN 
49. Hexactinella tubulosa F. E. ScHuLzE 180 > 
50. , ba i 360 pr 
Scleroplegma | 51. Scleroplegma conica O. Scumipt 540) OÖ. SCHMIDT 
_F. E. ScauLze 
Auloplax 52. Auloplax auricularis F. E. SCHULZE 2500 |F. E. ScHuLzE 


Als Durchschnitt ergibt sich eine Tiefe von ca. 600 m. Ähnliche Tiefenverhältnisse werden auch 
für die Teile des Kreidemeeres anzusetzen sein, welche die Quadratenkreide von Oberg und oberkretazische 


24 


— 186 — 


zu nennen. Im übrigen ist die große Mehrzahl der Spezies wohl nur scheinbar auf die Quadraten- 
kreide beschränkt, da nur in den Kalkmergeln dieser Zone stellenweise die giinstigen Erhaltungs- 
bedingungen gegeben sind, welche die fragileren Hexactinelliden-Arten verlangen. 

Viele zuerst in der Quadratenkreide auftretende Arten gehen bis in die mittlere, und sogar 
bis in die obere Mucronatenkreide hinauf, wie denn die Mucronatenkreide überhaupt im großen ganzen 
die Hexactinelliden-Fauna der Quadratenkreide zu wiederholen scheint. 


Verzeichnis der in der Mucronaten-Kreide vorkommenden Hexactinelliden. 


Aphrocallistes alveolites ROEMER Sp. Pleurope lacunosa ROEMER sp. 

= cylindrodactylus SCHRAMMEN. Coscinopora infundibuliformis GOoLDFUSS. 

ss lobatus SCHRAMMEN. Plocoscyphia centuncula SCHRAMMEN. 
Leptophragma Murchisoni GoLpruss sp. Cyclostigma acinosa SCHRAMMEN. 

* membranacea (JUENSTEDT Sp. ” lobata SCHRAMMEN. 

= micropora SCHRAMMEN. Tremabolites megastoma RoEMER sp. 
Pleurostoma dicholoma SCHRAMMEN. Toulminia Benettiae MANTELL Sp. 
Guettardia striata SCHRAMMEN. ” compressa SCHRAMMEN. 
Ventriculites radiatus MANTELL. Coeloptychium agaricoides GOLDFUSS. 
Lepidospongia rugosa SCHLÜTER. ® lobatum GoLDFUSS. 
Rhizopoterion tubiforme SCHRAMMEN. he deciminum ROEMER. 
Napaea striata SCHRAMMEN. > incisum ROEMER. 
Polyblastidium racaemosum T. SMITH sp. 5 rude V. SEEBACH. 
Sporadoscinia micrommata ROEMER Sp. 5 Seebachi v. ZITTEL. 

BA Teutoniae SCHRAMMEN. er princeps ROEMER. 


Die meisten Arten sind auch schon aus der Quadratenkreide angeführt worden. Auf die Mucro. 
natenkreide beschränkt sind Aphrocallistes lobatus, Leptophragma membranacea, Pleurostoma dichotoma, 
Rhizopoterion tubiforme, Sporadoscinia Teutoniae, Cyclostigma lobata, Toulminia Benettiae und compressa, 
Coeloptychium Seebachi und Coeloptychium princeps. 

Die Kalkmergel der unteren Mucronatenkreide (Ahlten, Misburg) sind am arten- und individuen- 
reichsten. Mit Ausnahme von Coeloptychium princeps enthalten sie alle Spezies, die in der vorstehenden 
Liste angeführt werden. 

Aus der faziell ziemlich gleichartigen aber jüngeren Heteroceraskreide von Lüneburg kennt 
WoLLEMANN Leptophragma membranazea QUENSTEDT sp., Coscinopora infundibuliformis GoLpruss, Aphro= 
callistes alveolites RoEMER sp., Ventriculites striatus T. Surrx (?), Ventriculites radiatus MANTELL, Sporado- 
scinia venosa und micrommata RoEMER sp., Sporadoscinia Decheni GoLpruss var. quadrata QUENSTEDT 
(= Sporadoscinia Quenstedti SCHRAMMEN), Coeloptychium deciminum, Seebachi, agaricoides und rude. 

Als Hexactinelliden führende Litoralfacies der Heteroceraskreide sind schließlich die Sandmergel 
von Haldem und Lemförde zu erwähnen. Sie schließen von Kieselspongien fast nur Coeloptychien ein 
und zwar Coeloptychium agaricoides, Coeloptychium Seebachi und auch das seltene und schöne Coelo- 
ptychium princeps. 


— 187 — 


Die von ZrrreL eingeführte Zweiteilung der Hexactinelliden in Dictyonina (,,die Sechsstrahler ver- 
schmelzen zu einem zusammenhängenden Gitterwerk, indem sich jeder Arm eines Hexaktins an den 
entsprechenden Arm eines benachbarten Sechsstrahlers legt, und beide von einer gemeinsamen Kiesel- 
hülle umschlossen werden‘) und Lyssacina (,,Die Skelettelemente bleiben entweder alle isoliert, oder 
sind nur zum Teil in unregelmäßiger Weise miteinander verlötet“), habe ich nicht beibehalten. Diese 
Einteilung beruht nur, ganz abgesehen davon, daB keineswegs bei allen Diktyoninen die Verbindung der 
Hexaktine oder Lychniske in der von Zirret geforderten Weise erfolgt, auf Eigentümlichkeiten der 
erhaltungsfähigen Bestandteile des Kieselgerüstes, während die für den Ausbau eines natürlichen Systems 
überaus wichtigen Fleischnadeln, welche bei den fossilen Hexactinelliden allerdings nicht erhalten bleiben, 
keine Beriicksichtigung finden. 

In der Hauptgliederung folge ich lieber F. E. Scnuzze, der als systematische Einheiten höchsten 
Grades die Unterordnungen Amphidiscophora und Hexasterophora unterschieden hat. Die Amphidisco- 
phora sind nach F. E. Scuuzze nicht allein durch den ausschließlichen Besitz der eigenartigen Amphidiske 
deutlich charakterisiert und von den Hexasterophora leicht und scharf zu trennen, sondern sie zeigen auch 
im übrigen so gleichartige Organisationsverhältnisse, daß die Zusammengehörigkeit aller ihrer Glieder 
stets klar hervortritt. Die Hexasterophora andererseits sind immer (bei sonst weitgehenden Differenzen) 
durch das Vorkommen des Hexasters, der für diese Abteilung typischen Nadel gekennzeichnet. 

Sämtliche Hexactinelliden, die jetzt aus der Kreide von Nordwestdeutschland bekannt sind, halte 
ich für Hexasterophora. Die lebenden Arten aller Gattungen, welche unserer Oberkreide und der Jetztzeit 
gemeinsam sind, haben ausnahmslos Hexaster. Die fossilen Spezies dieser Genera dürfen und müssen 
darum ebenfalls zu den Hexasterophora gerechnet werden. Alle übrigen Kreide-Hexactinelliden schließen 
sich aber in der Tektonik des Gerüstes enger den Formen mit Hexastern wie mit Amphidisken an. 

Die fossilen und lebenden Hexasterophora mit Ausnahme der rezenten Euplectellidae, Caulophacidae, 
Leucopsacidae und Rossellidae teile ich in die zwei Triben Hexactinosa und Lychniscosa, welche dem übrigen 
Teile der Hexasterophora, den Euplectellidae, Caulophacidae usw. gegenüber immer durch ein aus ver- 
schmolzenen Hexaktinen oder Lychnisken bestehendes Kieselgerüst, das Diktyonalgerüst, charakteri- 
siert sind. 

Die Hexactinosa, welche ich als Hexasterophora mit Diktyonalhexaktinen definiere, bilden etwa die 
Hälfte der fossilen, aber die übergroße Mehrzahl aller rezenten Hexasterophora mit Diktyonalgerüsten. 

Der größere Teil der lebenden Hexactinosa besitzt außer Hexastern auch noch Uncinate. Darum 
ist er von F. E. Schulze als Gruppe der Uneinataria mit den Familien Euretidae F. E. Scuurze (nicht 
ZitTEL), Coscinoporidae F. E ScnuLze (= Chonelasmatidae ScHRAMMEN), Aphrocallistidae F. E. ScHuLzE 
und Tretocalycidae F. E. Schulze zusammengefaßt worden. In diese Gruppe, der ich die Bedeutung einer 
Subtribus der Hexactinosa beilege, beziehe ich auch die zahlreienen fossilen Euretidae (im Sinne F. E. 
SCHULZES), Chonelasmatidae, Tretocalycidae usw. ein, die ich in der oberen Kreide aufgefunden habe. 
_ Die leicht vergänglichen Uncinate waren allerdings bei keiner Art mehr nachweisbar. Sie sind durch den 
Versteinerungsprozeß zerstört worden. Formeigentümlichkeiten der Schwammkörper, Struktur der 
Diktyonalgerüste und Organisation des Kanalsystems boten aber in ihrer Gesamtheit zahlreiche und 
sichere Anhaltspunkte für die Beurteilung der generischen Stellung und Familienzugehörigkeit. 

Den Uncinataria hat F. E. SchuLze als /nermia alle mit deutlichem Diktyonalgerüst versehenen 


— 188 — 


Hexasterophora gegenübergestellt, welche keine Uncinate und auch weder Scopulae noch Clavulae auf- 
weisen. Als eine besondere Familie der Inermia (Dactylocalycidae) hat Isıma sodann die Gattungen 
Dactylocalyx, Margaritella, Myliusia, Aulocalyx und Euryplegma zusammengefaßt. F. E. ScHuLzE fügte 
noch die Gattung Auloplax hinzu, während er für die einzige durch Lychnisken ausgezeichnete lebende 
Gattung Aulocystys innerhalb der Inermia die besondere Familie Aulocystidae aufstellte. Ich betrachte 
die Inermia, aber mit Ausnahme der Aulocystidae F.E. SCHULZE, die ich als einzige lebende Familie meinem 
Tribus Lychniscosa unterordne, als zweite Subtribus der Hexactinosa. Auch die Gruppe der Inermia 
umfaßt Hexactinelliden aus der oberen Kreide. Ich rechne allerdings aus naheliegenden Gründen nur die 
wenigen fossilen Arten dazu, die zu Inermia-Gattungen gehören, welche auch noch in der Jetztzeit leben. 
Es ist aber durchaus wahrscheinlich, daß noch viel mehr fossile Arten den /nermia nahestehen. 
Indessen wird der direkte Nachweis schwer zu erbringen sein. Selbstverständlich wäre es verfehlt, schon 
allein aus dem Fehlen der Uneinate, Clavulae und Scopulae nähere Beziehungen herzuleiten, weil ja die 
Fleischnadeln der fossilen Arten auch da nicht mehr nachzuweisen sind, wo sie vorhanden gewesen sein 
müssen. 

Alle Hexactinosa aus der oberen Kreide, die nicht zu Gattungen gehören, deren Verhältnis zu den 
Uncinataria oder Inermia von lebenden Arten her bekannt ist, behandle ich als Hexactinosa unsicherer 
Stellung. 

Die Tribus Lychniscosa — Hexasterophora mit Lychnisken — enthält die zweite Hälfte aller Kreide- 
Hexactinelliden. In der Jetztzeit sind die Lychniscosa nur noch durch die einzige Gattung Aulocystis — 
F. E. Scuutze vertreten. Darum hat es mich nicht überrascht, daß die Zoologen die Aufstellung der 
Gruppe der Lychniscosa, die ich bereits im Jahre 1902) vorgeschlagen hatte, zunächst abgelehnt haben. 
Die Einwendungen Iyimas?) und F. E. Schurzes®) kann ich aber nicht als überzeugend anerkennen. Ich 
bin auch selber der Ansicht Isımas, daß das Lychnisk eine Bildung ist, die Hexaktine zur Grundlage hat, 
welche durch Hinzutreten eigentümlich angeordneter Synapticula zu den Zentralknoten zu Lychnisken 
geworden sind. Ferner teile ich die Meinung F. E. Scuutzes, daß die acht schrägen Strebepfeiler, welche 
sich um den Kreuzungsknoten der Lychniske entwickeln, als eine zur Verstärkung der Festigkeit dienende 
Einrichtung aufzufassen sind. Daß die Laternenknoten aber höchstens die systematische Bedeutung 
haben können, eine Familie zu charakterisieren, wie F. E. ScHuLZE annimmt, möchte ich nicht 
zugeben. F. E. ScHhuLze stützt sich namentlich darauf, daß bei den lebenden Hexactinelliden mit 
Lychnisken außer den regelmäßigen Lychnisken zuweilen auch einfache undurchbohrte Verbindungs- 
knoten vorkommen, z. B. bei Aulocystis Grayi Bws«. in der Nähe der Anheftungsstellen des ganzen 
Schwammes an seiner Unterlage.*) So wertvoll das akzidentielle Auftreten von Hexaktinen für phylo- 


1) Neue Hexactinelliden aus der oberen Kreide. Mitteilungen aus dem Rormer-Museum. No. 15. 8. 7. 

2) Studies on the Hexactinellida. Contribution III, S. 24 und S. 115. 

’) Wissenschaftl. Ergeb. der Deutsch. Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer „Valdivia“. Bd. 4. Hexactinellida, 
8.170. 71 

4) Hier breitet sich an der Berührungsstelle mit dem Fremdkörper eine dünne, mit kleinen rundlichen Lécherchen 
versehene Kieselplatte aus. Über dieser lagert dann ein dichtes Balkengerüst mit undurchbohrten Knoten, welches 
allmählich in das normale Gerüst mit durchbohrten Knoten übergeht. — Auch bei fossilen Lychniscosa, die Aulocystis 
nahestehen, z. B. bei Tremabolites v. Zırr. kommen stellenweise einfache Hexactine vor, aber ebensowenig wie bei den 
rezenten Formen als Elemente des eigentlichen Diktyonalgerüstes, sondern nur in den Dermal- und Gastralregionen. 


— 189 — 


genetische Betrachtungen sein mag, für die Einschätzung des systematischen Wertes der Lychnisken- 
bildung scheint es mir von untergeordneter Bedeutung zu sein. 

Wichtig ist dagegen, daß bei den Lychniscosa gewöhnlich auch noch Differenzierungen der 
Dictyonalia vorkommen, die den Æexactinosa fast immer fehlen. Hierhin gehören namentlich die aus 
plattigen Verbreiterungen der Tangentialstrahlen der dermalen und gastralen Lychniske hervor- 
gehenden porösen Membranen an beiden Oberflächen der Wandung, und die aus anastomosierenden 
Zerschlitzungen der äußeren Radialstrahlen der Oberflächen-Lychniske zusammengesetzten Deckgespinste. 
Den Ausschlag gibt aber m. E. die ungemein große Fülle und erstaunliche Formenmannigfaltigkeit der 
Hexactinelliden mit Lychnisken. Sie wiederholen alle oder fast alle Modifikationen des Kanalsystems, 
welche bei den Hexactinosa vorkommen und auch die verschiedenen Formentypen der Schwammkörper 
kehren neben zahlreichen eigenartigen Gestalten wieder. Darum betrachte ich die Hexactinosa und die 
Lychniscosa als Parallelreihen, deren Evolution noch während der Kreidezeit gleichen Schritt gehalten 
hat. Beide standen damals wohl auf der Höhe der Entwicklung. In der Jetztzeit sind die Hexactinelliden 
mit Lychnisken fast ganz erloschen und die Hexactinosa gegen früher augenscheinlich stark in der 
Abnahme begriffen. 

Die Lychniscosa und Hexactinosa könnte man, zu einer höheren systematischen Einheit zusammen- 
gefaßt, einer anderen gegenüberstellen, welche die Euplectellidae, Caulophacidae, Leucopsacidae und 
Rossellidae umfassen würde. Die drei letzten der eben genannten Familien wird man übrigens in der 
folgenden Übersicht der Hexasterophora-Familien aus der oberen Kreide von Nordwestdeutschland ver- 
geblich suchen, und auch die Euplectellidae kann ich nur mit einer einzigen Regadrella-Art anführen. 


Familien der Hexactinelliden aus der oberen Kreide von Nordwestdeutschland. 


I. Unterordnung Hexasterophora F. E. SCHULZE. 


Mit Hexastern aber ohne Amphidiske. 

Die Nadeln sind entweder sämtlich frei oder teilweise zu einem zusammenhängenden Stützgerüst 
mehr oder minder regelmäßig verbunden. 

Während einige mit einem basalen Nadelschopfe im Boden wurzeln, sind andere direkt oder 
mittelst eines Stieles auf der Unterlage befestigt. 


a) Lyssacine Hexasterophora. 


1. Familie Euplectellidae Isıma. 


= © Die Originaidiagnose lautet: 
„Lyssacine Hexasterophora of tubular cup-like or massive body; sometimes stalked: either rooted 
by a tuft of basal spicules or firmly attashed by compact base; generally possessing numerous separate 


— 199 — 


oscula. Dermal skeleton composed of hexactinic dermalia the proximal ray of which is as a rule much 
longer than any other in the same spicule; no hypodermal pentactins. Hexaster various.“ 


b) Dictyonine Hexasterophora. 


1. Tribus Hexactinosa SCHRAMMEN. 


Hexasterophora mit Diktyonalhexaktinen. 


1. Subtribus Uncinataria F. E. ScHhuLze. 


Hexactinosa mit Uncinaten. 


2. Familie Euretidae F. E. ScHULzeE. 


„Uncinataria, deren der Unterlage fest aufsitzender Körper aus einem baumartig verästelten 
oder reichlich anastomosierenden Röhrensystem besteht, welches in einigen Fällen die Wandung eines 
größeren Kelches bildet. Das zusammenhängende Stützgerüst setzt sich aus Diktyonalhexaktinen 
zusammen, welche meistens in regelmäßiger Weise durch Umhüllen der parallel und dicht aneinander 
gelegten Strahlen mit Kiesellamellen zur Bildung eines vorwiegend rechtwinklige Maschen umschließenden 
Balkenwerkes sich vereinigen. Neben den pentaktinen Dermalia und Gastralia treten außer den Uncinaten 
reichlich Scopulae oder Clavulae auf. Als intermediäre Parenchymalia kommen neben einfachen Oxy- 
hexaktinen auch Oxyhexaster und Discohexaster oder beide vor.“ 


3. Familie Chonelasmatidae SCHRAMMEN. 
(= Coseinoporidae F. E. ScHuLzE [non ZITTEL]). 


Kelch- oder plattenförmige Uncinataria, deren verhältnismäßig dünne Wand von geraden, konischen, 
blind endigenden Epi- und Aporhysen quer durchsetzt wird. Mit Scopulen. - 


4. Familie Aphrocallistidae F. E. ScHuLze. 


Kelch- oder röhrenförmige Uncinataria mit ziemlich dünner Wandung, deren Diktyonalgerüst 
vorwiegend dreieckige Maschen zeigt und, von regulär sechsseitigen Lücken gleichmäßig durchsetzt, 
ein bienenwabenähnliches Aussehen hat. Mit Scopulen. 


5. Familie Tretocalycidae F. E. SCHULZE. 


Uncinataria mit unregelmäßigen Kanälen, die den Körper schräg oder in verschiedener Richtung 
durchdringen, oder mit regelmäßig alternierenden, röhrenförmigen, die Wandungen quer durchsetzenden 
und blind endigenden Epi- und Aporhysen. Mit Ausnahme der Gattung Uncinatera Torsent haben alle 
Gattungen Scopulae. 


— 191 — 


2. Subtribus Inermia F. E. SCHULZE. 


Hexactinosa ohne Uncinate, Scopulae und Clavulae. 


6. Familie Dactylocalycidae Iyıma. 


„Der massige oder kelchférmige, seltener platte Körper besteht aus einem System anastomosierender 
Röhren, zwischen welchen ein interstitielles Lückensystem (Cavaedialsystem) bleibt. Das in letzteres 
eintretende Wasser durchsetzt die Wand der Röhren und gelangt durch diese direkt oder durch einen 
gemeinsamen Gastralraum nach außen.“ 


7. Familie Auloplacidae SCHRAMMEN. 


Kleine, trichter-, röhren- oder spitzglasförmige, oder aus fächerförmig oder bündelartig neben- 
einander liegenden Röhrchen bestehende Inermia mit ziemlich dieker Wandung. Oberflächen mit kleinen 
Ostien und Postiken von radiären, blind endigenden Epirhysen bezw. Aporhysen oder Kanalsystem 
wenig entwickelt. Die großen Hexaktine haben glatte Strahlen, die zu einem mehr oder weniger regel- 
mäßig gebauten Gerüste verschmelzen, in dem longitudinale oder bogenförmig von innen nach außen 
strahlende Balkenzüge besonders kräftig entwickelt sind. Die Enden dieser Balkenzüge erheben sich 
wie die Granen eines Pelzes über die Oberfläche der Außenseite oder beide Oberflächen und bilden dadurch 
einen Schleier von langen Kieselstäben. 


c) Hexactinosa incert. sedis. 


8. Familie Craticularidae Raurr. 


Mehr oder weniger dickwandige, becherförmige, zylindrische, plattige oder ästige (?) Hexactinosa 
mit ziemlich groBen, zu Längs- und Querreihen gruppierten Ostien und Postiken von radiären réhren- 
fürmigen, blind endigenden Epirhysen und Aporhysen. Die Hexaktine haben glatte oder kleindornige 
Strahlen und verschmelzen zu einem engmaschigen Geriiste. Beide Oberflächen mit aus den verdickten 
tangenlialen Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehenden geflechtartigen Deck- 
schichten. 


9. Familie Leptophragmidae ScHRAMMEN. 


Trichter-, röhren- oder schalenförmige, dolchscheidenartig zusammengedrückte oder sternformig 
gefaltete Hexactinosa mit dünner Wandung. Beide Seiten mit kleinen, zu Längs- und Querreihen 
geordneten oder in Quincunx stehenden Ostien und Postiken von röhrenförmigen Epirhysen und Apo- 
rhysen, die unter den Oberflächen der Innen- und Außenseite in den Skelettbrücken zwischen den Ostien 
und Postiken blind endigen. Die kleinen Hexaktine haben glatte oder bedornte Strahlen und ver- 
schmelzen gewöhnlich in beliebiger Orientierung zu unregelmäßig gebauten und engmaschigen Gerüsten. 
Beide Oberflächen mit mehr oder weniger stark entwickelten Verdichtungen, die aus Verdickungen der 
tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehen. 


— 192 — 


10. Familie Callibrochidae ScHRAMMEN. 


Trichter- oder spitzglasförmige Hexactinosa mit dünner oder dicker Wandung. Ohne besondere 
Epirhysen, Aporhysen und Postiken; gewöhnlich auch ohne Ostien. Das Diktyonalgerüst ist sehr regel- _ 
mäßig gebaut und besteht aus großen Hexaktinen, die zu longitudinalen, radialen und zirkulären Balken- 
zügen verschmelzen und weite kubische Maschen umschließen. In den Maschen liegen häufig Oxyhexaktine 
von verschiedener Größe, deren Strahlen frei endigen, oder untereinander und mit den Dictyonalia ver- 
bunden sind. Äußere Oberfläche mit aus Verbreiterungen oder Verdickungen der Tangentialstrahlen 
der dermalen oder gastralen Hexaktine hervorgehenden engmaschigen Deckschichten. Innenseite ge- 
wöhnlich ohne Deckschichten. 


11. Familie Pleurothyrisidae SCHRAMMEN. 


Kleine röhren-, spitzglas- oder blattförmige Hexactinosa, deren sehr dünne Wandung dolch 
scheidenartig zusammengedrückt oder spiralig gefaltet ist. Schmalseiten bezw. Faltenrücken mit größe- | 
ren rundlichen Wandlücken, zuweilen auch mit übereinanderliegenden dütenförmigen Fortsätzen 
Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die Hexaktine haben 
glatte oder dornige Strahlen und verschmelzen im Innern der Wandung zu einem mehr oder weniger 
regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen, während sie an 
den Oberflächen unregelmäßig gebaute Geflechte bilden. 


12. Familie Ptychodesidae ScHRAMMEN. 


Plattige Hexactinosa mit dünner Wandung, welche durch Longitudinalfaltung an der Außenseite 
röhrenförmige, alleinstehende oder zu Gruppen vereinigte Vorstülpungen oder kantige Leisten bildet, 
die am Scheitel von größeren runden Öffnungen durchbrochen werden. Beide Seiten mit kleinen, zu mehr 
oder weniger regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten Ostien und Postiken von röhrenförmigen 
Epirhysen und Aporhysen, welche die Wandung alternierend durchsetzen, und unter den Oberflächen 
der Innen- bezw. Außenseite blind endigen. Die Hexaktine haben mit Dornen besetzte Strahlen und 
verschmelzen im Innern der Wandung und an beiden Oberflächen zu einem unregelmäßig gebauten 
Gerüste. Die nach außen gerichteten Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als lange, — 
mit kleinen Dornen besetzte Stacheln. 


13. Familie Polystigmatidae SCHRAMMEN. 


Ohr-, blatt- oder unregelmäßig trichterförmige Hexactinosa mit dünner Wandung und stark ent- 
wickelter plattiger Basis. Beide Oberflächen mit zu Längs- und Querreihen geordneten oder unregel- 
mäßig verteilten und dicht nebeneinander liegenden Ostien und Postiken. Die Epirhysen und Aporhysen 
endigen blind unter den Oberflächen der Innen- und Außenseite. Die parenchymalen Hexaktine haben 
kleindornige Strahlen, die im Innern der Wandung zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten 
Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Die Kreuzungsknoten 
der dermalen und gastralen Hexaktine sind kugelig verdickt und mit kurzen Höckern besetzt. 


— 193 — 


14. Familie Stichmaptycidae SCHRAMMEN. 


Dünnwandige Hexactinosa, deren Schwammkörper durch starke Faltung der Wandung aus in 
unregelmäßiger Weise anastomosierenden Blättern und weiten Röhren bestehen. Außenseite mit nadel- 
stichartigen, gleichmäßig über die Oberfläche verbreiteten Ostien von kurzen geraden Epirhysen. Innen- 
seite mit kleinen ovalen Postiken. Die Aporhysen durchdringen die Wandung in schräger Richtung, 
wobei sie die Epirhysen durchkreuzen. Die Hexaktine haben glatte Strahlen und verschmelzen zu einem 
unregelmäßig gebauten engmaschigen Gerüste. Außenseite mit, Innenseite ohne Oberflächenverdichtung. 


15. Familie Syringidae SCHRAMMEN. 


Röhrenförmige und dünnwandige Hexactinosa, an deren Außenseite in quadratischen Feldern 
kleine Ostien von Epirhysen liegen, welche die Wandung vollständig durchdringen. Die Aporhysen 
beginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden an der inneren Oberfläche mit runden Postiken, 
die mit den inneren Mündungen der Epirhysen alternieren. Die Hexaktine verschmelzen zu einem mehr 
oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste, dessen äußere Oberfläche mit Deckschicht überzogen ist. 
Innenseite ohne Deckschicht. 


16. Familie Hapalopegmidae SCHRAMMEN. 


Kleine, zusammengedrückt röhrenförmige oder aus anastomosierenden Röhren bestehende 
Hexactinosa ohne besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken. Die Hexaktine verschmelzen 
zu einem sehr weitmaschigen Gerüste mit vorwiegend longitudinalen, radialen und zirkulären Balken- 
zügen. Ohne Deckschichten. 


17. Familie Botryosellidae SCHRAMMEN. 


Knollige oder plattige Hexactinosa, deren Schwammkörper aus dicken, gekröseartig gewundenen 
oder zu röhrigen Anastomosen gefalteten Lappen besteht. Außenseite mit kleinen, unregelmäßig an- 
geordneten Ostien von verschiedener Weite. Als Postiken fungieren die weiten Skelettmaschen an der 
inneren Oberfläche. Regelmäßige Kanäle fehlen. Die Diktyonalhexaktine sind sehr groß und verschmelzen 
zu einem unregelmäßigen oder aus undeutlich longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen 
bestehenden Gerüste. Beide Oberflächen mit weitmaschigen, geflechtartigen Verdichtungen. 


18. Familie Balantionellidae ScHRAMMEN. 


Krustenförmige Hexactinosa mit dünner Wandung, die aus zu traubigen Stöckchen vereinigten, 
stark zusammengedrückien Beutelchen bestehen. Schmalseiten der Beutelchen mit großen, rundlichen 
Wandlücken. Breitseiten mit von der Basis nach den Rändern strahlenden Ostienreihen. Ostien winzig. 
Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die Hexaktine verschmelzen im 
Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite zu einem regelmäßigen, aus longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenzügen aufgebauten Gerüste, in dessen Maschen zahlreiche beliebig orien- 
tierte und verschieden große Oxyhexaktine liegen, die sich mit einem oder mehreren Strahlen an die 
Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 25 


: — 194 — 


Dictyonalia heften. Äußere Oberfläche mit einer engmaschigen Deckschicht, die aus beliebig orien- 
tierten Diktyonalhexaktinen mit verdickten Strahlen hervorgeht. 


19. Familie Polythyrisidae SCHRAMMEN. 


Kleine, dünngestielte, kugelige oder eiförmige Hexactinosa mit dicker Wandung und sternförmig 
gebuchtetem Paragaster. Außenseite mit einigen großen runden, mit den Paragasterausbuchtungen 
kommunizierenden Wandlücken und zahlreichen kleinen, unregelmäßig verteilten Ostien. Auf der 
Paragasteroberfläche winzige Postiken. Die Hexaktine haben dornige Strahlen und verschmelzen in 
beliebiger Orientierung zu einem engmaschigen Gerüste, dessen oberflächlich gelegenen Teile zwar dichter 
wie die parenchymalen sind, aber keine eigentlichen Deckschichten entwickeln. 


2. Tribus Lychniscosa SCHRAMMEN. 


Hexasterophora mit Lychnisken. 


20. Familie Ventriculitidae v. ZiTTEL emend. 


Trompeten-, hutpilz-, trichter- oder schirmförmige, zylindrische oder zusammengedrückt röhren- 
förmige Lychniscosa mit langem Stiel und kräftiger Wurzel. Außenseite entsprechend einer mehr oder 
weniger deutlich ausgesprochenen Radialfaltung der dünnen oder dieken Wandung mit alternierend in 
Längsreihen oder -furchen liegenden längsovalen Ostien von einfachen Epirhysen, die unter der Ober- 
fläche der Innenseite in den Brücken zwischen den Postiken blind endigen. Die Aporhysen beginnen 
unter der Oberfläche der Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien und münden an der Innenseite 
mit runden oder querovalen Postiken, die gewöhnlien in Quincunx stehen. Die Lychniske haben bedornte 
Strahlen, die zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Beide Ober- 
flächen sind mit plattigen oder geflechtartigen Deckschichten, die aus siebartig durchlöcherten Ver- 
breiterungen der tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Lychniske hervorgehen, überzogen. 
Als Derivate der nach außen gerichteten radialen Lychniskenstrahlen erheben sich gewöhnlich außerdem 
noch plattige oder rasenartige Deckgespinste, auch wohl schuppenartig übereinander liegende Kiesel- 
bänder über die innere Oberfläche des Diktyonalgerüstes. 


21. Familie Polyblastididae SCHRAMMEN. 


Stockartige Lychniscosa, deren Schwammkörper aus zahlreichen kreiselförmigen Knospen mit 
radial gefalteter Wandung und gut entwickeltem Paragaster besteht, die von einem dünn-röhrenförmigen 
Axenteile ausstrahlen. Ostien klein, oval. Ohne Aporhysen und Postiken. Die Lychniske haben klein- 
dornige Strahlen, die zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Äußere 
Oberfläche mit Deckschicht. Innenseite ohne Deckschicht, aber mit einem aus den verlängerten äußeren 
Radialstrahlen der gastralen Lychniske bestehenden Rasen von Kieselstacheln. 


22. Familie Actinocyclidae SCHRAMMEN. 


Pilz- oder schirmférmige Lychniscosa. Oberseite mit zahlreichen, in der Mitte beginnenden, ein- 
fachen oder vergabelten, flachen oder gewölbten Radialfalten. Unterseite mit vom Stiele nach dem 
Rande verlaufenden, in einfachen oder dichotomen Reihen stehenden, großen rundlichen Ostien von 
kurzen Epirhysen, die im Innern der Radialfalten münden. Postiken in den Furchen zwischen den Radial- 
falten oder auf den Faltenrücken und -seiten. Diktyonalgerüst ziemlich unregelmäßig. Ober- und Unter- 
seite mit membranösen oder geflechtartigen Deckschichten. 


23. Familie Microblastididae ScHRAMMEN. 


Trichterförmige Lychniscosa mit ziemlich dicker, radial gefalteter Wandung. Auf den Faltenrücken 
liegen an der Außenseite in Längsreihen zitzen- oder warzenförmige Vorstülpungen, die, wie auch die 
Seiten der Falten, von ziemlich großen rundlichen Löchern durchbrochen werden. Äußere Oberfläche mit 
winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Das Diktyonalgerüst ist ziemlich 
regelmäßig gebaut. Außenseite mit Deckschicht; Innenseite ohne Deckschicht, aber stellenweise mit einem 
äußerst zarten Deckgespinst, das von den äußeren Radialstrahlen der gastralen Lychniske ausgeht. 


24. Familie Sporadoscinidae ScHRAMMEN. 


Mehr oder weniger dünnwandige, kelch-, röhren-, trichter-, napf- oder schirmförmige Lychniscosa. 
Außenseite mit gleichmäßig über die Oberfläche verteilten, querovalen, spaltförmigen, rundlichen, unregel- 
mäßig polygonalen oder quadratischen Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die blind unter der Ober- 
fläche der Innenseite endigen. Oberfläche der Innenseite mit in Quincunx stehenden oder in Längsfurchen 
liegenden runden Postiken von ziemlich weiten Aporhysen, die unter der Oberfläche der Außenseite 
beginnen. Die Lychniske haben bedornte Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger unregel- 
mäßig gebauten Gerüste. Äußere Oberfläche immer mit Deckschicht. Innere Oberfläche mit oder ohne 
Deckschicht; zuweilen mit plattigen Kieselgespinsten. 


25. Familie Callodietyonidae v. ZirreL emend. 


Trichterförmige Lychniscosa mit dünner Wandung, die auch spiralig gefaltet oder dolchscheiden- 
artig zusammengedrückt sein kann und dann von großen runden Wandlücken auf den Faltenrücken oder 
Schmalseiten durchbrochen wird. Oberflächen mit kleinen, in Quineunx stehenden oder unregelmäßig 
verteilten Ostien und Postiken. Die Wasserzirkulation erfolgt ohne Vermittelung besonderer Epirhysen 
und Aporhysen durch die weiten Skelettmaschen. Das Diktyonalgerüst ist sehr regelmäßig gebaut und 
besteht aus Lychnisken, deren Strahlen zu longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verbunden 
sind. Gewöhnlich mit Deckschichten. 


26. Familie Coscinoporidae v. ZiTTEL emend. 


Trichter- oder becherförmige Lychniscosa mit dünner Wandung und kräftiger Wurzel. Außen- 
und Innenseite mit kleinen in Quincunx stehenden Ostien bezw. Postiken. Die geraden röhrenförmigen 


— 196 — 


Epirhysen und Aporhysen endigen blind unter den Oberflächen der Innen- bezw. AuBenseite. Diktyonal- 
gerüst unregelmäßig; an beiden Oberflächen mit plattigen und durchlécherten Deckschichten, die von 
dermalen und gastralen Stauraktinen ausgehen. 


27. Familie Becksidae SCHRAMMEN. 


Schalen-, napf- und kelchförmige, oder paragasterlose knollige, krustenartige, birnförmige oder 
dickzylindrische Lychniscosa, deren dünne Wandung stark gefaltet ist und anastomosierende Röhren 
und Lappen bildet, zwischen denen unregelmäßige Cavaedien liegen. An der Außenseite der Röhren 
und Lappen winzige Ostien, die aber auch fehlen können. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken 
sind nicht entwickelt. Wasserabfuhr durch die weiten Röhrenmündungen. Die Lychniske verschmelzen 
zu einem regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. Äußere 
Oberflächen mit Deckschichten, die von den Tangentialstrahlen der dermalen Lychniskenlage ausgehen 
oder ohne Deckschichten. 


28. Familie Calyptrellidae ScHRAMMEN. 


Aus lappigen Blättern und anastomosierenden, distal offenen Röhren bestehende Lychniscosa, 
deren Wandung nur aus einer einschichtigen Lychniskenlage besteht. Die Tangentialstrahlen ver- 
schmelzen zu einem sehr regelmäßig gebauten Gitterwerk; die Radialstrahlen endigen an beiden Ober- 
flächen als konische Zapfen. 


29. Familie Plectascidae ScHRAMMEN. 


Knollen- oder stockartige Lychniscosa, deren Wandung durch Faltung lappige Blätter und dicke 
anastomosierende Röhren bildet, die distal geöffnet sind. Beide Oberflächen mit in Längs- und Querreihen 
liegenden, ziemlich großen Ostien bezw. Postiken. 


30. Familie Oncotoechidae SCHRAMMEN. 


Zylindrische oder birnförmige Lychniscosa mit engem und tiefem Paragaster, deren dünne Wandung 
an der Außenseite radiale Vorstülpungen bildet, die an den Scheiteln abgestutzt und durch tiefe Furchen 
getrennt sind. Äußere Oberfläche mit unregelmäßig verteilten kleinen Ostien. Das Diktyonalgerüst ist 
ziemlich unregelmäßig. Mit oder ohne Deckschicht. 


31. Familie Camerospongidae SCHRAMMEN. 


Eiförmige, knollige, scheiben-, schirm- oder pilzförmige Lyehniscosa, deren dünne Wandung zu 
mehr oder weniger weiten anastomosierenden Röhren gefaltet ist, zwischen denen unregelmäßige Cavaedien 
liegen. Scheitel, Scheitelrand oder ganze Oberfläche (mit Ausnahme der Paragastermündungen) sind 
mit einer glatten Kieselhaut überzogen. Außenseite der Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epi- 
rhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Das Diktyonalgerüst ist ziemlich regelmäßig. Die oberste 
Lychniskenlage der Außenseite ist durch Verdickung und Abplattung der Lychniskenbalken und Ausbildung 


— 197 — 


durchlécherter Kieselplatten mehr oder weniger stark verdichtet. Innenseite ohne Oberflachenverdichtung, 
aber häufig mit einem Uberzuge von kleinen beliebig orientierten Hexaktinen. In der glatten Kieselhaut 
zablreiche Axenkreuze von Stauraktinen (Pentaktinen). 


32. Familie Coeloptychidae v. Zirret. 


Scheiben-, schirm- oder pilzförmige Lychniscosa, deren dünne Wandung zahlreiche, mehr oder 
weniger regelmäßig vergabelte, innen hohle Radialfalten bildet. Oberseite flach oder trichterförmig ver- 
tieft, mit fein- oder grobmaschigen Diaphragmen überzogen, die in der Regel mit glatten Radialbändern 
alternieren. Rand bandartig und scharfkantig gegen Ober- und Unterseite abgesetzt, oder eingekerbt, 
oder aber in Radiallappen zerlegt. Faltenrücken mit mehr oder weniger großen, rundlichen, spaltförmigen 
oder auf den Gipfeln warzenförmiger Fortsätze liegenden Wandlücken. Die Ostien sind als winzige 
Löcherchen alternierend über die ganze äußere Oberfläche der Falten verteilt. Besondere Epirhysen, 
Aporhysen und Postiken fehlen. Diktyonalgerüst sehr regelmäßig.. Äußere Oberfläche z. T. mit Deck- 
schicht überzogen, die aus dermalen Hexaktinen (Pentaktinen, Stauraktinen) hervorgeht. 


33. Familie Cinclidellidae SCHRAMMEN. 


Schlank-trichterférmige (spitzglasförmige) Lychniscosa mit dünner Wandung. Außenseite mit 
kleinen, dicht nebeneinander liegenden, rundlichen Ostien von kurzen Epirhysen. Ohne besondere Apo- 
rhysen und Postiken. Im Diktyonalgerüst große Lychniske, die im Innern der Wandung und an der Ober- 
fläche der Innenseite ein weitmaschiges Gerüst mit vorwiegend rechteckigen Maschen aufbauen, und 
kleinere, die zu unregelmäßigen Geflechten verschmelzen, welche z. T. die großen Maschen überbrücken 
und ausfüllen. Außenseite mit einer geflechtartigen Deckschicht. 


34. Familie Bolitesidae SCHRAMMEN. 


Plattige Lychniscosa mit dicker Wandung. Außenseite mit ovalen, in Quincunx stehenden Miin- 
dungen von weiten röhrenförmigen Kanälen, welche die Wandung in schräger Richtung durchdringen 
An der wabenartigen Innenseite stehen die unregelmäßig rundlichen, sehr weiten Mündungen dieser 
Kanäle alternierend in Längs- und Querreihen mit ähnlich geformten Mündungen von Kanälen, die unter 
. der Oberfläche der Innenseite blind endigen. Die Verbindung beider Kanalsysteme erfolgt durch kleine 
rundliche Öffnungen in den Septen. Die sehr weiten Maschen des aus Lychnisken mit ungewöhnlich langen 
und dünnen Strahlen bestehenden Diktyonalgerüstes sind von unregelmäßigen axenkanalfreien Kiesel- 
gespinsten überbrückt, die von den Strahlen der Lychniske ausgehen. Die Tangentialstrahlen der 
dermalen und gastralen Lychniske sind plattig verbreitert. Ihre äußeren Radialstrahlen erheben sich 
über die Oberfläche als lange dornige Kieselstäbe und endigen mit kurzen Kieselbüscheln. 


35. Familie Ophrystomatidae SCHRAMMEN. 


Plattige Lychniscosa, die auf der Oberseite mit einer glatten, von zahlreichen rundlichen Öffnungen 
mit umwallten Rändern durchbrochenen Kieselhaut überzogen sind. In der Deckschicht kleine Axenkreuze 
(? von Stauraktinen). 


Ww D 


QO 


10. 


145 
12. 


13 


Tabellarische Ubersicht der Kreide-Hexactinelliden bis zu den Gattungen. 


(Die gesperrt gedruckten Gattungen kommen in der oberen Kreide und in der Jetztzeit vor.) 


Hexasterophora F. E. SCHULZE. 


I. Euplectellidae Isıma. 
. Regadrella. O. ScHMiDT. 


A. Hexactinosa SCHRAMMEN. 
a) Uncinataria F. E. SchuLze. 


II. Euretidae F. E. SCHULZE. 


. Farrea BoWERBANK 
. Eurete SEMPER. 


. Periphragella W. MARSHALL. 


Lefroyella Wyv. Tuonmson. 

II. Chonelasmatidae SCHRAMMEN. 
.Chonelasma F. E. ScHuLzr. 
IV. Aphrocallistidae F. E. ScHuLze. 


. Aphrocallistes Gray. 


V. Tretocalycidae F E. ScHuzze. 


. Hexactinella Carrer. 


. Tretodietyum F. E. ScHuLze. 


b) Inermia F. E. Schutze. 


VI. Dactylocalycidae I,sıma. 


VII. Auloplacidae SCHRAMMEN. 


Auloplax F. E. ScHuLze. 
Stereochlamis SCHRAMMEN. 


c) Hexactinosa incert. sed. 


VIII. Craticularidae RAUFF. 


. Craticularia v. ZITTEL. 


Scleroplegma F. E. Scaurze. 


IX. Leptophragmidae ScHRAMMEN. 


14. Leptophragma v. ZITTEL. 
15. Pleurostoma RoEMER. 
16. Guettardia MICHELIN. 
17. Andreaea SCHRAMMEN. 


X. Callibrochidae SCHRAMMEN. 


18. Callibrochis SCHRAMMEN. 
19. Wollemannia SCHRAMMEN. 
20. Habrosia SCHRAMMEN. 
21. Oxyrhizium SCHRAMMEN. 


XI. Pleurothyrisidae SCHRAMMEN 


22. Pleurothyris SCHRAMMEN. 
23. Pleurochorium SCHRAMMEN. 


XII. Ptychodesidae SCHRAMMEN. 


24. Ptychodesia SCHRAMMEN. 


XIII. Polystigmatidae SCHRAMMEN. 


25. Polystigmatium SCHRAMMEN. 


XIV. Stichmaptycidae SCHRAMMEN. 


26. Stichmaptyx SCHRAMMEN. 


XV. Syringidae SCHRAMMEN. 


27. Syringium SCHRAMMEN. 


XVI. Hapalopegmidae SCHRAMMEN. 
28. Hapalopegma SCHRAMMEN. 
29. Pleurotrema SCHRAMMEN. 

XVII. Botryosellidae SCHRAMMEN. 


30. Botryosella SCHRAMMEN. . 


— 199 — 


XVIII. Balantionellidae SCHRAMMEN. XXVII. Becksidae SCHRAMMEN. 


31. Balantionella SCHRAMMEN. 47. Becksia SCHLÜTER. 
48. Plocoscyphia Reuss. 
XIX. Polythyrisidae SCHRAMMEN. 49. Centrosia SCHRAMMEN. 
32. Polythyris SCHRAMMEN. 50. Callicylix SCHRAMMEN. 


51. Cyclostigma SCHRAMMEN. 


: 52. Sarophora SCHRAMMEN. 
B. Lychniscosa SCHRAMMEN. 4 


XXVIII. Calyptrellidae SCHRAMMEN. 


XX. Ventriculitidae v. ZITTEL. 
53. Calyptrella SCHRAMMEN. 


33. Ventriculites MANTELL. 
34. Lepidespongia ROEMER. XXIX. Plectascidae SCHRAMMEN. 
35. Rhizopoterion v. ZITTEL. 54. Plectascus SCHRAMMEN. 

36. Napaea SCHRAMMEN. 


Cu ene XXX. Oncotoechidae SCHRAMMEN. 


55. Oncotoechus SCHRAMMEN. 
XXI. Polyblastididae SCHRAMMEN. 


38. Polyblastidium v. ZITTEL. 


XXXI. Camerospongidae SCHRAMMEN. 
56. Camerospongia d’ORBIGNY. 
XXII. Actinocyclidae SCHRAMMEN. 57. Cystispongia ROEMER. 
58. Tremabolites v. ZITTEL. 
59. Toulminia v. ZITTEL. 
XXIII. Microblastididae SCHRAMMEN. 60. Cameroptychium LEONHARD. 
61. Phalacrus SCHRAMMEN. 


39. Actinocyclus SCHRAMMEN. 


40. Microblastidium SCHRAMMEN. 
XXXII. Coeloptychidae v. Z1TTEL. 


62. Coeloptychium GOoLDFUSS. 
63. Myrmecioptychium SCHRAMMEN. 


XXIV. Sporadoscinidae SCHRAMMEN. 


Al. Sporadoscinia v. ZITTEL. 
42. Leiostracosia SCHRAMMEN. 
XXXIII. Cinclidellidae SCHRAMMEN. 


XXV. Callodictyonidae v. Zirtet. 
64. Cinclidella SCHRAMMEN. 


43. Callodictyon v. ZITTEL. 


44. Pleurope v. ZITTEL. XXXIV. Bolitesidae SCHRAMMEN. 
45. Marshallia v. ZiTTEL. 65. Bolitesia SCHRAMMEN. 
XXVI. Coscinoporidae SCHRAMMEN. XXXV. Ophrystomatidae SCHRAMMEN. 


46. Coscinopora GOLDFUSS. 66. Ophrystoma v. ZiTTEL. 


200 — 


Tabelle der Hexactinellidenarten aus der oberen Kreide von Nordwestdeutschland. 
Nach Familien und Stufen geordnet. 


PAL 
BE |-8 | a eine | 
a | À: (JUS CEE 
= | 5 IS SSI 
3 © o z = 3 
= to ee 
= | 4 > 
Ordn. Triaxonia F. E. SCHULZE. | 
Unterordnung HexasterophoraF.E.SCHULZE. | 
Familie Euplectellidae Isıma. | 
Unterfamilie Corbitellinae 131MA. | 
Regadrella Petri Jacobi SCHRAMMEN ............ Be NE 1 + 
Tribus Hexactinosa SCHRAMMEN. | 
Subtribus Uncinataria F. E. SCHULZE. 

Familie Euretidae F. E. ScHULzE. | | | 
Farrea Clarke SCHRAMMEN ST 2er TRES TI Re ae + 
Furrea Hallı SCHRAMMEN, CE. CNE Re LR Ar ele ee + 
Eurete. Ranffi SOŒRAMMEN os. ANNEE PER | ren uae re | + 
Periphragella plicata SCHRAMMEN .............. ee a He eae RE 
Periphragella Johannae SCHRAMMEN ........... |..... N esha oe =e 
Periphragella. simplet ScHRAMMEN 5, 2500220202 > leas eel cae LASER + 
Lefroyella favoidea SCHRAMMEN ........... Pee ees | A N en ea if] 

Familie Chonelasmatidae Scurammen. fe 
Chonelasma Hindei SCHRAMMEN............. Pr BEA ED. a 
Chonelasma punctate SCHRAMMEN AS RN ere ee eee ee ee | + 
Familie Aphrocallistidae F. E. Scuunze. | | | 
Aphrocallistes alveolites ROEMER SP. ............ |..... | Cr. | Pa EE a 
A phrocallistes cylindrodactylus SCHRAMMEN ...... |..... eee pre le... ee JE 
Aphrocallistes lobatus SCHRAMMEN .......42,. 0, PEN ee RER PRE | + | 


Bemerkungen 


— 201 — 


| - a betes |e 
zei: 
8 = 5 2 & = Bemerkungen 
Steele t= | 8 Le 
w = a = a a) 
| © oO o = = =. 
| 2 = 6) Se 
Familie Tretocalycidae F. E. ScHüLze. | 
Hexactinella angustata SCHRAMMEN ............. PRE 2 re (ne + 
Hexactinella laevis SCHRAMMEN ................ ER RE RER aL 
Tretodictyum Loeschmanni SCHRAMMEN ......... | Tage hae ARE PRE + 
ery fay SCHRAMMEN ecu s sss 6 ots lei. 2.1... esis ce + 
\ 
Subtribus Inermia F. E. SchuLze. 
Familie Dactylocalycidae Isıma. 
TOI MA maerochorium SCHRAMMEN:......... .,.l............... ok 
Familie Auloplacidae SCHRAMMEN. 
MODE SDORPIOSUS SCHRAMMEN ...…........... |...,.1.,,..1.,.,.1..,.. + 
Dieeochlarmnis. praecissa SCHRAMMEN ............ |.....l.....l..... rast + 
D clans calyoulam SCHRAMMEN. :. ...:...: !.....l.....l.....1.,... + 
CINE, DUOSA: SCHBANMEN -2. à. eee luoseeclee sels... + 
{| 
| 
Hexactinosa incert. sedis. 
j Familie Craticularidae Raurr. 
7 Craticularia Roemeri SCHRAMMEN .............. oe cee LE CEE + 
= Craticularia relicta SCHRAMMEN ................ NASE AR ee tte + 
Craticularia virgatula SCHRAMMEN .............. Rex nee SR eee Ree bed | + 
| 
Familie Leptophragmidae ScHRAMMEN. | | | | 
His Ex | | 
Leptophragma Murchisoni GoLDFUSS sp. ........ | eee he, SL OS PRE + | + 
Leptophragma glutinatum QUENSTEDT sp. ....... | + | 
- Leptophragma membranaceum QuENSTEDT sp... Eee en. FREE + 
Leptophragma pusillum ScHRAMMEN ............ Fe ee FRE AE + | 
| Leptophragma micropora SCHRAMMEN ........... |.....l..... ee ER + | + | 
Be Dleurostoma radiata ROEMER ...:.............. |..... | LES A a + | 
« Pleurostoma dichotoma ROEMER ................ MAR Ir ea Pe N | + 
MGuciiardia trilobata Rogmer sp. ............... |..... Be esti A in a | 
1 Guettardia Stümpeli SCHRAMMEN ............... LS ARRET. | RACE + | 
| I | 


Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. ; 26 


— 202 


Bemerkungen 


a = a = = 
2.1.90 8 Sn Sal 
5 = Dp 2 = A 
= =} aR o um 2 
= ES 3 5 = 3 
= = = = + = 
= © = & x S 
Eee 
[ai an m} © 
a RS = oS 
Guetiardia striaid SCHRAMMEN Ve 0s yes alleen N a arcane + + 
. . | | 
Guettardia bis-alata SCHRAMMEN................ In ee +} +) 
Andreaea hexagonalis SCHRAMMEN... J. zw. Jensen ER NE ee oot 
Il | 
eqs . . Il 
Familie Callibrochidae SCHRAMMEN. | 
Callibrochis senonensis SCHRAMMEN ............. Ihe ta METRE PR se ae 
Wollemannia araneosa SCHRAMMEN ............. ees re RL PRE + 
Habrosium convolutum SCHRAMMEN ............. le Freer roan Sc. | oo 
Oxyrhizium eximium. SCHRAMMEN 0... seb M ER | semen) + 
Familie Pleurothyrisidae Schrammen. — | 
Pleurothyris tortuosa SCHRAMMEN............... IIRERE neo ene FE + 
Pleurothyris folium SCHRAMMEN ................ Île 202 9-3 a ES PNR RE + 
Pleurochorium F. E. Schulzei SCHRAMMEN ...... |..... es PRES E | + 
| 
Familie Ptychodesidae SCHRAMMEN. 
Ptychodesia papillata SCHRAMMEN .............. |..... | Heroes +: 
Familie Polystigmatidae SCHRAMMEN. 
Polystigmatium striato-punctatum SCHRAMMEN ... |.....l.....|.....|..... A. 
| 
Familie Stichmaptycidae SCHRAMMEN. | 
| 
Stichmaptyx alatus SCHRAMMEN . ...... 04.24: Rue Et + 
ea: . . | 
Familie Syringidae SCHRAMMEN. | 
Syringium textum SCHRAMMEN ................. Mia ¢ au} od A = 
|| 
Familie Hapalopegmidae SCHRAMMEN. _ 
Pleurotrema Ijimai SCHRAMMEN .......:........ |.....,.....1....4.. ae 
Hapalopegma fragilis SCHRAMMEN .............. |............../. es 
Hapalopegma maeandrina SCHRAMMEN .......... | LUC El oa COST RICE + 
Familie Botryosellidae SCHRAMMEN. 
Betryosella labyrinthica SCHRAMMEN ............ Laws + | 


Scaphiten-Turon 


Cuvieri-Turon 


| 
| 
| 


Familie Balantionellidae SCHRAMMEN. 


Balantionella elegans SCHRAMMEN .............. 


Familie Polythyrisidae SCHRAMMEN. 


Polythyris cuneata SCHRAMMEN ................ 


Tribus Lychniscosa SCHRAMMEN. 


Familie Ventriculitidae v. ZITTEL. 


Meniriculites radiatus MANTELL :............... 
Ventriculites stellatus SCHRAMMEN .............. 
Ventriculites cylindratus SCHRAMMEN ........... 
Ventriculites fistulosus SCHRAMMEN ............. 
Lepidospongia rugosa SCHLÜTER ................ 
Lepidospongia fragilis SCHRAMMEN ............. 
Lepidospongia inermis SCHRAMMEN ............. 
Rhizopoterion solidum SCHRAMMEN ............. 
Rhizopoterion tubiforme SCHRAMMEN ............ 
Wapaca striata SGHRAMMEN..............,..... 
Napaea micropora SCHRAMMEN ................ 
Pleuropyge plana SCHRAMMEN ................. 


Familie Polyblastididae SCHRAMMEN. 


Polyblastidium racaemosum T. Smirn sp. ....... 


Familie Actinocyclidae SCHRAMMEN. 
Actinocyclus mirus SCHRAMMEN ................ 
_Actinocyclus alternans RoEMER Sp. ............. 

Familie Microblastididae ScuramMMeEn. 


Microblastidium decurrens SCHRAMMEN .......... 


Familie Sporadoscinidae. 


Sporadoscinia Decheni GOLDFUSS sp. ........... 


“le ar | 


oo eee 


Olt OPO 


ss dote lol se 


eus evil 


sn male 


re aise 


opie, MO 


| Westfalicus-Senon | 


se aloe 


ee oes 


se ets 


ee eee 


| Granulaten-Senon | 


ch ONCE 


salen ‘2 


ae eee 


Quadraten-Senon | 


| Mucronaten-Senon | 


3emerkungen 


= 3 en = 2 fa 

E 2 E E È : Bemerkungen 

S| So gS ae tae 

he | BS. oa ae 
nm San == = = A En’ : | 
Sporadoscinia venosa ROEMER. SP. u. u une neu. ler ale -- 
Sporadoscinia micrommata RoEMER Sp.......... |..... 12.2 2 rca + | + 
Sporadoscinia stirps, SGARAMMEN (> „1. une an IP IE ie a ee RES a 
Sporadoscinia Quenstedit SCHRAMMEN 22.2. . 2.5 Wy ae eee eee oe 
Sporadoscinia Teutoniae SCHRAMMEN ........... 122. RCE ee DATA + 
Leiostracosia alcyonoides MANTELL Sp. .......... + | + 
Leiostracosia angustata ROEMER SP. ............ | + I + 3 
Leiostracosia punctata SCHRAMMEN ............. | en jose...) + 
Leiostracosia robusta SCHRAMMEN............... I Lire PEER EN de 
Leiostracosia Brandesi SCHRAMMEN ............. I | REA RER eae + 
Familie Callodietyonidae v. Zirrer. | | 
Callodictyon fragile ROEMER Sp. ............... | + | | 
Callodictyon infundibulum v. ZITTEL ........... RR er fray u, + 1 
Pleurope lacunosa ROEMER Sp. ................ le BR ES A 
Marshallia tortuosa ROEMER sp. ............... |... | a ee ee a ie er 
Marshallia Frechi SCHRAMMEN ..(.......... PEN a Ber 
| 
Familie Coscinoporidae SCHRAMMEN. | 
Coscinopora macropora GOLDFUSS .. raue. Mes + | 
Coscinopora infundibuliformis GOLDRUSS 2.2.2... een ler CE + | + 
Familie Becksidae SCHRAMMEN. 

Becksia nidiformis LEONHARD Ssp............... + 
Becksia ‚crispäta .(JUENSTEDT Spi er ne re easel seus in ae 
Becksia Soekelandı SCALUTER ©... TO deen eee arene ?+ + Er Den 
Becksia Augusine:SCHRAMMEN 12... ALES see peer Eras! + bel: 
Becksia Feuerwehri SCHRAMMEN............. Se GRP oie aa PEER [ROLE + 
Becksia arborea SCHRAMMEN ...... wre Soa ne se OMIS asia a a RARES + 
Plocoscyphia Roemeri LEONHARD............... — 
Plocoscyphia Maaki ScHRAMMEN .......:....... |}... + 
Plocoscyphia centuncula SCHRAMMEN :.......... À|:..1..6 Ni PRE + | + 
Centrosia incrustans SCHRAMMEN ............... Re ! Lar de ; + 


— 205 — 
Seen Se ote Le | 2 
1 na = ac = 
8 a 5 3 © 2 Bemerkungen 
SR ® = = Ss = 
eee den © | © 
5 oO 8 = = 5 
_— = =. = I = << =: = #3 = Er z= = = ei ine 
Callicylix farreides SCHRAMMEN ................ A NEN Le FINE N NEL | 
. . || | 
Cyclostigma acinosa SCHRAMMEN ............... Nero sell... + + 
Cyclostigma maeandrina SCHRAMMEN............ Be aca See zee ze Hola ours wa | 
. x | | | 
Cyclostigma lobata SCHRAMMEN................. | aera estan) bela ior ss.) + 
| 
RO DION Ormala SCHRAMMEN 0. 2... |....l.....1..... AA UE 
Familie Calyptrellidae ScHRAMMEN. | | 
| | | 
Calyptrella. Bertae SCHRAMMEN ................. PO PE LR Pete = 
; | 
Familie Plectascidae ScHRAMMEN. | | 
Plectascus clathratus RoEMER sp. ............ Ft | 
Er -ascus labrosus il." Smir# sp.......-.......<. |... re ln; Re Men ne 
Familie Oncotoechidae SCHRAMMEN. 
Oncotoechus cavernosus SCHRAMMEN............. | + 
Oncotoechus subrutus QUENSTEDT sp............. | de 
4 Familie Camerospongidae ScHRAMMEN. 
Camerospongia fungiformis FERD. ROEMER ...... En | | 
Camerospongia pervia SCHRAMMEN ............. Me, Moltehar ieee, ast! See ee 
] 1 | Nur in der Galeriten- 
eystispongia bursa QUENSTEDT ................ |..... ee ne de We POP INR { Facies des Brongniarti- 
. . aners 
Cystispongia monostoma SCHRAMMEN............ |.....1..... Dale ve Js 
Tremabolites Leonhardi SCHRAMMEN ............ — | 
Tremabolites megastoma RoEMER sp. ........... |..... tie ie |. 
Bzlmenia Benettiae MANTELL Sp..............- |.....1.....l..... oe + 
ER ve : | | | 
Toulminia Wollemanni SCHRAMMEN ............ | Se rire LR: NE + 
REMC COM DESSUS CHR AMEN 0 0... |..4..h.............l.... - 
._ Cameroptychium patella LEONHARD ............. + 
Cameroptychium planum SCHRAMMEN .......... Er + 
Phalacrus flosculus SCHRAMMEN ................ oe RG aes ER + 
Phalacrus hemisphaericus SCHRAMMEN .......... | Selen ac ae 
Phalacrus decurrens SCHRAMMEN ............... VERRE PA | + 


206 — 


Bemerkungen 


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à | 8 | & NME 
= = oh a n fs 
a Sn 3 5 5 S 
2 = = = = 3 
= = = = = = 
= 2 > = = 2 
SON ee ae We 
4 om BO ee ae 
Familie Coeloptychidae v. Zirrec. 
Myrmecioptychium Bodet SCHRAMMEN 40.352.) Minn sls > Seale ee ee a 
Coeloptychium agaricoides GOLDFUSS ............ |e en 2! + | + 
Coeloptychium lobatum GoLbrbss.. PUR OR RER ee + | + 
Coeloptychium deciminum. RoëMER 224.2 is. NPA RC + | + 
Coeloptychium sulciferam RoBMER 2 NII AR PONS + | + 
Coelopiychium rude-v. SEBBACH . 47600 Fre) LA ote til (cs + | + 
Coeloptychiam' Seebacht v. ZUUTEL „u... oi saree NI pele ee | + 
Coeloptychium princeps TROEMER, san dns es) en aie ce Re Er + 
Coeloptychium incisum RoEMER................ |..... LES EN NS + VE 
Familie Cinclidellidae SCHRAMMEN. 
Cinclidella solitaria SCHRAMMEN................ lee + 
Familie Bolitesidae SCHRAMMEN. 
Bolitesia mirabilis SCHRAMMEN...........,..... LS USE CIRE = 


Familie Ophrystomatidae SCHRAMMEN. 


Ophrystoma micrommata ROEMER Sp............ 


cle rie ets ele 


sie) gow On 


Nach Roemer im 
Varians-Pliner am 
Kahnstein bei Langels- 
heim. 


Ordnung Triaxonia F. E. SCHULZE. 
(Hexactinellida.) 


Unterordnung Hexasterophora F. E. SCHULZE. 


Mit Hexastern aber ohne Amphidiske. 


a) Lyssakine Hexasterophora. 


Familie Euplectellidae Ilyıma. 
(1903, Contrib. III, S. 19 und f.) 


„Lyssacine Hexasterophora of tubular cup-like or massive body; sometimes stalked; either rooted 
by a tuft of basal spicules or firmly attached by compact base; generally possessing numerous separate 
oscula. Dermal skeleton composed of hexactinic dermalia the proximal ray of which is as a rule much 
longer than any other in the same spicule; no hypodermal pentactins. Hexaster various.“ 


Unterfamilie Corbitellinae Isıma. 


„Euplectellidae firmly attached to the substratum by compact base.“ 


Gattung Regadrella OÖ. Schmidt. 1880. 


Die Gattungsdiagnose lautet nach F. E. Scnuzze!) in der im Jahre 1901 von Isıma gegebenen 
Fassung (Journ. Coll. Science Tokyo. Vol. XV. p. 220): 

„Röhren- oder sackförmige Euplectelliden, welche mittelst einer harten knorrigen Basis einer 
festen Unterlage aufsitzen. Die terminale Siebplatte kann durch radiär gerichtete Strahlen derber Rand- 
nadeln ersetzt sein. Die Seitenwand ist von mehr oder weniger regelmäßig in schrägen Spiralreihen 
angeordneten kreisrunden Wandlücken durchsetzt, entsprechend der schrägen Richtung der Haupt- 
nadelzüge, welche vorwiegend aus diaktinen Principalia bestehen, am unteren Ende aber zu einem starren 
Gerüst verwachsen. Als Accessoria treten im Parenchym dünnere Hexaktine und Diaktine auf. Von 
Hexastern kommen vor: 1. Floricome, 2. Graphiocome und 3. Onychaster oder Oxyhexaster, resp. Oxystau- 
Taster.‘ | 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


1) Wissenschaftl. Ergebn. der Deutschen Tiefsee-Expedit. S. 134. 


Regadrella Petri Jacobi nov. sp. (Tafel XXVII, Fig. 9—11; Tafel XXXI, Fig. 2; Text- 
tafel XI, Fig. 4.) 


Der kaum halbfingerlange und vorn 1,5—3 em dicke Schwammkérper dieser ersten und einzigen 
fossilen Regadrella-Art ist trichter- oder röhrenförmig und hat eine dünne (2—3 mm dicke) Wandung. 
Diese ist von ziemlich großen, rundlichen oder unregelmäßig polygonalen Lücken durchbrochen, die 
beliebig oder in undeutlichen Spiralreihen angeordnet sind und durch 1—4 mm breite Skelettbrücken 
getrennt werden. Durch ein oder zwei großlöcherige Quersepten wird die Zentralhöhle in übereinander 
liegende Abteilungen zerlegt. Die Lage der Septen bezeichnen an der Außenseite lange und dicke strahlige 
Fortsätze, die in der Struktur mit den, im Verhältnis zu der geringen Körpergröße der Spongie ungewöhnlich 
kräftig entwickelten Verzweigungen der Wurzel übereinstimmen. Der Schwammkörper besteht also 
gewissermaßen aus mehreren übereinander sitzenden Individuen. Der obere Rand des unteren und 
älteren gibt die Basis für das obere und jüngere Individuum ab. 

Das Skelett ist sehr dicht und besteht aus bis 1,5 em langen, mit unbewaffnetem Auge noch deutlich 
erkennbaren, geraden glatten Oxydiaktinen, denen als Comitalia nicht viel kürzere aber bei weitem 
dünnere, isolierte oder zu Bündeln vereinigte Stabnadeln mit stumpfen Enden zugesellt sind. Alle 
Nadeln sind verfilzt und außerdem noch durch Synapticula vereinigt. 

Da die freien Nadeln (Onychaster, Oxystauraster usw.) nicht erhalten sind, bleibt es unbestimmt, 
welcher der drei sicheren lebenden Arten Regadrella Petri Jacobi näher steht. In der äußeren Körperform 
stimmt die Spezies am besten mit einem von O. Scumipt (Spong. d. Meerbus. v. Mexiko Bd. II, Taf. VIII, 
Fig. 6, 7) abgebildeten Exemplar von Regadrella phoenix überein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6: 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


b) Diktyonine Hexasterophora. 


1. Tribus Hexactinosa nov. trib. 


Hexasterophora mit Diktyonalhexaktinen. 


1. Subtribus Uncinataria F. E. SCHULZE. 


Hexactinosa mit Uneinaten. 


Familie Euretidae F. E. SCHULZE (nicht ZITTEL). 
(1904. Wissenschaftl. Ergebn. der Deutschen Tiefsee-Expedit. Hexactinellida. S. 177.) 


,,Uncinataria, deren der Unterlage fest aufsitzender Körper aus einem baumartig verästelten 
oder reichlich anastomosierenden Röhrensystem besteht, welches in einigen Fällen die Wandung eines 
größeren Kelches bildet. Das zusammenhängende Stützgerüst setzt sich aus Diktyonalhexaktinen zu- 


- 


— 209 — 


sammen, welche meistens in regelmäßiger Weise durch Umhüllen der parallel und dicht aneinander 
gelegten Strahlen mit Kiesellamellen zur Bildung eines vorwiegend rechtwinklige Maschen umschließenden 
Balkenwerkes sich vereinigen. Neben den pentaktinen Dermalia und Gastralia treten außer den Uncinaten 
reichlich Scopulae oder Clavulae auf. Als intermediäre Parenchymalia kommen neben einfachen 
Oxyhexaktinen auch Oxyhexaster und Discohexaster oder beide vor.“ 

Obere Kreide und Jetztzeit. 

Die Familien- und Gattungsbestimmung der hier beschriebenen Euretiden-Arten, die sämtlich 
neu sind und zu genera gehören, aus denen noch keine fossilen, wohl aber zahlreiche lebende Spezies 
bekannt sind, konnte ich nur aus der äußeren Körperform der Schwammkörper, Eigentümlichkeiten des 
Kanalsystems und der Tektonik der Diktyonalgerüste herleiten. Die Uncinate werden ebenso wie die 
Clavulae und Scopulae beim Versteinerungsprozeß zerstört. Die Bestimmung darf aber als gut gesichert 
gelten. Damit werden mit Ausnahme von Ramella und Claviscopulia alle Gattungen der Familie Euretidae 
- F. E. Scxuzze auch aus der oberen Kreide nachgewiesen. 

Leider besitzen die fossilen Euretidae überaus zarte und fragile Schwammkörper. Unsere Kennt- 
nisse von der horizontalen und vertikalen Verbreitung der Arten müssen darum allezeit durchaus lücken- 
haft bleiben. 

Die Hexaktine der fossilen Arten haben glatte oder bedornte Strahlen und verschmelzen im Inneren 
der Wandung zu einem regelmäßig gebauten Gerüste mit ziemlich engen, quadratischen oder rechteckigen 
Maschen. An beiden Oberflächen, namentlich aber an der äußeren, bilden die zahlreicheren und weniger 
regelmäßig orientierten dermalen und gastralen Hexaktine ein mehr oder weniger dichtes, von rundlichen 
oder polygonalen Lücken durchbrochenes, geflechtartiges Netzwerk. Die äußeren Radialstrahlen der 
Oberflachenhexaktine endigen frei als mehr oder weniger lange konische Zapfen. 

Das Kanalsystem ist wenig entwickelt. Nur an der äußeren Oberfläche liegen gewöhnlich zahl- 
reiche winzige Ostien, während besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 


Gattung Farrea BOWERBANK. 1862. 


„Der Körper besteht aus einem dichotomisch verzweigten und zur Anastomosenbildung neigenden 
Systeme dünnwandiger Röhren von kreisförmigem Querschnitt. Das Diktyonalgerüst bildet in den 
äußersten, also jüngsten Körperpartien, den Röhrenenden, nur ein einschichtiges Netz mit quadratischen 
Maschen, von dessen unverdickten Knoten beiderseits höckerige konische Zapfen rechtwinklig abgehen. 
Neben den pentaktinen Hypodermalia und Hypogastralia finden sich radial gestellte Clavulae. Im 
Parenchym kommen Oxyhexaster oder Discohexaster vor.“ (1904. F. E.ScHuLze. Wissenschaftl. Ergebn. 
d. Deutsch. Tiefsee-Expedition. Hexactinellida S. 142.) 

Obere Kreide und Jetztzeit. 

Das Diktyonalgerüst der fossilen Arten besteht aus Hexaktinen mit glatten oder bedornten Strahlen, 
die im Inneren der Wandung zu einem regelmäßigen Balkenwerk mit quadratischen oder rechteckigen 
Maschen verschmelzen. An beiden Oberflächen nimmt das Gerüst den Charakter eines mehr oder weniger 
diehten und unregelmäßig gebauten, netzartigen Geflechtes an. 

Palaeontographica, Suppl.-Bd. V. 27 


— 210 — 


Pentaktine Hypodermalia und Hypogastralia, Clavulae und parenchymale Hexaster, die bei den 
lebenden Arten vorkommen, sind bei den fossilen Spezies nicht mehr erhalten. 


Farrea Clarkei nov. sp. (Tafel XXVIII, Fig. 5, 6, 7; Tafel XXXXIV, Fig. 6) 


Der bis kinderfaustgroße, stockartige, nach unten verjüngte und mäßig bewurzelte Schwamm- 
kürper hat eine sehr diinne Wandung (0,5—1 mm), und besteht aus zirka 1 cm dicken, gleichweiten 
Röhren von kreisförmigem Querschnitt, die unregelmäßig verzweigte Anastomosen bilden. Die distal 
erweiterten und offenen Enden der Röhren liegen am Scheitel der Spongie. 

Außenseite mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden und gleichmäßig über die Oberfläche 
verbreiteten Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Wie bei der anderen fossilen Art bildet das Diktyonalgerüst im Inneren der Wandung ein regel- 
mäßiges und dichtes Balkenwerk mit quadratischen oder rechteckigen Maschen. An der Außenseite ver- 
schwindet aber die Gitterstruktur, indem hier die oberste Hexaktinenlage den Charakter eines unregel- 
mäßigen Geflechtes mit rundlichen oder polygonalen Lücken annimmt. An der Oberfläche der Innen- 
seite sind die quadratischen Maschen noch eben erkennbar, aber z. T. durch unregelmäßig orientierte 
Hexaktine überbrückt und verwischt. Die äußeren Radialstrahlen der dermalen und gastralen Hexaktine 
bilden an beiden Oberflächen einen förmlichen Rasen von Kieselstacheln. 

Farrea Clarkei hat in der äußeren Körperform und in den Maßverhältnissen weitgehende Ähnlich- 
keit mit einem von F. E. ScHurze (Chall. Report Taf. LXXI, Fig. 2) abgebildeten Exemplar der lebenden 
Farrea occa BOWERBANK, einer ziemlich kosmopolitischen Art. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Farrea Halli nov. sp. (Tafel XXVIII, Fig. 4; Tafel XXXX, Fig. 19; Tafel XXXXIV, Fig 5 
Texttafel XIX, Fig. 10.) 


Besteht, wie die andere fossile Art, aus gleichweiten, anastomosierenden, an den Enden offenen 
Röhren von kreisförmigem Querschnitt. Der Schwammkörper ist aber viel kleiner (ca. 2 em hoch), die 
Röhren sind dünner (sie sind ca. 0,5 em dick) und, wenn ich nicht durch Erhaltungsfehler getäuscht 
werde, stellenweise von großen runden Wandlücken durchbrochen. 

Außenseite mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden und gleichmäßig über die Oberfläche 
verbreiteten Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Die diktyonalen Hexaktine haben glatte oder bedornte Strahlen und verschmelzen zu einem vor- | 
wiegend regelmäßig gebauten Gerüste mit quadratischen oder rechteckigen Maschen. An beiden Ober- — 
flächen, an der Außenseite aber mehr wie an der Innenseite, entsteht eine gewisse Verdichtung dadurch, 
daß zahlreiche, unregelmäßig orientierte Hexaktine, welche z. T. so groß wie die zu regelmäßigen Balken- 
zügen angeordneten parenchymalen Hexaktine, zum Teil aber auch kleiner sind, in die quadratischen 
Maschen hineinwachsen. Namentlich an den Umschlagsfalten und an den älteren Teilen der Röhren 
bilden sich infolgedessen förmliche Deckgeflechte heraus, unter denen die regelmäßigen Maschen ver- 


— 211 — 


schwinden. Die äuBeren Radialstrahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als kurze konische 
Zapfen. 

Freie Nadeln habe ich nicht beobachtet. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 


Anzanl der untersuchten Stücke: 3. 
Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Eurete SEMPER 1868, emend. F. E. SCHULZE. 1904. 
(1904. Wissenschaftl. Ergeb. der Deutsch. Tiefsee-Expedition. Hexactinellida. S. 43.) 


„Ein dichotomisch verzweigtes und zur Anastomosenbildung geneigtes System dünnwandiger 
Röhren kreisförmigen Querschnitts oder gerade gestreckte Röhren der Art mit kurzen seitlicnen Ästen 
gleicher Bildung. Das früh auftretende Diktyonalgerüst wird bald nach der Anlage mehrschichtig. Neben 
den fast stets vorhandenen pentaktinen (oder hexaktinen) Hypodermalia und Hypogastralia finden sich 
radial gestellte Scopulae. Im Parenchym Oxyhexaster und Discohexaster.‘ 

Obere Kreide und lebend. 


Eurete Rauffi nov. sp. (Tafel XXVIII, Fig. 8, 9; Tafel XXXXIV, Fig. 3, 4; Texttafel XII, Fig. 7.) 


Kleine, ziemlich langgestielte und gut bewurzelte stockartige Schwammkörper, die aus dünnen 
und dünnwandigen, mäßig zusammengedrückten Röhren von annähernd gleicher Weite bestehen. Die 
Röhren bilden verzweigte Anastomosen. Ihre Wandungen sind in unregelmäßigen Abständen von großen 
rundlichen Wandlücken durchbrochen, die gewöhnlich an oder auf den Scheiteln zylindrischer, in der 
Nähe des Stiels nach unten gerichteter Fortsätze liegen. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit bedornten Strahlen und bildet ein regelmäßiges 
Balkenwerk mit quadratischen oder rechteckigen Maschen. An der äußeren, und in geringerem Grade 
auch an der inneren Oberfläche tritt eine mäßige Verdichtung der obersten Skelettlagen ein, indem sich 
zuweilen die Tangentialstrahlen nicht der Länge nach aneinander legen sondern an die Kreuzungsknoten 
benachbarter Hexaktine heften. Die Verdichtung ist aber nicht so erheblich, daß nicht auch noch an den 
Oberflächen die regelmäßig quadratischen Skelettmiaschen zu erkennen wären. Die äußeren Radial- 
strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als konische Zapfen. 

Freie Nadeln sind nicht erhalten. (Bei den lebenden Arten kommen Uncinate, Oxyhexaster, 
Discohexaster und Scopulae vor.) 

Maße: Höhe des Schwammkörpers ca. 5 em; Dicke der Röhren 3—4 mm, Breite 5—10 mm; 
Dicke der Wandung ca. 0,5 mm; Weite der rundlichen Wandlücken 2—3 mm. 

Von den zahlreichen lebenden Eurete-Arten kommt wohl Eurete Carteri F. E. SchuLzeE den Dimen- 
sionen und der Körperform der fossilen Spezies am nächsten. | 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 


Texttafel IX. 


Skelettbestandteile der Familien Leptophragmidae SCHRAMMEN, Balantionellidae SCHRAMMEN, Stichmaptycidae SCHRAMMEN, 
Auloplacidae SCHRAMMEN, Botryosellidae SCHRAMMEN, Hapalopegmidae ScHRAMMEN und Callibrochidae SCHRAMMEN. 
(In 45 facher Vergrößerung.) 


A. Schrammen del, 


a 
Erklärung zu Texttafel IX. 


Familie Leptophragmidae. 


Leptophragma micropora ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg.  Diktyonale 
Hexaktine. 


Leptophragma pusilla SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonale Hexaktine. 
Guettardia Stiimpeli SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Pleurostoma radiata RoEMER aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Guettardia striata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Leptophragma Murchisoni GoLpruss sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonal- 


hexaktine. 
Familie Balantionellidae. 


Balantionella elegans SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Stichmaptycidae. 


Stichmaptyx alatus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Auloplacidae. 


Stereochlamis pilosa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Auloplax spongiosus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Botryosellidae. 


Botryosella labyrinthica ScuRAMMEN aus dem Cuvieri-Pläner von Gr.-Heere. Diktyonalhexaktine. 


Familie Polythyrisidae. 


Polythyris cuneata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Hapalopegmidae. 


Hapalopegma maeandrina SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonal- 
hexaktine. 


Pleurotrema Ijimai ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Hapalopegma fragilis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Callibrochidae. 


Oxyrhizium eximium SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


— 214 — 


Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 
Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Periphragella MARSHALL. 1875. 


„Gestielte, kelchfürmige Euretidae ohne longitudinale Rippen auf der Innenseite.‘ 
(1890. R. v. LENDENFELD, Das System der Spongien, S. 379.) 


Obere Kreide und Jetztzeit. 


Das Skelett der fossilen Arten besteht aus Hexaktinen mit glatten oder dornigen Strahlen, die 
im Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite zu einem regelmäßig gebauten Gerüste 
mit quadratischen oder rechteckigen Maschen verschmelzen, an der Oberfläche der Außenseite aber ein 
unregelmäßiges, von rundlichen oder polygonalen Lücken (den Ostien) durchbrochenes Netzwerk bilden. 
Die äußeren Radialstrahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als spitzkonische Zapfen. 

Die bei der lebenden Spezies vorkommenden Hexaster und Scopulae sind bei den Kreide-Periphra- 
gellen nicht erhalten. 


Periphragella plicata Schrammen. (Tafel XXV, Fig. 3 und Fig. 4; Tafel XXXXIV, Fig. 1, 2: 
Texttafel XII, Fig. 2, 3.) 


1902. Proeurete plicata ScuramMEN, Hexact. S. 22, Taf. I, Fig. 6. 


Der etwa fingerlange und 2—6 cm dicke, aber sehr dünnwandige (0,5—1 mm) Schwammkörpe r 
besteht aus ein oder mehreren, von einer gemeinsamen Basis ausgehenden, bis fingerdicken, aber in der 
Weite schwankenden Röhren, deren Wandungen zu zahlreichen, 5—7 mm dicken, unregelmäßig angeord- 

neten, fingerförmigen Vorstülpungen und Fortsätzen von kreisförmigem Querschnitt und gleicher Weite 


Ganz junge Individuen sind dünnwandige Trichterchen, deren Wandung noch nicht gefaltet ist, aber 
an verschiedenen Stellen von großen rundlichen Wandlücken gefenstert wird. Im nächsten Altersstadium 
sprossen an Stelle der Wandlücken kurze nasenförmige Fortsätze, an deren Unterseite, wie bei der Nase 
die Nasenlöcher, je eine rundliche Wandlücke liegt. Aus den Fortsätzen entwickeln sich schließlich die 
Anastomosen. 

Außenseite mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden und gleichmäßig über die Oberfläche 
verbreiteten Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit glatten oder mit kleinen Dornen besetzten 
Armen und ist im Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite ein regelmäßig gebautes 
Gitterwerk mit quadratischen oder rechtwinkligen Maschen. An der Oberfläche der Außenseite tri 


mäßiger Orientierung an die Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine heften. Die äußeren Radialstrahlen 
der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als kurze konische Zapfen. 


a HIG. 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 
Anzahl der untersuchten Sticke: 11. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Periphragella Johannae nov. sp. (Tafel XXV, Fig. 5 und Fig. 6; Texttafel XII, Fig. 5, 6.) 


Der nur 2—3 cm hohe und dicke und sehr dünnwandige Schwammkörper besteht aus mehreren, 
ca. 0,5 cm weiten, zusammenhängenden Röhren, deren Wandung zu ca. 3 mm dicken und überall gleich- 
weiten hohlen Vorstülpungen gefaltet ist. Die Vorstülpungen verschmelzen entweder zu unregelmäßig 
verzweigten Anastomosen oder endigen als kurze Fortsätze, die in der Nähe des Scheitels seitlich von 
einer großen runden Wandlücke durchbrochen werden. 

Außenseite mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden und gleichmäßig über die Oberfläche 
verbreiteten Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Das Diktyonalgerüst wird von Hexaktinen mit glatten oder mäßig bedornten Strahlen aufgebaut. 
Im Innern und an der Innenseite der Wandung umschließen die Balken vorwiegend kubische Maschen. 
An der Außenseite wird die Struktur unregelmäßiger, indem sich eine geflechtartige Oberflächenver- 
diehtung mit rundlichen Lücken (den Ostien) herausbildet. Die äußeren Radialstrahlen der dermalen 
und gastralen Hexaktine endigen als ziemlich lange konische Zapfen. 

Periphragella Johannae unterscheidet sich von den beiden anderen fossilen Arten u. a. durch den 
viel kleineren und zarteren Schwammkörper und durch dünnere Vorstülpungen und Anastomosen. (Von 
den Jugendformen der anderen Arten durch stärkere Verästelung.) 

Ich halte diese unscheinbarste der drei Periphragella-Arten aus der oberen Kreide für ein fossiles 
Glied der Entwicklungsreihe, die mit P. Elisae W. MarsHALL, der einzigen lebenden Periphragella-Art, 
abschließt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Periphragella simplex nov. sp. (Tafel XXV, Fig. 1 und Fig. 2; Texttafel XII, Fig. 4.) 


Die dünne Wandung des kelehförmigen, mehr als fingerlangen, vorn bis 5 em dicken Schwamm- 
örpers ist zu schräg nach außen und unten gerichteten, 0,7—1 cm dicken, fingerförmigen Vorstülpungen 
gefaltet, deren gerundete Scheitel gewöhnlich geschlossen sind, aber auch von weiten runden Öffnungen 
durchbrochen werden können. 

Außenseite mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden und gleichmäßig über die Oberfläche ver- 
teilten Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Die diktyonalen Hexaktine sind glattarmig und bilden im Inneren der Wandung und an der Ober- 
fläche der Innenseite ein sehr regelmäßig gebautes Gerüst mit vorwiegend rechteckigen Maschen. An der 
Oberfläche der Außenseite nimmt das Gerüst den Charakter eines ziemlich dichten Geflechtes mit unregel- 
äßig rundlichen Öffnungen (den Ostien) an. Dies Deckgeflecht entsteht dadurch, daß die tangentialen 


— 216 — 


Strahlen der dermalen Hexaktine unter verschiedenen Winkeln mit den Kreuzungsknoten oder Strahlen 
benachbarter Hexaktine verschmelzen. Die äußeren Radialstrahlen der obersten Skelettlagen endigen 
an beiden Oberflächen als ziemlich lange konische Zapfen. 
Periphragella simplex ist von den anderen Arten an den traubigen, nach außen und unten zeigenden 
Ausstülpungen der Wandung leicht zu unterscheiden. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 
Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Lefroyella WYVILLE THOMSON. 1877. 


„Kelchförmige Euretidae mit Längsrippen auf der Innenseite.‘ 
(1890. R. v. LENDENFELD; das System der Spongien, S. 379.) 


Lefroyella favoidea nov. sp. (Tafel XXVIII, Fig. 10,11; Tafel XXXXII, Fig. 1; Texttafel X11, Fig. 8,9.) 


Der kaum mehr als haselnußgroße Schwammkörper dieser ersten und einzigen fossilen Lefroyella-Art 
ist kelehförmig und hat eine dünne Wandung, die durch eine eigentümliche Radialfaltung ausgezeichnet 
ist. Am deutlichsten prägt sich die Faltung an der Innenseite aus, wo die inneren Faltenrücken longi- 
tudinale Rippen bilden, welche die Zentralhöhle sternförmig einbuchten. Die äußeren Faltenrücken 
sind von ziemlich weiten runden Öffnungen durchbrochen, die an der Außenseite des Schwammkörpers 
von ringförmigen Wällen umgeben werden. Diese Ringwälle sind alle gleich groß, in Längsreihen oder 
undeutlich spiralig angeordnet und liegen ziemlich dicht nebeneinander. Dadurch gleicht die äußere 
Oberfläche der Spongie einer Wabe. 

Zwischen den Wällen liegen unregelmäßig zerstreut winzige Ostien von verschiedener Weite. 
Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Wie bei allen fossilen Hexaktinelliden ist vom Skelett nur das Diktyonalgerüst erhalten. E 
besteht aus Hexaktinen mit dornigen oder glatten Strahlen, und bildet im Innern der Wandung ein regel 
mäßig gebautes lockeres Balkenwerk mit vorwiegend quadratischen Maschen. An den Oberflächen trit 
eine geringe Verdichtung ein. Die Hexaktine sind hier unregelmäßiger orientiert und die Enden d 
Strahlen häufig an die Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine geheftet. 

Maße: Länge des Schwammkörpers ca. 1,5 em; Dicke 1,5 em; Dicke der Wandung ca. 1 mm: 
Weite der Ringwälle ca. 2 mm. ri 

Die einzige lebende Art, Lefroyella decora WyvıLLE THomson ist schlank trichter- oder spitz 
glasförmig und beträchtlich größer. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original ist Unicum und liegt in meiner Sammlung. 


=. OT = 


Familie Chonelasmatidae nov. nom. = Coscinoporidae F. E. ScHuLze. 


» Kelch- oder plattenförmige Scopularia, deren verhältnismäßig dünne Wand von geraden, konischen, 
blind endigenden Epi- und Aporhysen quer durchsetzt wird.“ 
(1904. Wissenschaftl. Ergeb. der Deutsch. Tiefsee-Exped.; Hexactinellida, S. 178.) 


Obere Kreide und lebend. 

Die Chonelasmatidae stehen hinsichtlich der Skelettstruktur und auch im Bau des Kanalsystems 
den Euretidae F. E.ScHuLze (Periphragella, Farrea etc.) näher wie allen anderen Hexaktinellidengruppen. 
Dagegen haben sie mit den Coscinoporidae (im Sinne v. Zirrets), zu denen F. E. Scuunze die Gattung 
Chonelasma gerechnet hat, nur unbedeutende Berührungspunkte. Ubrigens gehôrt die Gattung Coscino- 
pora zu den Hexaktinelliden, deren Diktyonalgerüst aus Lychnisken besteht. Darum schlage ich vor, 
die Familie, zu der Chonelasma F. E. ScuuLze und Bathyxiphus F. E. ScuuLze gehoren, als Chonelasmatidae 
zu bezeichnen. 


Gattung Chonelasma F. E. ScHULZE. 1886. 


„Der ganze Körper besteht entweder aus einer senkrecht aufgewachsenen, tafelförmigen oder ganz 
schwache Biegungen zeigenden, mit unregelmäßig abgerundetem, glattem Rande versehenen Platte bis 
zur Handgröße und darüber, oder aus einem trichterförmigen Kelche mit seitlich vorspringenden, hand- 
schuhfingerförmigen Ausstülpungen.“ 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


Chonelasma Hindei nov. sp. (Tafel XXVIII, Fig. 1,2; Tafel XLII, Fig. 3; Texttafel XII, Fig. h.) 


Der bis 10 cm hohe und ca. 5 cm dicke Schwammkörper ist trichterförmig mit weiter Zentralhöhle 
und hat eine nur ca. 1,5 mm dicke Wandung, die in zahlreiche radiale, handschuhfingerförmige Vor- 
stülpungen gefaltet ist. An der Außenseite erscheinen die Vorstülpungen als kurzzylindrische, 0,5—1 cm 
auseinander liegende, ca. 1 cm lange und dicke, nach den Enden mäßig verdickte Fortsätze. Die Scheitel 
sind geschlossen bis auf eine ca. 3 mm weite runde Öffnung, die in der Scheitelmitte zwischen zwei bis drei 
stumpfkonischen Höckern oder spitzkonischen Zipfeln liegt. Eine ähnliche Öffnung wie am Scheitel 
fenstert die Wandungen der Vorstülpungen. 

Außenseite mit winzigen, unregelmäßig über die Oberfläche zerstreuten Ostien. Innenseite mit 
ebensolchen Postiken oder ohne Postiken. Epirhysen und Aporhysen sind kaum entwickelt; die Durch- 
spülung erfolgt vielmehr unmittelbar durch die weiten Skelettmaschen. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit kleindornigen Strahlen und bildet im Innern der 
Wandung ein gewöhnlich aus longitudinalen, radialen und zirkulären Zügen gebautes Balkenwerk mit 
quadratischen oder rechteckigen Maschen. An den Oberflächen der Außen- und Innenseite sind die 
Hexaktine unregelmäßig orientiert und zu relativ dichten geflechtartigen Deckschichten mit rundlichen 
oder polygonalen Öffnungen (den Ostien und Postiken) verschmolzen. An den älteren Teilen der Wandung 
kann die unregelmäßige Struktur auch auf die parenchymalen Skelettpartien übergreifen und die kubischen 
Maschen ganz verwischen. In den Maschen habe ich häufig mit einem Strahle an die dicken Gerüstbalken 
festgeheftete Oxyhexaktine beobachtet. 

Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 28 


— 218 — 


Im Parenchym der rezenten Arten kommen zahlreiche und verschiedenartige freie Nadeln wie 
Discohexakte, Oxyhexaster und Discohexaster vor; im Dermalskelett auBerdem Scopulae. Bei der fossilen 
Spezies sind alle ,,Fleischnadeln“ durch den Versteinerungsprozeß zerstört worden. 

Chonelasma Hindei steht der lebenden Chonelasma calyx F. E. Scuuuze (Chall. Rep. Taf. LXXXIX, 
Fig. 1, 2) sehr nahe. Die Übereinstimmung der rezenten und fossilen Art in der äußeren Körperform 
geht so weit, daß ein Kenner der lebenden Hexactinelliden, dem die mesozoische Art ohne Angabe der 
Herkunft vorgelegt würde, zunächst wohl an Chonelasma calyx dächte. Es kann nicht dem geringsten 
Zweifel unterliegen, daß die Spezies aus der Kreide mit Chonelasma calyx näher verwandt ist wie Chonelasma 
calyx mit den durch Chonelasma lamellosa repräsentierten plattigen Chonelasmen der Jetztzeit. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: A. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Chonelasma punctata nov. sp. (Tafel XXVIII, Fig. 3.) 

Zusammengedrückt-trichterförmig, mit ziemlich dicker Wandung und enger, durch in der Mittel- 
linie erfolgende longitudinale Verwachsungen der inneren Oberflächen in zwei Röhren geteilter Zentral- 
höhle, sitzend. Die handschuhfingerförmigen Ausstülpungen der Wandung liegen als kurze, im Scheitel 
von einer großen runden Öffnung durchbohrte Fortsätze in undeutlichen Spiral- oder Längsreihen an 
den Schmalseiten des Schwammkörpers oder werden hier durch große runde Wandlücken vertreten. 

Äußere Oberfläche mit nadelstichartigen, dicht nebeneinander liegenden und gleichmäßig ver- 
breiteten Ostien. Innenseite mit unregelmäßig zerstreuten Postiken von verschiedener Größe. 

Das Diktyonalgerüst ist im Innern der Wandung unregelmäßiger wie bei der andern Art und an 
den Oberflächen dichter, besitzt aber sonst keine bemerkenswerten Besonderheiten. 

Freie Nadeln sind nicht erhalten. 

Maße: Länge des Originals 7 cm, Breite4cm, Dicke ca. 2,5 cm; Dicke der Wandung 3—5 mm; Weite 
der runden Öffnungen in den Scheiteln der Vorstülpungen ca. 4mm; Anzahl der Ostien auf 0,5 gem 20—25. 

Chonelasma punctata unterscheidet sich von der zweiten fossilen Spezies durch dickere Wandungen 
und deutlicher entwickelte Ostien und Postiken. Die Ausstülpungen der Wandung sind kleiner und 
plumper und nicht radial gestellt sondern hauptsächlich an den Schmalseiten des mäßig zusammen- 
gedrückten Schwammkörpers entwickelt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Familie Aphrocallistidae F. E. SCHULZE. 
(1904. Wissenschaftl. Ergeb. der Deutsch. Tiefsee-Expedit.; Hexactinellida, S. 178.) 


„Kelch- oder röhrenförmige Scopularia mit ziemlich dünner Wandung, deren Diktyonalgerüst 
vorwiegend dreieckige Maschen zeigt und, von regulären sechsseitigen Lücken gleichmäßig durchsetzt, 
ein bienenwabenähnliches Aussehen hat,“ 


— 219 — 


Obere Kreide und Jetztzeit. 

K. v. Zrrre, der als erster die nahen Beziehungen der kretazischen Scyphia alveolites RoEMER 
zu lebenden Aphrocallistes-Arten erkannte, zog die Gattung Aphrocallistes Gray zu seiner Familie 
Mellitionidae, von der F. E. SchULze auf Grund der am lebenden Material gewonnenen Forschungsergebnisse 
die Aphrocallistidae abgetrennt hat. 


Gattung Aphrocallistes Gray. 1888. 


F. E. Sonuzze hat zuletzt (Wissenschaftl. Ergebn. der Deutsch. Tiefsee-Exped., Hexactinellida 
S. 148) folgende Gattungsdiagnose gegeben: 

„Kelch- oder röhrenförmige Scopularia, deren ziemlich gleichmäßig dünne Wand ein bienenwaben- 
ähnliches Skelettgerüst besitzt und bei kelchformigen Stücken in bald einfache Längsfalten gelegt, bald 
mit radiären, handschuhfingerförmigen Aussackungen besetzt ist. Die obere Kelchöffnung kann offen 
oder mit einer quergestellten, planen oder schwach gewölbten terminalen Siebplatte verschlossen sein. 
Ähnliche, aber mehr unregelmäßige netzförmige Septa können außerdem hier und da das Kelch- oder 
Röhrenlumen quer durchsetzen. Die die Körperwandung rechtwinklig durchsetzenden, regulär-sechs- 
seitig prismatischen „Radialtuben“ dieses Gerüstes werden durch plane Scheidewände geschieden, welche 
aus einem meist einschichtigen diktyonalen Balkenwerk mit vorwiegend dreieckigen Maschen bestehen 
und mit konischen Zapfen sowohl an den dermalen und gastralen Rändern als auch an der Innenfläche 
besetzt sind. 

Die als ziemlich ebenes Gitternetz sich über die ganze Außenfläche hinziehende Dermalmembran 
enthält hexaktine, seltener pentaktine Dermalia, welche im ersteren Falle einen mehr oder minder weit 
hervorragenden äußeren Pinulstrahl haben, während die ähnliche, aber viel weitmaschigere Gastral- 
membran gewöhnlich nur durch tangentiale Diaktine gestützt wird. 

Als intermediäre Parenchymalia kommen Hexaktine und Hexaster bald mit spitzen, bald mit 
Krallen tragenden oder geknöpften resp. Querscheiben tragenden Enden vor.“ 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


Aphrocallistes alveolites Rorm. sp. (Tafel XXV, Fig. 8, 9, 10; Tafel XXXI, Fig. 3; Texttafel XI, 
Fig. 5.) 


4841. Scyphia alveolites RoEMER, Kr. Taf. III, Fig. 6. 
1877. Aphrocallistes alveolites ZitTeEL, Stud. J, S. 49. 


1883. 5 > Hinpe, Catal. S. 106. 
1900. a 5 WoLLEMANN, Biwende S. 8. 
1902. is 3 WoLLEMANN, Liineb. S. 8. 


Bis fingerlange und -dicke, oder noch stärkere, nach oben gewühnlich allmählich, seltener schnell 

an Umfang zunehmende, einfache, oder durch seitliche Sprossung ästige, dünnwandige Rühren von kreis- 
- förmigem Querschnitt. | 

Äußere und innere Oberfläche der Röhrenwandungen mit etwa nadelstichweiten, dicht neben- 

einander liegenden, gleichmäßig verbreiteten, unter der Lupe polygonalen Öffnungen, die zu regulär- 


— 220 — 


sechsseitig prismatischen Radialtuben gehören, welche die Wandung rechtwinklig durchsetzen. Der 
Scheitel der Röhren ist abgestutzt und durch ein planes Diaphragma geschlossen, das dünner wie die 
Röhrenwandungen und siebartig durchlöchert ist. Die Löcherchen sind wie die Mündungen der Radial- 
tuben angeordnet, aber etwas größer und haben keinen regulär-sechsseitigen sondern kreisförmigen oder 
unregelmäßig rundlichen Umriß. 

Das Skelett besteht aus Diktyonalhexaktinen, die zu einem sehr soliden Gerüste verschmelzen. 
Die große Festigkeit ist auf starke Anreicherung von Kieselsubstanz um die Strahlen der Hexaktine zurück- 
zuführen, die auch bedingt, daß die ursprünglich eckigen Maschen zwischen den Gerüstbalken auf kleine 
rundliche Lücken von verschiedener Größe reduziert werden können. Eine wesentliche Abweichung 
vom Bau des Diktyonalgerüstes der lebenden Arten ist das nicht. — Nach F. E. Scxuzze heften sich 
bei den rezenten Aphrocallistidae die Strahlen der Hexaktine mit Vorliebe an die Kreuzungsknoten 
benachbarter Hexaktine; dadurch überwiegen im Diktyonalgerüst dreieckige Maschen. Auch an den 
fossilen Gerüsten ist diese Eigentümlichkeit, namentlich wenn man die Beobachtung der in der Regel 
stark erweiterten Axenkanäle zu Hilfe nimmt, deutlich zu erkennen. — Das Diktyonalgerüst ist an den 
Oberflächen und in den Scheidewänden der Radialtuben nach demselben Schema gebaut. Auch die 
Diaphragmen am Ende der Röhren besitzen im wesentlichen dieselbe Struktur wie die Röhrenwandungen. 

Die bei den lebenden Arten von hexaktinen oder pentaktinen Dermalia gestützte Dermalmembran 
und die, tangentiale Diaktine enthaltende, Gastralmembran sind bei den fossilen Spezies ebensowenig 
erhalten wie die intermediären Parenchymalia (Discohexaster, Oxyhexaster und Onychaster). 

Maße: Länge der Röhren 3,5—10 cm; Dicke am unteren Ende ca. 1 cm, am Scheitel 4—5 cm; 
Dicke der Wandung 1—1,5 mm; Dicke der Scheiteldiaphragmen ca. 0,5 mm; Anzahl der Radialtuben 
auf 0,5 qem 50—70, der Löcherchen in den Scheiteldiaphragmen ca. 36. 

Aphrocallistes alveolites gehört in eine Entwicklungsreihe, die auch den Formenkreis des rezenten 
Aphrocallistes beatrix Gray (im Sinne der zuletzt!) von F. E. ScHuLzE gegebenen erweiterten Fassung 
des Artbegriffes) enthält. In der äußeren Körperform steht A. alveolites aus der oberen Kreide den 
früher als Aphrocallistes ramosus F. E. SchuLze (Küste von Japan, Philippinen) bezeichneten, verästelten 
Stöckchen näher, wie den radiäre Divertikel tragenden Kelchen von A. beatrix und A. bocagei. Die fossile 
Spezies stellt aber insofern einen eigenen Formentypus dar, als die Röhren oder die Verästelungen der Röhren 
kreisel- oder keulenförmig, an den Enden abgestutzt und durch plattige Diaphragmen geschlossen sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


+ 


Aphrocallistes cylindrodactylus nov.sp. (Textfigur 1; Texttafel XI, Fig. 6.) 
Bis faustdicke, im Scheitel trichterförmig vertiefte, gestielte Knollen, deren sehr dünne Wandung 
zu zahlreichen radiären, handschuhfingerförmigen Vorstülpungen gefaltet ist. Außen erscheinen die 


*) Deutsche Tiefseeexpedition Bd. IV, S. 145—148. Die früher als Aphr. beatrix, bocagei und ramosus beschriebenen 
lebenden Arten sind nach F. E. SchuLze nur verschiedene Formen ein und derselben, durch große Variabilität der Körperform 


ausgezeichneten Spezies (A. beatrix Gray). 


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— 221 — 


Vorstülpungen als kinderfingerlange und -dicke, walzenförmige, an den Enden abgerundete Fortsätze, 
die dicht nebeneinander liegen und in der Nähe des Stiels am längsten sind, während sie am Vorderteil 
auf traubige Wülste reduziert sein können. 

Außenseite mit zu Längsreihen geordneten oder gleichmäßig zerstreuten nadelstichweiten Öffnungen 
von zylindrischen Radialkanälen, welche die Wandung vollständig durchdringen. 

Die Oberfläche der trichterförmigen 
Scheitelvertiefung nimmt ein grobmaschiges 
Diaphragma ein, das entweder gleichmäßig ver- 
breitet ist oder aus alternierenden, fein- und 
grobporösen Radialbändern besteht. 

Die Diktyonalia sind Hexaktine mit 
glatten Strahlen und verschmelzen im Innern 
der Wandung und an der Oberfläche der Innen- 
seite zu einem unregelmäßig gebauten und nur 
aus ein bis zwei Schichten beliebig orientierter 
Hexaktine bestehenden Gerüste mit vorwiegend 
dreieckigen Maschen. Hierüber legt sich an der 
äußeren Oberfläche eine dicke Deckschicht, die 
aus Verdickungen der oberflächlich gelegenen 
Hexaktinen-Strahlen hervorgeht. Ähnlich wie 
die Deckschicht ist auch dasScheiteldiaphragma 
zusammengesetzt. 

Maße: Dicke der Wandung ca. 0,3 mm; 
Anzahl der Radialkanäle auf 0,5 qem ca. 100; 
Weite der Maschen im Scheiteldiaphragma 0,5 
bis 1 mm (auf 0,5 qem ca. 20). 

Radiäre Divertikel in Form handschuh- Aphrocallistes cylindrodactylus SCHRAMMEN aus der Quadraten- 
fingerförmiger Aussackungen der Wandung Kreide von Oberg. 
eines oben durch eine Siebplatte geschlossenen 
Kelches kommen auch bei Aphr. beatrix Gray, der häufigsten und formenreichsten rezenten Art, 
vor. Die beiden Arten unterscheiden sich aber recht deutlich durch verschiedenartige Struktur 


Textfigur 1. 


der Wandung. Bei Aphr. beatrix wird sie wie eine Honigwabe von prismatischen, durch plane 
Scheidewande geschiedenen Radialtuben rechtwinklig durchsetzt. Auch ist sie im Innern und an beiden 
Oberflächen nach demselben Schema gebaut. Bei Aphrocallistes cylindrodactylus verschmelzen dagegen 
die Strahlen der Hexaktine im Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite zu einem sehr 
lockeren Geriiste, das nur an der äuBeren Oberfläche von der dichten Deckschicht tiberzogen wird. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (z. s.). 
Anzahl der untersuchten Sticke: 4. 
Die Originale Jiegen in meiner Sammlung. 


— 222 — 


Aphrocallistes lobatus nov. sp. (Textfigur 2; Tafel XXVI, Fig. 1.) 


Der bis kinderhandgroße Schwammkörper besteht aus gerundeten, 1 em dicken, ohr- oder blatt- 
förmigen Lappen und Wülsten, die innen hohl sind und Ausstülpungen der nur 1 mm dicken Wandung 
darstellen. 

Struktur der Wandung und Kanalsystem wie bei Aphrocallistes cylindrodactylus. 

Aphrocallistes lobatus schließt sich durch ge- 
wisse Eigentümlichkeiten der äußeren Körper- 
form, worunter ich namentlich die beutelförmigen 
Avsstülpungen der Wandung verstehe und auch 
durch die Tektonik des Diktyonalgerüstes enger 
an Aphrocallistes cylindrodactylus wie an Aphro- 
callistes alveolites an. Ob die Art auch, wie Aphr. 
cylindrodactylus eine terminale Siebplatte ent- 
wickelt, konnte ich nicht feststellen, weil das 
Material nicht genügte. Es ist aber nicht un- 
wahrscheinlich. 

Ich möchte den Hinweis nicht unterlassen, 
daß Aphrocallistes lobatus Übereinstimmungen mit 
einem, vonF.E. Schuzze abgebildeten japanischen 
Exemplare von Aphrocallistes vastus zeigt. Es wäre 
immerhin denkbar, daß Aphrocallistes lobatus und 
der mit dieser Art nah verwandte Aphr. cylindro- 
Aphrocallistes lobatus ScuRAMMEN aus der Mucronaten-Kreide dactylus zu einer Formenreihe gehören, die in der 

von Ahlten. Jetztzeit durch Aphr. vastus, der allerdings durch 
offene Kelchform und den Mangel einer 
terminalen Siebplatte charakterisiert sein soll, vertreten wird. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Ahlten (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Textfigur 2. 


Familie Tretocalycidae F. E. SCHULZE. 
(1904. Wissenschaftl. Ergebn. der Deutsch. Tiefsee-Expedit. S. 179.) 


Uncinataria mit unregelmäßigen Kanälen, die den Körper schräg oder in verschiedener Richtung 
durchdringen, oder mit regelmäßig alternierenden, röhrenförmigen, die Wandung quer durchsetzenden 
und blind endigenden Epirhysen und Aporhysen. Mit Ausnahme der Gattung Uncinatera Torsent haben 
alle Gattungen Scopulae. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


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Von den fossilen Arten stehen Tretodietyum Loeschmanni SCHRAMMEN und Tretodictyum Pfaffi 
SCHRAMMEN den lebenden Hezactinella lata F. E. ScuuLze und Hexactinella tubulosa F. E. SCHULZE nahe, 
während Hexactinella angustata SCHRAMMEN und Hexactinella laevis SCHRAMMEN in die Verwandtschaft 
der Hexactinella ventilabrum CARTER gehören. Die erste Gruppe wird charakterisiert durch anastomosierende 
Röhren mit unregelmäßigen Kanälen, die andere enthält trichter- oder ohrförmige Schwammkörper 
mit mehr oder weniger regelmäßig entwickeltem Kanalsystem. Auf Grund der ziemlich erheblichen 
Unterschiede trenne ich von der Gattung Hexactinella CARTER, als deren Typus ich Hexactinella venti- 
labrum CARTER ansehe, die aus anastomosierenden Röhren bestehenden Formen ab und schlage dafür 
den von F. E. SchuLze eingeführten, aber aus Prioritätsgründen wieder aufgegebenen Gattungsnamen 
Tretodictyum vor. 


Gattung Hexactinella CARTER emend. 


Der dünn- oder dickwandige Schwammkörper ist zylindrisch, trichter- oder ohrförmig. Außenseite 
mit gleichmäßig verbreiteten Ostien von Epirhysen, welche die Wandung in gerader Richtung durchdringen 
und unter der Oberfläche der Innenseite in den Skelettbrücken zwischen den Postiken blind endigen. 
Die Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den Skelettbrücken zwischen den Ostien, 
münden aber nicht unmittelbar in die Postiken, sondern schon vorher unter der inneren Oberfläche. Zu 
jeder Postike gehören mehrere Aporhysen. Die Hexaktine haben dornige Strahlen und verschmelzen 
im Innern der Wandung zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten, an den Oberflächen mäßig 
verdichteten Gerüste. Ihre nach außen gerichteten Strahlen endigen als lange konische Zapfen. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


Hexactinella angustata Scurammen. (Tafel XXVI, Fig. 6, Fig. 7 und Fig. 10; Texttafel XI, Fig. 8.) 


1902. Polyopesia angustata SCHRAMMEN, Hexact. S. 26, Taf. II, Fig. 1. 

1902. » *  radiciformis SCHRAMMEN, Hexact. S. 26, Taf. III, Fig. 1. 

Mehr oder weniger diekwandige Trichter mit kräftigem Stiel und gut entwickelter Wurzel. 

Außenseite mit größeren oder kleineren, unregelmäßig angeordneten, rundlichen Ostien von Epi- 
rhysen, welche die Wandung in gerader Richtung durchdringen und unter der Oberfläche der Innenseite 
in den Skelettbrücken zwischen den Postiken blind endigen. Die Aporhysen beginnen unter der Ober- 
fläche der Außenseite in den Skelettbrücken zwischen den Ostien, münden aber nicht erst an der Ober- 
fläche der Innenseite, sondern schon etwas vorher. Zu mehreren Aporhysen gehört je eine der großen 
rundlichen Postiken, die gleichmäßig über die Oberfläche der Innenseite verbreitet sind. Auf den Skelett- 
brücken zwischen den Ostien sitzen an der äußeren Oberfläche kleine unregelmäßig zerstreute Knötchen 
und Wärzchen, die am Scheitel von nadelstichweiten, unmittelbar in die Aporhysen führenden Öffnungen 
durchbrochen werden. 

Die Diktyonalia sind mit winzigen Dornen besetzt und bilden ein ziemlich regelmäßig gebautes 
Gerüst mit vorwiegend quadratischen Maschen. An der äußeren und inneren Oberfläche nimmt das 
Diktyonalgerüst mehr den Charakter eines Geflechtes an, indem eine Verdickung der tangentialen Strahlen 
eintritt, welche die eckigen Skelettmaschen in rundliche Lücken verwandelt. Die nach außen oder nach 


— 224 — 


den Lumina der Kanäle gerichteten Hexaktinenstrahlen endigen als lange konische Zapfen, die nicht selten 
kleine Oxyhexaktine tragen. 

Maße: Höhe bis 10 cm; größte Weite ca. 15 em; Dicke der Wandung ca. 6 mm; Weite der Ostien 
und Postiken 1,5—3 mm, Anzahl auf 1 gem 5—8. 

Die Spezies unterscheidet sich von Hexactinella laevis, der nächstverwandten fossilen Art u. a. 
durch den größeren und dickwandigeren Schwammkörper und durch Knötchen und Warzen auf den 
Brücken zwischen den Ostien. 

Alter und Facies: Cuvieripläner, Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Heere (s. s.), Oberg (z. s.), Misburg (s. s.). _ 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Hexactinella laevis nov. sp. (Tafel XXVI, Fig. 5; Tafel XLII, Fig. 5.) 


Der etwa fingerlange und am vorderen Ende ca. 2 cm dicke, kurzgestielte Schwammkörper ist 
spitzglas- oder röhrenförmig und hat eine 3—4 mm dicke Wandung. 

Außenseite mit rundlichen oder ovalen, 1—1,5 mm weiten, unregelmäßig angeordneten, aber 
gleichmäßig über die Oberfläche verbreiteten Ostien von geraden röhrenförmigen Epirhysen, welche die 
Wandung rechtwinkelig durchdringen und unter der Oberfläche der Innenseite, in den Skelettbrücken 
zwischen den Postiken blind endigen. Auf den Brücken zwischen den Ostien liegen außerdem an der 
Oberfläche der Außenseite zahlreiche nadelstichartige Öffnungen von feinen Kanälchen, die direkt in die 
Aporhysen münden. Diese beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den Skelettbrücken zwischen 
den Ostien und münden an der inneren Oberfläche mit großen, fast 2 mm weiten Postiken. Zu jeder 
Postike gehören mehrere Aporhysen, die aber nicht unmittelbar hineinmünden, sondern schon in der 
Nähe der inneren Oberfläche endigen. Die mesialen Teile des Diktyonalgerüstes erleiden durch den in 
der Nähe der inneren Oberfläche eintretenden Fortfall der Aporhysenwandungen eine’nicht unerhebliche 
Einbuße an Stabilität, die bei geätzten Exemplaren leicht zur Ablösung der gastralen Partien führt. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit kleindornigen Strahlen. Im Innern der Wandung 
sind die Maschen vorwiegend quadratisch. An der Außenseite und mehr noch an der Innenseite tritt eine 
leichte Verdichtung der äußersten Skelettlage dadurch ein, daß die Zahl der Hexaktine zunimmt und 
die Tangentialstrahlen durch Zufuhr von Kieselsubstanz verdickt werden. Infolgedessen werden hier die 
Skelettmaschen rundlich. Die äußeren Radialstrahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen frei 
als ungewöhnlich lange Kieselstacheln. (Länge der Stacheln — der Länge eines normalen Gerüstbalkens, 
von einem Kreuzungsknoten zum andern gemessen.) 

Hexactinella laevis gehört in eine Entwicklungsreihe, die in der Jetztzeit anscheinend nur noch dua 
Hexactinella ventilabrum CARTER (von Japan) vertreten wird. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 4 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


a= 905" = 


Hexactinella laevis, var. auricularis nov. var. (Tafel XXVI, Fig. 8 u. 9.) 


Unterscheidet sich vom Typus nur durch ohr- oder fächerförmige Gestalt. 
Maße: Höhe 6 cm, größte Breite 8 em; Dicke der Wandung ca. 4 mm. 
Quadratenkreide von Oberg. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Tretodyctium F. E. SCHULZE emend. 


Der Schwammkörper besteht aus ziemlich dicken, aber dünnwandigen Röhren, die unregelmäßige 
Anastomosen bilden und distal mit schalltrichterförmigen Erweiterungen endigen. Die Kanalmündungen 
sind ganz unregelmäßig über die Oberflächen verbreitet und gehören zu Epirhysen und Aporhysen, die die 
Wandung nicht quer, sondern schräg oder in longitudinaler Richtung durchsetzen. Die Hexaktine haben 
dornige Strahlen und verschmelzen zu einem im Inneren der Wandung ziemlich regelmäßig gebauten, an 
den Oberflächen aber mäßig verdichteten Gerüste. Die nach außen gerichteten Strahlen endigen frei 
als lange spitzkonische Zapfen. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


Tretodictyum Loeschmanni nov. sp. (Tafel XXV, Fig. 7; Texttafel XII, Fig. 11.) 


Bis fingerdicke, distal trompetenförmig erweiterte Röhren mit dünner Wandung, die unregel- 
mäßige Anastomosen bilden. 

Beide Oberflächen mit kleinen, unregelmäßig verbreiteten Ostien und Postiken, die zu Epirhysen 
bezw. Aporhysen gehören, welche in schräger Richtung in die Wandung eindringen und an der anderen 
Oberfläche, oder blind endigen. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus kleindornigen Hexaktinen, die im Inneren der Wandung in regel- 
mäßiger Weise verschmelzen, indem die benachbarten Strahlen von gemeinsamen Kiesellamellen umhüllt 
werden. An den beiden Oberflächen wird die Skelettstruktur durch Häufung der Hexaktine dichter, 
und dadurch daß die Strahlen mit Vorliebe an die Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine geheftet 
sind, auch unregelmäßiger. Die nach außen gerichteten Strahlen der Hexaktine endigen frei als lange 
spitzkonische Zapfen. 

Die beiden fossilen Arten sind u. a. leicht an der verschiedenen Dicke und Weite der Röhren zu 
unterscheiden. 

Tretodietyum Loeschmanni ist das einzige bekannte Glied einer Entwicklungsreihe, zu deren Aus- 
läufern das lebende Tretodictyum (Hexactinella) latum F. E. Schutze von Japan (Chall. Rep. Taf. XCIV, 
Fig. 1, 2, S. 329) gehört. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 

Palaeontographica, Suppl.-Bd. V. 29 


— 226 — 


Tretodictyum Pfaffi nov.sp. (Tafel XXVIII, Fig. 12; Tafel XLII, Fig. 4; Texttafel XII, Fig. 10.) 


Wenig über 1/, cm dicke, dünnwandige Röhren, die unregelmäßige Anastomosen bilden und distal 
mit schalltrichterförmigen Erweiterungen endigen. 

Beide Oberflächen mit kleinen, unregelmäßig verbreiteten Mündungen von Epirhysen und Apo- 
rhysen, welche die Wandung in schräger Richtung entweder vollständig durchdringen oder blind aus- 
laufen. 

Das Skelett besteht aus Diktyonalhexaktinen mit glatten oder dornigen Strahlen. Im Inneren 
der Wandung und an der inneren Oberfläche verschmelzen die Hexaktine zu einem regelmäßig gebauten 
Gerüste mit quadratischen oder rechteckigen Maschen. Die Oberfläche der Außenseite ist mit einem 
unregelmäßigen Geflechte überzogen, das aus Hexaktinen beliebiger Orientierung besteht. Ihre Strahlen 
sind gleich- oder verschiedenlang und in unregelmäßiger Weise an die Gerüstbalken oder Kreuzungsknoten 
benachbarter Hexaktine geheftet. 

Durch die äußere Körperform und die Organisation des Röhren- und Kanalsystems und auch in 
den Dimensionen nähert sich Tretodictyum Pfaffi dem lebenden Tretodietyum (Hexactinella) tubulosum 
F. E. Scauzze (Chall. Rep., S. 228, Taf. XCIII, Fig. 1) von Japan. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


2. Subtribus Inermia F. E. ScHULzE. 


Hexactinosa ohne Uncinate, Scopulae und Clavulae. | 


Familie Dactylocalycidae Iyıma. 
(1903. Contribution III, S. 25.) 


„Der massige oder kelehförmige, seltener platte Körper besteht aus einem System anastomosierender 
Röhren, zwischen welchen ein interstilielles Lückensystem (Cavaedialsystem) vorhanden ist. Das in 
letzteres eintretende Wasser durchsetzt die Wand der Röhren und gelangt durch diese direkt oder durch 
einen gemeinsamen Gastralraum nach außen. Diktyonalgerüst ohne Lychnisken.“ 

(Familiendiagnose nach F. E. SchuLze, Wissenschaftl. Ergeb. der Deutsch. Tiefsee-Exped. Teil I, 
S. 178.) 

Obere Kreide und Jetztzeit. 

Zur Familie der Dactylocalycidae hat Ista die rezenten Genera Dactylocalyx, Margaritella, Myliusia, 
Aulocalyx und Euryplegma zusammengefaßt. Nach F. E. SchuLzeE gehört wahrscheinlich noch die Gattung 
Scleroplegma O. Scumipr dazu, die auch in der oberen Kreide durch eine Art (Seleroplegma macrochorium 
SCHRAMMEN) vertreten ist. 


— 227 — 


Gattung Scleroplegma O. SCHMIDT. 


, Dickwandige Kelche oder Zylinder, deren sprödes Wandungsgeflecht aus runden oder prismatischen 
Röhren gebildet wird, welche vorzugsweise schief von außen nach innen gehen und entweder isoliert oder 
nachdem sich einige miteinander verbunden haben, in den Gastralraum münden; zwischen ihnen unregel- 
mäßige Interkanäle.‘“ (O. Scumipr, Die Spongien des Meerb. von Mexiko, p. 56.) 

Obere Kreide und lebend. 


Scleroplegma macrochorium nov. sp. (Tafel XXVI, Fig. 11 und 12.) 


Von dieser neuen Art habe ich nur wenige Stücke, nämlich ein kaum 4 cm langes und 1,5 cm dickes 
zylindrisches (? junges) Individuum und zwei, mehrere qem große, ca. 7 mm dicke, plattige Fragmente 
gefunden. Die letzteren werden wie eine Honigwabe von dicht nebeneinander liegenden, 2—3 mm weiten, 
runden oder undeutlich prismatischen Röhren durchsetzt. Ein Teil davon mündet an beiden Oberflächen. 
Zahlreiche andere endigen blind unter der Oberfläche der Innenseite. 

Die Wandung des zylindrischen Exemplars besteht aus 2—3 mm weiten anastomosierenden Röhr- 
chen, zwischen denen engere Cavaedien liegen. Die Mündungen der Röhren und Cavaedien liegen an der 
Oberfläche der Außenseite und auf der Paragasterwandung. 

Das Skelett besteht aus Diktyonalhexaktinen mit bedornten Strahlen und kugelig verdickten 

_ Kreuzungsknoten und bildet, je nachdem die Strahlen der Länge nach verschmelzen oder an die Kreuzungs- 
knoten benachbarter Hexaktine geheftet sind, ein dichtes Gerüst mit dreieckigen oder viereckigen 
Maschen. Die dermalen und gastralen Skelettpartien unterscheiden sich von den parenchymalen 

_ wenig. Nur sind die äußeren Radialstranlen auf zapfenförmige Anschwellungen reduziert. Die Weite 

der Skelettmaschen übertrifft in der Regel nicht den Durchmesser der kugeligen Verdickungen, welche 
die Kreuzungsknoten der Hexaktine umgeben und eine auch bei der lebenden Art vorhandene, recht 
charakteristische Eigentümlichkeit darstellen. 

Die nächstverwandte rezente Art ist Scleroplegma conica O. Scumipr 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Familie Auloplacidae nov. fam. 


Kleine, trichter-, röhren- oder spitzglasförmige, oder aus fächerförmig oder bündelartig nebeneinan- 
der liegenden Röhrchen bestehende Hexactinosa mit ziemlich dieker Wandung. Oberflächen mit kleinen 
- Ostien und Postiken von radiären, blind endigenden Epirhysen bezw. Aporhysen, oder Kanalsystem 
wenig entwickelt. Die großen Hexaktine haben glatte Strahlen, die zu einem mehr oder weniger regel- 
mäßig gebauten Gerüste verschmelzen, in dem longitudinale oder bogenförmig von innen nach außen 
strahlende Balkenzüge besonders kräftig entwickelt sind. Die Enden dieser Balkenzüge erheben sich 


Texttafel X. 
Skelettbestandteile der Familien Craticularidae Raurr, Callibrochidae SCHRAMMEN, Pleurothyrisidae SCHRAMMEN, Auloplacidae 
SCHRAMMEN, Polystigmatidae SCHRAMMEN, Syringidae SCHRAMMEN. 
(In 45 facher Vergrößerung.) 


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SS 


Pig. 1 
Fig. 2. 
Fig. 3. 
Fig. 4. 
mag, 5. 
Fig. 6. 
Pag, :7. 
Fig. 

rig, 9. 
Fig. 10. 
Fig. 11. 
Fig. 12. 


ES no 


Erklärung zu Texttafel X. 


Familie Craticularidae. 


Craticularia relicta ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Callibrochidae. 


Callibrochis senonensis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Gerüst. 
Callibrochis senonensis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Äußere Oberfläche. 
Wollemannia araneosa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Gerüst. 


Wollemannia araneosa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Oberfläche der Innen- 
seite von unten gesehen. 


Wollemannia araneosa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Oberfläche der Außen- 
seite von unten gesehen. 

Familie Pleurothyrisidae. 
Pleurothyris folium ScaRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Pleurochorium Schulzei ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Diktyonalhexak- 
tine. b) Deckgespinst. 
Familie Auloplacidae. 


Stereochlamis calyculum ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Stereochlamis praecissa SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Familie Polystigmatidae. 


Polystigmatium striato-punctatum SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonal- 
hexaktine. 
Familie Syringidae. 


Syringium textum SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


wie die Grannen eines Pelzes über die Oberfläche der AuBenseite oder beide Oberflächen und bilden dadurch 
einen förmlichen Schleier von langen Kieselstäben. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 

F. E. Scauzze hat Auloplax, die typische Gattung dieser Familie, zur Familie Dactylocalycidae 
Isıma gezogen. Indessen scheint mir, daß die erheblichen Organisationsverschiedenheiten zwischen den 
um Auloplax gruppierten Formen und den Dactylocalycidae im Sinne Isımas die Aufstellung einer neuen 
Familie Auloplacidae wünschenswert machten. 


Gattung Auloplax F. E. SCHULZE. 


„Flache oder schwach gebogene Platten, welche mit einem verschmälerten Randende der Unterlage 
aufsitzen und zur Hauptsache aus fächerförmig nebeneinander liegenden spitzwinklig sich teilenden und 


— 230 — 


der Länge nach verkitteten Röhren von Gänsefederkielstärke bestehen. Zwischen diesen Röhren, welche 
teils am Rande, teils an den beiden Flächen der Platte mit glatten rundlichen oder ovalen Öffnungen nach 
außen münden und auch durch ähnliche Öffnungen untereinander vielfach in offener Verbindung stehen, 
bleiben beiderseits rinnenförmige Lücken und Hohlräume, welche auch hie und da durch ovale Löcher der 
die Röhren seitlich verkittenden Masse kommunizieren. An beiden Seitenflächen der Platte sieht man die 
etwas schornsteinartig emporgebogenen Ränder der Kanalöffnungen schwach hervorragen. Während 
sich über diesen Wandlücken eine dünne feinporöse Dermalmembran flach ausspannt, sind die Öffnungen 
selbst von einem gröberen Gastralhautgitter mit quadratischen Maschen überdeckt. Das vorwiegend 
rechteckige Maschen aufweisende Diktyonalgerüst zeigt keine abgesetzten Knotenverdiekungen. In 
den Grenzhäuten kommen außer oxypentaktinen auch oxydiaktine Nadeln, im Choanosom parenchymale 
Discohexaktine vor.“ (1904. Wissenschaftl. Ergebn. d. Deutsch. Tiefsee-Expedition auf dem Dampfer 
„Valdivia“, Hexactinellida, S. 148/149.) 

Obere Kreide und lebend. 

Die einzige lebende Art, Auloplax auricularis F. E. ScuuLzE wurde von der Deutschen Tiefsee- 
Expedition auf dem Dampfer ‚„Valdivia“ aus der großen Tiefe von 2500 m heraufgeholt. Die Zusammen- 
setzung des Schwammkörpers aus fächerförmig angeordneten Röhrchen tritt nur an den, nach mit dem 
Weichkörper konservierten Exemplaren angefertigten Abbildungen!) deutlich hervor. Die beiden Ab- 
bildungen des ausmazerierten Skelettes?) lassen die Röhrchenindividuen nicht besser erkennen wie die 
fossilen Arten. 


Auloplax spongiosus nov. sp. (Tafel XXIX, Fig. 7, 8, 9, 10; Texttafel IX, Fig. 10.) 


Bis daumenlange, 2—3 cm dicke plattige Knollen. Oberfläche mit 1—2 mm weiten, runden, durch 
schmale Brücken getrennten Öffnungen, — den Mündungen der zu strahligen Bündeln vereinigten Röhr- 
chen. Durch unregelmäßig verteilte rundliche Wandlücken, welche die Scheidewände fenstern, stehen 
die Röhrchen in vielfacher Kommunikation. 

Das Skelett besteht aus großen, glattstrahligen Diktyonalhexaktinen. Ein Teil der Hexaktine 
erbaut ein ziemlich regelmäßiges Gerüst mit weiten, quadratischen oder rechteckigen Maschen, in dem 
die in der Richtung der Längsachse der Röhrchen verlaufenden Strahlen zu besonders kräftigen und auf- 
fallenden Balkenzügen verschmelzen. Ihre Enden überragen wie die Grannen eines Pelzes als lange Kiesel- 
stäbe die Oberfläche der Außenseite. Zahlreiche Hexaktine sind aber auch in beliebiger Orientierung 
mit den Enden der Strahlen an die benachbarten Balken oder Kreuzungsknoten geheftet und bilden da- 
durch ein ganz unregelmäßiges und ziemlich dichtes Balkenwerk, welches die regelmäßig gebauten Partien 
stützen und verfestigen hilft. 

Ähnlich wie bei Auloplax spongiosus scheint auch das Diktyonalgerüst der lebenden Art gebaut 
zu sein. Die oxypentaktinen und die oxydiaktinen Nadeln, die in Parenchym vorkommen, sind bei der 
fossilen Spezies natürlich nicht mehr nachzuweisen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 


1) aa. On Tat, 10, Pie 17253: 
2) ibid. Taf. 10, Fig. 4, 5. 


— 231 — 


Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 
Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Stereochlamis nov. gen. 


Der Schwammkörper bildet kleine, verhältnismäßig dickwandige Trichterchen oder Röhrchen. 
Beide Seiten mit unregelmäßig zerstreut oder in Längsreihen liegenden Ostien bezw. Postiken. Mit radiären, 
blind endigenden Epirhysen und Aporhysen oder wenig entwickeltem Kanalsystem. Die Dictyonalia sind 
glattarmige Hexaktine, die zu einem engmaschigen und mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste 
verschmelzen, in dem namentlich bogenförmig von innen nach außen strahlende Balkenzüge deutlich 
hervortreten. Innere oder äußere Oberfläche mit einem aus den verlängerten äußeren Radialstrahlen 
der dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehenden Rasen von Kieselstäben. 

Obere Kreide. 


Stereochlamis praecissa nov. sp. (Tafel XXIX, Fig. 5 und 6; Texttafel X, Fig. 10.) 


Bis kinderfingerlange und dicke, verhältnismäßig dickwandige (3 mm) Röhrchen. 

Außenseite mit rundlichen, ungleichmäßig über die Oberfläche verbreiteten, oder in undeutlichen 
Längsreihen liegenden, 0,5—1 mm weiten Ostien. Innenseite mit winzigen, in Längsreihen liegenden 
Postiken. Die radiären Epirhysen und Aporhysen endigen blind unter den Oberflächen der Innen- bezw. 
Außenseite. 

Die Dietyonalia sind Hexaktine mit glatten oder mit winzigen Dornen besetzten Strahlen und in 
der Mehrzahl beliebig orientiert. Ihre Strahlen verschmelzen mit den Strahlen oder Kreuzungsknoten 
benachbarter Hexaktine unter verschiedenen Winkeln zu einem engmaschigen Gerüste, wenn sie nicht als 
mehr oder weniger lange Stacheln frei endigen. Bei einem Teile der parenchymalen Dictyonalia verschmel- 
zen die in der Längsachse des Schwammes verlaufenden Strahlen zu kräftigen, longitudinalen oder bogen- 
_ förmig von innen nach außen strahlenden Balkenzügen, deren Enden an der Oberfläche der Innenseite 
einen dichten Rasen von langen, stabförmigen Kieselstäben bilden. 
| St. praecissa unterscheidet sich von der anderen Art u. a. durch zylindrische Gestalt und ein gut 
_ entwickeltes Kanalsystem. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 
Aine der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Stereochlamis caliculum nov. sp. (Tafel XXIX, Fig. 4; Texttafel X, Fig. 9.) 


Kleine, nur 2—3 cm lange und bis 1,5 em dicke, verhältnismäßig dickwandige (ca. 4 mm) Trichter- 
chen mit kurzem diinnem Stiel. 

"4 AuBen- und Innenseite mit kleinen und unregelmäßig verbreiteten Ostien Bach Postiken. Regel- 
mäßige Epirhysen und Aporhysen sind nicht entwickelt. 

Das Diktyonalgerüst ist ziemlich engmaschig und besteht aus Hexaktinen mit glatten, und im 


— 232 — 


Verhältnis zur Länge dünnen Strahlen, die zu longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen ver- 
schmelzen. Die longitudinalen sind besonders kräftig entwickelt und verlaufen bogenförmig von innen 
nach außen. Ihre Enden bilden an der Oberfläche der Außenseite einen Rasen von langen, zylindrischen 
stumpfendigen Kieselstäben. An der Außen- und Innenseite treten mäßige Verdichtungen der Ober- 
flächen ein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Stereochlamis pilosa nov. sp. (Tafel XXVII, Fig. 14, Texttafel IX, Figur 9.) 


Die beiden Originale sind kleine, nur wenige Zentimeter lange, vorn ca. 1,5 em dicke, spitzglas- 
förmige Trichterchen, deren relativ dicke Wandung von alternierenden oder unregelmäßig angeordneten, 
spaltförmigen Lücken durchbrochen wird. 

An dem aus großen Hexaktinen mit glatten Strahlen bestehenden Diktyonalgerüste fallen kräftige 
Balkenzüge auf, die in longitudinaler Richtung beginnen, dann strahlenförmig von innen nach außen 
ziehen, um schließlich als weit über die Oberfläche der Außenseite hervorragende Kieselstäbe zu endigen. 
Radiäre und querringförmige Balkenzüge treten dagegen nur undeutlich hervor, weil ihre Komponenten, 
die radialen und tangentialen Strahlen der Hexaktine sehr häufig frei endigen. In den Skelettmaschen 
und an den Oberflächen liegen zahlreiche Oxyhexaktine, die entweder in beliebiger Orientierung mit einem 
Strahl an die dicken Balken festgeheftet sind, oder die Verlängerung der frei endigenden Strahlen der 
Diktyonalhexaktine bilden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuehten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


c) Hexactinosa incert. sedis. 


Familie Craticularidae RAUFF. 
(1893. Palaeospongiologie, S. 191.) 


Mehr oder weniger diekwandige, becherförmige, zylindrische, plattige oder (?) ästige Hexactinosa 
mit ziemlich großen, zu Längs- und Querreihen gruppierten Ostien und Postiken von radiären röhren- 
förmigen, blind endigenden Epirhysen und Aporhysen. Die Hexaktine haben glatte oder kleindornige 
Strahlen und verschmelzen zu einem engmaschigen Gerüste. Beide Oberflächen mit avs den verdickten 
tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehenden geflechtartigen Deck- 
schichten. 

Jura, Kreide, Miocän. 


— 233 — 


Gattung Craticularia v. ZITTEL. 


Schwammkörper röhren-, trichter- oder schalenförmig (nach v. ZiTTEL auch plattig oder ästig) 
mit mehr oder weniger dicker Wandung und massiger Basis. Außenseite mit ziemlich großen runden, zu 
regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die unter der 
Oberfläche der Innenseite in den Skelettbrücken zwischen den Postiken blind endigen. Die röhren- 
förmigen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden an der inneren Oberfläche 
mit runden oder ovalen, in Längs- und Querreihen liegenden Postiken. Die diktyonalen Hexaktine haben 
glatte oder kleindornige Strahlen und verschmelzen zu einem unregelmäßig gebauten Gerüste mit engen 
Maschen. Beide Oberflächen mit aus den verdickten oder verbreiterten Tangentialstrahlen der dermalen 
und gastralen Hexaktine hervorgehenden plattigen oder geflechtartigen Deckschichten. 

Jura, Kreide, Miocän. 


Craticularia Roemeri nov. nom. 

1864. Cribrospongia Beaumonti RoEMER, Sp. S. 11, Taf. V, Fig. 1. 

1889. Craticularia Beaumonti GRIEPENKERL, Königsl. S. 22. 

Flachtrichter- oder napfförmig, mit dicker Wandung und massiger Basis. 

Außenseite mit großen runden, zu regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten Ostien von 
röhrenförmigen Epirhysen, die unter der Oberfläche der Innenseite blind endigen. Die röhrenförmigen 
Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien und münden 
an der inneren Oberfläche mit ziemlich großen längsovalen, in Längs- und Querreihen liegenden Postiken. 

Skelett wie bei den anderen Arten aus der Kreide. 

Maße. Höhe des Schwammkörpers 4—8 cm; Weite 10—15 cm; Dicke der Wandung ca. 1 cm; 
Weite der Ostien und Postiken ca. 1 mm; Anzahl der Ostien und Postiken auf 1 qem ca. 16. 

F. A. Roremers, nach einem Fragmente vom Sudmerberge hergestellte Abbildung (Sp. Taf. V, 
Fig. 1a—d) ist recht gut gelungen. Nach Poëra (Beitr. I, S. 11) stimmt aber die von Roemer unter dem 
Namen Craticularia Beaumonti Reuss abgebildete Art mit der echten Craticularia Beaumonti aus dem 
Cenoman von Bilin in Böhmen nicht überein. Darum habe ich den Artnamen geändert. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel, Grünsand der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg, Glentorf. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Craticularia relicta nov. sp. (Tafel XXXI, Fig. 4, 5; Tafel XLIII, Fig. 4; Texttafel X, Fig. 1.) 


| Von dieser sehr seltenen Art besitze ich nur ein plattiges, mehrere qem groBes Fragment der 
Wandung, das aber ausgezeichnet erhalten ist. 

Außenseite mit großen rundlichen oder undeutlich quadratischen, in regelmäßigen Längs- und 
Querreihen liegenden Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innenseite 
in den Skelettbrücken zwischen den Postiken endigen. Die Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der 
Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien und münden an der inneren Oberfläche mit zu regel- 
mäßigen Längs- und Querreihen geordneten, ziemlich großen rundlichen Postiken. 

Palaeontographica. Suppl.-Bd. V, 30 


— 234 — 


MaBe: Dicke der Wandung ca. 8 mm; Weite der Ostien ca. 1,5 mm, der Postiken 1 mm; Anzahl 
der Ostien und Postiken auf 1 qem ca. 16. 

Die Diktyonalhexaktine haben glatte Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger 
unregelmäßig gebauten Gerüste mit ziemlich engen Maschen. Beide Oberflächen mit porösen Deck- 
schichten, die an der Außenseite den Charakter durchlöcherter Membranen annehmen, an der Innenseite 
plattige Geflechte bilden, und aus Verdiekungen und Verbreiterungen der tangentialen Strahlen der 
dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehen. 

Die Spezies steht Craticularia Roemeri sehr nahe. Die Unterschiede sind durch die Verschieden- 
artigkeit der faciellen Provenienz bedingt. Craticularia relicta, die Tiefseeform hat einen dünnwandigeren 
Schwammkörper mit weniger massig entwickelter Wurzel wie die litorale Craticularia Roemeri. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Craticularia virgatula nov. sp. (Tafel XXX, Fig. 1; Tafel XLIII, Fig. 3; Texttafel XI, Fig. 9.) 


Flachtrichterförmig oder schalenförmig; dünnwandig, aber mit kräftig entwickelter Basis. i 

Außenseite mit kleinen runden, zu regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten Ostien von 
röhrenförmigen Epirhysen, die unter der Oberfläche der Innenseite in den Brücken zwischen den Postiken 
blind endigen. Die röhrenförmigen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den 
Skelettbrücken zwischen den Ostien, und münden an der inneren Oberfläche mit kleinen längsovalen, in 
regelmäßigen Längs- und Querreihen oder seichten Längsfurchen liegenden Postiken. 

Maße: Höhe desSchwammkörpers 3 cm und mehr; Weite bis 10cm; Dicke der Wandung ca.3,5mm; 
Weite der Ostien und Postiken ca. 0,3—0,5 mm; Anzahl der Ostien und Postiken auf 1 gem ca. 60. 

Die diktyonalen Hexaktine haben glatte oder mit kleinen Dornen besetzte Strahlen und ver- 
schmelzen zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste mit engen Maschen. Beide Ober- 
flächen mit Deckschichten, die aus den verdickten oder plattig verbreiterten tangentialen Strahlen der 
dermalen bezw. gastralen Hexaktine zusammengesetzt sind. Kreuzungsknoten der Hexaktine mehr oder 
weniger deutlich kugelig verdickt. Die nach außen gerichteten Strahlen endigen als kurze konische Zapfen. 

Von Craticularia relicta und Craticularia Roemeri unterscheidet sich die Spezies u. a. durch eine er- 
heblich dünnere Wandung und viel kleinere Ostien und Postiken. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Leptophragmidae nov. fam. 


Trichter-, röhren- oder schalenförmige, dolchscheidenartig zusammengedrückte oder sternférmig — 
gefaltete Hexactinosa mit dünner Wandung. Beide Seiten mit kleinen, zu Längs- und Querreihen geord- 


plane nee io 


— 235 — 


neten oder in Quincunx stehenden Ostien und Postiken von röhrenförmigen Epirhysen und Aporhysen, 
die unter den Oberflächen der Innen- und Außenseite in den Skelettbrücken zwischen den Ostien und 
Postiken blind endigen. 

Die kleinen Hexaktine haben glatte oder bedornte Strahlen und verschmelzen gewöhnlich in 
beliebiger Orientierung zu unregelmäßig gebauten und engmaschigen Gerüsten. Beide Oberflächen mit 
mehr oder weniger stark entwickelten Verdichtungen, die aus Verdickungen der tangentialen Strahlen 
der dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehen. 

Obere Kreide. 


Gattung Leptophragma v. ZITTEL. 


Schwammkörper trichter-, schalen-, röhren- oder ohrförmig, sehr dünnwandig, gestielt oder sitzend. 
Außenseite mit winzigen, zu Längs- und Querreihen geordneten Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, 
die unter der Oberfläche der Innenseite in den Brücken zwischen den Postiken blind endigen. Die ein- 
fachen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien 
und münden an der Oberfläche der Innenseite mit sehr kleinen, in Längs- und Querreihen stehenden 
Postiken. Das Diktyonalgerüst besteht aus mehr oder weniger unregelmäßig orientierten Hexaktinen 
mit glatten oder mit winzigen Dornen besetzten Strahlen. Gegenüber den parenchymalen Teilen sind beide 
Oberflächen durch unregelmäßigere Anordnung und Vermehrung der gastralen und dermalen Hexaktine 


mäßig verdichtet. Die äußeren Radialstrahlen der oberflächlich gelegenen Hexaktine endigen als spitz- 
konische Zapfen. 


Obere Kreide. 


Leptophragma Murchisoni Gozpr. sp. (Tafel XXXII, Fig. 1; Texttafel IX, Fig. 6.) 


1826. Scyphia Murchisoni Gozpruss, Petr. Germ. 8. 219, Taf. LXV, Fig. 8. 
1872. Coscinopora Murchisoni SCHLÜTER, Sp. d. Münsterl. S. 22. 
1877. Leptophragma Murchisoni ZiTTEL, Stud. I, S. 48. 


1883. 3 Hinpe, Catal. S. 102. 
1889. 2 Sn GRIEPENKERL, Königslutter, S. 22. 
1900. 


Er bs WoLLEMANN, Biewende, S. 7. 


Weit- und flachtrichter- oder schalenförmig, blattförmig oder lappig; diinnwandig, sitzend. 

Beide Seiten mit winzigen, in regelmäßigen Längs- und Querreihen liegenden Ostien und Postiken 
von geraden Epirhysen und Aporhysen, die blind unter den Oberflächen der Innen- bezw. Außenseite 
in den Brücken zwischen den Postiken und Ostien endigen. 


Maße: Höhe bis 10 cm; Weite 10—20 cm; Dicke der Wandung ca. 2 mm; Anzahl der Ostien und 
Postiken auf 0,5 qem ca. 50. 

Das Diktyonalgerüst ist sehr engmaschig und besteht aus unregelmäßig orientierten Hexaktinen 
mit glatten oder mit winzigen Dornen besetzten Strahlen, die sich der Länge nach aneinander legen oder 
an die Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine heften. Die nach außen gerichteten Strahlen der 
dermalen und gastralen Hexaktine endigen als kurze konische Zapfen. Im Innern der Wandung ist die 


_Skelettstruktur etwas lockerer wie an den beiden Oberflächen. Auch kommt es hier öfter zur Ausbildung 


— 236 — 


regelmäßig quadratischer Maschen, während an den beiden Oberflächen dreieckige oder unregelmäßige 
Maschen überwiegen. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. s.), Ahlten (z. h.), Bie- 
wende, Münsterland, Glentorf (h.). | 


cf. Leptophragma Murchisoni Gozpr. sp. (Tafel XXXII, Fig. 1, 2.) 


In der Quadratenkreide von Oberg habe ich zuweilen blatt- oder trichterförmige Leptophragmen 
gefunden, die sich von typischen Stücken des Leptophragma Murchisoni nur durch einen noch zierlicheren 
Habitus und kleinere und dichter gestellte Ostien und Postiken unterscheiden. Ich bin im Zweifel, ob 
ich die Vorkommnisse einer kleineren Varietät von Leptophragma Murchisoni zurechnen oder für juvenile 
Stadien dieser Spezies halten soll. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Leptophragma glutinatum QUENSTEDT sp. 


1877. Scyphia glutinaita QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVII, Fig. 9—12. 

1897. Leptophragma glutinata LEONHARD, Kreide in Oberschl., S. 34. 

Diese nur aus dem Scaphitenpläner von Oppeln bekannte Art steht nach LeonuArnD Leptophragma 
Murchisoni sehr nahe. Vollständige Exemplare sind noch nicht gefunden worden. Die Bruchstücke sollen 
auf einen Schwammkörper von der Form des Ventriculites radiatus hindeuten. Das Diktyonalgerüst ist 
‘nach LEONHARD an beiden Oberflächen verschieden (innere Oberfläche mit regelmäßig quadratischen 
Maschen). In den nordwestdeutschen Äquivalenten der Oppelner Kreide habe ich die Art vergeblich 
gesucht. 

Leptophragma membranaceum QUENSTEDT sp. 

1877. Cylindrospongia membranacea (QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVII, Fig. 13. 

1902. Leptophragma membranacea WOLLEMANN, Lüneb., 8. 7. 

Unter dem Namen Cylindrospongia membranacea hat QUENSTEDT eine Hexactinellide abgebildet, 
die zur Gattung Leptophragma gehören könnte. Ob es sich um eine nur bei Lüneburg vorkommende - 
besondere Art oder etwa um ein schlank-trichterförmiges Exemplar von Leptophragma Murchisoni handelt, — 
ist ohne Kenntnis des QuenstEpTschen Originals schwer zu entscheiden. 

WoLLEMANN hält Cylindrospongia membranacea RoEMER (Sp. S. 22. Taf. 8, Fig. 9) und Cylindro- 
spongia membranacea QUENSTEDT für synonym. Die Abbildungen bei RoEMER und QUENSTEDT sprechen 
aber nicht für diese Annahme. f 


Leptophragma pusillum ScHRAMMEN. (Tafel XXXII, Fig.6,7; Taf. XLIII, Fig.1; TexttafelIX, Fig. 2.) 
1902. Leptophragma pusilla SCHRAMMEN, Hexact., S. 22, Taf. III, Fig. 6. 
Bis fingerlange diinnwandige Réhren. 


AuBenseite mit zu Längs- und Querreihen geordneten, winzigen runden Ostien. Innenseite mit in 
seichten Längsfurchen liegenden, sehr kleinen längsovalen Postiken. Die einfachen Epirhysen und Apo- 


— 237 — 


rhysen endigen blind unter den Oberflächen der Innen- bezw. AuBenseite in den Skelettbriicken zwischen 
den Postiken bzw. Ostien. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 3—6 cm; Dicke 1,5—2,5 em; Dicke der Wandung 1,5—2 mm; 
Anzahl der Ostien und Postiken auf 0,5 qem ca. 50. 

Das Diktyonalgeriist ist etwas weitmaschiger wie bei den andern Arten und besteht im Inneren 
der Wandung und an beiden Oberflächen aus wenig regelmäBig orientierten Hexaktinen mit glatten 
oder mit winzigen Dornen besetzten Strahlen. Zahlreiche Strahlen der oberflachlichen Hexaktine ver- 
schmelzen nicht mit den Strahlen oder Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine sondern endigen frei 
als lange spitzkonische Zapfen. 

Leptophragma pusillum unterscheidet sich von Leptophragma Murchisoni und Leptophragma micro- . 
pora u. a. durch röhrenförmige Körperform und in seichten Längsfurchen liegende Postiken. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 20. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Leptophragma micropora nov. sp. (Tafel XXXII, Fig. 4,5; Tafel XLIII, Fig. 2; Texttafel IX, Fig. 1.) 


Flach-trichterförmig, mit eingebuchteter und in ohrförmige Lappen geteilter Wandung; sehr 
dünnwandig, gestielt. Die lappigen Ohren sind am ausgeprägtesten bei den Vorkommnissen aus dem 
Untersenon der Umgebung von Braunschweig, bei den späteren Mutationen aber nur durch Einbuchtungen 
der Wandung angedeutet. | 

Außenseite mit sehr winzigen, in undeutlichen Längsreihen liegenden Ostien von röhrenförmigen 
Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innenseite in den Skelettbrücken zwischen den Postiken 
endigen. Die Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den Skelettbrücken zwischen 
den Ostien und münden an der inneren Oberfläche mit winzigen Postiken, die wie die Ostien 
gruppiert sind. 

Maße: Höhe des Schwammkörpers 5—10 cm; Querdurchmesser 10—15 em. (Aus dem Mucronaten- 
senon von Misburg besitze ich ein flachtrichterförmiges Exemplar, welches die in Anbetracht der dünnen 
Wandung erstaunliche Weite von ca. 300 mm aufweist.) Dicke der Wandung ca. 0,8 mm; Anzahl der 
Ostien und Postiken auf 0,5 qem 120—150. 

Das Stützskelett besteht aus Hexaktinen mit glatten oder mit winzigen Dornen besetzten Strahlen, 
die im Innern der Wandung zu einem ziemlich regelmäßig gebauten Gerüste mit vorwiegend longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. An beiden Oberflächen ändert sich die Skelett- 
struktur, indem hier die dermalen und gastralen Hexaktine unregelmäßiger orientiert sind und ihre Strahlen 
mit Vorliebe an die Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine heften. Während demnach in den 
parenchymalen Teilen des Diktyonalgerüstes rechteckige oder quadratische Skelettmaschen vorherrschen, 
sind die Maschen der dermalen und gastralen Partien vorwiegend dreieckig oder unregelmäßig polygonal. 
Die nach außen und nach den Lumina der Ostien und Postiken gerichteten Strahlen der dermalen und 
gastralen Hexaktine endigen als mäßig lange spitzkonische Zapfen. 

Die Spezies unterscheidet sich von Leptophragma Murchisoni u. a. durch viel kleinere, dichter und 


— 238 — 


weniger regelmäBig gruppierte Ostien und Postiken und durch die Neigung der nicht unerheblich dünneren 
Wandung zu lappiger Zerschlitzung. 
Alter und Facies: Tone der Granulatenkreide, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten- 


“ kreide. 


Verbreitung und Vorkommen: Broitzem bei Braunschweig (z. h.), Misburg (s.), 
Oberg (s.), Ahlten (s.). 
Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Pleurostoma ROEM. 


Dolchscheidenförmig, einfach oder zu unregelmäßigen Stöcken verwachsen. Schmalseiten mit 
übereinander liegenden, großen ovalen Wandlücken. Breitseiten mit aus der Mitte nach den Rändern 
oder von einem nach dem anderen Rande strahlenden Ostienreihen. Die nadelstichgroßen Ostien gehören 
zu röhrenförmigen Epirhysen, die unter der Oberfläche der Innenseite blind endigen. Die Aporhysen be- 
ginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden an der inneren Oberfläche mit kleinen runden 
Postiken, die in strahligen Furchen liegen. Die diktyonalen Hexaktine haben glatte oder mit winzigen 
Dornen besetzte Strahlen, und verschmelzen im Innern der Wandung zu einem unregelmäßig gebauten 
Gerüste. Beide Oberflächen mit geflechtartigen Deckschichten, die aus Verdickungen und plattigen 
Ausbreitungen der tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine hervorgehen. Die äußeren 
Radialstrahlen der gastralen Hexaktine können mit keulenförmigen oder stecknadelkopfartigen Ver- 
dickungen endigen. 

Obere Kreide. 


Pleurostoma radiata Rorm. (Tafel XXXIII, Fig. 1—3.) 


1841. Pleurostoma radiatum Roemer, Kr., S. 5, Ei Bo Ade. 
1877. a + ZITTEL, Stud. I, S. 

1883. Pleurostoma radiata Hinpe, Catal., S. Er 

1889. . »  GRIEPENKERL, Königsl., S. 22. 


Zusammengedrückt-zylindrisch mit verschmälerter Basis (dolchscheidenförmig), langgestielt. 
Schmalseiten mit großen, übereinander liegenden, ovalen oder runden Wandlücken. Breitseiten mit aus 
der Mitte nach den Rändern strahlenden Ostienreihen. 42 

Die Ostien sind klein und rundlich (nadelstichartig), und gehören zu einfachen Epirhysen, die unter 
der Oberfläche der Innenseite in zwischen den Postikenreihen liegenden, kantigen Leisten blind endigen. 
Die einfachen oder dichotomen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden 
an der inneren Oberfläche mit runden Postiken, die in tiefen, durch die erwähnten Leisten getrennten 
Radialfurchen liegen. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 5—15 em, Dicke 0,6—0,8 em, Breite am vorderen End 
bis 5 cm; Dicke der Wandung ca. 0,2 em; Längsdurchmesser der ovalen Wandlücken an den Schmalseiten 
0,5 em, Querdurchmesser 0,2—0,3 em; Anzahl der Ostien und Postiken auf 0,5 qem ca. 24. 

Die Dietyonalia sind Hexaktine mit glatten oder mit winzigen Dornen besetzten Strahlen, die im 
Innern der Wandung zu einem unregelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Die äußere Oberfläche ist 


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mit einer geflechtartigen Deckschicht überzogen, die aus den verdickten tangentialen Strahlen der 
dermalen Hexaktine besteht. Die äußeren Radialstrahlen dieser Hexaktine sind auf ganz kurze, kaum 
über die Oberfläche hervorragende Zäpfchen reduziert. Die Oberflächen der Radialfurchen, in denen die 
Postiken liegen, stimmen in der Skelettstruktur mit den parenchymalen Skelettteilen überein. An den 
Seiten und namentlich auf den Rücken der zwischen den Postikalfurchen liegenden Leisten entwickeln 
aber auch die gastralen Hexaktine eine Deckschicht, die den Charakter eines plattigen Geflechtes hat 
und durch Ausbreitungen der tangentialen Strahlen entsteht. Bemerkenswert ist eine eigentümliche 
Umbildung der äußeren Radialstrahlen der auf den Rücken der Leisten liegenden Hexaktine. Diese 
endigen nämlich nicht wie sonst als mehr oder weniger lange konische Zapfen, sondern mit einer kräftigen 
keulenförmigen Verdickung. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Pleurostoma dichotoma Scurammen. (Tafel XXX, Fig. 10.) 
- 1902. Typhlopleura dichotoma SCHRAMMEN, Hexact., S. 24, Taf. I, Fig. 3. 


Der Schwammkörper bildet mehr oder weniger ausgebreitete Stöcke, die aus zahlreichen verzweigten 
und in unregelmäßiger Weise verwachsenen, dolchscheidenartig zusammengedrückten Röhren bestehen. 

Schmalseiten der Scheiden mit übereinander liegenden Wandlücken, die aber auch von dichtem 
Skelettgewebe erfüllt sein können. Breitseiten mit strahlenförmig von einem nach dem anderen Rande 
verlaufenden Ostienreihen. Die nadelstichartigen Ostien sind die Mündungen röhrenförmiger Epirhysen. 
Innenseite wahrscheinlich wie bei Pleurostoma radiata. Ich habe sie nicht freilegen können. 

Skelett wie bei der anderen Art. 

Maße: Länge der Scheiden bis 15 cm, Breite 3—4 cm, Dicke 0,7—1,0 em; Dicke der Wandung 
ca. 2 mm. Anzahl der Ostien auf 0,5 gem ca. 45. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Guettardia MICHELIN. 


Der meist auf einer kräftigen, knolligen und lappigen oder wurzelartig verzweigten Basis ruhende 
Schwammkörper ist durch mehr oder weniger zahlreiche longitudinale Einbuchtungen oder Knickungen 
der dünnen Wandung sternförmig gefaltet. Die leistenförmigen äußeren Faltenrücken sind gewöhnlich 
von großen rundlichen Wandlücken durchbrochen. Die kleinen zu Längs- und Querreihen geordneten 
oder in Quincunx stehenden Ostien und Postiken gehören zu röhrenförmigen Epirhysen bezw. Aporhysen, 
die unter den Oberflächen der Innen- bezw. Außenseite blind endigen. Das Diktyonalgerüst besteht aus 
Hexaktinen mit kleindornigen Strahlen, die im Inneren der Wandung entweder zu undeutlich longitudinalen, 


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radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen oder beliebig orientiert sind. Beide Oberflächen mit 
Deckschichten, die aus Verdickungen der tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine 
hervorgehen. | 

Obere Kreide. 

In der Tiefseefacies der nordwestdeutschen Oberkreide gehéren Guettardien zu den seltenen Vor- 
kommnissen, während sie in Kiisten- und Flachseeablagerungen, z. B. bei Adenstedt-Bülten und am 
Sudmerberg, in mehreren Arten und zahlreichen Individuen auftreten. 

Die Guettardien sind vornehmlich Bewohner geringer Tiefen gewesen. Daraus erklart sich z. T. 
die eigenartige Form des Schwammkörpers, welche eine größere Widerstandsfähigkeit garantierte wie 
dünnwandige Becherformen, aus denen die manchmal so kompliziert gefalteten Guettardia-Arten 
zweifellos entstanden sind. 

Die großen rundlichen Wandlücken auf den Faltenrücken der Guettardien und Marshallien, den 
Schmalseiten der Pleurostomen, Pleuropen etc. resultieren aus der starken Radialfaltung (Guettardia, 
Marshallia) oder scheidenförmigen Zusammenpressung (Pleurostoma, Pleurope etc.) der Wandung und 
haben wohl die Funktion, die Verengerung der Zentralhöhle zu kompensieren, indem sie sie bei der 
Wasserabgabe entlasten. 

Guettardia trilobata Rormer sp. 


1864. Pleurostoma trilobata RoEMER, Sp., S. 14, Taf. V, Fig. 8. 
1877. Guettardia trilobata v. ZITTEL, Stud. I, S. 48. 


Die ziemlich diinne Wandung des auf breiter lappiger Basis ruhenden, am vorderen Ende konischen 
Schwammkörpers ist durch starke, bis in das Zentrum reichende longitudinale Knickungen sternförmig 
gefaltet und bildet gewöhnlich drei (oder auch mehr) radiale Fortsätze. Diese sind nicht, wie bei den 
anderen Arten, nach oben flügelartig verbreitert, sondern bilden kantige Rippen, die am Scheitel von 
mehr oder weniger weit hinunter reichenden langen schmalen Spalten (die den rundlichen Wandlücken 
der anderen Arten homolog sind) halbiert werden. 

Beide Oberflächen mit zu Längs- und Querreihen geordneten, winzigen Ostien und Postiken von 
radiären, blind endigenden Epirhysen und Aporhysen. 

Unter den zahlreichen Stücken, die ich bei Adenstedt-Bülten gesammelt habe, war leider keines, 
dessen Skeletterhaltung zu eingehenderen Untersuchungen der Struktur ermuntern konnte. 

Maße: Länge 5—10 cm; Dicke der Rippen 0,5—1 cm; Dicke der Wandung 2—3 mm; Anzahl der 
Ostien und Postiken auf 0,5 qem ca. 64. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Adenstedt-Bülten. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Guettardia Stümpeli Scurammen (Tafel XXX, Fig. 9; Texttafel IX, Fig. 3.) 
1902. Guettardia Stümpeli ScHRAMMEN, Hexact., S. 22, Taf. IV, Fig. 3. ; 


Der Schwammkörper ist durch mehr oder weniger tiefe, aber nicht bis in das Zentrum reichende _ 
longitudinale Einbuchtungen der ziemlich dicken Wandung sternförmig gefaltet, kann aber auch trichter- 


— 2414 — 


oder zusammengedrückt-röhrenförmig sein. Die Faltenrücken bezw. Schmalseiten werden von großen, 
häufig von wulstigen Wallen umgebenen, rundlichen oder längsovalen Offnungen durchbrochen, die 
übrigens bei den weittrichterförmigen Exemplaren auch fehlen können. 

Oberfläche der Außenseite mit zu Längs- und Querreihen geordneten (aber in der Nähe der rund- 
lichen Wandlücken auf den Faltenkanten in Quincunx stehenden oder unregelmäßig gruppierten), ca. 
0,5 mm weiten Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die unter der Oberfläche der Innenseite blind 
endigen. Die Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden an der inneren 
Oberfläche mit in Längs- und Querreihen stehenden Postiken. 

Maße: Höhe des Schwammkörpers bis 10 cm; Dicke der Faltenrücken bis 1 cm; Breite der Falten 
bis 5 cm; Dicke der Wandung 2—3 mm; Anzahl der Ostien und Postiken auf 0,5 qem ca. 25. Längs- 
durchmesser der rundlichen Wanddurchbrüche 3—5 mm und mehr. 

Das Diktyonalgerüst ist engmaschig und besteht aus Hexaktinen mit bedornten Strahlen, die sich 
stellenweise der Länge nach aneinander legen und dann zu einem regelmäßigen Balkenwerke mit kubischen 
Maschen verschmelzen, aber gewöhnlich in beliebiger Orientierung miteinander oder mit den Kreuzungs- 
knoten benachbarter Hexaktine verbunden sind. Die gastralen und dermalen Skelettpartien sind gegenüber 
den parenchymalen nur wenig verfestigt. In den Skelettmaschen kommen nicht selten kleine Oxyhexaktine 
vor, die mit einem Strahl an die dicken Gerüstbalken festgeheftet sind. 

Von Guettardia striata unterscheidet sich Guettardia Stümpeli u. a. recht bestimmt dadurch, daß 
die Wandung nur mehr oder weniger stark eingebuchtet aber nicht scharfwinklig geknickt ist. Die Falten 
stoßen nicht im Zentrum zusammen und es bleibt ein mehr oder weniger weites Paragaster, während 
bei Guettardia striata das Paragaster auf ganz schmale Spalten zwischen den dicht aneinander liegenden 
Faltenkomponenten reduziert ist. Guettardia Stümpeli hat ferner dickere Wandungen und auch größere 
und weiter auseinander liegende Ostien und Postiken. 

Möglicherweise kommt die Spezies auch schon in den untersenonen Sandmergeln von Adenstedt- 
Bülten vor. Ich besitze von dort einige Guettardien, deren Körperform und Wanddicke zu G. Stümpeli 
paßt. Skelett und Kanalsystem sind aber gar nicht oder nur sehr schlecht erhalten. Darum ist die sichere 
Bestimmung nicht gut möglich. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ea. 10. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Guettardia striata nov. sp. (Tafel XXX, Fig. 6, 7, 8; Texttafel IX, Fig. 5.) 


Der kurzgestielte, durch scharfwinklige, longitudinale Knickungen der sehr dünnen Wandung 
sternförmig gefaltete Schwammkörper zerfällt in drei bis vier (selten mehr) im Zentrum zusammenstoßende, 
plattige Radiallappen oder Flügel, deren gerundete Kanten bezw. Schmalseiten von übereinander liegenden, 
ziemlich großen rundlichen Öffnungen durchbrochen werden. 

Breitseiten plan, mit winzigen (nadelstichartigen), dicht nebeneinander liegenden Ostien, die zu 
regelmäßigen, nach den Kanten strahlenden Querreihen und in der Richtung der Längsachse des 
Schwammkörpers verlaufenden Längsreihen geordnet sind und zu röhrenförmigen Epirhysen gehören, 

Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 31 


— 242 — 


welche unter der Oberfläche der Innenseite blind endigen. (An der Basis und in der Nähe der Flügelkanten 
liegen die Ostien unregelmäßiger.) Die röhrenförmigen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der 
AuBenseite in den Skelettbriicken zwischen den Ostien und münden an der inneren Oberfläche mit zu 
Längs- und Querreihen geordneten Postiken. 

Maße: Höhe des Schwammkörpers 5—8 cm; Breite der Flügel bis 5 em; Dicke der Flügel 3—5 mm, 
der Wandung 1—1,5 mm; Anzahl der Ostien und Postiken auf 0,5 qem über 200. Weite der rundlichen 
Wanddurchbrüche auf den Faltenrücken ca. 2 mm. 

Die Hexaktine haben dornige Strahlen und verschmelzen im Inneren der Wandung zu einem 
lockeren Gerüste mit unregelmäßigen oder longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. In 
den Maschen des Gerüstes kommen nicht selten Oxyhexaktine von verschiedener Orientierung und Größe 
vor, die mit einem oder mehreren Strahlen an die dicken Geriistbalken festgeheftet sind. Beide Ober- 
flächen sind mit im Vergleich zu den parenchymalen Skelettpartien sehr engmaschigen Deckschichten 
überzogen, die aus beliebig orientierten Hexaktinen mit verbreiterten oder verdickten Tangentialstrahlen 
bestehen. Die nach außen gerichteten Strahlen der dermalen Hexaktine endigen als ziemlich lange spitz- 
konische Zapfen. 

‘Die Vorkommnisse aus der Mucronatenkreide unterscheiden sich von den geologisch älteren durch 
etwas dickere Wandungen und größere Ostien und Postiken. 

Alter und Facies: Tone der Granulatenkreide, Kalkmergel der Quadraten- und Mucronaten- 
kreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Gleidingen (s. s.), Misburg (s. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Guettardia bis-alata nov. sp. 


1864. Pleurostoma stellata Rozmer, Sp., S. 14, Taf. V, Fig. 7. 

Die dünne Wandung des kleinen und zierlichen Schwammkörpers ist in höchst charakteristischer 
Weise zu zwei dolchscheidenartig zusammengedrückten, nur an der oberhalb der Basis liegenden Vereini- 
gungsstelle kommunizierenden Röhren gefaltet, die von der knolligen oder lappigen Basis als zwei blatt- 
förmige, mesial flachgewölbte, distal konkave Flügel entspringen. 

Schmalseiten der Flügel mit übereinander liegenden, ziemlich großen runden Wandlücken. Breit- 
seiten mit in Quincunx stehenden winzigen Ostien. 

Kanalsystem und Skelett wie bei den anderen Arten. 

Maße: Länge der Flügel 3—4 em, Breite bis 2,5 cm, Dicke ca. 0,5 cm; Dicke der Wandung 
ca. 2 mm; Weite der runden Wandlücken auf dem Schmalseiten ca. 2 mm; Anzahl der Ostien auf 0,5 qem 
ca. 64. 

Roemer identifiziert die Art mit Guettardia stellata MicHeLIN. Hınpe hat aber nachgewiesen 
(Katal. S. 104), daß MicueLin unter dem Namen Guettardia stellata verschiedene Arten abgebildet hat 
und aus guten Gründen den Vorschlag gemacht, nur die bei MıcHeLin Taf. 30, Fig. 3, 4, 6, 8 und 9 
abgebildeten Formen zu Guettardia stellata zu rechnen. Mit diesen Formen stimmt aber Guettardia bis-alata 
nicht überein. 


— 243 — 


Die typische Guettardia stellata scheint überhaupt in der nordwestdeutschen Kreide nicht vor- 
zukommen. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Sudmerberg (z. h.). 

Amzahl'der untersuchten Stücke: 5. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Guettardia bis-alata mut. post. 


Vom Typus namentlich verschieden durch den viel größeren und dickwandigeren Schwammkörper. 

Maße: Höhe 8—10 cm; Breite der Flügel bis 7 cm und mehr, Dicke ca. 1 cm; Dicke der Wandung 
ca. 4 mm; Weite der rundlichen Wandlücken ca. 2 mm. 

Skelett und Kanalsystem sind an den von mir gesammelten Exemplaren nicht erhalten. 

Alter und Facies: Untersenone Sandmergel. 

Verbreitung und Vorkommen: Adenstedt-Bülten (h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Andreaea SCHRAMMEN. 


Schwammkörper trichter-, spitzglas- oder schalenförmig, mit ziemlich dünne Wandung. Außen- 
seite mit kleinen, dicht nebeneinander liegenden Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die unter der 
Oberfläche der Innenseite in den Skelettbrücken zwischen den Postiken blind endigen. Innenseite mit 
kleinen in Quincunx stehenden Postiken von einfachen Aporhysen, welche gewöhnlich die Wandung voll- 
ständig durchdringen. Die Dictyonalia sind glattarmige Hexaktine, die beliebig orientiert sind oder zu 
undeutlich longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Beide Seiten mit ver- 
festigten Oberflächenschichten, die aus den verbreiterten oder verdickten Tangentialstrahlen der dermalen 
und gastralen Hexaktine hervorgehen. 

Obere Kreide. 


Andreaea hexagonalis Scurammen. (Tafel XXVI, Fig. 2, 3, 4; Texttafel XI, Fig. 7.) 

1902. Andreaea hexagonalis SCHRAMMEN, Hexact., S. 25, Taf. I, Fig. 4. 

Schwammkörper trichter-, spitzglas- oder schalenförmig, mit ziemlich dünner Wandung, gestielt. 

Außenseite mit kleinen rundlichen, gleichmäßig über die Oberfläche verteilten, etwa um ihren Durch- 
messer oder noch weniger weit voneinander entfernt liegenden Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, 
die unter der Oberfläche der Innenseite in den Skelettbrücken zwischen den Postiken blind endigen. 
Innenseite mit kleinen kreisrunden, in Quincunx stehenden, durch Skelettbrücken von der doppelten 
Breite ihrer Durchmesser getrennten Postiken von röhrenförmigen Aporhysen, die gewöhnlich die ganze 
Wandung vollständig durchdringen. | 

Das Diktyonalgerüst besteht aus glattarmigen Hexaktinen, die an den unter der äußeren Ober- 
fläche (zwischen den Epirhysen) gelegenen Skelettpartien unregelmäßig angeordnet sind, aber in der 


NN “ns 


Texttafel XI. 

Skelettbestandteile der Familien Cinelidellidae SCHRAMMEN, Ptychodesidae SCHRAMMEN, Bolitesidae SCHRAMMEN, Euplectellidae 
IJimA, Aphrocallistidae F. E. Scnuze, Leptophragmidae SCHRAMMEN, Tretocalycidae F. E. ScuuLzE, Craticularidae RAUFF, 
Euretidae F. E. SCHULZE. 

(In 45 facher Vergrößerung.) 


A. Schrammen del. 


— 245 — 


Erklärung zu Texttafel XI. 


Familie Cinclidellidae. 


Fig. 1. Cinclidella solitaria ScHRAMMEN aus dem Cuvieri-Pläner von Gr. Heere. Lychniske. 


Familie Ptychodesidae. 
Fig. 2. Ptychodesia papillata ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonale Hexaktine. 


Familie Bolitesidae. 


Fig. 3. Bolitesia mirabilis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Euplectellidae. 


Fig. A. Regadrella Petri Jacobi aus der Quadratenkreide von Oberg. Principalia und Comitalia. 


Familie Aphrocallistidae. 


Fig. 5. Aphrocallistes alveolites RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Tangentialschliff. 
Fig. 6. Aphrocallistes cylindrodactylus ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Oberfläche 


der Außenseite von unten gesehen. 
Familie Leptophragmidae. 


Fig. 7. Andreaea hexagonalis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Gerüst. 


Familie Tretocalycidae. 


Fig. 8. Hexactinella angustata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalgerüst. 


Familie Craticularidae. 


Fig. 9. Craticularia virgatula SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalgerüst. 


Familie Euretidae. 


Fig. 10. Farrea Halli ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Gerüst. 


Familie ? 


j Fig. 11. Choristonema nuda SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Hexaktine. 


Nahe der Oberfläche der Innenseite (zwischen den Aporhysen) zu undeutlich longitudinalen, radialen 

und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Die äußere Oberfläche unterscheidet sich von den paren- 

chymalen Skelettteilen durch Verdickung der tangentialen Strahlen der dermalen Hexaktine und Reduktion 

der nach außen gerichteten Strahlen auf kurze konische Zapfen. Auch die Oberfläche der Innenseite ist 

_ mit einer plattigen Deckschicht überzogen, die aus den verdickten oder verbreiterten tangentialen 
Strahlen der gastralen Hexaktine hervorgeht. 


— 246 — 


Maße: Höhe und Weite des Schwammkörpers bis 10cm und mehr; Dicke der Wandung ca. 3,5 mm; 
Anzahl der Ostien auf 0,5 qem ca. 20, der Postiken 7—8. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.), Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 4. ; 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Familie Callibrochidae nov. fam. 


Trichter- oder spitzglasförmige Hexactinosa mit dünner oder dicker Wandung. Ohne besondere 
Epirhysen, Aporhysen und Postiken; gewöhnlich auch ohne besondere Ostien. Das Diktyonalgerüst 
ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus großen Hexaktinen, die zu longitudinalen, radialen und zirku- 
lären Balkenzügen verschmelzen und weite kubische Maschen umschließen. In den Maschen liegen häufig 
Oxyhexaktine von verschiedener Größe, deren Strahlen frei endigen oder untereinander und mit den 
Dietyonalia verbunden sind. Äußere Oberfläche mit aus Verbreiterungen oder Verdiekungen der 
Tangentialstrahlen der dermalen Hexaktine hervorgehenden engmaschigen Deckschichten. Innenseite 
gewöhnlich ohne Deckschichten. 

Obere Kreide. 


Gattung Callibrochis nov. nom. 


Schwammkörper trichter- oder becherförmig, mit dicker Wandung und kurzem Stiel. Als Ostien 
fungieren winzige Lücken in der an der äußeren Oberfläche entwickelten Deckschicht, als Postiken die zu 
regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten, weiten Skelettmaschen an der inneren Oberfläche. Be- 
sondere Epirhysen und Aporhysen sind nicht entwickelt. Als Dictyonalia große Hexaktine mit glatten … 
Armen, die zu einem weitmaschigen und sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen 
und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Außenseite mit einer engmaschigen Deckschicht, die aus den 
plattig verbreiterten tangentialen Strahlen der dermalen Hexaktine hervorgeht. Innenseite ohne Deck- 
schicht, aber mit einem aus kleinen, beliebig orientierten Hexaktinen bestehenden Geflecht, welches die 
quadratischen Maschen der innersten Skelettlage umspinnt und verengert. In den weiten Maschen des 
Diktyonalgerüstes liegen zahlreiche Oxyhexaktine von verschiedener Größe, deren Strahlen z. T. frei 
endigen, z. T. an die Strahlen oder Kreuzungsknoten benachbarter Oxyhexaktine oder an die dicken 
Balken des Diktyonalgerüstes geheftet sind. 

Obere Kreide. = 
Callibrochis senonensis ScHRAMMEN. (Tafel XXVII, Fig. 1; Tafel XXXXI, Fig. 6; Texttafel X, 

Fig. 2, 3.) 
1902. Eubrochis senonica SCHRAMMEN, Hexact., S. 20, Taf. I, Fig. 1; Textfigur 3, A. 
Becher- oder trichterförmig, mit dicker Wandung und kurzem Stiel. 


1) Der früher (Neue Hexact., S. 19) von mir gebrauchte Gattungsname Eubrochis ist bereits vergeben. 


— 247 — 


Als Ostien fungieren winzige Lücken in der an der äuBeren Oberfläche entwickelten Deckschicht. 
Die weitere Durchspülung erfolgte ohne Vermittelung besonderer Epirhysen, Aporhysen und Postiken 
durch die an der inneren Oberfläche zu regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten weiten Skelett- 
maschen. 

Die großen Diktyonalhexaktine haben glatte Strahlen und verschmelzen zu einem sehr regelmäßig 
gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen, welche weite, regelmäßig 
kubische Maschen umschlieBen. Namentlich die von den zirkulären und radialen Balkenzügen umschlos- 
senen Maschen sind mit beliebig orientierten Oxyhexaktinen von verschiedener Größe erfüllt, deren 
Strahlen (in der Mehrzahl) frei endigen oder an die Strahlen oder Kreuzungsknoten benachbarter Hexaktine 
und an die dicken Balken der Diktyonalhexaktine geheftet sind. Die äußere Oberfläche ist mit einer 
von winzigen, unregelmäßig rundlichen Öffnungen von verschiedener Größe (den Ostien) durchbrochenen 
Deckschicht überzogen, die aus den plattig verbreiterten tangentialen Strahlen der dermalen Hexaktine 
hervorgeht. Die äußeren Radialstrahlen erheben sich über die Oberfläche als konische Zapfen. Die 
Oberfläche der Innenseite ist frei von Deckschicht. Die großen quadratischen (als Postiken fungierenden) 
Maschen der innersten Gerüstlage sind aber durch ein unregelmäßiges Geflecht verengert, das aus kleinen 
beliebig orientierten Hexaktinen besteht. 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 10 em und mehr; Dicke am vorderen Ende bis 10 cm; 
Dicke der Wandung 0,5 cm; Weite der Skelettmaschen 0,5 mm; Anzahl der Maschen an der Oberfläche 
der Innenseite auf 0,5 qem ca. 36. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke:. 3. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


— 


Gattung Wollemannia nov. gen. 


Dünnwandige Trichter mit ziemlich langem, röhrenförmigem Stiel. Besondere Ostien, Epirhysen, 
Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die großen Diktyonalhexaktine haben dornige Strahlen 
und verschmelzen zu einem weitmaschigen und sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenzügen. Beide Oberflächen mit gespinstartigen Deckschichten, die aus den 
plattig verbreiterten und unter beliebigen Winkeln, aber in derselben Ebene verbundenen Tangential- 
strahlen winziger Hexaktine (Pentaktine, Stauraktine) zusammengesetzt sind. 

Obere Kreide. 


Wollemannia araneosa nov.sp. (Tafel XXVII, Fig. 2; Tafel XXXXI, Fig.5; Texttafel X, Fig. 4,5, 6.) 


Der ziemlich große trichterförmige Schwammkörper ist sehr dünnwandig und hat einen röhren- 
förmigen Stiel. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Als Dietyonalia große Hexaktine, die im Innern der Wandung zu einem sehr regelmäßig gebauten 
Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen und weiten rechteckigen Maschen ver- 


—. 248 — 


schmelzen. Beide Oberflächen sind mit plattigen und gespinstartigen Deckschichten überzogen, die aus 
im Vergleich zu den Diktyonalhexaktinen sehr kleinen Hexaktinen bestehen, deren verbreiterte 
tangentialen Strahlen in einer Ebene, aber unter beliebigen Winkeln miteinander verkittet sind, während 
die inneren Radialstrahlen z. T. die Verbindung mit dem Diktyonalgerüst vermitteln, z. T. wie die äußeren 
Radialstrahlen auf winzige Zäpfchen reduziert sind. 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 10 em; größte Weite bis 8 em; Dicke der Wandung ca. 
5 mm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Habrosium nov. sp. 


Schwammkörper unregelmäßig trichterförmig, sitzend, mit sehr dünner, unregelmäßig eingebuch- 
teter und zu ohrförmigen Fortsätzen gefalteter Wandung. Ohne besondere Ostien, Epirhysen, A porhysen 
und Postiken. Das Diktyonalgerüst ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus Hexaktinen mit bedornten - 
Strahlen, die zu longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Die äußere Oberfläche 
ist mit einer aus den verdickten tangentialen Strahlen der dermalen Hexaktine hervorgehenden Deck- 
schicht überzogen. Innenseite ohne Deckschicht. 

Obere Kreide. 


Habrosium convolutum nov. sp. (Texttafel XII, Fig. 12, 13.) 


Der nur wenige Zentimeter große Schwammkörper ist unregelmäßig trichterförmig und 
hat eine sehr dünne (0,5 mm) Wandung, die stark eingebuchtet und zu ohrförmigen Fortsätzen 
gefaltet ist. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Die diktyonalen Hexaktine haben mit kleinen Dornen besetzte, im Verhältnis zur Länge ziemlich 
dünne Strahlen und verschmelzen zu einem nur aus wenigen Schichten bestehenden, aber sehr regelmäßig. 
gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. In den Maschen kommen 
nicht selten beliebig orientierte Oxyhexaktine vor, die z. T. mit den Dietyonalia und untereinander ver- 
schmolzen sind. Die äußere Oberfläche ist mit einer äußerst zierlichen Deckschicht überzogen, die de 
Charakter eines plattigen Geflechtes mit quadratischen, dreieckigen oder unregelmäßig polygonalen 
Maschen hat und aus den verdickten Tangentialstrahlen der dermalen Hexaktine hervorgeht. Die 
äußeren Radialstrahlen der dermalen Hexaktine erheben sich über die Oberfläche der Deckschicht als 
ziemlich lange spitzkonische Zapfen. Innenseite ohne Oberflächenverdichtung. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Sa ee 


Gattung Oxyrhizium nov. gen. 


Schwammkörper spitzglasförmig mit dünner Wandung, langgestielt. 

Außenseite mit kleinen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht ent- 
wickelt. Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit bedornten Strahlen, die im Innern der 
Wandung und an der inneren Oberfläche beliebig orientiert sind oder zu longitudinalen, radialen und zirku- 
lären Balkenzügen verschmelzen. Die Außenseite ist mit einer geflechtartigen Deckschicht überzogen. 

Obere Kreide. 


Oxyrhizium eximium nov. sp. (Tafel XXIX, Fig. 11, 12; Tafel XXX XI, Fig. 4; Texttafel IX, Fig. 16.) 


Spitzglasförmig mit dünner Wandung, langgestielt. 

Außenseite mit kleinen, dicht nebeneinander liegenden Ostien, die zu Längs- und Querreihen 
geordnet oder unregelmäßig über die Oberfläche zerstreut sind. Besondere Epirhysen, Aporhysen und 
Postiken fehlen. 

Die Dietyonalia sind große Hexaktine mit bedornten Strahlen, die im Innern der Wandung und 
an der Oberfläche der Innenseite zu longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmolzen 
oder beliebig orientiert und verbunden sind. An der äußeren Oberfläche nimmt das Diktyonalgerüst 
den Charakter eines nach der Wurzel hin immer engmaschiger und dichter werdenden, unregelmäßig 
gebauten Geflechtes an. 

Maße: Länge des Schwammkörpers über 5 cm; Dicke am vorderen Ende über 2 cm; Dicke der 
Wandung ca. 1,5 mm. Anzahl der Ostien auf 0,5 gem 25—30. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Pleurothyrisidae nov. fam. 


Kleine, röhren-, spitzglas- oder blattförmige Hexactinosa, deren sehr dünne Wandung dolch- 
scheidenartig zusammengedrückt oder spiralig gefaltet ist. Schmalseiten bezw. Faltenrücken mit größeren 
rundlichen Wandlücken; zuweilen auch mit übereinanderliegenden dütenförmigen Fortsätzen. Besondere 
Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die Hexaktine haben glatte oder 
dornige Strahlen und verschmelzen im Inneren der Wandung zu einem mehr oder weniger regelmäßig 
gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen, während sie an den Ober- 
flächen unregelmäßige Geflechte bilden. 

Obere Kreide. 


Gattung Pleurothyris nov. gen. 


Schwammkörper blattförmig mit dolchscheidenartig zusammengedrückter, oder spitzglasförmig 
mit spiralig gefalteter Wandung, klein und sehr, dünnwandig, kurzgestielt. Schmalseiten bezw. Falten- 
Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 32 


— 250 — 


rücken mit groBen rundlichen Wandlücken, die auch auf den Scheiteln kurzer réhrenférmiger Fortsätze 
liegen können. Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die 
diktyonalen Hexaktine verschmelzen im Innern der Wandung zu vorwiegend longitudinalen, radialen 
und zirkulären Balkenzügen, an den Oberflächen zu unregelmäßigen Geflechten. 

Obere Kreide. 


Pleurothyris tortuosa nov. sp. (Tafel XXXIII, Fig. 10.) 


Die sehr dünne Wandung des nur wenige Zentimeter langen, spitzglasförmigen und kurzgestielten 
Schwammkörpers zerfällt durch Diagonalfaltung (wie Marshallia tortuosa Rom. sp.) in mehrere dünne 
Lappen oder Flügel, deren spiralig verlaufende Rücken von ziemlich großen, übereinander liegenden, 
rundlichen oder spaltförmigen Wandlücken durchbrochen werden. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Die diktyonalen Hexaktine haben glatte oder mit Dornen besetzte Strahlen und verschmelzen zu 
einem ziemlich engmaschigen Gerüste, in dem longitudinale, radiale und zirkuläre Balkenzüge über- 
wiegen. An den beiden Oberflächen wird die Orientierung der Hexaktine unregelmäßiger und die 
tangentialen Strahlen verschmelzen zu geflechtartigen Deckschichten. Die Radialstrahlen endigen als kurze 
konische Zapfen. | 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 5 cm; Dicke der Wandung ca. 0,5 mm; Dicke der Spiral- 
falten ca. 2 mm; Weite der rundlichen Wandlücken 1—3 mm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Pleurothyris folium nov. sp. (Tafel XXXIII, Fig. 11; Texttafel X, Fig. 7.) 


Die sehr dünne Wandung des kaum kleinfingerlangen, blattförmigen und kurzgestielten Schwamm- 
körpers ist (wie bei Pleurostoma, Pleurope u. a.) dolchscheidenartig zusammengedrückt. Schmalseiten 
mit ziemlich großen rundlichen Wandlücken, die auch auf den Scheiteln kurzer röhrenförmiger Fortsätze 
liegen können. ’ 

"Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus glattarmigen, seltener bedornten Hexaktinen, die im Innern der 
Wandung zu longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen, während sie an den beiden 
Oberflächen unregelmäßige Geflechte bilden. - 

Maße: Länge des Schwammkörpers 4—5 em, Breite (am vorderen Ende) 1—1,5 em, Dicke 
ca. 2 mm; Weite der Wandlücken an den Schmalseiten ca. 2 mm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


— 251 — 


Gattung Pleurochorium nov. gen. 


Der dünnwandige Schwammkörper besteht aus einer seitlich stark zusammengedriickten Röhre, 
von der in regelmäßigen Abständen schräg nach oben und außen gerichtete dütenförmige Flügel aus- 
strahlen. Dicht unter den Flügelansätzen werden die Schmalseiten des röhrenförmigen Teils von großen 
runden Wandlücken durchbrochen. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit dornigen Strahlen, die an dem röhrenförmigen 
Teile ein engmaschiges und unregelmäßig gebautes Gerüst bilden, in den Flügeln aber zu longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Die innere Oberfläche der flügelartigen Fortsätze 
ist mit einem weitmaschigen Deckgespinste überzogen, das aus verschmolzenen Hexaktinen mit im Ver- 
hältnis zur Länge sehr dünnen Strahlen zusammengesetzt wird. | 

Obere Kreide. 


Pleurochorium F. E. Schulzei nov. sp. (Tafel XXVII, Fig. 3, 4, 5; Tafel XXXXI, Fig. 1, 2; 
Texttafel X, Fig. 8.) 


Diese merkwürdige Art verkörpert einen der differenziertesten und zugleich zierlichsten Typen 
der so überaus formenreichen und schönen Hexactinelliden. 

Der Schwammkörper besteht aus einer dünnen und dünnwandigen, seitlich ziemlich stark zusammen- 
gedrückten kurzgestielten Röhre, von der in kurzen regelmäßigen Abständen breite, aber papierdünne, 
düten- oder weittrichterförmige Flügel ausstrahlen, die übrigens nur mit äußerster Vorsicht unbeschädigt 
in situ zu erhalten sind. Von der Seite gesehen gleichen die übereinander liegenden Flügel ineinander 
steckenden Düten, deren spitze Enden nach der Basis des Schwammes zeigen. Dicht unter jedem Flügel- 
ansatz wird der röhrenförmige Teil des Schwammkörpers an den beiden Schmalseiten von großen rund- 
lichen oder U-förmigen Wandlücken durchbrochen, die den Wandlücken auf den Schmalseiten der 
Pleuropen, Pleurostomen etc. homolog sind. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Das Skelett ist sehr dicht und engmaschig und besteht an der Röhre aus unregelmäßig orientierten 
Diktyonalhexaktinen mit dornigen Strahlen. In den Flügeln verschmelzen die Hexaktine zu vorwiegend 
longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. Über die innere Oberfläche der Flügel legt sich 
ein lockeres Deckgespinst, das aus beliebig orientierten Hexaktinen mit im Verhältnis zur Länge auffällig 
dünnen dornigen Strahlen zusammengesetzt ist. 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 5 em; Dicke der Röhre 2—4 mm, Breite 6—8 mm; Dicke 
der Röhrenwandung ca. 0,3 mm, der Flügel 0,2—0,3 mm; Weite der Flügel ca. 2,5 em; Abstand der 
Flügel voneinander ca. 4 mm. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 7. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


— 252 — 


Familie Ptychodesidae nov. fam. 


Plattige Hexactinosa mit diinner Wandung, welche durch Longitudinalfaltung an der AuBenseite 
röhrenförmige, alleinstehende oder zu Gruppen vereinigte Vorstülpungen oder kantige Leisten bildet, 
die am Scheitel von größeren runden Öffnungen durchbrochen werden. Beide Seiten mit kleinen, zu 
mehr oder weniger regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten Ostien und Postiken von röhren- 
förmigen Epirhysen und Aporhysen, welche die Wandung alternierend durchsetzen und unter den Ober- 
flächen der Innen- bezw. Außenseite blind endigen. Die Hexaktine haben mit Dornen besetzte Strahlen 
und verschmelzen im Innern der Wandung und an beiden Oberflächen zu einem unregelmäßig gebauten 
Gerüste. Die nach außen gerichteten Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als lange, 
mit kleinen Dornen besetzte Stacheln. 

Obere Kreide und lebend. 


Gattung Ptychodesia nov. gen. 


Der Schwammkörper ist plattig und bildet durch Longitudinalfaltung der dünnen Wandung an 
der Außenseite röhrenförmige, alleinstehende oder zu Gruppen vereinigte Vorstülpungen oder kantige 
Leisten, die am Scheitel von größeren rundlichen Öffnungen durchbrochen werden. Beide Seiten mit 
kleinen, zu mehr oder weniger regelmäßigen Längs- und Querreihen geordneten, röhrenförmigen Epirhysen 
und Aporhysen, welche die Wandung alternierend durchsetzen, und unter den Oberflächen der Innen- 
bzw. Außenseite blind endigen. Die Hexaktine haben mit Dornen besetzte Strahlen und verschmelzen 
im Innern der Wandung und an beiden Oberflächen zu einem unregelmäßig gebauten Gerüste. Die 
nach außen gerichteten Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als lange, mit kleinen 
Dornen besetzte Stacheln. 

Obere Kreide und Jetztzeit. 


Ptychodesia papillata nov. sp. (Tafel XXX, Fig. 4; Tafel XXXXIII, Fig.5; Texttafel 11, Fig. 2.) 


Von diesem neuen Typus habe ich zwar kein vollständiges Exemplar, aber mehrere ziemlich große 
und ausgezeichnet erhaltene Bruchstücke aufgefunden, die auf einen plattigen Schwammkörper schließen 
lassen. Die dünne Wandung ist in eigentümlicher und höchst charakteristischer Weise gefaltet, indem sie 
zahlreiche Ausstülpungen bildet, die an der einen Seite, die ich für die Außenseite halte, als röhrenförmige, 
am Scheitel von einer rundlichen Öffnung durchbrochene, alleinstehende oder zu Gruppen vereinigte 
Papillen erscheinen. Unverkennbar ist eine reihenweise Anordnung der Papillen in longitudinaler Rich- 
tung. An der Innenseite liegen in einfachen oder vergabelten, durch breite Longitudinalbänder getrennten 
Reihen große ovale oder spaltförmigeÖffnungen,-welche die Mündungen der Papillen-Cavitäten darstellen. 

Beide Oberflächen, ausgenommen die Scheitel der Papillen, mit zu mehr oder weniger regelmäßigen 
Längs- und Querreihen geordneten, nadelstichartigen Ostien und Postiken von röhrenförmigen Epirhysen 
und Aporhysen, die alternierend die Wandung durchsetzen und unter den Oberflächen der Innen- bzw. 
Außenseite blind endigen. 

Die diktyonalen Hexaktine haben mit Dornen besetzte Strahlen und verschmelzen im Innern 
der Wandung und an beiden Oberflächen zu einem unregelmäßig gebauten Gerüste mit engen Maschen. 


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— 253 — 


Zahlreiche Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen frei als lange schlanke, mit 
kleinen Dornen besetzte Stacheln. 

Maße: Lange und Breite des größten Fragments 5,5 em x 3,5 em; Dicke der Wandung ca. 1 mm; 
Hohe der Papillen 2—5 mm; Dicke der Papillen ca. 3 mm; Weite der runden Offnung im Scheitel der 
Papillen bis 1 mm; Linge der Wandliicken an der Innenseite 3—8 mm, Breite ca. 1,5 mm. Anzahl der 
Ostien und Postiken auf 0,5 gem ca. 64. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


ef. Ptychodesia papillata Scurammen. 


Ein nur wenig über 2 qem großes, aber gut erhaltenes Hexaktinellidenfragment aus der Quadraten- 
kreide von Oberg stimmt zwar in der Skelettstruktur und auch in der Anordnung und Größe der Ostien 
und Postiken etc. mit Ptychodesia papillata überein, hat aber an Stelle der Papillenreihen kantige Leisten, 
die innen hohl sind und am Scheitel von ca. 1 mm weiten rundlichen, in Reihen stehenden Offnungen 
durchbrochen werden. Ähnliche Öffnungen liegen in durch breite Bänder getrennten Reihen an der 
Innenseite. Bei der Geringfügigkeit der Unterlagen muß ich es dahingestellt sein lassen, ob etwa eine 
von Ptychodesia papillata verschiedene neue Art vorliegt. Jedenfalls ist das Fragment aus einem anderen 
Grunde sehr interessant. Es besitzt nämlich eine so weitgehende Übereinstimmung mit einem mir durch 
die Güte des Herrn Professor Isao Isıma in Tokyo als Hexactinella sp. zugegangenem Spongienbruchstück 
aus der japanischen Tiefsee, daß eine sehr nahe Verwandtschaft der fossilen und der lebenden Form keinem 
Zweifel unterliegen kann. Meines Wissens hat Herr Professor Isıma über sein Material noch nichts ver- 
öffentlicht. Ich glaube aber nicht, daß er die Spongie bei der Gattung Hexactinella belassen wird. 

Die systematische Stellung meiner Gattung Ptychodesia wird natürlich nach der Untersuchung 
der lebenden Formen viel genauer festgelegt sein wie jetzt, wo die Einordnung in das System nur auf 
Grund der äußeren Form, des Kanalsystems und Diktyonalgerüstes, aber ohne Berücksichtigung der 
Fleischnadeln erfolgen kann. 


Familie Polystigmatidae nov. fam. 


Ohr-, blatt- oder unregelmäßig trichterförmige Hexactinosa mit dünner Wandung und stark ent- 
wickelter plattiger Basis. Beide Oberflächen mit kleinen, zu Längs- und Querreihen geordneten oder 
unregelmäßig verteilten und dicht nebeneinander liegenden Ostien und Postiken. Die Epirhysen und 
Aporhysen endigen blind unter den Oberflächen der Innen- und Außenseite. Die parenchymalen Hexaktine 
haben kleindornige Strahlen, die im Innern der Wandung zu einem mehr oder weniger regelmäßig 
gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Die 
Kreuzungsknoten der dermalen und gastralen Hexaktine sind kugelig verdickt und mit kurzen Höckerchen 
besetzt. 

Obere Kreide. 


— 254 — 


Die Polystigmatidae unterscheiden sich von den Leptophragmidae u. a. durch die kugelig verdickten 
und mit Höckerchen versehenen Kreuzungsknoten der dermalen und gastralen Hexaktine. 


Gattung Polystigmatium nov. gen. 


Schwammkörper ohrförmig oder unregelmäßig trichterförmig, mit dünner Wandung und kräftig 
entwickelter Basis. Beide Seiten mit nadelstichartigen, in Längs- und Querreihen stehenden oder 
unregelmäßig über die Oberfläche verteilten Ostien und Postiken. Die Epirhysen und Aporhysen endigen 
blind unter den Oberflächen der Innen- bzw. Außenseite. Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen, 
die im Innern der Wandung zu vorwiegend longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen ver- 
schmelzen. Äußere und innere Oberfläche mit geflechtartigen Deckschichten, die aus Hexaktinen mit 
kugeligen und mit winzigen Höckern besetzten Kreuzungsknoten und verdickten Tangentialstrahlen 
hervorgehen. f 

Obere Kreide. 


Polystigmatium striato-punctatum nov. sp. (Tafel XXXII, Fig. 8, 9; Tafel XXXXII, Fig. 2; 
Texttafel X, Fig. 11.) 


Der dünnwandige Schwammkörper ist ohrférmig oder unregelmäßig trichterférmig und ruht auf 
einer kraftig entwickelten plattig-lappigen Basis. 

Außenseite mit in Längs- und Querreihen stehenden oder unregelmäßig über die Oberfläche ver- 
teilten, dicht nebeneinander liegenden nadelstichartigen Ostien. Innenseite mit ähnlich wie die Ostien 
angeordneten, aber winzigeren und zahlreicheren Postiken. Die Epirhysen und Aporhysen endigen blind 
unter den Oberflächen der Innen- bzw. Außenseite in den Skelettbriicken zwischen den Postiken und 
Ostien. 

Das Diktyonalgeriist besteht im Innern der Wandung aus Hexaktinen mit kleindornigen Strahlen, 
die zu vorwiegend longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. In den Maschen 
liegen nicht selten kleine Oxyhexaktine, die mit einem Strahle an die Dictyonalia festgeheftet sind. Die 
dermalen und gastralen Hexaktine zeichnen sich durch eine eigentümliche Differenzierung der Kreuzungs- 
knoten aus. Diese sind nämlich kugelig verdickt und die Verdickungen tragen winzige Höckerchen. Die 
tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine sind erheblich dicker wie die Strahlen der 
parenchymalen und verschmelzen zu geflechtartigen Deckschichten mit dreieckigen, viereckigen oder 
unregelmäßig rundlichen Maschen. Die nach außen gerichteten Strahlen endigen als kurze konische 
Zapfen. 

Maße: Höhe bis 5 em und mehr; Weite bis 10 em; Dicke der Wandung ca. 1 mm; Anzahl der 
Ostien auf 0,5 qem ca. 64, der Postiken über 100. 

Zwischen Polystigmatium striato-punctatum und Leptophragma Murchisoni GoLDF. sp. bestehen 
Parallelismen, die sich auf die Gestalt des Schwammkörpers, Wanddicke, Form und Anordnung der Ostien 
und Postiken, und auch auf den Verlauf der Epirhysen und Aporhysen erstrecken. Ein augenfälliges 
Unterscheidungsmerkmal bilden aber die kugelig verdickten Kreuzungsknoten der dermalen und gastralen 


Hexaktine von P. striato-punctatum. 


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| 


— 255 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 
Anzabl der untersuchten Stticke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Stichmaptycidae nov. fam. 


Dünnwandige Hexactinosa, deren Schwammkörper durch starke Faltung der Wandung aus in 
unregelmäßiger Weise anastomosierenden Blättern und weiten Röhren besteht. Außenseite mit nadel- 
stichartigen, gleichmäßig über die Oberfläche verbreiteten Ostien von kurzen geraden Epirhysen. Innen- 
seite mit kleinen ovalen Postiken. Die Aporhysen durchdringen die Wandung in schräger Richtung, 
wobei sie die Epirhysen durchkreuzen. Die Hexaktine haben glatte Strahlen und verschmelzen zu einem. 
unregelmäßig gebauten engmaschigen Gerüste. Außenseite mit, Innenseite ohne Oberflächenverdichtung. 

Obere Kreide. 


Gattung Stichmaptyx nov. gen. 


Der dünnwandige Schwammkörper ist stark gefaltet und besteht aus unregelmäßig verwachsenen 
Lappen und mehr oder weniger weiten anastomosierenden Röhren. Beide Seiten mit kleinen, gleichmäßig 
über die Oberflächen verbreiteten Ostien und Postiken. Die unter der Oberfläche der Außenseite beginnen- 
den Aporhysen durchdringen die Wandung in schräger Richtung, wobei sie die kurzen geraden Epirhysen 
durchkreuzen. Die Diktyonalhexaktine haben glatte Strahlen und verschmelzen zu einem ziemlich 
engmaschigen, unregelmäßig gebauten Gerüste. Außenseite mit einer aus den tangentialen Strahlen 
hervorgehenden Deckschicht. Innere Oberfläche ohne Deckschicht. 

Obere Kreide. 


Stichmaptyx alatus nov.sp. (Tafel XXX, Fig. 2,3; Tafel XXXXIII, Fig. 6; Texttafel IX, Fig. 8.) 


Die dünne Wandung des bis kinderhandgroßen, auf kräftig entwickelter Basis ruhenden Schwamm- 
körpers ist stark gefaltet und bildet unregelmäßig verwachsene, flügelartige Lappen und anastomosierende, 
bleistift- bis fingerdicke Röhren. 

Außenseite mit kleinen runden (nadelstichartigen), gleichmäßig über die Oberfläche verbreiteten, 


In Quincunx geordneten Ostien von ganz kurzen geraden Epirhysen. Innenseite mit kleinen ovalen, 


dicht nebeneinander in Quincunx stehenden Postiken. Die in den Skelettbrücken zwischen den Ostien 
beginnenden weiten Aporhysen durchsetzen die Wandung in schräger Richtung, wobei sie die gerade 
verlaufenden Epirhysen durchkreuzen. 

Das mehr oder weniger unregelmäßig gebaute Diktyonalgerüst ist ziemlich engmaschig und besteht 
aus Hexaktinen mit glatten Strahlen. Zahlreiche äußere Strahlen der an den Wandungen der Kanäle 
und den beiden Oberflächen gelegenen Hexaktine endigen frei als lange Stacheln. Die Oberfläche der Außen- 
seite ist mit einer ziemlich dieken Deckschicht überzogen, die aus den verdickten und plattig verbreiterten 


— 256 — 


tangentialen Strahlen der dermalen Hexaktine zusammengesetzt ist. Innere Oberflache ohne Deck- 
schicht. 

-Dicke der Wandung ca. 2 mm; Anzahl der Ostien und Postiken auf 0,5 gem 20—25. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Syringidae nov. fam. 


Röhrenförmige und dünnwandige Hexactinosa, an deren Außenseite in quadratischen Feldern 
kleine Ostien von Epirhysen liegen, welche die Wandung vollständig durchdringen. Die Aporhysen 
beginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden an der inneren Oberfläche mit runden Postiken, 
die mit den inneren Mündungen der Epirhysen alternieren. Die Hexaktine verschmelzen zu einem mehr 
oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste, dessen äußere Oberfläche mit Deckschicht überzogen ist. 

Obere Kreide. 


Gattung Syringium nov. gen. 


Schwammkörper röhrenförmig mit dünner Wandung. Außenseite mit quadratischen Feldern, 


in denen kleine Ostien von Epirhysen liegen, welche die Wandung völlig durchdringen. Die Aporhysen — 


beginnen unter der Oberfläche der Außenseite und münden an der inneren Oberfläche mit kleinen Postiken, 


die mit den inneren Mündungen der Epirhysen alternieren. Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen — 


mit dornigen Strahlen und bildet vorwiegend kubische Maschen. Oberfläche der Außenseite mit, Ober- 
fläche der Innenseite ohne Deckschicht. 
Obere Kreide. 


Syringium textum nov. sp. (Tafel XXIX, Fig. 13, 14; Texttafel X, Fig. 12.) 


Der Schwammkörper des einzigen Exemplars, das ich überhaupt aufgefunden habe, besteht in einer 
kleinfingerdicken, mehrere Zentimeter langen, dünnwandigen Röhre, an deren Außenseite sich schmale 


longitudinale und zirkuläre Bänder in regelmäßigen Abständen durchkreuzen. Dadurch entstehen 


quadratische Felder, in deren Mitte kleine runde Ostien von geraden Epirhysen liegen, welche die Wandung 


vollständig durchdringen. Innere Oberfläche mit kleinen, mit den inneren Mündungen der Epirhysen — 


alternierenden, runden Postiken von kurzen Aporhysen, die unter der Oberfläche der Außenseite in den 
Brücken zwischen den Ostien blind endigen. 

Die diktyonalen Hexaktine haben dornige Strahlen und verschmelzen im Innern der Wandung 
und an der Oberfläche der Innenseite zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste mit vor- 
wiegend quadratischen Maschen. Die longitudinalen und zirkulären Bänder an der Außenseite bestehen 


ne. 


aus der sehr dicken Deckschicht, die aus den verdickten und plattig verbreiterten Strahlen der dermalen — 


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7 = qo 


— 257 — 


Hexaktine hervorgeht. Die Ostien werden von zarten Gespinsten überbrückt, die aus kleinen, in unregel- 
mäßiger Weise verkitteten Hexaktinen mit plattig verbreiterten Strahlen bestehen. 

Dicke der Wandung 1—2 mm; Anzahl der Ostien auf 0,5 qem ca. 8, der Kanalmündungen an 
der inneren Oberfläche (Postiken + innere Mündungen der Epirhysen) ca. 16. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Familie Hapalopegmidae nov. fam. 


Kleine, zusammengedrückt röhrenförmige oder aus anastomosierenden Röhren bestehende Hexacti- 
nosa ohne besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken. Die Hexaktine verschmelzen zu sehr 


weitmaschigen Gerüsten mit vorwiegend longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. Ohne Deck- 
schichten. 


Obere Kreide. 
Gattung Pleurotrema nov. gen. 


Der kleine und sehr dünnwandige Schwammkörper ist zusammengedrückt röhrenförmig mit 
geschlossenem Scheitel und nach unten konvergierenden, in der Mitte taillenförmig eingebuchteten Seiten. 
Die Schmalseiten werden am Scheitelrande und unterhalb der Einbuchtungen von symmetrisch angeord- 
neten, großen runden Wandlücken durchbrochen. Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken 
sind nicht entwickelt. Die diktyonalen Hexaktine verschmelzen zu vorwiegend longitudinalen und zirku- 
lären Strängen, die sich in ziemlich weiten regelmäßigen Abständen rechtwinklig durchkreuzen und 
dadurch große quadratische Fenster bilden. Ohne Deckschichten. 

Obere Kreide. 


Pleurotrema Ijimai nov. sp. (Tafel XXXXI, Fig. 3; Texttafel IX, Fig. 14.) 


Das Original zerbrach infolge seiner großen Dünnwandigkeit und lockeren Skelettstruktur beim 
Herausfischen aus der Säurelösung in Stücke. Der kaum 2 cm hohe und nur einige Millimeter dicke 
Schwammkörper bildet eine abgeplattete, oben geschlossene Röhre, die vorn am breitesten ist, unterhalb 
des gewölbten Scheitels an beiden Seiten taillenförmige Einbuchtungen besitzt und nach unten spitz 
zuläuft. Die beiden Schmalseiten sind von je zwei großen, rundlichen, symmetrisch angeordneten Wand- 
lücken durchbrochen. Das obere Paar liegt am Scheitelrande, das untere unterhalb der Einbuchtungen. 
Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Hexaktinen mit dornigen Strahlen, die zu vorwiegend longitudinalen 
und zirkulären Strängen verbunden sind. Die Stränge durchkreuzen sich rechtwinklig in ziemlich weiten 
regelmäßigen Abständen, wodurch große quadratische, namentlich an den Breitseiten der Spongie sichtbare 
Fenster entstehen. Die longitudinalen Stränge werden aus besonders kräftigen Balkenzügen gebildet, 


indem die in der Richtung der Längsachse des Schwammkörpers liegenden Strahlen von dickeren Kiesel- 
Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 33 


— 258 — 


lamellen umhüllt werden. Die zirkulären Stränge bestehen aus einem unregelmäßig gebauten und ver- 
hältnismäßig engmaschigen Balkenwerk beliebig orientierter Diktyonalhexaktine von verschiedener 
Größe. Wie die zirkulären Stränge ist auch das Gerüst des Scheitels zusammengesetzt. Deckschichten fehlen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 


Gattung Hapalopegma nov. gen. 


Der kleine und äußerst zarte Schwammkörper hat eine dünne Wandung, die zu anastomosierenden 
Röhren oder lappigen Blättern gefaltet ist. Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 
Die Diktyonalhexaktine verschmelzen zu einem sehr weitmaschigen Gerüste mit vorwiegend longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenzügen. Deckschichten fehlen. 

Obere Kreide. 


Hapalopegma fragilis nov. sp. (Tafel XXVII, Fig 12; Texttafel IX, Fig. 15.) 


Von all den zerbrechlichen Hexactinelliden-Skeletten aus der Quadratenkreide von Oberg ist das 
Skelett dieser Art wohl das fragilste. Die Wandung besteht aus wenige Zentimeter langen, zirka 1,5 cm 
breiten und 2—3 mm dicken Blättern. Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht 
entwickelt. Als Dietyonalia Hexaktine mit glatten Strahlen, die zu einem ungewöhnlich weitmaschigen 
Gerüste verschmelzen, in dem longitudinale, radiale und zirkuläre Balkenzüge überwiegen. Die nach außen 
gerichteten Strahlen der dermalen und gastralen Hexaktine endigen als lange, dünne Kieselstäbe. Im 
übrigen stimmen die parenchymalen Skelettpartien mit den gastralen und dermalen überein. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 1. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Hapalopegma maeandrina nov. sp. (Tafel XXVII, Fig. 13; Texttafel IX, Fig. 13.) 


Der äußerst zarte, nur 2—3 cm hohe und ca. 1,5 em dicke Schwammkörper besteht aus dünn- 
wandigen, 3—5 mm weiten Röhren, die unregelmäßige Anastomosen bilden. Besondere Epirhysen, 
Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Das Stützskelett besteht aus großen Diktyonalhexaktinen 
mit glatten Armen, die zu einem sehr weitmaschigen und lockeren Gerüste mit longitudinalen, radialen 
und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. An den Oberflächen liegen stellenweise kleine Hexaktine, 
die in beliebiger Orientierung mit einem oder mehreren Strahlen an die äußeren Radialstrahlen der 
dermalen und gastralen Hexaktine oder aneinander geheftet sind, während die anderen Strahlen frei endigen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


COUPER PTE A CEE CCE eae 


— 259 — 


Familie Botryosellidae nov. fam. 


Knollige oder plattige Hexactinosa, deren Schwammkörper aus dicken, gekröseartig gewundenen 
oder zu röhrigen Anastomosen gefalteten Lappen besteht. Außenseite mit kleinen, unregelmäßig angeord- 
neten Ostien von verschiedener Weite. Als Postiken fungieren die weiten Skelettmaschen an der 
inneren Oberfläche. Regelmäßige Epirhysen : 
und Aporhysen fehlen. Die Diktyonalhexak- 
tine sind sehr groß und verschmelzen zu 
einem unregelmäBigen oder aus undeutlich 
longitudinalen, radialen und zirkulären Balken- 
zügen bestehenden Geriiste. Beide Oberflächen 
mit weitmaschigen, geflechtartigen Verdich- 
tungen. 

Obere Kreide. 


Gattung Botryosella nov. gen. 


Der knollige oder plattige Schwamm- 
körper besteht aus dicken, gekröseartig ge- 
wundenen oder zu röhrigen Anastomosen ge- 
falteten Lappen. Außenseite mit unregelmäßig 
verbreiteten Ostien von verschiedener Weite. 
Die Postiken werden durch die weiten Ske- 
lettmaschen an der inneren Oberfläche ver- 
treten. Regelmäßige Epirhysen und Apo- 
rhysen fehlen. Die großen diktyonalen Hexak- 
tine verschmelzen zu einem unregelmäßig ge- 
bauten Gerüste oder zu longitudinalen, radialen 
und zirkulären Balkenzügen. Beide Oberflächen 
mit weitmaschigen, geflechtartigen Deck- 
schichten. 

Obere Kreide. 


Botryosella labyrinthica nov. sp. (Text- 
figur 3; Texttafel IX, Fig. 11.) 


Textfigur 3. 


Der handgroße, knollige oder plattige 


Botryosella labyrinthica „SCHRAMMEN aus dem Cuvieri-Planer von 


 Schwammkörper hat eine ziemlich dicke Wan- Gr.-Heere. 


dung, die etwa wie die Wandung der Ploco- 
scyphien gekröseartig gewundene Lappen und röhrige Anastomosen bildet. 
Außenseite mit kleinen, unregelmäßig über die Oberfläche verbreiteten Ostien von verschiedener 


— 260 — 


Weite. Als Postiken dienen die weiten Skelettmaschen an der inneren Oberfläche. Regelmäßig ausgebil- 
dete Epirhysen und Aporhysen fehlen. 

Das Diktyonalgerüst ist ziemlich weitmaschig und besteht aus großen, mit Dornen besetzten — 
Hexaktinen, die im Innern der Wandung beliebig orientiert sind oder zu undeutlich longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Nicht selten sind winzige Oxyhexaktine mit einem 
Strahle an die dieken Gerüstbalken geheftet. An beiden Oberflächen mehr oder weniger dichte, unregel- 
mäßige Geflechte mit rundlichen Maschen von verschiedener Weite. 

Länge des Originals 13 cm, Breite 8—10 cm, Dicke 4 cm; Dicke der Wandung ca. 0,5 em. 

Alter und Facies: Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen: Gr.-Heere. 

Anzahl-der untersuchten Stücke; 2 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Familie Balantionellidae nov. fam. 


Krustenförmige Hexactinosa mit dünner Wandung, die aus zu traubigen Stöckchen vereinigten, 
stark zusammengedrückten, blattförmigen Beutelchen bestehen. Auf den Schmalseiten der Beutelchen 
große rundliche Wandlücken. Breitseiten mit von der Basis nach den Rändern strahlenden Ostienreihen. 
Ostien winzig. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die Hexaktine 
verschmelzen im Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite zu einem regelmäßigen, aus 
longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen aufgebauten Gerüste, in dessen Maschen beliebig 
orientierte und verschieden große Oxyhexaktine liegen, die sich mit einem oder mehreren Strahlen an | 
die Dietyonalia heften. Äußere Oberfläche mit einer engmaschigen Deckschicht, die aus beliebig orientierten 
Diktyonalhexaktinen mit verdickten Strahlen hervorgeht. 

Obere Kreide. 


(Gattung Balantionella SCHRAMMEN. 


Traubige Krusten, die aus an der Basis verwachsenen, stark zusammengedrückten, blattförmigen 
Beutelchen bestehen. Die Schmalseiten der Beutelchen werden von großen runden Wandlücken durch- 
brochen. Breitseiten mit von der Basis nach den Rändern strahlenden Ostienreihen. Ostien winzig. 
Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die diktyonalen Hexaktine haben 
dornige Strahlen und verschmelzen im Innern der Wandung und an der inneren Oberfläche zu einem 
regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen, dessen weite 
Maschen stellenweise von beliebig orientierten Oxyhexaktinen erfüllt sind. An der äußeren Oberfläche 
ist das Gerüst durch unregelmäßigere Orientierung der Hexaktine und Verdickung der Strahlen zu einer 
ziemlich engmaschigen Deckschicht verdichtet. 

Obere Kreide. 


— 261 — 


Balantionella elegans Scurammen. (Tafel XXX, Fig5; Tafel XX XXII, Fig. 6; Texttafel IX, Fig. 7.) 
1902. Balantionella elegans ScuraMMEN, Hexact. S. 24, Taf. IV, Fig. 1a—c. 


Bis kinderhandgroBe traubige Krusten und Platten, die aus mehr oder weniger zahlreichen, 
nebeneinander liegenden und an der Basis verwachsenen blattförmigen Beutelchen bestehen. Die dünn- 
wandigen Beutelchen sind stark zusammengedrückt und werden an den Schmalseiten von je einer großen 
runden Wandlücke durchbrochen. 

Breitseiten mit strahlenförmig von der Basis nach dem Rande der Beutelchen verlaufenden Ostien- 
reihen. Die Ostien sind sehr winzig. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Als Dietyonalia Hexaktine mit dornigen Strahlen, die im Innern der Wandung und an der Ober- 
fläche der Innenseite zu einem regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären 
Balkenzügen verschmelzen. In den weiten quadratischen oder rechteckigen Maschen liegen unregelmäßig 
orientierte Oxyhexaktine von verschiedener Größe, die mit einem. oder mehreren Strahlen an die Dictyonalia 
geheftet sind. Die Oberfläche der Außenseite ist mit einer engmaschigen Deckschicht überzogen, die aus 
beliebig orientierten Diktyonalhexaktinen mit verdickten Strahlen hervorgeht. 

Maße: Anzahl der Beutelchen eines Stockes bis 14 und mehr; Dicke eines Beutelchens ca. 4 mm. 
Breite und Höhe ca. 15 mm; Dicke der Wandung 1—1,5 mm; Anzahl der Ostien auf 0,5 gem 100—150. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Belegstücke in meiner Sammlung. 


Familie Polythyrisidae nov. fam. 


Kleine und dünngestielte, kugelige oder eiförmige Hexactinosa mit dicker Wandung und stern- 
förmig gebuchtetem Paragaster. Außenseite mit einigen großen, runden, mit den Paragasterausbuchtungen 
kommunizierenden Wandlücken und zahlreichen kleinen, unregelmäßig verteilten Ostien. Auf der Para- 
gasteroberfläche winzige Postiken. Die Hexaktine haben dornige Strahlen und verschmelzen in beliebiger 
Orientierung zu einem engmaschigen Gerüste, dessen oberflächlich gelegenen Teile zwar dichter wie die 
parenchymalen sind, aber keine eigentlichen Deckschichten entwickeln. 

Obere Kreide. 


Gattung Polythyris nov. gen. 


Schwammkörper klein, kugelig oder eiförmig mit abgestutztem Scheitel, und dickwandig mit stern- 
förmig gebuchtetem Paragaster. Außenseite mit großen runden Wandlücken, die mit den Paragaster- 
ausbuchtungen kommunizieren, und kleinen unregelmäßig verteilten Ostien. Paragasterwandung mit 
winzigen Postiken. Die diktyonalen Hexaktine haben dornige Strahlen und verschmelzen in beliebiger 
Orientierung zu einem engmaschigen Gerüste, dessen oberflächlich gelegenen Teile dichter wie die 
parenchymalen sind, ohne aber eigentliche Deckschichten zu entwickeln. 

Obere Kreide. 


Texttafel XII. 


Skelettbestandteile der Familien Chonelasmatidae SCHRAMMEN 


Tretocalycidae F. E. SCHULZE, 


Euretidae F. E. SCHULZE, 


— 263 — 


Erklärung zu Texttafel XII. 


Familie Chonelasmatidae. 


Fig. 1. Chonelasma Hindei SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Euretidae. 


Fig. 2 und 3. Periphragella plicata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonal- 
hexaktine. 

Fig. A. Periphragella simplex ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 

Fig. 5 und 6. Periphragella Johannae SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonal- 
hexaktine. 

Fig. 7. Eurete Rauffi aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 

Fig. 8 und 9. Lefroyella favoidea ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Familie Tretocalycidae. 


Fig. 10. Tretodictyum Pfaffi ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 
Fig. 11. Tretodictyum Loeschmanni ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonal- 
hexaktine. 
Familie Callibrochidae. 
Fig. 12. Habrosium convolutum SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Oberfläche der Außen- 
seite. 


Fig. 13. Habrosium convolutum SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Diktyonalhexaktine. 


Polythyris cuneata nov. sp. (Tafel XXVII, Fig. 6, 7 und 8; Texttafel IX, Fig. 12.) 


Der kaum haselnußgroße Schwammkörper ist kugelig oder eiförmig mit abgestutztem Scheitel 
und scharf abgesetztem dünnem Stiel, und hat eine im Verhältnis zu der geringen Körpergröße stellenweise 
auffallend dicke Wandung. Das weite und tiefe Paragaster ist sternförmig ausgebuchtet. Außenseite 
mit großen runden Wandlücken, die unmittelbar mit den Ausbuchtungen des Paragasters kommunizieren; 
außerdem mit zahlreichen kleinen, unregelmäßig über die Oberfläche verteilten Ostien. Die winzigen 
Postiken liegen an der Oberfläche der Innenseite. 

Das Diktyonalgerüst ist engmaschig und besteht aus beliebig orientierten Hexaktinen mit dornigen 
Strahlen. Zahlreiche Strahlen, namentlich der oberflächlich gelegenen Dictyonalia, endigen frei als lange, 
mit Dornen besetzte Stacheln. An den Oberflächen ist die Skelettstruktur dichter wie im Innern; eigent- 
liche Deckschichten sind aber nicht entwickelt. 

Maße: Länge des Schwammkörpers (ohne Stiel) ca. 2 em, Dicke ca. 1,5 cm; Dicke des Stiels 
1,5—2 mm; Dieke der Wandung zwischen den Paragasterausstülpungen 2—4 mm; Weite der rundlichen 
Wandlücken an der Außenseite ca. 2 mm; Weite der Ostien 0,2—1 mm; Anzahl der Ostien auf 0,5 qem 
10—15. 


— 264 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (7. s.) 
Anzahl der untersuchten Stückes 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


2. Tribus Lychniscosa nov. trib. 


Hexasterophora mit Lychnisken. 


Familie Ventriculitidae v. ZITT. emend. 


Trompeten-, hutpilz-, trichter- oder schirmförmige, zylindrische oder zusammengedrückt röhren- 
förmige Lychniscosa mit langem Stiel und kräftiger Wurzel. Außenseite, entsprechend einer mehr oder 
weniger deutlich ausgesprochenen Radialfaltung der dünnen oder dicken Wandung, mit alternierend in 
Längsreihen oder Längsfurchen liegenden, längsovalen Ostien von einfachen Epirhysen, die unter der 
Oberfläche der Innenseite in den Brücken zwischen den Postiken blind endigen. Die Aporhysen beginnen 
unter der Oberfläche der Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien und münden an der Innenseite 
mit runden oder querovalen Postiken, die gewöhnlich in Quincunx stehen. Die Lychniske haben bedornte 
Strahlen, die zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Beide Ober- 
flächen sind mit plattigen oder geflechtartigen Deckschichten überzogen, die aus siebartig durchlöcherten 
Verbreiterungen der tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Lychniske hervorgehen. Als 
Derivate der nach außen gerichteten radialen Lychniskenstrahlen erheben sich gewöhnlich außerdem 
noch plattige oder rasenartige Deckgespinste, auch wohl schuppenartig übereinander liegende Kiesel- 
bänder über die innere Oberfläche des Diktyonalgerüstes. 

Obere Kreide. 

Von den Ventriculitidae im Sinne v. Z1trEts habe ich die Polyblastididae (mit der einzigen Gattung 
Polyblastidium v. Zırr.) und Sporadoscinidae (mit Sporadoscinia und verwandten Gattungen) als be- 
sondere Familien abgetrennt. Polyblastidium bildet traubige Stöcke, und den Sporadoscinidae fehlt die 
Radialfaltung der Wandung, die an der äußeren Oberfläche von Ventriculites, Rhizopoterion, Lepido- 
spongia etc. in Gestalt von mit Längsfurchen abwechselnden, longitudinalen Wällen oder alternierend 
in Längsreihen liegenden, längsovalen Ostien mehr oder weniger deutlich hervortritt. 


r 


Gattung Ventriculites MANTELL. 


Schwammkörper schirm-, scheiben- oder trichterförmig, hutpilzförmig oder zylindrisch, dünn- oder 
dickwandig, gestielt. Außenseite mit längsovalen oder spaltförmigen, gewöhnlich alternierend in Langs- — 
reihen (in Quincunx) stehenden Ostien von einfachen Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innen- — 
seite münden. Innenseite mit runden oder ovalen Postiken von einfachen Aporhysen, die blind unter der … 


— 265 — 


Oberfläche der AuBenseite münden. Die Dictyonalia sind Lychniske mit bedornten Strahlen, die zu einem 
mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Die Außenseite ist mit einer porösen 
Deckschicht überzogen, die hauptsächlich von den tangentialen Strahlen der dermalen Lychniske ausgeht. 
Oberfläche der Innenseite mit oder ohne Deckschicht; bei manchen Arten mit plattigen oder rasenartigen 
Gespinsten, die aus in einer Ebene anastomosierenden oder besenartigen Verästelungen der nach außen 
gerichteten Strahlen der gastralen Lychniske hervorgehen. 

Obere Kreide. 


Ventriculites radiatus Manteır sp. (Tafel XXXVI, Fig. 1, 2,3; Fig. 7; Texttafel XIII, Fig. 3—6.) 


1822. Ventriculites radiatus MAnTELL, Geol. of Suss. S. 168, Taf. XIV, Fig. 1 u. 2. 
1826. Scyphia Oeynhausii GoLpruss, Petr. Germ. $S. 219, Taf. LXV, Fig. 7. 

1826. Ventriculites radiatus GoLpDFuss, Petr. Germ. S. 246. 

1829. Spongia cribrosa Pnituips, Yorksh. Taf. I, Fig. 7. 

1841.. Scyphia Oeynhausii RoEMmER, Kr. 8. 7. 

1864. Retispongia radiata RoEMER, Sp. Taf. VI, Fig. 2. 

1870. 5 » F. Roemer, Oberschl. Taf. XXX, Fig. 2; Taf. XXXII. 
1872. Retispongia Oeynhausenii SCHLÜTER, Sp. d. Münsterl. S. 29. 

1877. Ventriculites radiatus QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVI, Fig. 24—34. 
1877. Ventriculites Oeynhauseni v. Zitte., Stud. I, S. 50. 

1883. Ventriculites radiatus Hınve, Catal. S. 108. 

21883. Ventriculites infundibuliformis Hınvr, Catal. S. 112, Taf. XXXVI, Fig. 1, Aa. 
21883. Ventriculites cribrosus Hınve, Catal. S. 113, Taf. XXVI, Fig. 2, 2a. 

1897. Ventriculites radiatus LEONHARD, Kreide in Oberschl. S. 32, Taf. III, Fig. 4. 
1900. Ventriculites striatus WoLLEMANN, Biewende S. 8. 

1901. Ventriculites radiatus WOLLEMANN, Aufschl. im Turon etc. S. 53. 

1902. x 5 if Lüneb. S. 9. 


Scheibenförmig, mit kurzem. oder langem Stiele, hutpilzförmig, schirmförmig, trompeten- oder 
trichterförmig etc. 

Außenseite mit längsovalen, 3—5 mm langen, 1,5—2,5 mm. breiten, alternierend in Längsreihen 
(in Quincunx) stehenden Ostien von trichterférmigen Epirhysen, die unter der Oberfläche der Innenseite, 
in den Skelettbrücken zwischen den Postiken, blind endigen. Innenseite mit runden oder längsovalen, 
2—4 mm weiten Postiken, die ebenfalls mehr oder weniger deutlich in Quincunx stehen und zu einfachen 
Aporhysen gehören, die blind unter der Oberfläche der Außenseite auslaufen. 

Maße: Höhe 5—30 cm; Querdurchmesser des Oberteils 5—30 em; Dicke des Stiels 1—6 cm; 
Dicke der Wandung 0,5—1,5 em; Anzahl der Ostien auf 1 qem 5—10, der Postiken 5—10. 

Die diktyonalen Lychniske haben dornige Strahlen und verschmelzen im Innern der Wandung 
zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste mit quadratischen, dreieckigen oder unregel- 
mäßig polygonalen Maschen, während sie in den Wandungen der Epirhysen und Aporhysen durch Aus- 
bildung poröser, zwischen den Lychniskenstrahlen ausgespannter Diaphragmen, plattige Verdichtungen 
bilden. Die Oberfläche der Außenseite ist mit einer feinporösen Deckschicht überzogen, die aus plattigen 
Verbreiterungen der Tangentialstrahlen der dermalen Lychniske hervorgeht. Bei sehr guter Erhaltung 
erhebt sich über die Oberfläche der Deckschicht der Außenseite ein äußerst zartes plattiges Kieselgespinst, 
das auch die Ostien überzieht und aus wurzelartigen Verzweigungen der äußeren Radialstrahlen zusammen- 

Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 34 


— 266 — 


gesetzt ist, die miteinander in einer Ebene anastomosieren. Auch die Oberfläche der Innenseite ist mit 
Deckschicht überzogen, die ihren Ursprung von den tangentialen Strahlen der gastralen Lychniske nimmt. 
Wahrend aber die Deckschicht an der äuBeren Oberfläche den Charakter einer siebartig durchlécherten 
Kieselhaut besitzt, gleicht die Deckschicht der Innenseite mehr einem plattigen Geflechte mit verschieden 
groBen Maschen. Bei günstigen Erhaltungsverhältnissen findet man auch die ganze Oberfläche der Innen- 
seite mit einem plattigen Gespinste überkleidet, das aus in einer Ebene anastomosierenden, gezackten 
Kieselfäden besteht und durch Synapticula mit der darunter liegenden Deckschicht der Innenseite, bzw. 
den nach außen gerichteten Strahlen der gastralen Lychniske in Verbindung steht. Mitunter, aber nur 
selten, habe ich in dem Gespinste kleine Achsenkreuze beobachtet. 

Ventriculites radiatus gehört zu den bekanntesten und langlebigsten Hexactinellidenarten der Kreide. 
Die vertikale Verbreitung umfaßt Scaphiten-Turon, Cuvieri-Turon, Quadraten-Senon und Mucronaten- 
Senon. Das entspricht sehr langen Zeiträumen, in deren Verlaufe, auch bei gleichbleibenden Lebens- 
bedingungen, Größe und Gestalt des Schwammkörpers, Dicke der Wandung, Anordnung und Form der 
Ostien und Postiken und Skelettstruktur Veränderungen erfahren müssen, die in ihrer Totalität zu einer 
von Ventriculites radiatus MANTELL sp. verschiedenen neuen Art führen. Den Gang der Umbildung will 
ich andeuten. — Die geologisch ältesten Individuen (aus dem Scaphitenpläner) sind die kleinsten und 
dünnwandigsten. Sie werden von den senonen Formen um das Doppelte bis Mehrfache an Größe und 
Dickwandigkeit übertroffen. Die äußere Körperform bleibt in allen Horizonten ziemlich konstant, soweit 
sich bei der Vielgestaltigkeit der Art von Konstanz reden läßt. Man findet also im Senon ebenso wie 
im Turon die trichter-, scheiben- und schirmförmigen Schwammkörper, für welche QuEnsTEpr drei beson- 
dere Varietäten gemacht hat, die nach LEONHARD, dem ich allerdings nicht beipflichten kann, vielleicht 
als besondere Arten abzutrennen wären. Die Ostien, die bei den älteren Gliedern der Entwicklungs- 
reihe oval sind, zeigen bei den jüngeren unverkennbar die Tendenz, lange schmale Spalten zu bilden. Die 
Postiken der turonen Stücke sind kreisrund; in der Quadratenkreide werden sie mehr oder weniger deut- 
lich längsoval. (Man beobachtet aber auch in der Quadratenkreide nicht selten runde Postiken.) Diktyo- 
nalgerüst, Deckschichten und Deckgespinste weisen anscheinend bemerkenswerte Umänderungen nicht auf. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Cuvieripläner, Kalkmergel der Quadraten- und 
Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. h.), Nettlingen (s.), Heere (z. h.), 
Dörnten, Misburg (z. s.), Oberg (z. h.), Lüneburg, Biewende. 

Anzahl der untersuchten’ Stücke: ca. 30, 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Ventriculites radiatus MANTELL, var. minor n. var. 


Allgemeine Form, Kanalsystem und Diktyonalgerüst (einschließlich des Deckgespinstes) wie bei 
Ventriculites radiatus Mant., aber hiervon verschieden durch geringere Größe, dünnere Wandungen und 
kleinere Kanalmündungen. Die Wandung wird selten über 0,5 cm dick. Anzahl der Ostien und Postiken 
auf 1 gem 12—20 (bei Ventr. radiatus 5—10). | 

Wie beim Typus variieren die Ostien nicht unbeträchtlich im Umriß. Am seltensten kommen runde 
vor, inder Regellängsovale; sie können aber auch lange schmale Spalten bilden. Die Postiken sind rundlich. 


— 267 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (z. s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Ventriculites stellatus Scurammen. (Tafel XXXVII, Fig. 4, 5.) 

1902. Ventriculites stellatus ScHRAMMEN, Hexact. S. 11, Taf. II, Fig. 5. 

Becher- oder trichterförmig, dickwandig, gestielt. Außenseite an der Basis mit breiten Längsfalten, 
zwischen denen tiefe Furchen liegen, die in unregelmäßigen Abständen von schmalen Skelettleisten über- 
brückt werden. Weiter hinauf werden die Längsfalten durch Querfurchen in undeutlich polygonale 
Tuben zerlegt, deren durch die Deckschicht der Außenseite gebildeten Deckel unregelmäßig sternförmig 
skulpturiert sind. Die Furchen, welche zwischen den Längsfalten und den Tuben liegen, gehören zum wasser- 
zuführenden Kanalsystem. Die Epirhysen endigen blind unter der Oberfläche der Innenseite. Innenseite 
mit ovalen, alternierend in Längsreihen stehenden Postiken von radialen Aporhysen, die in den Falten 
bzw. Tuben der Außenseite blind endigen. 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 15 cm; Dicke der Wandung 0,8—1 cm; Breite der Längs- 
falten an der Außenseite 2—3 mm. Länge der Postiken 3 mm, Breite 1 mm. 

Die Dictyonalia sind Lychniske, deren mit Dornen besetzte Strahlen zu einem mehr oder weniger 
unregelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Die Oberfläche der Außenseite ist mit einer dicken Deck- 
schicht überzogen, die aus durchlöcherten Kieselmembranen besteht, welche zwischen und über den 
Tangentialstrahlen oder, bei unregelmäßiger Orientierung der Lychniske, über den nach außen gerichteten 
Strahlen der dermalen Lychniske ausgespannt sind. Die Oberfläche der Innenseite ist frei von Deck- 
schicht, nimmt aber durch Verbreiterungen der an der Oberfläche liegenden Lychniskenstrahlen den 
Charakter eines ziemlich dichten, plattigen Geflechtes an. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahleder untersuchten Stücke: 6. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Ventriculites cylindratus nov. sp. (Tafel XXXVI, Fig 4, 5, 6; Texttafel XIV, Fig. 10.) 
Bis fingerlange und -dicke Zylinder mit ca. 4 mm dicker Wandung. 

Außenseite mit ca. 1 mm weiten, durch 1—2 mm breite Skelettbrücken getrennten rundlichen 
Ostien, die in Quincunx stehen, oder unregelmäßig über die Oberfläche verteilt sind (auf 0,5 gem 4—7). 
Innenseite mit in Quincunx dicht nebeneinander liegenden runden Postiken (auf 0,5 qem 6—10). Von 
den Ostien und Postiken dringen röhrenförmige Epirhysen bzw. Aporhysen in die Wandung ein, die unter 
der Oberfläche der Innen- bzw. Außenseite blind endigen. 

Die Dietyonalia sind Lychniske mit dornigen Strahlen, die zu einem mehr oder weniger regelmäßig 
gebauten Gerüste mit dreieckigen, quadratischen oder polygonalen Maschen verschmelzen. Oberfläche 
der Außenseite mit einer dicken, vielfach durchlöcherten Deckschicht, in der die tangentialen Strahlen 
der dermalen Lychniske aufgehen. Die Oberfläche der Innenseite ist frei von Deckschicht, aber mit 


— 268 — 


einem zarten Gespinste überzogen, das aus den wurzelartig oder besenförmig zerschlitzten Enden der nach 
außen gerichteten Strahlen der gastralen Lychniske zusammengesetzt ist und ein wertvolles Hilfsmittel 
bei der Bestimmung abgibt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 6. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Ventriculites fistulosus nov. sp. (Tafel XXXVI, Fig. 8, 9.) 


Schirm- oder hutpilzförmig, mit 0,5 em dicker Wandung. 

Außenseite mit 4—8 mm langen, 1—2 mm breiten, spaltförmigen oder unregelmäßig längsovalen 
Ostien (auf 1 gem 5—7), zwischen denen 1,5—2 mm breite, wulstartige oder gerundete Brücken liegen, 
die von zahlreichen nadelstichartigen Öffnungen durchbohrt werden. Innenseite mit gleichmäßig über 
die Oberfläche verteilten, ca. 1,5 mm weiten kreisrunden Postiken (auf 1 gem 9—12), zwischen denen 
1,5—2 mm breite flache Brücken liegen. Die Epirhysen sind spaltförmig und endigen blind unter der 
Oberfläche der Innenseite in den Brücken zwischen den Postiken. Die röhrenförmigen Aporhysen münden 
blind unter der Oberfläche der Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien. 

Diktyonalgerüst und Deckschichten wie bei Ventriculites radiatus. Deckgespinste fehlen. 

Die Art unterscheidet sich von den radiatus-Formen aus der Quadratenkreide u. a. durch unregel- 
mäßigen Umriß und unregelmäßigere Anordnung der Ostien, durch die von kleinen Öffnungen durchbohrten _ 
Brücken zwischen den Ostien, ferner durch zwar gleichmäßig, aber nicht alternierend über die Innenseite 
verbreitete und durch flache bandartige Brücken getrennte kreisrunde Postiken. (Auch durch den Mangel 
an Deckgespinsten.) 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahlder untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Lepidospongia ROEMER. 


Der mehr oder weniger dünnwandige Schwammkörper ist regelmäßig oder unregelmäßig trichter- 
oder schalenförmig und besitzt kräftige Wurzeln. Außenseite mit reihenweise in Längsfurchen liegenden, 
rundlichen oder längsovalen Ostien von einfachen Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innenseite 
münden. Die Aporhysen nehmen ihren Ursprung in den Brücken zwischen den Ostienreihen und münden 
an oder unter der Oberfläche der Innenseite mit runden oder querovalen Postiken, die in Quincunx oder 
Längsreihen geordnet oder gleichmäßig verbreitet sind. Die diktyonalen Lychniske verschmelzen zu 


einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste, das an beiden Oberflächen oder nur an der äußeren _ 


Oberfläche von, mit kleinen Öffnungen versehenen, Deckschichten überzogen wird, die aus plattigen 
und porösen Verbreiterungen der tangentialen Lychniskenstrahlen hervorgehen. Über die Innenseite 
kann sich außerdem noch als Derivat der äußeren Radialstrahlen der gastralen Lychniske ein Überzug. 


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legen, der aus schuppenartig übereinandergreifenden und konzentrisch angeordneten Kieselbändern oder 
siebartig durchlöcherten, zu undeutlichen Längs- und Querreihen geordneten Kieselplättchen besteht. 
Obere Kreide. 


Lepidospongia rugosa Scuuiir. (Tafel XXXV, Fig. 7, 8; Texttafel XIII, Fig. 2.) 


1870. Lepidospongia rugosa SCHLÜTER; Sitzungsber. der niederrh. Ges. in Bonn, S. 140. 

1872. 7 Fe FF Spong. d. Münsterl. S. 27. 

118772 FR sr Asse, Stud: 1.28. 53, 

1902. Lepidospongia Brandesi SCHRAMMEN, Hexact. S. 11, Taf. III, Fig. 1 u. 2. 

Trichterférmig, gestielt mit kräftiger Wurzel. 

Außenseite mit 0,5—1 mm breiten, einfachen oder vergabelten Längsfurchen, zwischen denen 
ca. 2 mm. breite, flache Brücken liegen. In den Längsfurchen liegen in regelmäßigen Abständen kleine, 
runde oder längsovale Ostien von Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innenseite münden. 
Innenseite mit in Längsreihen liegenden (aber durch den schuppigen Oberflächenbelag verdeckten) 
Postiken von einfachen Aporhysen, die in den Brücken zwischen den Ostienreihen beginnen. 

Höhe 7—-10 cm; größte Weite 8 cm und mehr; Dicke der Wandung 3—6 mm. 

Diktyonalgerüst und Deckschicht an der äußeren Oberfläche wie bei den anderen Arten. Die 
besondere Eigentümlichkeit der Spezies bilden die über der Oberfläche der Innenseite liegenden und dem 
Deckgespinst von Lepidospongia fragilis homologen konzentrischen Bänder, die sich dachziegelartig 
oder, um. bei dem. Vergleiche zu bleiben, von dem der Gattungsname hergeleitet worden ist, schuppenartig 
übereinander legen. Diese mehrere Millimeter breiten Bänder sind strukturlose Kieselplatten, die durch 
unregelmäßige Geflechte achsenkanalfreier Kieselfäden mit den gastralen Lychnisken zusammenhängen 
und Differenzierungen der äußeren Radialstrahlen darstellen. 

Die Formen aus den älteren Bänken der Quadratenkreide, welche ich früher unter dem Namen 
Lepidospongia Brandesi zusammengefaßt hatte, unterscheiden sich vom Typus nur durch dünnere 
Wandungen, feinere Längsrippen an der Außenseite und schmalere Kieselschuppen an der Innenseite. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. h.), Adenstedt, Münsterland. 

Bowen ger untersuchten Stücke: ca. 15. 

Die Belegstiicke liegen in meiner Sammlung. 


Lepidospongia fragilis Scurammen sp. (Tafel XXXXV, Fig. 6; Texttafel XIII, Fig. 1.) 
1902. Plectodermatium fragile ScHRAMMEN, Hexact. S. 12, Taf. IV, Fig. Aa, b. , 


Trichter-, becher- oder schalenförmig, mehr oder weniger dünnwandig, gestielt mit kräftiger Wurzel. 

Außenseite mit in 0,5—1 mm breiten, durch 1,5—2 mm breite flache Bander getrennten Längsfurchen 
liegenden, kleinen runden oder ovalen Ostien, die zu einfachen Epirhysen gehören, welche blind unter der 
inneren Oberfläche münden. Die (durch das Deckgespinst verdeckten) Postiken stehen in Quincunx 
und sind die Mündungen von weiten Aporhysen, die ihren Ursprung unter der Oberfläche der Außenseite, 
in den Brücken zwischen den Ostienreihen, nehmen. 


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Maße: Höhe des Schwammkörpers 10—15 cm; Weite bis 10 em; Dicke der Wandung 2 mm 
(eine dünnwandige Varietät) bis ca. 5 mm (Typus). 

Als Dietyonalia Lychniske mit kleindornigen Strahlen, welche zu einem mehr oder weniger regel- 
mäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Die Oberfläche der Außenseite ist mit einer porösen Deckschicht 
überzogen, die dadurch entsteht, daß sich die tangentialen Strahlen der äußersten Lychniske zu löcherigen 
Kieselhäuten verbreitern. Von den Enden der nach den Lumina der Ostien gerichteten Strahlen der 
dermalen Lychniske gehen dornige Kieselzweige aus, die miteinander Anastomosen eingehen und dadurch 
Gespinste bilden, welche die Ostien überbrücken. (Diese Gespinste sind aber nur bei ungewöhnlich 
günstiger Skeletterhaltung zu erkennen und in der Regel zerstört.) 

Über die Innenseite erhebt sich als Derivat der nach außen gerichteten Strahlen der gastralen 
Lychniske ein außerordentlich zierliches und charakteristisches Deckgespinst. Dem unbewaffneten Auge 
erscheint es als dichter Überzug, dessen Oberfläche an grobnarbiges Leder erinnert. Diese Struktur 
entsteht durch mehrere Quadratmillimeter große, mit lappigen Rändern versehene Plättchen, die 
in mehr oder weniger deutlichen Längs- und Querreihen liegen. Unter dem Mikroskop erweisen 
sich die Plättchen aus plattigen Kieselfäden von gleicher Breite zusammengesetzt, die in einer Ebene 
anastomosieren. 

Am Deckgespinst ist Lepidospongia fragilis leicht von Lepidospongia rugosa zu unterscheiden, 
während die äußeren Oberflächen beider Arten nicht wesentlich verschieden sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. h.), Misburg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 15. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Lepidospongia inermis nov. sp. (Tafel XXXIV, Fig. 7, 8; Texttafel XIII, Fig. 7.) 


Von dieser Art kenne ich nur plattige Fragmente, die auf einen scheibenförmigen Schwammkérper 
schließen lassen. Außenseite mit in Längsfurchen liegenden, rundlichen oder längsovalen Ostien von 
zylindrischen Epirhysen, die unter der Oberfläche der Innenseite blind endigen. 

Innenseite mit in Quincunx stehenden oder gleichmäßig über die Oberfläche verbreiteten, quer- 
ovalen Postiken von spaltförmigen Aporhysen, die unter der Oberfläche der Außenseite, in den Brücken 
zwischen den Ostienreihen, beginnen. 

Maße: Dicke der Wandung 3,5 mm; Weite der Ostien und Postiken ca. 1 mm; Breite der Bänder 
zwischen den Ostienreihen 1,5 mm; Anzahl der Ostien und Postiken auf 0,5 qem ca. 6. 

Die Dietyonalia sind Lychniske mit kleindornigen Strahlen, die zu einem mehr oder 
weniger regelmäßig gebauten Gerüste mit quadratischen, dreieckigen oder polygonalen Maschen 
verschmelzen. Beide Oberflächen und die Wandungen der Epirhysen und Aporhysen sind von — 
porösen Kieselmembranen überzogen, die aus plattigen Verbreiterungen der äußersten Lychnisken- | 
strahlen hervorgehen. | 

Im Gegensatze zu den beiden anderen Arten bildet Lepidospongia inermis an der Oberiiaeme der 
Innenseite keinerlei schuppen- oder siebartige Beläge und Gespinste. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 


— 271 — 


Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 2 
Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Rhizopoterion v. ZITTEL. 


Der dickwandige Schwammkörper ist trompeten-, hutpilz- oder schirmförmig und hat einen langen 
Stiel mit sehr kräftiger, mehr oder weniger stark verzweigter Wurzel. Außenseite mit großen, ovalen 
oder spaltförmigen, in Längsfurchen liegenden Ostien von einfachen Epirhysen, die blind unter der Ober- 
fläche der Innenseite endigen. Innenseite mit in Quincunx stehenden, ovalen oder runden Postiken 
von Aporhysen, die unter der Oberfläche der Außenseite beginnen. Das mehr oder weniger unregelmäßig 
gebaute Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken mit bedornten Strahlen. Die Oberfläche der Außenseite 
ist mit einer von den äußeren Strahlen der dermalen Lychniske ausgehenden porösen Deckschicht über- 
zogen, über die sich an dem röhrenförmigen Unterteil des Schwammkörpers ein mit dem Wurzelgewebe 
übereinstimmendes Geflecht aus achsenkanalfreien Kieselfäden legt. Die innere Oberfläche ist im Stiele 
frei von Deckschicht, aber mit einem zarten Gespinste bekleidet, das aus unregelmäßig orientierten kleinen 
Lychnisken und Hexaktinen besteht. An den marginalen Teilen der Innenseite besitzt die Deckschicht 
eine ausgesprochene Kräuselung, die aus einem dichten Rasen von wurzelartig verästelten Zacken 
hervorgeht. 

Obere Kreide. 


Rhizopoterion cervicorne Gotpr. sp. 


1826. Scyphia cervicornis GoLpruss, Petr. Germ. Taf. IV, Fig. 11; Taf. XXV, Fig. 11. 

1877. Rhizopoterion cervicorne ZITTEL, Stud. I, S. 51. 

1883. Rhizopoterion cervicorne Hınpde, Catal. S. 116. 

Vollständige Schwammkörper von Rhizopoterion cervicorne sind m. W. nicht bekannt. 

Von den Rhizopoterion-Arten, die Freiherr vy. UNGERN-STERNBERG!) aufgestellt hat, ist Rhizo- 
poterion regulare v. UNGERN-STERNBERG ein Wurzelfragment der Tetracladine Phymaraphinia. Rhizo- 
poterion Zitteli v. UNGERN-STERNBERG, Rhizopoterion Zitteli var. angulosa v. UNGERN-STERNBERG und die 
unter dem Namen Rhizopoterion cervicorne GoLDF. sp. abgebildeten Spongienreste sind Stücke von 
Wurzeln, die z. T. kaum eine einigermaßen zuverlässige generische Bestimmung erlauben, geschweige 
denn zur Aufstellung neuer Arten Veranlassung geben sollten. 


Rhizopoterion solidum nov. sp. (Tafel XXXIV, Fig.6; Texttafel XIII, Fig. 8; Texttafel XIV, Fig. 8.) 


Der dickwandige Schwammkörper ist trompeten- oder schirmförmig und hat eine kräftige Wurzel. 
Gewöhnlich wird nur die Wurzel gefunden, weniger häufig das röhrenförmige Unterteil und nur sehr selten 
ganze Schwammkörper oder das tubenartig oder scheibenförmig erweiterte Vorderteil. 

Außenseite mit großen, längsovalen oder undeutlich quadratischen Ostien, welche in Längsreihen 


1) Die Hexactinelliden der senonen Diluvialgeschiebe in Ost- und Westpreußen. Schriften der Phys.-ökon. Ges. 
Bd. XLIII, S. 140—147, Taf. IV, Fig. 1—11. 


a 


oder seichten Längsfurchen liegen, die durch flache oder mäßig gerundete Brücken getrennt werden. 
(Die Brücken sind die Rücken von longitudinalen Radialfalten, die durch mäandrische Faltung der Wan- 
dung entstehen.) Die einfachen Epirhysen endigen blind unter der Oberfläche der Innenseite in den 
Brücken zwischen den Postiken. Die Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den - 
Brücken zwischen den Ostien und münden an der inneren Oberfläche mit in Quincunx stehenden großen 
runden Postiken. | 

Maße: Höhe bis 15 em und mehr; Dicke des röhrenförmigen Unterteils 3—6 cm; Dicke der 
Wandung 1—1,5 cm; Länge der Ostien 2—2,5 mm, Breite 1—1,5 mm; Durchmesser der Postiken 
ca. 2 mm. 4-6 Ostien und Postiken auf 1 gem. a 

Als Dietyonalia Lychniske mit bedornten Strahlen, die im Innern der Wandung zu einem mehr 
oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste mit quadratischen, dreieckigen oder unregelmäßig polygonalen 
Maschen verschmelzen. Die Oberfläche der Außenseite ist mit einer dicken, aber vielfach durchlöcherten 
Deckschicht überzogen, die aus plattigen Verbreiterungen der oberflächlich gelegenen Lychniskenstrahlen 
hervorgeht. Über die Deckschicht legt sich an den basalen Partien des Schwammkörpers ein dichtes 
Geflecht, das in seiner Zusammensetzung aus achsenkanalfreien Kieselfäden mit dem Wurzelgewebe 
übereinstimmt. Im Stiel ist die innere Oberfläche des Diktyonalgerüstes mit einem zarten Gespinste. 
überzogen, das aus unregelmäßig orientierten winzigen Lychnisken und Hexaktinen besteht, die unter- 
einander und mit den äußeren Strahlen der gastralen Lychniske verbunden sind. Außerdem wird das 
Lumen des röhrenförmigen Stiels von einem. unregelmäßigen Gerüste mit sehr weiten Maschen ausgefüllt, 
das aus langen Strängen achsenkanalfreier Kieselfäden aufgebaut wird. Stellenweise erfahren die Stränge 
eine gewisse Verfestigung durch zwischen ihnen ausgespannte plattige Geflechte. An der inneren Ober- 
fläche der marginalen Teile stimmt die Deckschicht in der Struktur mit der Deckschicht über der Außen- 
seite überein. | 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stückie:ta.8 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Rhizopoterion tubiforme nov. sp. (Tafel XXXIV, Fig. 1—5.) 


Trompetenförmig mit dicker Wandung; langgestielt mit kräftiger Wurzel. 

Außenseite mit großen spaltförmigen Ostien, die in tiefen Längsfurchen liegen. Zwischen den 
Furchen flache oder gerundete Walle, welche durch die äußeren Rücken von einfachen oder dichotomen 
longitudinalen Radialfalten gebildet werden. Innenseite mit großen längsovalen oder runden, in Quineunx 
stehenden Postiken von einfachen Aporhysen, die ihren Ursprung unter der Oberfläche der Außenseite, 
in den Skelettbrücken zwischen den Ostien, nehmen. Die Brücken zwischen den Postiken sind an der 
Oberfläche stark gekräuselt durch zahlreiche wurzelartig verästelte Zacken und Zasern, die von der Dee 
schicht der Außenseite ausgehen und die Lumina der Postiken erheblich verengern oder ganz überspinnen 
können. Die einfachen oder verzweigten Epirhysen endigen blind unter der Oberfläche der Innenseite 
in den Skelettbrücken zwischen den Postiken. 

Diktyonalgerüst wie bei Rhizopoterion solidum. 


à me lh 


me = parent Sn 


— 273 — 


Maße: Höhe des Schwammkörpers bis 30 cm und mehr; Durchmesser des erweiterten Vorder- 
teiles bis 15 em; Dicke des röhrenförmigen Unterteils 3—4 em; Dicke der Wandung ca. 1 em; Länge der 
Ostien ca. 5 mm, Breite 1—1,5 mm; Breite der Brücken zwischen den Ostienreihen ca. 2 mm; Länge der 
Postiken ca. 3 mm, Breite 1 mm. 

Rhizopoterion tubiforme unterscheidet sich von der älteren Art (Rh. solidum) u. a. durch spaltförmige, 
in tiefen Furchen liegende Ostien und durch die an der Oberfläche stark gekräuselten Brücken zwischen 
den Postiken. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Napaea nov. nom.!) 


Schwammkörper trichterförmig mit dünner Wandung, gestielt. Außenseite mit kleinen runden, 
in Quincunx stehenden Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innen- 
seite endigen. Die einfachen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche der Außenseite in den Brücken 
zwischen den Ostien, und münden mit alternierend in Längsreihen stehenden kleinen runden Postiken 
unter dem Deckgespinste der Innenseite. Die diktyonalen Lychniske bauen ein dichtes Gerüst auf, dessen 
Balken vorwiegend kubische Maschen umschließen. Beide Oberflächen mit porösen Deckschichten, die 
von den tangentialen Strahlen der dermalen und gastralen Lychniske ausgehen. Über die Deckschicht 
der Innenseite erhebt sich als Derivat der äußeren Radialstrahlen der gastralen Lychniske ein eng- 
maschiges Gespinst von in einer Ebene anastomosierenden Kieselfasern, das gleichmäßig ausgebreitet 
oder in mehr oder weniger deutliche Longitudinalbänder zerlegt ist. 

Obere Kreide. 


Napaea striata Scurammen (Tafel XXXVI, Fig. 11, 12, 13; Texttafel XIV, Fig. 9, 11.) 


1902. Eudietyon siriatum SCHRAMMEN, Hexact. S. 15, Taf. II, Fig. 5; Textfigur 2. 

1902. ÆEudictyon diagonale SCHRAMMEN, Hexact. S. 16, Taf. I, Fig. 5. 

Trichterférmig mit dünner Wandung, gestielt. Außenseite mit gleichmäßig verbreiteten oder in 
Längsfurchen liegenden und in Quincunx geordneten, ca. 0,5 mm weiten, etwa um ihren Durchmesser 
voneinander entfernten Ostien (ca. 14 auf 0,5 qem) von geraden röhrenförmigen Epirhysen, die blind 
unter der Oberfläche der Innenseite endigen. Die einfachen Aporhysen beginnen unter der Oberfläche 
der Außenseite in den Brücken zwischen den Ostien und münden an der Innenseite unter dem Deck- 
gespinste mit kleinen, in alternierenden Längsreihen stehenden Postiken. 

Maße: Höhe des Schwammkörpers 4—6 cm; größte Weite 6—8 em; Dicke der Wandung 3—4 mm. 

Die diktyonalen Lychniske haben mit kleinen Dornen besetzte Strahlen und verschmelzen zu einem 
mehr oder weniger regelmäBig gebauten Gerüste. Uber die Oberfläche der AuBenseite verbreitet sich eine 
durchlécherte Deckschicht, die von den an der Oberfläche liegenden Strahlen der dermalen Lychniske 


1) Der früher (Neue Hexactin. S. 15) von mir gebrauchte Gattungsname Eudictyon ist schon vergeben. 
Palaeontographica, Suppl.-Bd. V. 35 


— 274 — 


ausgeht. Mit der Deckschicht hängen wurzelartig verzweigte zackige Kieselfasern zusammen, die mit- 
einander in einer Ebene anastomosieren, und die ganze Außenseite des Schwammkörpers mit einem 
schleierartigen Gespinste überziehen. Die Innenseite ist ebenfalls mit Deckschicht überzogen, die den 
Charakter eines lockeren, plattigen Geflechtes hat, das über und zwischen den tangentialen Strahlen der 
gastralen Lychniske ausgespannt ist. Hieriiber erhebt sich als Derivat der äußeren Radialstrahlen ein 
sehr engmaschiges, in 2—3 mm breite Longitudinalbänder zerlegtes Deckgespinst, das aus plattigen 
und gezackten Kieselfasern besteht, die in derselben Ebene anastomosieren. An älteren Individuen kénnen 
die porösen Bänder durch Ausfüllung der Maschen zu soliden Kieselplatten (wie bei Lepidospongia rugosa) 
werden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10; 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Napaea micropora nov. sp. (Tafel XXXVI, Fig. 10.) 


Unterscheidet sich von der anderen Art durch einen kleineren Schwammkörper, winzigere Ostien, 
ein engmaschigeres Diktyonalgerüst und weniger deutlich entwickelte Longitudinalbänder an der Ober- 
fläche der Innenseite. 

Maße: Höhe 4—5 cm; größte Weite 4—5 em; Dicke der Wandung ca. 3 mm; Anzahl der Ostien. 
auf 0,5 qem ca. 30 (bei N. striata 12—14). 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Pleuropyge nov. gen. 


Schwammkörper zusammengedrückt-röhrenförmig, langgestielt. Äußere Oberflächen der Breit- 
seiten mit in undeutlichen Längsreihen liegenden, ziemlich großen, ovalen oder spaltförmigen Ostien. 
Schmalseiten mit übereinander liegenden, großen rundlichen Wandlücken. Die diktyonalen Lychniske 
verschmelzen zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste, dessen Außenseite mit einer 
dichten Deckschicht überzogen ist. 

Innere Oberfläche unbekannt. 

Obere Kreide. 


Pleuropyge plana nov. sp. (Tafel XXXVII, Fig. 3; Texttafel XIII, Fig. 9.) 


Zusammengedrückt-röhrenförmig (wie Pleurostoma radiata, Pleurope u. a.) mit gerundetem Vorder- 
rande und geraden, nach unten konvergierenden Seiten, langgestielt. 

Äußere Oberfläche der breiten Seiten mit zu undeutlichen Längsreihen geordneten, ziemlich großen, 
ovalen oder spaltförmigen Ostien, zwischen denen flache oder gerundete, bandartige Brücken liegen. 


Schmalseiten mit groBen, runden oder ovalen Wandliicken, die übereinander liegen und dicke wulstige 
Ränder haben. 

Maße: Länge des Schwammkörpers ca. 10 cm; Breite am vorderen Ende ca. 4 cm; Dicke ca. 1 em; 
Dicke der Wandung ca. 3 mm; Länge der Ostien 2—5 mm, Breite 1—2 mm; Durchmesser der rundlichen 
Öffnungen an den Schmalseiten 0,5—1 em. 

Die Dictyonalia sind Lychniske mit kleindornigen Strahlen, die zu einem mehr oder weniger 
unregelmäßig gebauten, ziemlich dichten Gerüste verschmelzen. Die Oberfläche der Außenseite ist mit 
einer geflechtartigen Deckschicht überzogen, die an den basalen Partien des Schwammkörpers aus 
- achsenkanalfreien Kieselfasern besteht. 
| Die Oberfläche der Innenseite habe ich nicht freilegen können. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.), Biewende (h.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Se it ees 


Familie Polyblastididae nov. fam. 


Stockartige Lychniscosa, deren Schwammkérper aus zahlreichen kreiselförmigen Knospen mit 
radial gefalteter Wandung und gut entwickeltem Paragaster besteht, die von einem dünnröhrenförmigen 
Achsenteile ausstrahlen. Ostien klein, oval. Ohne Aporhysen und Postiken. Die Lychniske haben klein- 
dornige Strahlen, die zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste verschmelzen. Äußere 
Oberfläche mit Deckschicht. Innenseite ohne Deckschicht, aber mit einem, aus den verlängerten äußeren 
Radialstrahlen der gastralen Lychniske bestehenden Rasen von Kieselstacheln. 

Obere Kreide. 


Gattung Polyblastidium v. ZITTEL. 


Traubige Stöckchen, die aus einem. langgestielten röhrenförmigen Achsenteile bestehen, von dem 
zahlreiche kreiselförmige Knospen mit dünner, radial gefalteter Wandung und weitem Paragaster ent- 
springen. Außenseite der Knospen und des Achsenteils mit ovalen Ostien. Aporhysen und Postiken 
fehlen. Die diktyonalen Lychniske verschmelzen zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten 
Gerüste, dessen äußere Oberfläche von einer porösen, aus durchlöcherten Verbreiterungen der tangentialen 
Strahlen der dermalen Lychniske hervorgehenden Deckschicht überzogen wird. Innere Oberfläche ohne 


Deckschicht, aber mit einem Rasen von langen Kieselstacheln, der aus den verlängerten äußeren Radial- 
strahlen der gastralen Lychniske besteht. 
| Obere Kreide. 


| Polyblastidium racemosum T. Smrr sp. (Tafel XXXVIII, Fig. 8—10; Texttafel XIII, Fig. 10.) 


1848. Brachiolites racemosus T. Smiru, Ann. u. Mag. Nat. Hist. Bd. I, S. 364, Taf. XIII, Fig. 6. 
1864. Cephalites ellipticus RoEMER, Sp. S. 7, Taf. IV, Fig. 6. 


— 276 — 


1877. Polyblastidium luxurians v. ZITTEL, Stud. I, S. 52: Neues Jahrbuch 1878, Taf. II, Fe ak 

1883. Polyblastidium racemosum Hinpe, Catal. S. 119, Taf. XXVII, Fig. 2. 

1883. Polyblastidium luxurians HınDe, Catal. S. 119. 

1902. Polyblastidium racemosum SCHRAMMEN, Hexact. S. 10, Taf. II, Fig. 3. 

Wie bei der Hyazinthe die einzelnen Blütenglöckchen an dem langen Stengel sitzen, entspringen bei … 
Polyblastidium racaemosum von einem. langgestielten, dünn-röhrenförmigen Achsenteile zahlreiche, eng 
zusammen- oder weit auseinanderliegende, kreiselförmige, am Scheitel geöffnete und mit einem weiten 
Paragaster versehene Knospen, deren dünne Wandung eine ausgesprochene Radialfaltung aufweist. 

Außenseite der Knospen und auch der röhrenförmigen Achse (bis auf den dichten Stiel) mit längs- 
ovalen oder spaltförmigen Ostien, zwischen denen gerundete Brücken liegen. Aporhysen und Postiken fehlen. 

Die Form der Knospen schwankt. Die beiden Extreme, auf der einen Seite kreiselförmige und fast 
geschlossene, auf der anderen weitgeöffnete querovale Knospen werden durch v. Zirrets Abbildung 
von Polyblastidium luxurians (a. a. O. Taf. 3, Fig. 7) und Rormers Abbildung von Cephalites ellipticus 
(Sp. Taf. 4, Fig. 6) zur Darstellung gebracht. (Wer sich eine gute Vorstellung von den Bilderrätseln, 
die RoEMER z. T. gibt, machen will, vergleiche Roemers Artabbildung 1. c. Taf. 4, Fig. 6 mit den Licht- 
bildern Taf. XXXVIII, Fig. 8—10 dieser Abhandlung.) 

Maße: Länge des Schwammkörpers 5—10 em; Längsdurchmesser der Knospen 1—1,5 em; 
Dicke der Knospen am Scheitel 0,5—1 em; Dicke der Knospenwandung 2—4 mm; Dicke des röhren- 
förmigen Zentralteils 3—6 mm; Länge der Ostien 0,5—2 mm; Dicke der Brücken zwischen den Ostien 
ca. 1,5 mm. 

Das Kieselgerüst ist mehr oder weniger regelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken mit klein- 
dornigen Strahlen. Seine äußere Oberfläche ist mit einer porösen Deckschicht überzogen, die dadurch 
entsteht, daß sich zwischen den tangentialen Strahlen der dermalen Lychniske durchlöcherte Kiesel- 
membranen als plattige Verbreiterungen dieser Strahlen ausspannen. Über die Deckschicht der Außenseite 
erheben sich bei günstiger Skeletterhaltung die äußeren Radialstrahlen der dermalen Lychniske als lange 
schlanke Kieselstacheln. Die innere Oberfläche ist frei von Deckschicht, aber mit einem stacheligen 
Überzuge versehen, der aus den stark verlängerten, zugespitzten oder wurzelartig verzweigten, äußeren 
Radialstrahlen der gastralen Lychniske zusammengesetzt ist. Struktur des Achsenteils wie bei den 
Knospen. Der eigentliche Stiel besteht aber nur aus achsenkanalfreien, durch Synapticula verbundenen 
Kieselfäden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 15. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Familie Actinocyclidae nov. fam. 


Pilz- oder schirmförmige Lychniscosa. Oberseite mit zahlreichen, in der Mitte beginnenden, ein- — 
fachen oder vergabelten, flachen oder gewölbten Radialfalten. Unterseite mit vom Stiele nach dem 
Rande verlaufenden, in einfachen oder dichotomen Reihen stehenden, großen rundlichen Ostien von 


— 27 — 


kurzen Epirhysen, die im Innern der Radialfalten münden. Postiken in den Furchen zwischen den 
Radialfalten oder auf den Faltenrücken und -seiten. Diktyonalgerüst ziemlich unregelmäßig. Ober- 
und Unterseite mit membranösen oder geflechtartigen Deckschichten. 

Obere Kreide. 


Gattung Actinocyclus nov. gen. 


Schwammkörper pilz- oder schirmförmig, kurzgestielt. Oberseite mit zahlreichen, in der Mitte 
_ beginnenden, einfachen oder vergabelten, flachen oder gewölbten Radialfalten. Unterseite mit Ostien- 
. reihen, deren Verlauf mit der Anordnung der Radialfalten übereinstimmt. Die einfachen Epirhysen 
. münden unmittelbar in die Radialfalten. Postiken in den Furchen zwischen den Falten oder auf den 
Faltenrücken und -seiten. Die diktyonalen Lychniske verschmelzen zu einem ziemlich unregelmäßig 
“gebauten, engmaschigen Gerüste. Scheitelfläche und Oberfläche der Außenseite mit membranösen oder 
geflechtartigen Deckschichten, die durch plattige Ausbreitungen der tangentialen Strahlen der dermalen 
und gastralen Lychniske entstehen. 

Obere Kreide. 


Actinocyclus mirus nov. sp. (Tafel XXXVII, Fig. 1, 2; Texttafel XIV, Fig. 13.) 


Schirm- oder hutpilzförmig, mit dünner Wandung, kurzgestielt. 

Oberseite mit zahlreichen, ca. 1,5 mm breiten, durch schmale Furchen getrennten, einfachen oder 
unregelmäßig vergabelten Radialbändern, die von der Mitte nach dem. Rande strahlen. Unterseite mit 
ca. 1 mm weiten, durch 1,5—2 mm breite und flache Brücken getrennten, runden Ostien, die in vom 
‚Stiel nach dem Rande verlaufenden, geraden Reihen liegen und zu kurzen röhrenförmigen Epirhysen 
gehören, die blind unter den Radialbändern der Oberseite endigen. An der Oberseite liegen in den Furchen 
zwischen den Radialbändern die winzigen Postiken. 

| Höhe des Schwammkörpers 2—4 cm; Durchmesser des scheibenförmigen Vorderteiles 5—7 cm. 
Das Diktyonalgerüst ist mehr oder weniger unregelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken 
mit bedornten Strahlen. Äußere und innere Oberfläche mit porösen Deckschichten, die durch plattige 
"und siebartig durchlöcherte Verbreiterungen der Tangentialstrahlen der dermalen und gastralen Lychniske 
entstehen. 

Bei der anderen Art erheben sich auf der Oberseite, an Stelle der flachen Radialbänder, kräftige 
 Radialfalten, und die Ostien sind doppelt so groß. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


- Actinocyclus alternans Roem. sp. (Tafel XXIX, Fig. 1, 2, 3; Texttafel XIV, Fig. 14.) 


a _ 1841. Coeloptychium alternans Roemer, Kr. Taf. IV, Fig. 6. 
1877. Marshallia alternans Zxrrez, Stud. I, S. 58. 


Pilz- oder schirmférmig, mit deutlich abgesetztem röhrenförmigem Stiele. 


= eS 


Oberseite (wie die Unterseite von Coeloptychium) mit zahlreichen, einfachen, dichotomen oder 
unregelmäBig vergabelten Radialfalten, die in der Mitte des Schirms beginnen und am Rande endigen. 
Unterseite mit strahlenférmig vom Stielansatze nach dem Rande verlaufenden, durch 3—4 mm breite 
poröse Bänder getrennten, einfachen, dichotomen oder unregelmäßig vergabelten Ostienreihen. Die 
rundlichen Ostien sind ca. 2 mm weit und liegen um ihren Durchmesser voneinander entfernt. Die ein- 
fachen Epirhysen münden unmittelbar in das Innere der Radialfalten. Auf dem Rücken und an den 
Seiten der Radialfalten unregelmäßig verteilte kleine Öffnungen, die wohl als Postiken anzusprechen sind. 

Maße: Radius des Schirms 2—5 cm; Dicke des Schirms ca. 0,5 em; Anzahl der Radialfalten 
(am Rande gezählt) bis 50 und mehr. Dicke einer einfachen (nicht gegabelten) Falte ca. 2 mm, Höhe 
ca. 3 mm; Länge des Stiels 2—5 cm. 

Das Stützskelett besteht aus Lychnisken mit kleindornigen oder fast glatten Strahlen, die zu einem 
ziemlich unregelmäßig gebauten und engmaschigen Gerüste verschmelzen. Oberfläche der Radialfalten 
und Unterseite der Wandung sind von membranösen Deckschichten überzogen. 

v. ZitTeL, der anfangs die Vermutung äußerte, daß Coeloptychium alternans RoEMER eine Becksie 
sein könnte, hat wohl kein Exemplar der Spezies in Händen gehabt, denn er nennt F. A. RoEMERS gar 
nicht üble Zeichnung der äußeren Körperform geradezu ein Phantasiegebilde. Später zog ZITTEL die 
Art zu Marshallia. (Die typische Art dieser Gattung ist Marshallia tortuosa RoEMER sp.) Ich betrachte 
Actinocyclus alternans als Typus einer neuen Gattung, für die ich eine besondere Familie errichte. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Familie Microblastididae nov. fam. 


Trichterförmige Lychniscosa mit ziemlich dicker, radial gefalteter Wandung. Auf den Falten- 
rücken liegen an der Außenseite in Längsreihen zitzen- oder warzenförmige Vorstülpungen, die, wie auch 
die Seiten der Falten, von ziemlich großen rundlichen Löchern durchbrochen werden. Äußere Oberfläche 
mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Das Diktyonalgerüst ist 
ziemlich regelmäßig gebaut. Außenseite mit Deckschicht; Innenseite ohne Deckschicht, aber stellen- 
weise mit einem äußerst zarten Deckgespinst, das von den äußeren Radialstrahlen der gastralen Lychniske 
ausgeht. 

Obere Kreide. 


+ 


Gattung Microblastidium SCHRAMMEN. 


Ziemlich dickwandige Trichter, deren Wandung aus longitudinalen Radialfalten besteht. An der 
Außenseite erheben sich auf den Faltenrücken zitzen- oder warzenförmige Vorstülpungen, die am Scheitel — 
und an den Seiten von kleinen rundlichen Löchern durchbrochen werden. Äußere Oberfläche mit winzigen 
Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. Die diktyonalen Lychniske 


— 279 — 


verschmelzen zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste mit vorwiegend kubischen Maschen. 
Außenseite mit, Innenseite ohne Deckschicht, aber stellenweise mit einem äußerst zarten Deckgespinst 
Obere Kreide. 


Microblastidium decurrens Scurammen. (Tafel XXX, Fig. 11; Tafel XXXVII, Fig. 9: Texttafel XV, 
Hosts.) 


1902. Mieroblastidium decurrens SCHRAMMEN, Hexact. 8. 15, Taf. IV, Fig. 5. 


Ein vollständiges Exemplar dieser merkwürdigen Art habe ich nicht auffinden können. Zahl- 
reiche, mehr oder weniger gut erhaltene, mehrere Zentimeter große Fragmente weisen auf einen trichter- 
förmigen Schwammkörper von erheblicher Größe hin. Die 0,5—1 em dicke Wandung bildet kräftige, 
0,3—0,5 em. breite Radialfalten, die am Stiele beginnen und mit der Vergrößerung des Querdurchmessers 
der Spongie, durch Gabelung und Einschiebung neuer Falten, an Zahl zunehmen. An der Außenseite 
erheben sich auf den Faltenrücken, als Ausstülpungen der Falten, in Längsreihen angeordnete, mehrere 
Millimeter hohe, hohle, zitzen- oder warzenförmige Fortsätze, die gewöhnlich am Scheitel von ziemlich 
großen (ca. 1,0 mm weiten) rundlichen Öffnungen durchbrochen werden. Im vorderen Teile des Schwamm- 
körpers liegen ähnliche Öffnungen auch an den Seiten der Radialfalten und in den tiefen Furchen zwischen 
den Falten. An der Innenseite der Wandung werden die Faltenrücken der Außenseite natürlich zu Falten- 
tälern, die Faltentäler zu Faltenrücken. Die Faltentäler stellen hier tiefe, longitudinale Furchen dar, 
die stellenweise durch Verwachsungen der beiden angrenzenden Faltenrücken überbrückt sind. 

Die Ostien sind winzige, dicht nebeneinander liegende Löcherchen in der äußeren Oberfläche. 
Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Als Dietyonalia Lychniske mit kleindornigen Strahlen, die zu einem Gerüste verschmelzen, dessen 
Balken vorwiegend kubische Maschen umschließen. Die äußere Oberfläche ist mit einer von den äußeren 
_Radialstrahlen der dermalen Lychniske ausgehenden Deckschicht überzogen, die an den Faltenseiten als 
zartes Gespinst oder löcherige Membran entwickelt ist, an den Rücken der Falten aber den Charakter 
eines dichten Geflechtes annimmt. In den Falten ist die innere Oberfläche gewöhnlich frei von Deck- 
schicht. Stellenweise stößt man aber auf Reste eines äußerst zarten Gespinstes, das aus anastomosierenden 
Verzweigungen der äußeren Radialstrahlen der gastralen Lychniske zusammengesetzt ist. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Sporadoscinidae nov. fam. 


Mehr oder weniger dünnwandige, kelch-, röhren-, trichter-, napf- oder schirmförmige Lychniscosa. 
Außenseite mit gleichmäßig über die Oberfläche verteilten, querovalen, spaltförmigen, rundlichen, unregel- 
mäßig polygonalen oder quadratischen Ostien von röhrenförmigen Epirhysen, die blind unter der Ober- 
fläche der Innenseite endigen. Oberfläche der Innenseite mit in Quincunx stehenden oder in Längs- 


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furchen liegenden, runden Postiken von ziemlich weiten Aporhysen, die unter der Oberfläche der AuBen- 

seite beginnen. Die Lychniske haben bedornte Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger 

unregelmäßig gebauten Gerüste. Äußere Oberfläche immer mit Deckschicht; innere Oberfläche mit oder 

ohne Deckschicht; zuweilen mit sehr zarten plattigen Kieselgespinsten. 
Obere Kreide. 


Gattung Sporadoscinia v. ZITTEL. 


Schwammkörper kelch-, napf-, trichter- oder röhrenförmig, dünn- oder dickwandig, gestielt. Außen- 
seite mit querovalen, spaltförmigen, quadratischen oder unregelmäßig polygonalen Ostien von geraden, 
einfachen oder geteilten Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innenseite endigen. Innenseite 
mit in Quincunx stehenden, rundlichen oder längsovalen Postiken. Die weiten röhrenförmigen oder ver- — 
gabelten Aporhysen endigen blind unter der Oberfläche der Außenseite. Die diktyonalen Lychniske 
haben dornige Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste. 
Beide Oberflächen und z. T. auch die Wandungen der größeren Kanäle sind mit porösen Deckschichten — 
überzogen, die aus zwischen und über den tangentialen Strahlen der äußersten Lychniske ausgespannten, 
durchlöcherten Kieselmembranen hervorgehen. 

Obere Kreide. 


Sporadoscinia Decheni Gotpr. sp. (Tafel XXXVII, Fig. 6, 7.) 


1826. Scyphia Decheni GoLpruss, Petr. Germ. S. 219, Taf. LXV, Fig. 6. 

1872. Cribrospongia Decheni SCHLÜTER, Sp. d. Münsterl. S. 22. 

1877. Sporadoscinia Decheni Zirrry, Stud. I, S. 52. 

1883. “3 > Hınoe, Catal. S. 116. 

Napf-, schalen- oder kelchförmig, diekwandig, gestielt. 

Außenseite mit großen, unregelmäßig polygonalen Ostien, zwischen denen 1—2 mm breite kantige 
Brücken liegen. An der Oberfläche ungeätzter Exemplare, bei denen die Ostien noch mit Gestein erfüllt 
sind, bilden die leistenartig vorspringenden, dünnen Kanten ein unregelmäßiges und sehr weitmaschiges 
Netzwerk. Innenseite mit längsovalen, ziemlich großen Postiken, die in Quincunx stehen und durch 
flache, ca. 2 mm breite Bänder getrennt sind. Von den Ostien und Postiken dringen gerade, röhren- 
förmige oder mehrfach geteilte Epirhysen bzw. Aporhysen in die Wandung ein, die unter der Oberfläche 
der entgegengesetzten Seite blind endigen. 

Maße: Länge bis 15 cm und darüber; Dicke am vorderen Ende bis 15 em und darüber; Dicke der 
Wandung 0,8—1,0 em; Anzahl der Ostien auf 0,5 qem 3—5, der Postiken 3—4. 

Das Diktyonalgerüst ist mehr oder weniger unregelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken 
mit kleindornigen Strahlen. Beide Oberflächen und die Wandungen der weiteren Kanäle sind von porösen 
Deckschichten überzogen, die sich als durchlöcherte Membranen über und zwischen den tangentialen 
Strahlen der gastralen und dermalen Lychniske ausspannen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Münsterland. 

Anzahl der untersuchtem Stücke: ca. 10. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


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ALERT) 


© PALAEONTOGRAPHIC 


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BEITRAEGE 
IRGESCHICHTE DER VORZEIT 


von 


E. KOKEN und ds F. POMPECKJ 


in He in Géttingen. u 


£ N Unter Mitwirkung von 
©. Jaekel, A. von Koenen, A. Rothpletz und G. Steinmann 
3 als Vertretern der Deutschen Geologischen Gesellschaft. 


Supplement V. 
Vierte Lieferung. 


Inhalt: 


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Ausgegeben. im er 1912, | 


ir Sehweizerbartsche sche ask en Nägele & Dr. Sproesser in Stuitgart: 
{1 J 11 -—— - fj 3— — = = = = 


Grundzüge der Patambilgie der Wirbeltiere 


Von 
Prof. Dr. O. Abel, Wien. 


Gr. 8°. 724 Seiten mit 470 Textfiguren. 
Preis geb, M. 18.— 


Das Werk behandelt: I. Die Geschichte und Entwicklung der Palaeontologie. II. Die Über- 
reste der fossilen Wirbeltiere. III. Die Wirbeltiere im Kampfe mit der Außenwelt. IV. Die Palaeo- 
biologie und Phylogenie — und legt die strenge Gesetzmäßigkeit dar, nach der sich seit den 
ältesten Zeiten organischen Lebens die Anpassung auf der Erde vollzieht. 

Ein gewaltiges Wissens- und neues Arbeitsgebiet ist in diesem Buche erörtert und 
eröffnet; das Werk wird von keinem Palaeontologen unberücksichtigt gelassen werden können. 


E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Nägele & Dr. Sproesser in Stuttgart. 


Die Anatomie und Physiologie der Fusulinen, 


zlans vw. Starr. | 
(Zoologica, herausgegeben von Prof. Dr. C. Chun, Leipzig, Heft 58.) 
—— 4°, VIII. 93 Seiten. Mit 2 Tafeln und 62 Textfiguren. 


Preis Mk. 24.—. 


Diese Abhandlung bildet eine wichtige und unentbehrliche Ergänzung der in der „Palae- 
ontographica“ Bd. 55, 56 und 59 erschienenen beiden ersten Teile der Monographie der 
Fusulinen von Prof. Dr. E. Schellwien +. Wenn auch durchaus auf Schellwiens lang- 
jährige Untersuchungen sich stützend, so bringt die Arbeit doch viele neue Gesichtspunkte, die 
bei einem Studium der Schellwien’schen Monographie, von der noch weitere Teile in der „Palae- 
ontographica“ erscheinen werden, unbedingt berücksichtigt werden müssen. 


E. Schweizerbart’sche TESTER BA ae Nägele & Dr. Sproesser in Stuttgart. 


Pröfehsor Dr. G. Schwalbe, Strassburg. 


1. Studien zur Vorgeschichte des Menschen. I. Zur Frage der Ab- 
stammung des Menschen. II. Das Schädelfragment von Brüx und ver- 
wandte Schädelformen. III. Das Schädelfragment von Cannstatt. 

Gr. 8°. 228 Seiten mit 4 Tafeln und 62 Textfiguren. — Mk. 18.—. 


2. Über Darwins Werk: Die Abstammung des Menschen. 
Gr. 8°. 32 Seiten. — Mk. 


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Sporadoscinia venosa Roem. sp. (Tafel XXXVII, Fig. 4; Texttafel XIV, Fig. 18.) 


1841. Scyphia venosa Roemer, Kr. Taf. III, Fig. 4. 

1902. Sporadoscinia venosa WOLLEMANN, Liineb. 8. 10. 

Kelchférmig mit dünner Wandung, gestielt. 

| Außenseite mit winzigen querovalen Ostien, die etwa um ihre Durchmesser voneinander entfernt 
liegen und zu undeutlichen Längs- und Querreihen angeordnet oder unregelmäßig über die Oberfläche 
eilt sind. Innenseite mit längsovalen oder rundlichen, ca. 1 mm weiten, in Quincunx stehenden 
iken. Die Ostien und Postiken sind die Mündungen röhrenförmiger Epirhysen bzw. Aporhysen, 
lie blind unter den Oberflächen der Innen- und Außenseite endigen. Da viel mehr Ostien wie Postiken 
anden sind, kommen auf jede Aporhyse mehrere Epirhysen, deren dünne Röhrchen kranzförmig 
weiten Lumina der Aporhysen umgeben. 

Maße: Länge bis 10 cm und mehr; Dicke 4—5 cm; ee der Wandung 0,2—0,3 em; Anzahl 
der Ostien auf 0,5 qem 20—25, der Postiken 5—7. 

¥ D Die diktyonalen Lychniske haben bedornte Strahlen, die zu einem mehr oder weniger unregelmabig 
gebauten Gerüste verschmelzen. Beide Oberflächen und z. T. auch die Wandungen der Epirhysen und 
ysen sind mit porösen Deckschichten überzogen, die aus durchlöcherten und zwischen und über 
angentialstrahlen der dermalen und gastralen Lychniske ausgespannten Kieselmembranen hervor- 
- Bei sehr guter Skeletterhaltung sind die Postiken von plattigen Gespinsten überbrückt, die aus 
wurzelartig zerschlitzten und durch Anastomosen verbundenen Enden der nach den Lumina der 
en gerichteten Lychniskenstrahlen zusammengesetzt sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Ver breitung und Vorkommen: Misburg (z. h.), Oberg (z. h.), Biewende, Lüneburg. 
Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Sporadoscinia micrommata Roem. sp. (Tafel XXXVIII, Fig. 6.) 


1841. Scyphia micrommata Rormer, Kr. S. 7, Taf. II, Fig. 11. 

_ 4872. Cribrospongia micrommata SchLüTerR, Sp. d. Münsterl. 8. 28. 
_ 1877. Sporadoscinia micrommata ZitTeL, Stud. I, S. 52. 

1883. = 2 Hınde, Catal. S. 116. 

4 1902. > CE > WoLLEMANN, Lüneb. S. 10. 


ußenseite mit ziemlich großen, querovalen oder spaltförmigen Ostien, zwischen denen kantige 
rücken liegen, die schmäler wie die Ostien sind. Innenseite mit runden oder längsovalen Postiken, 
Quincunx stehen, und etwa um ihre Durchmesser voneinander entfernt liegen. Zu den Ostien 
ren röhrenförmige Epirhysen (1—3), die unter der Oberfläche der Innenseite blind endigen. Die 
shen oder mehrfach geteilten Aporhysen endigen blind unter der Oberfläche der Außenseite. 

: a tyonalgerüst und Deckschichten wie bei den anderen Arten. 

pas @: ‚Länge 12—15 cm; Dicke am vorderen Ende bis 6 cm; Dicke der Wendung 3—5 mm; 


yeraphiea, Suppl.-Bd, V. 36 


— 282 — 


Von Sporadoscinia Decheni unterscheidet sich die Art durch einen kleineren Schwammkörper, — 
dünnere Wandungen, viel kleinere Ostien und Postiken, regelmäßigere Anordnung der Ostien und schmalere 
Brücken zwischen ihnen. Bei Sp. Quenstedti sind die Ostien quadratisch. Sp. venosa hat viel kleinere 
Ostien und (wie auch Sp. Teutoniae) glatte, bandartige Brücken zwischen den Ostien. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. h.), Oberg (z. s.), Adenstedt, Biewende, 
Lüneburg, Münsterland. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 45. 

Das Original zu der Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Sporadoscinia stirps nov. sp. (Tafel XXXVIII, Fig. 7; Texttafel XIII, Fig. 13.) 


Cylindrisch oder röhrenförmig, gestielt. 
Außenseite mit unregelmäßig polygonalen oder spaltförmigen Ostien. Innenseite mit in Quincunx 
stehenden Postiken. | 
Skelettbau und Kanalsystem wie bei Sp. micrommata. 4 
Maße: Länge 12—15 cm; Dicke durchschnittlich 3 em; Dicke der Wandung 2—2,5 mm; “Anas al 
der Ostien auf 0,5 gem 8—12, der Postiken ca. 3. 
Sporadoscinia stirps unterscheidet sich von der nächstverwandten Sporadoscinia micrommata u. a 
durch eng- cylindrische Körperform, _unregelmaBigere Ostien und größere Postiken. Sie hat dieselbe 


artigen) es chen den Ostien, an den unregelmäßigeren Ostien ae an den größeren Posts 
zu unterscheiden. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 
Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Sporadoscinia Quenstedti nov. sp. (Tafel XXXVII, Fig. 8;) 


1877. Scyphia Decheni QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVII, Fig. 2. 

1902. Sporadoscinia Decheni GoLpFuUss var. quadrata QuENST., WoLLEMANN, Lüneb. S. 10. 

Kelch-, schalen- oder trichterförmig, mit ziemlich dieker Wandung, gestielt. 

Außenseite mit großen, in mehr oder weniger regelmäßigen Längs- und Querreihen liegenden, 
quadratischen Ostien. Innenseite mit in Quincunx stehenden, längsovalen Postiken. Die röhrenförmigen 
Epirhysen und Aporhysen endigen blind unter der Oberfläche der Innen- bzw. Außenseite. 

Maße: Länge ca. 10 cm; Dicke am vorderen Ende ca. 6 em; Dicke der Wandung ca. 0,5 em 
Anzahl der Ostien auf 0,5 qem 4—6, der Postiken 3—4. | 

Diktyonalgerüst und Deckschicht über der äuBeren Oberfläche wie bei den anderen Arten. Die 
Deckschicht der Innenseite, die übrigens nur ausnahmsweise erhalten ist, hat aber einen besonderen 
Charakter. Das Gerippe bilden große unregelmäßig orientierte Lychniske. Zwischen den Tangential- 


ts 


strahlen dieser Lychniske ist ein auBerordentlich zierliches Kieselgespinst ausgespannt, das aus anastomo- 


— 283 — 


sierenden, filigranartig gezackten, plattigen Kieselbändern besteht. (Man kénnte das Gespinst aber auch 
als stark poröse Kieselmembran bezeichnen.) Die äußeren Radialstrahlen der Lychniske, die sich deutlich 
über die Deckschicht erheben, sind an den Enden baumférmig verzweigt und überziehen in ihrer Gesamt- 
heit die Oberfläche der Innenseite mit einem dichten Rasen von Kieselstacheln. 

Sporadoscinia Quenstedti ist die einzige Sporadoscinia-Art mit quadratischen Ostien und daran 
leicht zu erkennen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. s.), Ahlten (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Sporadoscinia Teutoniae nov. sp. (Tafel XXXVIII, Fig. 1, 2, 3.) 


Diese zu Sporadoscinia venosa wahrscheinlich im Verhältnis einer jiingeren Mutation stehende 
Spezies ist langgestreckt-cylindrisch oder röhrenförmig. Kanalmündungen ähnlich wie bei Sp. venosa. 
Sp. Teutoniae hat aber viel weitere Ostien und gleicht hierin Sporadoscinia micrommata, von der sie sich 
wiederum durch die bandartigen und glatten (bei Sp. micrommata leistenartigen und kantigen) Brücken 
zwischen den Ostien leicht und sicher unterscheiden läßt. 

Kanalsystem und Skelett wie bei Sp. venosa. 

MaBe: Lange 15 em; Dicke am vorderen Ende 4,5 em; Dicke der Wandung 2—3 mm; Anzahl 
der Ostien auf 0,5 qem ca. 12, der Postiken ca. 8. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Leiostracosia SCHRAMMEN. 


Schwammkörper trichter-, röhren-, kelch- oder schirmförmig, dünn- oder dickwandig, gestielt. 
Außenseite mit rundlichen oder unregelmäßig geformten Ostien, die zu Längs- und Querreihen oder in 
Quincunx geordnet oder unregelmäßig, aber in gleichen Abständen über die Oberfläche verteilt sind. 
Innenseite mit in Längsfurchen liegenden, runden Postiken. Die Epirhysen und Aporhysen sind cylind- 
risch und endigen blind unter den Oberflächen der Innen- hzw. Außenseite. Die diktyonalen Lychniske 
haben dornige Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger unregelmäßig gebauten Gerüste. 
Äußere Oberfläche mit einer über und zwischen den tangentialen Strahlen der dermalen Lychniske aus- 
gespannten porösen Deckschicht. Innenseite ohne Deckschicht, aber mit einem von den äußeren Strahlen 
der gastralen Lychniske ausgehenden plattigen Kieselgespinst, das aus in einer Ebene anastomosierenden 
gröberen und feineren Kieselfäden besteht. 

Obere Kreide. 

Die Leiostracosia-Arten sind von den Sporadoscinia-Arten u. a. an den immer in Längsfurchen 
liegenden und gewöhnlich zu Längs- und Querreihen geordneten Postiken zu unterscheiden. Ferner 


— 284 — 


entwickelt Leiostracosia an der Oberfläche der Innenseite im Gegensatze zu Sporadoscinia wohl Deck- 
gespinste, aber keine eigentliche Deckschicht. 


Leiostracosia alcyonoides Manr. sp. 


1822. Ventriculites alcyonoides MANTELL, Geol. of Suss. S. 176. 

1841. Scyphia cribrosa RoEMER, Kr. 8. 9, Taf. VI, Fig. 2. 

1870. Cylindrospongia angustata F. Roemer, Oberschlesien, S. 309, Taf. XXX, Fig. a 

1877. Ventriculites angustatus QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVI, Fig. 2, 3, 4, 7, 8, = 10,217, 12512 

1883. Ventriculites aleyonoides Hınde, Catal. S. 114. 

1897. Ventriculites angustatus s. str. LEONHARD, Kreide in Oberschl. S. 31. 

Schlank-trichterförmig oder röhrenförmig, mit zugespitzter Basis, gestielt. 

Außenseite mit in Quincunx stehenden, gleichgroßen runden Ostien von röhrenförmigen Epirhysen. 
Die Oberfläche der Innenseite habe ich nicht untersuchen können. 

Diktyonalgerüst und Deckschicht wie bei den anderen Arten. 

Maße: Länge 3—10 cm; Dicke am vorderen, Ende 2—4 cm; Dicke en sr 3—4 mm; 
Anzahl der Ostien auf 0,5 qem 5—6. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Cuvieripläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. h.), Dérnten, Gr.-Heere. 

Anzahl der untersuehten Sttioke:. ca. 15, 

Die Belegstiicke liegen in meiner Sammlung. 


Leiostracosia angustata Roem. sp. 


1841. Scyphia angustata Rormer, Kr. S. 8, Taf. III, Fig. 5. 

1845—46. ,, is Reuss, Bohm. Kr. 8. 74, Taf. XVII, Fig. 41. 

1877. Ventriculites angustatus distortus QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXX XVI, Fig. 15—-19. 

1883. Ventriculites angustatus Hinpe, Catal. 8. 114, Taf. XXVI, Fig. 3. 

1897. er ER distortus Lronu., Kreide in Oberschl. S. 31. 

1901. Ventriculites angustatus WOLLEMANN, Aufschl. im Turon etc. S. 53. 

Röhrenförmig mit zugespitztem Unterteil. 

Außenseite mit unregelmäßig rundlichen und unregelmäßig angeordneten, 1—2 mm weiten Ostien, - 
zwischen denen gerundete Brücken liegen, die etwa so breit wie die Ostien werden, aber an ungeätzten 
Exemplaren, bei denen die Ostien noch mit Gestein erfüllt sind, enger erscheinen. Von den Ostien dringen 
röhrenförmige Epirhysen in die Wandung ein, die unter der Oberfläche der Innenseite blind endigen. — 
Innenseite mit in Längsfurchen liegenden, in Quincunx oder regelmäßigen Längs- und Querreihen geord- 
neten Postiken, welche die Mündungen kurzer blinder Aporhysen darstellen. 

Maße: Länge 5—12 cm; Dicke am vorderen Ende ca. 2,5 cm; Dicke der Wandung 3—4 mm; 
Anzahl der Ostien auf 0,5 qem ca. 5, der Postiken ca. 7. 4 

Diktyonalgerüst und Deckschicht über der Außenseite wie bei L. punctata. Die Struktur der. 
inneren Oberfläche habe ich nicht ermitteln können, weil an der Innenseite aller Exemplare, die ich unter- … 
suchen konnte, die zarteren Skelettbestandteile zerstört waren. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner, Cuvieripläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. h.), Heere, Dörnten. 


Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 15. 
Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Leiostracosia punctata Scurammen. (Tafel XXXV, Fig. 1, 2; Texttafel XIV, Fig. 12.) 
1902. Leiostracosia punctata SCHRAMMEN, Hexact. S. 12, Taf. III, Fig. 3. 


Trichter- oder schirmförmig, dünnwandig. Gewöhnlich findet man nur die röhrenförmige untere 
Hälfte des Schwammkörpers. Das dünne scheibenförmige Oberteil ist infolge der lockeren Struktur 
der inneren Oberfläche sehr innig mit dem Einbettungsmaterial verbunden, wittert nicht aus oder zerfällt 
bei der Verwitterung. 

Außenseite glatt, mit nadelstichartigen, zu undeutlichen Längs- und Querreihen gruppierten 
Ostien (8—10 auf 0,5 qem) von röhrenförmigen Epirhysen, die blind unter der Oberfläche der Innenseite 
endigen. Innenseite mit in Längsfurchen liegenden, zu Längs- und Querreihen geordneten, rundlichen 
oder undeutlich quadratischen Postiken (12—14 auf 0,5 qem) von ziemlich weiten, geraden Aporhysen, 
die unter der Oberfläche der Außenseite beginnen. Höhe des Schwammkörpers 10—12 em; durch- 
schnittliche Dicke des röhrenförmigen Unterteils 3 em; Durchmesser des schirmförmigen Oberteils bis 
15 em; Dicke der Wandung 1,5—2 mm. 

Das aus Lychnisken mit dornigen Strahlen aufgebaute Diktyonalgerüst ist an der Außenseite 
und den Wandungen der Epirhysen mit einer dicken Deckschicht überzogen, die aus plattigen und durch- 
löcherten Kieselmembranen hervorgeht, welche über und zwischen den tangentialen Strahlen der dermalen 
Lychniske ausgebreitet sind. Innere Oberfläche frei von Deckschicht, aber stellenweise mit einem plattigen 
Gespinste. Dieses besteht aus achsenkanalfreien, in einer Ebene anastomosierenden stärkeren Kiesel- 
fäden, die gewissermaßen die Rippen darstellen, und einem äußerst zarten Netzwerke mit rundlichen 
Maschen, das von den stärkeren Kieselfäden ausgeht oder zwischen ihnen ausgespannt ist. 

L. punctata ist von den gleichaltrigen Arten leicht an den nadelstichartigen Ostien zu unterscheiden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Snzahl’der untersuchten Stücke: 5. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Leiostracosia robusta Scurammen. (Tafel XXXV, Fig. 4, 5, 6; Texttafel XIII, Fig. 12.) 
1902. Pachylepisma robusta SCHRAMMEN, Hexact. S. 14, Taf. I, Fig. 2. 


Becher- oder trichterförmig, dickwandig, gestielt. 

Außenseite mit großen, unregelmäßig rundlichen Ostien von geraden, unter der Oberfläche der 
Innenseite blind endigenden Epirhysen. Zwischen den Ostien 1—2 mm breite, bandartige, mit zahlreichen 
spitzen Fortsätzen versehene Skelettbrücken. Innenseite mit runden, ca. 2 mm. weiten, alternierend oder 
zu Längs- und Querreihen angeordneten Postiken, die in Längsfurchen liegen und die Mündungen röhren- 
förmiger Aporhysen darstellen, welche blind unter der Oberfläche der Außenseite endigen. 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 15 em; Dicke am vorderen Ende bis 10 em; Dicke der 
Wandung 6—8 mm; Anzahl der Postiken auf 0,5 qem 4, der Ostien 4—5. 


Texttafel XIII. 


Skelettbestandteile der Familien Ventriculitidae ZırteL, Polyblastididae SCHRAMMEN und Sporadoscinidae SCHRAMMEN. 
(In 45 facher Vergrößerung.) 


A. Schrammen del. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 
Fig. 


Fig. 
Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 


10. 


ET: 


12. 


13. 


— 287 — 


Erklärung zu Texttafel XIII. 


Familie Ventriculitidae. 
Lepidospongia fragilis ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckgespinst der 
Innenseite. 


Lepidospongia rugosa SCHLÜTER aus der Quadratenkreide von Oberg. Kieselschuppe von unten 
gesehen. 


Ventriculites radiatus MANTELL aus der Quadratenkreide von Oberg. Axenkanalfreies Wurzel- 
gewebe. 


Ventriculites radiatus MANTELL aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Ventriculites radiatus MANTELL aus dem Cuvieri-Pläner von Gr. Heere. Deckgespinst der 
Oberseite. 


Ventriculites radiatus MANTELL aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckgespinst der Oberseite. 


Lep idospongia inermis SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckschicht der Außen- 
seite. 


Rhizopoterion solidum ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Pleuropyge plana SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckschicht der Außen- 
seite von unten gesehen. 

| Familie Polyblastididae. 


Polyblastidium racaemosum T. Smitx aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Sporadoscinidae. 
Leiostracosia Brandesi SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckgespinst der 
Innenseite. 


Leiostracosia robusta SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckgespinst der 
Innenseite. 


Sporadoscinia stirps SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Oberfläche der Außenseite 
von unten gesehen. 


Das Diktyonalgerüst ist mehr oder weniger unregelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken 
mit bedornten Strahlen. Die äußere Oberfläche wird von einer dicken Deckschicht überzogen, die dadurch 
entsteht, daß sich über und zwischen den tangentialen Strahlen der dermalen Lychniske durchlöcherte 
Kieselmembranen bilden. Die innere Oberfläche ist frei von Deckschicht, aber mit einem allerdings 
nur bei ungewöhnlich guter Erhaltung und sorgfältiger Präparation nachweisbaren Gespinste überzogen, 
das von den äußeren Strahlen der gastralen Lychniske ausgeht. Das Gespinst besteht aus in derselben 
Ebene anastomosierenden stärkeren und wie die Strahlen der Lychniske mit Dornen besetzten Kiesel- 
fäden, zwischen denen filigranartig gezackte, schwächere ausgespannt sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 


— 288 — 


Anzahl der untersuchten js tieke. 5. 
Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. 


Leiostracosia Brandesi nov. sp. (Tafel XXXV, Fig. 3; Texttafel XIII, Fig. 11.) 


Röhrenförmig, mit verjüngter Basis, dünnwandig, gestielt. 

Außenseite mit kleinen, spaltförmigen, rundlichen oder unregelmäßig geformten Ostien, die durch 
etwa 1 mm breite, feingezackte, bandartige Brücken getrennt werden. Innenseite mit runden, ca. 1 mm 
weiten, alternierenden oder zu Längs- und Querreihen geordneten Postiken, die in Längsfurchen liegen. 
Von den Ostien und Postiken dringen röhrenförmige Epirhysen bzw. Aporhysen in die Wandung ein, 
die unter der Oberfläche der Innen- bzw. Außenseite blind endigen. 

Maße: Länge des Schwammkörpers bis 10 em; Dicke am vorderen Ende bis 4,5 em; Dicke der. 
Wandung ca. 3 mm; Anzahl der Ostien auf 0,5 qem ca. 12, der Postiken ca. 9. 

Die diktyonalen Lychniske haben dornige Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger 
unregelmäßig gebauten Gerüste, dessen äußere Oberfläche wie bei den anderen Arten von einer auf plattige — 
Ausbreitungen der Tangentialstrahlen zurückzuführenden porösen Deckschicht überzogen wird. Innen- 
seite ohne Deckschicht, aber mit einem zarten Deckgespinste, das aus in einer Ebene anastomosierenden, 
stärkeren und schwächeren Kieselfäden besteht. j 

Die Art unterscheidet sich von L. robusta durch einen röhrenförmigen Schwammkörper, dünnere 
Wandungen, kleinere und mehr spaltförmige Ostien und kleinere Postiken. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Callodietyonidae v. ZITTEL. 


Trichterförmige Lychniscosa mit dünner Wandung, die auch spiralig gefaltet (Marshallia v. Zırt:) 
oder dolchscheidenartig zusammengedrückt (Pleurope v. Zırr.) sein kann und dann von großen rundlichen 
Wandlücken auf den Faltenrücken oder Schmalseiten durchbrochen wird. Oberflächen mit winzigen, 
in Quincunx stehenden oder unregelmäßig verteilten Ostien und Postiken. Die Wasserzu- und -abfuhr 
erfolgt ohne Vermittlung besonderer Epi- und Aporhysen durch die weiten Skelettmaschen. Das 
Diktyonalgerüst ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken, deren Strahlen zu longitudinales] 
radialen und zirkulären Balkenzügen verbunden sind. Gewöhnlich mit Deckschichten. 

Obere Kreide. 


Gattung Callodictyon v. ZITTEL. 


Dünnwandige Trichter mit winzigen, in Quincunx stehenden Ostien und Postiken. Ohne besondere 
Epirhysen und Aporhysen. Die Wasserzu- und -abfuhr erfolgt durch die weiten kubischen Skelettmaschen, 


— 289 — 


die unter den Ostien und Postiken liegen und an den den Kanaleingängen gegenüberliegenden Seiten 
der Wandung durch solide Deckschichtpartien geschlossen sind. Die diktyonalen Lychniske verschmelzen 
zu einem sehr regelmäBig gebauten, weitmaschigen Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären 
Balkenzügen. Beide Oberflächen mit porösen Deckschichten, die hauptsächlich von den Tangentialstrahlen 
der dermalen und gastralen Lychniske ausgehen. 

Obere Kreide. 


Callodictyon fragile Roem. sp. 


1841. Scyphia fragilis RoEMER, Kr. Taf. III, Fig. 11. 

1870. Cribrospongia fragilis F. ROEMER, Oberschlesien, S. 304, Taf. XXXI, Fig. 2. 

1877. Spongites fragilis QUENSTEDT, Petr. V, S. 468, Taf. CXXXVII, Fig. 14—16. 

1897. Leptophragma fragile LEONHARD, Kreide in Oberschl. $. 33. 

Dünnwandige Trichter. Längsdurchmesser und Querdurchmesser am Vorderrande 5—10 cm; 
Wanddicke ca. 2 mm. Beide Seiten mit winzigen, undeutlich alternierenden oder ganz unregelmäßig 
angeordneten Ostien und Postiken. Besondere Epi- und Aporhysen sind nicht entwickelt. Als Dictyonalia 
Lychniske, die zu einem regelmäßig gebauten Gerüste mit vorwiegend longitudinalen, radialen und zirku- 
lären Balkenzügen verschmelzen. Außen- und Innenseite mit feinporösen Deckschichten. 

LEonHARD hat Scyphia fragilis RoëMER in die Gattung Leptophragma v. ZITTEL einbezogen. Die 
Art hat aber Lychniske im Diktyonalgerüst, während Leptophragma zu einer Familie mit Diktyonal- 
hexaktinen gehört. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. h.). 

Anzahl der untersuchten Stücke; ca. 5. 


Callodictyon infundibulum v. Zırr. (Tafel XX XI, Fig. 1; Tafel XX XXYV, Fig. 2; Texttafel XIV, Fig. 15.) 
1877. Callodietyon infundibulum Zirrez, Stud. I, 8. 57. 


Trichter- oder spitzglasförmig, mit sehr dünner Wandung (1 mm!). Längsdurchmesser des 
Schwammkörpers ca. 6 cm; Querdurchmesser am vorderen Ende ca. 4 cm. 

Außenseite mit winzigen, quadratischen, alternierend in Längs- und Querreihen (in Quincunx) 
stehenden Ostien (ca. 100 auf 0,5 gem). Innenseite mit ähnlich angeordneten, aber rundlichen Postiken 
(ebenfalls ca. 100 auf 0,5 gem). Besondere Epirhysen und Aporhysen sind nicht entwickelt. Ihre Stelle 
vertreten die weiten kubischen Skelettmaschen, die unter den Ostien und Postiken liegen. Sie werden 
an der den Kanalmündungen gegenüberliegenden Seite der Wandung durch Deckschicht abgeschlossen. 
(Analog ist der Bau des Kanalsystems bei Coscinopora. Bei dieser Gattung besitzen die Epirhysen und 
Aporhysen aber gut ausgebildete Wandungen, die aus zu unregelmäßigen Geflechten verbundenen kleinen 
Lychnisken zusammengesetzt sind.) 

_ Das Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken mit bedornten Strahlen, die zu einem sehr regelmäßig 
gebauten Balkenwerke mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Beide 
Oberflächen sind mit Deckschichten überzogen, die namentlich von den Tangentialstrahlen der dermalen 
und gastralen Lychniske ausgehen. Die Deckschicht der Außenseite ist eine dünne Kieselmembran, an 
der große quadratische Öffnungen (die Ostien) mit soliden Deckschichtpartien abwechseln (wie bei einem 
Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. , 37 


— 290 — 


Schachbrette die hellen und dunklen Felder). Die Deckschicht der Innenseite stimmt in den Grund- 
zügen des Baus mit der Deckschicht der AuBenseite überein. Die Offnungen (Postiken) sind aber etwas 
kleiner wie an der Außenseite und stehen unregelmäßiger. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg (z. s.), Ahlten. 
Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Pleurope v. ZITTEL. 


Dolchscheidenförmig. Schmalseiten mit übereinander liegenden, großen, rundlichen Wandlücken. 
Außenseite der Breitseiten mit dicht nebeneinander liegenden, winzigen, ovalen Ostien. Innenseite mit 
ähnlich angeordneten, rundlichen Postiken. Besondere Epi- und Aporhysen sind nicht entwickelt. Die 
Wasserzirkulation erfolgt vielmehr durch die weiten kubischen Skelettmaschen. Die diktyonalen Lych- 
niske verschmelzen zu einem regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären 
Balkenzügen. Die äußere Oberfläche ist mit einem mehr oder weniger dichten Geflechte achsenkanal- 
freier und durch Synapticula verbundener Kieselfasern überzogen. Innere Oberfläche mit einer plattigen 
Deckschicht, die von zahlreichen großen und kleinen Löchern (den Postiken) durchbrochen wird. 

Obere Kreide. 


Pleurope lacunosa Roem. sp. (Tafel XXXIII, Fig. 4; Texttafel XIV, Fig. 16.) 


1841. Pleurostoma lacunosum RoEMER, Kr. Taf. I, Fig. 12. 
1877. Pleurope lacunosa Zxrrez, Stud. I, S. 58. 
Dolchscheidenförmig, langgestielt. 
Schmalseiten mit übereinander liegenden, großen rundlichen Wandlücken. Äußere Oberfläche der 
beiden Breitseiten mit winzigen, ovalen, dicht nebeneinander liegenden Ostien, die undeutlich alternieren 
oder ganz unregelmäßig angeordnet sind (ca. 50 auf 0,5 qem). Innere Oberfläche mit ähnlich grup- 
pierten, aber rundlichen Postiken. Die Wasserzirkulation erfolgt ohne Vermittelung besonderer Epi- 
und Aporhysen unmittelbar durch die weiten kubischen Maschen des Gerüstes. | 
Maße: Länge des Schwammkörpers 10 cm und mehr. Breite am vorderen Ende ca. 3 em, Dicke 
1 cm. Dicke der Wandung 2 mm. Länge der großen Wandlücken an den Schmalseiten 5—15 mm, 
Breite 3—6 mm. 
Die diktyonalen Lychniske, deren Strahlen mit langen Dornen besetzt sind, verschmelzen im Inneren 
der Wandung zu einem sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären 
Balkenzügen. Hierüber legt sich an der Außenseite ein dichtes Geflecht von Kieselsträngen, die aus 
achsenkanalfreien und durch Synapticula verbundenen Kieselfasern bestehen. An den beiden Breitseiten 
des Schwammkörpers ist das Geflecht durch die zahlreichen Ostien, die in der Regel über den quadratischen 
Maschen des eigentlichen Diktyonalgerüstes liegen, lockerer. An den Schmalseiten, und hier namentlich 
am Rande der Wandlücken nimmt es steinartige Konsistenz an. Auch die innere Oberfläche ist von Deck- 
schicht gebildet, die sich als dünnes, von rundlichen, undeutlich alternierenden Löchern (den Postiken) 
‚durchbrochenes Kieselgeflecht über die innerste Lychniskenlage legt. Die äußere Oberfläche dieser Deck- 


— 291 — 


schicht erhält durch zahllose winzige Kieselstacheln eine feine Körnelung. Achsenkanäle habe ich auch 
in der Deckschicht der Innenseite nicht beobachtet. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: A. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Marshallia v. ZITTEL. 


Langgestielte Trichter, deren dünne Wandung longitudinale Spiralfalten bildet. Auf den Falten- 
rücken große rundliche Wandlücken. Außenseite mit in Quincunx stehenden oder unregelmäßig verteilten 
Ostien. Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Die diktyonalen Lychniske verschmelzen zu einem 
regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. Außenseite mit 
einer geflechtartigen Deckschicht, deren Struktur mit dem Wurzelgewebe übereinstimmt. 

Obere Kreide. 


Marshallia Frechi nov. sp. 


Von dieser neuen Art kenne ich nur ein Exemplar, an dem leider der vordere und wohl größte Teil 

der Wandung fehlt. An dem langgestielten Fragment sind aber die Anfänge der longitudinalen Spiral- 
falten und die großen Wandlücken auf dem Faltenrücken deutlich erkennbar. 

| Oberfläche der AuBenseite mit rundlichen Ostien (40—50 auf 0,5 qem), die aber nicht wie bei 

_ Marshallia tortuosa in Quincunx stehen, sondern unregelmäßig über die Oberfläche verteilt sind. Die 

Oberfläche der Innenseite habe ich nicht freilegen können. Besondere Epi- und Aporhysen sind nicht 

entwickelt. 

| M. Frechi scheint etwas größere Dimensionen zu erreichen wie die folgende Art. 

Das Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken, deren mit langen Dornen besetzte Strahlen im 

Innern der Wandung zu einem sehr regelmäßig gebauten weitmaschigen Gerüste mit longitudinalen, 

radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Nach der äußeren Oberfläche hin wird das Gerüst 

unregelmäßiger, weil die Orientierung der Lychniske wechselt und schließlich geht es an der Außenseite 

in das unregelmäßige Deckgeflecht über, das in der Struktur mit dem Gewebe der Wurzel übereinstimmt. 

Alter und Facies: Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen: Gr.-Heere (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Marshallia tortuosa Roem. sp. (Texttafel XV, Fig. 12.) 


1864. Pleurostoma tortuosa ROEMER, Sp. 8. 15, Taf. VI, Fig. 1. 

1877. Marshallia tortuosa Zirte., Stud. I, S. 58. i 4 
4 > Dünnwandige, langgestielte Trichter. Die Wandung bildet mehrere rechts gewundene, longitudinale 
‘Spiralfalten, deren Rücken von großen, übereinander liegenden, rundlichen Wandlücken durchbrochen 


werden. Basis mit ziemlich langen (in der Regel abgebrochenen!), röhrenförmigen Fortsätzen (wie bei 


oo = 


i) 


a TY 


— 292 — 


Becksia Soekelandi), die auf den Rücken der Falten entspringen und zur Unterstützung der keilférmigen 
Wurzel dienen. 

Außenseite mit in der Richtung der Spiralfalten in Längs- und Querreihen geordneten bezw. in 
Quincunx stehenden winzigen Ostien (ca. 70 auf 0,5 gem). Eigentliche Postiken, Epi- und 
Aporhysen fehlen. Die Wasserzirkulation und Wasserabfuhr erfolgt vielmehr unmittelbar durch die 
Skelettmaschen. 

Maße: Längsdurchmesser ca. 15 cm; Querdurchmesser am vorderen Ende 7 cm; Durchmesser 
der rundlichen Öffnungen auf den Faltenrücken 2—3 mm; Dicke der Wandung ca. 3 mm. 

Die Dictyonalia sind Lychniske mit glatten oder bedornten Strahlen, die im Innern der Wandung 
zu einem ziemlich engmaschigen, aber regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und 
zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Die Außenseite ist von einem, in der Struktur mit dem Wurzel- 
gewebe übereinstimmenden Geflechte achsenkanalfreier Kieselfäden überzogen, das von den Ostien durch- 
brochen wird. Innere Oberfläche ohne Deckschicht. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Familie Coscinoporidae v. ZITTEL emend. 


Trichter- oder becherförmige Lychniscosa mit dünner Wandung und kräftiger Wurzel. Außen- 
und Innenseite mit kleinen, in Quincunx stehenden Ostien bzw. Postiken. Die geraden röhrenförmigen 
Epirhysen und Aporhysen endigen blind unter den Oberflächen der Innen- bzw. Außenseite. Diktyonal- 
gerüst unregelmäßig; an beiden Oberflächen mit plattigen und durchlöcherten Deckschichten, die von 
dermalen und gastralen Stauraktinen ausgehen. 

Obere Kreide. 

Ich beschränke die Familie mit entsprechender Änderung der Diagnose auf die einzige Gattung 
Coscinopora. Die von v. ZITTEL zu den Coscinoporiden gerechneten Gattungen Leptophragma, Pleuro- 
stoma und Guettardia haben als Dietyonalia keine Lychniske wie Coscinopora, sondern Hexaktine und 
gehören darum in eine andere Tribus. 


Gattung Costinopora GOLDFUSS. 


Dünnwandige Trichter mit kräftiger Wurzel und kleinen, in Quincunx stehenden Ostien und 
Postiken. Die Epirhysen und Aporhysen durchdringen die Wandung als gerade Kanälchen und endigen 
blind unter der Oberfläche der den Kanaleingängen entgegengesetzten Seite. Das aus kleinen Lychnisken 
bestehende Diktyonalgerüst nimmt an den Scheidewänden zwischen den Epi- und Aporhysen und unter 
den Deckschichten den Charakter eines losen Geflechtes an. Beide Oberflächen sind mit plattigen und 


— 293 — 


durchlécherten Deckschichten überzogen, die hauptsächlich von kleinen dermalen bzw. gastralen 
Stauraktinen ausgehen. 
‘ Obere Kreide. 


la Coscinopora macropora GoLpr. 
1826. Coscinopora macropora GoupFuss, Petr. Germ. 8. 31, Taf. IX, Fig. 17. 
1877. a. A v. ZITTEL, Stud. I, S. 49. 
1890. = » Poéta, Paderb. S. 219. 


Flach trichter- oder schüsselförmig, dünnwandig. Der Querdurchmesser übertrifft gewöhnlich 
den Längsdurchmesser. (Bei Coscinopora infundibuliformis ist der Langsdurchmesser fast doppelt so groß 
wie der Querdurchmesser.) Skelett und Kanalsystem im allgemeinen wie bei Coscinopora infundibuli- 
formis. Bei Coscinopora macropora stehen aber auf 0,5 qem nur ca. 25 (bei der anderen Art 50) Ostien 
und Postiken. 

Nach Poéra, der das aus dem Cuvieripläner von Störmede bei Geseke i. W. stammende Original 
von GoLpruss nocheinmal untersucht und mit anderen Exemplaren aus dem westfälischen Cuvieripläner 
verglichen hat, kommen auf 4 mm 5 Ostien. Dasselbe Verhältnis finde ich auch an meinen Stücken aus 
dem Cuvieripläner von Groß-Heere. 

Alter und Facies: Cuvieripläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Gr.-Heere (s.), Störmede. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


4 M RS A ARE EEE Be 


Coscinopora infundibuliformis GoLor. (Texttafel XV, Fig. 13. 14.) 
1826. Coscinopora infundibuliformis Gozpruss, Petr. Germ. S. 30, Taf. IX, Fig. 16; Taf. XXX, Fig. 10. 


1872. ” = SCHLÜTER, Sp. d. Münsterl. 8. 22. 

1877. a 3 QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVII, Fig. 7. 
1877. 5 Fer vy. ZITTEL, Stud. I, S. 49. 

1883. a PE Hinpe, Catal. S. 105. 

1889. A GRIEPENKERL, Königsl. S. 22. 

1900. ra en WoLLEMANN, Biewende $. 7. 

1902. = 5 WoLLEMANN, Lüneb. S. 8. 


Spitzglas- oder schlank-trichterférmig, mit stark verzweigter Wurzel, diinnwandig. 

Außenseite mit dicht nebeneinander liegenden, kleinen runden Ostien, die zu schrägen, sich recht- 
winklig schneidenden Spiralreihen angeordnet sind und in Quincunx stehen. Die Skelettbriicken zwischen 
den Ostien bilden rhombische, rundliche oder stumpfkantige Walle. Dadurch erscheinen an mit Gestein 
erfüllten Exemplaren die Ostien größer wie an geätzten. Innenseite mit in Quincunx (bzw. alternierend 
in Langsreihen) stehenden ovalen Postiken. Von den Ostien und Postiken dringen gerade Epirhysen, 
. bezw. Aporhysen in die Wandung ein. Die Epirhysen endigen blind unter der Oberfläche der Innenseite, 
. die etwas weiteren Aporhysen unter der Oberfläche der Außenseite. 
- Maße: Länge des Schwammkörpers bis 15 em und mehr; Dicke der Wandung 1,5—2,5 mm; 
Ostien und Postiken auf 0,5 qem ca. 50. 
Das Skelett besteht aus kleinen Lychnisken mit glatten oder bedornten Strahlen, die im Innern 


— 294 — 


der Wandung unter der Wechselwirkung der relativ weiten und dicht nebeneinander liegenden Epi- 
und Aporhysen zu einem ganz unregelmäßigen Gerüste verschmelzen, das an den Scheidewänden zwischen 
den Epirhysen und Aporhysen den Charakter eines plattigen Geflechtes annehmen kann. Die Oberfläche 
der AuBenseite wird von einer, Achsenkreuze von Stauraktinen führenden, Kieselmembran überzogen, 
die von den Ostien und außerdem von zahlreichen winzigen Öffnungen durchbrochen wird. Diese Deck- 
schicht wird gestützt und mit dem Lychniskengerüst verbunden durch achsenkanalfreie Kieselstränge, 
die von der äuBersten Lychniskenlage ausgehen und sich in der Kieselhaut verlieren. Auch die Oberfläche 
der Innenseite wird von einer plattigen Deckschicht überzogen, die dadurch entsteht, daB die in derselben 
Ebene liegenden Strahlen kleiner gastraler Hexaktine unter Ausbildung plattiger und durchlôcherter 
Kieselhäutchen miteinander verschmelzen. Die über die Oberfläche der Innenseite ragenden äußeren 
Radialstrahlen dieser Hexaktine endigen als wurzelartig verzweigte Kieselbüschel. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.), Misburg (z. s.), Glentorf, Biewende, 
Lüneburg, Münsterland. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 10. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Coscinopora infundibuliformis GoLpr., var. micropora nov. var. 


Allgemeine Form, Kanalsystem und Skelett wie bei Coscinopora infundibuliformis typica, aber 
hiervon verschieden durch geringere Größe des Schwammkörpers und noch kleinere Ostien und 
Postiken. 

Maße: Länge des Schwammkörpers ca. 7 cm; ca. 100 Ostien bzw. Postiken auf 0,5 gem. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Original in meiner Sammlung. 


Familie Becksidae nov. fam. 


Schaleri-, napf- und kelehförmige oder paragasterlose, knollige, krustenartige, birnförmige und dick- 
eylindrische Lychniscosa, deren dünne Wandung stark gefaltet ist und anastomosierende Röhren und 
Lappen bildet, zwischen denen unregelmäßige Cavaedien liegen. An der Außenseite der Röhren und 
Lappen winzige Ostien, die aber auch fehlen können. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken 
sind nicht entwickelt. Die Lychniske verschmelzen zu einem regelmäßig gebauten Gerüste mit longi- 
tudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen. Äußere Oberfläche mit Deckschichten, die von den 
Tangentialstrahlen der äußersten (dermalen) Lychniskenlage ausgehen, oder ohne Deckschichten. 

Obere Kreide. 


— 295 — 


Schlissel zur vorlaufigen Bestimmung der Gattungen. 


Die äußeren Strahlen der beliebig orientierten 
Oberflächen-Lychniske endigen als konische 
nn nal « + Centrosia. 


Ohne Deckschichten ....... ; 
Die äuBeren Radialstrahlen der dermalen und 


gastralen Lychniske endigen als besenförmige 


Bieselbuschel anna ee sen « . , |: Sarophora. 
Mit epidermalen und 
epigastralen  Hexak- 
dun, à à «à ee à à © « + Cyclostigma. 
(ROME Pavugaster EL, 7. Hit. HN Plocoseyphia. 


[ Das Röhrensystem ist 
deutlich entwickelt. 
Röhrenmündungen am 
Scheitel oder in regel- 
mäßigen Abständen an 


| | der Außenseite . . . Becksia. 
Ohne epidermale und er enseite ecksia 


epigastrale Hexaktine 


CR" 
— 


Die Röhren und die 
Cavaedien zwischen 
den Röhren bilden 
labyrinthartige. Anas- 
tomosen. Röhrenmün- 


Mit Paragaster . . . 


Oberfläche der AuBenseite. 


über die AuBenseite 
(wertet ..... . Callicyliz. 


Mit mehr oder weniger gut entwickelter Deckschicht an der 


| dungen unregelmäßig 


Gattung Becksia SCHLÜTER. 


Schwammkörper schalen-, napf- oder kelchférmig, seltener unregelmäßig verästelt; sitzend oder 
mit radiären stacheligen Hilfswurzeln. Die dünne Wandung ist stark gefaltet und bildet mehr oder 
_ weniger dicke, anastomosierende Röhren, zwischen denen Cavaedien von verschiedener Weite liegen. 
Äußere Oberfläche der Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken 
fehlen. Wasserabfuhr durch die an der Außenseite oder am Scheitelrande des Schwammkörpers liegenden 
Mündungen der Röhren. Das Stützskelett besteht aus Lychnisken, deren reich mit langen Kieseldornen 
und -Fasern besetzte Strahlen zu einem sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen 


— 296 — 


und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Außenseite mit Deckschicht, die von den Tangentialstrahlen 
der dermalen Lychniske ausgeht. Innenseite ohne Deckschicht. 
Obere Kreide. 


Becksia nidiformis Leonn. sp. 


1897. Plocoscyphia nidiformis LEONHARD, Kreide in Oberschl. S. 35, Textfigur 5a, b. 

1897. Plocoscyphia crassilobata LEONHARD, Kreide in Oberschl. S. 35, Taf. III, Fig. 6. 

Kelchförmig oder knollig mit tiefer Zentralhöhle, sitzend. Die ca. 1 mm dicke Wandung ist stark 
gefaltet und bildet ca. 0,5—1,0 em dicke, anastomosierende Röhren, zwischen denen engere oder weitere 
Cavaedien liegen. Mit der Außenseite kommunizieren die Cavaedien durch unregelmäßig rundliche, ovale 
oder spaltförmige Öffnungen an der äußeren Oberfläche der Spongie und durch runde, gleichgroße und 
gleichweit voneinander entfernt liegende (0,5—1,0 em weite) Öffnungen an der Oberfläche der 
Zentralhöhle. 

Außenseite der Röhren mit winzigen Ostien. 

Maße: Höhe des Schwammkörpers 3,5—9 cm; Dicke am Scheitel 4,5—9 em; Dicke der (gofaltetell 
Wandung 2—4 cm. 

Die Dictyonalia sind Lychniske, die im Innern der Wandung zu einem anscheinend ebenso repel 
mäßigen Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen wie bei den senonen Arten 
verschmelzen. Uber die Deckschicht kann ich nichts aussagen, weil die schlechte Skeletterhaltung der 
in blaugraue Eisenverbindungen umgewandelten Oppelner Exemplare keine Bau Untersuchung 
gestattet. 

LEonHARD hat die Art zu Plocoscyphia gestellt. Ich halte sie namentlich auf Grund der Körper- 
form, die übrigens bei den Exemplaren von Oppeln in jedem Falle nur durch eine höchst mühsame Arbeit 
mit der Präpariernadel zu ermitteln ist, und der Organisation des Kanalsystems für die älteste echte 
Becksie, die man kennt. ( 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: >: 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Becksia crispata QueEnsT. sp. 
1877. Gyrispongia crispata QuENSTEDT, Petr. V, S. 482, Taf. CXXXVIII, Fig. 7 


Stumpf-kegelförmig; im oberen Drittel am dicksten, nach der Basis verjüngt. Die dünne (1 mm) 
Wandung ist stark gefaltet und bildet an der Außenseite rundliche, ca. 0,8 cm dicke Wülste, die in ziemlich 
regelmäßiger Weise mit grubigen Vertiefungen abwechseln. Scheitel mäandrisch gefaltet. In der Nähe 

des Scheitelrandes entspringen mehrere 0,5—1 cm lange, ca. 0,8 cm dicke, röhrige Fortsätze. 
| Maße: Längsdurchmesser der Spongie ca. 5 cm. Dicke am Scheitel 3—4 cm. 

Das Skelett habe ich nicht untersuchen können. Ich stelle die Art aber wegen der, wie mir scheint, 
sehr charakteristischen äußeren Form zu Becksia. 

Alter und Facies: Cuvieripläner. 


— 297 — 


Verbreitung und Vorkommen: Dôrnten. 
Anzahl der untersuchten Sticke: 1. 


Becksia Soekelandi ScHLÜTER. 


1868. Becksia Soekelandi ScHLüTeEr; Sitzungsber. der niederrh. Ges. in Bonn, S. 93. 


1872. - 7” > Sp. d. Münsterl. S. 20, Taf. I, Fig. 5, 6, 7. 
1877. 5 5 QUENSTEDT, Petr. V, S. 489, Taf. CXXXVIII, Fig. 14. 
1877. > a ZITTEL, Stud. I, S. 58. 

1883. ER ER Hinpe, Catal. S. 144. 

1889. > AG GRIEPENKERL, Kônigslutter S. 23. 

1900. 5 35 WOLLEMANN, Biewende S. 8. 


Schalen- oder napfförmig. An der Basis mit langen, dünnen, soliden oder röhrenförmigen Fort- 
sätzen, die etwa wie die langen Stacheln mancher Cidaris-Arten angeordnet sind. (SCHLÜTER vergleicht 
auch die Spongie treffend mit einem bald niedrigeren, bald höheren Spitz- oder Römerglase, welches 
statt von einem Fuße, von einer größeren oder geringeren Zahl stachelförmiger Auswüchse getragen 
wird.) Die dünne Wandung ist stark gefaltet und bildet an der vertieften Innenseite (Oberseite) des 
Schwammkörpers bis kleinfingerdicke, anastomosierende Röhren, zwischen denen mehr oder weniger 
weite Cavaedien liegen. Die Röhren münden mit bis 0,5 cm weiten, etwa 1 cm voneinander entfernten, 
runden Öffnungen an der Oberfläche der Außenseite, oder bei niedrigen Exemplaren, bei denen nur ein 
einziges ringförmiges Röhrensystem vorhanden ist, wie bei dem von ScHLüTErR a. a. O. Taf. 1, Fig. 7 
abgebildeten Fragment, am Rande der Spongie. An der Außenseite legt sich die Wandung wie ein Mantel 
um das Röhrensystem. 

Oberfläche der Außenseite und äußere Oberfläche der Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epi- 
rhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Skelett wie bei den anderen Arten. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 50—80 cm, Dicke 60—90 cm; Dicke der (ungefalteten) 
Wandung 1—2 mm. Länge der Wurzelstacheln 2—4 em, Dicke 2—4 mm. 

In der Kalkmergelfacies der Quadratenkreide von Hannover scheint B. Soekelandi nicht vor- 
zukommen; wenigstens habe ich sie bei Misburg und Oberg niemals beobachtet. Sie wird hier durch die 
nahe verwandte Becksia Feuerwehri vertreten. Dagegen enthalten nach WoLLEMANN die sandigen Kalk- 
mergel von Biewende bei Börssum, die nach SchLürer überhaupt eine überraschende Übereinstimmung 
mit den Becksia Soekelandi führenden Schichten der westfälischen Quadratenkreide zeigen, die schöne 
Spongie. Vielleicht ist sie auch in der tonigen Granulatenkreide der Umgebung von Braunschweig nicht 
allzu selten. Die Vorkommnisse sind aber recht schlecht erhalten und darum nicht ganz sicher bestimmbar. 
— Wenn ich mich seiner Äußerung recht erinnere, hat Herr H. Branpes in Hoheneggelsen die Art auch 
bei Adenstedt-Bülten gefunden. 

Alter und Facies: Untersenone Tone (?), sandige Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Broitzen bei Braunschweig (?), Glentorf, Biewende, 
Münsterland. 

Anzahl’ der untersuchten Stücke: 5. 
Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 
Palaeontographbica. Suppl.-Bd. V. 38 


— 298 — 


Becksia Augustae ScHRAMMEN. (Tafel XXXX, Fig. 1; Texttafel XIV, Fig. 5.) 


1902. Becksia Augusiae SCHRAMMEN, Hexact. S. 18, Taf. II, Fig. 2. 


Schwammkürper kelchformig, sitzend, höher wie dick. Der Querdurchmesser ist wenig über der 
Basis fast so groB wie am oberen Ende. Die diinne Wandung ist stark gefaltet und bildet fingerdicke, 
anastomosierende, in longitudinaler Richtung verlaufende Réhren, zwischen denen 1—3 cm lange, stellen- 
weise durch dünne Kieselstränge überbrückte, ca. !/, em weite Cavaedien liegen. An den basalen Teilen ist 
die Faltung am stärksten. Von der Mitte ab wird sie schwächer und der Rand der Spongie ist ungefaltet. 
Die Mündungen der Röhren liegen an den marginalen Teilen des Schwammkörpers und sind schwer 
aufzufinden. 

Außenseite der Röhren mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden Ostien. Besondere Epirhysen, 
Aporhysen und Postiken fehlen. 

Maße: Längsdurchmesser ca. 12 cm; Querdurchmesser ca. 9 cm; Dicke der Wandung ca. 1 mm; 
Weite der Röhren ca. 1,5 cm. 

Das Stützskelett ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken, von deren Strahlen zahl- 
reiche wurzelartige Fortsätze ausgehen. Im Innern der Wandung verschmelzen die Lychniske zu einem 
weitmaschigen Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen und kubischen Maschen. 
An der Oberfläche der Innenseite sind die Maschen quadratisch oder durch in den Ecken ausgespannte, 
löcherige Membranen, die von den tangentialen Strahlen der gastralen Lychniske ausgehen, rundlich. 
Die Deckschicht über der äußeren Oberfläche ist viel dichter. Hier deuten nur stellenweise rundliche 
Öffnungen (die Ostien) die darunter liegenden Skelettmaschen an. Die Deckschicht resultiert aus Ver- 
breiterungen der Tangentialstrahlen der dermalen Lychniske. Die äußeren Radialstrahlen der dermalen 
und gastralen Lychniske endigen als Kieselbüschel, die besonders gut an der Oberfläche der Innenseite 
ausgebildet sind. 

Becksia Augustae ist von Becksia Soekelandi ganz verschieden. Die Röhren von Becksia Augustae 
verlaufen im allgemeinen in der Richtung der Längsachse des Schwammkörpers und die mehr oder weniger 
weiten Spalten, die an der Außenseite der Spongie zwischen den Röhren liegen, sind Cavaedien, aus denen 
das Wasser in die an der äußeren Oberfläche der Röhren liegenden Ostien eintritt. Dagegen bilden die 
Röhren von Becksia Soekelandi ringförmige Anastomosen und die großen rundlichen Öffnungen an der 
Außenseite stellen die wasserabführenden Mündungen des Röhrensystems dar. Dazu kommen noch 
die nicht unerheblichen Größenverschiedenheiten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Becksia Feuerwehri nov. sp. (Tafel XXXX, Fig. 4.) 


Niedrig-schalenförmig oder flachtrichterförmig. (Das untere Ende ist an meinen beiden Beleg- 
stücken nicht erhalten. Darum kann ich nicht sagen, ob als Hilfswurzeln strahlige Verstrebungen, wie 
an der Basis von B. Soekelandi SchLÜüTER, vorkommen.) Die kaum 1 mm dicke Wandung ist stark gefaltet 


— 299 — 


und bildet zwei zusammenhängende Röhrensysteme, ein äußeres und ein inneres. Das innere System 
besteht aus ca. 0,5 em dicken, mehr oder weniger regelmäßig anastomosierenden Röhren von rundlichem 
Querschnitt. Es kommuniziert mit der Außenseite durch zahlreiche Vorstülpungen der Röhren, die an 
der äußeren Oberfläche des Schwammkörpers rundliche, 5—8 mm voneinander entfernte, ca. 4 mm weite 
Öffnungen bilden. Das äußere System entsteht dadurch, daß die Wandung mantelartig das innere um- 
hüllt, wobei die Zwischenräume zwischen den an der Außenseite liegenden, vorgestülpten Röhren- 
mündungen des inneren Systems überbrückt werden. Die Brücken sind flach (bei B. Soekelandi gewölbt). 
Die Cavaedien des äußeren Systems anastomosieren ebenfalls; die Hohlräume sind aber im Querschnitt 
oval und münden an der Innenseite zwischen den Röhren des inneren Systems mit rundlichen Öffnungen 
oder am Rande der Spongie mit schmalen Spalten. 

Oberfläche der Außenseite der Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen 
und Postiken fehlen. 

Die Durchspülung konnte von außen nach innen oder von innen nach außen erfolgen. Im ersten 
Falle gelangte das Wasser durch die mantelartige äußere Wandung in die Cavaedien zwischen den 
Anastomosen des inneren Röhrensystems und von da an die Oberfläche der Innenseite des Schwamm- 
körpers. Im anderen trat es durch die Röhrenwandungen in die Röhren und wurde in diesen durch die 
runden Mündungen der Röhren nach außen abgeführt. 

Maße: Längsdurchmesser 2—4 cm; größte Weite 3—6 cm; Dicke der (gefalteten) Wandung 
ca. 1 cm. 

Die Dictyonalia sind Lychniske, deren Strahlen reich mit langen Stacheln und wurzelartigen Zasern 
besetzt sind und verschmelzen zu einem sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen 
und zirkulären Balkenzügen und kubischen Maschen. An der äußeren Oberfläche verdichtet sich das 
Diktyonalgerüst zu einer, von zahlreichen rundlichen Öffnungen (den Ostien) durehbrochenen plattigen 
Deckschicht, die dadurch entsteht, daß sich zwischen und über den, an der Oberfläche nicht so regel- 
mäßig wie in den parenchymalen Skelettpartien orientierten, dermalen Re poröse Kieselmem- 
branen ausspannen. Innere Oberfläche ohne Deckschicht. 

Becksia Feuerwehri unterscheidet sich von der nächstverwandten Art (Becksia Soekelandi) u. a. 
durch einen kleineren Schwammkörper und die ebene und flache (bei der anderen Spezies radial gefaltete 
und wellige) Außenseite. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Becksia arborea nov. sp. (Tafel XXXX, Fig. 2.) 


Der Schwammkörper bildet kleine, unregelmäßig verästelte Stöckchen, die aus drehrunden oder 
abgeplatteten Röhrchen bestehen, welche distal geöffnet sind. Zwischen den Röhrchen unregelmäßige 
Cavaedien von verschiedener Weite. 

Äußere Oberfläche mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

In der Tektonik des Diktyonalgerüstes stimmt die Art mit den anderen Spezies überein. 


— 300 — 


Maße: Länge des Schwammkörpers 4 em; Dicke (in der Mitte) ca. 3 em; Dicke der Wandung 
ca. 1 mm; Dicke der Röhren ca. 0,5 em. 

Bei Becksia arborea ist der Mechanismus der Durchspülung, welcher bei manchen Arten, z. B. bei 
Becksia Feuerwehri nicht ohne weiteres verständlich ist, am klarsten. Das Wasser passiert von außen 
bzw. von den Cavaedien her die Wandung und verläßt den Schwammkörper durch die Röhrenmündungen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Plocoscyphia REUSS emend. 


Der knollige, dickcylindrische oder birnförmige, paragasterlose Schwammkörper besteht aus dünn- 
wandigen Röhren und Lappen, die unregelmäßige Anastomosen bilden, zwischen denen mehr oder weniger 
weite Gavaedien liegen. Ohne Paragaster. Außenseite der Röhren und Blätter mit winzigen, dicht 
nebeneinander liegenden Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Wasserabfuhr 
durch die am Scheitel liegenden weiten Röhrenmündungen. 

Das Stützskelett besteht aus Lychnisken mit bedornten oder glatten Strahlen, die zu einem mehr 
oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste mit vorwiegend longitudinalen, radialen und zirkulären Balken- 
zügen verschmelzen. Äußere Oberfläche mit einer hauptsächlich von den Tangentialstrahlen der dermalen 
Lychniske ausgehenden geflechtartigen Deckschicht. 

Obere Kreide. 

Plocoscyphia Roemeri Lronn. 

1870. Plocoscyphia labyrinthica F. Roemer, Oberschl. S. 309, Taf. X XXIII, Fig. 7, 8. 

1877. Gyrispongia labyrinthica QUENSTEDT, Petr. V, S. 485, Taf. CX XXVIII, Fig. 12, 13. 

Undeutlich birnförmig, sitzend oder kurzgestielt. Der ganze Schwammkörper besteht aus 0,8 bis 
1,0 em dicken, dünnwandigen und unregelmäßige Anastomosen bildenden Röhren, zwischen denen rund- 
liche Cavaedien liegen. An der Außenseite bilden die Röhren kurzeylindrische blinde Vorstülpungen 
mit rundlichen oder abgestutzten Enden. Röhrenmündungen am Scheitel der Spongie. 

Äußere Oberfläche mit einer dichten geflechtartigen Deckschicht. Das Skelett ist leider an den 
Nettlinger Vorkommnissen in braunes Eisenhydroxyd, bei denen von Oppeln in Kalkspat umgewandelt. 

QuEnstepr bildet ein ungewöhnlich gut erhaltenes Exemplar ab. Gewöhnlich findet man nur die 
untere Hälfte des Schwammkörpers. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (s.), Nettlingen (z. s.), Halberstadt (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 8. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Plocoscyphia Maaki nov. sp. 


Dick-walzenförmig, sitzend. Der handlange und armdicke Schwammkörper besteht aus dünn- — 
wandigen, 1—1,5 cm dicken, anastomosierenden Röhren, zwischen denen mehr oder weniger weite, 


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unregelmäBig rundliche Cavaedien liegen, und aus dünnen, vielfach zusammengefalteten und in unregel- 
mäßiger Weise miteinander verwachsenen Lappen. 

Oberfläche der Außenseite mit einer soliden, geflechtartigen Deckschicht, die von winzigen, dicht 
nebeneinander liegenden Ostien durchbrochen wird. Die Lychniske und die regelmäßig quadratischen 
Maschen des Diktyonalgerüstes sind am Original nur stellenweise zu erkennen, weil die Wandung z. T. 
verrostet, teilweise verkieselt ist. 

Das Original erhielt ich von dem verstorbenen Apotheker Herrn J. Maak in Halberstadt, dem 
mancher Besucher der nicht zum wenigsten durch Maaxs Sammeleifer entstandenen Halberstädter 
Sammlung ein dankbares Andenken bewahren wird. 

Alter und Facies: Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen: Halberstadt. 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Plocoscyphia centuncula nov. sp. (Tafel XXXX, Fig. 5; Texttafel XIV, Fig. 2.) 
21889. Plocoscyphia annulala GRIEPENKERL, Königsl. S. 23. 


Der Schwammkörper bildet kinderfaust- bis mannsfaustgroße Knollen, die an den jüngeren (mar- 
ginalen) Partien aus lappigen, vielfach gebogenen und gekrümmten, kaum 1 mm dicken Blättern bestehen, 
welche an den älteren (basalen) Teilen zu dünnwandigen aber 0,5—1 cm dicken anastomosierenden 
Röhren verschmelzen. Zwischen den Röhren unregelmäßige Cavaedien von verschiedener Weite. 

Äußere Oberfläche der Blätter und Röhren mit winzigen, dicht aneinander liegenden Ostien. 
Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Das Stützskelett besteht aus Lychnisken, deren Strahlen mit wurzelartigen Fasern oder auch nur 
mit kurzen Zacken besetzt sind, und bildet im Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite 
ein ziemlich regelmäßig gebautes Gerüst mit vorwiegend longitudinalen, radialen und zirkulären Balken- 
zügen. An der äußeren Oberfläche tritt eine Verdichtung der äußersten Skelettlage ein, indem die 
Tangentialstrahlen der dermalen Lychniske plattig verbreitert werden. Die im Innern quadratischen 
Maschen werden dadurch zu rundlichen Öffnungen (den Ostien), deren Lumina nicht selten durch 
Überbrückung mit plattigen Kieselbalken noch weiter verengert werden. Die äußeren Radialstrahlen der 
dermalen und gastralen Lychniske endigen an beiden Oberflächen als kurze mehrspitzige Büschel. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. s.), Ahlten, Glentorf. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Centrosia SCHRAMMEN. 


Der sehr dünnwandige und stark gefaltete Schwammkörper ist knollig oder krustenartig und an 
der Oberfläche und im Innern von unregelmäßigen anastomosierenden Hohlräumen durchsetzt, zwischen 
denen schmälere, röhrige Brücken liegen, die von kleinen rundlichen Öffnungen durchbrochen werden. _ 

Die Lychniske bilden im Innern der Wandung ein ziemlich regelmäßig gebautes Gerüst, dessen 
Balken kubische Maschen umschließen. An den Oberflächen sind sie dichter gelagert und unregelmäßiger 


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orientiert. Die nach auBen gerichteten Strahlen endigen frei als kräftige konische Zapfen. Ohne Deck- 
schichten. 
Obere Kreide. 


Centrosia incrustans ScHRAMMEN. (Tafel XXXIX, Fig. 1; Texttafel XIV, Fig. 1.) 
1902. Centrosia incrustans SCHRAMMEN, Hexact. S. 16, Taf. IV, Fig. 6. 


Knollig oder krustenartig, bis kinderfaustgroß, auf anderen Spongien festgewachsen. Der 
sehr dünnwandige, stark gefaltete Schwammkörper ist an der Oberfläche und im Innern etwa wie ein 
Badeschwamm von linsen- bis erbsengroßen Hohlräumen durchsetzt, die miteinander anastomosieren. 
Zwischen diesen Hohlräumen liegen 1—3 mm dicke, gewöhnlich röhrenförmige Brücken, die an zahl- 
reichen Stellen und allen Seiten von rundlichen, ca. 1 mm weiten Öffnungen durchbrochen werden. 

Die Dietyonalia sind Lychniske mit bedornten Strahlen, die im Innern der Wandung ein ziemlich 
regelmäßig gebautes Gerüst mit quadratischen oder rechteckigen Maschen zusammensetzen. An den 
Oberflächen sind die Lychniske dichter gelagert und unregelmäßiger orientiert. Die nach außen gerichteten 
Strahlen, manchmal 2—3, endigen frei als lange spitzkonische, mit kleinen Dornen besetzte Stacheln. . 
Deckschichten sind nicht entwickelt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Das Original zur Abbildung liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Callicylix nov. gen. 


Kugelig oder birnférmig, mit tiefem Paragaster. Die sehr dünne Wandung bildet anastomosierende 
Röhren, zwischen denen gleichweite Cavaedien liegen. Röhrenmündungen an der Außenseite und auf 
der Paragasterwandung. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Die diktyonalen 
Lychniske bilden im Innern der Wandung ein mehr oder weniger regelmäßig gebautes Gerüst, das an 
den Oberflächen stellenweise den Charakter eines weitmaschigen Geflechtes annimmt. 

Obere Kreide. 


Callicylix farreides nov. sp. (Tafel XXXX, Fig. 7, 8; Texttafel XTV, Fig. 3.) 


Schwammkörper kugelig oder birnförmig, mit tiefem und engem Paragaster, bis kinderfaustgroß, 
sitzend. Die sehr dünne Wandung ist stark gefaltet und bildet ein labyrinthartiges Gewirr unregelmäßig 
anastomosierender, ca. 0,5 em weiter Röhren, ‘zwischen denen gleichweite Cavaedien liegen. Die Röhren 
sind an der Oberfläche der Außenseite geöffnet, und da die Eingänge zu den Cavaedien ungefähr ebenso 
weit wie die Röhrenmündungen sind, kann man in der Regel nur schwer unterscheiden, welche Öffnungen 
zu dem Cavaedialsystem und welche zum Röhrensystem gehören. An der Paragasterwandung münden 
die Röhren ebenfalls mit ca. 0,5 em weiten, rundlichen oder ovalen Öffnungen. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Das Skelett besteht aus Lychnisken mit kleindornigen Strahlen. Diese verschmelzen im Innern 


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der Wandung zu einem mehr oder weniger regelmaBig gebauten Geriiste mit longitudinalen, radialen und 
zirkulären Balkenztigen. An den beiden Oberflächen ändert sich der Bau insofern, als die obersten 
Skelettlagen, teilweise durch Vermehrung der Lychniske und unregelmäßigere Orientierung der Strahlen, 
den Charakter eines losen Geflechtes annehmen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 8. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Cyclostigma nov. gen. 


Schwammkörper trichterförmig mit tiefem Paragaster, aber auch diekeylindrisch und ohne Para- 
gaster, oder knollig mit lappigen Fortsätzen. Die dünne Wandung ist stark gefaltet und bildet dünne, 
an der Oberfläche der Außenseite stellenweise verbreiterte und dann von kreisrunden Löchern durch- 
brochene, anastomosierende Röhren, zwischen denen weite, unregelmäßig rundliche oder längliche 
Cavaedien liegen. Röhrenmündungen auf der Paragasterwandung oder im Scheitel. Äußere Oberfläche 
mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Die Lychniske ver- 
schmelzen zu einem mehr oder weniger regelmäßigen Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären 
Balkenzügen. Äußere Oberfläche mit geflechtartigen Deckschichten; innere mit einem Überzuge von 
kleinen Hexaktinen. 

Obere Kreide. 

Cyclostigma acinosa SCHRAMMEN. 


1902. Plocoscyphia acinosa SCHRAMMEN, Hexact. S. 17, Taf. IV, Fig. 2. 


Trichter- oder kelchförmig, mit tiefem und mehr oder weniger weitem Paragaster, langgestielt. 
An der Paragasteroberfläche liegen in gleichen Abständen etwa um ihre Durchmesser voneinander ent- 
fernte, ca. 0,5 cm. weite, runde Öffnungen. Die Brücken dazwischen sind leicht gerundet. Oberfläche der 
Außenseite mit zahlreichen, mehrere mm breiten und 1 cm und darüber langen Spalten, die durch 
schmale Brücken getrennt sind. In bestimmten Abständen sind diese Brücken verbreitert und dann 
von kreisrunden, mehrere Millimeter weiten Öffnungen mit verdickten Rändern durchbrochen. Die 
verdickten Ränder erheben sich als ringförmige Wälle etwas über die Oberfläche der Außenseite. 

Die großen Öffnungen auf der Paragasteroberfläche stellen, ebenso wie die Spalten und die um- 
wallten Öffnungen an der Oberfläche der Außenseite, die Mündungen zweier Röhrensysteme dar, die 
aus einer komplizierten Faltung der dünnen Wandung hervorgehen. Das innere System besteht aus 
gleichweiten, 0,5—1 cm dicken Röhren, die an der Innenseite des Schwammkörpers in regelmäßiger Weise 
_ anastomosieren und mit der äußeren Umgebung des Schwammes durch die großen Spalten an der 
— äußeren Oberfläche kommunizieren. Das äußere System legt sich mantelförmig um das innere. Es 
kommuniziert mit dem Paragaster vermittelst der großen Öffnungen auf der Paragasterwandung, mit 
der äußeren Umgebung der Spongie durch die mit ringförmigen Wällen versehenen Öffnungen und durch 
zahlreiche winzige Ostien an der äußeren Oberfläche. Die Röhren des inneren Systems halte ich für 
Cavaedien, in denen das Wasser an die Röhrenwandungen des anderen Systems herangeführt wurde. 


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Von hier aus (aber auch durch die kleinen Ostien an der Oberfläche der Außenseite) passierte es die 
Wandungen, um in den engeren Rohren und durch die groBen Offnungen auf der Paragasteroberfläche 
abgeleitet zu werden. Die Funktion der umwallten kreisrunden Offnungen ist mir unklar geblieben. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 10—20 em; Dicke am vorderen Ende bis 10 em; Dicke der 
Wandung 0,5—1,5 mm; Dicke der (gefalteten) Trichterwandung 1—2 cm. 

Das Stiitzskelett besteht hauptsächlich aus Lychnisken mit bedornten oder glatten Strahlen und 
bildet im Inneren der Wandung ein mehr oder weniger regelmäBig gebautes Gerüst mit longitudinalen, 
radialen und zirkulären Balkenziigen. An der Oberfläche der AuBenseite wird die Orientierung der 
Lychniske unregelmäßig. Die Strahlen differieren außerdem in der Länge und vereinigen sich unter 
beliebigen Winkeln. Die äußeren Strahlen der dermalen Lychniske endigen als lange, mit kleinen Dornen 
besetzte Kieselstacheln, an die nicht selten in beliebiger Orientierung kleine Hexaktine mit dornigen 
Strahlen festgeheftet sind. Auch an der Oberfläche der Innenseite wird die oberste Lychniskenlage von 
einem dichten Haufwerk von Hexaktinen verschiedener Orientierung und Größe überzogen, die mit den — 
gastralen Lychnisken und untereinander in inniger Verbindung stehen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Stweke: 6. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Cyclostigma maeandrina nov. sp. (Tafel XXXX, Fig. 6; Texttafel XIV, Fig. 4.) 


Dick-cylindrisch (ca. 10 cm lang, 4 em dick), ohne Paragaster, sitzend. Die ca. 1 mm dicke Wan- 
dung ist stark gefaltet und bildet ein labyrinthartiges Gewirr anastomosierender, ca. 0,8 cm dicker Röhren, 
zwischen denen ebenso weite Cavaedien liegen. Die Mündungen der Röhren und die Eingänge zu den 
Cavaedien liegen an der Oberfläche des Schwammkörpers. 

Außenseite der Röhrenwandungen mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und 
Postiken fehlen. 

Die Dietyonalia sind Lychniske mit kleindornigen Strahlen, die im Inneren der Wandung zu einem 
ziemlich regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen ver- 
schmelzen. Nach den Oberflächen hin wird das Gerüst durch verschiedenartige Orientierung der 
Lychniske unregelmäßiger. Beide Oberflächen besitzen einen Überzug von kleinen Hexaktinen mit 
bedornten Strahlen, die untereinander und mit den äußeren Strahlen der dermalen und gastralen Lychniske 
innig verbunden sind. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke 2: 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Cyclostigma lobata nov. sp. (Textfig. 4.) 


Bis handgroße und faustdicke lappige Klumpen. Oberfläche mit zahlreichen (3—10 mm weiten), ; 
unregelmäßig rundlichen oder spaltförmigen Gruben (den Cavaedien), die durch 1—5 mm breite Brücken 


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getrennt werden. Die Ricken der Brücken sind stellenweise von kreisrunden, mehrere Millimeter weiten 
Öffnungen durchbrochen. 

Das aus Lychnisken mit bedornten Strahlen bestehende Stützskelett bildet im Innern der Wandung 
ein mehr oder weniger regelmäßig gebautes Gerüst mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balken- 
zügen. An der äußeren Oberfläche wird das Gerüst zu einer sehr dichten Deckschicht verdichtet, welche 
die ganze Außenseite gleichmäßig überzieht. 


Textfigur 4. 


Cyclostigma lobata SCHRAMMEN aus der Mucronaten-Kreide von Ahlten. 


Alter und Facies: Sandige Kalkmergel der Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Ahlten (s. s.). 
Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Sarophora nov. gen. 
(Etym. 6 odoog der Besen.) 
Der dünnwandige Schwammkörper besteht aus einem inneren System horizontaler und einem 


äußeren System vertikaler Röhrenanastomosen, deren Mündungen an der Außenseite liegen. Besondere 
Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 39 


— 306 — 


Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Das aus Lychnisken bestehende Diktyonalgeriist 
ist sehr regelmäßig aus longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen aufgebaut. Beide Ober- 
flächen mit einem Rasen von Kieselstacheln, der aus den besenförmigen äußeren Radialstrahlen der 
dermalen und gastralen Lychniske zusammengesetzt ist. 

Obere Kreide. 


Sarophora armata nov. sp. (Tafel XXXIII, Fig. 5, 6; Texttafel XIV, Fig. 6.) 


Die nur 0,5 mm dicke Wandung des kaum 2 cm hohen und am Scheitel ca. 2 em dicken, kelch- 
ähnlichen Schwammkörpers ist in gesetzmäßiger Weise gefaltet, indem sie zwei Systeme von ca. 0,5 cm 
dicken, anastomosierenden Röhren bildet, ein inneres und ein äußeres. Die Röhren des inneren Systems 
liegen horizontal und münden an der Außenseite, zwischen den Röhren des äußeren Systems, mit großen 
ovalen Öffnungen. Die Röhren des äußeren Systems verlaufen ungefähr in der Richtung der Längsachse 
des Schwammkörpers und werden an der Außenseite von großen ovalen Öffnungen durchbrochen. Am 
Rande der Spongie wechseln tiefe Einbuchtungen mit schnutenförmigen Vorstülpungen. 

Besondere Ostien, Epirhysen, Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 

Die Dictyonalia sind Lychniske, deren mit langen Dornen und Stacheln besetzte Strahlen zu einem 
sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und zirkulären Balkenzügen verschmelzen. 
Die äußeren Radialstrahlen der dermalen und gastralen Lychniske erheben sich über die Oberflächen als 
kräftig entwickelte, besenförmige Kieselbäumchen. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Familie Calyptrellidae nov. fam. 


Aus lappigen Blättern und anastomosierenden, distal offenen Röhren bestehende Lychniscosa, 
deren Wandung nur aus einer einschichtigen Lychniskenlage besteht. Die Tangentialstrahlen verschmelzen 
zu einem sehr regelmäßig gebauten Gitterwerk; die Radialstrahlen endigen an den dermalen und gastralen 
Oberflächen als konische Zapfen. 

Obere Kreide. 


Gattung Calyptrella nov. gen. 


(Etym. 1) xaAörtoa der Schleier der Frauen.) 


Der Schwammkörper besteht aus sehr dünnwandigen, gefalteten Blättern und anastomosierenden 
Röhren, die distal geöffnet sind. Das aus Lychnisken bestehende Diktyonalgerüst ist einschichtig. Die 
Tangentialstrahlen der Lychniske verschmelzen zu einem. sehr regelmäßig gebauten Gitter. Die Radial- 
strahlen endigen an beiden Oberflächen als konische Zapfen. 

Obere Kreide. 


— 307 — 


Calyptrella Bertae nov. sp. (Tafel XX XIII, Fig. 7,8; Tafel XXXXV, Fig. 1; Texttafel XIV, Fig. 12.) 


Diese neue Art läBt an Zartheit der Wandung und Zierlichkeit der Gestalt alle anderen fossilen 
_ Hexactinelliden mit Lychnisken weit hinter sich. 

Die nur 0,2 mm dicke Wandung des etwa kastaniengroßen, knollenförmigen, von mehreren röhrigen 
Wurzelpfeilern getragenen Schwammkörpers bildet 4—6 mm weite, unregelmäßig anastomosierende 
_ Röhrchen von rundlichem oder ovalem Querschnitt, die distal geöffnet sind. Zwischen den Röhren un- 
regelmäßige Cavaedien, die etwa ebensoweit wie die Röhren oder noch etwas weiter sind. 

it Die Röhrenwandung besteht nur aus einer ein schichtigen Lage von Lychnisken, die mit ihren 
_ Tangentialstrahlen zu einem sehr regelmäßig gebauten Gitterwerk mit longitudinalen und zirkulären 
 Balkenzügen verschmelzen, während die beiden Radialstrahlen an den Oberflächen als lange, mit kleinen 
_ Dornen besetzte, konische Zapfen frei endigen. An den jüngeren Skelettpartien sind die Strahlen der 
_ Lychniske dornig, an den älteren glatt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Merbrertung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

zahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Familie Plectascidae nov. fam. 


Stockartige Lychniscosa, deren Wandung durch Faltung lappige Blätter und dicke anastomosierende 
Röhren bildet, die distal geöffnet sind. Beide Oberflächen mit in Längs- und Querreihen liegenden, 
ziemlich großen Ostien bezw. Postiken. 

E Obere Kreide. 


Gattung Plectascus nov. gen. 
(Etym. mléxros geflochten, doxög der Schlauch.) 


Unregelmäßige Knollen oder Stöcke, deren dünne Wandung stark gefaltet ist und fingerdicke 
anastomosierende Röhren bildet, die distal geöffnet sind. Beide Oberflächen mit in Längs- und Querreihen 
liegenden, ziemlich großen Ostien bzw. Postiken. Die Dictyonalia sind Lychniske. 

Obere Kreide. 

Die Gattungsdiagnose steht auf etwas schwachen Füßen, weil es nicht ganz sicher ist, daß die beiden 
Plectascus-Arten in der Tat nah verwandt sind. Die Übereinstimmung in der äußeren Form geht zwar sehr 
weit. Von Plectascus labrosus kenne ich aber die Anordnung der Ostien und Postiken nicht genau und 
bei Plectascus clathratus ist die feinere Skelettstruktur noch zu ermitteln. 

Als typische Art betrachte ich Plectascus clathratus RoEm. sp. 


Plectascus labrosus T. Situ sp. (teste HINDE). 
1883. Plocoscyphia labrosa T. SmitH bei Hinpe, Catal. S. 133, Taf. X XIX, Fig. 2. 
Die 2—3 mm dicke Wandung des bis handgroBen, knolligen Schwammkörpers ist stark gefaltet 


— 308 — 


und bildet unregelmäßig anastomosierende Röhren und Lappen. Die Röhren haben eine lichte Weite 
von 1—1,5 em und sind distal geöffnet. { 
Das Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken. j 
Oberflächenstruktur und Kanalsystem habe ich nicht feststellen können, weil die Wandung des « 
einzigen Exemplars, das ich untersuchen konnte, sehr schlecht erhalten ist. 
Alter und Facies: Varianspläner. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Langelsheim (s.). 
Anzahl:der.untersuchten Stücke; 3. 
Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Plectascus clathratus Rormer sp. 


mr = ie - 


1864. Dendrospongia clathrata RoEMER, Sp. S. 20, Taf. VIII, Fig. 5. 

Die 2—3 mm dicke Wandung der Spongie bildet bis handgroße, lappige Ausbreitungen, deren 
marginale Partien aus ca. fingerdicken, mehrere Zentimeter langen, anastomosierenden Röhren bestehen, 
die distal geöffnet sind. Beide Oberflächen mit bis 1 mm weiten, etwa um ihren Durchmesser voneinander 
entfernten, in Längs- und Querreihen liegenden Ostien bzw. Postiken. 

Die Art ist bei Nettlingen nicht gerade selten, kommt aber stets nur in total verrosteten 
Exemplaren vor. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Nettlingen (z. s.), Halberstadt. 

Anzahl der untersuchten Stücke: 5. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


ER 


an ee Cw — 


Familie Oncotoechidae nov. fam. 


Cylindrische oder birnférmige Lychniscosa mit engem und tiefem Paragaster, deren dünne Wandung 
an der AuBenseite radiale Vorstülpungen bildet, die an den Scheiteln abgestutzt und durch tiefe Furchen 
getrennt sind. Äußere Oberfläche mit unregelmäßig verteilten, kleinen Ostien. Das Diktyonalgerüst 
ist ziemlich unregelmäßig. Mit oder ohne Deckschicht. 

Obere Kreide. 


Gattung Oncotoechus nov. gen. 
(Etym. 6 öyxog der Wulst, 6 toizog die Wandung.) 


Cylindrisch oder birnförmig, mit engem und tiefem Paragaster, gestielt. Außenseite mit mehr 


oder weniger zahlreichen, aus Vorstiilpungen der stark gefalteten Wandung hervorgehenden, durch tiefe 
Furchen getrennten Fortsätzen, deren abgestutzte Scheitel in derselben Ebene liegen. Äußere Oberfläche 
mit unregelmäßig verteilten, kleinen, runden Ostien. Das Diktyonalgerüst besteht aus mehr oder weniger 
unregelmäßig orientierten Lychnisken. Mit oder ohne Deckschichten. 

Obere Kreide, 


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— 309 — 


Oncotoechus cavernosus nov. sp. (Textfig. 5.) 


Birnförmig, mit abgestutztem Scheitel; bis faustdick, kurzgestielt. Die dünne Wandung ist stark 
gefaltet. An der Außenseite der oberen Hälfte bılden die Falten Vorstülpungen in Form radialer Fort- 
sätze, die durch tiefe, unregelmäßig geformte Furchen und 
Löcher getrennt sind. Die Scheitel der Fortsätze sind ab- 
geflacht und liegen in derselben Ebene. Etwa von der 
Mitte bis zum Stiel ist die Außenseite ungefaltet und eben. 
Wie bei O. subrutus sind winzige rundliche Ostien 
unregelmäßig über die ganze Oberfläche der Außenseite ver- 
_ streut. Dazu kommen an der Oberfläche der unteren Hälfte 
noch zahlreiche kurze Furchenkanälchen. 
| Die Deckschicht, welche die äuBere Oberfläche des, 
_ wie bei der anderen Art, aus Lychnisken bestehenden 
Diktyonalgerüstes überzieht, ist namentlich an den basalen 
Teilen des Schwammkörpers sehr dicht. Dadurch erhält die 
untere Hälfte eine größere Widerstandsfähigkeit gegen die 
_ zerstürenden Einflüsse des Versteinerungsprozesses. Im 
Scaphitenpläner von Nettlingen findet man fast immer nur 
_ die untere Hälfte und zwar ist die geflechtartige Deckschicht 
merkwürdigerweise gewöhnlich nicht, wie die übrigen Teile 
der Wandung und alle anderen Spongienskelette, in rot- 
braunes Eisenhydroxyd umgewandelt, sondern verkalkt 
oder verkieselt. | Textfigur 5. 
Alter und Facies: Scaphitenpläner. Oncotoechus cavernosus SCHRAMMEN aus dem 
Verbreitung und Vorkommen: Oppeln PS ton Einer you Oppeln, 
Er. h.), Nettlingen (z. h.). 
4 Smzahl der untersuchten Stücke: ca. 45. 
Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Oncotoechus subrutus Quensr. sp. (Texttafel XIV, Fig. 7.) 


1877. Gyrispongia subruta QUENSTEDT, Petr. V, Taf. CXXXVIII, Fig. 2—6. 

1883. Plocoseyphia subruta Hinde, Catal. S. 135. 

Der etwa daumenlange und -dicke, sitzende oder kurzgestielte Schwammkörper ist cylindrisch 
und hat ein tiefes und enges Paragaster. Die ca. 2 mm dicke Wandung ist in eigentümlicher und gesetz- 
mäßiger Weise gefaltet, indem sie, in ziemlich regelmäßigen Abständen, zahlreiche radiale Vorstülpungen 
bildet, die an der Außenseite durch tiefe Furchen getrennte, lappige Fortsätze darstellen. Die 


An den Seiten, aber namentlich auf den Scheiteln der Fortsätze liegen zahlreiche winzige rundliche 


Texttafel XIV. 
Skelettbestandteile der Familien Becksidae SCHRAMMEN, Oncotoechidae SCHRAMMEN, Ventriculitidae ZiTTEL, Sporadoscinidae 
SCHRAMMEN, Actinocyclidae SCHRAMMEN, Callodictyonidae v. ZiTTEL, Calyptrellidae SCHRAMMEN. 
(In 45 facher Vergrößerung.) 


A. Schrammen del. 


— 311 — 


Erklärung zu Texttafel XIV. 


Familie Becksidae. 
Centrosia incrustans SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Plocoscyphia centuncula SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Callicylix farreides ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Cyclostigma maeandrina SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske und 
Hexaktine. 
Becksia Augustae SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Sarophora armata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Oncotoechidae. 


Cncotoechus subrutus QUENSTEDT sp. aus dem Cuvieri-Pläner von Gr. Heere. Lychniske. 


Familie Ventriculitidae. 


Rhizopoterion solidum ScuRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Napaea striata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckgespinst der Innenseite. 
Ventrieulites cylindratus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Napaea striata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Sporadoscinidae. 


Leiostracosia punctata SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Misburg. Deckschicht der 
Außenseite von unten gesehen und Lychniske. 


Familie Actinocyclidae. 


. Actinocyclus mirus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckschicht der Innen- 


seite von unten gesehen und Lychniske. 
Actinocyclus alternans RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Caliodictyonidae. 


Callodictyon infundibulum v. ZATTEL aus der Quadratenkreide von Oberg. a) Deckschicht der 
Außenseite. b) Lychniske. 


Pleurope lacunosa v. ZitTEL aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckschicht der Innenseite 
und Lychniske. | 


Familie Calyptrellidae. 


Calyptrella Bertae SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Sporadoscinidae. 


. Sporadoscinia venosa RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Misburg. Lychniske. 


— 312 — 


Ostien. Den Verlauf der Epirhysen und Aporhysen habe ich nicht feststellen kénnen, weil die Erhaltung 
meines Materials nicht zureichte. 

Die Dictyonalia sind Lychniske, die im Innern der Wandung stellenweise ein mehr oder weniger 
regelmäßig gebautes Gerüst mit kubischen Maschen aufbauen, in der Regel aber, und an der äußeren 
Oberfläche immer, unter Veränderungen in der Orientierung und Länge der Strahlen, zu einem mehr 
oder weniger dichten Geflechte mit rundlichen oder unregelmäßig polygonalen Lücken verschmelzen. 
Die Oberfläche der Innenseite war nicht freizulegen. 

Alter und Facies: Cuvieripläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Dörnten, Heere (z. s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 5. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Familie Camerospongidae nov. fam. 


Eiförmige, knollige, scheiben-, schirm- oder pilzförmige Lychniscosa, deren dünne Wandung zu 
mehr oder weniger weiten anastomosierenden Röhren gefaltet ist, zwischen denen unregelmäßige Cavaedien 
liegen. Scheitel, Scheitelrand oder ganze Oberfläche (mit Ausnahme der Paragastermündung) mit glatter 
Kieselhaut überzogen. Außenseite der Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen 
und Postiken fehlen. Das Diktyonalgerüst umschließt vorwiegend kubische Maschen. Die oberste 
Lychniskenlage der Außenseite ist durch Verdiekung und Abplattung der Lychniskenbalken und Aus- 
bildung durchlöcherter Kieselplatten mehr oder weniger stark verdichtet. Innenseite ohne Oberflächen- 
verdichtung, aber häufig mit einem Überzuge von kleinen, beliebig orientierten Hexaktinen. Die glatte 
Kieselhaut ist eine poröse Membran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen (Pentaktinen) 
liegen. 

Obere Kreide. 

v. ZiTTEL rechnete Camerospongia und verwandte Gattungen zu seiner Familie Maeandrospongidae, 
deren Diagnose in der letzten Fassung (Grundz. S. 38) lautet: „Schwammkörper aus dünnwandigen, 
vielfach verschlungenen und teilweise verwachsenen Röhren oder Blättern zusammengesetzt, welche 
knollige, birnförmige, becherförmige oder strauchartig verästelte Stöcke bilden. Zwischen den Röhren 
bleiben größere Löcher und Zwischenräume frei, die ein sogenanntes Interkanalsystem bilden. Eigentliche 
Kanäle kaum entwickelt. Deckschicht fehlend oder eine zusammenhängende Kieselhaut auf der Ober- 
fläche bildend. In der Kreide häufig; auch zahlreiche lebende Gattungen bekannt.“ | 

Die lebenden Gattungen, die ZITTEL meint, hat er an anderer Stelle (Stud. I, S. 38) genannt. Es. 
sind Dactylocalyx, Periphragella und Myliusia. 

Demnach bestehen Z1TTELS Maeandrospongidae aus zunächst zwei heterogenen Elementen, denn 
Dactylocalyx, Periphragella und Myliusia haben ein aus Hexaktinen bestehendes Diktyonalgerüst und 
sind z. T. durch Uneinate und andere eigenartige Fleischnadeln ausgezeichnet , während alle 
fossilen Gattungen, die v. ZırreL zu den Mäandrospongiden rechnet, Lychniske als Dictyonalia 
besitzen. 


= oe =. 


Nach der unbedingt erforderlichen Ausmerzung der genannten lebenden Gattungen bleiben einer- 
seits übrig Plocoscyphia Reuss und Becksia SCHLÜTER, andererseits Tremabolites, Camerospongia und 
 Cystispongia. Die letzten drei sind den beiden zuerst genannten Gattungen gegenüber bevorzugt durch 
eine aus Hexaktinen und deren Derivaten (Pentaktinen, Stauraktinen) hervorgehende Kieselhaut, die 
. große Teile der Oberfläche oder die ganze Oberfläche überzieht, und bilden auch in anderer Hinsicht 
(Körperform, Kanalsystem) eine scharf umgrenzte natürliche Gruppe, die ich darum als Familie der 
Camerospongidae auffasse. 

_ Bei den Maeandrospongiden bleiben dann nur noch Becksia und Plocoscyphia und ich ziehe es vor, 
den alten Familiennamen, der ja in erster Linie nur auf gewissen Parallelismen der äußeren Körperform. 
. beruhte, fallen zu lassen und die beiden nah verwandten Gattungen mit einigen anderen zur neuen 
Familie Becksidae zu vereinigen. 

| Den Camerospongidae nahestehende lebende Formen enthält nur die Gattung Aulocystis F. E. 
Schulze. Die nächstverwandten Kreidehexaktinelliden sind die Coeloptychidae. 

Die Bestimmung der Camerospongiden hängt davon ab, ob die Unterseite (Außenseite) sichtbar ist, 
oder durch geeignete Präpariermethoden sichtbar gemacht werden kann. In der Regel liegt nur die 
Oberseite frei, denn von der glatten Kieselhaut löst sich das Gestein leicht ab, während es in den Cavaedien 
und an der stark skulpturierten Außenseite außerordentlich fest haftet und dem natürlichen Präparier- . 
. prozeß der Verwitterung energischen Widerstand leistet. Ich habe darum. manche unter dem Sammel- 
namen Camerospongia beschriebene Arten, wie z. B. Camerospongia subrotunda Mant. bei Poéra1) und 
 Camerospongia Schlüteri Poëra?) nicht berücksichtigen können, denn die Außenseiten dieser Spezies sind 
entweder gar nicht oder zu wenig bekannt. 

Die Wasserzirkulation denke ich mir folgendermaßen: das Wasser, welches die Röhren in den 
Cavaedien umspülte, gelangte durch die winzigen Ostien an der Außenseite der Röhren in die dünnen 
Réhrenwandungen, passierte diese (ohne Vermittelung besonderer Epirhysen, Aporhysen und Postiken 
u nd wurde durch die mehr oder weniger weiten Röhren in das Paragaster (Cystispongia, Camerospongia, 
Toulminia, Phalacrus) oder unmittelbar nach außen (Tremabolites) abgeleitet. 


Gattung Camerospongia d’ORBIGNY. 


Kugelig oder eiförmig, mit mehr oder weniger tiefem Paragaster. Der Scheitel ist mit Kieselhaut 
überzogen, die z. T. auch auf die Rücken der unregelmäßige Anastomosen bildenden Röhren übergreift, 
denen der Schwammkörper besteht. Äußere Oberfiäche der Röhren mit winzigen Ostien. Das 
Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken mit dornigen Strahlen. Außenseite mit einer Verdichtung der 
obersten Lychniskenlage. Innenseite ohne Oberflächenverdichtung, aber bei einzelnen Arten mit einem 
en von Kieselstacheln, der aus Verästelungen der äußeren Radialstrahlen der gastralen Lychniske 
isammengesetzt ist. ; 

Inder porösen Kieselmembran am Scheitel unregelmäßig verteilte Achsenkreuze von Stauraktinen. 
Obere Kreide. 


= | Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges. 1890, S. 225, Taf. VIII, Fig. 1a, b. 
DO) Ibid. | 
_ Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 40 


— 314 — 


Camerospongia fungiformis F. Roemer (non GoLpruss). 


1870. Camerospongia fungiformis F. Rormer, Oberschl. 8. 305, Taf. XXXIII, Fig. 3—5. 

1877. Cephalites monostoma QUENSTEDT, Petr. V, S. 499, Taf. CXXXIX, Fig. 2—6. 

1897. Camerospongia fungiformis LEONHARD, Kreide in Oberschl. S. 36, Taf. III, Fig. 3. 

Kugelig oder eiförmig, sitzend oder gestielt. (LEONHARD irrt, wenn er hervorhebt, daß gestielte 
Rigsafiland nicht vorkämen. Durch sorgfältiges Präparieren geeigneter Stücke ist der Stiel nachzuweisen.) 
Der von einer runden oder ovalen, ziemlich großen Paragastermündung durchbrochene Scheitel ist mit 
Kieselhaut überzogen, die gegen die Unterseite nicht scharfrandig abgesetzt ist, sondern z. T. noch auf 
die Rücken der Röhren übergreift, aus denen der Schwammkörper besteht. Die Röhren sind ca. 5 mm 
dick und bilden unregelmäßige Anastomosen, zwischen denen rundliche Cavaedien liegen. Röhren- 
mündungen auf der Paragasterwandung. | 
i Tauben- bis hühnereigroß. 

Unter den vielen Exemplaren, die ich bei Oppeln gesammelt habe, war leider keins, dessen 
Skeletterhaltung zu einer eingehenderen Untersuchung des Diktyonalgerüstes ermuntern konnte. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. h.). 

Anzahl der untersuchten ’Stücker ca: 10; 

Belegstücke in meiner Sammlung. 


Camerospongia pervia nov. sp. (Tafel XXXXV, Fig. 4; Texttafel XV, Fig. 1, 2.) 


Kugelig oder eiförmig, mit abgestutztem, mehr oder weniger stark vertieftem Scheitel, sitzend. 
Die dünne (ca. 1 mm) Wandung bildet 5—10 mm dicke, anastomosierende Röhren, deren Rücken am 
Scheitel der Spongie von einer glatten Kieselhaut überzogen werden. Die Kieselhaut ist nicht scharf- 
randig gegen die Unterseite abgesetzt, sondern folgt dem Verlauf der Röhren. Zwischen den Röhren 
unregelmäßig rundliche Cavaedien. Äußere Oberfläche der Röhren mit winzigen Ostien. Das in die 
Cavaedien gelangende Wasser passierte die Röhrenwandungen durch die winzigen Ostien, aber ohne 
Vermittelung besonderer Epirhysen, Aporhysen und Postiken und wurde durch die auf der Paragaster- 
wandung liegenden Mündungen der Röhren abgeleitet. 
Maße: Längsdurchmesser 5—10 em; Dicke 4—8 cm. 
Das Diktyonalgerüst ist ziemlich regelmäßig gebaut. Seine Maschen sind vorwiegend quadratisch. 
Die Strahlen der Lychniske tragen zahlreiche unregelmäßig verteilte Zacken, Zasern und Stacheln; 
die Oktaéderkantenbalken sind glatt. An der Oberfläche der Außenseite bildet die oberste Lychnisken- 


lage durch Verbreiterungen der Tangentialstrahlen und Ausbildung plattiger Verstrebungen eine eng- 
maschige und im Vergleich zu den parenchymalen Teilen recht stabile Deckschicht. Die Innenseite der M 


Wandung besitzt keine verfestigte Oberflächenschicht. Hier umschlieBen die tangentialen Strahlen — 
4 


der innersten Lychniske vielmehr, ebenso wie im Innern der Wandung, weite quadratische Maschen. 


Der äußere Radialstrahl der gastralen Lychniske ist aber in eigentiimlicher Weise verändert. Er endigt M 
nicht wie gewöhnlich als konischer Zapfen, sondern zerfällt in mehrere Aste, deren Zweige aus spitzen — 
Kieselstacheln bestehen. Die dicht nebeneinander liegenden stacheligen Verästelungen bilden an der : 
Oberfläche der Innenseite einen förmlichen Rasen von Kieselstacheln. Die glatte Haut, welche die 


os. 


2 


i 


— 315 — 


_ Umgebung der Scheitelöffnung und einen Teil der Oberfläche der vorderen Hälfte überzieht, ist eine 

feinporöse Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen liegen. 

Camerospongia pervia ist die größte Camerospongia-Art. Sie unterscheidet sich von den anderen 
Spezies u. a. durch die viel erheblichere Dicke der Röhren. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2.- 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 

= 


Gattung Cystispongia ROEMER. 


Eiförmig oder kugelig; bis auf eine oder mehrere große rundliche Paragasteröffnungen fast ganz 
mit Kieselhaut überzogen. Unter der Kieselhaut unregelmäßig anastomosierende, dünne und sehr dünn- 
wandige Röhren, deren Mündungen auf den Paragasteroberflächen liegen. Die diktyonalen Lychniske 
haben dornige Strahlen und verschmelzen zu einem mehr oder weniger regelmäßig gebauten Gerüste 
mit vorwiegend kubischen Maschen. Außenseite an den kieselhautfreien Stellen mit Deckschicht. Innen- 
seite ohne Oberflächenverdichtung, aber zuweilen mit einem Überzuge kleiner, beliebig orientierter 
Hexaktine. In der Kieselhaut zahlreiche Achsenkreuze von kleinen Stauraktinen. 


Cystispongia bursa QUuEnsTEDT. 


1864. Cystispongia bursa QuENSTEDT bei Roemer, Sp. S. 7, Taf. IV, Fig. 7. 

1877. Cephalites bursa QUENSTEDT, Petr. V, S. 492, Taf. CXXXVIII, Fig. 17—20, Taf. CXX XIX, Fig. 1. 

1877. Cystispongia bursa Zxrrez, Stud. I, S. 57. 

1883. 35 ‚„ . Hinpe,. Catal. S. 142. 

Birn- oder eiförmig und bis auf wenige, 1—1,5 cm weite, unregelmäßig rundliche, umwallte 
Paragasteröffnungen fast vollständig von der glatten oder mit flachen Pusteln versehenen Kieselhaut 
überzogen. Tauben- bis hühnereigroß. Das Innere besteht aus unregelmäßig anastomosierenden, 


sehr dünnwandigen Röhren, deren Mündungen auf den Paragasterwandungen liegen. 


Das Diktyonalgerüst soll nach v. Zrrret ausschließlich aus Hexaktinen bestehen. Auch soll die 
Kieselhaut über der Außenseite gänzlich frei von Achsenkreuzen sein. WELTNER hat hier indessen Achsen- 
kreuze nachgewiesen. Für unwahrscheinlich halte ich es aber auch, daß das Diktyonalgerüst nur aus 
Hexaktinen besteht. Ich vermute vielmehr, daß Lychniske überwiegen und daß die Hexaktine auf die 
Oberflächenschicht an der Innenseite der Röhren beschränkt sind. Ich nehme das an, weil alle ver- 
wandten Formen im Diktyonalgerüst Lychniske haben. Den direkten Nachweis habe ich aber aus dem- 
selben Grunde nicht erbringen können, der wohl auch Zırrer über die Natur der Kieselbestandteile täuschte, 
nämlich weil die Skeletterhaltung an allen Fundpunkten von Cystispongia bursa eine höchst ungünstige ist. 

Alter und Facies: Galeritenschichten des Brogniartipläners. 

Verbreitung und Vorkommen: Harlyberg bei Vienenburg, Fleischerkamp bei Salz- 


4 


 gitter, Weddingen, Galgenberg bei Quedlinburg. 


Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 


— 316 — 


Cystispongia monostoma nov. sp. (Texttafel XV, Fig. 9.) 


Eiförmig oder kugelig, mit kurzer, verzweigter Wurzel, etwa taubeneigroß. Fast den ganzen 
Schwammkörper oder nur die obere Hälfte überzieht eine glatte und dicke Kieselhaut, die am Scheitel 
von einer 1—1,5 cm weiten, umwallten Paragasteröffnung durchbrochen wird. Paragaster weit und 
tief; auf seiner Wandung zahlreiche rundliche, mehrere Millimeter weite Öffnungen. Das Innere des 
Schwammkörpers besteht aus unregelmäßig anastomosierenden, nur wenige Millimeter weiten Röhren. 
Das Wasser gelangt von der Unterseite durch zahlreiche rundliche Öffnungen, die durch schmale, mit 
kleinen, wurzelartigen Zacken versehene Skelettbrücken geschieden sind, in die Cavaedien zwischen den 
Röhren, passiert durch winzige Ostien oder durch die weiten Skelettmaschen, aber ohne Vermittlung 
besonderer Epirhysen, Aporhysen und Postiken die sehr dünnen Röhrenwandungen und wird durch die 
auf der Paragasterwandung liegenden Mündungen der Röhren abgeleitet. 

Das Diktyonalgerüst umschließt regelmäßige, kubische Maschen und besteht aus Lychnisken mit 
dornigen oder glatten Strahlen. An den nicht mit Kieselhaut überzogenen Teilen der Oberfläche der 
Außenseite bzw. Unterseite sind die Skelettpartien gegenüber den parenchymalen erheblich verfestigt, 
indem eine Verdickung und plattige Verbreiterung der Tangentialstrahlen der dermalen Lychniske, unter 
gleichzeitiger Entwicklung von sekundären Kieselverstrebungen und durchbrochenen Kieselplatten, 
eintritt. 

Innenseite der Wandung ohne Oberflächenverdichtung, aber mit einer Auskleidung von 
Hexaktinen, die viel kleiner wie die Lychniske sind und sich entweder in unregelmäßiger Weise mit einem 
Strahle an den nächstliegenden Balken des Diktyonalgerüstes heften oder die Fortsetzung des äußeren 
Radialstrahls der gastralen Lychniske bilden. Die glatte Haut, die einen großen Teil der Oberfläche des 
Schwammes überzieht, ist eine feinporöse Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen 
liegen. Diese Achsenkreuze haben etwa dieselbe Größe wie die Achsenkreuze der kleinen Hexaktine, 
welche die innere Oberfläche der Wandung überziehen. Wo die Kieselhaut den Falten der Wandung 
aufliegt, ist sie mit dem Diktyonalgerüst innig verbunden. Sie wird aber auch bei der Überbrückung 
der Cavaedien von einer in Form eines dünnplattigen Geflechtes entwickelten Lychniskenlage gestützt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 4. 

Originale in meiner Sammlung. 


Gattung Tremabolites v. ZITTEL. 


Knollig oder pilzförmig; am Scheitel mit Kieselhaut überzogen, die von zahlreichen großen, rund- 
lichen Paragasteröffnungen durchbrochen wird. Der Schwammkörper besteht aus unregelmäßig anasto- 
mosierenden dünnwandigen Röhren, deren Mündungen die großen Löcher am Scheitel darstellen. Zwischen 
den Röhren unregelmäßig rundliche Cavaedien von verschiedener Ausdehnung. Äußere Oberfläche der 
Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Das sehr regelmäßig 
gebaute Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken mit dornigen Strahlen. Außenseite der Wandung an 
den kieselhautfreien Stellen mit einer intensiven Verdichtung der obersten Lychniskenlage. Innenseite 


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— 317 — 


ohne Oberflächenverdichtung, aber mit einem Überzuge von kleinen unregelmäBig orientierten Hexak- 
tinen. Die glatte Haut am Scheitel ist eine feinporüse Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze 
von Stauraktinen liegen. 
Obere Kreide. 

Tremabolites Leonhardi nov. sp. 
1845—46. Manon megastoma Reuss, Böhm. Kr. S. 77, Taf. XX, Fig. 1; Taf. XLIII, Fig. 9. 
1870. Camerospongia megastoma F. Roemer, Oberschl. S. 307, Taf. XX XVIII, Fig. 6. 
1877. Cephalites polystoma QUENSTEDT, Petr. V, S. 503, Taf. CXXXIX, Fig. 8—11. 
1897. Tremabolites megastoma LEONHARD, Kreide in Oberschlesien S. 36. 
21901. fe 5. WOoLLEMANN, Aufschl. im Turon etc. S. 53. 
Im Scaphitenpläner von Oppeln kommen nicht selten Individuen einer Tremabolites-Art vor, 
die von den Autoren als Tremabolites megastoma RoEMER bezeichnet wird, aber von dieser obersenonen 
Spezies unzweifelhaft verschieden ist. Am deutlichsten zeigt das ein Vergleich der Unterseiten, die man 
_ übrigens bei Tremabolites-Arten, wegen der stark entwickelten Oberflächenskulptur, niemals aus- 
_ gewittert findet, sondern stets durch Säure oder mühsame Arbeit mit der Präpariernadel frei- 
legen muß. 
An der Unterseite von Tremabolites megastoma liegen poröse Platten mit zackigen Rändern, die 
durch schmälere Cavaedialfurchen getrennt werden. Bei Tremabolites Leonhardi sind umgekehrt die 
. Skelettbrücken schmäler wie die unregelmäßig rundlichen Öffnungen, durch die das Wasser in die 
Cavaedien tritt. 
Die mit Kieselhaut überzogenen Oberseiten sind nicht unterscheidbar. 
Die schlechte Erhaltung der Skelette bei den oberschlesischen Vorkommnissen verbietet leider 
eingehendere Untersuchungen der feineren Strukturverhältnisse. 
Alter und Facies: Scaphitenpläner. 
Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (z. h.). 
Bzanl der untersuchten Stücke: ca. 10. 
Belegstücke in meiner Sammlung. 


s 


_ Tremabolites megastoma Rorm. sp. (Tafel XXXIX, Fig. 3, 4, 5; Texttafel XV, Fig. 7, 8.) 


1841. Manon megastoma Roemer, Kr. 8. 3, Taf. I, Fig. 9. 

1872. Camerospongia megastoma SCHLÜTER, Sp. d. Münst. S. 19, S. 27. 

1877. Tremabolites megastoma Zitrez, Stud. I, S. 56. 

t Die 1—2 mm dicke Wandung der knolligen, etwa kinderfaustgroBen Spongie bildet unregelmäBig 
anastomosierende, 5—10 mm weite Röhren und Blatter. Die Oberseite des Schwammkörpers ist mit 
einer glatten und sehr dichten Kieselhaut überzogen, die von mehr oder weniger zahlreichen, 5—10 mm 
weiten, umwallten, rundlichen Öffnungen durchbrochen wird. Unterseite mit zahlreichen Vorstülpungen, 


® 


deren Scheitel unregelmäßige, von Ostien durchbohrte Platten mit gezackten Rändern bilden. Zwischen 
den Platten liegen tiefe Furchen. Durch sie tritt das Wasser in die Cavaedien, dringt durch unregelmäßig 
teilte porenförmige Ostien oder direkt durch die weiten Skelettmaschen in die Wandung ein, passiert 
: ohne Vermittelung besonderer Aporhysen und Postiken und wird schließlich durch die weiten para- 
gastralen Öffnungen in der Kieselhaut wieder nach außen geleitet. 


— 318 — 


Das Diktyonalgerüst ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus großen Lychnisken mit dornigen 
oder glatten Strahlen. Die äußerste Lychniskenlage verdichtet sich in den porösen Scheitelplatten der 
an der Unterseite liegenden Vorstülpungen durch Verdickung und plattige Verbreiterung der tangentialen 
Lychniskenstrahlen oder Einschiebung von Kieselverstrebungen und durchlöcherten Membranen zu einer 
sehr widerstandsfähigen Oberflächenschicht. 

Innenseite der Wandung ohne Oberflächenverdichtung, aber mit einem Uberzuge von kleinen 
Hexaktinen. Diese heften sich entweder in ganz unregelmäßiger Weise mit einem Strahl an die Balken 
der gastralen Lychniske oder sie bilden, zu mehreren hintereinander liegend, eine Verlängerung der in der 
Regel an der inneren Oberfläche zapfenförmig endigenden äußeren Radialstrahlen. Die glatte Haut am 
Scheitel ist eine feinporöse Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen liegen. 
An den Berührungsstellen ist die Kieselmembran innig mit dem Diktyonalgerüst verbunden. Sie wird 
aber auch, wo sie die Cavaedien überzieht, von einer dünnplattigen Lychniskenlage gestützt. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s.), Oberg (s.), Münsterland. 

Die Originale zu den Abbildungen liegen in meiner Sammlung. : 


Gattung Toulminia v. ZITTEL. 


Cylindrisch oder zusammengedrückt-eylindrisch und mit ovalen Wandlücken an den Schmal- 
seiten. Scheitel abgestutzt oder schirmformig, mit Kieselhaut überzogen. Der Schwammkörper bildet 
dicht aneinander gedrängte, unregelmäßig anastomosierende Röhren, die an der Außenseite als gehirn- 
faltenartige oder gekröseartig gewundene Runzeln oder rundliche Höcker und Wülste hervortreten oder 
auf flache Pusteln reduziert sind. Äußere Oberfläche der Röhren mit winzigen Ostien. Besondere Epi- 
rhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Die diktyonalen Lychniske haben dornige Strahlen. Äußere 
Oberfläche an den kieselhautfreien Stellen mit einer Verdichtung der obersten Lychniskenlage. Innenseite 
wahrscheinlich ohne Oberflächenverdichtung. In der porösen Kieselmembran am Scheitel zahlreiche 


Achsenkreuze von Stauraktinen. 
Obere Kreide. 
Toulminia Benettiae MAnTELL sp. 


1822. Ventriculites Benettiae MANTELL, Geol. of Suss. S. 177, Taf. XV, Fig. 3. 
1877. Er > QUENSTEDT, Petr. V, S. 484, Taf. CXX XVIII, Fig. 11 (non Fig. 12!). 


1883. Cephalites Benettiae Hınve, Catal. S. 121. 

Cylindrisch, nach unten verjüngt, mit weitem und tiefem Paragaster. Scheitel abgestutzt und 
mit Kieselhaut überzogen; Paragastermiindung rund. Die Wandung besteht aus dicht aneinander ge- 
gedrängten, anastomosierenden Röhrchen, die an der Außenseite gehirnfaltenähnliche Runzeln bilden. 
Auf den Rücken der Röhren winzige Ostien. 

Maße: Längsdurchmesser ca. 6 cm; Dicke (am vorderen Ende) ca. 3 cm; Weite der Paragaster- 
mündung ca. 1,5 em; Dicke der Runzeln 2—3 mm. | 

An den beiden Exemplaren der Göttinger Sammlung, die ich untersucht habe, ist das Skelett in 
blaugraues Eisenhydroxyd übergeführt. Lychniske konnte ich aber stellenweise erkennen. 


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— 319 — 


Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Lüneburg (s.). 
Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 


Toulminia Wollemanni nov. sp. (Tafel XXXIX, Fig. 6; Texttafel XV, Fig. 6.) 


Schwammkörper zusammengedriickt-cylindrisch. Scheitel abgestutzt und mit einer glatten scharf- 
randigen Kieselhaut überzogen. Paragastermündung (entsprechend der Zusammendrückung des Schwamm- 
körpers) oval. Die Wandung besteht aus anastomosierenden Röhren, die an der Oberfläche der Außenseite 
dicht nebeneinanderliegende rundliche Höcker und Wülste bilden. Oberfläche der Höcker mit 
_ winzigen Ostien. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 2,5—4 cm; Breite 2,5 cm, Dicke 2 cm (am Vorderrande 
_ gemessen). Breite der Höcker und Wülste an der Außenseite 2—3 mm. 

Das Diktyonalgerüst enthält vorwiegend kubische Maschen und besteht aus Lychnisken, deren 
Strahlen in unregelmäßiger Weise mit Dornen von verschiedener Länge besetzt oder glatt sind. Außen- 
seite der Wandung, soweit sie nicht von der Kieselhaut überzogen wird, mit einer durch Verstärkung und 
_ Abplattung der Tangentialstrahlen der obersten Lychniskenlage entstandenen Oberflächenverdichtung. 
Die glatte Haut am Scheitel ist eine feinporöse Kieselmembran, in der unregelmäßig verteilt zahlreiche 
Achsenkreuze von Stauraktinen liegen. 

Toulminia Wollemanni unterscheidet sich von T. Benettiae u. a. durch geringere Größe, einen 
. zusammengedrückten Schwammkörper und die mit rundlichen Höckern und Wülsten (bei der anderen 
Art mit gehirnfaltenartigen Runzeln) versehene Außenseite. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Toulminia compressa nov. sp. 


Mit schirmförmiger, am Rande dickkantiger Glatze, die von einer großen ovalen Paragasteröffnung 
durchbrochen wird, und ganz flachem (scheidenartig zusammengedrücktem), nach der Basis verschmälertem 
Unterteil. Die nur 2—3 mm dicken Schmalseiten werden von mehreren, ziemlich weiten, ovalen Wand- 
liicken durchbrochen (wie die Schmalseiten von Pleurope, Pleurostoma ete.). Auf den Breitseiten, als 
‚schwache Rudimente der bei den anderen Arten vorhandenen Oberflächenwülste, kleine, von winzigen 
pote durchbohrte, pustelförmige Erhöhungen. 

Maße: Längsdurchmesser ca. 4 cm; D ue des Huts 25x40 mm. 

Skelett wie bei den anderen Arten. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg (s. s.). 

Anzahl der untersuchten Sticke: 2. 

-Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


= “22 


Gattung Cameroptychium LEONHARD. 


Scheiben- oder trichterförmig, gestielt oder sitzend. Oberseite mit einem gleichmäßig aus- 
gebreiteten Diaphragma, das von winzigen quadratischen Maschen durchbrochen wird. Den Rand 
überzieht eine glatte Kieselhaut. Der Schwammkörper besteht aus ziemlich weiten, aber dünnwandigen, 
anastomosierenden Röhren, die an der Unterseite des Schwammkörpers mehr oder weniger zahlreiche, 
unregelmäßig oder regelmäßig vergabelte Radialfalten bilden. Rücken und Seiten der Radialfalten (und 
Röhren) mit winzigen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. Das Diktyonal- 
gerüst besteht aus Lychnisken mit vorwiegend dornigen Strahlen. Oberfläche der Außenseite mit, Ober- 
fläche der Innenseite ohne Verdichtung der äußersten Skelettlage. 

Obere Kreide. 


Cameroptychium patella Leonn. 
1897. Cameroptychium patella LEONHARD, Kreide in Oberschl. 8. 37, Taf. IV, Fig. 2a, b. 


Scheibenförmig mit leicht konkaver Oberseite oder trichterförmig; sitzend oder mit kurzen 
Würzelchen. Scheitelvertiefung mit einem dünnen Diaphragma überzogen, dessen ziemlich weite, mehr oder 
weniger regelmäßig quadratische Maschen durch Verschmelzung der Tangentialstrahlen einer plattigen 
Lychniskenlage gebildet werden. Rand dick, schräg, nach außen abfallend, mit Kieselhaut überzogen. 
Unterseite mit zahlreichen Radialfalten. Die Furchen zwischen den Falten sind durch schmale lappige 
Fortsätze, die sich von den Seiten der Falten abzweigen, überbrückt. Äußere Oberfläche der Radial- 
falten verdickt; mit dicht nebeneinander liegenden, winzigen Ostien. Das Innere des Schwammkörpers 
besteht aus unregelmäßig anastomosierenden Röhren. 

Maße: Querdurchmesser der Scheibe 50—100 mm; Höhe des Scheibenrandes bis 30 mm; Zahl 
der Radialfalten (am Rande gezählt) 12—24. Breite der Falten 5—10 mm. 

Nach LEonHARD besteht das Diktyonalgerüst ‚aus Sechsstrahlern mit wahrscheinlich oktaédrisch 
durchbohrten Kreuzungsknoten“. An LEonHARDS Original, seinerzeit war es ein Unikum, das ich zufällig 
selber im Steinbruche der GrunpMANNschen Zementfabrik bei Oppeln aufgefunden habe, ist wie bei fast 
allen Spongien aus dem Scaphitenpläner von Oppeln die feinere Skelettstruktur nur undeutlich zu 
erkennen. Im Laufe der Jahre habe ich noch zwei Exemplare aus Oppeln erhalten. Leider war auch 
hierunter keins, das eingehendere Skelettuntersuchungen begünstigt hätte. Die Zusammensetzung des 
Diktyonalgerüstes aus Lychnisken kann ich aber bestätigen. 

Cameroptychium patella ist Cameroptychium planum gegenüber u. a. gekennzeichnet durch eine 
im Verhältnis zum Querdurchmesser dickere Scheibe und durch schmalere und zahlreichere Radialfalten 
an der Unterseite. 

Für ein „verpräpariertes“ Cameroptychium patella möchte ich übrigens Plocoscyphia tenuilobata 
Leonu. (Kreide in Oberschl. $. 36, Taf. IV, Fig. la, b) halten. 

Alter und Facies: Scaphitenpläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Oppeln (s.). 

Anzahl der untersuchten Stücke: 3. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


— 321 — 


Cameroptychium planum nov. sp. (Tafel XXXIX, Fig. 2.) 


Flachscheibenförmig, mit schrägem, scharf gegen die Unterseite abgesetztem und mit einer glatten 
Kieselhaut überzogenem Rande. Unterseite plan, mit zahlreichen, flachen und breiten Radialfalten, 
die durch Dichotomie und Bifurkation aus wenigen Primärfalten des Stiels hervorgehen. Der Seitenrand 
der Falten ist nicht (wie bei Coeloptychium) gerade, sondern in zackige, und schmal- oder breitlappige 
Fortsätze zerlegt, welche die Furchen zwischen den Falten stellenweise überbrücken. Außenseite der 
Falten mit winzigen, dicht nebeneinander liegenden Ostien. Vom Stiel ist an dem einzigen, mir vorliegenden 
Exemplar nur der Ansatz erhalten. Die Oberseite ist durch Druck von oben verpreßt. Sie war wahr- 
scheinlich flach oder leicht konkav. 

Die Kieselbestandteile sind z. T. in Eisenverbindungen überführt, z. T. verkalkt. Darum kann 
ich über die feineren Strukturverhältnisse des Skeletts nichts sagen. 

Maße: Durchmesser der Scheibe ca. 100 mm; Höhe des Scheibenrandes ca. 15 mm; Zahl der 
Primärfalten 3—4, der Radialfalten (am Rande gezählt) 12—13. Breite der Falten 10—20 mm. 

Alter und Facies: Cuvieriplaner. 

Verbreitung und Vorkommen: Heere (s. s.). 

Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


Gattung Phalacrus nov. gen. 
(Etym. 6 palaxods der Glatzkopf.) 


Schwammkörper klein, schirm- und pilzförmig oder dick-cylindrisch. Scheitel halbkugelig oder 
abgestutzt; bis auf die in der Mitte liegende Paragasteröffnung mit Kieselhaut überzogen, die gegen die 
Unterseite scharf abgesetzt ist. AuBenseite (Unterseite) mit tubulésen Vorstülpungen oder unregelmabig 
vergabelten Längsfalten, auf deren Rücken kleine Ostien liegen. Das Diktyonalgeriist umschließt regel- 
mäßig kubische Maschen und besteht aus Lychnisken mit dornigen Strahlen. Äußere Oberfläche mit 
einer durch Verdichtung der obersten Lychniskenlage entstandenen Deckschicht. Innenseite ohne Ober- 
flächenverdichtung, aber zuweilen mit einer Auskleidung von kleinen Hexaktinen. Die glatte Haut am 
Scheitel ist eine poröse Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen oder Pentaktinen 
mit kurzen äußeren Radialstrahlen liegen. 

à Obere Kreide. 


Phalacrus flosculus nov. sp. (Tafel XXXIX, Fig. 7, 8; Texttafel XV, Fig. 3, 4.) 


Glatze halbkugelig oder schirmférmig, mit scharfkantigem, geradem oder welligem Rande; am 
Scheitel von der umwallten, ca. 1,5 em weiten Paragasteröffnung durchbrochen. Unterteil konisch, in 
einen kurzen Stiel auslaufend. Die kaum 1 mm dicke Wandung bildet, wo die Unterseite des Schwamm- 
_kérpers mit der Glatze zusammenstößt, ca. 2 mm breite, durch etwas schmälere Furchen getrennte 

kurze Längsfalten, die mit der Verjüngung des Unterteils durch Quereinschnürung in ca. 1,5 mm dicke, 
tubulöse Vorstülpungen zerfallen. Am Scheitel der Vorstülpungen und in den tiefen Tälern zwischen 
den Faltenrücken bzw. tubulösen Vorstülpungen häufig rundliche Wanddurchbrüche. Paragaster- 
oberfläche mit undeutlich alternierenden, ca. 1,5 mm weiten, runden Öffnungen (den Mündungen der 
J Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 1 


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— 322 — 


Tuben). Oberfläche der Außenseite mit sehr kleinen Ostien. Besondere Epirhysen, Aporhysen und 
Postiken sind nicht entwickelt. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 20—30 mm. Querdurchmesser des Hutes 20—25 mm. 

Das Diktyonalgerüst ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus Lychnisken, deren Strahlen in - 
unregelmäßiger Weise mit Zacken und Dornen von verschiedener Länge besetzt sind. An den von der 
glatten Haut nicht überzogenen Teilen der Außenseite bilden die verdickten und plattig verbreiterten 
tangentialen Strahlen der dermalen Lychniske eine verdichtete Oberflächenschicht. Innenseite ohne 
Oberflächenverdichtung, aber mit einem Überzuge von Hexaktinen, die kleiner wie die Lychniske sind 
und in unregelmäßiger Weise mit den Lychnisken und untereinander verschmelzen. Die glatte Haut am 
Scheitel hängt durch die äußerste Lychniskenlage innig mit dem Diktyonalgerüst zusammen und ist eine | 
vielfach durchlöcherte Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen liegen. j 

Phalacrus flosculus unterscheidet sich von Phalacrus hemisphaericus u. a. durch die zahlreicheren 
und viel kleineren tubulösen Vorstülpungen an der Unterseite. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Phalacrus hemisphaericus nov. sp. (Tafel XXXIX, Fig. 9, 10; Texttafel XV, Fig. 5.) 


Gehört mit der anderen Phalacrus-Art zu den kleinsten Kieselspongien. Oberseite halbkugelig 
oder schirmförmig, mit einer glatten Kieselhaut überzogen, die am Scheitel von der kreisrunden Para- 
gasteröffnung durchbrochen wird. Gegen die Paragastermündung und die Unterseite des Schwammkörpers 
ist die Kieselhaut durch verdickte Ränder scharf abgesetzt. Wie bei Phalacrus flosculus ist die ca. 1 mm 
dicke Wandung stark gefaltet und zwar bildet sie an der Unterseite der Spongie zahlreiche tubulöse Vor- 
stülpungen mit rundlichen, leicht gewölbten und am Rande ausgezackten, 2—3 mm weiten Scheiteln. 
In den tiefen Faltentälern zwischen den Vorstülpungen kleine rundliche Wanddurchbrüche. Paragaster- 
wandung mit Längsfurchen. Die an der Oberfläche der Außenseite liegenden Ostien sind wine 
besondere Epirhysen, Aporhysen und Postiken fehlen. 

Maße: Länge des Schwammkörpers 20—30 mm; Querdurchmesser des Hutes ca. 20 mm; Weite 
der Paragastermündung 5—10 mm 

Das Diktyonalgerüst ist im Innern der Wandung ziemlich regelmäßig gebaut. Es besteht aus 
Lychnisken, deren Strahlen gewöhnlich gleichmäßig mit kurzen Dornen besetzt, zuweilen aber auch glatt 
sind. Die Oktaéderkantenbalken sind frei von Dornen. An der Oberfläche der Innenseite kommen kleine, 


strahlen bilden (vgl. Texttafel XV, Fig. 5). 

Die äußere Oberfläche der Falten ist gegenüber den parenchymalen Teilen wesentlich verfestigt, 
indem die tangentialen Strahlen der obersten Lychniskenlage durch Zufuhr von Kieselsubstanz verdickt 
und verbreitert werden. Der äußere Radialstrahl der dermalen Lychniske gelangt entweder gar nicht 
zur Ausbildung oder endigt als kurzer konischer Zapfen. Am intensivsten ist die Oberflächenverdichtung 
an den Faltenrücken und den Scheiteln der tubulösen Ausstülpungen. 


| 


lichen Öffnungen durchbrochene Kieselmembran, in der zahlreiche Achsenkreuze von Stauraktinen liegen. 


— 323 — 


Die glatte Haut am Scheitel des Schwammes ist eine, von unregelmäßig zerstreut liegenden, rund- 


Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.), Misburg (s.). 
Anzahl’ der untersuchten Stücke: 4. 

Die Originale liegen in meiner Sammlung. 


Phalacrus decurrens nov. sp. 


Kurz- und dick-cylindrisch, sitzend. Scheitel abgestutzt, mit einer gegen den Rand und die in 
der Mitte des Scheitels liegende, ovale Paragastermiindung scharfrandig abgesetzten Kieselhaut überzogen. 


Die dünne Wandung bildet 2—3 mm dicke, anastomosierende Röhren, die an der Außenseite als mehrfach 
vergabelte Longitudinalfalten hervortreten. Äußere Oberfläche der Röhren mit winzigen Ostien. 
Maße: Länge des Schwammkörpers 35 mm; Dicke am Scheitel 35 mm, in der Mitte 30 mm. 
Das Diktyonalgerüst bildet vorwiegend quadratische Maschen und besteht aus Lychnisken mit 
dornigen, seltener mit glatten Strahlen. An der äußeren Oberfläche der Wandung bildet die oberste 
Lychniskenlage durch Verdickung und Verbreiterung der tangentialen Strahlen eine dichte Deckschicht. 
Die Innenseite konnte ich nicht freilegen. Sie besitzt aber wahrscheinlich ebensowenig eine Oberflächen- 
verdichtung wie die anderen Arten. Die glatte Haut am Scheitel der Spongie ist eine feinporöse Kiesel- 
. membran, in der zahlreiche, unregelmäßig zerstreute Achsenkreuze von Stauraktinen liegen. 
Phalacrus decurrens unterscheidet sich von den beiden anderen Arten durch die dick-cylindrische 
Gestalt, einen abgestutzten Scheitel und vergabelte Longitudinalfalten an der Außenseite. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s.). 
Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


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Familie Coeloptychidae v. ZITTEL. 
(1877. Studien über foss. Spongien I, S. 39.) 


Scheiben-, schirm- oder pilzférmige Lychniscosa, deren diinne Wandung zahlreiche, mehr oder 
weniger regelmäBig vergabelte, innen hohle Radialfalten bildet. Oberseite flach oder trichterférmig ver- 
tieft und mit fein- oder grobmaschigen Diaphragmen überzogen, die in der Regel mit glatten Radialbändern 
alternieren. Rand bandartig und scharfkantig gegen Ober- und Unterseite abgesetzt oder eingekerbt 
oder aber in Radiallappen zerlegt. Faltenrücken mit mehr oder weniger großen, rundlichen, spaltförmigen 

oder auf den Gipfeln warzenförmiger Fortsätze liegenden Wandlücken. Die Ostien sind als winzige Löcher- 
chen alternierend über die ganze äußere Oberfläche der Falten verteilt. Besondere Epirhysen, Aporhysen 
und Postiken fehlen. Diktyonalgerüst sehr regelmäßig. Äußere Oberfläche z. T. mit Deckschicht über- 
zogen, die aus Hexaktinen (Pentaktinen, Stauraktinen) hervorgeht. 

Obere Kreide. 


Texttafel XV. 
Skelettbestandteile der Familien Camerospongidae SCHRAMMEN, Coeloptychidae v. ZittEL, Callodietyonidae v. ZiTTEL, Coscino- 
poridae SCHRAMMEN, Microblastididae SCHRAMMEN. - 

(In 45 facher Vergrößerung.) 


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Fig. 
Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


12. 


13. 


14. 


Erklärung zu Texttafel XV. 


Familie Camerospongidae. 


Camerospongia pervia SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Kieselhaut. 
Camerospongia pervia SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Phalacrus flosculus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Kieselhaut und dermale 
Lychniske, von oben gesehen. 


Phalacrus flosculus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Kieselhaut von unten 
gesehen. 


. Phalacrus hemisphaericus SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske und 


Hexaktine. 

Toulminia Wollemanni ScHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Tremabolites megastoma RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Kieselhaut. 
Tremabolites megastoma RoEMER sp. aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Cystispongia monostoma SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske und 
Hexaktine. 

| Familie Coeioptychidae. 
Coeloptychium rude v. SEEBACH aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 
Coeloptychinm lobatum GoLpruss aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


Familie Callodictyonidae. 


Marshallia tortuosa v. ZivtEL aus der Quadratenkreide von Misburg. Lychniske. 


Familie Coscinoporidae. 
Coscinopora infundibuliformis GoLpruss aus der Quadratenkreide von Oberg. Deckschicht der 
Außenseite von unten gesehen und Lychniske. 


Coscinopora infundibuliformis GoLpruss aus der Quadratenkreide von Oberg. Oberfläche 
der Innenseite. 


Familie Microblastididae. 


Microblastidium decurrens SCHRAMMEN aus der Quadratenkreide von Oberg. Lychniske. 


© 


Gattung Coeloptychium GOLDFUSS. 


Schwammkörper scheibenförmig, seltener trichterförmig, mit scharfkantig gegen Ober- und Unter- 


seite abgesetztem, bandartigem, eingekerbtem oder lappigem Rande, gestielt. Die diinne Wandung bil- 
| det zahlreiche, mehr oder weniger regelmaBig vergabelte, innen hohle Radialfalten, die aber bei den meisten 
_ Arten nur an der Unterseite des Schwammkörpers sichtbar sind, während sie am Rande durch eine glatte 


Kieselhaut, an der Oberseite durch mehr oder weniger grobmaschige Diaphragmen verdeckt werden. Die 


| Anwachsstellen der Falten mit den Scheiteldiaphragmen sind an der Oberseite der Spongie gewöhnlich 


— 326 — 


durch glatte und feinporüse Radialbänder gekennzeichnet. An den Seiten und auf den Rücken der Radial- 

falten liegen alternierend über den weiten Skelettmaschen winzige Ostien. Besondere Epirhysen, 

Aporhysen und Postiken fehlen. Die Wandung besteht aus Lychnisken, deren mit langen Dornen und 

Lacken besetzte Strahlen zu einem sehr regelmäßig gebauten Gerüste mit longitudinalen, radialen und 

zirkulären Balkenzügen verschmelzen. Scheibenrand und Oberseite der Scheibe sind mit mehr oder weniger 

dichten, aus Hexaktinen (Pentaktinen, Stauraktinen) hervorgehenden Deckschichten überzogen. 
Obere Kreide. 


Schlüssel zur vorläufigen Bestimmung der Coeloptychium-Arten. 


Spaltförmige 
Öffnungen auf 
den Falten- 
rücken 


N RE th RR Coel. agaricoides. 


— 


Mit geschlossenem Rande und 


sehr zahlreichen Radialfalten .. Coel. deciminum. 
Individuen 
à le Mit gekerbtem oder von spalt- 
lee, formigen Wandlücken durch- 
San brochenem Rande ......4..*.. Coel. incisum. 
scheiben- 
Runde ae Scheiteldiaphragmen feinmaschig Coel. Seebachi. 
Öffnungen Individuen 
dee han groß. Scheiteldiaphragmen sehr grob- 
en Inaschig SC CSS RL Coel. rude. 
| Kleine Individuen mit gleichmäßig feinmaschiger 
Schwamm- RE : 
Kai Scheitelfläche ......... Fe pe RS PE AS a Coel. sulciferum. 
trichterförmig | Große Individuen, an deren Scheitelfläche grob- 
vertiefter maschige und feinporöse Radialbänder abwechseln Coel. princeps. 
{ pha Kleine Individuen mit lappigem Rande ....... Coel. lobatum. 


. | 


Die zahlreichen Coeloptychium-Arten stimmen in der Struktur und Tektonik der Gerüste im wesent- 
lichen überein. Um Wiederholungen zu vermeiden und im Interesse einer leichteren Ubersicht bei der 
Bestimmung der Arten will ich darum auf die Skelettverhältnisse nur hier näher eingehen und bei der 
Speziesbeschreibung lediglich die besonderen Arteigentiimlichkeiten hervorheben. 

Am Coeloptychien-Skelett lassen sich zweierlei Gewebskategorien unterscheiden, die genetisch 
und morphologisch verschieden sind, in der Regel aber in inniger Verbindung auftreten, nämlich das 
aus Lychnisken zusammengesetzte eigentliche Diktyonalgerüst, und die aus Hexaktinen und deren Deri- 
vaten (Pentaktinen, Stauraktinen) bestehende Deckschicht. Aus dem Lychniskengeriist ist der größte 


— 327 — 


Teil der Wandung aufgebaut. Die Deckschicht überzieht die äuBere Oberfläche der Radialfalten und des 
Stiels, bildet die glatte Kieselhaut, die den Rand des Coeloptychien-Kérpers umgibt, und greift schließlich 
auch auf die Scheitelfläche des Schwammkürpers über, indem sie die oberste Skelettlage der feinmaschigen 
Radialbänder abgibt, welche die Anwachsstellen der Radialfalten kennzeichnen. Als Derivate der 
marginalen Deckschicht sind wohl auch die grobmaschigen Diaphragmen anzusehen, die sich zwischen 
den feinporösen Radialbändern und abwechselnd mit ihnen über die Scheitelfläche der Coeloptychien 
spannen. 

Die Lychniske haben Strahlen, die mit langen Zacken und wurzelartigen Fortsätzen besetzt sind, 
und verschmelzen zu einem außerordentlich regelmäßigen Gerüst mit radialen, longitudinalen und zirku- 
lären Balkenzügen und regelmäßig kubischen Maschen. 

An der Oberfläche der Innenseite, die vollkommen frei von Deckschicht bleibt, ist das Diktyonal- 
gerüst ebenso regelmäßig wie im Innern der Wandung gebaut, bildet also mit den zirkulären und longi- 
tudinalen Balkenzügen der gastralen Lychniskenlage quadratische Maschen (die als Postiken fungieren). 
Die dermalen Partien des Diktyonalgerüstes erfahren dagegen, wo sie den Übergang zu den Deckschichten 
vermitteln, einige Veränderungen. Zwischen Deckschicht und oberster Balkenlage des Lychniskengerüstes 
ist nämlich ein Geflecht eingeschaltet, das aus Lychnisken besteht, die nicht so regelmäßig orientiert 
und auch kleiner sind wie die Lychniske des Diktyonalgerüstes. Ihre inneren Strahlen hängen mit dem 
Diktyonalgerüst zusammen, die äußeren verschwinden in der Deckschicht. 

Die Deckschicht tritt in drei verschiedenen Modifikationen auf, je nachdem sie die Außenseite 
der Radialfalten überzieht, oder die Kieselhaut am Rande und die fein porösen Radialbänder auf der 
Scheitelfläche zusammensetzen hilft, oder endlich die grobmaschigen Scheiteldiaphragmen bildet. 

An dem bei weitem größten Teile der Oberfläche des Schwammkörpers, nämlich an der Außen- 
seite der Radialfalten, ist sie eine durchlöcherte Kieselmembran, in der mehr oder weniger zahl- 
reiche Achsenkreuze von Hexaktinen (Pentaktinen, Stauraktinen) liegen. Diese Membran überzieht 
aber nicht gleichmäßig die darunter liegenden Maschen des Diktyonalgerüstes, sondern ist von größeren 
rundlichen Öffnungen (den Ostien) durchbrochen, die (wie bei einem Schachbrette die hellen und dunklen 
Felder) mit membranösen Partien alternieren. (Am deutlichsten tritt die schachbrettartige Struktur 
der Deckschicht an den Seiten flächen der Radialfalten hervor.) 
| Die zweite Ausbildungsform der Deckschicht, nämlich die dem unbewaffneten Auge glatt und dicht 
erscheinende marginale Kieselhaut, erweist sich unter dem Mikroskop als eine von zahlreichen rundlichen 
Löchern durchbrochene Membran. Sie entsteht durch Ausbildung durchlöcherter Platten zwischen den 
Tangentialstrahlen zahlreicher kleiner Hexaktine (Pentaktine, Stauraktine), deren gekreuzte Achsenkanäle 
bei der Untersuchung mit durchfallendem Licht leicht nachzuweisen sind, und wird gestützt durch unregel- 
mäßig orientierte Lychniske, deren Tangentialstrahlen zu einem einschichtigen Geflechte verschmelzen. 
Die inneren Radialstrahlen dieser Lychniske endigen als kurze konische Zapfen. Die äußeren vermitteln 
_ die Verbindung mit der Deckschicht. 

Ähnlich wie die marginale Kieselhaut sind auch die feinporösen Radialbänder auf der Scheitel- 
fläche von Coeloptychium zusammengesetzt und gestützt. | 

Die weitmaschigen Diaphragmen, die die Radialfalten oben abschließen und in Gemeinschaft mit 
den feinporösen Radialbändern die Scheitelfläche zusammensetzen, sind dagegen von den zwei anderen 


— 328 — 


Modifikationen der Deckschicht recht verschieden. Sie bestehen nämlich aus dickeren konzentrischen 
und dünneren radialen Kieselsträngen, die aus einem röhrenförmigen Geflechte von achsenkanalfreien 
Kieselfäden hervorgehen. 

In der Deutung des Kanalsystems möchte ich v. ZiTTEL nicht folgen. 

Nach v. ZırteL (Coelopt. S. 161) soll nämlich das eigentliche Kanalsystem auf die runden (bei 
Coel. agaricoides spaltförmigen, bei Myrmecioptychium Bodei im Scheitel warziger Fortsätze liegenden) 
Öffnungen in den Faltenrücken an der Unterseite des Coeloptychienkörpers beschränkt sein. Betrachtete — 
man diese Löcher als Einströmungsöffnungen (Ostien), so sollte der Wasserstrom durch sie in die Falten 
gelangen, sich im Falteninnern verteilen und oben durch die Diaphragmen am Scheitel wieder austreten. 
Wenn aber das Wasser von der Oberseite einträte, sollten die rundlichen Löcher wirkliche Ausströmungs- - 
öffnungen (Postiken) sein. | 

M. E. sind die Öffnungen weder als Ostien noch als Postiken anzusehen. Für die Ostien halte ich 
vielmehr die winzigen, alternierend über den Skelettmaschen liegenden Löcherchen, die namentlich an 
den Seiten aber auch auf den Rücken der Radialfalten erkennbar sind. Das Wasser wird durch sie 
unmittelbar (ohne Vermittelung besonderer Epirhysen) in die weiten kubischen Maschen des Gerüstes 4 
geführt, um durch die an der inneren Oberfläche der Wandung liegenden, durch die tangentialen Strahlen 
der gastralen Lychniske umgrenzten quadratischen Maschen, die als Postiken fungieren, in das Falten- 
innere abgegeben zu werden. Die weitere Abfuhr werden dann allerdings z. T. die runden Wandlücken — 
in den Faltenrücken übernommen haben. Ich homologisiere diese Öffnungen mit den großen rundlichen 
Wandlücken in den Faltenrücken der Guettardien, Marshallien ete. 


Coeloptychium lobatum Goror. (Texttafel XV, Fig. 11.) 


1826. Coeloptychium lobatum GoLpruss, Petr. Germ. S. 220, Taf. LXV, Fig. 11. 

1864. a Roemer, Sp. S. 4, Taf. II, Fig. 12. 

1872. Lépbontyifines lobatum u. inaequale Pomet, Pal. d'Oran S. 69. 

1872. Coeloptychium lobatum SCHLÜTER, Sp. d. Münst. $S. 17, S. 27. 

1876. ne a v. Zitte., Coelopt. S. 73. 

1877. Coeloptychium sexlobatum QUENSTEDT, Petr. V, S. 510, Taf. CXXXIX. Fig. 13. 

1889. Coeloptychium lobatum GRIEPENKERL, Königsl. S. 24. 

1900. = _ WoLLEMANN, Biewende S. 9. 

Pilzförmig, gestielt. Oberseite mit einer mehr oder weniger steil einfallenden, von einem scharfen 
vorstehenden Rande umgebenen, trichterförmigen Vertiefung, die von gleichmäßig ausgebreiteten, eng- 
maschigen Diaphragmen überzogen wird. Der schräge Seitenrand des Schwammkörpers bildet kein 
zusammenhängendes Band, wie bei den anderen Arten (ausgenommen Coel. incisum), sondern zerfällt 
in 10—12 Lappen, die durch Dichotomie oder auch durch Bifurkation aus ca. 5 Primärfalten hervorgehen. 
Unterseite eben; die Faltenrücken werden von einigen in Reihen stehenden, ziemlich weit auseinander 
liegenden, rundlichen Wandlücken durchbrochen. Skelett und Kanalsystem wie bei den anderen Arten. 

Maße: Querdurchmesser des Hutes 70—100 mm; Dicke des Hutes 20—45 mm. 

Die Spezies unterscheidet sich von Coel. incisum u. a. durch die tiefe trichterförmige Einsenkung 


FF 


in der Scheitelmitte, einen dickeren Hut und den gelappten (bei incisum eingekerbten) Seitenrand. 


— 329 — 


Verbreitung und Vorkommen: Glentorf, Vordorf, Ahlten, Münsterland. 
Belegstiicke in meiner Sammlung. 


Coeloptychium deciminum Roem. 
1841. Coeloptychium deciminum Roemer, Kr. 8. 10, Taf. IV, Fig. 3. 


1864. à 4 ATARI B. 
1876. oe = v. Zitrer, Coelopt. S. 62, Taf. I, Fig. 6 u. 7; Taf. III, Fig. 2. 
1902. a is WoLLEMANN, Liineb. S. 11. 


Scheibenförmig, gestielt. Scheitel-Diaphragmen feinmaschig; entweder gleichmäßig über die 

Oberseite verbreitet oder mit feinporösen bzw. glatten Radialbändern alternierend. Falten der Unter- 

seite sehr zahlreich; auf den Rücken mit kleinen runden Wandlücken. 

Skelett und Kanalsystem wie bei den anderen Arten. 

Maße: Scheibendurchmesser bis 115 mm; Dicke der Scheibe bis 15 mm; Zahl der Radialfalten 

(am Rande gezählt) 40—60. 

Von dem gleichgroßen, aber dickeren Coel. agaricoides u. a. durch die größere Zahl der Radialfalten 

_ und die runden (bei Coel. agaricoides meist spaltförmigen) Wandlücken auf den Faltenrücken verschieden. 

Sonst höchstens noch mit Jugendformen von Coel. Seebachi zu verwechseln (Unterscheidungsmerkmale 

unter Coel. Seebachi). 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg (z. s.), Oberg, Biewende, Ahlten, Vordorf, 

_ Schwiechelt, Lüneburg. 

Anzahl deruntersuchten Sticke: ca. 10. 

Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Coeloptychium sulciferum Roem. 
1841. Coeloptychium suleiferum Roemer, Kr. S. 10, Taf. IV, Fig. 4. 


1872. re. or SCHLÜTER, Sp. d. Münst. S. 17, 8. 27. 

1876. se es v. Zitret, Coelopt. S. 72. 

1877. - deciminum (QUENSTEDT, Petr. V, $. 517, Taf. CXX XIX, Fig. 16. 
1877. sa percussum QUENSTEDT, Petr. V, S. 512, Taf. CXX XIX, Fig. 14. 
71877. 5 agaricoides QuENSTEDT, Petr. V, S. 515, Taf. CXX XIX, Fig. 15. 


Pilzförmig, Oberseite trichterförmig vertieft, mit steil nach dem Zentrum einfallenden Seiten und 
‚gleichmäßig ausgebreiteten, feinporösen Diaphragmen. Rand schräg, breit, gewölbt. Unterseite flach, 
mit zahlreichen, meist aus sechs hervorgehenden Falten. Wandlücken in den Faltenrücken 1 mm 
weit, rund. 

1 Bei frühen Entwicklungsstadien ist der Rand von spaltförmigen Längseinschnitten durchbrochen 
(vgl. Rorm. Kr. Taf. IV, Fig. 4), welche dadurch entstehen, daß die marginale Deckschicht am Ende der 
Falten noch nicht vollstandig geschlossen ist. An älteren Stücken bleiben davon nur vertiefte Rinnen übrig. 
- Maße: Durchmesser der Scheibe 80—100 mm. Höhe des Seitenrandes ca. 30 mm. Zahl der 
Radialfalten (am Rande gezählt) 20—30. 

E Die beiden anderen Arten mit trichterförmig vertiefter Oberseite sind Coel. princeps und Coel. 
Palaeontographica. Suppl.-Bd. V. 42 


— 330 — 


Seebachi. Coel. princeps ist viel größer wie Coel. sulciferum und besitzt u. a. grobmaschige Scheitel- — 
diaphragmen, die mit feinporösen Radialbändern alternieren. Bei Coel. Seebachi, das übrigens gewöhnlich — 
scheibenförmig und nur selten trichterförmig ist, bleibt der Rand im Verhältnis zum Durchmesser dang 
Scheibe viel niedriger wie bei Coeloptychium sulciferum. : 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Misburg, Ilsenburg, Vordorf, Ahlten, Münsterland. — 
Belegstücke in meiner Sammlung. 


Coeloptychium incisum Roem. 


1841. Coeloptychium incisum Roemer, Kr. 8. 10. 


1872. 5 cf. Er SCHLÜTER, Sp. d. Münsterl. S. 47, SER 
1876. 2 7 v. Zrrtez, Coelopt. S. 65, Taf. I, Fig. 3, 4, 5. 
1889. 3 = GRIEPENKERL, Königsl. S. 24. 


Scheibenförmig, gestielt. Oberseite eben oder nach der Mitte allmählich vertieft. Die Scheitel- 
diaphragmen sind feinmaschig und wechseln mit sehr schmalen Radialbändern ab. Rand steil abfallend, 
mit tiefen, den Interstitien zwischen den Falten entsprechenden Einschnitten. Die Wandlücken auf den 
Rücken der Radialfalten sind klein und rund. 

Maße: Scheibendurchmesser 60—100 mm; Dicke der Scheibe 10—20 mm; Zahl der Radial- 
Falten (am Rande gezählt) 20—30. 

Diese Art ist durch die marginalen Einkerbungen gut gekennzeichnet. v. ZiTTEL meint allerdings, 
man könne im Zweifel sein, ob Coeloptychium incisum nicht einen Jugendzustand von Coel. deciminum 
darstelle, bei dem es noch nicht zur Überbrückung der Interstitien zwischen den Falten durch die margin 
Kieselhaut gekommen sei. Ich finde aber, daß meine Exemplare von Coel. incisum sich von gleichgroßen 
und kleineren deciminum-Individuen nicht nur durch die Randspalten, sondern auch noch durch eine 
dickere Scheibe, kräftigere Radialfalten und erheblich geringere Faltenzahl unterscheiden. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide. E 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg, Oberg, Ahlten, Vordorf, Ilsenburg, 
Münsterland. | | 

Belegstücke in meiner Sammlung. 


Coeloptychium agaricoides GoLpr. 
1826. Coeloptychium agaricoides GozLpruss, Petr. Germ. S. 31, Taf. IX, Fig. 20. 


1841. 7 x Roemer, Kr. S. 10, Taf. IV, Fig. 5. 

1872. a m SCHLÜTER, Sp. d. Münst. S. 16. 

1876. a = v. ZaTTEL, Coelopt. S. 59, Taf. III, Fig. 1, 4, 5, 6, 10; 11, 135 Tarsıyaae 
1877. = longiostium QUENSTEDT, Petr. V, S. 519, Taf. XL, Fig. 4, 2. 

1889. 35 agaricoides GRIEPENKERL, Königsl. S. 24. 

1900. 4 5 WOLLEMANN, Biewende S. 9. 

1902. r db A Liineb. S. 11. 


Scheibenförmig, gestielt. Oberseite eben oder in der Mitte leicht vertieft. Scheiteldiaphragmen 
engmaschig, mit glatten Radialbändern abwechselnd. Auf den Rücken der Radialfalten spaltförmige 
Wandlücken. | 


hs 


— 331 — 


Maße: Scheibendurchmesser bis 130 mm. Dicke der Scheibe 15—25 mm. Zahl der Radialfalten 
(am Rande gezählt) 18—30. 

Das zuverlässigste Kennzeichen liefert nach v. ZıtTeL die spaltförmige Gestalt der Wandlücken 
in den Faltenrücken. Ich kann das bestätigen, möchte aber hinzufügen, daß an manchen Individuen 
neben den spaltförmigen auch runde Wandlücken vorkommen. Weitere Unterschiede von den anderen 
Arten: bei Coeloptychium deciminum ist die Zahl der Radialfalten größer (im Verhältnis zum Scheiben- 
durchmesser), Coel. sulciferum ist an der Oberseite trichterförmig vertieft, Coeloptychium incisum hat 
einen gekerbten oder durchbrochenen Rand, Coeloptychium rude und Coel. princeps sind viel größer und 
besitzen grobmaschige Scheiteldiaphragmen, Coel. Seebachi hat runde Wandlücken auf den Faltenrücken 
und wird viel größer wie Coel. agaricoides. 

Alter und Facies: Kalkmergel der Quadraten- und Mucronatenkreide, Sandmergel der 
Mucronatenkreide. 

_ Verbreitun g und Vorkommen: Misburg, Oberg, Linden, Ahlten, Vordorf, Münster- 
land, Haldem, Lemförde. 

Anzahl der untersuchten Stücke: ca. 50. 

Belegstücke in meiner Sammlung. 


Coeloptychium princeps Roem. 


1864. Coeloptychium princeps RoEMER, Sp. S. 4, Taf. III, Fig. 1. 
1876. nn à v. Zxrrez, Coelopt. S. 69, Taf. I, Fig. 1, 2, 3, 4; Taf. III, Fig. 7. 


Schirmförmig; Oberseite trichterförmig vertieft, mit grobmaschigen Diaphragmen, die mit fein- 
porösen Radialrippen abwechseln. Randfläche schief, breit, gewölbt. An der Unterseite zahlreiche 
dicke, unregelmäßig vergabelte Falten, die aus wenigen Primärfalten des Stiels hervorgehen und an den 
Rücken von 1—2 mm weiten, ovalen oder kreisrunden Wandlücken durchbrochen werden. 

Skelett und Kanalsystem wie bei den anderen Arten. 

Maße: Querdurchmesser der Scheibe 150—200 mm; Höhe des Randes 30—50 mm. Zahl der 
Radialfalten (am Rande gezählt) 26—38. 

Die Art unterscheidet sich von Coeloptychium rude hauptsächlich durch die trichterférmig vertiefte 
Oberseite und einen bis ans Ende stark gefalteten Stiel; von allen anderen Spezies u. a. durch die großen 


Maschen der Scheiteldiaphragmen, durch die weiten Öffnungen in den Faltenrücken und durch die ver- 
_ hältnismäßig beträchtliche Dicke der Scheibe. Die Durchmesser verhalten sich bei Coeloptychium princeps 
_ wie 1:4—5. (Bei Coeloptychium rude wie 1:6—7, bei Coeloptychium Seebachi wie 1:8—10.) 


Alter und Facies: Sandmergel der Mucronatenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Lemforde. 
Anzahl der untersuchten Stücke: 1 (Roremers Original). 


Coeloptychium Seebachi v. Zirv. 


1876. Coeloptychium Seebachi v. Zxrrez, Coelopt. S. 68, Taf. II, Fig. 5, 6, 7; Taf. III, Fig. 8, 9; Taf. V, Fig. A. 
724877, “ 5 QUENSTEDT, Petr. V, S. 521, Taf. CXL, Fig. 3, 4. 
1902. 5 WoLLEMANN, Lüneb. S. 12. 


Sehr groß, scheibenförmig, seltener flach- und weittrichterförmig, gestielt. Oberseite der scheiben- 


— 332 — 


förmigen Exemplare mit einer zentralen Vertiefung. Die radialen Scheiteldiaphragmen sind engmaschig 
(nicht grobmaschig wie v. ZiTTEL angibt) und wechseln mit feinporösen Radialbändern ab, die in der Regel 
schwach erhöht sind, aber nur selten eigentliche Rippen bilden. Falten der Unterseite sehr zahlreich, 
durch mehrfache Gabelung aus wenigen, schon am unteren Ende des Stiels beginnenden Primärfalten 
entstehend. Die runden Öffnungen auf den Faltenrücken sind klein und kreisrund. 

Skelett und Kanalsystem wie bei den anderen Arten. 

Maße: Scheibendurchmesser 150—280 mm. Dicke der Scheibe 10—30 mm. Zahl der Radial- 
falten (am Rande gezählt) 36—48 und mehr. 

Von den beiden fast gleichgroßen (aber dickeren) Arten Coel. rude und Coel. princeps ist Coel. 
Seebachi u. a. leicht an seinen feinmaschigen Scheiteldiaphragmen und an den winzigen Wandlücken — 
in den Faltenrücken zu unterscheiden. Mit den anderen Spezies könnten höchstens juvenile Individuen 
verwechselt werden. Man wolle hier beachten, daß Coeloptychium agaricoides spaltförmige Öffnungen 
auf den Faltenrücken und Coeloptychium incisum einen eingekerbten oder wenigstens von großen Spalten 
durchbrochenen Rand hat. Bei Coeloptychium sulciferum beträgt die Höhe des Randes ungefähr !/, des. 
ganzen Scheibendurchmessers (bei Coel. Seebachi !/—\/y)- 

Die Unterscheidung von Coel. deciminum kann Schwierigkeiten machen, wenn große ausgewachsene 
Individuen dieser kleinen Art und juvenile Seebachi-Exemplare zu vergleichen sind. Gewöhnlich geht 
bei Coel. Seebachi der vom unteren Ende an gefaltete Stiel allmählich in die Scheiben über, während der 
Stiel von Coel. deciminum scharf abgesetzt ist. 

Alter und Facies: Kalkmergel und Sandmergel der Mucronatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Misburg, Lüneburg, Haldem und Lemförde. 

Anzahl der untersuchten Sticke: ec. 

Belegstiicke in meiner Sammlung. 


Coeloptychium rude v. Srrpacu. (Tafel XXXXV, Fig. 3; Texttafel XV, Fig. 10.) 


1876. Coeloptychium rude v. SEEBACH bei v. ZITTEL, Coelopt. 8. 71, Taf. I, Fig. 1, 2. 
1902. a »  WOLLEMANN, Lüneb. S. 12. 


Scheibenförmig, mit schwacher Vertiefung in der Scheitelmitte, gestielt. Oberseite mit sehr grob- 
maschigen Diaphragmen, die mit feinporösen, oft leistenartig erhöhten Radialbändern abwechseln. Unter- 
seite mit zahlreichen, unregelmäßig vergabelten, dicken Radialfalten, deren Rücken von in Reihen open 
ca. 1 mm weiten, runden Wandlücken durchbrochen werden. - 

Kanalsystem und Skelett wie bei den anderen Arten. 

Maße: Scheibendurchmesser 150—200 mm und mehr. Dicke der Scheibe 20—25 mm. Zahl 
der Radialfalten (am Rande gezählt) bis 50. - 

Coeloptychium rude unterscheidet sich von dem sehr nahe stehenden Coeloptychium princeps durch 
scheibenförmige Gestalt. (Bei Coel. princeps ist die Oberseite trichterförmig vertieft.) Von allen anderen 
Coeloptychiumarten durch die sehr grobmaschigen Scheiteldiaphragmen. (Auf 0,5 gem 24—30 Maschen. 
Bei dem niedrigeren Coeloptychium Seebachi, das aber in der Weite dieselben Dimensionen wie Coeloptychium 
rude erreicht, gehen auf 0,5 gem 150 und mehr Maschen.) 

Alter und Facies: Kalkmergel der Mucronatenkreide. , 


as COR 


Verbreitung und Vorkommen: Ahlten, Misburg. 
Anzahl der untersuchten Stücke: 4. 
Die Belegstücke liegen in meiner Sammlung. 


Gattung Myrmecioptychium nov. gen. 


Schirm- oder pilzförmig, gestielt. Oberseite eben oder leicht vertieft; Scheiteldiaphragmen eng- 
maschig, Radialbänder feinporös. Unterseite mit mehr oder weniger zahlreichen Radialfalten, auf deren 
Rücken warzenförmige Erhöhungen liegen, die am Scheitel von großen runden Öffnungen durchbrochen 
werden. Skelett und Kanalsystem wie bei Coeloptychium. 

Obere Kreide. 


| 

& 

‘ 

| 

| Die Gattung unterscheidet sich von Coeloptychium durch warzenförmige Erhebungen, die auf den 
2 

: 

7 


Faltenrücken liegen und distal von großen runden Öffnungen durchbrochen werden. 


Myrmecioptychium Bodei nov. sp. 


Schirm- oder pilzförmig (coeloptychienförmig), mit weit- und flachtrichterförmig vertiefter Ober- 
seite, die von engmaschigen Scheiteldiaphragmen, welche mit rippenartig vorspringenden, feinporösen 
Radialbändern alternieren, überzogen wird. Rand schräg. Unterseite mit zahlreichen Radialfalten, 
auf deren Rücken warzenförmige Erhebungen liegen, die am Scheitel von ca. 2 mm weiten runden Off- 
nungen durchbrochen werden. 

Maße: Scheibendurchmesser 80—100 mm; Dicke der Scheibe ca. 20 mm; Zabl der Radialfalten 
(am Rande gemessen) 30 und mehr. Höhe der Warzen auf den Faltenrücken ca. 2 mm; Querdurchmesser 
der Warzen ca. 4 mm. 

Die Art repräsentiert einen für die deutsche Oberkreide neuen Typus der Coeloptychiden-Familie. Eine 
verwandte Form hat Sınzow!) aus denKreidemergeln der Gouvernements Saratow und Simbirsk in OstruBland 
unter dem Namen Coeloptychium subagaricoides beschrieben. Die russische scheint sich von der deutschen 
Spezies namentlich durch weniger Radialfalten und einen größeren Schwammkörper zu unterscheiden. 

Wie bei allen Spongien aus der tonigen Granulatenkreide der Umgebung von Braunschweig ist 
auch an meinen Belegstücken das Skelett zerstört. Wir wissen aber von v. ZırteL, daß die russische Art 
in der Mikrostruktur mit den Coeloptychienarten übereinstimmt. 

Alter und Facies: Tone der Granulatenkreide. 

Verbreitung und Vorkommen: Umgebung von Braunschweig (Broitzen). 

anzahl der untersuchten Stücke: 2. 

Das Original liegt in meiner Sammlung. 


Familie Cinclidellidae nov. fam. 


Schlank-trichterférmige (spitzglasförmige) Lychniscosa mit dünner Wandung. Außenseite mit 
kleinen, dicht nebeneinander liegenden, rundlichen Ostien von kurzen Epirhysen. Ohne besondere 


1) Sınzow, Über Jura- und Kreideversteinerungen im Gouvernement Saratow. Materialien zur Geologie Russl. IV. 
1872. S. 49, Taf. VII, Fig. 1—4. 


— 334 — 


Aporhysen und Postiken. Im Diktyonalgeriist große Lychniske, die im Innern der Wandung und an 
der Oberfläche der Innenseite ein weitmaschiges Geriist mit vorwiegend rechteckigen Maschen aufbauen 
und kleinere, die zu unregelmäßigen Geflechten verschmelzen, welche z. T. die großen Maschen überbrücken 
und ausfüllen. Außenseite mit einer geflechtartigen Deckschicht. 

Obere Kreide. 


Gattung Cinclidella nov. gen. 


Spitzglasförmig, mit dünner Wandung, langgestielt. Außenseite mit kleinen, dicht nebeneinander 
liegenden, rundlichen Ostien von kurzen Epirhysen. Besondere Aporhysen und Postiken fehlen. Das 
Stützskelett besteht aus großen Lychnisken, die im Innern der Wandung und an der Oberfläche der — 
Innenseite ein weitmaschiges Gerüst mit vorwiegend rechteckigen Maschen aufbauen, und kleineren, die 
zu unregelmäßigen Geflechten verschmelzen, welche z. T. die großen Maschen überbrücken und ausfüllen. 
Außenseite mit einer geflechtartigen Deckschicht. 

Obere Kreide. 


Cinclidella solitaria nov. sp. (Tafel XXXI, Fig. 6; Fexttafel XI, Fig. 1.) 


Spitzglasförmig, dünnwandig, mit engem und tiefem Paragaster, langgestielt. 
Außenseite mit unregelmäßig angeordneten, dicht nebeneinander liegenden, rundlichen Ostien 
(25—30 auf 0,5 qem) von kurzen Epirhysen. Besondere Aporhysen und Postiken sind nicht entwickelt. 
Maße: Längsdurchmesser ca. 20 cm; Querdurchmesser am vorderen Ende ca.4cm; Wanddicke 3mm. 
Das Stützskelett besteht aus Lychnisken von verschiedener Größe, nämlich aus sehr großen, mit 
glatten Strahlen, die im Innern der Wandung und an der Oberfläche der Innenseite zu einem sehr weit- 
maschigen Gerüste mit kräftigen, in longitudinaler und zirkulärer Richtung verlaufenden und rechteckige 
Maschen umschließenden Balkenzügen verschmelzen, und kleineren Lychnisken, die zu mehr oder weniger un- 
regelmäßig gebauten Geflechten verbunden sind, welche die großen Maschen z. T. überbrücken und ausfüllen. — 
Alter und Facies: Cuvieripläner. | 
Verbreitung und Vorkommen: Gr.-Heere. 
Anzahl der untersuchten Stmckend 
Das Original liegt in der Göttinger Universitätssammlung. 


Familie Bolitesidae nov. fam. 


Plattige Lychniscosa mit dicker Wandung. Außenseite mit ovalen, in Quincunx stehenden Mün- 
dungen von weiten röhrenförmigen Kanälen, welche die ganze Wandung in schräger Richtung durchdringen. 
An der wabenartigen Innenseite stehen die unregelmäßig rundlichen, sehr weiten Mündungen dieser 
Kanäle alternierend in Längs- und Querreihen mit ähnlichen Mündungen von Kanälen, die unter der 
Oberfläche der Innenseite blind endigen. Die Verbindung beider Kanalsysteme erfolgt durch kleine rund- 
liche Öffnungen in den Septen. Die sehr weiten Maschen des aus Lychnisken mit ungewöhnlich langen 
und dünnen Strahlen bestehenden Diktyonalgerüstes sind von unregelmäßigen, achsenkanalfreien Kiesel- 
gespinsten überbrückt, die von den Strahlen der Lychniske ausgehen. Die Tangentialstrahlen der dermalen 


— 335 — 


und gastralen Lychniske sind plattig verbreitert. Ihre äuBeren Radialstrahlen erheben sich über die Ober- 
flächen als lange dornige Kieselstäbe und endigen mit kurzen Kieselbüscheln. 
Obere Kreide. 
Gattung Bolitesia nov. gen. 


Dickwandige Platten. Beide Seiten mit sehr weiten Kanalmündungen, die an der Außenseite in 
Quincunx, an der Innenseite in Längs- und Querreihen stehen. Die Mündungen an der Außenseite gehören 
zu einem System von weiten röhrenförmigen Kanälen, welche die ganze Wandung in schräger Richtung 
durchbohren. Die Kanalmündungen an der wabenartigen Innenseite gehören z. T. demselben System 
an, zum Teil gehören sie zu weiten Kanälen, die mit den von außen kommenden Kanälen alternieren 
und unter der Oberfläche der Außenseite blind endigen. Beide Kanalsysteme kommunizieren durch kleine 
Öffnungen in den Scheidewänden. Das Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken mit sehr langen und 
dünnen Strahlen. Die Maschen sind mit von den Strahlen ausgehenden, achsenkanalfreien Kieselgespinsten 
erfüllt. An den Oberflächen werden die Tangentialstrahlen der Lychniske und die Kieselgespinste plattig. 
Die äußeren Radialstrahlen erheben sich über die Oberfläche als dornige Kieselstäbe mit buschigen Enden. 

Obere Kreide. 


Bolitesia mirabilis nov.sp. (Tafel XXXIII, Fig. 9; Tafel XXXXV, Fig. 5; Texttafel XI, Fig. 3.) 


Von dieser Art, die in mehrfacher Hinsicht einen neuen und ganz eigenartigen Typus darstellt, 
kenne ich nur ein ca. 5 em langes, 2—2,5 cm breites und 1—1,5 cm dickes Fragment, nach dem man auf 
einen plattenförmigen Schwammkörper schließen kann. An der einen Breitseite, die ich für die Außenseite 
halte, liegen in Quincunx (auf 1 gem etwa 4-5) ovale, 4-5 mm lange und 2—3 mm breite Öffnungen 
von sehr weiten Kanälen, die die Wandung in schräger Richtung vollkommen durchdringen. Mit den 
3—5 mm weiten, unregelmäßig rundlichen oder undeutlich viereckigen Mündungen dieser Kanäle alter- 
nieren an der Innenseite gleichgroße und ähnlich geformte Öffnungen von Kanälen, die ebenfalls schräg 
in die Wandung eindringen, aber unter der Oberfläche der entgegengesetzten Seite blind endigen. Beide 
Kanalsysteme stehen durch kleine rundliche Löcher in den Scheidewänden der Tuben in Verbindung. 
Die Kanalmündungen stehen an der Innenseite in Längs- und Querreihen und zwar so, daß der Länge 
und Quere nach auf die Mündung einer blinden Kanalröhre jedesmal die Öffnung einer die ganze Wandung 
durchbohrenden Tube folgt. Da die Tubenwandungen im Verhältnis zur Weite der Tuben ziemlich dünn 
sind (ca. 1,5 mm), erinnert die Innenseite lebhaft an Honigwaben. 

Die Spezies ist durch eine, allen anderen Lychniscosa fehlende Eigentümlichkeit des Diktyonalgerüstes 

ausgezeichnet, die darin besteht, daß die durch die Verschmelzung der Lychniskenstrahlen gebildeten 
Maschen durch achsenkanalfreie, anastomosierende Geflechte und Gespinste überbrückt und ausgefüllt 
werden, die ihren Ursprung von den Strahlen der Lychniske nehmen. Die Strahlen besitzen eine im 
Verhältnis zur Dicke ganz ungewöhnliche Länge, und die Ausfüllung der Maschen mit Gespinsten und 
Geflechten stellt eine Kompensation für die Einbuße an Stabilität dar, die das Stützgerüst durch die 
ungewöhnliche Weite der Skelettmaschen erleidet. Die Orientierung der Lychniske ist wenig regelmäßig. 
Es ist aber unverkennbar, daß longitudinale und zirkuläre Balkenzüge vorwiegen. Die äußeren Radial- 
strahlen der dermalen und gastralen Lychniske erheben sich über die Oberfläche als lange dornige Kiesel- 
stäbe und endigen gewöhnlich mit verzweigten Kieselbüscheln. Eine gewisse Verdichtung erfährt die 


— 336 — 


Oberfläche des Diktyonalgerüstes stellenweise dadurch, daß die Tangentialstrahlen der äußersten 
Lychniskenlagen und die zwischen diesen Strahlen ausgespannten Gellechte plattig en sind. 
Alter und Facies: Kalkmergel der Quadratenkreide. 
Verbreitung und Vorkommen: Oberg (s. s.). 
Das Original ist Unikum und liegt in meiner Sammlung. 


_ Familie Ophrystomatidae nov. fam. 


Plattige Lychniscosa, die auf der Oberseite mit einer glatten, von zahlreichen rundlichen Offnungen 
mit umwallten Rändern durchbrochenen Kieselhaut überzogen sind. In der Deckschicht kleine Achsen- 
kreuze (von Stauraktinen ?). , 

Obere Kreide. 

Familien- und Gattungsdiagnose sind abgeleitet aus der Zrrrezschen Gattungsdiagnose und 4 
Angaben F. A. Rormers über die einzige Ophrystoma-Art. 


Gattung Ophrystoma v. ZITTEL. 


Plattig ausgebreitet. Auf der mit einer dichten glatten Kieselhaut überzogenen Oberseite zahlreiche 
ziemlich große rundliche und umwallte Öffnungen. Das Diktyonalgerüst besteht aus Lychnisken. In 
der glatten Kieselhaut kleine Achsenkreuze (von Stauraktinen?). 

Obere Kreide. 

Ophrystoma micrommata Roem. sp. 


1864. Porospongia micrommata RoEMER, Sp. S. 9, Taf. IV, Fig. 14. 
1877. Ophrystoma micrommata ZitTeL, Stud. I, S. 55. 

1883. fe 5 Hinwe: CAT Sa 129: 

?1889. _ a GRIEPENKERL, Königsl. S. 23. 


F. A. Roemers Diagnose lautet: „Der Schwamm bildet weite Ausbreitungen und zeichnet sich 
durch die geringe Größe und große Anzahl der Mündungen aus; diese sind abgestutzte, niedrige Kegel 
und haben einen feinen, vorspringenden Rand.“ Das Diktyonalgerüst besteht nach v. ZirreL aus Lych- 
nisken. Deckschicht mit kleinen Achsenkreuzen (von Stauraktinen?). Ich habe leider kein gut er- 
haltenes Exemplar dieser Art untersuchen können. 

Alter und Facies: Varianspläner. 

Verbreitung und Vorkommen: Kahnstein bei Langelsheim. 


Hexactinelliden unsicherer Stellung. (Tafel XXXI, Fig. 7; Texttafel 11, Fig. 11.) 


Hexaktinen mit dünnen, 1,5—2 mm langen, an den Enden zugespitzten Strahlen erfüllt zeigten (Textt. 
Fig. 11). Ich muß darauf verzichten, die Skelettreste zu klassifizieren. 
Von zahlreichen Hexaktinellidenarten habe ich ferner frühe Entwicklungsstadien im geschlemmter 
Ätzrückstande des Oberger Spongienmergels gefunden (Tafel 31, Fig. 7). 
Auch hier war in den meisten Fällen eine sichere Bestimmung untunlich 


‘ 


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Ergebnisse und Schlussbemerkungen. 


Aus der Kreideformation der ganzen Erde waren etwa fünfzehn Kieselspongien-Familien bekannt. 
Jetzt sind es ca. fünfundvierzig geworden. Alle kommen auch in der Oberkreide von Nordwestdeutsch- 
and vor; sie sind sogar zum größten Teil vorläufig nur in diesem Verbreitungsgebiete nachgewiesen 
worden. Achtzehn Familien davon leben noch in der Jetztzeit. 

Ganz wenige Familien, nämlich die Desmacidonidae, Renieridae und wohl auch die Scolioraphidae 
gehören zu den monaxonen Silicea im engeren Sinne. Ein Paar, und zwar die Rhizomorinidae und 
Megarhizidae, vertritt die lithistiden Monaxonia, und eine einzige Familie ist m. E. in keiner der drei für 
die lebenden Silicea geltenden Ordnungen unterzubringen, das sind die Sphaerocladinidae. Alle anderen 
Gruppen und Grüppchen lassen sich zwanglos entweder den Tetraxonia oder den Hexactinelliden einordnen. 

Die Systematik der Ordnung Tetraxonia habe ich allerdings durchgreifend ändern, und auch die 
ZırreL’sche Haupteinteilung der Hexactinelliden durch die natürlichere des Zoologen F. E. SCHULZE 
ersetzen müssen. 

Veranlassung zur Neueinteilung der Tetraxonia gab mir die unnatürliche und gezwungene Zu- 
sammenfassung aller lithistiden Silicea zu einer geschlossenen Gruppe, die v. ZıtteL bekanntlich als 
den Tetractinellidae, Hexactinellidae etc. gleichwertige Ordnung ansah, während Sorras, v. LENDENFELD 
und andere Zoologen, denen sich auch Raurr angeschlossen hat, sie mit einer zweiten Hauptgruppe, 
welche die Formen mit vierachsigen Skelettelementen des regulären Typus umfaßt, den Tetraxonia unter- 
ordneten. Diese Systematik konnte man allenfalls noch für alle Silicea mit lithistidem Habitus, welche 

- durch vierachsige Skelettelemente im Stütz- oder nur im Dermalskelett mehr oder weniger deutlich als 
… Tetraxonia gekennzeichnet sind, gelten lassen. Dagegen waren alle Formen, welche, wie die Rhizomorinidae 
und Sphaerocladinidae, tetraxoner Elemente gänzlich ermangeln, unbedingt abzusondern und, wo es an- 
ging, wie bei den durch die Achsenanlage als Monaxonia charakterisierten Rhizomorinen, näher ver- 

_ wandten Abteilungen zu überweisen. 

Aber auch innerhalb der tetraxonen Lithistiden unterschied ich noch zwei Kategorien, die zwar 
infolge der gemeinsamen, aber, wie wir gesehen haben, aus konvergenter Züchtung hervorgehenden Fähig- 
keit der Zygosenbildung verwandtschaftliche Beziehungen höheren Grades vortäuschen, durch die 
Achsenanlage der Desme und die Kombination der Desme und Dermalia aber divergieren, und zu zwei 

_ verschiedenen, und scharf getrennten Tetraxoniagruppen mit regulären Skelettelementen 
‚hinneigen. Auf die eine Seite stellte ich die Lithistiden mit vierachsigen Desmen und vierachsigen 
Dermalia (die Tetracladinidae) und als Gruppe mit unverbundenen Skelettelementen des regulären Typus 
“die Pachastrellidae, auf die andere die Lithistiden mit einachsigen Desmen und vierachsigen Dermalia 
Palaeontographica, Suppl.-Bd. V. 43 


Were 


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( Megamorinidae und Corallistidae) und als Gruppe mit regulären Skelettelementen die Stellettidae. Die 
erste Abteilung habe ich als Caltropina, die zweite als Rhabdina zusammengefaBt, und beide als Triben 
einer neuen Unterordnung Pleonasterophora unterstellt, die als Mikrosklere Spiraster und auch Amphiaster, 
Microrhabde und Centrotyle, aber niemals Sigme oder Sterraster hat. 

Als weitere Unterordnungen der Tetraxonia betrachtete ich die Sigmatophora SozLas, die Mega-- 
sclerophora v. LENDENFELD und eine neue Unterordnung Sterrasterophora SCHRAMMEN, welche nur die 
Geodiden enthalt. 

In der Haupteinteilung der Hexactinelliden bin ich, wie gesagt, F. E. Schutze gefolgt, welcher 
den Nachweis erbracht hat, daß alle lebenden Hexactinelliden in zwei natürliche Hauptgruppen zerfallen, 
nämlich die Hexactinelliden mit Hexastern und die Hexactinelliden mit Amphidisken (/exasterophora 
und Amphidiscophora). Nun sind allerdings die Hexaster und Amphidiske bei den fossilen Arten so gut 
wie nie erhalten geblieben. Trotzdem habe ich fast alle kretazischen Hexactinelliden zu den Hexastero- 
phora gestellt. Der Beweis der Zugehörigkeit war freilich nur indirekt zu führen. Bei allen Hexactinel- 
liden-Gattungen nämlich, die der Kreideformation und Jetztzeit gemeinsam sind, haben die lebenden 
Arten Hexaster. Sie sind darum auch bei den fossilen Spezies jener Genera vorauszusetzen. 
Fast alle anderen Hexactinelliden der Kreide schließen sich aber diesen Gattungen in der Goa 
organisation mehr oder weniger eng an. 

Die Hexasterophora habe ich weiter gegliedert in die beiden Triben Hexactinosa (Hexasterophora 
mit einem aus Hexaktinen aufgebauten Diktyonalgerüst) und Lychniscosa (Hexasterophora mit einem — 
aus Lychnisken bestehenden Diktyonalgerüst). Für ein Äquivalent beider Gruppen halte ich eine dritte, 
welche die Euplectelliden und verwandte Formen enthält. 

Den Hexactinosa ordnete ich als Subtriben die Uncinataria F. E. SCHULZE und Inermia F. E. 
SCHULZE unter, und außerdem eine Anzahl kretazischer Familien, deren Zugehörigkeit zu den genannten 
Subtriben zwar nicht unmittelbar durch der Kreide und Jetztzeit gemeinsame Gattungen zu erweisen 
war, die aber im Bau der Diktyonalgerüste den Uncinataria und Inermia näher stehen wie alle anderen 
lebenden und fossilen Hexactinellidengruppen. 

Ich lasse nunmehr einen kurzen Überblick der alten und neuen Silicea aus der oberen Kreide von 
Nordwestdeutschland folgen. 

Von lebenden Tetraxonia-Familien mit unverbundenen Skdlettelembnten des regulären Typus 
waren aus der Kreide die Pachastrellidae SoLnas schon bekannt. Hierzu kommen jetzt die Tetillidae 
SoLLas, Stellettidae SoLLAS (v. LENDENF.) und Geodiidae SOLLAS. ] 

In der Kreide gab es sodann zwei Tetraxonia-Gruppen mit lithistidem Skeletthabitus, nämlich 
die Tetracladinidae Zırr. und Megamorinidae Zırr. Ihre Zahl wird durch die neu nachgewiesenen 
Corallistidae Sorzas und die neu aufgestellte.-Familie der Helomorinidae ScHRAMMEN verdoppelt. > 

Zwei weitere neue Tetraxonia-Familien mit eigentümlicher Skelettorganisation kommen ferner in 
den Ophiraphididae SCHRAMMEN und Helobrachidae SCHRAMMEN hinzu. 4 

Die Mikrosklere der fossilen Pachastrelliden, Tetilliden, Stellettiden und Geodiden bleiben nur 
äußerst selten in Vergesellschafterung mit den Megaskleren erhalten. Die morphologischen Eigentümlich= 
keiten der Megasklere, und die Kombinationen, in denen diese auftreten, boten aber gute Anhaltspunkte 
zur Familienbestimmung. Von einer Einordnung der fossilen Arten in rezente Genera mußte ich hier 


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allerdings absehen, weil Körperform und Kanalsystem gewöhnlich dem Versteinerungsprozeß nicht 
standgehalten haben. Manchmal ergab aber allein schon die Skelettvergleichung nähere Beziehungen 
zu lebenden Formen. Z. B. stimmen die triänen Megasklere der fossilen Stellettide Stolleya ornatissima 
SCHRAMMEN und der lebenden Anthastra piriformis SoLLAs fast überein. Theneopsis Steinmanni ZimT. 
nähert sich hierin der lebenden Sphinctrella eribrifera SoLLAS, Geodiopsis cretacea SCHRAMMEN weist eine 
- ähnliche Nadelzusammenstellung wie lebende Geodia-Arten auf, und die Untersuchung von Geodiopsis 
 microthrinax SCHRAMMEN deutete Berührungspunkte mit dem rezenten Genus Jsops an. 
Die Tetillidae und Geodiidae sind in der Kreide von Nordwestdeutschland nur durch je zwei sehr 
4 seltene Arten vertreten; die Pachastrellidae sogar nur durch eine einzige, von der ich aber zahlreiche und 
schöne Exemplare gefunden habe. Auf die Stellettidae kommen dagegen vier Spezies; einige davon gehören 


2 


4 zu den nicht ganz seltenen und auch verhältnismäßig gut erhaltenen Vorkommnissen. 

Unter den lithistiden Tetraxonia nehmen die Tetracladinidae an Formenmannigfaltigkeit 
die erste Stelle ein. Den 16 von v. Zırter, HiNDE und anderen unterschiedenen Genera konnte ich fast 
ebenso viel neue hinzufügen. Zur Erleichterung der Übersicht habe ich die Tetracladinen in Unterfamilien 
zerlegt. Die Unterscheidungsmerkmale ergaben sich aus der Spezialisierung der Desme und Dermalia. 
Die Unterfamilien repräsentieren zum Teil Formenkreise, welche zu Entwicklungsreihen gehören, die 
zur Kreidezeit in reicher Blüte standen, während heute nur noch Rudimente existieren. 

Weniger gegliedert erwies sich die Familie der Megamorinidae. Immerhin konnten mehrere neue 
Gattungen bezw. Untergattungen und zahlreiche neue Arten beigebracht werden. 

Dasselbe gilt von den Corallistidae. Die Skelettelemente dieser Familie beanspruchen übrigens Inte- 
resse wegen einer Konvergenzerscheinung, Sie besitzen nämlich wie die Sphaerocladinidae, wie manche 
 Tetracladinen (Plinthosella Zırr., DactylotusScurm.) und auch die paläozoischen Hindiaden einen verdickten 
Basalteil (Brachyom), von dem nach einer Seite mehrere (gewöhnlich drei) Clone ausgehen. Während 
aber die eben genannten Tetracladinen im Brachyom und in jedem Clon Achsenkanäle haben, ist das 
-Crepidom der Corallistidae monaxon, und zwar fällt der Verlauf des Achsenkanals mit der Längsachse 
des Brachyoms zusammen. Weitere, z. T. auf konvergenter Züchtung beruhende, Formparallelismen 
‚bilden bei Corallistiden und Tetracladinen die dermalen Dichotriaene, Phyllotriaene etc. 

Die neue Lithistiden-Familie der Helomorinidae umfaßt nur die zwei Arten der Genera /soraphinia 
ler. und Pachycothon Scurm. In der Zırreischen Systematik stand /soraphinia bei den Megamorinen. 
Die Desme von /soraphinia unterscheiden sich aber von Megaclonen durch fadenförmige Gestalt, Mangel 
an längeren Ästen, und durch Achsenkanäle, die nicht nur einen kurzen Teil des Epirhabds, sondern 
das ganze ,,Heloclon“ der Länge nach durchziehen. Nach der Kombination der Desme und Dermalia 
(Dichotriaene) gehören auch die Helomorinidae zu den Tetraxonia. Die Mikrosklere sind aber nicht bekannt. 
Darum habe ich es vermieden, die Familie einer der vier geltenden Unterordnungen zu unterstellen. 
Aus demselben Grunde behandle ich auch die Ophiraphididae SCHRAMMEN und Helobrachidae 
ScHRAMMEN als Tetraxonia unsicherer Stellung. Die Ophiraphididae sind bisher fast ganz übersehene, 
‚aber wichtige Charakterformen der Oberkreide, deren Skelett aus langen, glatten, schlangenförmigen 
‚Nadeln besteht, w